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Freitag, 14. August 2026

Therese Pritzl - Michael Heigls unerschütterliche Geliebte

 Therese Pritzl

Ich möchte hier gleich vorausschicken, dass ich einige der persönlichen Dokumente, auf denen dieser Beitrag über Therese Pritzl beruht, von Alfred Silberbauer („Gwasch“) aus Rimbach erhalten habe. Er hat insbesondere die Hohenwarther Kirchenbücher intensiv ausgewertet, schon vor Jahren den genauen Geburtsort Michael Heigls ermittelt und mir darüber hinaus eine Fülle weiterer Unterlagen zur Verfügung gestellt. Dafür gebührt ihm mein herzlicher Dank.
Hier zunächst der Link auf die bisher von mir veröffentlichten Beiträge zum Thema Michael Heigl aka der Räuber Heigl.

Nach einem fulminanten Abend auf der Burgruine Runding mit der Band Woidbluad und ihrem Song von der "Roudn Res" hier noch ein kleiner link zum Lied als Einstieg in den Beitrag über die junge Frau.




Hier noch der link auf den Instagrambeitrag mit einem Teil des Liedes von Woidbluad über Therese Pritzl

Der Name „roude Res“ – mir bis heute ein Rätsel

Schon seit Langem beschäftigt mich die Frage, woher die Bezeichnung „roude Res“ eigentlich stammt – und vor allem, wann diese erstmals für Therese Pritzl verwendet wurde. Trotz intensiver Recherchen konnte ich in den zeitgenössischen Quellen keinerlei Hinweis darauf finden, dass die junge Mutter zu ihren Lebzeiten oder auch nur kurz danach unter diesem Beinamen bekannt gewesen wäre.

Deshalb neige ich inzwischen zu der Vermutung, dass dieser „Kampfname“ überhaupt nicht aus der Zeit Michael Heigls stammt. Vieles spricht vielmehr dafür, dass die Bezeichnung erst Anfang des 20. Jahrhunderts – aus welchem Anlass auch immer – aufgekommen ist.
Der erste Hinweis auf diesen Namen, den ich kenne,  stammt aus dem bekannten Räuber Heigl Lied "Der Heigl war kein böser Mann", das dem "Waldbua Franz Schwarz" zugeschrieben wird, bzw. ihn als den Entdecker dieser Moritat bezeichnet.  Dieser war mit seinen Liedern und Gstanzln in den 20er und 30er Jahren in Kötzting und drum herum sehr erfolgreich und sicherlich in der Lage gewesen solch einen Namen auf diesem Wege in den Kötztinger Sprachgebrauch einzuführen und dann auch zu verankern.

Noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war es wohl durchaus noch ein Reflex, nicht auffindbare Gegenstände dem Räuber Heigl zuzuordnen, und sei es nur aus Spaß und Fopperei.
Und so bleibt am Ende nur noch das Lied vom Heigl, der danach nur ein braver Mann gewesen sein soll.
Der Autor war mit hoher Wahrscheinlichkeit der "Waldbua" Franz Schwarz, der gleich bei Kriegsbeginn des Zweiten Weltkriegs in Holland einem Verkehrsunfall zum Opfer gefallen war.

Ein "Beitrag für unsere Feriengäste" in der Kötztinger Zeitung von KB Krämer aus dem Krämerarchiv.
KB Krämer schreibt darin, das Franz Schwarz das Lied in einem Moritatenbüchlein in Grafenwiesen gefunden habe.


Arbeitskreis Heimatforschung: links Franz Schwarz, der Waldbua.
Hier in der Kötztinger Metzstraße. 

 Trotzdem bleibt das Ganze für mich eigentlich ein bis heute ungelöstes Rätsel der Heigl-Überlieferung vor allem vor dem Hintergrund der historischen Personenbeschreibung Therese Pritzls aus den Prozessakten, die so gar nicht auf eine "Roude" passen will.

Fangen wir zunächst an mit der Suche nach ihrer Geburt:

Die beim Strafprozess im Juni 1854 als 22 bis 23 Jahre alte Angeklagte bezeichnete Inwohnerstochter Therese Pritzl aus Gotzendorf müsste demnach um das Jahr 1831 geboren worden sein.
In den Geburtsmatrikeln von Hohenwarth lassen sich im fraglichen Zeitraum gleich 2 Geburten einer Therese Pritzl belegen. Bei einer Geburt heißt der Vater Michael P. und bei der anderen Josef.
Wir kennen aus den Polizeiakten den Vornamen des Vaters - Josef - , daher können wir mit Sicherheit eine der beiden Mädchen ausschließen,

Sammlung Silberbauer: Geburtsmatrikel Hohenwarth 

 handschriftlicher Zusatz: "legitimata per subsequens matrimonium 26ten Februar 1840" also: "durch nachträgliche Verehelichung legitimiert".


Die Taufpatin war Walburga Achatz, eine Inwohnerstochter von Hudlach.

Durch diesen Hinweis auf die spätere Eheschließung der beiden, kann auch dieser Eintrag gefunden werden.

Sammlung Silberbauer: 

Am 23. Februar 1840 heirateten der auf Hausnummer 30 in Gotzendorf wohnende Inwohner Joseph Pritzl, Sohn des Gotzendorfer Inwohners Michael Pritzl und dessen Ehefrau Anna Maria, geborene Spindl aus Unterzettling, sowie die Inwohnerstochter Theresia Herlich aus Arrach. Sie war die unehelich geborene Tochter der Anna Gotz aus Arrach und des Dienstknechts und Soldaten Stephan Herrlich aus Döschernitz.

Als Trauzeugen fungierten Andrä Geiger aus Gotzendorf und Benedikt Armansberger.

Das Haus mit der Hausnummer 30 in Gotzendorf ist der sogenannte "Bergpritzl" und als solcher auch bereits im Jahre 1830 in der ältesten Karte eingetragen.

Detail aus Bayernatlas historisch

Oben links ist übrigens das Laumerhäusl zu erkennen, das bekannte, bis heute erhaltene kleine Haus direkt an der Straße. Dort wohnte nachweislich auch Josef Pritzl, der wegen seiner nachgewiesenen Verwicklungen in Heigls Machenschaften immer wieder auf behördlichen Druck aus dem Haus verwiesen wurde. Das Laumerhäusl (Hausnummer 29½) war ein sogenanntes Inhaus, das zum Bauernhof mit der Hausnummer 29 mitten in Gotzendorf gehörte.



Schaut man in den Grundsteuerkataster so findet sich dort als Besitzer des Hauses ein Josef Geiger.
Der Bauer - eher Söldner, da das Anwesen eher von kleinerer Natur war - Josef Geiger hatte also die Pritzlfamilie als Inwohner bei sich auf dem Hof.

StA Landshut Grundsteuerkataster 8-14-1 Gotzendorf mit Reitenstein und Arndorf

Die Familie Pritzl hatte mehrere Kinder:
1. Therese, geboren am  11.12.1831
2. Katharina, geboren am 27.2.1834  (die Mutter wird als Ehrlich, nicht Herrlich bezeichnet)
3. Barbara, geboren am 11.4.1838 (die Mutter wird als Ehrlich, nicht Herrlich bezeichnet)
4. Franz, geboren 6.2.1841
5. Franzisca, geboren am 18.1.1843
6. Josef, geboren am  16.3.1845  
7. Anna, geboren am 5.1.1847 und
8. Andreas, geboren am 23.12.1849

Schon im Sommer 1843 – die Resl ist damals gerade einmal zwölf Jahre alt – hält sich Michael Heigl, zu dieser Zeit ein 27-jähriger junger Mann, nachweislich zusammen mit seiner damaligen Freundin Anna Maria Gruber beim „Bergpritzl“ auf. Beide können sich einer drohenden Verhaftung nur durch eine schnelle Flucht entziehen.
Daraus lässt sich zumindest schließen, dass die junge Resl den großen und kräftigen Michael bereits seit einigen Jahren gekannt haben dürfte. Ob sie ihn damals heimlich bewunderte, wird sich zwar kaum jemals beweisen lassen, erscheint aber durchaus nicht ausgeschlossen.

Foto Pongratz: der "Bergpritzl"


Wie lange diese „Annäherungsphase“ gedauert hat, wissen wir nicht. Spätestens ab dem Jahr 1847 scheint es jedoch zwischen den beiden „gefunkt“ zu haben. Denn nachweislich beginnt in diesem Jahr die Beziehung zwischen Michael Heigl und der jungen Pritzl-Tochter, wie die polizeilichen Akten eindeutig belegen:


15.3.1847    Brigadier Haas: Heigl ist oft im Laumerhaus, dessen Besitzer Josef Pritzl heißt.
20.4.1847    Im Protokoll des Landrichters Carl von Paur unter Punkt
4:  Das Laumerhäusl zu Gotzendorf, Eigentum das Gemeindevorstehers von dort ist von den gegenwärtigen Bewohnern Resch und Pritzl, als bekannte Diensthehler, der beiden gemeinen Verbrecher augenblicklich zu räumen und in dasselbe Inhaus sind künftig nur Inleute von gutem Leumund mit landgerichtischer Bewilligung einzunehmen.

