Therese Pritzl
Die „roude Res“ – mir bis heute ein Rätsel
Schon seit Langem beschäftigt mich die Frage, woher die Bezeichnung „roude Res“ eigentlich stammt – und vor allem, wann sie erstmals für Therese Pritzl verwendet wurde. Trotz intensiver Recherchen konnte ich in den zeitgenössischen Quellen keinerlei Hinweis darauf finden, dass die junge Mutter zu ihren Lebzeiten oder auch nur kurz danach unter diesem Beinamen bekannt gewesen wäre.
Deshalb neige ich inzwischen zu der Vermutung, dass dieser „Kampfname“ überhaupt nicht aus der Zeit Michael Heigls stammt. Vieles spricht vielmehr dafür, dass die Bezeichnung erst Anfang des 20. Jahrhunderts – aus welchem Anlass auch immer – aufgekommen ist.
Der erste Hinweis auf diesen Namen, den ich kenne, stammt aus dem bekannten Räuber Heigl Lied "Der Heigl war kein böser Mann", das dem "Waldbua Franz Schwarz" zugeschrieben wird. Dieser war mit seinen Moritaten, Liedern und Gstanzln in den 20er und 30er Jahren in Kötzting und drum herum sehr erfolgreich und sicherlich in der Lage gewesen solch einen Namen auf diesem Wege in den Kötztinger Sprachgebrauch einzuführen und dann auch zu verankern.
Und so bleibt am Ende nur noch das Lied vom Heigl, der danach nur ein braver Mann gewesen sein soll.
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| Arbeitskreis Heimatforschung: links Franz Schwarz, der Waldbua. Hier in der Kötztinger Metzstraße. |
Trotzdem bleibt das Ganze für mich eigentlich ein bis heute ungelöstes Rätsel der Heigl-Überlieferung vor allem vor dem Hintergrund der historischen Personenbeschreibung Therese Pritzls aus den Prozessakten, die so gar nicht auf eine "Roude" passen will.
Fangen wir zunächst an mit der Suche nach ihrer Geburt:
Die beim Strafprozess im Juni 1854 als 22 bis 23 Jahre alte Angeklagte bezeichnete Inwohnerstochter Therese Pritzl aus Gotzendorf müsste demnach um das Jahr 1831 geboren worden sein.
In den Geburtsmatrikeln von Hohenwarth lassen sich im fraglichen Zeitraum gleich 2 Geburten einer Therese Pritzl belegen. Bei einer Geburt heißt der Vater Michael P. und bei der anderen Josef.
Wir kennen aus den Polizeiakten den Vornamen des Vaters - Josef - , daher können wir mit Sicherheit eine der beiden Mädchen ausschließen,
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| Geburtsmatrikel Hohenwarth |
handschriftlicher Zusatz: "legitimata per subsequens matrimonium 26ten Februar 1840" also: "durch nachträgliche Verehelichung legitimiert".
Die Taufpatin war Walburga Achatz, eine Inwohnerstochter von Hudlach.
Durch diesen Hinweis auf die spätere Eheschließung der beiden, kann auch dieser Eintrag gefunden werden.
Am 23. Februar 1840 heirateten der auf Hausnummer 30 in Gotzendorf wohnende Inwohner Joseph Pritzl, Sohn des Gotzendorfer Inwohners Michael Pritzl und dessen Ehefrau Anna Maria, geborene Spindl aus Unterzettling, sowie die Inwohnerstochter Theresia Herlich aus Arrach. Sie war die unehelich geborene Tochter der Anna Gotz aus Arrach und des Dienstknechts und Soldaten Stephan Herrlich aus Döschernitz.
Als Trauzeugen fungierten Andrä Geiger aus Gotzendorf und Benedikt Armansberger.
Das Haus mit der Hausnummer 30 in Gotzendorf ist der sogenannte "Bergpritzl" und als solcher auch bereits im Jahre 1830 in der ältesten Karte eingetragen.
