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Montag, 8. Februar 2021

Das Stadtarchiv Bad Kötzting im Winterlockdown 1-47 Geländemarsch

    Es geht weiter mit Bildern aus der Zeitungsredaktion der Kötztinger Umschau, welche alle über eine private Sammlung von Frau Renate Serwuschok dem Arbeitskreis Heimatforschung übereignet wurden und nun im Stadtarchiv Kötzting verwahrt werden.

Da wir zusätzlich auch eine fast vollständige Sammlung von Zeitungsausgaben aus den Nachkriegsjahren in unserem Bestand haben, können viele der Bilder dann auch einzelnen Zeitungsartikeln zugeordnet werden.
Nachdem der Arbeitskreis Heimatforschung schon eine umfangreiche Datenbank an personenbezogenen Bildern hat wäre es für uns schön, wenn wir bei einigen der folgenden Bildern, vor allem bei den Personengruppen, Hinweise und Namenslisten erhalten könnten, die wir dann anschließend in unsere Datenbanken einpflegen könnten. Manche allerdings auch nicht und so wäre es schön, wenn wir bei dem einen oder anderen Bild auch eine Rückmeldung erhalten würden.

Zur Orientierung, wir befinden uns im Oktober1972 und Kötztinger Bundewehrsoldaten befinden sich auf einem Geländemarsch rund um Haus herum 
Bis vor wenigen Jahren waren Bundewehrsoldaten in Uniform ein ganz normaler Bestandteil der Kötztinger Öffentlichkeit und  auch bei vielen Veranstaltungen bei uns eingebunden.
"khw" war der Redakteur und sicherlich auch der Fotograf.
(Hinter diesem Kürzel steckt wohl Herr Heinz Weiß - damals  von der Neuen Presse In Passau - der auch von Zeit zu Zeit für die Umschau schrieb)

Viel Spaß mit den Bildern



Bundeswehr in Kötzting

Ein Bericht aus der Kötztinger Umschau vom Oktober 1972 mit Bildern aus der Sammlung Serwuschok. Der damalige Berichterstatter hatte den Redaktionskürzel "khw"

Nach „Knobelbechers Haxenparade“: Endstation Friedhof!

23 Soldaten waren happy: „Hurra, wir haben’s geschafft!“ / 20-Kilometer-Marsch trotz Blasen siegreich beendet


Mit Sturmgepäck und „Soldatenbraut“ bestückt, war’s kein Hundeleben!

khw. Kötzting. Links, zwo drei vier. Links zwo drei vier heißt das Kommando, bald aber verliert der Marschtritt an Rhythmus. Nach jedem weiten Kilometer „bröckelt“ die Abteilung auseinander. 23 Bundeswehrangehörige des Fernmeldesektors F „marschieren“. Auf dem Buckel drückt der gewichtige „Rucksack“, die Stiefel „garantieren“ dicke Blasen. Seit 6.05 Uhr wird auch ohne Kommando geschwitzt. Violette Wälder im roten Licht der Morgensonne ziehen vorbei, noch ist die Bilderbuch-Stimmung zart verpackt in Nebel. Auf Initiative Hauptmann Wedls stapfen 23 Paar Haxen durch die Landschaft. Und der Landschaft ist es recht.

Ab der Kaserne führte die Route über Fegmannsdorf, Zittenhof zur Englmühle bei Voggenhof, weiter nach Hause, ins Bachmeierholz, zur Ammermühle nach Liebenstein, Ramsried retour via Bachmeierholz und auf dem schon bekannten Pfad zum Ziel, dem neuen Friedhof. Hier ist Endstation. Drei motorisierte Streckenposten in Englmühle, Haus Bachmeierholz bzw. Liebenstein, Bachmeierholz und wieder Voggenhof kontrollieren Tempo, nehmen Zeit, klopfen auf die Schulter oder verteilen süß-saure Zitronen. Leutnant Wolfgang Ruths, Leiter der frühmorgendlichen Trimm-Dich-Aktion, informiert am laufenden Band: zehn Minuten vor der Zeit (200 Minuten sind das Maximum), noch acht Minuten vor der Zeit, noch zehn Kilometer.

