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Mittwoch, 5. August 2026

Sitzweilerinnerungen des Kötztinger Trachtenvereins

In einem besonderen Zufallsfund im Krämerarchiv (KB Krämer K 74) stieß ich auf eine Beschreibung der „winterlichen Unterhaltung“, an die sich der Kötztinger Trachtenverein bis heute erinnert. Leider sind die zugehörigen Fotos des Zeitungsbeitrags von der Kötztinger Umschau nur in schlechter Qualität überliefert. Dennoch lässt sich – insbesondere im Zusammenhang mit dem Begleittext – gut erkennen, welche Szenen auf den Aufnahmen festgehalten wurden. 


Frau Renate Serwuschok berichtet in ihrem Beitrag über diese "Heimspiele":

"Kötzting. Wie anders war es doch, als man jung und alt in bester Harmonie beieinander fand. In den Wintermonaten in der großen Stube eines Bauernhauses beim milden Licht der Petroleumlampe, als die Ahnl wunderliche Geschichten zu erzählen wusste, während die Spinnräder summten und im alten Kachelofen die Bratäpfel schmorten. Wie anders und schöner war es damals, als die jungen Burschen zur Sitzweil kamen, verstohlen mit den Mädchen ihrer Wahl herzinnige Blicke tauschten und ansonsten sehr vernünftige Gespräche mit dem Altbauern führten. Die Zeiten sind endgültig vorbei. Heute trifft man sich beim Nachbarn, unaufgefordert oder eingeladen, um die neueste Fernsehsendung anzuschauen, aber längst schon nicht mehr, um etwa eine gemeinsame Radiosendung zu hören. Auch diese Epoche gehört schon der Vergangenheit an.

Eine alte Bäuerin, die uns mit Tränen in den Augen klagte, wie einsam und verlassen sie sei und wie weh es ihr tut, wenn sie daran denkt, dass ihre Großmutter im Kreise einer fröhlichen Jugend alt werden durfte, brachte uns auf den Gedanken, einen „Hoagarten“ zu rekonstruieren, um vor allen Dingen die seinerzeit so beliebten, heute aber leider vergessenen Heimspiele aufzuspüren.

Am Abend in ein Bauernhaus zu gehen, wäre zwecklos gewesen, weil es die „Roggastubn“, wie der Hoagarten noch genannt wird, nicht mehr gibt. Wir nahmen daher mit dem Vorstand des Kötztinger Heimat- und Volkstrachtenerhaltungsvereins „D'Waldlerbuam“, Poidl Sperl, Rücksprache und baten ihn, uns ein paar dieser alten Spiele zu zeigen. Zusammen mit seinem Jüngsten und den Trachtenkameraden Emberger und Milczewsky ließ er den unterhaltsamen Teil der Sitzweil lebendig werden. Wir konnten uns dabei gut die Bauernstube vorstellen, in der die Weibsleute gesponnen oder Federn geschlissen, gestrickt oder geflickt haben, während die Männerleut Tabak gerieben, Besen gebunden, Holzschuhe und Späne gemacht oder sich als Kirmzäuner betätigt haben. Nach getaner Arbeit wurden die Spinnräder und „Hoanzlbänke“ beiseite geräumt und Platz geschaffen für Spiel und Tanz.

Die Heimspiele sind der spielerische Ausdruck urwüchsiger Kraft. Wehleidig und empfindlich darf man dabei nicht sein, sonst bekommt einem der herzhafte Tuscher, beispielsweise beim Stiefelwichsen, bestimmt nicht gut. 

Stiefelwichsen 

Wer die Unterhaltungsabende für unsere Feriengäste in der Kreisstadt miterlebt hat, wird sich an dieses Spiel sicher noch erinnern können. Es geht hier um das Blankmachen von Stiefeln, die ihren Glanz durch das gegenseitige tüchtige Abziehen an der Ledernen des Partners erhalten sollen.


Das „Eichkatzlfanga“ erfordert dagegen außerordentliche Schnelligkeit und Geschicklichkeit. Der Mann in der Mitte hält einen Reisigbesen, an dessen Stiel er mit beiden Händen so rasch auf- und niederrutscht, wie es das Eichkätzchen am Baumstamm tut, um dann ganz unverhofft links oder rechts abzuspringen. Auch das menschliche Eichkatzl riskiert urplötzlich derartige Absprünge, und zwar mit den Händen auf die Knie der Nebenmänner, die darauf warten, die Hand mit dem Kochlöffel zu erwischen und ordentlich Tatzen zu verabreichen, die unter Umständen sakrisch schmerzen können, wenn das Eichkatzl zu langsam ist.


