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Freitag, 25. September 2026

Der Schuldienst in Steinbühl und Grafenwiesen

Die Schule in Steinbühl

Beim Lesestammtisch im September 2026 beschäftigten wir uns mit einem Akt, der mit einem Schriftwechsel bzw. einer Petition des Steinbühler Lehrers um eine Gehaltsaufbesserung beginnt.
Zusammen mit den Schreiben aus den beiden anderen Teilen erhalten wir einen bemerkenswerten Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse eines ländlichen Lehrers im frühen und mittleren 19. Jahrhundert.   
Um seine prekäre wirtschaftliche Situation, die er in Steinbühl zu ertragen hatte,  zu verdeutlichen, führte der Steinbühler Lehrer sogar die Dienst- und Einkommensverhältnisse seines Grafenwiesener Kollegen an. Auch dieser war keineswegs auf Rosen gebettet, konnte aber immerhin auf mehrere unterschiedliche Einkommensquellen zurückgreifen – eine Möglichkeit, die dem Steinbühler Lehrer offenbar nicht in gleicher Weise offenstand.

Der im Staatsarchiv Landshut überlieferte Akt aus dem Bestand des Bezirksamtes bzw. Landkreises Kötzting (Rep. 164/8 Nr. 141) mit dem Betreff „Schulsachen“ umfasst einen bemerkenswert langen Zeitraum: Er reicht von der ersten Eingabe des Steinbühler Lehrers Alois Hofbauer aus dem Jahr 1815 bis zu detaillierten Einwohner-Namenslisten aus dem Jahr 1868. Diese Listen erfassen neben Steinbühl auch die zum Schulsprengel gehörenden Nachbargemeinden.
Ein zusätzliches Detail mach diesen Akt so besonders. Der Akt enthält einen Plan der damaligen Steinbühler Schule gegenüber der Kirche. Allein die genauere Betrachtung des Planes zeigt bereits, wie grundlegend sich die damaligen Schulverhältnisse von den heutigen unterschieden.
Der Plan stammt aus dem Jahre 1828 und gehört bereits zum zweiten teil des Aktes, weshalb hier nur auf die Grundstruktur des Planes kurz eingegangen werden soll.



Vor der Steinbühler Kirche befand sich damals noch, mitten auf dem Dorfplatz ein Backofen und gegenüber befand sich das Schulhaus.


Die innere Struktur des Schulhauses:
v.l. Brunnen - Stadel - Nebenzimmer und Stall - Hausflur - Wohnzimmer und Schulzimmer

Selbst gut 100 Jahre später war es in der Steinbühler Schule noch so richtig eng im Klassenzimmer. Wie eng es in der ersten Schule Steinbühles war, mag man sich gar nicht vorzustellen.



So sah es vermutlich in vielen "ZWERGSCHULEN" aus.
Foto Josef Bock, Steinbühler Schule 1951. Originalfoto bearbeitet.


Doch nun zunächst zur Petition des Lehrers Alois Hofbauer, mit der der nachfolgende Schriftverkehr seinen Anfang nimmt.
Alois Hofbauer wendet sich an das königliche Landgericht Kötzting und führt an, dass er bereits seit 23 Jahren diesen „Schullehrer = und Meßners=Dienst bei der Filial Steinbichl ... bedienen“ würde.
Weiter führt er aus, dass die Einkünfte aus diesem Dienstverhältnis so gering seien, dass er mit seiner Familie – er schreibt, er sei mit acht Kindern „belastet“ – selbst bei größter Einschränkung Mangel leiden müsse.
Hofbauer beruft sich dabei auf eine landesherrliche Verordnung, nach der der Lebensunterhalt eines Lehrers eigentlich ausreichend gesichert sein sollte. Darüber hinaus verweist er auf die „Gemeindeweidenschaftsgründe“: Bei deren Aufteilung müsse, so seine Argumentation, stets ein gleich großer Anteil auch der Schule zugewiesen werden.
Und dann teilt er gegen die Bauern der Gegend aus:
"Leider dass der unzeitige Eigendünkel und Eigensinn der meisten Landbewohner von der allgemeinen anerkannten Wohltat der Landeskultur keinen Antheil nimmt und absichtlich die Theilung der Gemeindeweyden unterlässt um nur auch der Schule den gebührenden Theil vorenthalten zu können.
Beweise von dieser Denkungsart geben die Dorffsgemeinden Höfing, Bonried, Kislau und die Einöde Buchberg"

