Translate

Freitag, 30. Dezember 2022

Der Markt Kötzting vor 110 Jahren ---- 1913

 Kötzting im Jahre 1913


Der Jahreswechsel

 Der Lichtenegger Bund Kötzting ruft noch im alten Jahre 1912 seine „tit. Ritter“ zur Generalversammlung  am 5. Januar in den „Rittersaal zur Post“ und wünscht sich „vollzähliges Ansprengen“, der Wagerer von Grafenwiesen, Hutter Franz von Beckendorf und Johann Weingut vom Ludwigsberg laden zu ihren Wurstbällen und der Magistrat gibt bekannt, dass der Termin der Hundevisitation verschoben worden ist. So bunt gemischt geht das Jahr 1912 zu Ende.

Die Kötztinger Hunde mussten regelmäßig vorgeführt und "visitiert" - also äußerlich kontrolliert - werden als eine Maßnahme zur Eindämmung der Hundetollwut.

Simon Hahn in der Marktstraße - heutzutage Elektro Vogel - war das damals
neben dem "Gartner" und dem "Häfner" die beste Adresse für Bekleidung in Kötzting.

Im Kötzting der Gegenwart ist es der Arbeitskreis Heimatforschung, der sich in den unterschiedlichen Arbeitsgruppen die Aufgabe gestellt hat, vergangene Zeiten festzuhalten, dies auch häufig mit Zeitzeugen durchführt und so längst vergangene Lebensbilder versucht festzuhalten. Vor 100 Jahren hat sich in dieser Hinsicht der Kooperator Peter Riederer sehr verdient gemacht. Er befragte ältere Mitbürger und berichtete dann über deren Leben in der Tagespresse, er ackerte sich durch die Pfingstakten des Kötztinger Marktarchives und forschte in den Pfarrmatrikeln. Für uns, 100 Jahre später, ist dies in manchen Fällen ein richtiger Sprung in weit zurückliegende Zeiten.

Die angeführten Zeitungsausschnitte und Zusammenfassungen stammen vom  Kötztinger Anzeiger, der fast vollständig in der Bayerischen Staatsbibliothek in  München  - früher die Hof- und Staatsbibliothek  - unter der heutigen Signatur  4Eph.pol.3cel 1900 ff zu finden ist.



Dieses Kötztinger Blatt wurde in der Buchdruckerei des Herrn Vitus Oexler redaktionell bearbeitet und auch gedruckt. Für den oben angesprochenen Kooperator Peter Riederer endete im Winter 1913 seine Zeit in Kötzting, es blieben ihm nur noch wenige Gelegenheiten, seine Forschungsergebnisse zu veröffentlichen. Gleich am 1.1.1913 tat er dies mit einem  Bericht über Benedikt Schwarz, dem späteren Abt von Tegernsee. Das "R." am Ende des Artikels ist seit Jahren sein persönliches Redaktionskürzel.
Peter Riederer
Riederer benutzte für seine Veröffentlichungen nicht nur das ihm zur Verfügung stehende Archivmaterial sondern er befragte auch ältere Mitbürger und war/ist so in der Lage, uns in wenigen Einzelfällen sogar einen Blick weit zurück in die Vergangenheit zu geben. Am 11. Januar, anlässlich der Beerdigung des mit 65 Jahren verstorbenen Austragsbauern Andreas Franz von Ried, werden Details geschildert, die erneut vermuten lassen, dass Kooperator Riederer hier recherchiert hat. Er berichtet, dass der Verstorbene im 13. Inf. Regiment den Feldzug von 1870 mitgemacht hatte und dass ein Vetter mütterlicherseits bereits den Russlandfeldzug Napoleons mitgemacht hatte und schilderte folgendes Detail: „Nachhause zurückgekehrt bat er um eine Nachtherberge und wäre von den Seinen nicht erkannt worden, wenn er sich nicht selber zu erkennen gegeben hätte; er starb aber schon ein halbes Jahr darauf infolge der ausgestandenen Strapazen.“ Auch dies ist wieder ein Beispiel, wie weit zurück hier Augenzeugenberichte gehen.  



In seinem Bericht über Benedikt Schwarz schreibt Peter Riederer am Anfang noch, dass bisher - also 1913- noch nicht erforscht gewesen war, auf welchem Haus diese Familie denn gewohnt und somit in welchem Hause der Sohn Benedikt im Jahre 1715 geboren worden war. Nun wir sind heute da etwas weiter, auch wenn ich zugeben muss, dass der Nachweis der Familienzusammengehörigkeit des Hans Georg Schwarz mit seiner Frau Anna Maria aus dem "Billich-Clan" eine harte Nuss gewesen ist, die es zu knacken galt. Diese Familie wohnte auf dem Hause mit der alten Hausnummer 42, also dem jetzigen Anwesen Heigl in der Marktstraße. Hier der link zur passenden Häuserchronik.
Peter Riederers Leben und Wirken in Kötzting in den Jahren vor 1913 kann  >>>>hier<<<<< nachgelesen werden.
In einem weiteren Beitrag erstellte Peter Riederer ein Liste der ihm bekannt gewordenen Priester, die in Kötzting - und in den umliegenden Dörfern -  geboren wurden.
 



Bleiben wir zunächst noch weiter bei Peter Riederer und seinem weiteren Schicksal.
Einige wenige Veröffentlichungen im Kötztinger Anzeiger waren ihm noch vergönnt, dann wurde er abberufen und zum Pfarrprovisor in Wettzell bestimmt. Hier nun im Zusammenhang seine letzten Beiträge.