Ebenso schnell muss man auch beim „Backofa-Einrenna“ sein. Ein Stuhl ersetzt den Backofen, ein Besen den Brotschieber. Der Hintermann fragt seinen Vordermann, ob das Broat schon fertig sei. Dieser antwortet mit einem ärgerlichen „Nein“, worauf der „hungrige Kunde“ dem „Bäckermeister“ droht, ihm den Backofen einzurennen, den Besenstiel nimmt, den der Bäcker zwischen den Beinen hat und nun lustig darauf losstößt. Der Bäcker muss jeden Stoß so abfangen, dass er links oder rechts vom Stuhl vorbeifährt. Gelingt es dem Angreifer, mit dem Besen den Stuhl wegzuschieben, hat er das Spiel gewonnen.

Backofa-Einrenna

„Jakob wo bist du“ ist ein Spiel, das der bekannten „blinden Kuh“ ähnelt. Den beiden „Raufbolden“ werden die Augen verbunden. Sie haben Riemen und Stricke als Waffen, wie man sie zur Züchtigung böser Buben benützt, und müssen nun versuchen, durch Verstellen der Stimmen das Gegenüber zu foppen und dessen Schläge in eine verkehrte Richtung zu locken, um auf diese Weise selber nichts abzubekommen.


 Beim „Gäns verkaufen“ geht es reichlich nass zu, kein Wunder, denn Gänse brauchen ja das Wasser. Der Hanslbauer kommt zum Gansbauer und will einen Zuchtganserer kaufen. Auf der Erde hocken die Burschen. Auf einen von ihnen fällt die Wahl. Ehe der Gansbauer ausführlich die Qualitäten seinen Zuchtganserers gebührend zur Sprache gebracht hat, sieht sich das Opfer schon von kräftigen Fäusten gepackt und im Handumdrehen in eine mit Wasser gefüllte Schüssel fallen gelassen. Bei der Lerne¹ schadet das ungewollte Bad meist nicht viel, dafür hat aber die Bäuerin das Vergnügen, den „Saustall“ wieder in Ordnung zu bringen.


Die Reihe der Spiele, wie man sie früher überall im Bayerischen Wald gespielt hat, ließe sich noch beliebig fortsetzen. Sie bringen die Zuschauer zum Lachen und bereiten den Beteiligten einen Mordsspaß. Als der Kötztinger Trachtenverein nach dem zweiten Krieg wiedergegründet worden ist, hat man bei einer Veranstaltung in der Turnhalle eine stilechte Rogga-Stubn auf der Bühne eingerichtet und eine echte Sitzweil aufgeführt.
Der Beifall war groß, noch größer war aber der Applaus, als unsere Trachtler vor dem letzten Kriege in Hamburg ein solches Gastspiel gaben. Sie wurden dort fast so gefeiert, wie die heutigen Stars von Film und Bühne.

Wäre es nicht nett, wenn man sich wieder einmal entschließen könnte, unserer Generation zu zeigen, wie es früher einmal war bei uns dahoam?




Vereine & Veranstaltungen entdecken

Das gesellschaftliche Leben prägte Bad Kötzting über Generationen hinweg. Vereine, Feste, Feiern, Theateraufführungen, Turnveranstaltungen und viele weitere Ereignisse hinterließen ihre Spuren in der Stadtgeschichte.

In der interaktiven Karte finden Sie historische Schauplätze, Erinnerungen und Beiträge rund um das Vereins- und Veranstaltungswesen in Bad Kötzting.

