Eine Kötztinger Geschäftsfrau und Bewahrerin unserer Stadtgeschichte
Mit Marianne Kretschmer verliert Bad Kötzting eine Frau, die über viele Jahrzehnte hinweg das Leben unserer Stadt mitgeprägt hat. Vielen war sie als Inhaberin der Stadt-Drogerie in der Herrenstraße vertraut, anderen als engagierte Sammlerin historischer Fotografien und als eine Frau, der die Geschichte Kötztings besonders am Herzen lag.
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Ihr Lebensweg war eng mit dem Pfingstfest verbunden. Als Marianne Greß stand sie 1956 an der Seite von Georg Barth als Pfingstbraut im Mittelpunkt der Feierlichkeiten. Bei dieser Gelegenheit lernte sie den Fotografen Werner Kretschmer kennen, der nach den Wirren des Krieges in Kötzting eine neue Heimat gefunden hatte. Aus dieser Begegnung wurde eine Lebensgemeinschaft. 1958 heirateten die beiden, und Marianne Kretschmer stieg in das Geschäft ihres Mannes ein.
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| Foto Werner Kretschmer: Pfingsten 1956 |
Was zunächst vielleicht nicht ihr ursprünglicher Lebensplan gewesen war, wurde zu ihrer Lebensaufgabe. Über Jahrzehnte führte sie die Stadt-Drogerie mit großem persönlichem Einsatz, mit Gespür für ihre Kunden und mit Freude an den Dingen, die sie ihren Mitmenschen anbieten konnte. Selbst nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1981 führte sie das Geschäft als alleinige Inhaberin weiter. Erst Ende 2024 schloss sie nach 66 Jahren ihre Türen für immer. Sie hinterließ damit nicht nur eine Geschäftsräumlichkeit, sondern auch eine vertraute Adresse im Herzen der Stadt.
Doch Marianne Kretschmer war weit mehr als eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Gemeinsam mit ihrem Mann teilte sie die Leidenschaft für die Fotografie und insbesondere für das Kötztinger Pfingstgeschehen. Jahr für Jahr war sie am Pfingstmontag mit dem Ritt unterwegs, beobachtete, sammelte und bewahrte Erinnerungen. Die Kamera wurde für sie zu einem Werkzeug, mit dem sie das Leben ihrer Heimatstadt festhielt.
Besonders wertvoll war ihre langjährige Zusammenarbeit mit Christa Rabl-Dachs. Gemeinsam sammelten die beiden Frauen alte Ansichten und Fotografien aus Kötzting und aus Privatbesitz, ließen Bilder reproduzieren, digitalisierten sie, ordneten sie und versahen sie mit Stichworten. So entstand über die Jahre ein Bilderschatz, dessen Bedeutung weit über die private Erinnerung hinausreicht.
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| Eine schier endlose Sisyphusarbeit: Sammeln, Sichten, Sortieren und Beschriften – und dann wieder von vorne ... |
Auch bei den Ausstellungen zur Kötztinger Stadtgeschichte war Marianne Kretschmer mit großem Engagement dabei. Gemeinsam mit Christa Rabl-Dachs und Brigitte Ertl widmete sie sich der aufwendigen Vorbereitung, der Auswahl und Zusammenstellung der Bilder und historischen Dokumente. Mit viel Liebe zum Detail trug sie dazu bei, dass die Vergangenheit unserer Stadt für die Besucher anschaulich und lebendig wurde. Auch diese Arbeit war ein wichtiger Beitrag zur Vermittlung und Bewahrung unserer Heimatgeschichte.
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| Frau Brigitte Ertl - Frau Christa Rabl-Dachs - Frau Marianne Kretschmer, das Ausstellungsteam |
Hier der link auf die vielen, vielen Ausstellungen des Teams:
Für meine Arbeit an der Kötztinger Häuserchronik und für viele Beiträge zur Geschichte Bad Kötztings waren diese Fotografien und Sammlungen von unschätzbarem Wert. Viele meiner Beiträge wären ohne die von Marianne Kretschmer und Christa Rabl-Dachs zusammengetragenen Bilder wesentlich ärmer, manche historischen Zusammenhänge wären ohne diese fotografischen Zeugnisse kaum so anschaulich darzustellen gewesen. Marianne Kretschmer ermöglichte mir zusätzlich in uneigennütziger Weise den Zugriff auf ihr privates Archiv, auf das Kretschmer-Archiv und stellte mir damit einen Bilderschatz zur Verfügung, der meine historische Arbeit wesentlich bereichert hat. Sie tat dies nicht aus geschäftlichem Interesse, sondern aus ihrer Verbundenheit mit Kötzting und dem Wunsch heraus, die Geschichte unserer Stadt lebendig zu erhalten.
Hinter jedem alten Foto steckt ein Stück gelebtes Leben. Es zeigt Menschen, Häuser, Straßen und Feste, die längst vergangen sind, und bewahrt sie vor dem Vergessen. Marianne Kretschmer hat mit ihrer Arbeit dazu beigetragen, dass diese Erinnerungen nicht verloren gingen, sondern auch kommenden Generationen zugänglich bleiben.
Ihr Wirken zeigt, dass Heimatgeschichte nicht allein in Archiven und alten Urkunden entsteht. Sie lebt ebenso von Menschen, die mit offenen Augen durch ihre Stadt gehen, die nachfragen, sammeln, ordnen und bewahren. Marianne Kretschmer gehörte zu diesen Menschen. Sie hat damit einen Beitrag geleistet, dessen Wert sich noch lange in der historischen Arbeit über Bad Kötzting zeigen wird.
Wenn wir heute auf ihr Leben zurückblicken, erinnern wir uns deshalb nicht nur an die Frau hinter dem Ladentisch der Stadt-Drogerie oder an die ehemalige Pfingstbraut von 1956. Wir erinnern uns an eine engagierte Kötztingerin, die ihre Heimatstadt liebte und deren Geschichte ihr am Herzen lag.
Liebe Marianne, dein Wirken für Bad Kötzting und seine Geschichte wird nicht vergessen werden.
Ein herzliches Vergelt's Gott für alles, was du unserer Stadt und der Erinnerung an ihre Vergangenheit geschenkt hast.
Am Ende noch der link auf den Teil der Dokumentation über ihr Haus, in welchem ihr Leben und Wirken ausführlicher bebildert ist.
🗺️ Ein Tipp zum Schluss:
Seit Herbst 2025 gibt es außerdem die interaktive Karte Kötztings.
Dort sind Beiträge zur Häuserchronik und viele weitere historische Themen direkt im Stadtplan verortet – jeder Marker führt per Klick zum passenden Blogbeitrag.
Die Karte funktioniert am PC ebenso wie auf dem Smartphone und kann sogar als kleine App gespeichert werden.
👤 Menschen unserer Heimat
Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Schilderaktion Personen bzw. Menschen unserer Stadt zu finden.





















