Vieles in seiner Zusammenstellung deckt sich mit unserem heutigen Wissen, manches jedoch ist nicht richtig, so macht er genau beim "Weiß auf der Höh" den Fehler, die Namenträger "Weiß", die es im Markt Kötzting bereits mit Beginn der Aufzeichnungen gab, ohne jeglichen Beleg mit den "Weiß" in Verbindung zu bringen, die später die Namensgeber für diesen sprechenden Hausnamen geworden sind. Beide "Weiß-Linien" haben nachweislich nichts miteinander zu tun.









Auch wenn der folgende Artikel kein Redakteurskürzel enthält, so kann es eigentlich nur aus der Feder unseres Peter Riederers stammen. Es geht um den Neubau des Bezirksamtes - heutzutage unser Kötztinger Rathaus - welches in den letzten Tagen des Jahres 1911 komplett abgebrannt war.
Die Behörde wich für ihre Amtsgeschäfte auf das oberste Stockwerk im Gasthaus Lemberger - nun Mühlbauer (Godl) - aus und der Bezirksamtmann, der ja im zweiten Stock seine Wohnung gehabt hatte,  musste sich für lange Zeit eine neue Unterkunft suchen. 
So trist stand unser heutiges Rathaus im Dezember 1911 da, eine vollständig ausgebrannte Ruine.



Das Jahr 1912 verging mit Planungen, Ausschreibungen,  und dem Rohbau und nun kam der Innenbereich dran und offenbarte ein paar interessante Details. Auch dies wieder eine kleine Zeitreise a la Riederer: Gegenwärtig wird das durch den Brand Dezbr. 1911 zur Ruine gewordene Bezirksamtsgebäude abgebrochen. Dieses war bekanntlich bis zur Säkularisation 1803 das Priorat der Benediktiner. An die Klosterzeit erinnerte nur ein einziges Ueberbleibsel, nämlich ein Deckengemälde im Registraturzimmer, den Tod des hl. Josef darstellend. Im gleichen Raum (1.Stock, Ecke gegen die Post, es müste nun das Amtszimmer unseres Kämmerers Florian Heigl sein.) kam nun ein zweites Gemälde wieder zum Vorschein, an der östlichen Zimmerwand befindlich; es sind zwei schwebende Engel, jeder einen Vorhang emporhebend, gleich als wollten sie uns ein Geheimnis sehen lassen. Das Bild ist in den lebhaftesten Farben ausgeführt, besonders zeigt der Vorhang feuriges Rot. Die wohlgenährten, dickbackigen Engel gehören der Barockzeit an und lassen auf ein Alter von 15o Jahren schließen. – Offenbar war dieser Raum einst Hauskapelle im Kloster worin alte gebrechliche Herren die Messe lesen konnten; unter dem Bilde war der Altar und auf dem Altar stand eine Statue, eine Gruppe vielleicht der hl. Familie, zu welcher die Engel mit ihrem Vorhang gleichsam die Umrahmung bildeten. Die erw. Benediktiner-Herren sind längst dahin, und nun fallen auch die Mauern und keine Spur bleibt mehr von der alten Klosterherrlichkeit.
Um das Thema hier weiter zu vervollständigen, im Jahre 1913 wurde auch ein Außenanlagenplan erstellt, der einen bunten und blühenden Zier- und Nutzgarten vorsah. Parkplatzraum war damals noch überhaupt kein Thema.

Ein weiterer Sprung zurück in längst vergangene Zeiten, die damals noch sehr lebendig im Gedächtnis der Kötztinger waren stammt aus einer weiteren Kurznachricht, welche eigentlich auch nur aus dem Material von Riederers Feldforschung stammen kann.

„Blindengirgl“ verstorben: in Haus verstarb heute der älteste Mann der Pfarrei, der Häusler und Musiker Georg Wagerer, genannt Blindengirgl. Geboren 1818 hat er 95 Jahre beinahe vollendet. Getauft war er zu Grafenwiesen von dem damaligen Schloßgeistlichen Pater Nikolaus Maurer, einem säkularisierten Franziskaner, gemeinhin Pater Nigl, geheißen….. Der Name Blindengirgl rührt daher, weil sein Großvater, ein Häusler in Ansdorf, der als Musiker am Kirchenchor Hohenwarth mitwirkte, blind war. Auch der Verstorbene blies bis in die allerletzte Zeit noch gerne und kräftig auf der geliebten Klarinette.

Über das eifrige Schaffen des Priesters und Schulmanns Karl Obermaier - geboren im Pfeffergraben in Kötzting im Jahre 1773 - berichtete er im März 1913.


Auch in einem Bericht über die - geschichtliche - Schulsituation in Grafenwiesen geht er zurück bis zur Säkularisation und nennt interessante Kleinigkeiten aus dieser Anfangszeit der staatlichen Schulversorgung.






Es ist schon überraschend, wieviel an geschichtlichem Detail-Wissen Peter Riederer in seinen Kurzbeiträgen hier transportierte, von den verschiedenen Schulhäusern - einschließlich Benennung der heutigen Besitzer, um die Standorte auch zu erkennen -, über die einzelnen Lehrerfamilien, bis hin zu verwandtschaftlichen Beziehungen zu Kötztinger Bürgern.
Ähnlich gespickt mit vielem Wissenswerten war sein nächster Beitrag über die Pfarrkirche Kötzting als Grundherr, erschienen noch im April 1913. Nicht nur, dass er einzeln die 18 Höfe aus Kötztings Umgebung aufzählt, die in der Vergangenheit zur Kirche Kötzting grundbar gewesen waren, er erläuterte auch die verschiedenen Arten der einzelnen Abgaben und die Rechte und Pflichten, die solch ein Untertan-/Grundherrverhältnis mit sich brachte.