🗺️ Interaktive Karte Kötzting öffnen

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Montag, 12. Januar 2026

Ein Heimatabend des Kötztinger Trachtenvereins

 Die folgende Bilderserie über einen Heimatabend in der Jahnhalle Bad Kötzting stammt aus dem Kretschmerarchiv. Mit dem in den 1960er Jahren einsetzenden Fremdenverkehr wurden in vielen Orten solche Tanz- und Brauchtumsabende der Trachtenvereine angeboten. Sie gehörten fest zum touristischen Programm – und waren stets gut besucht, nicht nur von Gästen, sondern auch von Einheimischen.
Die Aufnahmen aus der Kötztinger Jahnhalle zeigen eine lebendige Veranstaltung mit vielen bekannten Gesichtern und geben einen schönen Einblick in diese Zeit des kulturellen Aufbruchs.
Wir würden uns natürlich freuen, wenn sie uns - zusätzlich zu den erkannten Personen - weitere Namen nennen könnten.


Vitus Irrgang als "Hochzeitslader" und  „Conférencier“. Links im Hintergrund mit der Tuba: Sepp Pemmerl.

Schedlmeier Sepp und Schindler Werner

Xaver Klein, Lederdorn, Musikant und Jodler

Herr Sperl und Frau Zahorik

Herr Sperl und Frau Zahorik

Herr Sperl und Frau Zahorik - Emberger

Zitzelsberger



Bildmitte Rabl Franz


Bildmitte Rabl Franz
Abgang der Tanzgruppe



Tanzfläche frei für alle Besucher

🗺️ Tipp zum Schluss:
Seit Herbst 2025 gibt es außerdem die interaktive Karte Kötztings.
Dort sind Beiträge zur Häuserchronik und viele weitere historische Themen direkt im Stadtplan verortet – jeder Marker führt per Klick zum passenden Blogbeitrag.
Die Karte funktioniert am PC ebenso wie auf dem Smartphone und kann sogar als kleine App gespeichert werden.

👉 Interaktive Karte Kötzting öffnen    🗺️ Interaktive Karte Kötzting öffnen


Donnerstag, 5. Juni 2025

Die Pfingst(l)tuscher

Die Pfingsttuscher

Pfingsten in Kötzting - mit Ausnahme des Pfingstrittes - ist ohne die Begleitung durch die Pfingsttuscher nicht mehr vorstellbar. Anders als der Kult um den Pfingstl selber, der in Kötzting erst ab dem Jahre 1927 belegbar ist, wird der Brauch des Pfingsttuschens in Kötzting wohl schon viel länger praktiziert, auch wenn auch hier der neu gegründete Kötztinger Trachtenverein wohl die Keimzelle zumindest der Weiterführung dieses alten Brauches gewesen ist.

DIA-Repro 71104 Die Kötztinger Trachtler, Pfingstreiter und Pfingsttuscher auf "Tournee" vermutlich 1936. Rechts wohl Michl Traurig sen. Links, der Mann mit dem umgehängten Seil und der genau in die Linse des Fotografen blickt, ist Josef Pielmeier aus Hofern.

 Schaut man sich in den veröffentlichten Schriften der Volks- und Heimatkunde unter dem Stichwort Peitschenknallen genauer um, so wird es im ganzen mitteleuropäischen Raum als ein Mittel angesehen, mit dem früher der Winter vertrieben und der Frühling begrüßt werden sollte. Insbesondere von den deutschen Mittelgebirgen bis in den Alpenraum ist dieser Brauch flächendeckend anzutreffen, auch wenn sich die Art und die Größe der verwendeten Peitschen sehr unterscheidet bzw. unterschied.

In manchen Quellen ist auch das Vertreiben von bösen Geistern und/oder von Wölfen als ein zusätzlicher der Grund für das Knallen mit den Peitschen angeführt.
Von Konrad Krämer - dem Ostmarkonkel - haben wir eine Zusammenstellung ausgestorbener Berufe und darunter befindet sich auch eine Beschreibung über das Leben und Wirken der "Waldhirten".


StA Kötzting Manuskript von Conrad Krämer

Die "Goißln" der Kötztinger Männer - früher Mitglieder des Trachtenvereins und heutzutage unter dem Dach des Burschen- und Wanderervereins - sind im Vergleich zu den in anderen Landstrichen gebräuchlichen Peitschen besonders große - respektive - lange Exemplare. 

 

DIA-Repro 71119 von links Baumann Sepp, Liebl Ferdl, Bielmeier Mich, Radlinger Josef geb 1914
Auf dem Bild sind sehr schön die flochtenen Seile zu erkennen und auch die unterschiedliche - wohl individuelle - Ausführung und Größe der einzelnen Goasln bzw. Tuscher.