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| Detail aus Bayernatlas historisch Oben links ist übrigens das Laumerhäusl zu erkennen, das bekannte, bis heute erhaltene kleine Haus direkt an der Straße. Dort wohnte nachweislich auch Josef Pritzl, der wegen seiner nachgewiesenen Verwicklungen in Heigls Machenschaften immer wieder auf behördlichen Druck aus dem Haus verwiesen wurde. Das Laumerhäusl (Hausnummer 29½) war ein sogenanntes Inhaus, das zum Bauernhof mit der Hausnummer 29 mitten in Gotzendorf gehörte. |
Schaut man in den Grundsteuerkataster so findet sich dort als Besitzer des Hauses ein Josef Geiger.
Der Bauer - eher Söldner, da das Anwesen eher von kleinerer Natur war - Josef Geiger hatte also die Pritzlfamilie als Inwohner bei sich auf dem Hof.
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| StA Landshut Grundsteuerkataster 8-14-1 Gotzendorf mit Reitenstein und Arndorf |
Die Familie Pritzl hatte mehrere Kinder:
1. Therese, geboren am 11.12.1831
2. Katharina, geboren am 27.2.1834 (die Mutter wird als Ehrlich, nicht Herrlich bezeichnet)
3. Barbara, geboren am 11.4.1838 (die Mutter wird als Ehrlich, nicht Herrlich bezeichnet)
4. Franz, geboren 6.2.1841
5. Franzisca, geboren am 18.1.1843
6. Josef, geboren am 16.3.1845
7. Anna, geboren am 5.1.1847 und
8. Andreas, geboren am 23.12.1849
Schon im Sommer 1843 – die Resl ist damals gerade einmal zwölf Jahre alt – hält sich Michael Heigl, zu dieser Zeit ein 27-jähriger junger Mann, nachweislich zusammen mit seiner damaligen Freundin Anna Maria Gruber beim „Bergpritzl“ auf. Beide können sich einer drohenden Verhaftung nur durch eine schnelle Flucht entziehen.
Daraus lässt sich zumindest schließen, dass die junge Resl den großen und kräftigen Michael bereits seit einigen Jahren gekannt haben dürfte. Ob sie ihn damals heimlich bewunderte, wird sich zwar kaum jemals beweisen lassen, erscheint aber durchaus nicht ausgeschlossen.
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| Foto Pongratz: der "Bergpritzl" |
Wie lange diese „Annäherungsphase“ gedauert hat, wissen wir nicht. Spätestens ab dem Jahr 1847 scheint es jedoch zwischen den beiden „gefunkt“ zu haben. Denn nachweislich beginnt in diesem Jahr die Beziehung zwischen Michael Heigl und der jungen Pritzl-Tochter, wie die polizeilichen Akten eindeutig belegen:
15.3.1847 Brigadier Haas: Heigl ist oft im Laumerhaus, dessen Besitzer Josef Pritzl heißt.
20.4.1847 Im Protokoll des Landrichters Carl von Paur unter Punkt 4: Das Laumerhäusl zu Gotzendorf, Eigentum das Gemeindevorstehers von dort ist von den gegenwärtigen Bewohnern Resch und Pritzl, als bekannte Diensthehler, der beiden gemeinen Verbrecher augenblicklich zu räumen und in dasselbe Inhaus sind künftig nur Inleute von gutem Leumund mit landgerichtischer Bewilligung einzunehmen.
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| Foto Pongratz: das "Laumerhäusl" |
April 1847: Fund von Gegenständen (Laumerhaus in Gotzendorf) aus dem Raub bei den Schäfferischen Eheleuten in Amesberg, bei Resch Alois >>>> die Vernehmung bestätigte dieses.
1.5.1847: Josef Resch, lediger Inwohnerssohn im Laumerhaus, wird verhaftet
6.5.1847: Eine gewisse Theres Pritzl Inwohnerstochter des schon erwähnten Josef Pritzl wird beschuldigt, mit Heigl öfters zusammenzukommen
Mai 1847: Anzeige, dass die Inwohnerseheleute Resch und Pritzl dem Befehle, das Laumerhaus zu verlassen, nicht gefolgt seien >>>> wurden mit Zwang aus dem Hause entfernt.
