Josef Hollmeier - der Waldaufseher
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| KU vom 15.1.1976 bei der Gedenktafel für den Kötztinger Ehrenbürger (posthum) und Stadtoberinspektor Fritz Weigl, der ihm den Posten eines Waldaufsehers angetragen hatte. |
Er lebt im Wald und für den Wald: Josef Hollmeier
Seit mehr als 25 Jahren „auf der Hut“ / Auch noch mit 80 täglich bei seinen Bäumen
Kötzting (kdz). Am 15. Januar 1896 in Beckendorf geboren, erlernte Josef Hollmeier nach dem Besuch der Volksschule das Bäckerhandwerk beim „Liebl-Beck“ in Kötzting und machte die Gesellenprüfung. Dann zog es auch ihn in die „bunte, weite Welt“, und zwar nach Ingolstadt, wo er sechs Jahre lebte. Dort wurde er auch von 1916 bis 1918 zum Militär eingezogen und tat Dienst in der Feldbäckerei des 13. Infanterieregiments.
1921 kam er zurück nach Kötzting, heiratete Therese Dachs, gründete einen eigenen Hausstand und baute sich, während er bei der Firma Richard Richter arbeitete, eine Landwirtschaft auf. Aus seiner Ehe gingen fünf Buben hervor. Der zweite Weltkrieg griff auch wieder in Hollmeiers Leben ein. Drei Söhne wurden eingezogen, er selbst ebenfalls zur Nachrichtentruppe, wo er in der Flugmeldegruppe auf dem Hohen Bogen von 1939 bis 1941 Dienst tat.
Schwer traf es das Ehepaar Hollmeier, als sie zweimal die Nachricht erhielten, dass ein Sohn gefallen sei. Der dritte kehrte heim. Nach seiner Entlassung aus der Wehrmacht arbeitete Hollmeier noch einmal bei der Firma Richter und trat nach Kriegsende 1945 in den Bautrupp in Kötzting ein. Dort setzte er sich für seine Kameraden ein und wurde zunächst zum Arbeitervertreter gewählt. Nachdem Kötzting zur Stadt erhoben wurde, ließ sich Josef Hollmeier auf der Wahlliste eintragen und wurde Stadtrat. Mehrere Wahlperioden hindurch gab er seine Kraft auch auf diesem Posten für die Allgemeinheit.
1961 ging er in den Ruhestand. Durch Vermittlung des damaligen Stadtoberinspektors, Fritz Weigl, wurde ihm der Posten des Waldaufsehers für die städtischen Waldungen auf dem Ludwigsberg übertragen. Kein Tag verging, ohne dass er bei Wind und Wetter in seinem geliebten Wald nach dem Rechten sah.
1967 griff der Tod nach seiner Frau Therese und riss damit eine weitere Lücke in sein Leben. Doch trotz aller Schicksalsschläge blieb die Natur Hollmeiers ungebrochen, auch mehrere Operationen konnten seinen Mut nicht verringern. Selbst heute noch geht er täglich in den Wald und tut seinen Dienst, wenn auch, wie er selbst zugibt, das Laufen schon etwas langsamer geht. In seinem Haus in der Bahnhofstraße 48, das er schon längst mit der Landwirtschaft übergeben hat, verbringt der Jubilar bei seinem jüngsten Sohn, dessen Frau und mehreren Enkeln seinen Lebensabend. Zu seinem heutigen, 80. Geburtstag wünscht auch die „Kötztinger Umschau“ alles Gute, Zufriedenheit und noch lange Gesundheit!
Zu Herrn Hollmeier gibt es auch noch eine kleine Zusatzgeschichte.
Im Jahre 1962 in Vorbereitung auf das große Pfingstrittjubiläum (550 Jahre Kötztinger Pfingstritt) ließ die Kötztinger Lehrerin Frau Paula Dittrich ihre Mädchenklasse einen Bilderbogen erstellen.
Wer sich SEHR auf Pfingsten freut
und
Und unter diesen Bildern befand sich auch - in der Kategorie "wer sich nicht freut über Pfingsten"
auch eine Bilderfolge, die sich mit einem Herrn Hollmeier vom städtischen Bautrupp befasst, der sich eben nicht auf den Pfingstmontag freuen würde, weil er im Nachgang des Pfingstrittes mit seinen Kollegen des Bauhofes die Kötztinger Straßen zu kehren hatte.
Im Zeitungsbericht ist zwar die Rede davon, dass er 1961 bereits in den verdienten Ruhestand gegangen war, aber für die Kinder war eben das Pfingstfest des Vorjahres (1961) das letzte an das sie sich erinnern konnten und da war Herr Hollmeier ja noch im Einsatz.
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🗺️ Ein Tipp zum Schluss:
Seit Herbst 2025 gibt es außerdem die interaktive Karte Kötztings.
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Die Karte funktioniert am PC ebenso wie auf dem Smartphone und kann sogar als kleine App gespeichert werden.
👤 Schilderaktion Personen
Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Schilderaktion Personen zu finden.