 Einschub:

Nach einer mündlichen Überlieferung wurde diese Tradition von jungen Dorfburschen gepflegt und als sportliche Übung angesehen.
Die Goassstricke waren aus aus Hanf und Flachs gefertigt und oben so dick wie wie ein Handgelenk.

Die eile waren bis zu 4 Meter lang, der Stock 1 Meter lang und aus Fichtenholz; Die Schnur war um den Stock drehbar. Dies erfordert(e) Mut und Kraft und war sicherlich auch als eine Mutprobe anzusehen. Oftmals war abends an verschiedenen Plätzen in der Stadt getuscht/geprobt worden, was dann in der Folge auch als Ruhestörung empfunden wurde. Aus diesem Grunde wurden wurden die Tuschplätze auf außerhalb des Marktes verlegt; zeitweise wurde das Tuschen deshalb auch nicht geduldet. 

 Einschub Ende 

 




Sammlung Christa Bauer: Der Kötztinger Trachtenverein auf dem Marktplatz, wohl schon nach 1933, da einige Männer - links von der Trachtengruppe - bereits Uniformen tragen, die ich den Nationalsozialisten zuordnen würde. Interessant ist hier die runde Hofeinfahrt beim Mühlbauer - Osl - und die Geschäftsfassade des Sattlers Rebstöck, heute ein Wohnhaus Marktstraß0e 30.

Schon im Jahre 1926 findet sich anlässlich einer Gautrachtenversammlung ein Hinweis auf das Pfingsttuschen: (KA vom Juni 1926)


"
Viechtach. (Trachtenverein) Werbetag.
Am 12. und 13. Juni ds. Js. wird hier unter Mitwirkung vieler auswärtiger Trachtenvereine vom Volkstrachtenverein „Waldler“ Viechtach ein Werbetag veranstaltet. Das Programm für diesen Werbetag sieht für Samstag abends Begrüßungsfeier mit Aufführung historischer Tänze vor.
Sonntag früh halb 6 Uhr ist Weckruf nach Waldlerart (Pfingsttuschen), vormittags Gottesdienst mit anschließender Gefallenenehrung, nachmittags großer historischer Festzug, abends Festball. Im Hinblick darauf, dass diese Veranstaltung eine Belebung des Heimatgedankens bedeutet, dürfte mit einem guten Besuch zu rechnen sein.

Zusätzlich belegbar sind die "Tuscher" in unserem Raum auch mit der Gründung und Konsolidierung des Kötztinger Trachtenvereins zu Ende der Zwanziger ( genauer am 20.3.1927) und Anfang der Dreißiger Jahre.

In der Chronik des Trachtenvereins findet sich bereits im Mai 1929 - in Hinblick auf den bevorstehenden Pfingstritt - der Beschluss, dass "nach dem Zapfenstreich und auch am Pfingstmontag der Pfingsttuscher auftreten" sollten.

Archiv Sperl, Chronik des Trachtenvereins Kötzting

 Zusammen mit dem Pfingstl, dem Kötztinger Wasservogel, gehörten die Pfingsttuscher zum festen Repertoire der Kötztinger Trachtler, mit dem sie im Jahre 1936 regelrecht auf Tournee gegangen waren. Überliefert sind große Auftritte beim "Kongress für Freizeit und Erholung in Hamburg und bei den Olympischen Spielen in BerlinBei der Eröffnung des Berliner Olympiastadions standen die Kötztinger Pfingsttuscher dann sogar mitten im großen Rund und führten der Welt ihr Können vor.

Auf einem - leider nur als Zeitungsfoto erhaltenen - Bild sehen wir Conrad Krämer d.A. - Ostmarkonkel - mit zwei seiner "Kreationen", einer langen Goassl und dem Pfingstl, noch in der alten Variante sowohl mit einem Strohrock als auch mit Fichten/Tannenzweigenl.


Eugen Hubrich - Kötztinger Ehrenbürger seit dem Jahre 1953 - war Mitte der Dreißiger Jahre Schriftleiter und Autor beim Organ des Bayerischen Waldvereins, der Zeitschrift " Der Bayerwald", die es heut noch gibt und Teil der Gruppe, die nach Norddeutschland fuhr. Er beschreibt bereits die Abfahrt auf dem Kötztinger Bahnhof in einer für ihn typischen und sehr überschwänglichen Art und Weise.