Mai 1847: Die Verhaftung des Josef Pritzl aus dem Laumerhaus und des Georg Pongratz von Kager wird beschlossen.
6.6.1847: Nach Gendarmerieberichten soll die Inwohnerstochter Theres Pritzl von Gotzendorf mit Heigl in Verbindung stehen: Hausdurchsuchung angeordnet: man fand: Seidenzeug, und Geld. >>> verhaftet und vernommen, sie gestand ein Liebesverhältnis mit Michael Heigl und den Empfang dieser Gegenstände durch ihn, insbesondere ein Herzl von Filigran. Wurde sofort verhaftet und die ganze Familie unter Polizeiaufsicht gestellt.
19.6.1847: Auszug aus dem Protokoll des Carl von Paur: Lt. Aktenlage Inwohner Joseph Pritzl von Laumerhäusl bei Gotzendorf war wohl der Hehler und Unterschlupfgeber des Heigl und mehrere Gegenstände und Geld, die der Tochter Theres Pritzl im Himmelreich abgenommen worden waren, hatte ihr, nach ihrem Geständnis, Michael Heigl zur Aufbewahrung übergeben und stammten von dem Raube bei Pirka.
Bereits
seit Monatsanfang war die ganze Familie Pritzl in Gotzendorf unter
Polizeiaufsicht gestellt worden, und nun diese peinliche Situation:
"13/14 Juli 1847 Anzeige der Gemeinde Gotzendorf, dass Theres Pritzl aus dem elterlichen Hause sich entfernt habe."
MH hielt wohl zu der Zeit noch Kontakt zu beiden Frauen; auf seine Flucht nahm er aber wohl nur die junge Therese Pritzl mit; A.M. Gruber hatte ja auch noch Kinder zu versorgen.
Es kehrt Ruhe ein im Landgericht Kötzting , bis zum nächsten - vermuteten - Auftauchen Heigls im Sommer des drauffolgenden Jahres.
Einschub:
Die Kinder Michael Heigls
Die "gesicherten" Kinder des Michael Heigl mit Anna Maria Gruber und Therese Pritzl:
"Auszüge aus dem Taufregister (PfA Bad Kötzting, Mikrofiche)
MF 697/98:
Heigl Michael, illeg., geb. 16.11.1836 (Taufmatrikel S. 84)
Vater: Michael Heigl, Inwohnerssohn, Beckendorf (d. Z. in der Fronfeste zu Kötzting)
Mutter: Anna Maria Gruber, eine uneheliche Einwohnerstochter, Reitenstein
Heigl Christoph, illeg., geb. 3.5.1839 (S. 110)
Vater: Michael Heigl, Inwohnerssohn, d. Z. in Reitenstein
Mutter: Anna Maria Gruber, eine uneheliche Einwohnerstochter, wieder unehl.
Einwohnerstochter, von Reitenstein – 2. Mal
Heigl Theres, illeg., geb. 20.11.1840 (S. 130)
Vater: Michael Heigl, Inwohnerssohn, d. Z. in Reitenstein
Mutter: Anna Maria Gruber, eine uneheliche Einwohnerstochter, wieder unehl.
Einwohnerstochter (Abdeckerstochter), von Reitenstein – zum 3. Mal
Heigl Georg, illeg., geb. 15.1.1842 (S. 149)
Vater: Michael Heigl, Inwohnerssohn, d. Z. in Reitenstein
Mutter: Anna Maria Gruber, eine uneheliche Einwohnerstochter, wieder unehl.
Inwohners (Abdecker) Tochter – zum 4. Male
MF 714:
Heigl Georg, illeg., geb. 5.1.1853 (S. 39)
Vater: Inwohnerssohn, Beckendorf
Mutter: Theres Pritzl, Einwohnerstochter, Gotzendorf
Therese Pritzl scheint jedoch schon Jahre zuvor Kinder auf die Welt gebracht zu haben, auch wenn sich dies in den Pfarrmatrikeln nur "in Klammern" nachweisen lässt.
Im März 1849 wird in der Pfarrei Rimbach ein Findelkind getauft, bei dem eine Zusatz (Heigl?) schon mal den Verdacht in eine Richtung lenkt.
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| Pfarrmatrikel Rimbach |
"Franziska * 17. März 1849
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| Pfarrmatrikel Rimbach |
Kind; Carolina, illeg
unbekannt der Vater: handschriftlicher Zusatz: Heigl - Räuber - Kaitersberg
Mutter: Therese Pritzl
24.4.1850
Patin: Theres Schmatz, Inwohnerin von Gotzendorf
wurde in der Nacht v. 23. und 24. April im Hause Nr. 27 zu Gotzendorf eingelegt und war etwa bis zur Taufe 5 bis 6 Tag alt.
Im Mai 1850 begann dann – nach zwei Jahren relativer Ruhe im Landgerichtsbezirk – erneut die Suche nach Michael Heigl und Therese Pritzl. Dieses Wiederauftauchen des Paares fügt sich zeitlich gut zu dem im März desselben Jahres dokumentierten Findelkind. Zwar lässt sich ein unmittelbarer Zusammenhang nicht belegen, doch spricht die Chronologie durchaus dafür, dass Therese Pritzl für ihre Niederkunft – und die spätere Aussetzung des Kindes – bewusst ihre heimatliche Umgebung aufsuchte.
Therese Pritzl taucht dann erst wieder im September 1851 in den Akten auf, als das Paar mit einer Gendarmenpatrouille zusammenstieß, die für Heigl mit einer Verwundung am Arm endete, so dass er sein Gewehr verlor, welches ihm aber seine Therese retten konnte.
Im Protokoll des Zusammentreffens ist auch TP erwähnt:
Seitlich am Rande ist auch die Beteiligung der Therese
Pritzl erwähnt:
"Die Geliebte des Heigl entkam mit dessen Gewehr, das er, an den Armen verwundet, fallen ließ" |
Unter Eid vernommen benennt sie als Thaeter den Michael Heigl, der ihr aus Rache diese Mißhandlung zugefügt habe. Arbeitsunfähigkeit 16 Tage
Beruht auf Vernehmung des Heigl.
Es hat aber den Anschein, als ob MH seine Resl immer wieder auch bei ihren Eltern im Hause Bergpritzl abgeliefert hat, denn im 26. Oktober 1852 heißt es:
26. Oktbr 1852: Durch Gendarmerierapport v. 26. Okt
wurde der Häusler Pritzl v. Rosenau, der Bruder Wolfgang Heigl, der Häusler
Pritzl, beim Bergpritzl genannt, der Häusler Paul Pritzl, beim Pritzl Pauli
genannt, der Bierwirth Joseph Hastreiter zu Kötzting, Theres Pritzl led. v.
Gotzendorf, der Verbindung mit Heigl angeschuldigt.
Aufgrund der daraufhin eingeleiteten Strafmaßnahmen und der Ausschreibung Therese Pritzls liegt die Vermutung nahe, dass sie sich – zu diesem Zeitpunkt bereits wieder hochschwanger – unmittelbar nach der Hausdurchsuchung und der damit verbundenen Gefahr einer Gefängnisstrafe wieder zu Michael Heigl begeben hat. Vieles spricht dafür, dass das Paar von da an nahezu ununterbrochen zusammenblieb – bis zu seinem bitteren Ende.
