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Freitag, 26. Juni 2026

Kötztinger Häuserchronik - alte Hausnummer 114

Mit der sogenannten Uraufnahme und der beginnenden Landvermessung zählte Kötzting insgesamt 159 Anwesen. Die Geschichte dieser Bürgerhäuser und ihrer Bewohner nachzuzeichnen und möglichst genau zu dokumentieren, ist das Anliegen dieser Häuserchronik. Wer sich näher mit den frühen Entwicklungen unserer Heimatstadt beschäftigen möchte – von den ersten Urhöfen bis zur Erhebung Kötztings zum Landgerichtsort –, findet dazu ausführliche Informationen in einem einleitenden Blogbeitrag. 

Bei den nun folgenden zehn Anwesen ist allerdings eine Besonderheit zu beachten: Die Häuser mit den alten Hausnummern 113 bis 123 bestanden bereits lange vor dem großen Marktbrand von 1867, wurden nach der Katastrophe jedoch nicht mehr an ihren ursprünglichen Standorten errichtet. Mit der Neuordnung des unteren Marktes und dem Bau der unteren Marktstraße, des Pfeffergrabens sowie später der Holzapfelstraße entstand ein neuer Ortsteil, in den die bisherigen Hausnummern übertragen wurden.

Die Identifizierung dieser Anwesen ist deshalb heute nicht mehr über ihre frühere Lage möglich, sondern ausschließlich über die weitergeführten alten Hausnummern.

Alte Hausnummer 114

beim  Lommerweber


Vermessungsamt Cham: Detail aus 5168-2100-LiquiP_Bad_Koetzting_1831_Beilage_M2500_1_1-01

Die belegbare Geschichte dieses Hauses beginnt mit einem Leineweber Martin Härtl, der im Jahre 1706 vom Markt Kötzting den sogenannten „Beisitz“ verliehen bekam. Dafür hatte er 4 Gulden und 30 Kreuzer zu entrichten. Dieser „Beisitz“ stellte eine Art eingeschränktes Bürgerrecht dar, da Härtl zu diesem Zeitpunkt noch kein eigenes Haus besaß – eine Voraussetzung, die damals für den Erwerb des vollen Bürgerrechts unabdingbar war.
StadtA Kötzting MR von 1706 Seite 7
"Einnamb an Burgerrecht
Marthin Härtl Leineweeber, ist vor ainem burgerlichen beysizer aufgenomben und von ihme hiervon bezalt worden 4 fl 30 xr.



Härtl Wolf und  Stoiber Anna

Am 14.7.1732 heiratete der Weber Wolfgang Härtl - Sohn des Martin Härtl und der Katharina - die aus Blaibach stammende Schmiedtochter Anna Stoiber.
Die Reihe der Häuser angefangen bei der Nummer 113 bis hinauf zur 115 scheinen alle erst im Laufe des 18. Jahrhunderts angelegt worden zu sein. Beim Haus mit der Nummer 114 gibt es dazu einige Hinweise, die diesen Schluss nahelegen. 
Mit Datum des 26. Juni 1730 wissen wir, dass der junge Webermeister vom Landgericht Kötzting die Erlaubnis erhalten hatte für den Erwerb eines Grundstücks im Markt, wie es im Jahre 1744 dann ausführlich in den Kötztinger Marktrechnung aufgeführt ist.

StadtA Kötzting MR von 1744

"Wolf Härtl Zeug= und Lein=Wöber, hat vermög des von churfrtl. lobl. Rentambt Straubing underm 26ten Juny anno 1730 erhaltenen Consens, ab dessen under darzue gegebnen gemeinen Grundt die darauf geschlagene Gült zalt zu 17 xr."
 Liest man zwischen den Zeilen, so hat wohl der junge Weber die nächste Instanz bemühen müssen, um dann schlussendlich vom Markt ein Grundstück für den Hausbau zu erhalten. Es steht zu vermuten, dass er für seinen Hausbau die nächsten zwei Jahre gebraucht hat, denn erst  am 14.7.1732 heiratete der Weber Wolfgang Härtl - Sohn des Martin Härtl und der Katharina - die aus Blaibach stammende Schmiedtochter Anna Stoiber.
Vom November 1732 - also dem Jahr seiner Verheiratung - stammt eine Grundstücksverbriefung des nördlich von ihm gelegenen großen Gartengrundstückes, in dem das Härtlsche Haus erwähnt ist.
Die verwitwete Pflegersgattin Witwe Maria Thersia von Mayr verkauft das ihr erblich zugefallene Gartengrundstück das in seiner Lage beschrieben ist :" den ihr mitls Testament erblich zugegangene und oberhalb des Wolfgang Härtl Wöbers Haus liegent: und umb und umb eingefangene aigenthumbliche Gartten mit der darin stehenden Wohnbehausung sambt dem vorhandtenen Sommerheusl und anderer Garttnerey."