Eugen Hubrich in "Der Bayerwald"  September/Oktober 1936 

Leider ist die Druckgrafik in den Dreißiger Jahren nicht besonders gewesen.....

Nach einem für unser heutiges Verständnis nur schwer erträglichen "Jubelbericht" über den Auftritt der Kötztinger auf dem Kongress berichtet Hubrich vom Festzug in Hamburg und auch dies in einer sehr stark  national überhöhten Art und Weise:


 
Sammlung Christa Bauer Trachtengruppe der Bayerischen Ostmark mit Franz Zitzelsberger als "Taferlbub"
l

Weiter gings mit der ganzen " Mannschaft" nach Berlin:


Arbeitskreis Heimatforschung DIA- Repro 71106 die Kötztinger Pfingsttuscher als Teil der
Trachtengruppe aus der "Bayerischen Ostmark", wie unsere Heimat im Dritten Reich bezeichnet wurde.
Das Bild wurde wohl einen Tag vor der Eröffnung aufgenommen, als die Kötztinger Trachtler "zur Probe ihres großen Auftrittes" ins leere Olympiastadion geführt worden waren.

Das Bild mit Conrad Krämer und seiner "Truppe" in Berlin unter den Linden haben wir auch in unserer Sammlung im Archiv.

Sammlung Christa Bauer: Kötztinger Trachtler "Unter den Linden" in Berlin im Sommer 1936
Auch in der Bayerischen Ostmark - dem Organ der NSDAP für Ostbayern erschien ein Bericht über diesen Auftritt.
 

Ein schönes Detail ist, dass der "Kunstmaler" v. Zaborsky - nach dem Kriege errichtete er zusammen mit seiner 2. Frau Grete, die Töpferei in Hinterleckern -, der Conrad Krämer bereits von seinen Feldforschumgen in unserem Raum als Volkskundler kannte, die Kötztinger in Berlin in Empfang genommen hatte.


Ein weiteres Bild gibt es noch in unserer Sammlung, das die Zugehörigkeit der Pfingsttuscher zum Trachtenverein zeigt.
DIA-Repro 1679 >>>>>> recht im Hintergrund die Pfingsttuscher.

Schaut man nun auf die sehr ausführliche Berichterstattung über das darauffolgende Pfingstfest - 1937 Pfingstbrautpaar Wolfgang Brunnhofer und Fischer Paula - so findet sich kein Wort über eine wie auch immer geartete Beteiligung der Pfingsttuscher. Im Gegenteil am Pfingstdienstag - also am zweiten Tag  der Pfingsthochzeit hielt der Trachtenverein ein eigenes " Pfingstkränzchen" beim "Leboid" ab.
Dasselbe Bild im drauffolgenden Jahr; Pfingsttraditionen und die Pfingsttuscher - obwohl von Hubrich ausdrücklich so bezeichnet - waren nicht - noch nicht - miteinander verbunden.





Ganz anders nach dem Kriege, wobei sie abwechselnd als "Pfingstltuscher" oder auch als "Pfingsttuscher" betitelt wurden.

Im Jahre 1949 erfahren wir zum ersten Male, dass dieser Brauch bei uns zunächst von den Bewohnern der Dörfer Reitenstein und Arndorf ausgeübt wurde. Hier zur Erinnerung die namentliche Erwähnung beim Auftritt 1936 in Berlin des "Pielmeier Sepp von Reitenstein" siehe weiter oben.

KU 1949-5

In den Pfingstakten ist immer mal die Rede davon, dass die Pfingsttuscher - zunächst - bei der Aufführung der "Pfingst-Ritt_Ehr" vor dem Alten Rathaus und abends vor dem Beginn des Fackelzugs in der Öffentlichkeit zu sehen waren. Nach Aussage von Sperl Poidl jun. war dies auch damit verbunden, weil der Trachtenverein sich beim Miethaner traf, so dass die Mitglieder - v.a. Sperl Poidl sen. - einfach nur aus dem Wirtshaus auf den Marktplatz zu gehen brauchten, um dort ihr Können vorzuführen.
Aus dem Jahre 1952 haben wir ein Bild in unserer Sammlung über einen Pfingsttuscher beim Pfingstfestspiel.
Foto Schwarz 
Auch bei den damals noch alljährlich stattfindenden Kinderfestzügen, war das Motiv der Pfingsttuscher ein Teil der Veranstaltung.