Als seinen letzten Beitrag veröffentlichte er - um Pfingsten 1913 herum - eine kurze Biografie über den Kötztinger Pfarrer Christoph Plöd. Allerdings erfahren wir dabei mehr über sein -körperliches - Leiden als über sein sein Leben und Wirken. Pfarrer Plöd ist im Kötztinger Friedhof innerhalb der Kirchenburg im Jahre 1843 beerdigt worden.
Die letzten Beiträge hatte Peter Riederer wohl bereits fertig in der Schublade, denn wie oben bereits angedeutet, war er ja  Mitte Februar kurzfristig nach Wettzell versetzt worden.



Am 14.2.1913 kam die Nachricht in Kötzting an, dass Peter Riederer Kötzting zu verlassen hatte und dieser Beschluss kam dann wohl - liest man seinen "Abschiedsgruß" - eher überraschend und auch sehr kurzfristig.
Interessant in dieser Kurzmeldung ist weiter, dass bei den Beerdigungen die "Kindsleichen" wohl eher als die "minderen" Sterbefälle angesehen wurden.
Mit sehr emotionalen Worten verabschiedete sich der junge Priester von seiner Pfarrei und auch von der Redaktion des Kötztinger Anzeigers. 

Kooperator Riederer war aber nicht lange als Pfarrprovisor in Wettzell eingesetzt, da er schon bald eine Expositur in Zenching erhielt, wo er dann 4 Jahre später, im Jahre 1917, an den Folgen seiner Tuberkuloseinfektion mit 38 Jahren verstarb.



Doch nun zurück zum Jahresablauf in Kötzting


 
Mit der ersten Nummer des Neuen Jahres warb der katholische Gesellenverein (aus diesem erwuchs später der Kolpingverein) für sein Theaterstück.  Der Redakteur, der die Aufgabe hatte, für diese Aufführung einen Werbebeitrag zu schreiben, griff ganz tief in die Gefühlskiste, er spricht von "atemloser Spannung und tiefster Rührung" und von dem "ergreifenden und tiefgehenden Eindruck", den das Stück bei ihm bei der Erstaufführung  hinterlassen hatte.
Vor ganzen 17 Jahren hatte der Autor des Werbeartikels dieses Theaterstück bereits einmal gesehen und stand offensichtlich immer noch unter dem Eindruck des damals Gesehenen......
Der Titel lautete: Das Vater Unser in der Christnacht










Während viele andere Kötztinger Geschäftsleute ihre Neujahrsgrüße in der "Sylvesterausgabe" veröffentlicht hatten, begrüßte der Baumeister Michael Herre seine Kunden mit der ersten Nummer des neuen Jahres.

In dem Beitrag über die Bürgersfamilien kam ja bereits ein erster Hausname (Weiß auf der Höh) vor. Aus den Geschäftsanzeigen im neuen Jahr finden wir eine Erklärung für zwei weitere "Hausnamen", die sich - zumindest bei älteren Kötztingern - noch heute erhalten haben
Christian Bauer - der "Christianschneider" auf der alten Hausnummer 9  

Michl Winter - der "Winterschneider" - auch dieser vereinigte den Beruf mit seinem Namen.

Wie sehr sich das Leben Kötztings heutzutage von den Gegebenheiten damals unterscheidet, kann man gut an der Metzgerstatistik und an der Geschäftsanzeige des Josef Amberger - Amberger Hof - erkennen. 2500 Stück Vieh wurden im Jahre 1912 in Kötzting geschlachtet und im Hause des Josef Amberger gabs damals eine größere Verkaufsaktion von Rindviechern.



Der Jahresanfang nutzen die Kötztinger Vereine und Verbände auch immer, um ihre Generalversammlungen abzuhalten, bei den nicht nur zumeist die Vorstände neu gewählt wurden, sondern auch die Unternehmungen für das ganze Jahr - und ganz besonders für den Fasching - vorgestellt wurden.

Der Lichtenegger Bund feiert: Die Generalversammlung der Ritter brachte eine neue Vorstandschaft und man einigte sich auf  einen Ball, ein Kinderfest und eine Herrenkneipe im Fasching und wollte „während der Fremdensaison“ einen Ausflug zur Burg Lichtenegg anbieten. 

Dieser Faschingsball am 6. Februar - der Fasching 1913 war ein sehr kurzer und kompakter -  war ein voller Erfolg: “in glänzender Rüstung kommen die Ritterscharen, vereinsamte Höhen hinter sich lassend, herangesprengt und gar bald füllen sich die gastlichen Räume der in einen Märchenhain verzauberten Burg“. Beim Kinderfest konnten sich die kleinen Ritter und deren Ritterdamen eines „soeben mittels Zeppelin aus Adrianopel eingetroffenen Walis(?) erfreuen.

 


Für Montag den 20.1. hat Pfarrer Nagler die Wahl der Kirchenverwaltung ausgeschrieben; er betont ausdrücklich: „ die Stimmabgabe ist eine geheime“. Die Kötztinger Bürger Josef Stauber, Leopold Januel, Vitus Oexler, Johann Wensauer und Josef Decker scheiden aus dem Gremium aus. Die Herren Decker, Wensauer und Stauber wurden aber wiedergewählt und zusammen mit Franz Grassl und Ludwig Waldmann bildeten sie nun die neue Kirchenverwaltung.

 An den Anzeigen für Mitglieder- und Vollversammlungen kann man erkennen, wie viele aktive Vereine es in Kötzting vor 100 Jahren bereits gegeben hatte:

Der Lichtenegger Bund tagte wechselweise in der Post, beim Dimpfl und beim Wagner
Auch das Vereinslokal - für Versammlungen und zum "Winterturnen" - des Turnvereins war beim Dimpfl (Georg Mühlbauer) und dorthin lud der Verein zu einem Tanzkränzchen. 