Foto Pongratz: das "Laumerhäusl"


April 1847: Fund von Gegenständen (Laumerhaus in Gotzendorf) aus dem Raub bei den Schäfferischen Eheleuten in Amesberg, bei Resch Alois >>>> die Vernehmung bestätigte dieses.
1.5.1847: Josef Resch, lediger Inwohnerssohn im Laumerhaus, wird verhaftet
6.5.1847: Eine gewisse Theres Pritzl Inwohnerstochter des schon erwähnten Josef Pritzl wird beschuldigt, mit Heigl öfters zusammenzukommen
Mai 1847: Anzeige, dass die Inwohnerseheleute Resch und Pritzl dem Befehle, das Laumerhaus zu verlassen, nicht gefolgt seien >>>> wurden mit Zwang aus dem Hause entfernt.
Mai 1847:  Die Verhaftung des Josef Pritzl aus dem Laumerhaus und des Georg Pongratz von Kager wird beschlossen.
6.6.1847: Nach Gendarmerieberichten soll die Inwohnerstochter Theres Pritzl von Gotzendorf mit Heigl in Verbindung stehen: Hausdurchsuchung angeordnet: man fand: Seidenzeug, und Geld. >>> verhaftet und vernommen, sie gestand ein Liebesverhältnis mit Michael Heigl und den Empfang dieser Gegenstände durch ihn, insbesondere ein Herzl von Filigran. Wurde sofort verhaftet und die ganze Familie unter Polizeiaufsicht gestellt.
19.6.1847: Auszug aus dem Protokoll des Carl von Paur: Lt. Aktenlage Inwohner Joseph Pritzl von Laumerhäusl bei Gotzendorf war wohl der Hehler und Unterschlupfgeber des Heigl und mehrere Gegenstände und Geld, die der Tochter Theres Pritzl im Himmelreich abgenommen worden waren, hatte ihr, nach ihrem Geständnis, Michael Heigl zur Aufbewahrung übergeben und stammten von dem Raube bei Pirka.

Bereits seit Monatsanfang war die ganze Familie Pritzl in Gotzendorf unter Polizeiaufsicht gestellt worden, und nun diese peinliche Situation:
"13/14 Juli 1847  Anzeige der Gemeinde Gotzendorf, dass Theres Pritzl aus dem elterlichen Hause sich entfernt habe."

Nach der Therese Pritzl wurde nun ebenfalls gefahndet und wenige Tage vorher waren bereits bei der Anna Maria Gruber von Reitenstein "verschiedene Effekten" gefunden worden. A.M. Gruber wurde nun verhaftet und vernommen, doch nach einigen Tagen wieder auf freien Fuß gesetzt. 
MH hielt wohl zu der Zeit noch Kontakt zu beiden Frauen; auf seine Flucht nahm er aber wohl nur die junge Therese Pritzl mit; A.M. Gruber hatte ja auch noch Kinder zu versorgen.
Mit dieser Nachricht, dass Therese Pritzl von Zuhause verschwunden sei, enden zunächst die Nachrichten im Gendarmerie-Report im Juli des Jahres 1847. 
Es kehrt Ruhe ein im Landgericht Kötzting , bis zum nächsten  - vermuteten - Auftauchen Heigls im Sommer des drauffolgenden Jahres.

 

Einschub:
Die Kinder Michael Heigls

Die "gesicherten" Kinder des Michael Heigl mit Anna Maria Gruber und Therese Pritzl:
"Auszüge aus dem Taufregister (PfA Bad Kötzting, Mikrofiche)

MF 697/98:

Heigl Michael, illeg., geb. 16.11.1836 (Taufmatrikel S. 84)
    Vater: Michael Heigl, Inwohnerssohn, Beckendorf (d. Z. in der Fronfeste zu Kötzting)
    Mutter: Anna Maria Gruber, eine uneheliche Einwohnerstochter, Reitenstein

Heigl Christoph, illeg., geb. 3.5.1839 (S. 110)
    Vater: Michael Heigl, Inwohnerssohn, d. Z. in Reitenstein
    Mutter: Anna Maria Gruber, eine uneheliche Einwohnerstochter, wieder unehl.
        Einwohnerstochter, von Reitenstein – 2. Mal

Heigl Theres, illeg., geb. 20.11.1840 (S. 130)
    Vater: Michael Heigl, Inwohnerssohn, d. Z. in Reitenstein
    Mutter: Anna Maria Gruber, eine uneheliche Einwohnerstochter, wieder unehl.
        Einwohnerstochter (Abdeckerstochter), von Reitenstein – zum 3. Mal

Heigl Georg, illeg., geb. 15.1.1842 (S. 149)
    Vater: Michael Heigl, Inwohnerssohn, d. Z. in Reitenstein
    Mutter: Anna Maria Gruber, eine uneheliche Einwohnerstochter, wieder unehl.
        Inwohners (Abdecker) Tochter – zum 4. Male

MF 714:

Heigl Georg, illeg., geb. 5.1.1853 (S. 39)
    Vater: Inwohnerssohn, Beckendorf
    Mutter: Theres Pritzl, Einwohnerstochter, Gotzendorf

Therese Pritzl scheint jedoch schon Jahre zuvor Kinder auf die Welt gebracht zu haben, auch wenn sich dies in den Pfarrmatrikeln nur "in Klammern" nachweisen lässt.
Im März 1849 wird in der Pfarrei Rimbach ein Findelkind getauft, bei dem eine Zusatz (Heigl?) schon mal den Verdacht in eine Richtung lenkt.

Sammlung Silberbauer:  Pfarrmatrikel Rimbach

"Franziska * 17. März 1849

Dieses Kind ist Nachts 7 Uhr  13. März bei Franz Stoiber mit einer tiefen Wunde am Kopf heimlich gelegt worden in HUndzell
Der wirkliche Vater und die wirkliche Mutter fehlern
(Heigl?)

Gut ein Jahr später - am 18. April 1850 - ist in der Pfarrei Rimbach erneut eine Geburt eines Findelkindes vermerkt, und auch hier trägt der Pfarrer - oder ein nachträglicher Schreiber - bereits seine Vermutung, dass Michael Heigl der Vater sein müsste/könnte dem Eintrag hinzu.
Sammlung Silberbauer: Pfarrmatrikel Rimbach 

 Kind; Carolina, illeg
unbekannt der Vater: handschriftlicher Zusatz: Heigl - Räuber - Kaitersberg
Mutter: Therese Pritzl

Inwohnerstochter Gotzendorf
24.4.1850
Patin: Theres Schmatz, Inwohnerin von Gotzendorf
wurde in der Nacht v. 23. und 24. April im Hause Nr. 27 zu Gotzendorf eingelegt und war etwa bis zur Taufe 5 bis 6 Tag alt.
Einschub Ende

Im Mai 1850 begann dann – nach zwei Jahren relativer Ruhe im Landgerichtsbezirk – erneut die Suche nach Michael Heigl und Therese Pritzl. Dieses Wiederauftauchen des Paares fügt sich zeitlich gut zu dem im März desselben Jahres dokumentierten Findelkind. Zwar lässt sich ein unmittelbarer Zusammenhang nicht belegen, doch spricht die Chronologie durchaus dafür, dass Therese Pritzl für ihre Niederkunft – und die spätere Aussetzung des Kindes – bewusst ihre heimatliche Umgebung aufsuchte.

Therese Pritzl taucht dann erst wieder im September 1851 in den Akten auf, als das Paar mit einer Gendarmenpatrouille zusammenstieß, die für Heigl mit einer Verwundung am Arm endete, so dass er sein Gewehr verlor, welches ihm aber seine Therese retten konnte.
Im Protokoll des Zusammentreffens ist auch TP erwähnt:

Seitlich am Rande ist auch die Beteiligung der Therese Pritzl erwähnt:

"Die Geliebte des Heigl entkam mit dessen Gewehr, das er, an den Armen verwundet, fallen ließ"


 Trotz seiner Liaison mit Therese Pritzl scheint MH seine frühere Freundin und die Mutter einiger seiner Kinder, Anna Maria Gruber, nicht ganz aus den Augen lassen zu wollen, denn am 4. September 1852 stattete er ihr einen besonderen Besuch ab, der nicht ohne Folgen geblieben war, sowohl bei Frau Gruber als auch in seinem eigenen Strafregister.

7.9.1852 Körperverletzung zum Schaden der Anna Maria Gruber seiner früheren Concubine am 7. September 1852
Unter Eid vernommen benennt sie als Thaeter den Michael Heigl, der ihr aus Rache diese Mißhandlung zugefügt habe.  Arbeitsunfähigkeit 16 Tage
Beruht auf Vernehmung des Heigl.

Es hat aber den Anschein, als ob MH seine Resl immer wieder auch bei ihren Eltern im Hause Bergpritzl abgeliefert hat, denn im 26. Oktober 1852 heißt es:

 26. Oktbr 1852: Durch Gendarmerierapport v. 26. Okt wurde der Häusler Pritzl v. Rosenau, der Bruder Wolfgang Heigl, der Häusler Pritzl, beim Bergpritzl genannt, der Häusler Paul Pritzl, beim Pritzl Pauli genannt, der Bierwirth Joseph Hastreiter zu Kötzting, Theres Pritzl led. v. Gotzendorf, der Verbindung mit Heigl angeschuldigt.
Aufgrund der daraufhin eingeleiteten Strafmaßnahmen und der Ausschreibung Therese Pritzls liegt die Vermutung nahe, dass sie sich – zu diesem Zeitpunkt bereits wieder hochschwanger – unmittelbar nach der Hausdurchsuchung und der damit verbundenen Gefahr einer Gefängnisstrafe wieder zu Michael Heigl begeben hat. Vieles spricht dafür, dass das Paar von da an nahezu ununterbrochen zusammenblieb – bis zu seinem bitteren Ende.

