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Montag, 5. Oktober 2026

Das Kötztinger Fußballstadion wird demontiert

 Wir schreiben den August 1978 und im Zuge der beginnenden Hochwasserfreilegung Kötztings muss auch das alte Fußballstadion weichen. 
Die Kötztinger FFW machte aus der Not eine Tugend und nutzte diese Gelegenheit, um ihre Mannschaften einmal solche Abrissarbeiten am Original üben lassen zu können.

KU vom 28.8.1978





Die Kötztinger Umschau begleitete die Aktion und aus dieser Sammlung haben wir eine ganze Reihe von Fotos bekannter Kötztinger, allen voran vom Vorstand Wolfgang - Gams - Kolbeck.Kötzting (kxa). Eine Meisterleistung vollbrachte die Freiwillige Feuerwehr Kötzting bei ihrer Großübung am Samstag: es ging aber dabei nicht, gegen Flammen anzukämpfen. Die Feuerwehrleute „übten“ mit Spitzhacken, Brecheisen und Motorsägen beim Abbruch der hölzernen Zuschauertribüne auf dem FC-Platz am Roten Steg. Nach sieben Stunden harter und exakter Arbeit war die, seit Jahrzehnten den Kötztingern liebgewordene Sport-Oase verschwunden. Spanndienste leisteten die Landwirte Gerstl und Schedlbauer. Die „Verschiebung“ des Fußballplatzes stellte eine „Vorbedingung“ im Zuge der Hochwasserfreilegung dar.

„Alle Mann Spitzhacken, Brecheisen, Pickel und Motorsägen raus aus dem Löschfahrzeug“, so kommandierte Michael Fleischmann „Samstag früh punkt 7 Uhr auf dem Sportplatz am Roten Steg. Systematisch ging der Einsatztrupp an das Werk. Bretter und Balken wurden abmontiert und auf die Schlepperfahrzeuge verladen. Unter fachmännischen Anweisungen riss Vorstand Wolfgang Kolbeck mit seiner Zugmaschine die „Werbe-Bedachung“ ab. Sogar der jüngste Nachwuchs der FFW leistete „Handlangerdienste“. Max Wiesmeier übernahm die Demontage der elektrischen Leitungen. Von den Stirnen rann der Schweiß und gelöscht wurde nur der Durst bei diesem Einsatz, der „genau wie im Ernstfalle“ geprobt wurde. Gegen 14 Uhr war die Arbeit vollbracht. Die „Großübung“ verlief ohne jeden Zwischenfall.

Gams auf seinem Schlepper

Dieser Abbruch stellte für die FFW nicht nur eine „Probe aufs Exempel“ dar, sie sollte auch eine „einbringliche“ Übung sein. Schriftführer Xaver Wellisch schaltete schnell: Nach Bekanntwerden der Vergabe der Sportplatz-Verlegung (die Baufirma Schönberger hatte die FFW die Abbrucharbeiten großzügigerweise überlassen), erklärte Kommandant Michael Fleischmann: „Wir brauchen schließlich Geld für unser neues Feuerwehrzentrum und was wir uns heute verdient haben, kann schon als gute Grundlage betrachtet werden“, meinte Vorstand Wolfgang Kolbeck. Das Einsatzkommando klappte hervorragend, die Geschicklichkeit beim Handanlegen war meisterhaft und um „der Sache willen“ leisteten die Feuerwehrmänner ganze Arbeit. Diese Aktion ließ deutlich erkennen, welche Vorteile Gemeinschaftsarbeit erbringt.

Obwohl sich wenige „Zaungäste“ bei dieser „Großübung“ sehen ließen, interessierten sich dennoch einige Fußballer für den Abbruch. So sieht Heribert Eggersdorfer mit einem lachenden und einem weinenden Auge die „Verschiebung des Fußballplatzes“ und ist überzeugt, dass Jahre vergehen werden, bis der FC wieder auf eigenem Platze spielen kann. Platzwart Alois Menacher meinte ziemlich deprimiert: „Sieben Johr eabate etza auf dem Plotz und allewei hob i in sauba hergricht – woana kannt i“


Der "Gams"









Bretter und Balken wurden abmontiert und auf Schlepperfahrzeuge verladen.





🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:
Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken.

⭐ Kötztinger Allerlei  Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Kötztinger Allerlei auf dem Standort des alten Fußballstadions zu finden.


Nicht jede Geschichte lässt sich einer festen Kategorie zuordnen. Die Markergruppe Kötztinger Allerlei versammelt besondere Fundstücke, kuriose Begebenheiten, interessante Entdeckungen und bemerkenswerte Episoden aus der Geschichte Bad Kötztings. Gerade diese Vielfalt macht oft den besonderen Reiz historischer Spurensuche aus.

Viel Freude beim Entdecken!

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Montag, 17. März 2025

Erinnerungen an Altkötzting Teil 57 - der Fußballplatz ist im Weg

In der Bildersammlung des Stadtarchives befinden sich viele Beispiele von damals tagesaktuellen Veranstaltungen oder Berichten über Handel und Gewerbe, die uns einen kleinen "Blick zurück" erlauben; zurück auf Menschen, die schon lange verstorben sind oder Orte und Plätze, die es ebenfalls schon lange nicht mehr gibt. Mit dieser Reihe an Blogbeiträgen soll diese Erinnerungskultur ermöglicht werden; eine Erinnerung an ein Kötzting mit viel Handel, Handwerk, Vereinsleben und Gasthäusern, mit Jahrtagen,  Bällen, und vor allem mit Menschen. Hier ein Rückschau ins Kötzting von vor 50 Jahren.


Die Hochwasserfreilegung und der Fußballplatz

Noch im Januar 1975 hatten die Kötztinger unter dem letzten Hochwasser leiden müssen und nun kamen im Zuge der anlaufenden Planungen für eine endgültige und umfassende Hochwasserfreilegung schlechte Nachrichten, Der Fußballplatz des 1. FC Kötzting stand an der Stelle, an der massive Schutzmaßnahmen durchgeführt werden mussten und stand daher im Fokus der Überlegungen.
Hier eine Bilderserie zusammen mit dem Presseartikel zu der Problematik aus der Hand des damaligen Journalisten der Umschau, Herrn Kühn. Nach dem Januarhochwasser hatte es wieder geschneit und in Kötzting war im Februar wieder der Winter eingezogen.







Montag, 3. März 2025

100 Jahre Jahnhalle und 100 Jahre Leichtathletikabteilung des Kötztinger Turnvereins

 

Kötzting bekommt eine Turnhalle 



Am 5. März 1925 erfolgte der Startschuss; der Kötztinger Turnverein mit seinem umtriebigen Vorstand Liebl an der Spitze lud ein und stellte dabei sein zukünftiges Hauptprojekt der Öffentlichkeit vor.   Danach ging es Schlag auf Schlag, so dass noch im selben Jahr die Hebefeier stattfinden konnte.
Wer mehr über die Geschichte des heutigen Jahnplatzes und den Bau und die Fortentwicklung der Jahnhalle erfahren möchte: >>>>>>> Der Jahnplatz und die Jahnhalle<<<<<<<<<<


Auch der Kötztinger Marktgemeinderat unterstützte die Planung.









Wie in dem Artikel bereits ausdrücklich erwähnt ist, fehlte es hinten und vorne an Geldmitteln, weshalb von Anfang an auf die Mithilfe und die Geldmittel der Kötztinger Bürger appelliert wurde.
Es blieb nicht bei dem Appell. Gleich zu Beginn wurden ganz konkret Spenden- und Hilfsaufrufe  gestartet. Den Anfang machte ein Vortragsabend gestaltet von Eugen Hubrich mit seinen eigenen Texten.


Der Veranstaltungsort, die Klosterschmiede, ist die frühere Metzgerei Schoierer.

Aufmerksam waren die Kötzting auf diese Möglichkeit durch einen Abdruck eines Artikels in der Geislelhöringer Zeitung geworden, die von einer Lesung des gebürtigen Kötztingers berichtete.

Wie notwendig solch eine allwettertaugliche Übungs- und Veranstaltungshalle war, sieht man an der folgenden Bekanntmachung, in der zum Üben in die Toreinfahrt des Schlossers Liebl eingeladen wurde.



