Das Kötztinger Krankenhaus wird Kreiskrankenhaus
Vor 50 Jahren, im Januar 1976, endete die Ara des Seraphischen Liebeswerkes als Träger des Krankenhauses in Kötzting mit der Übernahme des Hauses als Kreiskrankenhaus des Landkreises Cham.
45 Jahre lang war diese soziale Stiftung unter der Ägide des Präses Pater Emmeram Glasschröder auch für das Krankenhaus Kötzting zuständig und hatte dieses nicht nur die viele Höhen und Tiefen geleitet, sondern auch weitgehende Um- und Neubauten am Haus vorgenommen, das gleichzeitig eines der ältesten Häuser Kötztings ist, einer seiner Urhöfe, der Gschwandhof.
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| Praeses des Seraphischen Liebeswerkes aus Altötting: Pater Emmeram Glasschröder |
Parallel dazu gibt es noch ein paar Geschichten am Rande, die in der Entstehungszeit des Kötztinger Krankenhauswesens so angefallen sind. Unter dem Titel: "Krankenhaus-„Geschichten“ hatte Frau Serwuschok für den Bericht vom 11.1.1976 einige Recherchen im Stadtarchiv zusammengefasst:
Hinweis: 1845 war das Kötztinger Krankenhaus aber noch nicht in diesem Gebäude, sondern im alten Ecklshof in der heutigen Schattenausstraße untergebracht, das das erste Bezirkskrankenhaus Kötztings geworden war.
Kötztinger Ära des Seraphischen Liebeswerkes ist zu EndeDurch 45 Jahre Werke der Liebe an Kindern und an Kranken
Vom segensreichen Wirken des Seraphischen Liebeswerkes
Vom segensreichen Wirken des Seraphischen Liebeswerkes Altötting profitierte Kötzting seit 1930. Das war das Jahr, in dem Schwester M. Emmerama Glasschröder von der Kongregation der Armen Franziskanerinnen in Mallersdorf als Oberin hierher kam. Ihr Onkel, der Kapuzinerpater Emmeram Glasschröder, ein gebürtiger Sommerauer, war zu dieser Zeit bereits Generalpräses des Seraphischen Liebeswerkes, das nun die Trägerschaft für das St.-Josefs-Heim, ein Waisenhaus, übernahm.
Onkel und Nichte, von gleichen Sendung erfüllt und eins in den Bemühungen, elternlosen, armen oder gefährdeten Kindern ein neues Zuhause zu geben, fanden zu der denkbar besten Zusammenarbeit. Sie schufen mit vereinten Kräften bleibende Werte und Werke. Sie kapselten sich nicht in klösterlicher Beschaulichkeit von der Welt ab, sondern dienten ihr und den Menschen nach dem Reichtum der Gaben und Fähigkeiten, die ihnen der Herrgott geschenkt hat.
Das Josefsheim wurde aufgestockt, eine Nähschule betrieben, der Kindergarten unterhalten. Die Einrichtungen trotzten der politischen Entwicklung, überlebten das Dritte Reich.
Nach dem zweiten Weltkrieg übernahm das Seraphische Liebeswerk 1947 auch das Kreiskrankenhaus mit seinen 34 Betten, die schon bald nicht mehr ausreichten. Die Einwohnerzahl hatte sich im weiten Umkreis durch den Strom der Flüchtlinge nahezu verdoppelt. „Himmelstürmendes Gottvertrauen“ wird Pater Emmeram nachgerühmt. Das seiner Nichte dürfte nicht kleiner gewesen sein, als sie den notwendigen Um- und Ausbau einleitete. In dieser Sturm- und Drangperiode, in die auch noch die Währungsreform hereinplatzte, bewies die Klosterfrau, dass sie sehr wohl ihren Mann zu stehen vermag. Sie richtete zunächst ein Behelfskrankenhaus im Hotel „Zur Post“ ein, wo gerade die Amerikaner abgezogen waren, und ging „auf den Bettel“, vor allem im Lamer Winkel, um Naturalien gegen Baumaterial eintauschen zu können. Und höher als alle Widerwärtigkeiten wuchsen schließlich die Mauern des neuen Krankenhauses, das Bischof Dr. Michael Buchberger am 14. Oktober 1949 einweihte.
Von diesem großen Tag der Einweihung des Krankenhausneubaues gibt es eine beeindruckende Bilderserie von Josef Barth sen.
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| Foto Josef Barth: Die Pater des Seraphischen Liebeswerkes warten auf den Bischof Michael Buchberger am 18.10.1949 |
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| Foto Josef Barth: Bischof Michael Buchberger |
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| Foto Josef Barth: links zu erkennen: Bgm Hans Kroher, Max Wanninger der Kripperlvater, Pfarrer Josef Dietl. rechtes KB Krämer |
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| Foto Josef Barth: Pater Emmeram Glasschröder und Bischof Dr. Michael Buchberger |
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| Foto Josef Barth: 18.10.1949 |
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| Foto Josef Barth: 18.10.1949 Bild eines Krankenzimmers im Neubau |
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| Foto Josef Barth: 18.10.1949 rechts Pater Emmeram und KB Krämer |
Jetzt standen hundert Betten zur Verfügung. Ihre Zahl wurde durch einen zweiten Umbau 1956/57 auf 130 erweitert. 1962 wurde das Waisenhaus aufgelöst und die Räumlichkeiten als Schwesternwohnhaus genützt. Nach „Umsiedlung“ des Kindergartens, ebenso wie in den neuen Gebäuden, die im Hof errichtet wurden, zusätzlicher Platz gewonnen werden. Trotzdem ist jetzt ein Neubau dringend notwendig. Die Weichen sind gestellt, die ersten Schritte in diese Richtung getan.
Das Krankenhauswesen in unserer Stadt steht an einer Wende. Das Bemühen, den Kranken optimale Hilfe zuteil werden zu lassen, wird unverändert bleiben. Pioniertaten haben Generalpräses Pater Emmeram und Frau Oberin M. Emmerama geleistet. Die Stadt bedankte sich bei beiden, indem sie ihnen das Ehrenbürgerrecht verlieh.
Pater Altmann, der im Mitteilungsblatt des Seraphischen Liebeswerkes vom August 1950 den Nachruf auf den Generalpräses geschrieben hat, erinnerte sich:
„Ich fuhr einmal mit ihm durch den Bayerischen Wald. Da wurde er nimmer fertig, mir die Schönheiten der Gegend zu erklären, da brachte er das Auge nimmer weg von seinem Arber und seinem Osser, da lebte alles in ihm. Er hielt eben doch seine Heimat für das allerschönste Flecken Erde!“
Für diese Heimat und für ihre Menschen konnte er über Josefsheim und Josefskrankenhaus wirksame Hilfe bringen. Neben seinem Gottvertrauen war es die Liebe zu den Kindern, „die die Seele seiner Arbeit war“. Er fühlte sich als Vater aller Pfleglinge. Er hatte ein Herz für die Kleinen, und je ärmer und verlassener ein Bub war, desto mehr schloss er ihn in sein Herz. Er glaubte an das Gute in den Kindern; mochten die Familienverhältnisse bei den einzelnen noch so verworren und zerrüttet sein, er gab seinen Glauben nicht auf, dass sich aus diesen Kindern doch noch etwas machen ließ. Und keine Enttäuschung konnte ihm diesen Glauben rauben. Er hatte seine Kinder einfach viel zu lieb.
Zwei Menschen, ein Ziel und Arbeit in Fülle
Ähnliches ließe sich auch von der Kötztinger Oberin sagen, die die Mutter aller ihrer Pfleglinge war und bis heute an deren Schicksal aktiven Anteil nimmt. Pater Emmeram, der noch den hl. Bruder Konrad persönlich gekannt hat, ist 1950, am Feste Peter und Paul, im Kapuzinerkloster St. Anton in München (wo er ein Priesterjubiläum mitgefeiert hatte), an einem Gehirnschlag gestorben, nach einem Leben, das erfüllt war von Liebe, Gebet und Arbeit.
Groß war die Trauer nach dem Tode des Wohltäters und Ehrenbürgers nach seinem überraschenden Tod und Kötztinger waren nicht nur bei seiner Beerdigung zugegen, sondern hielten auch eine Trauersitzung im Rathaus ab.
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| Foto Josef Barth: Beerdigung Pater Emmeram Glasschröder |
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| Foto Josef Barth: |
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| Foto Josef Barth: Aufbahrung |
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| Foto Josef Barth: Trauersitzung im Kötztinger Rathaus |
Seine Nichte, Schwester M. Emmerama, war hier in Kötzting seines Werkes treue Verwalterin, unermüdlich auch jetzt noch, da die Last des Alters getragen sein will. Für das, was sie geleistet hat, verlieh ihr der Bundespräsident das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, das ihr Ministerialdirektor Dr. Hans Schmatz, ein Landsmann, am 13. Dezember 1974 überreichte. „Ich freue mich auch für meine Mitschwestern, dass unserem Hause diese Ehre widerfahren ist“, sagte sie damals bescheiden. Und: „Der liebe Gott möge weiter helfen.“ Eine Bitte, die an Aktualität nichts eingebüßt hat.
Die Ära des Seraphischen Liebeswerkes in Kötzting ist zu Ende gegangen. Der Landkreis als neuer Träger des Hauses weiß den Mallersdorfer Schwestern Dank dafür, dass sie bereit sind, ihre Arbeit in Kötzting fortzusetzen, mit den Oberinnen M. Emmerama und M. Konradina an der Spitze. Die Phase der Umstellung bringt für alle Beteiligten eine zusätzliche Belastung, von denen die Patienten freilich nichts merken sollen, nichts merken dürfen und nichts merken werden. Ihnen gilt wie eh und je die Fürsorge aller, die im Dienst an den Kranken nunmehr im Kreiskrankenhaus St. Josef stehen: Ärzte, Schwestern, Verwaltungs- und Hilfspersonal.
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| Kötztings Ehrenbürgerin Frau Oberin Emmerama Glasschröder, Gratulant Feuerwehrvorstand Michl Traurig. |
Am 14.1.1976 hieß es dann:
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| Die Kötztinger Ordensschwestern mit ihrem neuen Dienstherren, dem Landrat Girmindl. |
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