Zur Erinnerung an den Beginn der Freiheitskriege gegen Napoleon stellte der Turnverein ein ganz besonderes Programm zusammen, vom Bergfeuer bis hin zu einer Kundgebung.
Zum 17. März wolle dieser eine Erinnerungsfeier an den Turnvater Jahn abhalten. Wie im Jahre 1813 die Jünger Jahns zu den ersten zählten, die zu den Waffen griffen, so haben die Turnvereine jetzt das Recht und die Pflicht, nicht zu versäumen als erste mit einer Erinnerungsfeier in den Vordergrund zu treten. So werden am 17. März, dem Tage des Aufrufe“ An mein Volk“ wenn irgend möglich Feuermal aufgerichtet….Der Turnverein Kötzting wird deshalb am Montag den 17. März, abends um ½ 8 Uhr auf der Höhe in Weissenregen ein großes Berg=Feuer abbrennen lassen, dann mit Trommelschlag vom Vereinslokale zum Kriegerdenkmal ausziehen, eine Ansprache halten und nach Absingen des Turnerliedes „Ein Ruf ist erklungen“ wieder in der Vereinslokal zurückmarschieren.
Karl Lindner als Vorsitzender des Turnvereins hielt die Rede und der KA berichtete unter "Vermischte Nachrichten"


Die Bayerische Genossenschaftsmästerei  traf sich in der Post und der Krieger und Veteranenverein bei Georg Mühlbauer(Dimpfl).

Der Burschen und Wandererverein rief seine Mitglieder in den Saal des Josef Irlbeck.


Der Gabelsberger Stenographenverein tagte bei Franz Mühlbauer und wählte den Kaufmann Andreas Krämer als neuen Vorstand. Der Buchdruckereissohn Oexler Josef wird zum Schriftführer und als Bibliothekar wird der Kaufmannssohn Herr Julius Kirschner gewählt. 
Seinen Maskenball jedoch hielt der Stenographnverein ebenfalls beim Dimpfl ab.


Der Kötztinger landwirtschaftliche Lokalverein hielt ebenfalls seine Generalversammlung im Gasthaus Graßl, ab, der neue Vorstand beschloss ein Volksfest für den 14. bis 17. August mit Tierschau und Ausstellung von Obst und Getreide durchzuführen. Der Mesner Karl Obermeier wurde der neue Vorstand.

Der Katholische Gesellen Verein (Vorläufer des Kolpingsvereines) trifft sich regelmäßig beim Januel und gibt sich in diesem Jahr ebenfalls eine neue Vorstandschaft mit den Herren Schötz Josef, Vitus Oexler und Ludwig Fleischmann. Die vereinseigene Bibliothek enthält 600 Werke und steht den Mitgliedern jeden Sonntag kostenlos zur Ausleihe zur Verfügung.

Der Männergesangsverein empfiehlt sich im Saale Georg Mühlbauer (Dimpfl) mit einem karnevalistischen Abend.



Die Generalversammlung des Frauenvereins vom Roten Kreuz wird in der „Post“ veranstaltet und die Generalversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Kötzting im Wirtshaus  Franz Mühlbauer. Die Vorstandwahlen der Feuerwehr bestätigten im Wesentlichen die alten Vorstände mit dem Bankier Liebl jr. als Vorstand, dem Kommandanten August Hofner und dem Kassier Simon Hahn.
Auch dies ein Beispiel - ähnlich wie beim Bibliothekar des Stenographenvereins Julius Kirschner -  wie gut die jüdischen Familien Kötztings in die (Vereins) Gesellschaft integriert waren.

Die FFW Arndorf kommt beim Kauer in Kammern zusammen, um Bürgermeister Pritzl Josef als Vorstand und Wiesmeier Josef aus Grub als ihre Kommandanten zu wählen.

Der Verschönerungsverein Kötzting tagte im Deckerschen Bräustübl. Der alte und neue Vorstand, Herr Forstmeister Hubrich, berichtete von dem neuesten Vorhaben: Der sehr beliebte Spaziergang nach Weissenregen solle mit Teer=Makadam Pflaster versehen werden.

Forstmeister Hubrich Kötztings Ehrenbürger

Bild Haymo Richter

Der Obstbauverein Kötztings und seiner Umgebung (Umgebung geht hier bis hinauf nach Lam, wo die nächste Versammlung stattfinden soll) trifft sich mit zahlreichen Mitgliedern für seine Generalversammlung im Rittersaal des Gasthofes „Zur Post“.  250 Mitglieder zählt der Verein und es sind im Laufe des Jahres 1220(!) Obstbäume an die Mitglieder abgegeben worden. seine

Ende April führte die kgl. Priv. Feuerschützengesellschaft seine Vorstandswahlen im Gasthause Karl Kollmeier durch. Es wurde beschlossen beim großen Volksfest im August diesen Jahres ein Festschießen zu veranstalten.

Die 1. Zimmerstutzengesellschaft, der zweite Kötztinger Schützenverein, tagte bei Karl Dreger, um seine Vorstandwahlen durchzuführen und veranstaltete gleich ein Preisschießen anlässlich der Namenstagsfeier des Schützenbruders Georg Dreger. Auch sie wollten zum großen Volksfest im Sommer ein eigenes Festschießen anbieten.

Der Bienenzuchtverein Kötzting und Umgebung traf sich bei reger Beteiligung in der Brauerei des Josef Decker und die Mitglieder  sahen einen Lichtbildervortrag über die Rentabilität der Bienenzucht.

