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Mittwoch, 28. Februar 2018

Luckner




Wolfgang Samuel Luckner [1]

1715 -  1794 
Kammerer in Kötzting
Unterthänigst gehorsamster
Samuel Luckner Kammerer
zu Kötzting
Luckners Unterschriftszug und Schriftprobe




Luckners Wappen von seinem Epitaph in der
St. Anna Kapelle im Pfarrhof Kötzting





















„…ein Mann ohne redlichen Gefühle, gewöhnt an morsches prädominieren (=herrschen), hält es neben anderem, belebt von Eigennutz, auch immer für seine Pflicht den tollen Mitbürger in dem Falle anzueifern, solchen wo möglich in mutwillige Proceße zu locken: So bald er bemerkt, daß ihm ein Strich durch seine Rechnung gemacht wird. Und hat er es einmal so weit gebracht, daß er durch seine trügerischen Versprechungen von siegenden Vorteilen eine so lockere als Strafbare Rotte auf seine Seite gezogen; so hat er für sich gewonnen Spiel, und seine verderbte Absicht in vollem Grade erreicht: denn er findet sich auf seine Art unter dem Deckmantel von Litis consorten (=Prozessgemeinschaft) berechtigt auch sogar die aller muthwilligsten Streitigkeiten auf fremde Rechnung hartnäckig fortzusetzen, und so im Dunkel seinen habsüchtigen Beutel gewissenlos spicken zu dürfen, gestalten er am Ende, weiss Gott, was alles in Ansatz bringt, daß ihm sodann eine blos verführte Cummunität zurück vergüten soll, ob er schon im Grunde und selbst sogar in dem allergeringsten Streitsgrund kein siegdienstliches Urteil erfochten, folglich während dem verworrenen ganzen Proceßlauf sich kein anderes verdienst erworben als daß er sich das dumm und boshafte Glück verschaffte den unschuldig angegriffenen Theil in einem Unkosten von mehr als 1/M fl (=1000 Gulden) gestürzt haben, und selben in seinem bittersten verfall nun elendig darben zu sehen“.
Wer hier so über den Kötztinger Kammerer Luckner urteilte gehörte sicherlich nicht zu seinen Freunden. Diese Charakterbeschreibung Luckners steht am Anfang eines amtlichen Schreibens und ist unterzeichnet vom Rentmeister (Maximilian Graf von Daun, war auch „adjungierter Pfleger von Kötzting“) und seinem Rentkanzlisten und Schreiber Ellersdorfer beide von der Rentdeputation, also der Regierung in Straubing. Rentamtsschreiber Ellersdorfer brachte in dem Schreiben seine ganze Empörung zum Ausdruck, weil sich bei der Rechnungsrevision Luckners zeigte, dass der Kötztinger Kammerer eine sehr eigensinnige Buchführung geführt hatte.

In diesem amtlichen Beschwerdeschreiben steckt schon vieles drin, was die Person Luckners und seine Handlungen auszeichnete. 
1. Es geht entweder nach seinem Kopf oder gar nicht!.
2. Eine Sache ist erst verloren wenn er sie als verloren kennzeichnet, ansonsten gibt es immer einen Weg, allerdings nach der Methode Punkt 1!

Mit dieser Maxime und den notwendigen finanziellen Mitteln im Hintergrund konnte er viel für sein und das Fortkommen seiner Familie erreichen ABER auch die Entwicklung Kötztings in entscheidenden Punkten voranbringen.




Luckners Kötztinger Abstammung


Seine familiäre Herkunft und sein wirtschaftlicher Hintergrund könnten eine Erklärung sein, oder zumindest einen Hinweis geben, aus welcher Quelle sich sein Selbstbewusstsein speiste.
Wolfgang Samuel stammte, wie sein berühmter Bruder Nikolaus, der spätere Marschall von Frankreich, von dem Chamer Kammerer, Hopfenhändler, Spital- und Kirchenverwalter und Gastwirt Samuel Luckner ab. Er war der älteste überlebende Sohn von insgesamt 6 Söhnen und 2 Töchtern seines Vaters. Seine Mutter, Maria Franziska Billich aus Kötzting, heiratete bereits 16 jährig ihren Mann und feierte diese Hochzeit im Hause ihrer Eltern, im damals ersten Haus in Kötzting, heute als Haus des Gastes oder Hotel zur Post bekannt. Die Familie Billich war zu diesem Zeitpunkt bereits über 100 Jahre in Kötzting nachweisbar und, als Besitzer der einzigen Privatbrauerei, dann des Gschwandhofes (heute Klinik für traditionelle chinesische Medizin) und vieler anderer Häuser und Grundstücke, wirtschaftlich die führende Familie in Kötzting. Viele Mitglieder der Familie waren im Inneren Rat und stellten damit turnusgemäß (zu der Zeit alle vier Jahre) den Amtskammerer.


Samuel Luckner also, - der spätere Vater unseres Wolfgang Samuel und der Sohn von Jakob und Anna Elisabeth Luckner aus Cham -heiratete seine Kötztinger Frau Maria Franziska am 17. August 1706.
 
Heiratseintrag resp. Eintrag der Sponsalien, also des Heiratsversprechens: Pfarrmatrikel Kötzting Band 1 Seiten 651 
Sponsalia de Futuro contraxit nobilis Dominus Samuel Luckner Dmi Jacobi p:m: et Annae Elisabethae ux. viventis, filius legitimus de Cham cum virtuosa virg: Francisca Billichin Dni Joannis Billich p:m:

Teil 2 Seite 652

civis Köztingam et Agnetis Kriegerin vivis, Filia legitima. Testibus Dno Casparo Kazenperger de Haus et Dno Joan: Jacobo Fridl Syndico Cambensis
Ein Versprechen auf eine zukünftige Hochzeit haben abgeschlossen der ehrenwerte Herr Samuel Luckner ehelicher Sohn des verstorbenen Herrn Jakob (Luckner) und dessen noch lebender Ehefrau Anna Elisabetha aus Cham und die tugendsame Franzisca Billich eheliche Tochter des verstorbenen Johannes Billich, Bürgers aus Kötzting  und der noch lebenden Agnes Krieger (hat nach dem Tode Johannes Billich den Johann Krieger geheiratet) Trauzeugen waren Herr Caspar Kazenperger aus Haus und Herr Johann Jakob Fridl Syndicus aus Cham.