 
Kretschmerarchiv: Pfingsten 1957 Umschläge 3 u 4

Kretschmerarchiv: Pfingsten 1957 Umschläge 3 u 4



Pfingsttuscher fielen angenehm auf

Bad Kötzting. Aus Anlass des großen Gäubodenfestes in Straubing nahm am vergangenen Montag der Kötztinger Volks- und Gebirgstrachtenverein mit einer Abordnung von 15 Personen an dem am Nachmittag stattfindenden Festzug teil. Bei allen Teilnehmern wird dieser Tag noch lange in Erinnerung bleiben. Besonders zu erwähnen ist, dass die Pfingsttuscher an der von Heiterkeit bestimmten Tag innerhalb unserer Volksgruppe angenehm aufgefallen sind. (KU vom August 1955)


Pfingsttuscher wurden umjubelt

na. Kötzting. An dem altherkömmlichen Gäubodenfest in Straubing nahmen auch heuer wieder 20 Kötztinger Trachtler in alter Volkstracht, 17 Pfingstreiter mit ihren Pferden, die eigens in die Gäubodenstadt transportiert werden mussten, und drei Pfingsttuscher (Georg Emberger, Josef Wurm und Pielmeier aus Reitenstein) teil. Sie alle waren im großen Festzug, der fast 100 Vereine zählte, vertreten. Stürmisch umjubelt und begeistert aufgenommen wurden neben den Pfingstreitern auch die Pfingsttuscher, die es zukünftig knallen ließen. (KU vom August 1957 )



Und weiter geht`s mit dem Wechselspiel zwischen Pfingstl- und Pfingsttuschern
 
Im Jahr drauf firmieren sie dann wieder als die Pfingsttuscher der Waldlerbuam.


Im Bericht über das große Gautrachtenfest des Jahres 1966 in Landshut heißt es:
"...Zuvor hattenEhrenvorstand Poidl Sperl und Vortänzer Georg Emberger ihre Pfingstgoaßln auf dem Ludwigsplatz hören lassen. Das Knallen der Pfingsttuscher echote an den Häuserreihen. Starker Beifall brandete auf. So etwas hatten die zahlreichen Gäste noch nie gesehen...."


In einem Zeitungsbericht mit einer etwas reißerischen Überschrift findet sich auch ein Hinweis auf die Tuscher. Die Stadt Kötzting wünschte sich vom Trachtenverein, dass die Pfingsttuscher vor dem Fackelzug an den drei großen Kreuzungen Kötztings zu hören sein sollten
.






Aus dem Frühjahr 1977 haben wir nun eine Bilderserie, die die "Nachwuchsarbeit" des Kötztinger Trachtenvereins dokumentiert, bei der Sperl Poidl versucht, seinen Mannen die richtige Technik beizubringen.
In dem Beitrag - für den die Bilderserie geschossen wurde - kommen wahlweise erneut die beiden Begriffe vor, werden allerdings eher thematisch dem Pfingstl zugeordnet als dem sonstigen Pfingstgeschehen. 

Die Fotos und der dazugehörige Artikel stammen von Frau Renate Serwuschok:
Der Meister: Sperl Poidl, 70 Jahre alt, und seine Lehrlinge, Reininger Siegfried, Kreitmeier Karl, Mühlbauer Arndorf
Das Endstück macht die "Musik" 






IMmer wieder wird das letzte "Schnürl" erneuert

So steht der Meister

Und so hat der Lehrling - mit Recht - Angst um seine Unversehrtheit





KU vom April 1977
Zu diesem Zeitpunkt gehörten die Pfingsttuscher schön lange Jahre zu den Kötztinger Umzügen an Pfingsten. Im Zeitungsbericht über das Pfingstfest 1977 sind sie zumindest beim Bierzelteinzug als das "Vorauskommando" aufgelistet.