Am 12. Dezember 1852 ereignete sich in Pirka der verhängnisvolle Zusammenstoß zwischen Michael Heigl und dem Brigadier Sommer, den dieser nur schwer verletzt überlebte. Die anschließenden Ermittlungen brachten ans Licht, dass sich auch Therese Pritzl am Tatort befunden hatte. Für den Kötztinger Landrichter Carl von Paur war dies Anlass, die junge Frau künftig nicht mehr lediglich als Begleiterin Heigls zu betrachten. In seinem mehrere Punkte umfassenden Programm zur Verbesserung der Sicherheitslage im Landgerichtsbezirk widmete er ihr daher einen eigenen Abschnitt:
"2. Über die Theresa Pritzl von Gotzendorf: .... so wurden alle ergriffenen Verfolgungsmaßregeln auch auf diese Person derselben in der umfassendsten Weise ausgedehnt, wie eine hohe Kreisstelle aus dem Berichte des zur Organisierung der Streifen dahier längere Zeit anwesenden Gendarmerieleutnants Fürst von Deggendorf mittlerweile gnädigst entnommen haben wird. Ihrer speziell in den bisherigen Berichten zu erwähnen, hielt man nicht für nötig, da sie bisher für minder gefährlich gehalten wurde, und sie erst bei der jüngsten stattgefundenen Verletzung des Brigadier Sommer von Viechtach ihre Verwegenheit und hohe Gefährlichkeit an den Tag gelegt hat.
Nachdem die Aussetzung des 6 Tage alten Säuglings am 11.1.1853 (errechneter Geburtstermin war dann der 5.1.1853) passierte, war Therese Pritzl bei der Schießerei in Pirka im Dachgeschoss des Bauernhauses wohl bereits im 9. Monat schwanger gewesen.
.
Ich kam am fraglichen Sonntag 9ten Jänner nachts von
Neukirchen nach Hause nach Hohenwarth und erfuhr von meinem Weibe, daß sich die
Theres Pritzl bei ihren Eltern im Zuhaus beim Hauserbauern Pöschl in Gotzendorf
aufhalte und daß sie der Heigl dort abholen werde. Ich habe mich entschlossen
noch abends den 2 Gehstunden weiten Weg hierher zu nehmen, bekam dann auf meine
Anzeige vom Landgericht sogleich Gendarmen mit und ging mit diesen und mit dem
Marktdiener, im Ganzen 9 Mann, nach Gotzendorf; ich habe den Brigadier genau
instruiert, allein statt nach meiner Weisung beim Zuhäusl anzufangen, haben sie
zuerst beim Bauer Pöschl selbst visitiert und die ganze Sache war dann
fruchtlos. Nach den späteren Zugeständnissen meiner Schwiegermutter war Heigl
damals wirklich gekommen und mit der Pritzl entwichen, während die Gendarmerie
ungeschickter weis vorn beim Bauern umherwirtschaftete.
Ich muß noch beifügen, daß mir meine Schwiegermutter Theres Ruprecht,
Inwohnerin von Gotzendorf erzählte, daß die Pritzl mit dem Heigl schon an
Hl Dreikönigtage zu ihr kam und ins Häusel hinein wollte, um wiederzukommen,
weil ihre Geburtswehen schon begannen, daß sie aber die Pritzl nicht
hineingelassen hätte."
"Um diese Zeit wurde Theres Pritzl, Hüterstochter von Gotzendorf /:Gem. v.d.:/ der Verbindung mit Heigl dringend verdächtig, arretiert, vorgeführt.
Wurde vernommen, detiniert, ihre Einweisung ins Arbeitshaus beschlossen, die aber nicht beschäftigt werden kann, da sie mittlerweile erkrankte.
Akte bei der k. Regierung"

Brigadier Suffas Bericht ist in dieser Hinsicht sehr
nüchtern und so berichtet er ganz knapp aus der Station Hohenwarth:
17.6.1853 Gendarmeriebrigade Kötzting in Hohenwarth an das kgl Corps Commando
Kötzting den 17ten Juni 1853
Die Arretierung des flüchtigen Verbrechers Michl Heigl und dessen Zuhälterin
Theres Pritzl von Gotzendorf betreffend:
Der Unterzeichnete meldet gehorsamst das
derselbe unterm heutigen früh beim Anbruch des Tages mittels Beiziehung der
Bewohner der Umgegend eine große Streife auf den Kaitersberg vornahm, wobei er
den flüchtigen Verbrecher Michl Heigl von Beckendorf, und dessen Zuhälterin
Theres Pritzl von Gotzendorf, beide Landgerichts Kötzting, in der Nähe von
Hudlach in der Kaitersberger Waldung arretiert und dem kgl Landgerichte
Kötzting nach kräftiger Gegenwehr mit einem Doppelstutzen einer Pistoln nebst
mehreren Schussapparaten eingeliefert worden.