Auf der Rückseite der Eingabe findet sich der Vermerk, dass für den 3. August von Seiten des Landgerichts eine Kommission zur „gütlichen Behandlung“ der Angelegenheit einberufen wurde. Gleichzeitig wird festgestellt, dass eine Einöde wie das angesprochene Buchberg keine Gemeindegüter besitze, die aufgeteilt werden könnten bzw. sollten.

Unterthänigst gehorsamster
Aloys Hofbauer Schullehrer
und Meßner in Steinbühl
Um sich ein besseres Bild von der Situation machen zu können, wurden hier zum Vergleich die Zahlen und daten der Schule in Grafenwiesen herangezogen:
Der dortige Lehrer Johann Hofbauer listet seine Einkünfte auf, die auch vom lokalen Schulinspektor, dem Kötztinger Kooperator Wolfgang Neumayr überprüft und bestätigt wurden.


Fassion
Ueber die Diensterträgniß des Johann Hofbauer Schullehrern zu Grafenwiesen im Jahre 1814/15 als

a: Ich beziehe weder von dem allgemeinen Schulfond oder aus einer königlichen Kassa eine Besoldung
b: Ich erhalte auch von keinem Lokal=Schulfonds etwas, weil keiner vorhanden ist.
c: Und auch von keiner Gemeinde oder Stiftung beziehe ich etwas
d: Ich erhalte auch von keiner Sammlung etwas, weder von Naturalien oder in Geld
e: Ich besitze auch keine Gründe welche zur Schule gehören
f: Ich erhalte von der Schulgemeinde Grafenwiesen 4 Klaffter Holz aber nicht in Natura sondern vor       die Klaffter 4 fl zusammen 16 Gulden
g: Das Schulgeld der Kinder beträgt 20 Gulden
h: Als einsweiliger Unteraufschläger beym Bräuhaus Grafenwiesen 17 Gulden
i: Und als Lotto Collecteur zu Kötzting und Grafenwiesen im Durchschnitt jährlich 50 Gulden"

Unter einem Unteraufschläger ist hier eine Art von Abgabenaufseher zu verstehen.

Was anschließend folgt ist eine interessante Aufstellung aller Bewohner der Schulkinder Grafenwiesens mit der Angabe über den "Stand" der Eltern, der Frage , ob sie das Schulgeld bezahlen können und eine kurze Bemerkung über die finanziellen Verhältnisse.
Unter Stand war hier die damalige Unterscheidung zu verstehen, ob die Eltern Grundbesitz hatten. Dann waren sie in Grafenwiesen eben sogenannte Häusler oder Söldner. War dies nicht der Fall, so wurden sie als sogenannte Inwohner aufgeführt.
Hier der Beginn der Liste, die 74 Schulkinder umfasst einschließlich der Kinder aus Fessmannsdorf und Schönbuchen.
Die wenigsten Eltern waren in der Lage, das Schulgeld aufzubringen und daher erhielt die überwiegende Anzahl der Eltern in der letzten Rubrik den Zusatz "arm"

Der Kötztinger Pfarrer Krepper fügte handschriftlich am Fuße der Auflistung hinzu:



  "Daß die Armueth reiflich erwogen worden sey, und die als arm voranstehenden Kinder wirklich arm und deren Eltern unfähig seynd das Schulgeld zu bezahlten bezeugt
das königliche Pfarramt Kötzting den 22. April 1815 Krepper Pfarrer mp
(manu propria = eigenhändig)
.

Nun macht der Akt einen Sprung ins Jahr 1828. Diesmal geht es um die Aufteilung von Gemeindegründen. Der Steinbühler Schullehrer heißt inzwischen Kopp; zugleich erfahren wir ganz beiläufig auch den Namen seines Vorgängers: Es war ein Lehrer namens Kampfl.