 

Kötzting verliert verdiente und bekannte Mitbürger:



 Johann Lindner, Privatier in Sperlhammer und der Stifter der Kötztinger Marienfigur am Marktbrunnen ist im Alter von 72 Jahren verstorben. 20 Jahre lang war er der Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr Sperlhammer „ und hat gar manche Opfer zur Erhaltung und Ausbildung getan“ 
 

Von der gemeinsamen Grablege der Familien Richter und Lindner haben wir ein Bild von Frau Rabl-Dachs. Diese Grabplatte und das Grab befanden sich ursprünglich an der Friedhofsmauer, die in den 1980er Jahren eingestürzt ist, später im Leichenschauhaus an der Wand angebracht war und nun im städtischen Bauhof auf eine neue Verwendung nach der Sanierung des Alten Friedhofes wartet.
Bild Frau Rabl-Dachs

Foto Haymo Richter Sägewerk Sperlhammer, aus dem früheren Eisenwerk hervorgagangen


In München verstarb am 11. März im Alter von 62 ½ Jahren der Regierungsrat von Schacky, der von 1892 bis 1898 Bezirksamtmann von Kötzting gewesen war. Der BZAmann v. Schacky hatte sich sehr um seinen Amtsbezirk bemüht. In seine Amtszeit fallen viele Wasserbauten, die Errichtung der landwirtschaftlichen Winterschule, der nun (1913) nach Zwiesel verlegten Distriktsschnitzschule, die St. Josephs=Pflegeanstalt. Herrn von Schacky wurde vom Magistrat Kötztings die Ehrenbürgerwürde verliehen.

Stadt Kötzting U30 Freiherr von Schacky

Eine ganz besondere Gemeinheit ereignete sich im ausgehenden Winter Ramsried, als bei einem taubstummen Schneider eingebrochen wurde und die Diebe sogar dessen Geheimversteck fanden: Das Geld lag in einem Vogelkäfig.
 In diesemhatte nämlich der taubstumme Karl Kisler seine Ersparnisse deponiert, als ein dreister Dieb am helllichten Tage das Fenster eindrückte, bei ihm einstieg und alle seine Ersparnisse raubte. Die Kötztinger Gendarmerie konnte jedoch den Dieb, einen ledigen Taglöhner aus Ramsried und dessen „Geliebte“ aus Waffenbrunn, verhaften und ins Kötztinger Gefängnis einliefern.


In Sperlhammer verstarb am 10.August der von hiesiger Bevölkerung und in der ganzen Umgebung hochgeachtete ehemalige Guts= und Sägewerksbesitzer von Sperlhammer, Herr Privatier Heinrich von Sperl. Dieser war noch von wenigen Wochen in München operiert worden, jedoch war seine Krankheit bereits zu weit fortgeschritten. Er war ein eifriger Förderer der Feuerwehr Sperlhammer und durch die Stiftung eines hohen Gusseisernen Feldkreuzes am Kirchenwege Kötzting=Grafenwiesen hat sich er Verstorbene ein dauerndes Andenken gesichert.

Grablege Heinrich von Sperl im Alten Friedhof

Foto Haymo Richter: Das "Feldkreuz" im Herrenweiher, gestiftet von Heinrich von Sperl.

Bereits im September 1873 hatten Heinrich von Sperl und seine Frau Marie, eine geborene Garni sich gegenseitig zum Haupterben eingesetzt und dies mit ihren Unterschriften bestätigt.
Staatsarchiv Landshut\Rep 166N-12 Nachlassakten\Rep 166N-12 Schachtel 55 Nr. 54 von 1913 Heinrich von Sperl
Im Jahre 1909 erneuerten die beiden ihr Testament, da nun ja auch Kinder vorhanden waren, die sie berücksichtigen mussten. Nach seinem Tode wurden der Uhrmacher Josef Weißenbach - heutzutage der "Untere Oexler" und der Kaufmann Franz Paul Decker als Zeugen berufen, als dieses Testament vor dem Notar geöffnet wurde.

Eine Kötztinger Institution stirbt:

Der Lehrer Johann Singer, seit 1909 in Pension, verstarb im Alter von 64 Jahren.
In weiten Kreisen war Lehrer Singer deswegen bekannt, weil er 34 Jahre lang täglich bei jeder Witterung den 7 Kilometer langen Weg von Wettzell nach Kötzting und zurück machte. Derselbe hat als solcher sohin eine Strecke von 153,740 km zurückgelegt. Viele Kollegen waren bei der Beerdigung in Wettzell anwesend, wo er an der Seite seiner Frau bestattet worden war. Viele Vereine, bei denen er Mitglied gewesen war gaben ihm die Ehre. Auch die Pfarrei und Gemeinde Wettzell, deren Ehrenbürger er gewesen war, trauerten an seinem Grab.




Zwei weitere Zeitungsnotizen vom Winter und Frühjahr 1913 sind es wert, hier auch nach 110 Jahren noch wiederholt tu werden.
Die Arbeitsbedingungen in einer Zündholzfabrik waren mitunter lebensgefährlich, es kam dort öfter zu Bränden und sogar Explosionen. 
In der Hubloherschen Zündholzfabrik entzündete sich am 11. Januar 1913, vermutlich wegen Reibung, der Zündstoff. Der Werkmeister Dirscherl erlitt schwere Brandverletztungen und es steht zu vermuten, dass er sein Augenlicht verlieren wird. Weitere Kisten mit Zündstoff, die in der Nähe standen konnten von den Arbeitern rechtzeitig ins Freie gebracht werden, wo  er dann explodierte, ohne größeren Schaden anzurichten. 
Die damalige Hubloher Zündholzfabrik entspricht der heutigen Allemann-Fabrik in Grafenwiesen.