Am 12. Dezember 1852 ereignete sich in Pirka der verhängnisvolle Zusammenstoß zwischen Michael Heigl und dem Brigadier Sommer, den dieser nur schwer verletzt überlebte. Die anschließenden Ermittlungen brachten ans Licht, dass sich auch Therese Pritzl am Tatort befunden hatte. Für den Kötztinger Landrichter Carl von Paur war dies Anlass, die junge Frau künftig nicht mehr lediglich als Begleiterin Heigls zu betrachten. In seinem mehrere Punkte umfassenden Programm zur Verbesserung der Sicherheitslage im Landgerichtsbezirk widmete er ihr daher einen eigenen Abschnitt:

"2. Über die Theresa Pritzl von Gotzendorf: .... so wurden alle ergriffenen Verfolgungsmaßregeln auch auf diese Person derselben in der umfassendsten Weise ausgedehnt, wie eine hohe Kreisstelle aus dem Berichte des zur Organisierung der Streifen dahier längere Zeit anwesenden Gendarmerieleutnants Fürst von Deggendorf mittlerweile gnädigst entnommen haben wird. Ihrer speziell in den bisherigen Berichten zu erwähnen, hielt man nicht für nötig, da sie bisher für minder gefährlich gehalten wurde, und sie erst bei der jüngsten stattgefundenen Verletzung des Brigadier Sommer von Viechtach ihre Verwegenheit und hohe Gefährlichkeit an den Tag gelegt hat.

 Nachdem die Aussetzung des 6 Tage alten Säuglings am 11.1.1853 (errechneter Geburtstermin war dann der 5.1.1853) passierte, war Therese Pritzl bei der Schießerei in Pirka im Dachgeschoss des Bauernhauses wohl bereits im 9. Monat schwanger gewesen.

Aus den Akten ergibt sich ein interessantes Detail über die sechs Tage zwischen der Geburt des Kindes am 5. Januar 1853 und seiner Aussetzung am 11. Januar 1853. Die Kötztinger Gendarmen hatten sich wegen ihrer erfolglosen Jagd auf Michael Heigl den Spott der Bevölkerung gefallen lassen müssen. Als einige von ihnen daraufhin ihren Unmut in Übergriffen entluden, leitete die Behörde eine Untersuchung ein. Im Zuge dieser Ermittlungen wurde eine Zeugenaussage protokolliert, die überraschende Einblicke in die dramatischen Geschehnisse jener Januartage gewährt, kurz vor und nach der Entbindung
.
"Generalia: 34 Jahre alt, Schachtelmacher aus Ansdorf, welcher vereidigt wird.

Ich kam am fraglichen Sonntag 9ten Jänner nachts von Neukirchen nach Hause nach Hohenwarth und erfuhr von meinem Weibe, daß sich die Theres Pritzl bei ihren Eltern im Zuhaus beim Hauserbauern Pöschl in Gotzendorf aufhalte und daß sie der Heigl dort abholen werde. Ich habe mich entschlossen noch abends den 2 Gehstunden weiten Weg hierher zu nehmen, bekam dann auf meine Anzeige vom Landgericht sogleich Gendarmen mit und ging mit diesen und mit dem Marktdiener, im Ganzen 9 Mann, nach Gotzendorf; ich habe den Brigadier genau instruiert, allein statt nach meiner Weisung beim Zuhäusl anzufangen, haben sie zuerst beim Bauer Pöschl selbst visitiert und die ganze Sache war dann fruchtlos. Nach den späteren Zugeständnissen meiner Schwiegermutter war Heigl damals wirklich gekommen und mit der Pritzl entwichen, während die Gendarmerie ungeschickter weis vorn beim Bauern umherwirtschaftete.
Ich muß noch beifügen, daß mir meine Schwiegermutter Theres Ruprecht, Inwohnerin von Gotzendorf erzählte, daß die Pritzl mit dem Heigl schon an Hl Dreikönigtage zu ihr kam und ins Häusel hinein wollte, um wiederzukommen, weil ihre Geburtswehen schon begannen, daß sie aber die Pritzl nicht hineingelassen hätte."







Therese Pritzl ist wieder Zuhause.

Ganz besonders interessant ist eine Meldung in dieser Polizeistatistik - undatiert, aber nach einem Eintrag vom 17.2. - noch unter "Februar" - eingeschrieben - über Therese Pritzl.


"Um diese Zeit wurde Theres Pritzl, Hüterstochter von Gotzendorf /:Gem. v.d.:/ der Verbindung mit Heigl dringend verdächtig, arretiert, vorgeführt.
Wurde vernommen, detiniert, ihre Einweisung ins Arbeitshaus beschlossen, die aber nicht beschäftigt werden kann, da sie mittlerweile erkrankte.   
Akte bei der k. Regierung"

Therese Pritzl war also offensichtlich nach ihrer Niederkunft wieder nach Hause heimgegangen oder gebracht worden; das Baby hatte Michael Heigl dann beim Weidenhofbauer ausgesetzt.
Bei der damalig noch sehr schlechten (Nach-) Behandlung von Müttern nach der Geburt, die in ihrem Falle ja ihr Kind auch noch auf der Flucht zur Welt zu bringen hatte, war es kein Wunder, dass sie anschließend noch für lange Zeit als "arbeitsunfähig" krank eingestuft wurde.

Michael Heigl  und Therese Pritzl werden gefasst


Am 17.Juni 1853 ist es vorbei mit der großen Freiheit, Michael Heigl und Therese Pritzl werden bei einem heimlichen Flussübergang gesehen und dann beginnt die letzte große Jagd auf den Heigl. 

Mit dem folgenden Telegramm - es wird rest am 19.6. weitergeleitet -  wird München über den Aufgriff informiert. Es dauerte also ganze zwei Tage, bis die Nachricht von der Verhaftung Heigls von Kötzting bis an die höchste Stelle in München gelangt war.



Tele. Dep. dz Landshut den 19/6 7 Uhr 30 M vorm.
                      München den 19/6 7 Uhr 40 M

Hpt. Frays beehrt sich mitzutheilen
daß Heigel in Ktz arret. wurde

Note ad acta
/: wurde die telegr. Dep. mittelst Remisse

dem k. St, Mst. d. I. vorgelegt :/


Brigadier Suffas Bericht ist in dieser Hinsicht sehr nüchtern und so berichtet er ganz knapp aus der Station Hohenwarth:

17.6.1853 Gendarmeriebrigade Kötzting in Hohenwarth an das kgl Corps Commando

Kötzting den 17ten Juni 1853
Die Arretierung des flüchtigen Verbrechers Michl Heigl und dessen Zuhälterin Theres Pritzl von Gotzendorf betreffend:

Der Unterzeichnete   meldet gehorsamst das derselbe unterm heutigen früh beim Anbruch des Tages mittels Beiziehung der Bewohner der Umgegend eine große Streife auf den Kaitersberg vornahm, wobei er den flüchtigen Verbrecher Michl Heigl von Beckendorf, und dessen Zuhälterin Theres Pritzl von Gotzendorf, beide Landgerichts Kötzting, in der Nähe von Hudlach in der Kaitersberger Waldung arretiert und dem kgl Landgerichte Kötzting nach kräftiger Gegenwehr mit einem Doppelstutzen einer Pistoln nebst mehreren Schussapparaten eingeliefert worden.

Bevor es nun in dieser Dokumentation mit dem Schwurgerichtsprozess in Straubing weitergehen kann, stellt sich für mich abschließend die Frage: wo bei diesem ganzen Aufgriff ist eigentlich die Therese Pritzl abgeblieben?

Nur noch kurz zur Rückschau:

Die beiden wurden an Mitternacht gesehen, wie sie den Regen überquerten, in Hohenwarth angezeigt und danach begann die große Einkesselungsjagd, und bei all den Schilderungen - von der ersten Sichtung am Grat des Kaitersberg, seiner Flucht und dem endgültigen Zusammenstoß ist immer nur von Michael Heigl die Rede. 
Erst bei der Ablieferung der Gefangenen - nachmittags um 3 Uhr nach der einen und Ende Vormittag nach der anderen Version - ist Therese Pritzl wieder erwähnt.
Zwischen dem Überschreiten des Regens und dem Aufgriff um 7.30 morgens ist genügend Zeit, so dass Michl Heigl u.U. seine Freundin bei den Eltern in Gotzendorf vorbeigebracht haben könnte, bevor er dann alleine auf den Kaitersberggipfel zusteuerte.
Die Frage wäre halt, ob sie ihrem Michl, als Mühlbauer verletzt und außer Gefecht gesetzt am Boden lag, im Kampfe gegen den Hund und den Bauern Vogl nicht zur Seite gestanden hätte, wäre sie vor Ort gewesen.

Im nächsten Teil geht es um alles, was mit dem Prozess zusammenhängt

Im Rahmen der Prozessberichterstattung findet sich auch ein umfangreicher Beitrag eines Rechtsanwaltes Steinles, der in der "Allgemeinen Schwurgerichtszeitung" auch die Vorgeschichte des Falles beleuchtet und dieser nennt auch Details über die Gefangennahme der Therese Pritzl:

"Nach der - bekannten - Schilderung der Gefangennahme Heigls, berichtet Steinle - anders als der Kötztinger Gendarm Suffa in seinem Bericht - auch von er Gefangennahme der Therese Pritzls:

"Auch seine Zuhälterin Therese Pritzl, die jedoch ohne Jemand zu treffen, eine Pistole auf ihre Verfolger abgefeuert hatte, wurde mit ihm gefangen. Die Gefangenen wurden in die Fronfeste nach Straubing gebracht, um dort vor das niederbayerische Schwurgericht gestellt zu werden."
Diese Darstellung des Ablaufes ist definitiv falsch, denn die Fronfeste Straubing war damals hoffnungslos überfüllt und deren Leitung weigerte sich kategorisch, MH überstellt zu bekommen, was Carl von Paur in Kötzting in der Folge sicherlich viele schlaflose Nächte bereitetet hatte.

Und von Steinle haben wir auch eine Personenbeschreibung der Therese Pritzl:
Von dieser bis hin zu den Eigenschaften, die man der "Rout´n Res" mittlerweile angedichtet hat, ist jedenfalls ein sehr, sehr weiter Weg.