Im Mai dann der nächste Aufruf mit der Bitte um tatkräftige Unterstützung, verbunden mit dem Dank an die bisherigen Helfer.



Nachdem der schlichte Aufruf um Hilfe in der Zeitung wohl nicht ausreichende Resultate erbracht hatte, zündete  der Turnverein die nächste Stufe und begann mit einer Haus-zu-Haus Sammlung mit einer Unterschriftenliste.

Da sich die Baumaterialien auf dem Bleichanger - der damals ja einsam und allein vor den Toren Kötztings lag - häuften, galt halt auch das Motto: " Gelegenheit macht Diebe" und dem galt es vorzubeugen.

Natürlich war der Bau und die rund herum lagernden Baumaterialien ein Problem für den Spielbetrieb des 1. FC Kötztings, der dies jedoch relativ gelassen auf sich zu kommen ließ, um dann umso energischer eingreifen zu können, wenn es die Situation der Baustelle denn überhaupt zuließ.




Im August war es dann soweit, der Dachstuhl konnte gehoben werden und die Hebefeier stand an.


DIA-Repro 3459 Der Hallenbau nach der Hebefeier

Das Bild hält vermutlich ein ganz besonderes Ereignis fest, das im Zusammenhang mit der Hebefeier veranstaltet wurde, den Hermannslauf, einem Stafettenlauf durch die Straßen Kötztings..

Hier das Ergebnis des Stafettenlaufes:






Ein weiterer Artikel im August über den Turnverein lässt wieder einmal tief blicken auf die ewige Konkurrenz zwischen Viechtach und Kötzting. Die Viechtacher weihten in diesem Monat bereits ihre neue Turnhalle ein, hatten ziemlich sicher mit dem Bau bereits im Jahre 1924 begonnen, was dann den Kötztingern keine Ruhe ließ und dann in diesem Jahr versuchte - wenn auch ohne genügend Eigenmittel - es den Nachbarn unbedingt nachzumachen. Ähnliches passierte mit dem Antrag zur Stadterhebung 1952 und dem Bau einer Realschule und, und, und, und.


Bei der Organisation des Turnhallenbaues und der Finanzierung gab sich der Kötztinger Turnverein ganz modern und der Zeit angepasst. Umso mehr fällt eine Klarstellung des Vereins aus dem Rahmen, den er im September in der Zeitung einrücken ließ:   Sportlerinne mit einer "Bubikopffrisur" solle die  Aufnahme in Turnvereine verboten werden. 

100 Jahre Leichtathletikabteilung des Kötztinger Turnvereines 



Am Ende dieses Beitrags über den Kötztinger Turnverein noch ein weiterer 100 jähriger Geburtstag und zwar der der Leichtathletikabteilung des Turnvereins.
Der oben angeführte Staffellauf anlässlich des Hermannstages war bereits die zweite Veranstaltung dieser neuen Abteilung. Bereits im Juni hatte es einen Staffellauf durch die Straßen Kötztings gegeben und von dieser Premiere haben wir nicht nur eine genaue Starterliste sondern kennen auch den genauen Streckenverlauf.
Bei der Premiere war der Startpunkt und Zielpunkt der Kötztinger Bahnhof gewesen.



Wer mehr über die Geschichte des heutigen Jahnplatzes und den Bau und die Fortentwicklung der Jahnhalle erfahren möchte: >>>>>>> Der Jahnplatz und die Jahnhalle<<<<<<<<<<

Mittwoch, 23. Oktober 2024

Die nächste - schöne - Überraschung

 Zur Zeit kommen werden im Wochenrhythmus interessante Dokumente im Stadtarchiv abgegeben und gestern war es eine große - eine sehr große - Überraschung.
Als vor zwei Jahren im Zusammenhang mit der 100 Jahrfeier des 1. FC-Kötzting versucht wurde das alte Material zu sichten, gab es zunächst nur Fehlanzeigen und - durch schlechte alte Bürokopien belegt - die Sicherheit, dass es bereits von Anfang an Chroniken des Fußballvereins gegeben hatte.
Im Laufe von - tatsächlich - langjährigen Nachforschungen kam dann tatsächlich die erste Chronik des Julius Kirschner zutage zusammen mit vielen Leitzordnern mit Zeitungsausschnitten und Berichten aus vielen Spielzeiten.
Das Buch zum Jubiläum konnte fertiggestellt und Ende 2021 der Öffentlichkeit präsentiert werden. Diese erste Chronik des FCs deckte den Zeitraum seit der Gründung im Jahre 1921 bis zum Ende der sportlichen Aktivitäten mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ab.