Im April 1913 erschien ein kleiner Bericht über eine Auswanderergruppe und der Tenor dieser Nachricht war alles Andere als optimistisch.
Kötzting, 1. April Vergangenen Donnerstag Vormittag verließen wieder 12 junge Leute aus unserem Markt und der Umgebung die Heimat um nach Amerika zu reisen. Wohl weiß man, dass das Leben in der Heimat oft nicht rosig und das Glück gering ist, aber man weiß auch, wie oft das Dollarland die betrügt, die nach Glück und Reichtum Sehnsüchtigen mit einem Sirenenlied von schnell errungenem Vermögen. Aber oft schüttelt sie drüben das Leben mit robusten Fäusten aus phantastischen  Erwartungen in den arbeitshärtesten und rücksichtslosesten Erwerbskampf. Manche wohl bestehen und kommen hoch. Wie viele aber bringen nichts mit herüber als herbe Enttäuschungen! Zwölf junge Schicksale! Burschen und Mädchen aus bürger- und bäuerlichen Familien vertauschen das kleine Leben der Heimat mit dem Ungewissen, von dem sie sich alles erhoffen. Möge es ihnen glücken!

Eine spektakuläre Rauferei mit Messer und Pistolen:





Und wieder wird es Pfingsten:

 Bereits im April wird die Propagandamarke Pfingstritt Kötzting, Halbtausendjahrfeier 1412-1912 angekündigt. Der Maler J.A. Sailer hat eine Erinnerungsmarke, - ein Reiterbild aus dieser Zeit, ein kleines Kunstwerk für sich – gemalt und die Münchener Kunstanstalt Oskar Consee hat es in Vierfarbendruck reproduziert. Die in kleiner Auflage gedruckte Siegelmarke ist in allen Schreibwarengeschäften erhältlich.

Siegelmarke - und Pfingstplakat von J.A. Sailer

Mit Beteiligung des Krieger und Veteranenvereins Blaibach und zahlreicher Interessenten fand in Kötzting die Vorführung der neuen Sicherheitssalutkanone statt. Herr Artillerie=Hauptmann Karl Lindner erklärte die Handhabung des Systems und feuerte 10 Probeschüsse ab.
Einschub des Verfassers: Es dürfte sich dabei um dasselbe Exemplar handeln, das früher (bis in die 80er Jahre),  am Pfingstmontag um 7.55 Uhr am alten Friedhof abgefeuert wurde und regelmäßig die Pferde zu Beginn des Pfingstrittes zu Tode erschreckt hatte.
Einschub Ende

Aufruf und Einladung des Magistrats und des Pfingstrittkomitees

 Nachdem im letzten Jahr beim großen Jubiläumsritt, genau am Pfingstmontag, ein eifriges Mitglied des Festkomitees für die Halbtausend Jahrfeier des Pfingstrittes, der Posthalter Karl Schmidt so überraschend gestorben war, wurde für den heurigen Pfingstmontag 6 Uhr eine hl. Messe abgehalten. Damals konnte man als Pfingstreiter eben noch am Pfingstmontag um 6 Uhr früh eine Messe besuchen, wie sich die Zeiten geändert haben….

Gerade mal 1 Woche vor Pfingsten wurde der Bräutigam ausgewählt und informiert.

Die Wettervorhersagen für die pünktlich eintretenden Eisheiligen und das im Jahre 1913 so früh stattfindende Pfingstfest waren sehr winterlich und tatsächlich, der Bericht über den Pfingstritt spricht von einem andauernden Regenfall und großer Kälte während der gesamten Feiertage.

Im Gegensatz zum großen Pfingstjubiläum wird in diesem Jahr nur sehr kurz und knapp vom Pfingstritt berichtet. Mehrmals verweist der Berichterstatter auf  den andauernden Regen während der Pfingstfeiern und schreibt von 200 Reitern die zusammen mit dem Offiziator Schmid nach Steinbühl ritten. Am 9. Mai, also gerade am Freitag vor Pfingsten hatte der ausgewählte Pfingstbräutigam Heinrich Plötz, ein Fuhrwerksbesitzerssohn seine Nachricht erhalten und als seine Pfingstbraut Frl. Babette Amberger, eine Gasthofsbesitzerstochter erwählt. Nach der Kranzlübergabe auf dem Bleichanger, dem Burschenzug und der Abholung des „holden Bräutchens“  wurde  in den ausgedehnten Graßlschen Wirtschaftsräumen bei Musik und Tanz unter äußerst zahlreicher Beteiligung aller Stände gefeiert, wozu auch Küche und Keller des Hrn. Graßl das Ihrige beitrugen.  
Hier der ganze Pfingstbericht von 1913


Auszeichnungen für vieljähriges Mitreiten erhielten die Herren Andreas Schillinger aus Waid und Irlbeck aus Thenning.


Der Kötztinger Waldverein und der Fremdenverkehr

Im Gasthaus Josef Decker fand am 5. April die Generalversammlung der Waldvereinssektion Kötzting statt. Nach der Begrüßung durch den Distriktsschulinspektor - vor dem Ersten Weltkrieg hatte der jeweilige Ortspfarrer auch die Pflicht zur Überwachung der Lehrinhalte und die Aufsicht über die Schulen - Pfarrer Nagler, als stellvertretendem Vorstand, führte der Schriftführer Hauptlehrer Drunkenpolz den Jahresbericht aus. 163 Mitglieder zählte der Verein, der mit dem kürzlich verstorbenen ehemaligen Bezirksamtmann von Schacky ein hoch verdientes Mitglied verloren hatte. Die  Haupteinnahmequelle stellten die Bergwirtschaften und der Verkauf der von der Sektion angeschafften Touren und Ansichtskarten dar. Fleisch und Suppenkonserven wurden in großen Mengen angekauft und den Bergwirtschaften zur Verfügung gestellt. Folgende Leistungen wurden herausgestellt: Der Aufgang zur Burgruine Lichtenegg wurde in Stand gesetzt und der Turm dieser Ruine konnte wieder bestiegen werden. Für die Verbesserung der Wegeverhältnisse von Kötzting–Kaitersberg-Eck-Arber wurde ein Fond angespart, in den in diesem Jahr bereits 200 Mark eingezahlt worden waren.
Mathias Heilmeier Ruine Lichteneck von Norden 23.7.1900