Lange blieb diese Tradition bei dem Trachtenverein jedoch nicht mehr lebendig. Wohl aus Mangel an entsprechenden Nachwuchskräften - eigentlich ähnlich wie auch bei der Aufrichtung des Kötztinger Maibaums - teilten sich dann ab Anfang der Achtziger Jahre die Mitglieder des Kötztinger Burschen- und des Trachtenvereins, diese schwere Aufgabe, bevor es dann wenige Jahre später es nur noch der Burschenverein war, deren Mitglieder als stetes Vorauskommando bei den verschiedensten Umzügen und Veranstaltungen "tuschte". Für diesen "zweiten" Teil der Geschichte der "Pfingsttuscher" wollen wir uns aber noch Zeit lassen, da es vor allem auch in diesem Jahr in Furth im Wald bei der Landesgartenausstellung ganz besondere Auftritte der Kötztinger Pfingsttuscher geben wird.

Aus den Chronikbeiträgen des Burschen- und Wanderervereins aus diesem Zeitraum lässt sich dieser Übergang leider nicht genauer belegen. Mit Sepp Barth - ab 1981 2. Vorstand und von 1985 bis 1991 der 1. Vorstand des BWVs - haben wir jedoch einen Zeitzeugen, der an der entscheidenden Stelle aktiv wurde, und so kann man diese zeitliche Abfolge auch ohne schriftliche Nachweise gut nachvollziehen.
Mit Sperl Walter und Kuchler Heini, die sich bereits bei der Aktivierung der Mannschaften für die Maibaumaufstellung hervorgetan hatten und dem Arndorfer Köppl Rudi (aka Schiedermeier) und Sauerer Stefan ging das Pfingsttuschen fast nahtlos auf den Kötztinger Burschenverein über.
In den Folgejahren konnten diese dann junge Mitglieder fürs Tuschen gewinnen und so werden mittlerweile viele der Aufzüge und Umzüge in Kötzting an Pfingsten von den Pfingsttuschern angekündigt und begleitet.

Aus der neueren Zeit haben wir eine ganze Reihe von Aufnahmen von Frau Rabl-Dachs.

Foto Christa Rabl-Dachs: Johannes Reil

Foto Christa Rabl-Dachs: Bastian Breu

Foto Christa Rabl-Dachs: v.l. Stefan Nass, Heinz Kolbeck, Korbinian Kühlmeyer, Manuel Moser, Roland Schreiner

Foto Christa Rabl-Dachs: v.l. Stefan Seiderer, Simon Seiderer, Korbinian Kühlmeyer, Roland Schreiner, Fabian Wagner, Johannes Reil 

Foto Christa Rabl-Dachs: Stefan Nass, Stefan Seiderer, Korbinian Kühlmeyer

Foto Christa Rabl-Dachs: v.l. Jonas Fechter, Stefan Seiderer, Korbinian Kühlmeyer, Simon Seiderer, Fabian Wagner, Johannes Reil, Stefan Nass

Foto Christa Rabl-Dachs: v.l. Roland Schreiner, Fabian Wagner, Johannes Reil, Simon Seiderer, Korbinian Kühlmeyer, Stefan Seiderer, Jonas Fechter, Stefan Nass
Foto Christa Rabl-Dachs: Johannes Reil

Foto Christa Rabl-Dachs: Korbinian Kühlmeier


Stefan Weber berichtete über den "Generationswechsel"

"Bad Kötzting. Im August 2023 gingen die Pfingsttuscher neue Wege, und das sogar mit ein wenig Verspätung. Denn zu diesem Zeitpunkt wollten Korbinian Kühlmeyer und Stefan Nass, die Anfang der 2000er-Jahre damit begonnen hatten, das Goaßltuschen auch in ihrer Heimatstadt zu etablieren, eigentlich schon seit drei Jahren für die nächste Generation an Pfingsttuschern sorgen – doch dann kam die Corona-Pandemie. Darum hatten die beiden eben erst im Sommer drei Jahre später damit begonnen, jungen Burschen an Samstag-Nachmittagen auf dem Jahnplatz die Kunst des richtigen Tuschens beizubringen. Sei ein paar Wochen sind die Pfingsttuscher wieder mit ihrem Training auf dem Jahnplatz zu hören – und das nicht nur mit erfahrenen Pfingsttuschern.