Staatsanwalt Steinle in seinem Prozessbericht
 
Therese Pritzl, 22 bis 23 Jahre alt und seit ihrem 15. Jahr die Geliebte des Heigl, ist von kleinem gedrungenen Wuchs und voller Büste, hat dunkle feurige Augen, braune Haare und ein angenehmes Äußere. Sie kannte keinen anderen Willen als den ihres Geliebten, dem sie mit aufopfernder Zärtlichkeit ergeben ist. .....

Auch in der, den Prozess begleitenden, Landshuter Zeitung steht eine kleine Beschreibung der TP:
 Hier die Einschätzung der Landshuter Zeitung zum Auftreten der Therese Pritzl.

Beilage zu Nro. 145 der Landshuter Zeitung



Die Verteidigung der Therese Pritzl:

Landshuter Zeitung

""Es sey wohl richtig, dass die Pritzl mit der größten Liebe an Heigl hing, dass sie zärtlich für ihn sorgte, als er bei seiner Habhaftmachung verschiedene Verletzungen erhalten hatte, allein daraus folge noch nicht, dass sie, gleich ihm, wenn er ja solche Absicht hatte, den Tod der Gendarmen gewollt hätte. Auch Heigl wollte nur schrecken, und deshalb können die Pritzl nur als Begünstigerin zum Verbrechen der Körperverletzung II. Grades betrachtet werden."

Therese Pritzl wurde in diesem ersten Prozess zunächst 10 Monaten Gefängnis verurteilt.
Bei der Überprüfung dieses Prozesses nach einer Nichtigkeitsklage wurde die Strafe verkürzt.
Therese Pritzls wurde nun zu "siebenmonatlicher in einer Strafanstalt zu erstehenden Gefängnsistrafe" verurteilt und selbst dies Strafe versuchten ihre Verteidiger noch zu reduzieren und  noch ihre Zeit in der Untersuchungshaft auf diese Frist angerechnet zu bekommen.
Wie auch immer, wir können davon ausgehen, dass Therese Pritzl sicherlich sehr schnell wieder in ihrem gewohnten Umfeld zuhause in Gotzendorf angekommen ist.

Maximilian Schmidt, genannt Waldtschmidt, schreibt in seinem Roman(!) Brigitta oder der Räuber vom Kaitersberg über Therese Pritzl:
"Therese P. befindet sich, nachdem sie einige Monate Strafarbeitsbaus erstanden, wieder in ihrer Heimat Hohenwarth und hat sich mit ihren zwei noch lebenden Kindern einen guten, das üble Andenken Heigls mildernden Ruf erworben."

Am Ende dieses Berichtes über Therese Pritzl nun noch ein Blick nach vorne:

Die oben bereits als Findelkind angeführte und am 24.4.1850 getaufte Carolina Pritzl (formal war der Vater unbekannt) heiratete am 26.7.1894 den Witwer Josef Resch
Carolina Pritzl wohnte/lebte damals als Inwohnerin im Haus Nummer 27 (früher Gasthof Reimer) in Gotzendorf und die Resch besaßen in Gotzendorf die Häuser mit den Nummern 23 und 24. 
Ob es aus dieser Ehe Nachklommen gibt, ist nicht bekannt, allerdings hatte der Ehemann Nachkommen aus dessen erster Ehe.



Räuber Heigl

 🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken.

Räuber Heigl Räuber Heigl   Die weiteren Beiträge über Michael Heigl und die grafische Auflistung seiner "Tatorte" kann man in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Räuber Heigl finden.

Viel Freude beim Entdecken!

🗺️ Interaktive Karte Kötzting öffnen



Freitag, 7. November 2025

Der Räuber Michael Heigl und seine Bande

 Was mussten sich die im Großraum Kötzting stationierten Soldaten und Gendarmen nicht alles an Spott anhören, weil es ihnen über so viele Jahre hinweg nicht gelungen war, Michael Heigl und seine Gefolgschaft zu fangen. Selbst auf dem Viehmarkt in Straubing wurde über die Kötztinger Gendarmen gelästert und gespottet.
Aber man muss ihnen zugute halten, dass mit ganz wenigen Ausnahmen und ganz seltenen direkten Begegnungen - als Heigl beinahe geschnappt worden wäre -, niemand sein wirkliches und genaues Aussehen kannte.
In der Hochphase der Jagd auf Michael Heigl wurden Doppelwachtposten in der Nähe von Waldkreuzungen aufgestellt, die ihn hätten fangen sollen. Was die dabei eingesetzten Soldaten und Gendarmen hatten, war jedoch nur eine grobe Personenbeschreibung, die zumeist mit dem Zusatz endete, das MH gerne mit Jägerhut und Jacke gekleidet sei und mit einem zweiläufigen Gewehr bewaffnet sein solle.

Und so blieb dem eingesetzten Wachpersonal, das überwiegend ja von außerhalb rekrutiert und hier nur auf Zeit - und gegen den Willen der Dorfbevölkerung aber auf deren Kosten - stationiert gewesen war, nichts anderes übrig, als sich auf die vagen Personenbeschreibungen und auf ihr Gefühl zu verlassen.

Ähnlich wie wir es aus den Filmen über den Wilden Westen in den USA mit den "Wanted - dead or alive" Steckbriefen kennen, mussten auch die Jäger des Räubers MH  im "Wilden Osten" Bayerns genau schauen, wen oder was sie da bei ihren Kontrollgängen vor sich hatten, denn Fotoapparate gab es bei uns damals noch nicht und vor allem, wenn sie ihn hätten fotografieren können ... hätten sie ihn ja schon gehabt. (Q.E.D.)

Bei allen meinen Vorträgen über Michael Heigl und den Begleitvorträgen bei den Vorführungen des  1977er Heiglfilms betone ich, wie sehr unsere Vorstellungen über das Aussehen des historischen MH von der Darstellung des MHs durch den Kötztinger Heijterl Karl geprägt sind.


Welches Bild sich frühere Generationen von MH gemacht haben, wissen wir nicht und es sind auch - leider, sehr sehr leider - keinerlei Spuren vom Räuber Heigl Film von Anfang des 20. Jahrhunderts mehr zu finden, als nach der Novelle von Maximilian Schmidt schon einmal das Leben und "Wirken" des Räubers aus dem Bayerwald verfilmt und danach auch bei uns in Furth und Cham aufgeführt worden ist.

Innerhalb eines Projektes, bei dem ich ChatGPT soweit bringen wollte - und übrigens scheiterte..... das heißt eigentlich scheiterte ChatGPT auf ganzer Linie - frühere Ortsansichten wie den alten Spitalbereich rund um den heutigen Stachus und den alten Galgenberg (sprich Ludwigsberg) mit seinen zwei Terrassen entwickeln zu lassen entstand dann auch die Idee, aus den Personenbeschreibungen der einzelnen Mitglieder der Heiglbande Bilder generieren zu lassen.

Natürlich haben Heigl und sein männliches und weibliches Gefolge nicht genau so ausgesehen, wie auf den folgenden Bildern, aber ein Gendarm mit der Personenbeschreibung im Kopf hätte bei einer Begegnung mit diesen dargestellten Personen zumindest Verdacht schöpfen müssen, ob dies nicht seine Zielpersonen gewesen wären.
Die Bilder stellen also Stereotype dar, die aufgrund der Personenbeschreibungen während des Prozesses protokolliert wurden oder stammen aus den Beschreibungen - v.a. Kleidung und Bewaffnung - die den Gendarmen an die Hand gegeben wurden.
Vor allem sein vernarbtes Gesicht, nach einer Verletzung im Kampf mit den Gendarmen wird immer wieder erwähnt.

Nun aber genug der Einleitung: was lieferte ChatGPT zurück aufgrund meiner hochgeladenen Beschreibung und diversen Korrekturen, weil die gelieferten Bilder häufig einem sehr gut - ja fast gemästeten - gefütterten, sehr kräftig gebauten Mann glichen. Die Angabe, dass es sich bei Heigl um einen muskulösen Mann mit kräftigem Oberkörper und Schultern gehandelt hatte, wandelte das Programm sehr gerne immer wieder in einen rundherum korpulenten Mann herum, der schwerlich den Häschern im Kaitersberghöhenzug hätte entkommen können......

Kurz gesagt, wenn man sich den Michael Heigl so vorstellt, wie auf den folgenden Bildern, dann liegt man zumindest nicht so daneben, als wenn man sich unseren Heijterl Karl als Räuber Heigl vorstellt. Vor allem aber seine Freundin , die  Therese Pritzl - später, warum auch immer, die "Roude Res" genannt -, passt in ihrem Erscheinungsbild - gemäß der historischen Bildbeschreibung - aber schon überhaupt zu keiner "Roudn Res".

Nun aber zu den Einzelpersonen

Was wissen wir von Michael Heigl:

 "Meistens mit grauer Jägerjoppe und grünem Jagdhut bekleidet, den sicheren Stutzen übergehängt," beschrieb ihn der Staatsanwalt Steinle in seinem, den Prozess begleitenden Artikel.
Eine lange Narbe habe er im Gesicht gehabt, als er bei einem Einbruch mit einem Beil verletzt worden war.
Eine lange Narbe habe er im Gesicht gehabt, als er bei einem Einbruch mit einem Beil verletzt worden war.
Und dann folgt die genaue Beschreibung:


Er war also
- von mittlerer Größe, kräftigem muskulösen Körperbau und breit von Brust und Schultern.
- zeigte in seinem Aussehen nichts Wildes
- sein Gesicht war rund, bartlos und mit Narben gezeichnet
- sein Gesichtsausdruck erweckte den Anschein von Gutmütigkeit

Michael Heigl, nach mehreren Versuchen, die ihn einmal als zu korpulent und danach wieder als zu viel hager haben werden lassen. Dann fehlte wieder der Hut oder die Joppe oder das Gewehr. Selbst bei der Generierung von Bildern hat ChatGPT ein Gedächtnis eines Kleinkindes.....