Auch das Foto stammt von Mathias Heilmeier und ist aus dem Jahre 1900


Zum 8. Juli eröffnete der Waldverein im Ritterlokal seine dahier eingerichtete Lesehalle und zeigte an: in derselben liegen auch heuer wieder eine r e i c h e Auswahl der beliebtesten Zeitungen und Zeitschriften auf und werden Fremde und Einheimische gebeten, von der gemeinnützigen Einrichtung recht ausgiebig Gebrauch zu machen.

Am 31. Juli folgte dann in der Zeitung die Veröffentlichung des Jahresberichtes. Auffallend hierbei sind die Beteiligungen an einem Touristenhaus am Rachel, die Schutzhütten am Hohenbogen und auf dem Reitenberg. Die Sektion besitzt einen großen Bestand an Decken, Matratzen und anderen Hütteneinrichtungsgegenständen. Von notwendigen Sprengungen an den Rauchröhren und wiederkehrenden Zerstörungen an den Bänken bei der Quelle am Riedelstein wird berichtet.


Die Badesaison beginnt

 Zum 1. Juni öffneten wieder die Kötztinger Flußbäder. Der Bindermeister Johann Wühr versprach sogar Duschen und kalte und warmen Bäder. Das Kötztinger Öffentliche Schwimm=Sonnen= und Hüttenbad im weißen Regen allerdings führte strenge Regeln zur Geschlechtertrennung ein und zeigt diese auch in einer ganzseitigen Veröffentlichung in der Zeitung an. 





Es tut sich was auf dem Kötztinger Häusermarkt

Verkäufe und Veränderungen:  Die Gastwirtschaft neben dem Bahnhof Zellertal wurde verkauft, ebenso das Anwesen des Brauereibesitzers Anton Decker, mitsamt der Brauerei, dem Bräustüberl, Lagerkeller, Bierhalle, Wohn und Nebengebäude. Der Käufer war Xaver Mühlbauer aus Kummersdorf, der das Anwesen dann postwendend wieder an Anton Decker verpachtete.
Das Haus in der Gehringstrasse des Schuhmachermeisters Ludwig Karl – neben der Buchdruckerei – ging an den Bezirksamtsdiener Josef Holzer über und in der Bahnhofstrasse erwarb der Maschinenhändler Michael Vogl -das Haus des Michael Leitl.

 


Das im Text erwähnte Anwesen des Wolfgang Vogl - Peteranderl - ist heutzutage  Elektro Vogel.
Durch die Zertrümmerung entstanden die sich in der Schirnstraße anschließenden Häuser bis hinten an der Gehringstraße das Anwesen Hasenberg.




Bei diesem Haus handelt es sich um das spätere Anwesen des Josef Aschenbrenner, zwischen Meidinger und der Metzgerei Barth.


 

Das Rathaus erhält einen Telefonanschluss

Zum 1. Juli haben beide Collegien des Marktes Kötzting beschlossen im Rathause dahier das Telefon einzurichten und an das Ortstelefonnetz Kötzting anzuschließen.

Große Übung der Sanitätskolonne des Roten Kreuzes

 Angenommen worden war eine Kesselexplosion im Elektrizitätswerk des Herrn Staudinger und, unterstützt von den Kollegen aus Lam, rückte nach der Alarmierung der Sanitätszug zum Unglücksort ab. Die „Verletzten“ erhielten Notverbände und wurden zum Transport vorbereitet, nachdem sie sich an den Stärkungsmitteln, die in liebenswürdigerweise von den verehrlichen Damen des Frauenvereins vom Roten Kreuz gereicht worden, gelabt hatten.

Vom Notlazarett aus wurden die „Verletzten“ mit Leiterwagen und fahrbarer Bahre zum Bahnhof Zellertal gebracht, dort in dem improvisierten Eisenbahnwagen untergebracht, um so per Bahn in alle Richtungen befördert werden zu können. Nach Abschluss der Übung marschierten die Teilnehmer zum Übungsplatze zurück und bald entwickelte sich in den Räumen der Wiesmühle fideles Leben. Wurde doch dort der Mannschaft von edlen Damen Bier, Wurst und Brot nach Belieben gespendet.

  

Das große landwirtschaftliche Vereinsfest

 

Ein Monat vor dem großen Volksfest wurden die Bewirtungsbuden und -zelte versteigert.

Die Bierbuden gingen an die Herren Josef Decker, Bierbrauereibesitzer ,  die beiden Kommunbrauer Franz Graßl und Johann Pfeffer und an den Buchbindermeister Leopold Henneberger. Die Weinbuden ersteigerten sich der Konditor Franz Liebl und erneut der Buchbindermeister Leopold Henneberger.