Zu diesem Teil des Schulaktes gehört auch der bereits oben gezeigte Bauplan. Im Zusammenhang mit dem Schriftverkehr um die Besoldung des Lehrers Kopp wird nun ersichtlich, dass die Eingabe Hofbauers offenbar Erfolg gehabt hatte. Rund um das Schulhaus und die Kirche sind auf dem Plan Grundstücksflächen grün eingezeichnet, die dem Steinbühler Lehrer bzw. der Schule zugeordnet worden waren.
Damit wird aus der mehr als ein Jahrzehnt zurückliegenden Forderung Hofbauers nach einer besseren wirtschaftlichen Ausstattung des Lehrers ein auf dem Plan konkret nachvollziehbares Ergebnis.


 

Der auf dem Plan zunächst etwas zusammenhanglos links unten eingezeichnete „Bergantheil“ gehörte zur Gemeinde Gutendorf, die zum Schulsprengel Steinbühl gehörte. Das Grundstück lag etwa eine Dreiviertelstunde von Steinbühl entfernt und war nach Einschätzung der damaligen Verwaltung „zur Kultur ungeeignet“. Über seinen Zustand erfahren wir aus dem Akt bemerkenswerte Einzelheiten. Nach den noch „vorhandenen Spuren“ war der Berganteil nur spärlich mit Birkenholz bewachsen. Dieses war „theils von seinen früheren Vorgängern abgetrieben, theils bis auf die kleinsten Stämme weggestohlen“ worden, da in der wenig bemittelten Bevölkerung dieser Gegend stets Holzmangel geherrscht habe. Inzwischen sei der Schulanteil „eine nackte Fläche, weil das häufige Behüten desselben keine Pflanze mehr empor kommen lässt.“

Lehrer Kopp hatte offenbar vorgeschlagen, diesen wenig ertragreichen und zudem weit entfernten Grundstücksanteil gegen näher bei der Schule gelegene Flächen zu tauschen. Seine entsprechende Eingabe wird im Akt allerdings nur inhaltlich wiedergegeben. Die Mitglieder der Gemeindeverwaltung Traidersdorf stimmten diesem – allerdings nicht ganz einfachen – Verfahren zu.

Der weit entfernte Berganteil durfte daraufhin abgegeben werden. Kopp erhielt dafür die Nutzung entsprechender Grundstücksflächen, die unmittelbar an die bereits von ihm bewirtschafteten Flächen angrenzten. Eigentümer dieser Grundstücke war der Bauer Freymuth, der jedoch nicht bereit war, sie zu verkaufen. Kopp erhielt deshalb lediglich das Nutzungsrecht.

Gleichzeitig erfahren wir aus dem Akt, was mit dem sogenannten Freymuthschen „Krummacker“ geschehen sollte: Entsprechend den damaligen Vorgaben sollte auch diese Fläche in einen Obstgarten umgewandelt werden.
Diese gute Lösung scheitert aber zunächst an der Nachbargemeinde. Die Traidersdorfer schrieben in ihrem Protokoll:

"Nun wollen die Gemeindeverwaltungsmitglieder der Gemeinde Niederndorf aus Privatinteresse oder anderen unbekannten Gründen und um der guten Sache noch mehr aber dem Wirken der Gemeinde Traidersdorf eigensinnig und schadenfroh, wie von jeher, Hindernisse in den Weg zu legen, ihre Einstimmung hierzu nicht geben"
Abschließend bat die Gemeinde Traidersdorf das Landgericht Kötzting, in "Bälde" dem Grundstückstausch zuzustimmen.
Die Gemeinde Niederndorf, von Seiten des Landgerichts um Aufklärung für seine Ablehnung aufgefordert, erklärt nun den Sachverhalt.

Da nur Matzelsdorf, Gutendorf und Niederndorf zum Schulsprengel Steinbühl gehörten, wurden auch die Bewohner dieser Orte zur Versammlung geladen. Dort herrschte Einigkeit darüber, dass das Grundstück wegen seiner Lage, seiner geringen Bodengüte und vor allem wegen seiner ungünstigen Entfernung von der Schule für den Lehrer wenig geeignet sei. Gegen den vorgesehenen Tausch wurden daher keine Einwendungen erhoben.

