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Samstag, 24. März 2018

Das "obere" Bad und der Badbrunnen

Das Kötztinger Bad und sein Badbrunnen
alte Hausnummer 100




Auf dem Ausschnitt des Lageplanes (Vermessungsamt Cham Ort_Koe_1831_K62 Uraufnahme Kötzting von 1831 ) sieht man das Haus mit der laufenden Nummer 100, zufällig ist die SW Aufnahme, die aus der REPRO Sammlung des Arbeitskreises Heimatforschung Kötzting stammt, aus derselben Perspektive aufgenommen. Auf dem Plan ist weiterhin ein Brunnen eingezeichnet, der auf dem Marktplatz liegt. Dieser Spital bzw. Badbrunnen war, anders als die vielen anderen Brunnen innerhalb des Marktes Kötztings ein Schöpfbrunnen, der aus Grundwasser gespeist wurde. Die anderen Brunnen in der Marktstraße hingen wie Perlen an einer Kette an einer hölzernen Wasserleitung, die von außen- aus den Wäldern rund um Gradis - in den Markt herein geführt wurde.
Kötzting hatte über all die Jahrhunderte zwei Badstuben. Noch im 16. Jahrhundert (1573) befand sich das "obere" Bad im Bereich des Marktplatzes, vermutlich neben der St. Veitskirche. Für diese Badstube findet sich aber dann im 17. Jahrhundert kein Nachweis mehr. Nachweislich ab 1672 findet sich aber, gelegen am Regen, eine zweite "Behausung mit Padtgerechtigkeit", auf die der schon in zweiter Generation tätige Wundtarztt Romanus Schlögner im April 1700 eine Hypothek annimmt. 
Grundsätzlich ist aber zwischen den historischen "Badstuben" Kötztings, von denen es 2 gegeben hat und den späteren Badbehausungen bzw. Häusern mit Bad- bzw. Badersgerechtigkeit zu unterscheiden.
Die alten, mittelalterlichen Badstuben entsprechen am ehesten noch dem Bild, das wir heute uns von einem Bad machen, ein Ort um in einer Wanne mit warmen Wasser sich zu säubern, bzw. säubern zu lassen und es sich - in Gemeinschaft oder alleine - im Wannebad gut gehen zu lassen. Der Bader, der solch eine Badstube zählte zu den unehrenhaften Berufen. Aus diesem Grunde ist auch die Aufregung über die Verlobung des Herzogssohns in Straubing mit der Baderstochter Agnes Bernauer zu verstehen, mehr als nur eine Heirat unter Stand, es wurde als Skandal angesehen.
Spätere Bader gehörten wie die Chirurgen und Wundärzte zum medizinischen Sektor und wurden vor Allem bei Krankheiten und Verwundungen benötigt und in Anspruch genommen.