Angeregt durch ein Gespräch bei mir im Rathaus zu dem Thema Bildgenerierung durch ChatGPT hat auch sich auch Stefen Weber von der Kötztinger Umschau der Sache angenommen, um  sich  MH bildlich zu nähern und hat dabei dieselbe Personenbeschreibung aus dem Prozess ge/benutzt, Allerdings ließ er den Text des Staatsanwaltes komplett so stehen, so dass MH in der Kleidung dargestellt werden sollte, wie er im Prozess aufgetreten war. Und da gilt es eben bei ChatGPT auch immer gut hinzusehen, da die KI wegen der Bezeichnung " städtische Kleidung" unserem MH gleich ein "Schmisetterl" um den Hals gehängt hat. Unser Räuber Michael Heigl vor Gericht mit einer Krawatte kann man sich eigentlich nur schwer vorstellen.

Von einer Gesichtsnarbe keine Spur, dafür aber mit Krawatte und mit weißem Stehkragen.

Um zu zeigen, wie sehr solch eine Bildgenerierung von einer Seite zur anderen wabert, hier eine kleiner Ausschnitt aus den heute erneut generierten Bildern. Da wurde mal wieder gerne der Hut weggelassen, oder es fehlte die Narbe, dann war er anfangs viel zu hager dann zu korpulent und dann fehlte wieder etwas anderes und dann begann alles wieder von vorne.

 



Trotzdem funktionierte diese Bildgebung; Vorgabe Ölgemälde im Stile der Romantik im Endeffekt ganz gut und es hat Spaß gemacht, immer auf die neuesten Korrekturen zu warten, auch wenn oft dann irgendetwas fehlte.

Nun aber zu den anderen Mitgliedern der Bande:

Die Therese Pritzl wird so beschrieben:


Therese Pritzl, 22 bis 23 Jahre alt und seit ihrem 15.Jahr die Geliebte des Heigl, ist von kleinem gedrungenen Wuchs und voller Büste, hat dunkle , feurige Augen, braune Haare und ein angenehmes Äußeres. Sie kannte keinen anderen Willen als den ihres Geliebten, dem sie mit aufopfernder Zärtlichkeit ergeben ist.

Michael Heigl und Theres Pritzl in einer Wirtsstube

Michael Heigl und Therese Pritzl vor einem der "hinausgebauten Häusel" - wie sich Carl von Paur äußert - am Waldrand.

Bei der Marianne Gruber stand im Prozessakt:

Die Gruber, tief in den Vierzigern stehend, aber trotzdem in schreiend bunte Farben gekleidet, ist lang und mager, mag aber in ihrer Jugend hübsch gewesen sein.



Es gibt dann neben der Option Ölgemälde auch die Möglichkeit, die Personen photorealistisch darzustellen. Hier das Ergebnis:





Und dann bleibt nur noch Michael Rainer, von dem Staatsanwalt Steinle schreibt:

Er sei

- von außergewöhnlich großem, kräftigen Wuchs 
- habe ein auffallend langes, sogenanntes Vogelgesicht
-seine Geisteskräfte stehen auf niederer Stufe, und allenthalben verrät er große Rohheit



Was ist nun von dieser ganzen Bildgenerierung zu halten?


Haben die Personen genau so ausgesehen                            >>>>>>>>> Nein
Passt die historische Beschreibung auf diese Kunstfiguren      >>>>>>> Ja

Vielleicht einfach so:


Müsste man die Rollen für Michael Heigl und seine Gefährten in einem Theaterstück vergeben, so wären diese vier die Idealbesetzung. Näher heran an die Originalpersonen kann man nicht kommen.











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Donnerstag, 1. Dezember 2022

Michael Heigl - eine Dokumentation Teil 7

 

Michael Heigl 

Die erste Heigl-Bande und das Jahr 1847

Zuerst jedoch ein Hinweis auf die Teile der Dokumentation, die bereits veröffentlicht sind:
Hier der link auf die bisher veröffentlichten Teile zum Thema Räuber Heigl


Bild KB Krämer: Die Heigl-Linde inmitten von Gotzendorf

Es wird Frühjahr 1847 und erneut kommt Josef Pritzl  - Bewohner des Laumer-Hauses - in Verdacht, Unterschlupfgeber für Michael Heigl zu sein, weshalb das kleine Häuschen am Rande der Straße nun dauerhaft überwacht werden soll. Zeitgleich mit dieser Entscheidung ordnet Carl von Paur an, die  Gemeindebereiche und die Waldungen um Beckendorf, Watzlhof und Gotzendorf - jedoch ohne Resultat - durch die Gendarmerie zu durchforschen.

Gedenkstein Carl von Paurs im Alten Friedhof, nun nach Einsturz der Mauer und später
dem Abbruch des Leichenschauhauses in sicherer Verwahrung des städtischen Bauhofes

Während die Kötztinger Gendarmerie Heigl noch im Bereich rund um Gotzendorf suchte, schlug er im Landgericht Viechtach zu. Am 26.März 1847, nachts, überfiel er das Ehepaar Schaeffer in Amersberg. Er drang mit Gewalt in das Haus ein und zwang das Ehepaar " unter lebensgefährlichen Drohungen zur Herausgabe ihres Geldes - die Eheleute Schaeffer erkrankten infolge der grausamen Misshandlungen und des Schreckens." Die Angreifer waren vier Mann und ihre Beute war gerade mal gut 27 Gulden wert, darunter eine Gabel mit der Gravur "W.H. .....   bei Josef Pritzl, Inwohner im Laumerheusl, wo die Geliebte des Heigl herstammte und Heigl sich häufig einfand, in einem Mantel gesteckt gefunden.
Die subjektive Thaeterschaft des Heigl zweifellos. Beruht auf seiner Vernehmung"

 Anfang April gelingt Michael Heigl ein ganz besonderer Coup, ein Einbruch im Landgerichtsgebäude in Kötzting, heute das Kötztinger Rathaus.
Dies ist deshalb so besonders, weil ja Carl von Paur, der damalige Landrichter, die Räume über den Amtsräumen bewohnte, Heigl also genau in das Haus einbrach, in dem sein "Jäger" bzw. zumindest dessen Familie friedlich schlief.

StA Landshut Rep. 168-1 Nr. 63944-II_0011
17. 1847 
Am 6. April 1847 wurde im Landgerichts Gebäude zu Kötzting ein Einbruch gemacht und ein Gewehr /:Doppel:/ im Werthe von 16 fl gestohlen und ein Siegel. Betrag nach ein Vergehen.
Zunächst war der Täter unbekannt, jedoch hatte später eine "gewisse Barbara Schmid" nach ihrer Verhaftung gestanden, dass "sie vereint mit Heigl und einem dritten Compl(izen) diesen Einbruch verübt und Heigl am Fusse des Landgerichts Wache gestanden /: Pongratz Complice der äusserte, das Siegel sei ihm lieber als 100 fl.
Verdacht nicht sehr gegründet.   Beruht auf Vernehmung des Heigl.

Am 10.4.1847 "wurde der hiesige Gerichtsdienergehilfe Huber des Abends 6 1/2 Uhr auf eine sehr freche Weise bei Schönbuchen auf der Strasse von den beiden  Flüchtlingen [Heigl und Pongratz] durch zwei Schrottschüsse, jedoch nicht gefährlich verletzt, seinen bei sich führenden Hund aber erschossen haben"

Der Staatsanwalt schrieb über die Begleitumstände dieses Überfalls:
"Hund zuerst erschossen, dann fiel Schuß gegen Huber, der den Zeugefinger verletzte und den linken Fuß. Dreitägige Arbeitsunfähigkeit. Huber sah zwei Personen entfliehen, Heigl angeschuldigt.
Wurde zweimal in der Nähe von Schönbuchen gesehen - machte gegen einen Zeugen drohende Äusserungen, daß er noch einen erschiessen werde.
War am fraglichen Abend 5 Uhr /:die That geschah um 6 1/2 Uhr :/ im Hirterhaus zu Gotzendorf und ging häufig auf die neben diesem Hause liegende Strasse, wie wenn er jemanden erwartete.
"

KÖZ von 1956 Artikel von Dr. Sommerfeldt




Angriff mit Waffengewalt auf Joseph Bauer 


Drei Tage später kommt es am 13.4.1847 zu einem ähnlichen, aber verhängnisvolleren Zusammentreffen im Wald bei Wölkersdorf. Es ist 8 Uhr abends und der Inwohnersohn Josef Bauer von Wölkersdorf bleibt nach dem Zusammenstoß mit Heigl blutend im Wald liegen. Heigl hatte ihn mit einer Schrotflinte an beiden Beinen verletzt. Die sofort eingesetzte große Suchaktion blieb wieder einmal ohne Erfolg und die eingesetzten Gendarmen benannten in ihrem "Protokoll" die Ursachen ihres erneuten Misserfolgs.

"Die Bewohner der Gemeinden Arndorf, Gotzendorf, Hohenwarth und Grafenwiesen, wo sich die Mehrzahl von ansässigen schlechter Gesindel befindet, mit diesen in Verbindung stehen, dieselben auf alle mögliche Art und Weise zu ihrer Flucht behilflich sind, selbst mit Lebensmitteln  unterstützen und größtenteils Bauern durch gemachte Drohungen aus Furcht heimlichen Unterschlupf zur Nachtzeit geben."  Unterschrift:  Josef Haas Brigadier.

Am nächsten Tag, dem 14.4.1847 meldete der oben genannte Brigadier, dass er nun in der Lage sei, bei den in Frage kommenden Ortschaften jeweils - zu deren eigener Sicherheit - Patrouillen zu zwei Mann durchführen zu lassen, die mit Jagdgewehren ausgerüstet seien und "sich in den Wäldern zur Tagszeit herumtrieben". 
Nun folgte der nächste Erlass des Landrichters von Paur, der ausdrücklich festhielt, dass Heigl nun schon fast vier Jahre und Pongratz auch schon bereits zwei Jahre im Landgericht ihr Unwesen trieben und es nun nötig sei, außerordentliche Maßnahmen zu ergreifen, weil diese Verbrecher in jüngster Zeit sogar Angriffe auf das Leben des Aufsichtspersonal gewagt hatten.

Folgende Maßregeln wurden am ergriffen:

1. Arndorf - Grafenwiesen - Gotzendorf - Hohenwarth - Ansdorf - Kolmstein - und Atzlern werden unter besondere Polizeiaufsicht gestellt. >>>>kein Einwohner darf daher eine Hausvisitation ablehnen.
2. Gemeindevorsteher müssen ihre Flur- und Dorfwächter zu erhöhter Tätigkeit auffordern und müssen auf Anforderung bei Tag und Nacht ausreichende Gemeindeglieder zur Streife zur Verfügung stellen. Eine Renitenz der Gemeindevorsteher wird im ersten Falle mit 10 fl. (ca. 1000 Euro), im Wiederholungsfalle mit Arrest bestraft. Gemeindemitglieder, welche sich der Streife, aufgefordert, entziehen, werden mit Geld oder Arrest bestraft.
3. Die Streuschupfe der Bauerswitwe Mühlbauer von Gotzendorf, welche bisher dem Gesindel zum Unterschlupfe diente und unmittelbar an der Straße liegt, daher die Passage unsicher macht, ist durch unverzügliches Niederreißen zu entfernen.
4. Das Laumerhäusl zu Gotzendorf, Eigentum das Gemeindevorstehers von dort, ist von den gegenwärtigen Bewohnern Resch und Pritzl, als bekannte Diensthehler der beiden gemeinen Verbrecher, augenblicklich zu räumen und in dasselbe Inhaus sind künftig nur Inleute von gutem Leumund mit landgerichtischer Bewilligung einzunehmen.
5. Die Auslichtung der Waldungen in der normal mäßigen Breite von der Beckendorfer Höhe an bis Hohenwarth ist unverzüglich zu bewerkstelligen bei Vermeidung der schon im Vorjahr angedrohten Exekution.
6. Sollte dies nicht greifen, dann sollten auf Kosten der Gemeinden Soldaten des Jägerbataillons in den Gemeinden stationiert werden.

Am 23.4.1847 kommt die Hohenwarther "Glasspinnersstochter" Anna Fuchs in Verdacht, mit Heigl zusammengetroffen zu sein und ihm Lebensmittel verschafft zu haben, worauf diese sofort verhaftet, vernommen und eingesperrt wurde. Im Nachgang dieser Vernehmungen erwischte es danach den ledigen Inwohnerssohn Michael Neuberger aus Hafenberg, der, ebenfalls des Umgangs mit Heigl verdächtig, "arretiert und sofort unter Androhung des Arbeitshauses zur Strafe von 10 Ruthenstreichen verurteilt und sodann entlassen wurde."

Einschub 
Die Bestrafung der Anna Fuchs
Am 20.5.1847 sprach der Hohenwarther Glasspinner Georg Fuchs bei der Regierung in Landshut vor und beschwerte sich über die ungerechte Bestrafung seiner Tochter.
Der Gotzendorfer Gemeindevorsteher habe Jahre zuvor Ansprüche auf das Wirtsanwesen in Schönbogen (wohl Schönbuchen) erhoben, dabei aber im Rechtswege gegen seinen Schwiegervater Stoiber verloren und seither einen Groll sowohl gegen seinen Schwiegervater als auch gegen "ihn und seine Familienangehörigen auf auffallende Weise an den Tag gelegt". Nachdem von Seite des k. Landgerichts Kötzting einige verdächtige Zubauhäuser zu Gotzendorf abgesperrt werden mussten, wovon namentlich einige dem Gemeindevorsteher Schmid angehörten, machte derselbe beim k. Landgerichte Kötzting die falsche Anzeige, daß meine sich bei ihren Großeltern in Schönbogen (wohl Schönbuchen) aufhaltende 15jährige Tochter Anna mit jenem berüchtigten Heigl in einem unerlaubten näheren Verhältnis stehe. Diese meine Tochter wurde ohne weiteres Gehör über die ihr fälschlich zur Last gelegte Beschuldigung von Seite des k. Landgerichts Kötzting deßhalb mit einem viertägigen Arreste bestraft, während doch 2 Weibspersonen in der Nähe von Gotzendorf, welche außereheliche Kinder von jenem Heigl geboren haben, gänzlich ungestraft gelassen werden.""
Er fühle sich in seiner Ehre als Familienvater durch diese Behandlung seiner Tochter zutiefst verletzt und wäre grundsätzlich auch willens, den Rechtsweg zu beschreiten, jedoch wurde ihm von Seiten des Landgerichts die Einsicht in die Akten verweigert. Er bitte also bei der Regierung um Akteneinsicht und um "Genugthuung für die ungeeignete Behandlung seines Kindes".
Gleich als Beweis für den guten Leumund legt er noch das Schulzeugnis seiner Tochter bei.

Geistesanlagen                   gute
Fleiß                                   groß  
Religion                              vorzüglich
Lesen                                    sehr gut
Schreiben                            genügend
Kopfrechnen                        gut
Tafelrechnen                        hinlänglich
Gemeinnützige Kennnisse   schwach
Sittliches Betragen               sehr lobenswert

Landshut fordert das Landgericht auf, sich dazu zu äußern. Carl von Paur gibt nur in kurzen Worten Auskunft und beruft sich dabei auf die Maßregeln, die von Landshut selbst gekommen waren und die Personen beträfen, die des Umgangs mit Heigl in Verdacht gekommen waren, auch wenn sie noch feier
tagsschulpflichtig wären oder sind.


Einschub Ende






Der erste Raubüberfall in Pirka 


Ende April 1847 kam es zum nächsten großen Raubüberfall. Die Opfer: die Greilschen Eheleute im sogenannten Pritzlhaus in Pirka im LG Viechtach.
Hier der Bericht des Staatsanwaltes - als Vorbereitung für den Heigl-Prozess -  in seinem nüchternen Amtsdeutsch:


"20. 1847

Verbrechen des Raubes IV Grades in idealer Conkurrenz mit dem nächsten versuch des Mordes verübt im Complotte und Zusammenfluß mit dem Verbrechen der Notzucht am 24. April d. Js zum Schaden der Georg und Anna Maria Greilschen Eheleute auf dem Pritzlheusl zu Pirka, Landgericht Viechtach in realer Conkurrenz mit dem Verbrechen der Notzucht, unter voraus gegangener complottmäßiger Verbindung. Wurde ein Pistol abgeschossen auf den Anwesensbesitzer.
Grausame Mißhandlung des Georg Greil mit einem Gewehre, wurde er an Händen und Füssen gebunden, zu wiederholten malen misshandelt, hielten immer die Hand auf den Mund, ob er noch athme und dies dauerte volle zwei Stunden.
Der Räuber waren vier.
Das Eheweib des Damnifikanten wurde zweimal von zwei Räubern genothzüchtigt.
Werth des geraubten: 108 fl.
Michael Heigl angeschuldigt, flüchtig damals in Verbindung mit Pongratz und Penzkofer wurde er oft gesehen.
Überführung:
Unter den geraubten Gegenständen befand sich ein rothgestreifter Seidenzeug, ein Filigrankreuzel, sowie mehrere Kronenthaler. 7 Kronenthaler, Kreuzel und Seidenzeug wurden durch die Gendarmerie bei der jetzigen Geliebten des Heigl, der Theres Pritzl von Gotzendorf gefunden, die damals noch nicht flüchtig war und die unumwunden einstand, sie vom Heigl erhalt zu haben.
Beruht auf Vernehmung des Heigl."
Erst am 30.4.1847 kam die Nachricht des Überfalles in Pirka beim Kötztinger Landrichter an und gleich wurden erneut Verhaftungen angeordnet.
Gleich am nächsten Morgen wurde der Inwohner Resch im Laumerhaus verhaftet und anschließend im Polizeibericht festgehalten, dass die beiden Inwohner Resch und Pritzl dem Befehl der Räumung des Laumerhauses nicht Folge geleistet hatten.
Am 5.5.1847 wurde Martin Fendl von Reitenstein verhaftet, der, obwohl dienstlos, einen "auffallenden Aufwand" machte und sich daher der Verdacht erhob, dass er, mit Heigl verbündet, den Raub in Pirka mitgemacht habe. Im Nachgang wurden bei ihm Gegenstände gefunden, die diesen Verdacht erhärteten und von dem ausgeraubten Ehepaar auch wiedererkannt wurden.
In gleicher Weise wurde mit dem Bruder des Räubers Josef Pongratz verfahren. Georg Pongratz aus Kager wurde verhaftet, vernommen und zunächst in Haft belassen.
Wieder einmal rief Carl von Paur als Amtsvorstand "unter Zuziehung vielen Landvolkes zu einer Streife auf, bei der alle Gegenden disseits und jenseits des Regens in großen Dimensionen durchstreift wurden .....ohne Resultat."
6. Mai 1847 Michael Schindlatsch, Schuster von Hofern, kommt in Verdacht und am selben Tag wird auch die Therese Pritzl, "Tochter des erwähnten Pritzl" beschuldigt mit Heigl öfters zusammen zu kommen.
Am 12.5.1847 kommt es gleich zu einer Reihe von Festnahmen und Strafen.