Lediglich die beiden Gutendorfer Bauern Wolfgang und Franz Graßl sprachen sich gegen den Tausch aus, da sie sich dadurch benachteiligt sahen. Der Grund dafür lag in der ursprünglichen Aufteilung dieses Gemeindegrundes: Während die übrigen Bauern jeweils einen ganzen Anteil erhalten hatten, besaßen Wolfgang und Franz Graßl jeweils nur einen halben Anteil.  
Beide wollten nun diesen "freigewordenen" Berganteil für sich erhalten und waren auch bereits, einen Aufpreis für diesen Erwerb zu bezahlen.
Nach der Unterschrift unter dieser Erklärung der Niederdorfer Versammlung wollten die Befürworter der ganzen Angelegenheit aber die Sache nicht ruhen lassen und ließen zusätzlich notieren - und bestätigten dieses danach auch mit ihrer Unterschrift:
"Daß alle übrigen Gemeindeglieder ohne Rücksicht auf die Privatvortheile der irrigen Ansichten und unstichhaltigen Einwendungen der beiden Graßl, welche nicht mehr als einen Bergantheil erhalten konnten, weil ihre beiden Güter bei der Vertheilung des Berges noch in einem vereiniget waren, dem Tausche ihre ungezwuingene EInwilligung ertheilen, bestättigen durch eigenhändige Unterschriften...."

Als nächsten Schritt lud nun das LG Kötzting die beiden Bauern Graßl im April 1829 zu sich ins Amt.
Auch wenn die beiden "Graßl" ihre Einwände beim Landgericht vortrugen, und in ihrer Sache vermutlich scheiterten, so verweigerte das LG Kötzting dennoch seine Zustimmung, weil der Abgabe einer mit 15 Tagwerk doch respektablen Fläche gegen die freiwillige Nutzungsüberlassung einer geeigneteren Fläche dennoch einen Nachteil für den Besitz der Schule darstellte, der von der Schulaufsicht so nicht genehmigt werden kann. 
Diese Entscheidung will Traidersdorf nicht hinnehmen und führt nochmal ins Feld, dass der "Bergtheil ein Oedgrund ist mit Steinen und Felsen übersäht." Sachkundige Landwirte würden ein Tagwerk höchstens auf 3 bis 4 Gulden schätzen.  Noch dazu liege dieser Grund am "Kaidersberg auf einer steilen Anhöhe", was es einem Steinbühler Lehrer - ohne Zugvieh - unmöglich mache, auch nur die "Kultur dieses Platzes zu versuchen"


Und nun kommt es erneut zu einem Sprung im Akt. Dieses Mal ins Jahr 1854 und der damalige Landrichter in Kötzting war unser bekannter Carl von Paur.
Der Schullehrer von Steinbühl heißt nun Gradl und das Thema ist erneut eine Abteilung eines Gemeidegrundes im Niederndorfer Ortsteil Matzelsdorf, hier ein Ödberg genannt.
Der früher geplante Tausch war ja nicht zustande gekommen und nun versucht sich die Schule Traidersdorf von dem - für die Schule - unnützen Grundstück zu trennen, es zu verkaufen und mit dem Erlös ein Grundstück in Steinbühl zu erwerben, das es dem jeweiligen Lehrer leichter ermöglichen würde, daraus Nutzen zu ziehen. 

Den Akt schließt dann eine umfangreiche Liste der "steuerbaren" Besitzer der Gemeinde Traidersdorf ab. Inwohner, die in der Regel eine noch größere Anzahl ausmachen,  sind in dieser Liste nicht aufgeführt.
Anders als in der obigen Grafenwiesener Liste, sind hier auch zahlreiche Ganz- und Halbbauernhöfe aufgeführt. Das Zellertal war also eine viel üppigere Bauerngegend, als das Areal rund um Grafenwiesen, mit nur Häuslern und höchstens Söldnern.


Zum Schulsprengel Steinbühl  gehörten damals: Wölkersdorf - Bärndorf - Himmelreich - Traidersdorf - Höfing - Bonried - Kieslau - Buchberg - Matzelsdorf - Gutendorf - Streit - Auhof - Wurz und Weidenhof 

Dieses Mal stimmte auch die Versammlung, zu der Gemeinde Niederndorf ins dortige Wirtshaus  geladen hatte einstimmig zu und so sollte dann dem dem Verkauf des Matzelsdorfer Waldanteils und einem anschließenden Ankauf eines Grundstücks in Steinbühl eigentlich nichts mehr im Wege stehen.
Eigentlich, denn die Widersacher des Projekts aus Traidersdorf und Niederndorf waren gar nicht zur Versammlung erschienen und hatten dann im Nachgang auch ihre Unterschrift für bzw. unter das Versammlungsprotokoll verweigert. 


Auf der linken Seite des Versammlungsprotokolls war extra Platz für die "Unterschriften der Nichtzustimmenden Gemeindeglieder" vorgesehen, aber die Gegner waren lieber zuhause geblieben, mehr noch, sie schrieben ihre abweichende Meinung in einem separaten Brief an das Landgericht und so verging wieder ein Jahr, bis endlich am 16.9.1858 der ganze Vorgang abgeschlossen werden konnte.
Der Matzelsdorfer Waldanteil der Steinbühler Schule ging um 400 fl an 4 Matzelsdorfer Bauern und die Schule konnte für um 136 Gulden das "sogenannte Meßnerackerl des Bauern Georg Maimer von Höfing, welches zunächst an der Düngerstätte und den Stadel gegen Süden am Schul- und Meßnerhause zu Steinbühl liegt und einen Flächeninhalt von 0 Tgw 34 Dez hält" erwerben. 


🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:
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Viel Freude beim Entdecken!

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Montag, 9. August 2021

Das Stadtarchiv als Unterhaltungsbeilage - Schulabschlussfeiern in Kötzting

Es geht weiter mit Bildern aus der Zeitungsredaktion der Kötztinger Umschau, welche alle über eine private Sammlung von Frau Renate Serwuschok dem Arbeitskreis Heimatforschung übereignet wurden und nun im Stadtarchiv Kötzting verwahrt werden.

Da wir zusätzlich auch eine fast vollständige Sammlung von Zeitungsausgaben aus den Nachkriegsjahren in unserem Bestand haben, können viele der Bilder dann auch einzelnen Zeitungsartikeln zugeordnet werden.
Nachdem der Arbeitskreis Heimatforschung schon eine umfangreiche Datenbank an personenbezogenen Bildern hat wäre es für uns schön, wenn wir bei einigen der folgenden Bildern, vor allem bei den Personengruppen, Hinweise und Namenslisten erhalten könnten, die wir dann anschließend in unsere Datenbanken einpflegen könnten. Manche allerdings auch nicht und so wäre es schön, wenn wir bei dem einen oder anderen Bild auch eine Rückmeldung erhalten würden.

Zur Orientierung, wir befinden uns im Juli 1968 und die Kötztinger Schulen halten Abschlussfeiern, auch das noch sehr junge Kötztinger Gymnasium

Hier eine Abschlussfeier in der Jahnhalle - vielleicht können mir Leser einen Hinweis geben um welche Schule Kötztings es sich handeln könnte.  


links Benefiziat Höss und rechts der Dekanantsjugendseelsorger Pfarrer Heitzer


Im Kötztinger Gymnasium werden die ersten Zeugnisse verteilt:

Die Bilder stammen aus der Sammlung Serwuschok undd er Zeitungsartikel aus der KÖZ 


Der erste Direktor des Kötztinger Gymnasiums, Aribo Meindl, der den Ausbau des damals noch kommunalen Gymnasiums schultern musste, mit den Schülern seiner ersten beiden Anfangsklassen.



Montag, 8. Juni 2020

Das Stadtarchiv Bad Kötzting als Unterhaltungsbeilage 2-18

Es geht weiter mit Bildern aus der Zeitungsredaktion der Kötztinger Umschau, welche alle über eine private Sammlung von Frau Renate Serwuschok dem Arbeitskreis Heimatforschung übereignet wurden und nun im Stadtarchiv Kötzting verwahrt werden.
Da wir zusätzlich auch eine fast vollständige Sammlung von Zeitungsausgaben aus den Nachkriegsjahren in unserem Bestand haben, können viele der Bilder dann auch einzelnen Zeitungsartikeln zugeordnet werden.
Nachdem der Arbeitskreis Heimatforschung schon eine umfangreiche Datenbank an personenbezogenen Bildern hat wäre es für uns schön, wenn wir bei einigen der folgenden Bildern, vor allem bei den Personengruppen, Hinweise und Namenslisten erhalten könnten, die wir dann anschließend in unsere Datenbanken einpflegen könnten. Manche allerdings auch nicht und so wäre es schön, wenn wir bei dem einen oder anderen Bild auch eine Rückmeldung erhalten würden.

Signatur Bilderblöcke/KU SW Negative/Ordner Allgemein Stadt und Allgemein

Bildberichte Kötzting Straßen und Plätze



Hier das GANZ alte Schulhaus in der Holzapfelstraße mit dem Pausenhof und der Gärtnerei Großmann dahinter. Nun das
Parkhaus. Das kleine Gebäude mittig, das vor kurzen einem Neubau weichen musste, war das Schlachthaus der Metzgerei Barth.

Altkötzting zwischen Schuhhaus Liebl und der  Firma Schcötz

Kötzting vor der Einbahnstraßenregelung



Viel Parkverbotsschilder gabs damals in der Innenstadt



Dieses und das nächste Bild stammen aus dem Bereich
Zeltendorf - Bachhäuser - Haus.
Vielen Dank für die vielen Zuschriften

Bachhäuser

Es scheint sich um die Auffahrt zum "Stauner" zu handeln, also heutzutage eine steile Teerstraße, die wir alljährlich zur Bühne am Ludwigsberg hinaufschnaufen....

Die Stelle sieht heute auch nicht anders aus, oder?

hier hat sich mit den zwei Neubauten doch einiges verändert, links und
rechts, aber im Prinzip ist es derselbe Aufstieg geblieben.

Das alte Rathausgässchen

Der Jahnplatz, umgepflügt durch Fahrzeuge, noch ohne Teerbelag



Es weihnachtet und alle Häuser erhalten ihren Strom über Dachständer

Rathaus renovierungsbedürftig



Gar nicht so lange her und doch so ganz anders als heutzutage

Pfützenspringen im Zeltendorfer Weg

Erste Ideen für die Marktstraßensanierung




Rathaus/Landratsamt noch ohne Benediktinerbrunnen





Eine von Kötztinge Hauptzufahrtsstraßen 

Mittwoch, 25. November 2015

Die Weihnachtslausbuben von Steinbühl

Im bayr. Staatsarchiv in Landshut gibt es einen Akt mit der Überschrift:

 Abstellung von Unfug in der Christnacht in Steinbühl, 

 


Es beginnt mit einem Schreiben des Steinbühler Hauptlehrers Foerstl - er schreibt sich in alles Briefen mit "oe", klingt vermutlich vornehmer -  an das Bezirksamt in Kötzting im Jahre 1920
Schon seit Jahren bemühe er sich vergeblich darum, einen "groben Unfug" in Steinbühl abzubringen, aber es helfe nichts.
"Alljährlich findet am hl. Abend nacht 1/2 12 Uhr die herkömmliche Christmette statt. Schon um 1/2 10 Uhr kommen zu dieser die Kinder herzu und treiben sich vor der Kirche und dem Schulhaus umher, einen Unfug verübend, der nicht zu beschreiben ist. Sie werfen mit brennenden bengalischen Zündhölzern umher, den ankommenden Kirchenbesuchern hinauf, werfen sogenannte Frösche den Frauen vor die Füße, daß selbe erschreckt aufschreien und verbringen ein Geschrei und Gejohle, daß es ein Hohn auf die stille, heilige Nacht ist. In der Schule wurde dies alle Jahre den Kindern verboten, auch Herr Expositus hat schon von der Kanzel herab diesen Unfug gerügt, doch umsonst. Auf Vorhalt den Eltern gegenüber bekam man zur Antwort," dös is a alter Brauch, den kann man nöt abbringa" 