Einschuib
Für manche Kötztinger ist der um die Jahrhundertwende 1900 verstorbene "Schlossgärtner Hardl", Leonhard Mittermayr noch ein Begriff. Dieser wohnte 150 Jahre später in diesem haus und trug den Hausnamen Schlossgärtner, weil das Gartengrundstück früher dem Pfleger gehörte, der eben im Schloss residierte.
Einschub Ende

Härtl Hans Michael und Anna Reichhold


Am 11.8.1753 übergab der Kötztinger Bürger und Leineweber sein "Haus ufm Pfeffergraben negst des Hofmann Martin  (=alte Hausnummer 115)entlegen". 20 Gulden Grundschuld waren  bei der St. Sebastiani Bruderschaft eingetragen und seine beiden Geschwister Elisabeth und Catharina mussten ebenfalls berücksichtigt werden. Der Kaufpreis betrug 100 Gulden.
Zwei Monate später, am 13.11.1753  heiratete der Weber Michael Härtl die aus Chammünster stammende Webertochter Anna Maria Reichhold.
Einschub
Es ist hier interessant, dass der Flur/Straßenname "Pfeffergraben" nicht dieselbe Stalle bennnt, wie heutzutage. Heute ist es die Querverbindung zwischen der Gehring- und der Holzapfelstraße. Damals war es aber der Hohlweg hinter der Häuserreihe, die bergauf führte. 
Einschub Ende
80 Gulden versprach die junge Weberin in die Ehe mit einzubringen, die sie sich im Jahre 1755 sich in einem Heiratsvertrag sicherstellen ließ.
Die im Übergabevertrag genannte Schwester Katharina Härtl wurde im Jahre 1756 verurteilt und musste eine "Geige" tragen.
StadtA Kötzting MR von 1756 
"Catharina Harrerin Kellnerin und Magdalena Schmikdtpäurin Köchin beede beym Cammerer Luckhner in diensten, haben Catharina Härtlin und Maria Lanzingerin beede Burgerstöchter von hier geclagt, daß sye ganz nachdrückhlich ausgesprengt, samb Selbe deren Herrnschaft in ain: und anderem abtragen; und obwohlen zwar anfangs die beclagte solches in Abredt stellen und die Sach mit laugnen zu hintertreiben suechen wollen; So hat sich...



iedoch die beclagte Härtlin ex post der Harrerin, und Schmidtpäurin solche Aussprengungen ordentlich zu beweisen sich erbotten, zu den Einclagten, das derselben ein und anderes dergleichen Wortt entfallen sein könnte, bekhennet, die mitbeclagte Lanzingerin aber ein für alle Zeit behauptet, weeder von der ainen noch der anderen nichts widriges geredet zu haben, welches endlich auch die 2 Clägerinnen bey Rhat selbsten eingestanden, und also von ihr gewichen. Solchemnach ist die Lanzingerin absolviert, die Härtlin aber nebst ernstlichen Verweis in ain Stündige antragung der Geigen verfählt worden, mit dem Auftrag, da sye dise nachdennkhliche Aussprengung zuruckh nemmen und bekhennen solle, das selbe von dennen zway


Clägerinnen nichts als alles lieb und guettes zu sagen wisse, womit man sothannes nachreden als dennen zwey Clägerinnen an denen Ehren unpraejudizierlich von Ambtsweegen aufgehoben hat, id est
1 Stund in die Geigen.
6 Jahre dauerte es wohl, bis die Ehefrau ihr Heiratsgut eingebracht hatte, denn erst im Jahre 1759 quittierte der Altenteiler Wolf Härtl seinem Sohn die vollständige Bezahlung des Kaufpreises.

Wenige Jahre nach ihrer Geigenstrafe musste Catharina Härtl erneut diese Strafe erleiden, als sie vor dem Magistrat ausrief: " es gäbe keine Gerechtigkeit mehr", was nun direkt gegen die Ehre der Kötztinger Ratsherren ging..... keine Kleinigkeit in der damaligen Zeit.
Auch die Stimmung zwischen dem Vater und den nunmehrigen Hausbesitzer und Sohn war angespannt, was dem Vater alleine wegen der Verhandlung mit seinem Sohn 2 Stunden im bürgerlichen Arrest einbrachte.
Es gab aber dazu auch eine Vorgeschichte bzw. eine Kettenverhandlung in ein und derselben Beleidigungsklage:

StadtA Kötzting MR von 1762

"Umb willen sich Wolfgang Härtl burger und Leinweeber alhir unterwunden bey gehaltem Handwerch gegen den von Rhatt aus darzue verordneten Handtwechs commissarium Herrn Johann Hainrich Straubinger dess Innern Raths ganz, respectlos aufzuführen, und ins angesicht zusagen, Er commissarius habe ihme in ihren Handwerchs-Sachen nichts 


"einzureden. Alß ist ihme solches in geschärfften Ernst nachtruckhsammist verwiesen worden, mit dem auftrag, das er gegen dem Handtwerchs commissarium infuturo allen Respect gebrauchen, und dabey gedencken solle, das sollcher noe dess Magistrats stehet, und wann selber beym Handwerch ain ungebühr sicht derentwillen gar wohl zu reden, und solches abzustöhlen habe, Wobey man noch anzue dem Härtl zur Straff 1 Tag im burgerlichen Arrest zugeben dictiret id est:
1 Tag in burgerl. Arrest.

Nitweniger daßgedachter Härtl der beschechenen Clage und selbstigen EIngeständtung nach seinem Sohn Michaeln Härtl auch burgerlichen Leineweber derorthen ainen Hundtsfott und Pfuscher betitelt, ist er, nebst ernstlichem Verweiß, nach anvor beschechen obrigkleitlich zu nichts machung solcher verschandungen, 2 Stund im burgerlichen Arrest condemniert worden id est
2 Stund im burgerl. Arrest."

1762 stritten sich Vater und Sohn vor Gericht. 
1765 quittierte der Vater dem Sohn weitere fristgerechte Zahlungen
Im selben Jahr verklagte der Vater seinen Sohn und dessen Frau und obwohl sich die Parteien selber verglichen, mussten sich die jungen Härtls einer Verhandlung stellen und landeten je 1 Tag im bürgerlichen Arrest.
Die Beleidigung ist spektakulär:

Die Härtlschen Eheleute warfen dem Vater resp. Schwiegervater vor, er hätte die "S.V. Morbus Gallici", also Syphilis. Als Verteidigung brachten die Jungen nur vor, diesen von anderen Menschen gehört zu haben.

Die weitere Abfolge der Besitzverhältnisse ist aufgrund eines Mangels an Archivalien nur mit Lücken zu belegen.
Hier die Kirchentrachtliste des Klosters Rott aus dem Hauptstaatsarchiv:

HStA München Landshuter Abgabe KL Rott B5 1777-1800
Hier ist in der Tabelle die tatsächliche Abfolge der Anwesen abgebildet:
Leonhard Haas 111
112 fehlt, weil der heutige Schmidtbräukeller zum damaligen Anwesen 98 gehört
113 Josef Drückl Schneider
114 Michael Härtl Weber
115 Martin Hofmann Schuhmacher
116 Franz Mittermayr  Schlossgärtner

 


Da in einem Kaufvertrag aus dem Jahre 1785 ein Johann Michael Härtl, Häusler und Leinweber, verheiratet mit Magdalena, erwähnt wird und darin festgehalten ist, dass das Kaufobjekt – ein Stadel – von seinem Schwiegervater Adam Parzinger erbaut worden sei, spricht vieles dafür, dass zwischenzeitlich bereits eine Besitzübergabe vom Vater Johann Michael Härtl auf den gleichnamigen Sohn stattgefunden hatte. 
Auch die Kirchentrachtliste, die den Zeitraum von 1777 bis 1800 umfasst, deutet darauf hin. Dort wurden die Namen offensichtlich nicht ausgebessert oder geändert, was bei einer Übergabe vom Vater auf den Sohn mit identischem Namen auch gar nicht notwendig gewesen wäre.

Es gibt jedoch auch noch eine zweite Möglichkeit, weil die "Hartlsche Weberlinie" und die Familie Parzinger mit dem Hausnummer 107 sicher verbunden sind.
Nun also ein Blick zunächst in die Zukunft, um einen Rückblick zu ermöglichen:
Im Häuser und Rustikalsteuerkataster von 1811 ist als Besitzer ein Schötz Mathias eingegeben und im Kötztinger Heiratsmatrikel findet sich mit Datum des 23.7.1800:
Schötz Mathias, Sohn des Weißenregener Halbbauern Joseph Schötz und der Laumer Magdalena, heiratet die Anna Maria Hartl, Tochter des Michael Härtl und der Reichhold Anna Maria aus Chammünster.
Es bleibt aber trotzdem kompliziert bei den Härtls, aber wenn man lange genug sucht, findet man doch manchmal einen Ausweg: :


Schötz Mathias und Härtl Anna Maria

 

Am 6.8.1789 war Michael Härtl, der Vater, mit 65 Jahren verstorben. Im Jahre 1800 kam es schließlich zur Hausübergabe verbunden mit einer „väterlichen Erbsverteilung“. Bereits im Kopfteil dieses Vertrages wird festgehalten, dass der Weber und Häusler Michael Härtl zwar schon im Jahre 1789 verstorben war, man jedoch amtlicherseits „die nachgebliebene Mutter und Witwe mit genannten Kindern (9 leibliche und zum Teil noch minderjährige Kinder waren beim Tode des Vaters noch vorhanden) einige Zeit gemeinschaftlich forthaussen lassen wollte“.

Beim Tod des Ehemannes beliefen sich die Schulden auf insgesamt 451 Gulden. Nach Abzug des eingebrachten Heiratsgutes verblieben schließlich noch 89 Gulden, die als väterliches Erbe unter den Kindern aufzuteilen waren.
Nun hieß es weiter in der Urkunde "Nun habe sich in dem Umlauf von 11 Jahren die Verhältnisse wesentlich geändert, auch die Mutter findet sich in die Länge nicht mehr fähig das häusliche Anwesen bey anrückentem Alter zubehaupten, sie will sich also in Kraft diss mit ihren leiblichen 9 Kindern in das anerstorbene väterliche Vermögen und dem künftigen Häusl und Weeberrechtsbesitz auf erlangt Marktsobrigkeitlichen consen unter Beystandschaft des Herrn Gerichts und Marktsprokurators Lorenz Stoiber in Iudicio selbst anwesend freundschaftlich vertragen haben:"

Die Erben:
1. Michael Härtl burgerlicher Zeug und Leinweeber in Kötzting selbst anwesend (HsNro 107)
2. Mathias Härtl Fabric Weeber zu Linz in Oberösterreich
3. Joseph Härtl ebenmässiger Fabric Weeber daselbst
4. Anton Härtl dermahliger Inwoher und Weebermeister am Strohhof Landgerichts Kötzting (der Strohhof ist die Gärtnerei in Grub)
5. Wolfgang Härtl ledigtands, doch nicht ganz weltläuffig zu Hause im Aufenthalt
6. Anna des Johann Lobners Weebermeister in Böhmisch Eisenstein Eheweib
7. Theresia des Johann Weinbergers Schreiner zu gesagt böhmisch Eisenstein Weib
8. Katharina Härtin ledigstands zu WIen in Unterösterreich in Diensten
Alle diese Geschwister werden von Michael Härtl vertreten
9. Anna Maria Härtlin ledig, doch bereits vogtbaren Stands und zukünftige Vermögensübernehmerin.

Die Mutter und Witwe übergibt nun der Tochter das bürgerliche Häusl im Pfeffergraben  um 700 Gulden.
Schulden
Bei der Pfarrkirche Kötzting 100 Gulden und zwei Jahre ausstehende Zinsen
Beim Spital 40 Gulden  und ausstehende Zinsen
Bei der Rosenkranzbruderschaft 120 Gulden und drei Jahre ausstehende Zinsen.
Da der älteste Sohn Michael verzichtet, verbleiben als Erbe einschließlich des mütterlichen Heiratsgutes genau 200 Gulden, die unter die 8 Geschwister verteilt werden.