"Adam Heigl, Bruder des Michl Heigl led. von Beckendorf wird der Unterstützung seines Bruders verdächtigt.
Wolfgang Heigl, jüngerer Bruder des vorigen in gleichem Verdachte stehend
Joseph Betz led. Inwohnerssohn von Oberzettling, Gemeinde Gotzendorf der Verbindung mit Heigl verdächtigt."
Adam Heigl erhält 10 Ruthenstreiche, Wolfgang nur verwarnt und angewiesen, sich einen Dienst zu suchen, und Joseph Betz wird nach drei Tagen aus der Haft entlassen.




Michael Heigl feiert im heutigen Amberger Hof 



Mit Datum des 25. Mai  1847 findet sich eine kuriose Anzeige:

"Anzeige des Brigadier Haas, daß der bürgerliche Gastwirth Fest zu Kötzting den Michl Heigl in seinem Hause längere Zeit schon beherbergt habe und am Pfingstmontage die ganze Nacht gespielt worden sey."
Der Gastwirt Franz Fest hatte wenige Jahre zuvor die Witwe Franziska Dreger geheiratet und betrieb zusammen mit ihr den Gasthof, den wir heute als den Amberger Hof bezeichnen. Franz Fest wurde vernommen. Es konnte aber weder seine Schuld bewiesen, noch konnte er ganz seine Unschuld nachweisen. So wurde er "von der Instanz entlassen, jedoch in alle Untersuchungskosten verurteilt". Wohl ein Freispruch zweiter Klasse. Damit können wir möglicherweise davon ausgehen, dass Heigl erst kurz vor dem Pfingstritt 1847 das Gasthaus nach einer vergnüglichen Nacht verlassen hat.
Auch Dr. Sommerfeldt beschreibt in seinem Heigl-Beitrag einige der Heiglschen Schurkenstücke vom Sommer 1847, die vom obigen Kötztinger Wirtshausbesuch, über einen Mundraub bis hin zu einem richtig schweren Raub reichten.

KÖZ 1956 aus dem Teil 2



Erneut muss sich nun Carl von Paur für die Erfolglosigkeit, Heigl zu fangen, rechtfertigen und zitiert Gemeindevorsteher, als diese gefragt worden waren, weshalb niemand sich fände, die Schlupfwinkel der Verbrecher zu entdecken: "Verrath ist gleich einem Todschlage, wer wird diesen auf sein Gewissen nehmen wollen" oder "Die Flüchtlinge sind keine Raubmörder oder Brandstifter" oder "Wer wird sie verrathen wollen, da sie nach kurzer Haft wieder entlassen, Rache an denjenigen üben werden, die zu ihrem Aufgriffe beigetragen haben". Er liefert auch gleich die dahinter liegenden Ursachen mit, zum einen da "der größte Teil der Bevölkerung an der bayerisch-böhmischen Grenze Erwerb durch Schwärzen sucht" und zum anderen, "eine bittere Armuth, die jedes Mittel erlaubt findet, wenn nur das Leben gefristet wird, erzeugt theils durch Arbeitsunlust, theils durch unverschuldeten Mangel an Arbeit und Verdienst, aber auch Luderlichkeit und Genußsucht unter den ledigen leuten im hohen Grade."
Carl von Paur beschreibt auch seine Personalprobleme bei den "über 200 sicherheitsgefährlichen Personen und 52 Individuen, die unter Polizeiaufsicht stehen" 
Aus 10 Mann würde im Moment die Gendarmeriebrigade Kötzting bestehen, von denen in Kötzting 4, in Eschlkam 3 und in Lam ebenfalls 3 Mann stationiert seien.
Carl von Paur fordert nun nicht nur, die Mannschaftsstärke zu erhöhen, sondern zum ersten Male auch die Auslobung einer Fangprämie in Höhe von 50 Gulden für jeden der zwei meistgesuchten Verbrecher, Heigl und Pongratz. 
Unterthänigst gehorsamstes
 königl. Landgericht Kötzting
Paur
k. Landrichter

Möglicherweise war den beiden Räubern der Verfolgungsdruck im LG Kötzting zu hoch, weshalb sie ihre Aktivitäten zunächst auf das LG Viechtach konzentrierten.
In den "Heigl-Akten" erscheinen seit dem Überfall in Pirka nun auch regelmäßig die  Sicherheitsberichte vom Nachbarlandgericht und dort wird sichtbar, in welchem Ausmaß die Heigl-Bande dort zuschlug. Die Bande bestand zu der Zeit aus Michael Heigl, Josef Pongratz aus Kager - genannt Maulaffhiesel -  und Peter Penzkofer Inwohnerssohn aus Geiersthal - genannt Laumer Peter.
Weiter wird in ihrer Gesellschaft auch eine "Weibsperson" gesehen und ein weiterer Bursche, der einen großen "Fanghund" führt. Zwei dieser Personen seien mit Doppelgewehren und Pistolen bewaffnet
Seit sie sich im LG Viechtach aufhielten hätten sie neben vielen anderen Diebstählen folgende "Raube" verübt.
1. Bei den Schafferschen Eheleuten zu Amensberg
2. im sogenannten Pritzlhaus außerhalb Pirka
3. bei den Stadlerbauerntöchtern von Mausmühl
4. bei der Austräglerin Blüml zu Wetzelsdorf
5. Bei der Austräglerin Walburga Zitzelsberger zu Piflitz
6. Bei den Austragseheleuten Köppl von Ogleinmais
7. bei den Kleingütlers Eheleuten Schreiner zu Kollnburg und
8. auf der Schweinberger Mühle.

Zugleich findet sich hier auch ein Hinweis, dass die Bande sich auch noch mit anderen, eher pfiffigeren Mitteln Bargeld verschaffte. Möglicherweise bedienten sie sich dabei des in der Kanzlei des Landgerichtsgebäudes Kötzting erbeuteten Dienstsiegels. Dr. Sommerfeld packte die "Räuberpistole" in seinem Zeitungsbericht in ein lebhaft erzähltes einzelnes Kapitel.



Josef Pongratz verhaftet

Am 5.7.1847 berichtete das LG Kötzting an das Gendarmeriekompagnie-Kommando in Landshut unter dem Betreff "Der Zustand der öffentlichen Sicherheit" endlich einen ersten Erfolg.


"Wird hiermit angezeigt, daß es dem Brigadier Heuder und den Gendarmen Benkert und Schaller von Cham unter Beihilfe von den Polizeisoldaten gelungen ist, den höchst sicherheitsgefährlichen, wegen Notzucht, Raub so anderen verbrechen steckbrieflich verfolgten, seit Jahr und Tag flüchtigen Verbrecher Josef Pongratz von Kager, vulgo Maulaffenhiesel und dessen Conkubine Barbara Schmid von Kolmstein unterm 3. d. M.[genauer im Brauhause zu Brunnendorf, der Vorstadt Cham]  zu Brunnendorf bei Cham zu ergreifen, und ungeachtet Widersetzung und Gegenwehr zu Verhaft zu bringen. Beide Personen befinden sich nunmehr dahir
 zur strafrechtlichen Untersuchung in der Fronfeste."
Josef Pongratz also befand sich nun seit Anfang Juli in Haft und 
Nachdem ja auf die Ergreifung des Verbrechers ein Kopfgeld ausgesetzt war, musste von Paur nun den beteiligten Personen auch ein "Zeugnis"  über den ganzen Aufgriff ausstellen, das uns noch weitere Details übermittelt.
"Der signalisierte Verbrecher, bewaffnet mit einer scharf geladenen Pistole und einem Messer, setzte sich in verwegener verzweiflungsvoller Gegenwehr und nach einem kurzen aber sehr hitzigen und gefährlichen Kampfe ist es der genannten Sicherheitsmannschaft, ohne dass eine Verwundung vorgefallen ist, gelungen, jenen Verbrechers Meister zu werden und ihn in die Frohnfeste des k. LG Chams einzuliefern, von wo er am nächsten Tage darauf /:4. July d. Jrs. :/ in die hiesige Frohnfeste eingeliefert wurde.



Dies bezeugt auf Grund der Akten
den 22. November 1847 
Königliches Landgericht Kötzting als Criminal Untersuchungs-gericht
v. Paur 
k. Landrichter.

Einschub 

Das Urteil gegen Josef Pongratz vom 4.7.1850


Im Namen 
Seiner Majestät des Königs von Bayern
erkennt der Schwurgerichtshof von Niederbayern in Sachen des Josef Pongratz, v.Maulaffenhiesl, ledigen Inwohnersohn von Kager, Landg Kötzting wegen Raubes, Notzucht und Diebstähle zu Recht, was folgt:
I: Josef Pongratz, 36 Jahre alt, le. Inwohnerssohn von Kager, wird wegen des von ihm am 13. Mai 1847 verübten Verbrechens des erschwerten Raubes III. Grades im Hause des Zimmermanns Joseph Bräu Aepflet bei Furt, wegen des Verbrechens der Notzucht I. Grades, begangen an der Müllerswittwe Anna Weber wegen des Verbrechens der Notzucht II. Grades, vollbracht an der 43 jährigen Pechlersehefrau Franziska Aschenbrenner von Höllhöh, dann wegen des Verbrechens des ausgezeichneten Diebstahls, welcher auch der Summe nach ein Verbrechen ist, zum Schaden des Müllers Franz Gmach von Stockmühle, und wegen des auch dem Betrage nach als Verbrechen strafbaren doppelt ausgezeichneten Diebstahls am Häusler Martin Knott zu Unterlohwies zur Kettenstrafe, und in die Kosten des Verfahrens, welche jedoch wegen seiner Mittellosigkeit dem Aerar überbürdet werden, verurteilt.