Ein Dutzend Mitglieder

Denn seit dem ersten Aufruf zum gemeinsamen Training auch für Neulinge habe sich viel getan, sagt Korbinian Kühlmeyer im Gespräch mit unserem Medienhaus. Ein bis zwei neue Tuscher seien seit dem öffentlichen Aufruf jedes Jahr dazugekommen, zwei 16- und 17-jährige Mitglieder aus dem Burschen-Wander-Verein erst noch dieses Jahr. „Die Werbung im Verein läuft“, freut sich Kühlmeyer sichtlich.

Aber natürlich könne es nie genug Pfingsttuscher geben, weshalb bei den Trainings am Jahnplatz auch jetzt jederzeit Interessierte willkommen seien. „Zwölf junge Burschen, die die Goaßl bereits beherrschen, zählen zu der Truppe, plus die beiden Neuzugänge.

Nicht nur Pfingsten im Einsatz

Die meisten Einsätze hätten sich natürlich rund um die Pfingstfest-Tage in Bad Kötzting, weiß Kühlmeyer. Alleine darum sei es wichtig, dass die Zahl der Mitglieder der Truppe hoch bleibe. Aber auch zu anderen Gelegenheiten, etwa wenn befreundete Burschenvereine feierten oder auch beim Frühlingsfest des Burschenvereins dieses Wochenende, kämen sie zum Einsatz. Dieses Jahr stehe für einen besonderen Auftritt auch die Lagergartenschau in Furth im Wald auf dem Terminplan der Pfingsttuscher: Am 12. und 19. Juli wird es nachmittags ein Pfingsttuscher-Workshop mit Vorführungen geben.

Was die Gruppe der Tuscher besonders freut, erzählt Kühlmeyer sich, ist, dass es mittlerweile auch schon Anfänger aus anderen Orten geben habe, wo sich junge Menschen für das Tuschen interessieren. Anfragen, denen man gerne nachkomme, wie er sagt: „Wo die herkommen, ist uns ja erst einmal egal, uns geht es darum, die Tradition weiterzugeben.“

Mit etwas Taktgefühl könne das Tuschen übrigens so gut wie jeder lernen, und Angst vor Verletzungen brauche auch niemand haben, sagt Korbinian Kühlmeyer. Darum müsse auch niemand mit einem Helm oder ähnlichen „Schutzeinrichtungen“ zum ersten Training kommen. Nur feste Schuhe, etwas handwerkliches Ding sein, weil ein fester Stand wichtig sei, da die Drehung aus dem Oberkörper kommen müsse. Er selbst verbrauche daher etwa zwei Jahre ein paar Haferlschuhe, schätzt Korbinian Kühlmeyer.

Was für die Pfingsttuscher dabei bleiben möchte, der könne sich seine eigene Goaßl über einen Kontakt einer Seilerei in Österreich besorgen – die sei nicht viel teurer als ein paar Haferlschuhe.

Also, nichts Wunder, wenn es in den kommenden Wochen wieder einmal etwas lauter wird am Samstagabend. Es sind dann nur die Pfingsttuscher, die schon einmal für die Auftritte an den Festtagen (und darüber hinaus) üben, um die zahlreichen Umzüge an diesen Tagen anzukündigen.

Nach diesem Jahr davon geht Kühlmeyer aus, könne die Leitung der Gruppe nach zwei Jahren hätten dann auch in jüngere Hände gegeben werden, wo sie schließlich auch hingehöre.





Ein weiterer Höhepunkt in diesem Jahr war der Auftritt der Kötztinger Pfingsttuscher im Rahmenprogramm der Landesgartenschau in Furth im Wald.



2026 waren die Kötztinger Pfingsttuscher aus dem Burschenverein nicht mehr zu übersehen, eine große Anzahl von neuen und begeisterten Pfingsttuschern bereicherten die vielen Umzüge und Veranstaltungen  beim diesjährigen am Pfingstfest.

Foto Pongratz: vor dem Einzug in den Hof des Hotels zur Post.


Foto Pongratz: beim Bierzelteinzug

Foto Pongratz: beim Bierzelteinzug


🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken.

 ⭐ Pfingstritt Pfingstritt Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Pfingsten in Bad Kötzting oder auch unter der Markergruppe Vereine und Veranstaltungen beim Burschen- und Wandererverein. 



Viel Freude beim Entdecken!

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