Nun begann der Aufbau…besonders lebhaft geht es auf der Amberger Wiese am Bleichanger zu. Das Tierzelt ist bereits aufgerichtet und fleißige Hände rühren sich die Maschinen an Ort und Stelle zu bringen und Fundamente für deren Aufstellung zu errichten. Dann ist es soweit, das Landwirtschaftliche Bezirks= und Volksfest Kötzting 1913 beginnt. Wieder mal spielt das Wetter nicht mit, die beiden Haupttage, der Freitag und der Sonntag waren vollständig verregnet. Viele Vorbereitungen wurden getroffen für die Festwägen beim Festzuge, aber nur die Frau Sonne hat nicht mitgespielt und so sandte der Wassergott Pluvius seine aufgespeicherten Wassermassen auf den Festplatz, der bald einem Sumpfe glich.
Unter wechselnden Regenschauern ging der Festzug vor sich ….und …..auch dem Schützenzug war kein besseres Los beschieden. Unter strömendem Regen zogen sie hinaus, die wackeren Schützen, zum fröhlichen Kampfe.
Reich ausgestattet war der Glückshafen und wer von Fortuna nicht begünstigt wurde, der musste sich mit den vielen Würsteln trösten, die von vorsorglicher Hand voraus schon zahlreich bereitgestellt wurden…… Gar mancher Kummer über die vielen Würstel und das schlechte Wetter wurde in der „Wacht am Rhein“, bei den „Truderingern“ oder im „Böhmerwald“  [das waren die Namen der einzelnen Festzelte] weggewaschen, so dass sich zu der äußeren Nässe noch die innerer gesellte.

Besonders erwähnt wurden die Gesteinssammlung des ehemaligen Forstmeisters a.D. Johann Hubrich und ein aus Eisen getriebener Blumenständer der Schlosserei Liebl.
Wegen des so schlechten Wetters musste der Kinderfestzug und für Montagabend das geplante Brilliantfeuerwerk ausfallen. Allerdings sollten beide eine Woche später nachgeholt werden. So war es dann auch, eine Woche später wurde ein kleines Programm aufgestellt, um doch noch die ursprünglich geplante Vielfalt an Veranstaltungen und Vorführungen zeigen zu können.

Während im Rathaus eine Kunstwanderausstellung mit 250 gerahmten Bildern, älterer und moderner Meister, auf die Besucher warteten, öffnete der Glückshafen ein zweites Mal und in den Bierbuden wurden erneut Konzerte veranstaltet. Nachmittags folgte dann der Kinderfestzug und um 18.oo Uhr startete ein Minizeppelin vom Festplatz aus. Um 8 Uhr abends brannte dann tatsächlich noch das verschobene Brilliantfeuerwerk .


Zum Ende dieses Blogbeitrages nun noch ein paar einzelne Nachrichten, Kuriositäten oder sonst Bemerkenswertes.

In der Einweihungsfeier des Arberkreuzes im August 1913 liegt sicherlich der 
ursprüngliche Bezug Arberkirchweih, die, unter Anderen von KB Krämer initiiert, seit dem Jahre 1965 alljährlich am 3. Augustsonntag August gefeiert wird.

Ins "Amerika" Teil 2

In Kötzting gibt es mindestes zwei Flurstücke, die im Volksmund den Beinamen "Amerika" bekommen haben. Meine Nachfrage - woher das denn käme- hat die durchaus logische Antwort bekommen, dass es sich dabei um weit abgelegene Grundstücke einzelner Besitzer handelte, bei denen dieser erklärte, dahin sei es so weit, wie gleich nach Amerika.


Die strengen Regeln der katholischen Kirche

 Gläubige Christen hatten es damals nicht eben leicht, wie das folgende päpstliche Dekret zeigt, das an prominenter Stelle in der Tageszeitung veröffentlich wurde.




 Steinbühl erweitert seine Kirche:

 


Aufregung in Weißenregen:



Die Firma Dinkelmeyer expandiert





Und zum Jahresende lud Frau Kathi Schmidt die Kötztinger zu einem großen Konzert.




Auch im Jahre 1913 konnte man sich Schönheit kaufen.



Neben dem Kötztinger Anzeiger ist es - in kleinerem Maße - auch das Bezirksamtsblatt, aus dem wir unser Wissen über das Leben unserer Vorfahren schöpfen können.
Hier in lockerer Folge ein paar behördliche Anordnungen, Entscheidungen und Hinweise.

Die Korrektur des Dampfbaches



Im Februar kam eine Fachgruppe nach Kötzting um dem Wunsche einiger Wiesenbesitzer nachzukommen, die auf eine Regulierung des Dampfbaches drangen. bereits seit 1910 lagen hier Pläne vor und nun wird es Ernst. Es kommt im Jahre 1913 dann zu einer Korrektion des Dampfbaches und zur Entwässerung von Wiesen. Den Brückenbau über den Dampfbach erledigt der Baumeister  Herre und der weitere Steg zur Rieselhöhe wird in Eigenregie gebaut. 
Einschub
Noch zu meiner Kinderzeit gab es diese steinerne Brücke über den Dampfbach und auch den schmalen getrampelten Weg durch die Äcker hindurch hinauf zur Rieselhöhe.
Links dieses Weges lagen in den Nachkriegsjahren die Kötztinger Schrebergärten.
Einschub Ende 

Die Trift auf dem Seebach und dem Weißen Regen 1913



Hier werden die genauen Regeln für das triften von Hölzern bekannt gegeben


Die Pflege der Bäume und Sträucher durch händisches "Abraupen"



Die Impfung im Jahre 1913 und ihre Regeln




Wie im Beitrag oben erwähnt, kam es im Rahmen der Landwirtschaftsausstellung um August 1913 auch zu Prämierungen. Diese Preisträger wurden nun im BZA-Blatt veröffentlicht.

Die Preisträger




Gesetz gegen das schlechte Einschenken bzw. die neuen Maße der Biergläser:


Am Ende noch eine Warnung wegen eines gefährlichen Spielzeuges: