Translate

Posts mit dem Label Tutter werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Tutter werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 23. Oktober 2026

Erinnerungen an Altkötzting - Kötzting erhält eine Stadtbücherei

 

Vor 50 Jahren wurde die neue Stadtbücherei eröffnet


  In der Bildersammlung des Stadtarchivs haben sich zahlreiche Momentaufnahmen erhalten, die einen „Blick zurück“ auf das Alltags- und Gesellschaftsleben früherer Jahrzehnte erlauben: auf Handel und Gewerbe ebenso wie auf Feste, Bälle und gesellige Abende, bei denen besonders der Fasching mit seinen Burschenbällen und Abschieden eine prägende Rolle spielte. Neben diesen unbeschwerten Szenen verweisen die Aufnahmen aber auch auf die Herausforderungen, die das Leben in Kötzting über lange Zeit begleiteten.

 


Serwuschok119: Kötztings Bücherei im Alten Rathaus
Foto von 1990

Einschub

Was wir 1976 wussten – und was wir heute wissen

Historische Fotografien halten einen Augenblick fest, aber sie erzählen nicht die ganze Geschichte der Menschen, die darauf zu sehen sind. Werner Tutter war 1976 eine bekannte Persönlichkeit des Kötztinger öffentlichen Lebens und spielte im Umfeld der Volkshochschule auch bei den Bemühungen um eine eigene Stadtbücherei eine maßgebliche Rolle.

Erst Jahrzehnte später kamen Hintergründe seiner Biografie ans Licht, die dieses öffentliche Bild grundlegend erweiterten und infrage stellten. Die nachfolgenden Aufnahmen sollen die Geschichte der Bücherei in ihrem damaligen Zusammenhang zeigen. Dass wir heute mehr über einen der Beteiligten wissen als die Zeitgenossen von damals, gehört ebenfalls zu einer verantwortungsvollen historischen Betrachtung.

Einschub Ende



Frau Renate Serwuschok berichtete in der Umschau vom 23.12.1976  über eine Pressekonferenz anlässlich der Eröffnung der Kötztinger Stadtbücherei im Alten Rathaus.

Kötzting (na). Die Fernsehwelle ebbt ab. Man liest wieder. Der Umsatz auf dem Büchermarkt kann dafür zwar kein verbindlicher Gradmesser sein, weil mit Literatur im Regal, schweinsledergebunden oder leinenverpackt, häufig genug nichts anderes als Eindruck geschunden wird, aber die Zahlen sind es, die von den Büchereien über das Ausleihgeschäft genannt werden. Das gilt auch für die „blutjunge“ Stadtbücherei im Alten Rathaus, der die Initiative und Beharrlichkeit des örtlichen Volksbildungsleiters Werner Tutter zu Gründung und Aufbau verholfen hat. Der Start ist gelungen, die Anfangsschwierigkeiten sind beseitigt, der Betrieb läuft. 1500 Bände warten darauf, von „Leseratten gefressen“ zu werden. In einer Pressekonferenz wurde das Ergebnis mühevoller Vorbereitungen der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Der Vorsitzende der Volkshochschule im Altlandkreis gratuliert dem Volksbildungsleiter zu seiner erfolgreichen Arbeit und der schönen Bücherei. Von rechts (außer den Kindern, die sich gerade Lektüre für die Weihnachtstage geholt haben): Landrat a. D. Nemmer, Stadtrat Zimmermann, Amtmann Graßl, Werner Tutter und der ehrenamtliche Büchereileiter Walter Kleiser.

VHS-Leiter Tutter konnte auch den Vorsitzenden der Volkshochschule im Altlandkreis Kötzting, Landrat a. D. Rudolf Nemmer, 2. Bürgermeister Klaus Heiduk, Stadtrat Helmut Zimmermann und Stadtamtmann Fritz Graßl begrüßen. Ausleihkunden, die sich am Dienstagnachmittag schon für Weihnachten mit Lektüre eindecken wollten, wurden spontan zur Teilnahme am Umtrunk eingeladen. Die appetitlichen Happen hatte Susanne Kleiser angerichtet. Die kleine Feier gab Gelegenheit zu angeregten Gesprächen, die sich vor soviel „gedrucktem Geist“ vornehmlich um Fragen über das kulturelle Leben der Stadt drehten.
Zuvor aber „blätterte“ Werner Tutter zurück bis auf jene Seite im Geschichtsbuch der Kötztinger Büchereien, auf der die Schließung der ehemaligen Kreishauptbücherei vermerkt steht. Das liegt schon gut vier Jahre zurück. Eine weitere Verödung auf diesem Gebiet hätte das noch vorhandene Interesse an einer solchen Einrichtung total einschlafen lassen. Deshalb versuchte die VHS, zu retten, was zu retten war – vor allem 850 Bände aus den alten Beständen, die sich inzwischen nahezu verdoppelt haben durch Neuankäufe und günstige Antiquariate. 432 Bücher sind noch beim Einbinden. Der Aufruf an die Bürgerschaft um Spenden hat ein unerwartet starkes Echo gefunden. Auf diesem Wege vermehrte sich das literarische Grundkapital um weitere 453 Exemplare.

 

Die Bücherausgabe funktioniert bereits tadellos

Am Ende jedoch einsehen gelernt

Die Zentralstelle für das Büchereiwesen folgte den Aktivitäten nicht mit uneingeschränktem Wohlwollen. Die Experten aus Regensburg wollten ihrerseits die „optimale Lösung“ mit einer hauptamtlichen Kraft durchsetzen. Sie widersetzten sich zunächst dem Plan, die beim Gymnasium etablierte Bücherei zu dezentralisieren. Am Ende hätten sie jedoch einsehen gelernt, dass Kötzting auf eine Stadtbücherei im Zentrum nicht verzichten könne. Werner Tutter argumentierte geschickt. Er versuchte, den Verhandlungspartnern klarzumachen, dass der Weg ins Gymnasium viel zu weit sei, um ein Ausleihgeschäft über den schulischen Rahmen hinaus anzukurbeln. (Zwischenruf von Stadtrat und Oberlehrer Zimmermann: „Wer geht schon gern in die Schule, wenn er nicht muß!“) Und er überzeugte sie auch, daß kein Geld vorhanden ist, um einen Bibliothekar zu bezahlen. Improvisation sei besser als gar nichts. Später könnte die Bücherei im städtischen Kurhaus (alte Landwirtschaftsschule) untergebracht werden, in der Nachbarschaft von diversen Konferenz-, Aufenthalts- und Leseräumen.

Vorerst würden die Räume im Alten Rathaus vollauf genügen. Sie wurden im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten ausgestattet und gewinnen durch die ständige Kunstausstellung, bei der der Kötztinger Ehrenbürger August Philipp Henneberger das Primat hat, auch buchstäblich an Farbe. Volksbildungsleiter Tutter bedankte sich bei Bürgermeister Seidl und den Stadträten für ihre Aufgeschlossenheit und den einen Zuschuss von 1500 Mark. Er würdigte das Engagement des Ehepaares Susanne und Walter Kleiser, das ehrenamtlich schon hundert Arbeitsstunden geleistet hat, und rechnete sich auch eine finanzielle Unterstützung durch den Landkreis aus, weil nachgewiesen werden könne, dass überall im Altlandkreis in Fachbüchern nachgeschlagen und in Romanen geschmökert wird, die aus der Kötztinger Stadtbibliothek stammen.

Der Vorsitzende der Volkshochschule, Rudolf Nemmer, beglückwünschte Werner Tutter zu seiner erfolgreichen Tätigkeit. Die Gebietsreform habe auf vielen Gebieten schicksalsschwere Veränderungen mit negativen Folgen gebracht. Um so höher sei deshalb der Erfolg einzuschätzen, der den Anstrengungen der VHS beschieden ist, das kulturelle Niveau zu halten und kontinuierlich zu steigern. Auf diese erfreuliche Tatsache und auf den neuen „Umschlagplatz für Literatur“ wurde dann das verdiente „Hoch“ ausgebracht und mit einem guten Tropfen angestoßen.

Natürlich gab es in Kötzting bereits früher Möglichkeiten sich Bücher auszuleihen. Ich erinnere mich an eine kleine Schulbibliothek in der Holzapfelschule im ersten Stock und auch die evangelische Kirchengemeinde bot diese Leistung an, wie Zeitungsberichte aus dem Jahre 1969 belegen
.
Hier der damalige Pastor der Evangelisch.lutherischen Kirchengemeinde Kötzting ins einer Bücherei:

Im Jahre 1986 konnte der damalige Bürgermeister Karl Seidl den 1000sten Leser begrüßen und beglückwünschen.
KU vom 26.4.1986

Natürlich sollen auch die späteren Leiter der Kötztinger Bücherei hier ihren Platz finden:


Serwuschok117: Erich Baley, der noch den Umzug der Bücherei in die Brandstraße miterleben durfte, bevor er so überraschend verstarb.

Auf die überraschend vakant gewordene Stelle bewarb sich erfolgreich Siglinde Becker. Seit 1999 leitet sie die Kötztinger Bücherei. Keine leichte Aufgabe, zumal die Bücherei aus dem Stadtzentrum in Räume der ehemaligen Bundeswehrkaserne verlegt wurde. Dass sie ihre Arbeit auch unter diesen erschwerten Bedingungen erfolgreich fortsetzte, verdient besondere Anerkennung.

Foto Stephan Weber: Frau Siglinde Becker, die "Chefin" der Kötztinger Bücherei seit 1999

Mit dem Abbruch und dem inzwischen laufenden Neubau des Kötztinger Parkhauses wurde auch ein völlig neues Konzept für die Stadtbücherei entwickelt. Voraussichtlich im Frühjahr 2027 soll die neue Bücherei eröffnen und mit ihrem 24/7-Konzept neue Maßstäbe setzen. Die Möglichkeit, die Bücherei unabhängig von festen Öffnungszeiten zu nutzen, eröffnet den Leserinnen und Lesern ein Höchstmaß an Flexibilität: Ob früh am Morgen, spät am Abend oder am Wochenende – der Zugang zum Lesestoff richtet sich künftig nach dem persönlichen Tagesablauf und nicht mehr umgekehrt. Moderne Selbstbedienungstechnik ermöglicht dabei eine weitgehend eigenständige Nutzung. Zusammen mit der nachhaltigen Architektur des Neubaus entsteht so eine Bücherei, die sich konsequent an den Bedürfnissen der Menschen orientiert und einen wichtigen Schritt in die Zukunft des öffentlichen Bibliothekswesens markiert.

Foto Stephan Weber: v.l Karl-Heinz Lummer - Simona Gogeißl - Bgm Markus Hofmann vor dem fast fertiggestellten neuen Büchereigebäude (Mit Café und Terrasse übrigens)


Mit Frau Simona Gogeißl konnten die Verantwortlichen nun die Weichen für die Zukunft stellen und die Kötztinger Bücherei wird damit wieder ins Zentrum der Stadt rücken.



🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:
Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken.

⭐ Kötztinger Allerlei  Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Kötztinger Allerlei auf dem Standort der neuen Stadtbücherei zu finden


Nicht jede Geschichte lässt sich einer festen Kategorie zuordnen. Die Markergruppe Kötztinger Allerlei versammelt besondere Fundstücke, kuriose Begebenheiten, interessante Entdeckungen und bemerkenswerte Episoden aus der Geschichte Bad Kötztings. Gerade diese Vielfalt macht oft den besonderen Reiz historischer Spurensuche aus.

Viel Freude beim Entdecken!

``` 🗺️ Interaktive Karte Kötzting öffnen ```