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Dienstag, 13. Oktober 2026

Zum Tod von Frau Marianne Kretschmer

 

Eine Kötztinger Geschäftsfrau und Bewahrerin unserer Stadtgeschichte

Mit Marianne Kretschmer verliert Bad Kötzting eine Frau, die über viele Jahrzehnte hinweg das Leben unserer Stadt mitgeprägt hat. Vielen war sie als Inhaberin der Stadt-Drogerie in der Herrenstraße vertraut, anderen als engagierte Sammlerin historischer Fotografien und als eine Frau, der die Geschichte Kötztings besonders am Herzen lag.


Foto Rabl-Dachs

Ihr Lebensweg war eng mit dem Pfingstfest verbunden. Als Marianne Greß stand sie 1956 an der Seite von Georg Barth als Pfingstbraut im Mittelpunkt der Feierlichkeiten. Bei dieser Gelegenheit lernte sie den Fotografen Werner Kretschmer kennen, der nach den Wirren des Krieges in Kötzting eine neue Heimat gefunden hatte. Aus dieser Begegnung wurde eine Lebensgemeinschaft. 1958 heirateten die beiden, und Marianne Kretschmer stieg in das Geschäft ihres Mannes ein.

 
Foto Werner Kretschmer: Pfingsten 1956 



Was zunächst vielleicht nicht ihr ursprünglicher Lebensplan gewesen war, wurde zu ihrer Lebensaufgabe. Über Jahrzehnte führte sie die Stadt-Drogerie mit großem persönlichem Einsatz, mit Gespür für ihre Kunden und mit Freude an den Dingen, die sie ihren Mitmenschen anbieten konnte. Selbst nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1981 führte sie das Geschäft als alleinige Inhaberin weiter. Erst Ende 2024 schloss sie nach 66 Jahren ihre Türen für immer. Sie hinterließ damit nicht nur eine Geschäftsräumlichkeit, sondern auch eine vertraute Adresse im Herzen der Stadt.

Doch Marianne Kretschmer war weit mehr als eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Gemeinsam mit ihrem Mann teilte sie die Leidenschaft für die Fotografie und insbesondere für das Kötztinger Pfingstgeschehen. Jahr für Jahr war sie am Pfingstmontag mit dem Ritt unterwegs, beobachtete, sammelte und bewahrte Erinnerungen. Die Kamera wurde für sie zu einem Werkzeug, mit dem sie das Leben ihrer Heimatstadt festhielt.

Besonders wertvoll war ihre langjährige Zusammenarbeit mit Christa Rabl-Dachs. Gemeinsam sammelten die beiden Frauen alte Ansichten und Fotografien aus Kötzting und aus Privatbesitz, ließen Bilder reproduzieren, digitalisierten sie, ordneten sie und versahen sie mit Stichworten. So entstand über die Jahre ein Bilderschatz, dessen Bedeutung weit über die private Erinnerung hinausreicht.

Eine schier endlose Sisyphusarbeit: Sammeln, Sichten, Sortieren und Beschriften – und dann wieder von vorne ...

Auch bei den Ausstellungen zur Kötztinger Stadtgeschichte war Marianne Kretschmer mit großem Engagement dabei. Gemeinsam mit Christa Rabl-Dachs und Brigitte Ertl widmete sie sich der aufwendigen Vorbereitung, der Auswahl und Zusammenstellung der Bilder und historischen Dokumente. Mit viel Liebe zum Detail trug sie dazu bei, dass die Vergangenheit unserer Stadt für die Besucher anschaulich und lebendig wurde. Auch diese Arbeit war ein wichtiger Beitrag zur Vermittlung und Bewahrung unserer Heimatgeschichte.

Frau Brigitte Ertl - Frau Christa Rabl-Dachs - Frau Marianne Kretschmer,
das Ausstellungsteam

Hier der link auf die vielen, vielen Ausstellungen des Teams:

Für meine Arbeit an der Kötztinger Häuserchronik und für viele Beiträge zur Geschichte Bad Kötztings waren diese Fotografien und Sammlungen von unschätzbarem Wert.  Viele meiner Beiträge wären ohne die von Marianne Kretschmer und Christa Rabl-Dachs zusammengetragenen Bilder wesentlich ärmer, manche historischen Zusammenhänge wären ohne diese fotografischen Zeugnisse kaum so anschaulich darzustellen gewesen. Marianne Kretschmer ermöglichte mir zusätzlich in uneigennütziger Weise den Zugriff auf ihr privates Archiv, auf das Kretschmer-Archiv und stellte mir damit einen Bilderschatz zur Verfügung, der meine historische Arbeit wesentlich bereichert hat. Sie tat dies nicht aus geschäftlichem Interesse, sondern aus ihrer Verbundenheit mit Kötzting und dem Wunsch heraus, die Geschichte unserer Stadt lebendig zu erhalten.

Hinter jedem alten Foto steckt ein Stück gelebtes Leben. Es zeigt Menschen, Häuser, Straßen und Feste, die längst vergangen sind, und bewahrt sie vor dem Vergessen. Marianne Kretschmer hat mit ihrer Arbeit dazu beigetragen, dass diese Erinnerungen nicht verloren gingen, sondern auch kommenden Generationen zugänglich bleiben.