Eine Kopie des Urteils ging gleich ans Landgericht Kötzting und befindet sich aus diesem grunde immer noch in den Heigl-Akten.
Josef Pongratz   stellte gleich noch eine "Nichtigkeitsbeschwerde"; diese wurde aber am 16.8.1850 verworfen und die Kettenstrafe damit bestätigt. 
Einschub Ende


Nun war also das erste Glied aus der frühen Räuberbande Heigls in Haft, deren Raubzüge aber gingen  zunächst  im LG Viechtach weiter.

Am 27. Juli meldete das LG Viechtach in seinem monatlichen Sicherheitsbericht - neben weiteren zwei Überfällen der Heigl-Bande in deren Geschäftsbereich -, dass sie Nachricht erhalten hatten, "dass in der Nähe von Piflitz (Gemeinde Geiersthal) in einem mit großen Felsenmassen versehenen Waldberg, in welchem sich geräumige Höhlungen befinden, 2 verdächtige Burschen .... haben sehen lassen, bei denen sich jener Hund befunden habe, den Michael Heigl gewöhnlich bei sich hatte"
Nun rückten Ende Juni, in der Annahme, dass sich die "Kameraden" in der Nacht hindurch in der Waldung aufhalten würden, auf Anordnung des Viechtacher Landrichters der Viechtacher LG Funktionär Höflinger, das Gerichtsdienerpersonal, die Gendarmeriemannschaft, mehrere freiwillige Bürger Viechtachs aus - alle mit Gewehren versehen - und mehrere bewaffnete Bauern und Bauernsöhne, insgesamt 150 Mann, die den Wald und die ganze Umgebung durchkämmten. Wie immer ohne Erfolg.
Tage später bekam der Viechtach Landrichter die Nachricht, dass andere Zeugen MH gesehen hätten, wie er aus dieser Waldung herausgegangen und sich in Richtung des LGs Kötzting bewegt hätte. Kötzting war informiert worden und deren sofort eingeleitete Streife hätte dann auf den Peter Penzkofer geschossen (und ihn möglicherweise verletzt habe)
Nun kommt der Viechtacher Landrichter zu folgendem Schluss:
"Seit obiger Streife, durch welche Heigl sich verfolgt sah, und aus dem Gerichtsbezirk versprengt wurde, sah und hörte man nichts mehr von ihm und ebenso wenig auch vom Penzkofer und man gibt sich der Meinung hin, daß sich Heigl, nachdem inzwischen Joseph Pongratz und seine Geliebte in Verhaft gebracht wurden, mit dem Peter Penzkofer in das nahe Böhmen geflüchtet habe, um sich vielleicht dort von einem Bader heilen zu lassen."
Zu dieser Überlegung, dass MH im Juli 1847 der Boden unter seinen Füßen in der Heimat etwas zu heiß geworden war, passt auch die Meldung der Gemeinde Gotzendorf, die am 13. Juli in Kötzting als Anzeige bei der Gendarmerie Station eingelaufen war. Bereits seit Monatsanfang war die ganze Familie Pritzl in Gotzendorf unter Polizeiaufsicht gestellt worden, und nun diese peinliche Situation.



"13/14 Juli 1847  Anzeige der Gemeinde Gotzendorf, daß Theres Pritzl aus dem elterlichen Hause sich entfernt habe."
Nach der Therese Pritzl wurde nun ebenfalls gefahndet und wenige Tage vorher waren bereits bei der Anna Maria Gruber von Reitenstein "verschiedene Effekten" gefunden worden. A.M. Gruber wurde nun verhaftet und vernommen, doch nach einigen Tagen wieder auf freien Fuß gesetzt. 
MH hielt wohl zu der Zeit noch Kontakt zu beiden Frauen; auf seine Flucht nahm er aber wohl nur die junge Therese Pritzl mit; A.M. Gruber hatte ja auch noch Kinder zu versorgen.
Mit dieser Nachricht, dass Therese Pritzl von Zuhause verschwunden sei, enden zunächst die Nachrichten im Gendarmerie-Report im Juli des Jahres 1847. 
Es kehrt Ruhe ein im Landgericht Kötzting , bis zum nächsten  - vermuteten - Auftauchen Heigls im Sommer des drauffolgenden Jahres.


Nach dem Aufgriff Josef Pongratz und dem offensichtlichen Ausweichen des MH hinein ins Böhmische  stellte das LG Kötzting einen Bericht für das bayerische Innenministerium zusammen, in dem zum ersten Male seit Jahren die öffentliche Sicherheit als "sehr befriedigend" dargestellt wurde.
Von Paur führte die Verbesserung vor allem auf die Vergrößerung der Gendarmeriemannschaft und insbesondere auf die Errichtung einer provisorischen Station in Hohenwarth zurück..
Insgesamt hätten sich im LG Kötzting im Zeitraum zwischen dem 1.10.1846 und Ende Juli 1847 114 "Sicherheitsstörungen" ereignet, darunter 62 einfache Diebstähle, 51 Diebstähle mit Einbruch und 1 Raub. Der Landrichter errechnet sich für diesen Zeitraum von 10 Monaten einen Monatsdurchschnitt von 10-12 Vorfällen, während es im Monat August nur 2 solcher Ereignisse gewesen wären.
In Böhmen hatten die bayerischen Beamten natürlich keine Handhabe, jedoch versuchte Carl von Paur auf dem Schriftwege Auskünfte zu erhalten und informiert den Kollegen im  "Fürstlichen Oberamt in Pistritz im Klattauer Kreis". Auch dort wurde eine "Spähe" angeordnet, die jedoch ebenso wie im bayerischen Grenzraum erneut ohne Ergebnis verlief.

Auch im LG Viechtach habe sich die Sicherheitslage enorm entspannt. Carl von Paur schlägt vor, die Männer der provisorischen Station in Hohenwarth dauerhaft in Neukirchen beim hl. Blut zu belassen.
Kötzting 

Anfang September 1847 bereiste der Kompagnie-Chef Ritter von Sturm persönlich die Gendarmeriestationen Hohenwarth, Eschlkam, Lam und Kötzting und kam zu der Überzeugung, dass sich Michael Heigl, Peter Penzkofer und die 16jährige Hüterstochter Therese Pritzl im Grenzbereich zu Böhmen sich aufhielten sich wohl erst dann wieder ihren früheren Schlupfwinkeln nähern würden, wenn die Station Hohenwarth aufgelöst werde.
"Der ebenso thätige als schlaue und muthige Brigdier Haase und seine braven Gendarmen, die sich jetzt genaue Lokalkenntnisse und verlässige Denuntianten verschafft haben", würden die drei Gesuchten dann sicherer  verhaften können, als es jetzt möglich sei.
Er plädiere daher dafür, die Station Hohenwarth aufzulösen oder zumindest zu verkleinern.
Da die bayerischen Behörden in Böhmen keine Zugriffsrechte hatten, wollte er die drei Gesuchten somit erneut über die Grenze locken, um sie danach umso sicherer fangen zu können, so der Plan....
Noch im September 1847 wurde verfügt, dass die Station Hohenwarth auf die halbe Mannschaftsstärke reduziert würde.
Um sich ein Bild der Arbeit dieser Station zu machen, genügt ein Blick in deren Abrechnungen. In der Woche vom 22. bis 31. August 1847 hatte die Station 30 Patrouillen durchgeführt, "darunter 1 Streif und 6 Nachtpatrouillen". Vom 1.-8. September erneut 29 Patrouillen mit 1 Streif und 4 Nachtpatrouillen. In der letzten Woche dann, vom 9.-17. September waren es erneut 22 Patrouillen, danach blieben nur noch der Brigadier Haase und seine 2 Gendarmen in Hohenwarth, die zusätzlich stationierten Soldaten rückten zu ihren Bataillonen ab. 
Dieser Brigadier Haas stellte nun aus den ihm zur Verfügung stehenden Akten eine erste Liste an Straftaten zusammen, die 34 Delikte umfasste und vom ersten Diebstahlsverdacht vom 3.11.1841 - als der junge Michael Heigl und sein Bruder Adam wegen eines Uhrdiebstahls in Vrdacht geraten waren - bis hin zum Raubüberfall im LG Viechtach im Juli 1847 reichte.


Peter Penzkofer verhaftet



Der nächste Aufgriff. Vielleicht war es eine Folge der Logik, die Polizeistationen auszudünnen, die es mit sich brachte, dass zumindest Peter Penzkofer sich wieder in die Heimat wagte. 
Carl von Paur konnte jedenfalls den nächsten Erfolg nach München melden:
"Peter Penzkofer, vulgo Laumerpeter, Inwohnerssohn von Linden, Consorte des flüchtigen Michael Heigl wurde am 1ten November lJs zu Fernasdorf K. Landgericht Viechtach von der k. gendarmerie von Viechtach aufgegriffen und heute zur Untersuchung hier eingeliefert. was unterthänigst gehorsamst zur Anzeige gebracht wurde

Bei der Vernehmung des Peter Penzkofer kam auch ein Racheanschlag an dem Gemeindevorsteher Sterr aus Beckendorf  heraus, den Penzkofer im Auftrage des Michael Heigl durchgeführt haben will.
 
Im Landgericht Kötzting herrschte jedenfalls nach der Festnahme der beiden Heigl-Kumpane, Pongratz und Penzkofer, und dem Ausweichen Heigls und seiner Freundin ins Böhmische zunächst eine trügerische Ruhe. Dieser Zustand hielt, bis am 14. Mai 1848 Heigl zwei Gendarmen mit dem Gewehr in Anschlag bedroht und beschimpft hatte. Damit war klar, Heigl Michael ist wieder im Lande.