Gestern nun landeten auf meinem Schreibtisch die Chroniken 2-7, die beginnend mit dem 1.8.1945 bis weit hinein in die 70er Jahre die vorhandenen Lücken füllen.

StA Kötzting 134/158 die Chroniken des FC-Kötzting

Natürlich enthalten diese fortlaufenden Chroniken im wesentlichen Spielberichte - nur für absolute Fußballfans interessant - dazwischen - und vor allem in der Anfangschronik - verbergen sich viele kleine Geschichten und Anekdoten, die einen ganz besonderen Blick auf diese Nachkriegszeit in Kötzting erlauben.

Vor allem die von Franz Oexler geführte 2. Chronik - also die erste nach dem Zweiten Weltkrieg - steckt voll von Leben und Kämpfen um den Erhalt des Fußballsports in Kötzting.

StA Kötzting 134-158 die Chronik Nr. 2 vom 1.8.1945

Gerade die Chronik 2, die den Neubeginn markiert und begleitet erzählt uns viel aus dem Spannungsfeld zwischen der amerikanischen Militärregierung - mit dem Wünschen der amerikanischen Soldaten nach einem Football-Platz - und dem aufkommenden Bedürfnis der jungen Kötztinger, sich sportlich zu betätigen.

Einschub:
Bei einem Treffen  - 30 Jahre nach diesem Neubeginn - das 1977 Haymo Richter im Hotel zur Post organisiert hatte, erzählte Franz Oexler unter anderem davon, dass in dieser Anfangszeit sogar zwei Kötztinger Spieler verhaftet worden waren, weil sie sich öffentlich auf dem Platz über die Leibesfülle des Amerikanischen Kommandanten lustig gemacht hatten. Später, so Franz Oexler, waren die Kontrahenten dann "beste Freunde" geworden.
Einschub Ende

Und aus dieser "Anfangs"chronik möchte ich die ersten und dann auch letzten Einträge veröffentlichen, um zu dokumentieren, mit welchen Schwierigkeiten - und pragmatischen Lösungen - der FC Kötzting damals zu kämpfen hatte.

Der erste und der zweite Gegner der Kötztinger Truppe war die Baumannschaft der 11.PD, der ja nach ihrer Kapitulation der Großraum Kötzting zur Übergabe zugeteilt worden war und von deren Soldaten im Spätsommer 1945 nur noch wenige vor Ort in Kötzting geblieben waren. 





Hier die Aufstellung der ersten Kötztinger Mannschaft nach dem Krieg und auch gleich eine kleine
"Sportgerichtsverhandlung"


Dann kam mit dem Viechtacher Fußballverein zum ersten Male eine gegnerische Mannschaft nach Kötzting und  zwei Wochen später wurde dann in Viechtach das erste Auswärtsspiel absolviert, bei dem es auch auf den Zuschauerrängen hoch her ging.


 und 

Der Anfang war gemacht, dann jedoch kam eine erste Hiobsbotschaft, die Amerikaner beanspruchten den Platz für sich alleine.



Im Oktober 1945 wurde dann endgültig aus der "Spielschar" der "1.FC-Kötzting" und Franz Oexler, der alte und neue Chronist,  berichtete von der Gründungsversammlung:




Die erste Mitgliederliste, ein "Who-is-Who" der Kötztinger Bürgerschaft



Es folgte eine große Weihnachtsfeier des Jahres 1945 mit einem ausführlichen Gedicht des Nikolaus  über die einzelnen Mannschaftsmitglieder.







Es konnte natürlich nicht nur aufwärts gehen, es gab Rückschläge und Streitereien in dem neuen Verein und im Sommer 1946 beendete Franz Oexler sein Engagement als Chronist und übergab den Bleistift an G. Rauscher.
Hier noch sein abschließendes Resümee, mit den Gründen für seinen Rückzug.