Translate

Posts mit dem Label Hauser Jakob werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Hauser Jakob werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 8. April 2020

Das Stadtarchiv Bad Kötzting als Unterhaltungsbeilage 2-5 Jakob Hauser


Der Kötztinger Bader Jakob Hauser

Kötzting (na). „Mir sind eben zu viele Bader über den Weg gelaufen.“ Jakob Hauser, seit 1930 Friseurmeister (er war auch schon Innungs- und Kreishandwerksmeister), erinnert sich noch „wie heute“ an den Augenblick, in dem er vor fast 50 Jahren den Entschluss gefasst hat, neben dem Friseurhandwerk die damals sehr gefragte „Volksmedizin“ zu studieren. Die Zeiten haben sich geändert. Für die Bader scheinen sie endgültig vorbei zu sein. Redakteur Ludwig Ott hatte jedenfalls seine liebe Not, noch einige Vertreter dieser Zunft aufzuspüren. Er musste dazu in Niederbayern und der Oberpfalz auf Suche gehen, denn in „Oberbayern und Schwaben war nichts zu finden“. Ein glücklicher Zufall führte ihn während der Recherchen in den Salon Hauser nach Kötzting, wo in einem Hinterzimmer Jakob Hauser noch allerlei Wehwehchen nach anderswo längst vergessenen Methoden kuriert. „Der Bader aus Kötzting“ heißt deshalb auch der Titel eines Filmes, den die Abendschau im bayerischen Regionalprogramm am 25. März um 18.10 Uhr senden wird.



Jakob Hauser mit den Schröpfköpfen

Einschub 
Ich werde die nächsten Tage versuchen diesen Film, dessen Ausstrahlungstermin ja im Artikel vermerkt ist, für unser Archiv zu erhalten.
Anmerkung nach dem Telefonat: Dieser Filmbeitrag ist derzeit noch nicht digitalisiert und daher noch nicht zu erhalten.
Einschub Ende
Aber zunächst die Bilderreihe:



Bereits 7 Jahre zuvor gab es eine Neueröffnungsanzeige des Salons Hauser, der von seiner früheren Geschäftslage in der Marktstraße - beim Fischer Peter - in die Gehringstraße umgezogen war.










 Im Frühjahr 1976 meldete sich der bayerische Rundfunk, um den Seniorchef Jakob Hauser, einem, wie es in der Überschrift hieß, der letzten drei bayerischen Bader, zum Mittelpunkt eines Fernsehbeitrages zu machen.


 Frau Renate Serwuschok selber war die Journalistin, die die Fernsehaufnahmen mit Bild und Text begleitete.

Gestern, am arbeitsfreien Montag, herrschte dennoch Hochbetrieb im Salon Hauser. In einem „Gewirr“ von Kabeln und unter dem grellen Licht der Scheinwerfer surrte die Kamera, drehte sich das Tonband, fand ein Stück Alltag statt im Leben des 69-jährigen Baders Jakob Hauser. Der gebürtige Münchner hatte zuerst zu Kamm und Schere gegriffen, aber schon während seiner Lehrzeit mehrfach Bekanntschaft mit der Baderei gemacht, schließlich selbst Lust dazu verspürt, gelernt, im Dortmunder Luisenhospital praktiziert und in seiner Vaterstadt im Krankenhaus rechts der Isar am 18. Dezember 1934 die Approbation erworben, den Meistertitel für „niedrige Chirurgie“. In der Zwischenzeit war er in Kötzting sesshaft und beim „Bader Fritz“ (Friseurgeschäft Kellner) in Lam tätig geworden. Die Jahre in Lam eröffneten dem Friseurmeister, aber noch viel mehr dem Bader Jakob Hauser ungeahnte Möglichkeiten, die „Leut“ auf seine Weise zu kurieren. Zahnreißen war an der Tagesordnung (60 Pfennige), wenn’s ohne Schwierigkeiten abging, der Aderlass häufiger als ein Schnupfen, das Schröpfen sehr gefragt, aber beides nicht immer möglich. Ein Bader, der seine Kunst versteht und etwas auf sich hält, zapft den „ganz besonderen Saft“ nur, „wenn die Blattl kemma und wenn’s genga“, im Frühling also und im Herbst und da auch wiederum erst, sobald der Mond „richtig steht“.

„An der Unzahl der Herzleiden ist nebst der unruhigen, herzangreifenden Zeit die Unterlassung des Aderlassens schuld“, erklärte schon der Hausarzt von Goethe und Friedrich Wilhelm, der vor über 200 Jahren große Heilkunde. Jakob Hauser hat schon viele Leute zur Ader gelassen. Seit es aber den organisierten Blutspendedienst gibt, schickt er sie dorthin. Der Hackl Michl aus Neukirchen b. Hl. Blut ist ihm trotzdem geblieben, ein Mann, mit seiner 78 Jahren schon alt zum Blutspenden. Deshalb muß ihm der Bader helfen: „Es tut nicht weh, aber es tut sakrisch gut“, sagte er nach jeder Prozedur und: „Gell, Hauser, bleib g’sund, damit i no oft kemma derf.“ Michael Hackl war arg von Furunkeln geplagt. Zwischen Michaeli und Dreikönig waren’s „stucka hundert“. Ein Steinhauermeister empfahl ihm damals, 1934, das Schröpfen. Die Furunkel verschwanden und kamen nicht mehr wieder. Hackl schwört auf die uralte Heilmethode. Sein Alter und Wohlbefinden gibt ihm recht. Gestern ließ er sich fürs Fernsehen schröpfen und „weil’s sowieso einmal Zeit gewesen ist“.

Redakteur Ludwig Ott hat in Kötzting noch einen praktizierenden Bader entdeckt, der mit einem Handwerkszeug umgeht, das in seiner Art mit Sicherheit schon von Jahrtausenden benutzt worden ist. Bei Ausgrabungen fand man ein Siegel des mesopotamischen Arztes Urgaledinu (3000 v. Chr.) abgebildet, auf dem drei Schröpfköpfe zu sehen sind. Jakob Hauser kennt sich auch in der Geschichte aus. Er weiß, dass die Bader für ein Amt in Lübeck 1548 zünftig wurden. Von da an musste, wer die Baderei betreiben wollte, eine Prüfung ablegen. Inzwischen ist der „Volksmediziner“ im Aussterben begriffen. Aber vielleicht steht ihm eine Renaissance bevor, nachdem die Naturheilkunde wieder an Bedeutung gewinnt.“ wie die Akupunktur rund um die Welt geht. ‚Schaden könnt’s nicht‘, meint Jakob Hauser. Auch er wird nächste Woche auf dem Bildschirm zu sehen sein in dem 20-Minuten-Film ‚Der Bader aus Kötzting‘.“














Das Redaktionsteam mit Theo Hauser






Hier die Zusammenfassung des Bildberichtes über Jakob Hauser von Frau Serwuschok
Eine Anfrage beim Archiv der Abendschau beim Bayerischen Rundfunkt hat ergeben, dass diese ihr Material derzeit extern digitalisieren lassen. Frühestens im Herbst können sie mir mitteilen, ob das Material noch vorhanden ist.
"Schau mer mal"

🗺️ Zum Weiterentdecken:
Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich auch direkt im Stadtplan erkunden.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken.
Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe :
Schilderaktion Personen zu finden.  

 

                                              🗺️ Interaktive Karte Kötzting öffnen