Ihr Wirken zeigt, dass Heimatgeschichte nicht allein in Archiven und alten Urkunden entsteht. Sie lebt ebenso von Menschen, die mit offenen Augen durch ihre Stadt gehen, die nachfragen, sammeln, ordnen und bewahren. Marianne Kretschmer gehörte zu diesen Menschen. Sie hat damit einen Beitrag geleistet, dessen Wert sich noch lange in der historischen Arbeit über Bad Kötzting zeigen wird.

Wenn wir heute auf ihr Leben zurückblicken, erinnern wir uns deshalb nicht nur an die Frau hinter dem Ladentisch der Stadt-Drogerie oder an die ehemalige Pfingstbraut von 1956. Wir erinnern uns an eine engagierte Kötztingerin, die ihre Heimatstadt liebte und deren Geschichte ihr am Herzen lag.

Liebe Marianne, dein Wirken für Bad Kötzting und seine Geschichte wird nicht vergessen werden.

Ein herzliches Vergelt's Gott für alles, was du unserer Stadt und der Erinnerung an ihre Vergangenheit geschenkt hast.

Am Ende noch der link auf den Teil der Dokumentation über ihr Haus, in welchem ihr Leben und Wirken ausführlicher bebildert ist.



🗺️ Ein Tipp zum Schluss:
Seit Herbst 2025 gibt es außerdem die interaktive Karte Kötztings.
Dort sind Beiträge zur Häuserchronik und viele weitere historische Themen direkt im Stadtplan verortet – jeder Marker führt per Klick zum passenden Blogbeitrag.
Die Karte funktioniert am PC ebenso wie auf dem Smartphone und kann sogar als kleine App gespeichert werden.
👤 Menschen unserer Heimat   Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Schilderaktion Personen  bzw. Menschen unserer Stadt zu finden.  

👉 Interaktive Karte Kötzting öffnen    🗺️ Interaktive Karte Kötzting öffnen

 


Sonntag, 11. Oktober 2026

Der König-Ludwig-Verein lädt zum Aschermittwochessen

 Als wir durch einen Zufallsfund das HOBOKAZIN Nr.3 in unsere Sammlung aufnehmen und über den Inhalt berichten konnten, habe ich am Rande geschrieben:

"Sollten diese Hefte noch irgendwo in einem Schrank, auf dem Dachboden oder in einer Kiste schlummern, würden wir uns sehr freuen, sie als Ergänzung in unsere Sammlung aufnehmen zu können."

Und tatsächlich,  mittlerweile sind wir - dank des so oft gescholtenen Internets - stolze Besitzer des Gesamtbestandes aller damals erschienenen Ausgaben. 
In der Ausgabe Nr. 2 - leider ohne Deckblatt und damit ohne ein genaues Datum - berichtet ein Reporter über das damalige Aschermittwochsessen des Kötztinger König-Ludwig-Vereins beim Lindnerbräu mit einem ganz besonderen Blick auf das Fest und dessen Ausprägungen.
Aus dem Inhalt des Artikels würde ich auf das Faschingsende des Jahres 1981 tippen, da im Artikel zwei wichtige Termine genannt werden: 
Die Gründung des Vereins im Jahre 1981 und eine Fahnenweihe 1982.


StadtA Kötzting HOBOKAZIN Nr. 2

Die Heimat seufzt …

Der König ließ anspannen. Unruhig war er, denn bis Kötzting war es ein weiter Weg und die Reise mit der Kutsche (die er nur widerwillig dem geliebten Schlitten vorzog … – doch leider schien der Winter bereits das Feld geräumt zu haben) sollte ihn, den …geweihten und gesalbten Fürst …, zur rechten Zeit an den Bestimmungsort bringen. Nichts wollte "er" versäumen.

StadtA Kötzting HOBOKAZIN Nr. 2

Als die Dämmerung bereits angebrochen war, bog das prächtige königliche Gespann von der Hauptstraße ab und holperte die letzte kurze Strecke des Weges über Pflasterstein, hindurch durch das mächtige Tor, hinein in den geräumigen Hof. Unerkannt wollte er sein, "er", der von diesem festlichen Abend gehört hatte und nun einmal lauschen wollte, was seine Untertanen denn planten.

Die Kutsche wurde in eine dunkle Ecke des stattlichen Anwesens gelenkt und so dem Blick der, immer noch in großer Zahl zum Lindner-Bräu strömenden Gäste entzogen ( – nur unser Berichterstatter hat sie gesehen.) Der König betrat, ganz wie er erhofft hatte, unerkannt die festlich geschmückte Stube. Schöner war es – und schön war es auch hier an diesem Abend. Die Gaststube hatte ihr weiß-blaues Gewand angelegt, die Musiker saßen vor ihren blitzenden Instrumenten bereit, das Bier war angezapft worden und, … a bisserl vornehm und a bisserl leger … – die Geladenen, die sich nun, wie es der Brauch verlangte, an festlichem Aschermittwochmahl stärkten, blieben der Größe dieser Stunde in keiner Weise den Respekt schuldig. Und als der Bayerische Defiliermarsch erklang und nach diesem, als Referenz an die Stadt der Königstreuen, der "Kötztinger" gespielt wurde, da wurde er nachdenklich, der König.

Aus den Unterlagen von Max Kellner, dem Gründungs-Schriftführer


Still saß er da, keiner konnte ihn wahrnehmen und doch war er mitten unter ihnen. Und er lauschte, still und versonnen, ihren Reden, ihren Träumen und lächelte zustimmend, als er die Ernsthaftigkeit ihrer Zusammenkunft bestätigt fand. Da war nun der Saal beim Lindner-Bräu bis auf den letzten Platz gefüllt mit seinen bayerischen Untertanen, der OBER Vitus Irrgang hatte sie alle gerufen – der UNTER Dieter Reithner seine Idee an diesem Aschermittwoch Wirklichkeit werden lassen.

Sammlung Serwuschok König-Ludwig-Verein
Der OBER und der UNTER, Vitus Irrgang und Dieter Reithner
In der Mitte haben wir Max Mückl aus Roding, lange Jahre der Vorsitzende des König-Ludwig-Vereins von Roding.



Der König verstand dies alles und war auch nicht erstaunt, als kein besserer, passenderer und überzeugterer als der Höcherl Karl zum Träger der Fahne ausgerufen wurde. OBER Vitus Irrgang brauchte diese Entscheidung nicht zu begründen: „… ein Fahnenträger aus echtem Schrot und Korn!“

Wie gerne hätte der König, dem inzwischen allzu warm geworden war und der darob seinen pelzbesetzten Umhang abgelegt hatte, – wie gerne hätte er mit dem Karl angestoßen, doch dieser präsentierte gerade die Büste des Gesalbten, die ein Freund aus Bärndorf bei Chamerau gestiftet hatte: … das bayerische Herz ging auf dabei, das Bild schien an die Gemeinschaft mit den eigenen Vorfahren zu erinnern, deren Könige und Repräsentanten von den Wänden grüßten.

Sammlung Serwuschok König-Ludwig-Verein



Und als die Kapelle Pemmerl die Begeisterung der Königstreuen nochmals um ein Vielfaches zu steigern wusste, da wusste auch der unerkannt gebliebene Gast: kein Preußenbann wurde an diesem Abend geschürt, nein, im Gegenteil, den bayerischen Standpunkt galt's zu verteidigen. – „Der Bayerische Löwe zerreißt nichts und niemanden, ist nicht so blutrünstig und so rauflustig, auch die Verschworenen dieses Abends nicht.“

StadtA Kötzting HOBOKAZIN Nr. 2


Dieser „König-Ludwig-Verein“, brave Leute aus Kötzting haben ihn ins Leben gerufen und mit Leben erfüllt, ist Ausdruck der Sehnsucht nach der heilen Welt von gestern, Ausdruck des Traumes vom Königreich Bayern. Auch für „ihn“, so resümierte der ruhig in einer Ecke des Festsaales sitzende Gast, war die „heile Welt von gestern“ gar nicht so heil gewesen. Übel hatte man ihm mitgespielt, übel war sein wahres Ende verfälscht und den Getreuen unwahr überliefert worden …

Und doch war sie schön gewesen, diese alte Zeit, als „er“ herrschte ohne zu regieren, als der Glanz, der von der Krone ausging, das menschliche Gemüt beseelte. War nicht gerade von seinem Königtum ein heilbringender Gnadenstrahl ausgegangen, der seine Untertanen wohlerzogener, exemplarischer, selbstbewusster gemacht hatte?
Aus seinen Gedanken wurde der König gerissen, als UNTER Dieter Reithner, der das Wort ergriffen hatte, in seiner programmatischen Rede fortfuhr: Beide, der OBER und sein KANZLER, die die Versammelten in dieser Nacht auf den Königstraum einstimmten, beide fanden bei ihren Reden seine stille, königliche Zustimmung: … Der angestammte König – der Vater des Vaterlandes – der geweihte und gesalbte Fürst – heiligt den Staat, hebt die Menschenwürde, lässt den Unterschied der Stände schwinden, lässt wieder Vaterländisch empfinden …
Ja, „er“ wusste, der Glanz, der von der Krone ausgeht, beseeligt das menschliche Gemüt und ganze Völker wären wieder gemütlicher.

… WÄREN, denn der König erkannte, dass ein langer Weg zu beschreiten notwendig sein würde, um den Traum Wirklichkeit werden zu lassen, den Königstraum, um dessen Berechtigung die Anwesenden in dieser Nacht ahnten. Und große Arbeit hatten sie bisher geleistet. Der OBER Vitus zeigte ihnen, wie dieser schwierige Weg zu gehen und wie er bereits mit festem ersten Schritt begangen worden war.

… „Humor soll gepflegt werden und Gemütlichkeit soll herrschen. Kein Gaudiverein, kein ‚Verein‘ mit Vorsitzendem und Beisitzer und … und … und … wollen wir sein. Unsere Vereinigung, mit einem ‚OBER‘, einem ‚UNTER‘, nur mit freiwilligen Spenden, soll von der Treue zu unserem König getragen werden.“ …
Hier nickte der König zustimmend und versuchte sich an dem guten Festbier, das einem gar zu aufmerksamen Zuhörer des OBER von königlicher Hand „stibbitzt“ worden war.

Alle hörten dem Vitus gespannt zu, alle lauschten seinen weiteren Ausführungen:
„… 1981 soll unser Gründungsfest abgehalten werden und 1982 die Fahnenweihe stattfinden. Unser Patenverein – und dafür großen Dank – wird der ‚König-Ludwig-Verein Konzell‘ sein, und allen, die durch ihr Engagement ihre Liebe zu dieser Idee bewiesen haben, gleichermaßen unseren Dank …“

Hier wusste der König bereits, dass der Lendl-Schreiner spontan vier Fahnen mit dem bayerischen Rautenmuster gestiftet, der Höcherl Karl zusammen mit seiner Tochter das wunderschöne Rednerpodest erstellt hatte. Ja, ja, die tröstende Illusion einer heiligen – und geheiligten Repräsentation – dieses Heiligtum, deren die menschliche Seele bedarf – mag durch solche spontanen Gesten ihren Beweis finden.
… Wie wertvoll die Autorität einer Majestät sein kann, haben wir erst am Beispiel Spanien erleben können. Kein Mensch lacht darüber, dass Staaten – wesentlich kleiner als Bayern – ihre Zukunft selbst bestimmen. Nur wir Bayern sollen das nicht dürfen! …“

Jaja, und hier regte sich auch des Königs Zorn und hier setzte er den Krug mit dem feinen Lindner-Bier ab und wünschte sich ungehalten über den königlichen Bart, Bayern war immer bereit, sich in Deutschland einzuordnen. Nur unterordnen wollen wir uns nicht, die Geschichte mag dazu wohl den Beweis antreten! … Als Deutsche verschiedenster Stämme vor Wien die Türken schlugen, waren 30.000 Bayern dabei und nicht ein einziger Preuße. Als Belgrad aus türkischer Hand befreit wurde, war die erste Fahne, die in der befreiten Stadt aufgezogen wurde, die eines bayerischen Regiments! …

Trotzdem der königliche Gast um all diese geschichtlichen Ereignisse wusste, musste auch er dem Redner, „angetan von dessen Offenheit“, stürmischen Beifall zollen. Die geladenen Gäste waren sich an diesem 4. März einig, dass die Rede des UNTER in ihren abschließenden Sätzen auch dem König gefallen haben würde (– und doch war er ihnen an diesem Abend so nahe!).

„… Die Heimat seufzt nach einem König, der Bayerns Ruhm, der Bayerns Liebe mehrt. Möge der Tag, da in München wieder ein Wittelsbacher regiert, nicht mehr fern sein. Und kommt der Tag, der ersehnte und schöne, an dem wir in Bayern wieder das Königreich ausrufen dürfen, dann wird darüber die ganze Welt Tränen der Freude vergießen! …“
Als nun durch die mächtigen Mauern des Anwesens, als aus unzähligen Kehlen königstreuer Patrioten die Bayernhymne nach draußen in die bayerische, dunkle Nacht drang, da nahm „er“ seinen Mantel. Verstohlen wischte sich der König eine Träne aus dem Auge (– nur unser Berichterstatter hat es gesehen –) und brach auf.

Die frische Nachtluft umfing ihn und er dachte über all das nach, was er an diesem Abend gehört und gesehen:
… Die Welt, wie sie gewesen war: frei, heiter, voller Glanz. Die Welt, wie sie wieder sein könnte – und diese Vorstellung kann eine Verwandlungskraft sein. Das wusste auch „er“.

Die Reise nach Kötzting hatte sich gelohnt!


Sammlung Serwuschok König-Ludwig-Verein



Zum Abschluss des Berichtes noch ein Bild, das Georg Lohmeier  im Jahre 1975 bei einer Lesung in Kötzting zeigt.
Sammlung Serwuschok König-Ludwig-Verein

Und ganz zum Schluss noch eine Werbeanzeige - das HOBOKAZIN musste sich schließlich irgendwie finanzieren - von einer Diskothek mittendrin in der Markstraße in Kötzting..... das war damals noch möglich.


StadtA Kötzting HOBOKAZIN Nr. 2


Vereine & Veranstaltungen entdecken

Das gesellschaftliche Leben prägte Bad Kötzting über Generationen hinweg. Vereine, Feste, Feiern, Theateraufführungen, Turnveranstaltungen und viele weitere Ereignisse hinterließen ihre Spuren in der Stadtgeschichte.




In der interaktiven Karte finden Sie historische Schauplätze, Erinnerungen und Beiträge rund um das Vereins- und Veranstaltungswesen in Bad Kötzting.

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📍 Interaktive Karte öffnen

Freitag, 9. Oktober 2026

Kötztinger Häuserchronik - alte Hausnummer 121

  Mit der sogenannten Uraufnahme und der beginnenden Landvermessung zählte Kötzting insgesamt 159 Anwesen. Die Geschichte dieser Bürgerhäuser und ihrer Bewohner nachzuzeichnen und möglichst genau zu dokumentieren, ist das Anliegen dieser Häuserchronik. Wer sich näher mit den frühen Entwicklungen unserer Heimatstadt beschäftigen möchte – von den ersten Urhöfen bis zur Erhebung Kötztings zum Landgerichtsort –, findet dazu ausführliche Informationen in einem einleitenden Blogbeitrag. 

Eine grafische Übersicht über die bereits veröffentlichten Hauschroniken gibt auch die neue interaktive Karte.

Bei den nun folgenden zehn Anwesen ist allerdings eine Besonderheit zu beachten: Die Häuser mit den alten Hausnummern 113 bis 123 bestanden bereits lange vor dem großen Marktbrand von 1867, wurden nach der Katastrophe jedoch nicht mehr an ihren ursprünglichen Standorten errichtet. Mit der Neuordnung des unteren Marktes und dem Bau der unteren Marktstraße, des Pfeffergrabens sowie später der Holzapfelstraße entstand ein neuer Ortsteil, in den die bisherigen Hausnummern übertragen wurden.

Die Identifizierung dieser Anwesen ist deshalb heute nicht mehr über ihre frühere Lage möglich, sondern ausschließlich über die weitergeführten alten Hausnummern.
 


Alte Hausnummer 121

beim  Hartl

Visualisierung durch ChatGPT auf der Basis von
Vermessungsamt Cham 5168-2100-LiquiP_Bad_Koetzting_1831_Beilage_M2500_1_1-01
Durch diese Art der Darstellung wird deutlicher sichtbar, wie anders der Bereich der heutigen Unteren Marktstraße vor dem Marktbrand ausgesehen hat. 
Der Kötztinger "Stachus" war ein echter Platz mit diversen Vorgärten und den Zufahrten zu den rückwärtigen Gebäuden und Städeln. Das große zentrale Gebäude war das Kötztinger Bürgerspital.

Im Staatsarchiv in Landshut haben sich die Wahlunterlagen der Magistratswahl von 1806 erhalten, deren Auswertung eine frühe Häuserliste darstellt und aus der man erkennen kann, dass das kleine Haus, das in der Liste zwischen dem Wagner Brebeck und dem Schmid Drunkenpolz stehen sollte/müsste, offensichtlich noch gar nicht existierte.

StA Landshut LGäO Kötzting Nr. 793 Magistratswahlen von 1806 Wahlzettel und Bürgerliste

Achtung: die hier aufgeführte Hausnummerierung wurde später abgeändert, nur die Reihung blieb bestehen.
Hausnummer 98  Adam Jobst   (=spätere alte Hausnummer 118)
Hausnummer 99 Anton Mack   (=spätere alte Hausnummer 119)
Hausnummer 100 Ander Brebeck (=spätere alte Hausnummer 120)
Hausnummer 101 Johann Drunkenpolz ((=spätere alte Hausnummer 124)

Die "übersprungenen" beiden späteren alten Hausnummern 121 und 122  existierten 
im Jahre 1806 noch nicht. Die Nummer steht für das Bürgerspital, das natürlich nicht in der Wählerliste stehen konnte.
Die nächste Liste, die uns weiterhelfen könnte, stammt aus dem Häuser- und Rustikalsteuerkataster von 1811.  Auch hier dasselbe Bild:
StA Landshut Rentamt Kötzting B27


Auf Ander Brebeck (120) folgt direkt der Schmied Drunkenpolz (124)
Die nächste vollständige Hauserliste, die uns weiterhelfen könnte, ist der Grundsteuerkataster des Jahres 1840/41 und hier werden wir fündig und erfahren auch das genaue Datum, an dem dieses Haus neu erbaut worden ist.
StA Landshut Grundsteuerkataster 5039 
"Lt Urkunde vom 24. Mai 1812 den ehemaligen Spitalstallung=Theil von der Stiftungsadministration Viechtachs um 89 fl erkauft und daraus nebiges Häuschen gebildet."


StA Landshut Grundsteuerkataster 5039 
Hausnummer 121 in Kötzting Johann Hartl
Ein Leerhaus
Gebäude
Wohnhaus mit kleinem Hofraum
Hofraum 1/6 Antheil gemeinschaftlich mit Hausnr. 97,101,120,122 und 127
Gärtl
Gemeinderecht
Zu ganzen Nutzantheil an den noch unvertheilten Gemeindebesitzungen.

Wir haben damit als den Erbauer des Hauses und den ersten Besitzer:

Johann Hartl und Barbara Lanzinger


Bereits am 9.7.1811 findet sich eine Fehlgeburt der beiden in den Kötztinger Matrikeln, welches aber als eheliches Kind eingetragen ist. Leider findet sich in Kötzting kein dazu passender Heiratseintrag nur noch 9 weitere Geburten bis hin zum Jahre 1831. 
Viktoria, das letzte der Weberskinder verstirbt nur einen Tag nach ihrer Geburt an der "Frais".
Im Jahre 1834 verklagen die beiden Nachbarn Ander Brebeck und Johann Hartl ihre gemeinsame Nachbarin Magdalena Haas vor dem Kötztinger Vermittlungsamt: "Ander Brebeck und Johann Hartl von K. gegen M. Haas von K. wegen der Beschuldigung der letzteren 2 Bäume abgeschnitten zu haben. Verglichen. Magdalena Haas wird erneut ermahnt ihre Zunge in Zaum zu halten."
Magdalena Haas befolgt offensichtlich den guten Ratschlag nicht, denn schon 4 Jahre später kommt es zur erneuten Verhandlung in derselben Angelegenheit:
"Bürger Ander Brebeck und Johann Hartl v K gegen Magdalena Haas v K wegen Beschuldigung der letzteren 2 Bäume im Hofe abgeschnitten zu haben.
Verglichen weil die Beklagte ohnehin nur eine Mitwisserschaft vermuthet hat . Beklagte muss 3 fl in Zukunft zahlen, wenn sie weiter entehrende Äußerungen und Vorwürfe sich schuldig macht. 
Aus dem Jahre 1842 ginbt es sogar eine genauere Beschreibung des kleinen Häuschen:

StA Landshut Grundsteuerkataster 5045

Johann Hartl, Webermeister /:Hauseigenthümer:/
Hauptgebäude:
I. 1 Wohnzimmer, 1 Holzlege und Hausboden unterm Dach
Unterschrift Johann Hartl.

Die bedeutet, das Häuschen bestand insgesamt nur aus einem einzigen Zimmer, in dem gewohnt, gearbeitet, gekocht, geboren, gestorben, gespielt  und geschlafen wurde

Im Jahre 1822 reichte der Nachbar, der Schreiner Joseph Tadler einen Bauantrag ein und auf dessen Lageplan ist auch das Haus des Johann Hartl als Nachbar berücksichtigt.


StadtA Kötzting AA XI 72



Der Webermeister Johann Hartl verstirbt mit 70 Jahren an Altersschwäche am 15.8.1857; seine Witwe Katharina folgt im mit 71 Jahren am 25.2.1858 ins Grab nach.


Hartl Josef und Kalb Theresia

Am 18.8.1861 heiratete der Kötztinger Weber Joseph Hartl die Grafenwiesener Inwohnerstochter Theresia Kalb.

StA Landshut Grundsteuerkataster von 1860
"Hausnummer 121 in Kötzting Joseph Hartl
Laut Anmeldeprotokoll Nro 332 und Briefs vom 20. März 1858 von den Johann Hartlschen Relikten übernommen."
Wohnhaus mit Hofraum usw.

Als das junge Weberpaar im Jahre 1861 geheiratet hatte, ahnten sie natürlich nicht, dass sie schon 6 Jahre später vor den Trümmern ihrer Existenz stehen würden, als eine Woche vor Pfingsten der große Marktbrand ausbrach.

Der Marktbrand vom Juni 1867

Eine Woche vor dem Pfingstfest im Jahre 1867 zerstörte eine Großbrand fast eine Hälfte der Kötztinger Anwesen, darunter auch das mit der Hausnummer 121


"Der Brand 1867 nach Kooperator Riederer im Kötztinger Anzeiger im Jahre 1912

Vor 45 Jahren, die Nacht vom 3. auf 4. Juni, Montag auf Dienstag, war für unsern Markt eine Schreckensnacht. Die Einwohnerschaft hatte sich eben zur Ruhe begeben und lag im tiefsten Schlaf. Nur auf dem Kollmaier-Keller unten weilte noch eine Hochzeits-Gesellschaft; Bräutigam war der Stockmüller Hermann (Vater der † Frau Kiesl.) Heimkehrende Festgäste bemerkten zuerst – es war gegen ½12 Uhr – die aufsteigende Feuersäule und machten Lärm: es brennt beim Voglbäck (jetzt Hahn). Allein bis die Gefahr nur gemeldet wurde, hatte das gefräßige Element schon um sich gegriffen und bis die Schläfer alle geweckt wurden, stand schon die ganze Häuserreihe links der Marktstraße hinauf in Flammen, so daß viele froh sein durften, nur das nackte Leben zu retten.
Zwar waren die vornehmeren Bürgerhäuser schon gemauert, trugen jedoch vorwiegend Legschindeldächer; zahlreiche kleinere Häuschen waren aber noch aus purem Holz gezimmert.
Dazu kamen noch die aufgespeicherten Holzvorräte. Genug ganze Reihen von hölzernen Hintergebäuden, zwischen denen nur ein ganz finsterer Steig vom Drunkenpolz zum Friedhof hinanführte, die sog. „Bollburg“ (d. i. Bollwerk, denn sie standen auf den Grundmauern der einstigen Marktbefestigung); lauter Nahrung für das gefräßige Feuer. So gewaltig war die Feuersbrunst, dass in Vilshofen und in Regensburg Leute auf den Brücken stehen blieben und ihre Vermutungen anstellten.

Vom Entstehungsplatze aus griff das Feuer mit Windeseile um sich, nach oben und nach unten, auch wieder Dächer überspringend. Die Oberen wußten nicht, daß es unten, die Unteren nicht, daß es oben brenne. Wasserleitung und Hydranten kannte man noch nicht; das Feuerlöschwesen war nur wenig entwickelt. Die Löscharbeiten konnten also nichts bedeuten, ratlos und hilflos stand man der verheerenden Feuersbrunst gegenüber. Es hatte auch jeder mit sich selber zu tun, um nur geschwind die Kinder und das Vieh herauszuholen; denn auch die rechte Marktseite war schon bedroht und ihre Bewohner mit dem Ausräumen beschäftigt.

In Ermangelung von Telegraph und Telephon jagten Feuerreiter (z. B. Gerstl) nach Viechtach, Cham und Furth; diese Feuerwehren rückten freilich erst gegen 4 Uhr an, als schon der halbe Markt vernichtet war; sie hatten aber noch genug zu tun, um ein weiteres Umsichgreifen zu verhindern. Unterdessen hatte die Löschmaschine Blaibach ihr Bravourstück schon geleistet und im Verein mit der Kötztinger die Herren-Straße gerettet. "
Neben der Auflistung der Brandleider übermittelt uns Peter Riederer auch die Situation in Kötzting nach dem Brand:
"So lag nun halb Kötzting in Schutt und Asche. Trümmer rauchten noch, da und dort loderten wieder Flammen auf, geschwärzte Mauern und Kamine ragten in die Lüfte ein schauerhafter Anblick; und 8 Tage darauf war an St. Veit die Feldmesse zum Pfingstritt. Händeringend starrten die Männer auf die Brandstätten, jammernd die Frauen. Das Vieh lief brüllend auf den Wiesen herum. Zum Glück war nicht ein einziges Menschenleben zu beklagen. Aber ohne Obdach, ohne Bett, ohne Kleidung, ohne Brot waren viele.
Da war's nun rührend zu sehen, wie die verschont Gebliebenen ihren obdachlosen Mitbürgern Unterkunft und Herberge anboten; selbst im Pfarrhof war Einquartierung. Dennoch mussten Familien wochenlang in Städeln kochen, wohnen und schlafen.
Der Bräu von Blaibach brachte zuerst eine Fuhre Brot und weinend nahmen die Familienväter die Laibe in Empfang. Auch sonst kam Hilfe von überall her: ganze Wägen voll Lebensmittel, Getreide, Wäsche, Kleidung etc. kamen aus den Nachbarorten den ganzen Sommer hindurch und gelangten in der Landgerichts-Remise (jetzt Amtsgericht) täglich von 10–11 Uhr zur Verteilung. Es wurde ein Hilfskomitee gebildet, bestehend aus den Herren: Pfarrer Lehner, Notar Wittmann, Bürgermeister Haas, Süß, Österer, Lukas, Kraus.

Rasch ging es an den Wiederaufbau des Marktes. Versichert waren die meisten wohl, aber unzureichend. Dafür trug eine Landessammlung soviel ein, dass auf jeden Brandleider 500 Gulden entfielen. Die Bauern fuhren Bäume herbei und bis zum Winter waren viele Wohnungen zur Notdurft wieder hergerichtet; andere wurden erst im nächsten Jahre fertiggestellt.
Schöner ist der Markt ja geworden, aber die vom Unglück Heimgesuchten können uns Jüngeren erzählen, was sie durchgemacht haben. Auch die Marktgemeinde selber musste finanzielle Opfer bringen, an deren Folgen wir jetzt noch zu leiden haben. Feuerwehr und Wasserleitung tun es nicht allein; aber durch den Schutz des Himmels möge unser Markt vor solchem Brand-Unglück bewahrt bleiben!"

 
Detail aus StA Landshut Rep 164/8 Nr. 1570: der Marktbrand in Kötzting

Bereits am Folgetag versuchte sich der damalige Bezirksamtmann Carl von Paur durch ein tabellarisches Protokoll ein Bild von der katastrophalen Lage und den Bauschäden in Kötzting zu machen..

Zuerst jedoch wurde versucht eine Beschreibung "pro ante" des jeweiligen Brandleiders zu erstellen:
Interessant ist hier die Bezeichnung der Lage des Häuschens: "in der Spitalgasse", eine Ortbezeichnung, die es heute gar nicht mehr gibt.

StA Landshut Rep 164-8 Nr. 1570 Der Marktbrand in Kötzting
XXVIII
Hartl Josef, Häusler und Weber
Das einstöckige Wohnhaus in der SPitalgasse aus Holzwerk und Stein erbaut und mit einem Legschindedace versehen gewesen. Das Resultat der Besichtigung und Schadenserhebung vide Tabelle I sub Nr. 16
Unterschrift Jos. Hartl"

StA Landshut Rep 164-8 Nr. 1570 Der Marktbrand in Kötzting
.... von den Gebäude bestehen noch 3 Umfassungsmauern im Erdgeswchoss, welche weder Tragfähigkeit noch Materialwerth in sich schließen.
Alles Brennbare ist vom Feuer vernichtet worden
Schaden Total
Größe des Hauses: 21 x 33 Schuh, (also 6 x 10 m)
Höhe des Hauses: 20 Schuh, (also ca. 5,50 m)


Im Grundsteuerkatasterumschreibeheft ist das - neu errichtete - Haus bis zum Jahre 1872 immer noch als in Besitz des Josef Hartl vorgetragen. Mit Datum des 18.6.1872 ist der Kauf durch Amann Johann und dessen Frau Leokardia eingetragen.

Amann Johann und Röckl Leokardia 

Diese beiden – der Spenglermeister Johann Amann, Sohn des Chamer Zeugwebers Georg Amann und dessen Ehefrau Petronella, geborene Perlinger aus Lam, sowie Leokardia Röckl, die Tochter eines Kötztinger Landgerichtsdieners – hatten bereits am 11. Mai 1868 geheiratet.
im selben Jahre hatte der Spengler auch das Kötztinger Bürgerrecht erwerben können, wofür er 25 Gulden an die Marktkasse zu bezahlen hatte.
Das "Spenglerrecht", das er zur Gewerbeanmeldung benötigte, konnte er von Margaretha Höchstetter erwerben.


StA Landshut Grundsteuerkataster 5055
Der Vorbesitzer, der Weber Joseph Hartl, stirbt am 6.2.1877 mit 65 Jahren an Lungenlähmung 

Im Jahr 1882 reichte Johann Amann einen Bauplan ein, weil er an der Rückseite seines Hauses ein Toilettenhäuschen errichten wollte. Der dazugehörige Lageplan zeigt anschaulich, wie sich der untere Markt damals schrittweise entwickelte.

StA Landshut Rep 162-8  Sch. 21 Nr.  3119 Amann Johann
Plan
über Wiedererbauung eines gegenwärtig hölzernen
Abtrittes zu Mauern und Erbauung einer Holzlege
für Johann Aman n Spänglermeister in Koetzting
Erklaerung
Nro 1 Bauplatz zum Abtritte - Nro 2 Bauplatz zur Holzlege -Nro 3 Waschhaus des Bauherren Nro 4 Hofraum desselben - Nro 5 Holzlege des Jos. Weissenbach - Nro 6 Hofraum und Garten desselben - Nro 7 Holzlege des Jos Pongratz - Nro 8 Wohnhaus und Hofraum desselben - Nro 9 Wohnhaus des Joh. Stoiber - Nro 10 Stadel desselben - Nro 11 Remise des Hermann Müller

Ein Hinweis zum besseren Verständnis des Planes: Links ist die heutige untere Marktstraße, damals noch Chamauerstraße - später Bahnhofstraße - genannt und aus den Anwesen 6 und 3 wird später der Hauskomplex Oexler und aus den Häusern 9 und 10 das Anwesen des Andreas Krämer werden.


Im Jahre 1896 reichte die mittlerweile verwitwete Leocantia Amann einen Bauplan ein, um nicht nur das Haus um ein Stockwerk zu erhöhen, sondern auch noch um einen Laden einzubauen.

StA Landshut Rep 162-8  Sch. 22 Nr.  3272 Aman Leokantia 1896
Das benachbarte spätere Anwesen Georg und Andreas Krämer ist hier noch ein Stadel und ein Wohnhaus des Gerhard Lecker (f und g) und das frühere Obermayeranwesen ist zu diesem Zeitpunkt das Lehrerinnenhaus Kötztings (i)

Im Staatsarchiv in Landshut befindet sich der Nachlassakt der Leocardia Amann

StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 48 Nr. 88 Amann Leokardia bei Rothbauer 1908

Mit 65 Jahren verstarb Leokardia Amann im Hause der Kinder im Pfeffergraben

Die eigenhändigen Unterschriften der im Nachlassakt berücksichtigten Kinder


Rothbauer Joseph und Franziska Amann


Am 19.11.1894 heiratete der aus Simbach stammende Maler Joseph Rothbauer die Spenglerstochter Franziska Amann und beide übernahmen dann am 23.3.1904 das Haus von der Mutter bzw. Schwiegermutter.

DIA-Repro 1786 Anwesen Rothbauer später Rückgebäude Oexler Wilhelm

Bei nächsten Bild (Familie Krämer) kann man das frühere Rothbauerhaus im Hintergrund gut noch erkennen.

DIA-Repro 1436 das Rothbauerhaus im Hintergrund

Mit gerade mal 43 Jahren verstirbt der Kötztinger Malermeister  Joseph Rothbauer am 31.1.1915 in seinem Haus im Pfeffergaben 121.

StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 57 von 1915 Nr. 9 Hanr 121 Rothbauer Josef Maler

Im Nachlassinventar wird dann auch bereits das vom Ehepaar erworbene Haus in der heutigen Holzapfelstraße aufgelistet.

Das zweite Haus der Rothbauers in der heutigen Holzapfelstraße:
 StA Landshut Rep 162-8  Sch. 23 Nr. 3427 Rothbauer Hnr 116a 1-2 Wohnhaus

 
In seinem Nachlassverfahren sind auch seine Beerdigungskosten aufgelistet:
(StA LandshutRep 166N-12 Schachtel 57 von 1915 Nr. 9 Hanr 121 Rothbauer Josef Maler)
(StA LandshutRep 166N-12 Schachtel 57 von 1915 Nr. 9 Hanr 121 Rothbauer Josef Maler)



Im Akt ist auch detailliert sein Vermögen aufgelistet:





Oexler Wilhelm und Monika Mauerer


Am 25. Oktober 1916 erwarb Wilhelm Oexler, Sohn des Kötztinger Buchdruckers Vitus Oexler, das Haus von der Witwe Rothbauer. Am 22. Oktober 1917 heiratete er die verwitwete Monika Vogl, eine Tochter des Fabrikbesitzers Franz Mauerer von der Irlmühle und dessen Ehefrau, einer geborenen Seidl vom Schneiderberg.



Ab dem Jahre 1916 war nun also der Buchdrucker Wilhelm Oexler der neue Besitzer des Hauses im Pfeffergraben. Sein späteres "Hauptgebäude" an der Marktstraße war damals noch in Besitz des Buchdruckers Weissenbach.

DIA-Repro 0125 Haus Weissenbach später Wilhelm Oexler

Im Jahre 1922 dann erwirbt Wilhelm Oexler das Haus in der Marktstraße und kann dann die beiden Häuser 121 und 108a vereinigen.
StA Landshut Grundsteuerkataster 5055 für das Hus Marktstraße 3 (=alte Hausnummer 108a)
DIA-Repro 313 Familie unter Christbaum ca. 1932 Familie Oexler, Monika Oexler, Ella Oexler, Liesi Oexler, Wilhelm Oexler,  Franz Oexler




Foto Josef Bock - Wilhelm Oexler ca. 1930 


DIA-Repro 3412 

Und zum Abschluss noch einige Aufnahmen der Situation im Jahre 2026

Foto Pongratz: Pfeffergraben 

Foto Pongratz: das "Oexlergasserl" - früher Lucknergasse oder Schulhausgasserl



Foto Pongratz: Nach der umfangreichen Renovierung, das frühere Haus Oexler in der Marktstraße



🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

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Er verbirgt sich in der Markergruppe Kötztinger Häuserchronik im Pfeffergraben

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