In unregelmäßigen Abständen überholt der Sankawagen Kötztings Bürger in Uniform. Der Fahrer grinst aus dem Fenster. Er hat die Wärme und Behaglichkeit in seinem Auto, die Kumpel aber umklammern mit frierenden Händen ihr G 3. Schon aus 500 Metern leuchten ihre roten Ohren, dass es einen d’erbarmt. Oberfeldwebel Siegfried Hardtke macht Tempo. „Nur nicht stehenbleiben, dann wird’s schlimmer!“ Kleiner Schrecken am Morgen, der Kettenhund um die nächste Ecke kläfft, was das Zeug hält. Wie ein Signal setzt sich Bellos los unbändiges Heulen von Hof zu Hof fort. Da zerrt ein Zwergpinscher an der Kette, ein fetter Bernhardiner schlägt Alarm, die Promenadenmischung kann nur noch husten, dann hat er sich verschluckt. Ins Konzert mischen sich aufgeregte Hähne, schwarze Katzen springen zur Seite, irgendwo blökt eine Kuh, Dorfkinder sind auf dem Schulweg.

Der Gefreite Johann Beck aus Nittenau findet in Rudolf Raab aus Kötzting einen Gesprächspartner. Per Plausch geht’s leichter über die Via dolorosa. „Woaßt, möcht später a Diskothek aufmachen!“ so Johann. Der bärtige Ernst Adlmannsinger aus Eggenfelden wischt sich über den Mund. „Der verdammte „Rauhreif!“ In den Barthaaren glitzern „Frostaufbrüche“. Vier Mann geben auf. Kommentar: „Die verfluchten Knobelbecher!“ Ade Leistungsabzeichen, das ist Schicksal! Schuhe ausziehen — und wenn das letzte Mittel ohne Erfolg bleibt?

Der Rekord: 160 Minuten

Karl Roth, Gefreiter, in Teublitz zu Hause, mahnt: „Lang ham mer nimmer Zeit!“ Keine Zeit, den Beinamputierten zu begrüßen, der mit seinem Krückstock herüberwinkt. Dann muss er sich eben ohne Zuschauer am Brunnen waschen. Der nächste Berg kommt bestimmt. Müde „kleckern“ die Kandidaten durch Hohlwege und Wäldchen, stolpern über Baumwurzeln, von „Knobelbechers Lachparade“ kann — für die meisten — keine Rede mehr sein.

Endlich: Endstation Friedhof. Hier endet die 20-km-Strecke. Alle bleiben unter 200 Minuten. Geschafft! Ein neuer Rekord? Gefreiter Ortner und Soldat Hartmann sind Sieger. Die Zeit, zwei Stunden und 40 Minuten, hat heute niemand mehr geschlagen. „Wenn ich hinkomm’, laß ich mich gleich eingraben“, doch die Absicht des unbekannten Gefreiten wird nicht verwirklicht. Fahrzeuge der Bundeswehr nehmen die müden Krieger auf und schaukeln sie zur Kaserne. Frei bis zum Mittag, heißt die gute Nachricht. Arbeitsanzug und Sturmgepäck verschwinden im Spind, mach mal Pause.




Hier der damalige Feldweg zum Herrenweiher und nach Fessmannsdorf.
Oben beim Steinriegel steht heutzutage der Rablstadel.

Schneller als vorgesehen kamen sie ins Ziel; jeder blieb unter der 200-Minuten-Grenze. Bitte recht freundlich fiel diesmal etwas schwer.


Teefassen! Ein kühles Blondes wär den Soldaten zwar lieber gewesen, doch Promille tun’s nicht immer.






🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

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