 Steinbühler Schulbuben in den 50er Jahren










von den Buben waren sicherlich einige in den Folgejahren bei den Spassetteln dabei, im Hintergrund das efeubewachsene und mit Schindeln gedeckte Steinbühler Schulhaus.
Bilder aus der Sammlung des Arbeitskreises Heimatforschung Kötzting


von den Mädchen ist zwar in dem Bericht keine Rede, aber die gehören einfach dazu...
Das dieser "Brauch" wohl tatsächlich schon lange bestand zeigt auch ein Hinweis in der Zeitung von 1906:


Kötztinger Anzeiger vom 21.12.1906  bayrische Staatsbibliothek München



Hauptleher Foerstl wünscht nun ,dass das Bezirksamt an den Bürgermeister herantritt und diesen persönlich verantwortlich machen könnte, dagegen vorzugehen, dies umso mehr, als bei dem Unfug nicht nur die Schulkinder, "sondern auch der Sonntagsschule entlassene halbwüchsige Bürschlein dabei seien, die die kleineren anspornen" und wünscht sich klare Anweisungen für die Ortspolizeibehörde.

Offensichtlich war es nun den vereinigten "Behörden" gelungen, den Kindern und Jugendlichen ihr Gaudium abzugewöhnen und den Älteren ihre besinnliche Mette zu gewährleisten.

hier noch einmal das Steinbühler Schulhaus



ABER

es war nicht von langer Dauer:




























 Kurz vor Weihnachten 1935 berichtet wieder Hauptlehrer Foerstl über den "Groben Unfug in der Christnacht", aber er macht zumindest die Einschränkung, dass es ein alter Brauch sei:
Der Unterzeichnete weiß es, "daß es früher der Brauch war und es auch jetzt noch ist, daß in der Christnacht geschossen wird. Aber ein derartiger grober Unfug, wie er alljährlich in Steinbühl ausgeübt wird, wird wohl anderswo nicht vorkommen. Schon um 10 Uhr geht die Gaudi los. Werkstattschüler, Fortbildungsschüler und ältere Burschen - zuerst einzelne, dann 

 immer mehr, machen mit Werfen von bengalischen Zündhölzern , noch hunderten sogenannter Sternschneuzer, Werfen von Fröschen, begleitet von ihrem Lachen und Freudengeschrei, wenn eine kirchenbesuchende Person getroffen wird, einen Spektakel der jeder Beschreibung spottet. Ein früherer Expositus wollte diesen Unfug schon einmal abschaffen, der Erfolg war, dass die Gaudi nächstes Jahr größer wurde. Das hiesige Schulhaus ist mit Schindeln gedeckt, an der Nordseite mit Epheu bekleidet. Voriges Jahr haben dürre Zweige bereits gebrannt. Vielleicht nimmt sich das Bezirksamt doch dieses groben Unfugs an und läßt durch einen Herrn der Gendarmerie ein wenig nachschauen. Der Polizeidiener hier ist machtlos, wenn er einschreiten will, wird er blos ausgelacht".....

offensichtlich war das "Nachschauen" nicht sehr wirkungsvoll,

mit Datum 3.1.1936  schrieb Andreas Müller von der Gendarmerie Hauptstation Kötzting:
"die Erhebungen ergaben, dass der bezeichnete Unfug auch heuer wieder getrieben wurde. Irgendwelche Täter konnten aber bis jetzt nicht ermittelt werden, auch Hauptlehrer Foerstl konnte keinen der Burschen namhaft machen. Schaden ist nicht entstanden. Sollte die weitere Umfrage noch zu einem Erfolge führen, wird Strafanzeige erstattet". 
Der Schlusssatz kommt bekannt vor: die hiesige Station sei  unterbesetzt gewesen und daher konnte eine Überwachung nicht durchgeführt werden.

 Hauptlehrer Foerstl aber gibt nicht auf, schon im nächsten Jahr schreibt er erneut an die Kötztinger Behörde, denn wieder kommt Weihnachten in Sicht:

"voriges Jahr hat der Unterzeichnete berichtet, daß in Steinbühl während der Christnacht von 10 Uhr von Schulkindern und halbwüchsigen Burschen schon seit Jahren das Werfen von bengalischen Hölzern und Fröschen Mode ist und ein höllischer Spektakel verübt wird. Vielleicht nimmt sich doch heuer das Bezirksamt dieses Treibens etwas an."

Dieses Mal steht auf der Rückseite seines Gesuchs der handschriftliche Vermerk des Bezirksamtmannes (heutzutage des Landrates) Fiesenig:

"an die Gendarmeriestation Kötzting
zur Kenntnis. Im Benehmen mit der Ortspolizei ist für die Unterbindung dieses Treibens Sorge zu tragen."

und diesmal klappt es: zum Jahreswechsel schreibt der Kötztinger Gendarmerie Oberwachtmeister Johann Reindl, "dass Vorkehrungen getroffen wurden. Zwei Feuerwehrmänner wurden angewiesen im Bedarfsfalle einzuschreiten bzw. diesen Unfug von vornherein zu untersagen, was auch voll und ganz erreicht worden war."  Lt. Hauptlehrer Foerstl gab es heuer nichts zu beanstanden.

In Steinbühl war es nun also ruhig geblieben aber dafür lief die Sache in Lohberg und Lam gehörig aus dem Ruder
Im Dezember 1937 beschwerte sich rückwirkend der Lohberger Pfarrer Husterer  ebenfalls "es hätten sich im vergangenen Jahr hauptsächlich Jugendliche und zwar meist schulpflichtige, in der Zeit vor und während des mitternächtlichen Gottesdienstes in unmittelbarer Nähe der Pfarrkirche von Lohberg durch Schiessen, Abbrennen von Feuerwerkskörpern etc allergröbsten Unfug ausgeübt; sogar in der Kirche selbst wurde der Gottesdienst durch derartigen Unfug gestört." Auch dieser Pfarrer bittet für das kommende Weihnachtfest um Polizeischutz.

Offensichtlich passierte ähnliches auch vor den Kirchen in Lam und Haibühl, denn der Gendarmeriewachtmeister Georg Ederer aus Lam, um eine Stellungnahme gebeten, räumt dieses zwar in einem Bericht vor dem Weihnachtsfest 1937 ein, schränkt aber gleichzeitig die Wirksamkeit einer polizeilichen Überwachung ein:

"denn es würden sich zwar wegen der Christmette die jungen Burschen sammeln und sich vor dem Gottesdienste stundenlang in den Straßen der Ortschaften umhertreiben, allerdings zechten die Erwachsenen in dieser Zeit in den Wirtschaften und so kämen auch Betrunkene in die Kirche.
Eine Abordnung nach Lohberg wäre sinnlos, denn: "erstens ist ein Mann bei Dunkelheit gar nichts, er macht sich nur lächerlich, weil die Burschen bald da und bald dort auftauchen und Unfug treiben und dann rasch wieder verschwinden. und
Zweitens ist es nicht anders in Lam und auch in Haibühl und kann die Gendarmerie nicht überall Posten stehen, damit der betreffende Pfarrer nichts hört......
Sollte das Wetter günstig sein, wäre es eventuell. möglich mit dem Kraftrad eine Streife nach Lohberg zu unternehmen. Aber versprechen kann man nicht viel. Die Unruhestifter laufen davon und wenn die Gendarmen wieder fort sind, wird erst recht Unruhe gestiftet. " 

Ein Gespräch über dieses Thema bei dem Lesestammtisch ergab, dass sich einzelne Teilnehmer erinnerten, diesen Volksbrauch zumindest in Haibühl auch noch in den 60er Jahren erlebt zu haben.




🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:
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