Einladung zum monatlichen Lesestammtischdes Arbeitskreises Heimatforschung
Seit nunmehr 30 Jahren treffen wir uns, um gemeinsam historische Originalquellen aus Bad Kötzting und seinem Umland zu lesen, zu entziffern und ihre Geschichte zu entdecken.
Im Jahre 1722 hatte der damalige Pflegskommissar beim Landgericht Kötzting allen Grund, sich massiv über das Verhalten der beiden Kötztinger „Interimscammerer“ Mayr und Krieger zu beschweren.
Hintergrund war die damals streng geregelte Aufteilung der Gerichtsbarkeit. Genau war festgelegt, welche Angelegenheiten in die Zuständigkeit der Niederen und welche in die der Hohen Gerichtsbarkeit fielen. Die Grenzen zwischen den einzelnen Zuständigkeiten waren also keineswegs unbekannt.
Doch offenbar waren die beiden Kötztinger Bürgermeister der Ansicht, dass man diese Grenzen durchaus etwas großzügiger auslegen könne – und trieben dieses Spiel schließlich zu lange und zu unverschämt. Der Pfleger zog deshalb alle Register und wandte sich mit einer nahezu 30 Seiten umfassenden Klageschrift an das höchste kurfürstliche Gericht.
Was zunächst wie eine Generalabrechnung mit seinen Kötztinger Widersachern erscheint, erweist sich für uns heute als ausgesprochener Glücksfall. Denn in seiner ausführlichen Beschwerde schildert der Pfleger nicht nur die einzelnen Streitfälle, sondern legt zugleich dar, wer damals in welchen Angelegenheiten auf welcher Ebene zuständig war.
Damit gewährt uns diese Klageschrift einen höchst seltenen und ungewöhnlich detaillierten Einblick in die praktische Funktionsweise der damaligen Gerichtsbarkeit – und zwar in einer Vielzahl ganz unterschiedlicher Lebens- und Rechtsbereiche.
Einen kleinen Vorgeschmack auf die Quelle findet Ihr im ersten Textbeispiel. Es handelt sich eigentlich nur um einen einzigen Satz – und selbst den habe ich vorsichtshalber schon vor dem Ende abgeschnitten.
Durchleichtigster Churfürst, genedigister Herr, Herr
🗺️ Tipp zum Schluss:
Seit Herbst 2025 gibt es außerdem die interaktive Karte Kötztings.
Dort sind Beiträge zur Häuserchronik und viele weitere historische Themen direkt im Stadtplan verortet – jeder Marker führt per Klick zum passenden Blogbeitrag.
Die Karte funktioniert am PC ebenso wie auf dem Smartphone und kann sogar als kleine App gespeichert werden.


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