Bevor es nun in dieser Dokumentation mit dem
Schwurgerichtsprozess in Straubing weitergehen kann, stellt sich für mich
abschließend die Frage: wo bei diesem ganzen Aufgriff ist eigentlich die
Therese Pritzl abgeblieben?
Nur noch kurz zur Rückschau:
Die beiden wurden an Mitternacht gesehen, wie sie den Regen
überquerten, in Hohenwarth angezeigt und danach begann die große
Einkesselungsjagd, und bei all den Schilderungen - von der ersten Sichtung am
Grat des Kaitersberg, seiner Flucht und dem endgültigen Zusammenstoß ist immer
nur von Michael Heigl die Rede.
Erst bei der Ablieferung der Gefangenen - nachmittags um 3 Uhr nach der einen
und Ende Vormittag nach der anderen Version - ist Therese Pritzl wieder
erwähnt.
Zwischen dem Überschreiten des Regens und dem Aufgriff um 7.30 morgens ist
genügend Zeit, so dass Michl Heigl u.U. seine Freundin bei den Eltern in
Gotzendorf vorbeigebracht haben könnte, bevor er dann alleine auf den
Kaitersberggipfel zusteuerte.
Die Frage wäre halt, ob sie ihrem Michl, als Mühlbauer verletzt und außer
Gefecht gesetzt am Boden lag, im Kampfe gegen den Hund und den Bauern Vogl
nicht zur Seite gestanden hätte, wäre sie vor Ort gewesen.
Im nächsten Teil geht es um alles, was mit dem Prozess
zusammenhängt
"Nach der - bekannten - Schilderung der Gefangennahme Heigls, berichtet Steinle - anders als der Kötztinger Gendarm Suffa in seinem Bericht - auch von er Gefangennahme der Therese Pritzls:
Und von Steinle haben wir auch eine Personenbeschreibung der Therese Pritzl:
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| Beilage zu Nro. 145 der Landshuter Zeitung |
Die Verteidigung der Therese Pritzl:
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| Landshuter Zeitung |
Bei der Überprüfung dieses Prozesses nach einer Nichtigkeitsklage wurde die Strafe verkürzt.
Therese Pritzls wurde nun zu "siebenmonatlicher in einer Strafanstalt zu erstehenden Gefängnsistrafe" verurteilt und selbst dies Strafe versuchten ihre Verteidiger noch zu reduzieren und noch ihre Zeit in der Untersuchungshaft auf diese Frist angerechnet zu bekommen.
Maximilian Schmidt, genannt Waldtschmidt, schreibt in seinem Roman(!) Brigitta oder der Räuber vom Kaitersberg über Therese Pritzl:
"Therese P. befindet sich, nachdem sie einige Monate Strafarbeitsbaus erstanden, wieder in ihrer Heimat Hohenwarth und hat sich mit ihren zwei noch lebenden Kindern einen guten, das üble Andenken Heigls mildernden Ruf erworben."
Carolina Pritzl wohnte/lebte damals als Inwohnerin im Haus Nummer 27 (früher Gasthof Reimer) in Gotzendorf und die Resch besaßen in Gotzendorf die Häuser mit den Nummern 23 und 24.
Ob es aus dieser Ehe Nachklommen gibt, ist nicht bekannt, allerdings hatte der Ehemann Nachkommen aus dessen erster Ehe.

🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:
Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken.
⭐ Räuber Heigl
Die weiteren Beiträge über Michael Heigl und die grafische Auflistung seiner "Tatorte" kann man in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Räuber Heigl finden.
Viel Freude beim Entdecken!

