Nach dieser Erbverteilung schließt die neugebackene Hausbesitzerin einen Heiratsvertrag über 400 Gulden mit ihren zukünftigen Ehemann, dem Weißenregener Bauernsohn Mathias Schötz.
QED
Es geht also - trotz der unüblich sehr langen Zeitspanne für solch einen Generationswechsel - direkt weiter vom Hans Michael Härtls Erben auf seinen Schwiegersohn Mathias Schötz
Von der Kötztinger "Kommunalwahl" des Jahres 1806 haben sich alle Wahlzellel erhalten und so besitzen wir nicht nur ein Beispiel seiner Handschrift sondern kennen auch seine WÜnsche, was den Kötztinger Kammerer, die Räte und den Bürgerausschuss betrifft.
StA Landshut : LGäO Kötzting Nr. 793 Magistratswahlen von 1806 Wahlzettel und Bürgerliste
"Mathias Schötz 
Kammerer: Windorfer
Rat: Bauer - Gulder - Schöpperl - Haas
Ausschuss: Math Pfeffer - Gernhuber - Leszkier - L: Mühlbauer

Hier der persönliche Wahlzettel des Mathias Schötz


 

Lommer Mathias und Pongratz Anna Maria

In StadtA Kötzting AA II/44 heißt es im Jahre 1829. 
"Schötz Mathias Hausbesitzer und Weber von Kötzting und sein Eheweib bringen vor, dass sie keine leiblichen Erben haben und wollen den Lommer, ihrem Vetter ihr Anwesen in 6 - 8 Jahren übergeben. Lommer ist bereits 22 Jahre in ihren Diensten, genehmigt."
Dann verstarb am 5.11.1836  der Weber Mathias Schötz an der Lungensucht und am 17.9.1838 war ihm seine Witwe ins Grab gefolgt; sie verstarb an der Wassersucht.
Der Tod der verwitwten Weberin war wohl abzusehen, denn schon vier Wochen vorher wurde im Markt Kötzting in den Staatsbürgerverpflichtungsprotokollen knapp und kurz zusammengefasst:
"10. Aug 1838  Lommer Mathias Webergeselle aus Böhmisch Eisenstein erhielt von seiner Ziehmutter Schötz Anna Maria Häuslerin und Weberin  v Kö  das Anwesen durch Übernahme . Einwanderung und Ansässigmachung genehmigt. und Bürgerrecht erhalten."  StadtA Kötzting AA II/18
Blickt man auf die "väterliche Erbverteilung" vom Jahre 1800, so kann man gut erkennen, dass Mathias Lommer ein Enkel der Anna Maria Schötz gewesen ist und das Haus und die Webergerechtigkeit damit in der Familie bleiben.
StA Landshut Rentamt Kötzting B 28 Umschreibeheft

"Den 11. August 1838 hat Anna Maria Schötz Burgerswittwe in Kötzting an Mathias Lommer von Böhmisch Eisenstein ihr ludeigenes Burgersanwesen aldort nämlich:
die Behausung mit Stadl und Stall
den Gemeinde-Antheil von der Herrenwiese, Wiese
den Gemeinde- Antheil im Galgenberg, Acker
den kleinen Lehmgassenacker
das Ackerl in der Lehmgassse
um 900 fl ohne sonstige Änderungen übergeben."
Fast 16 1/2 Gulden kostet Mathias Lommer mittlerweile das Kötztinger Bürgerrecht als Häusler, das er im selben Jahre noch erwerben kann.
1841 wird in Bayern der Grundsteuerkataster errichtet und das Haus erhält nun seine endgültige Hausnummer - 114- .
StA Landshut Grundsteuerkataster 5039

"Hausnummer 114 in Kötzting beim Weber Mathias Lommer
Das Haus mit realer Webergerechtsame
Gebäude: Wohnhaus, Stall und STadl aneinander, dann kleiner Hofraum
Garten: Wurzgarten beim Haus
Gemeinderecht: zu ganzem Nutzantheil an den noch unvertheilten Gemeindebesitzungen.
Acker: PlNr. 955a auf dem Galgenberg - 955 182 auf dem Galgenberg beide kultiviert im Jahre 1803
Wiese: PlNr. 955b auf dem Galgenberg
walzende Grundstücke: Acker PlNr. 569 auf dem Schusterbergl an der Leimgasse
Wiese: PlNr 570 auf dem Schusterbergl an der Leimgasse
Auswärtig walzender Besitz:
siehe Steuergemeinde Grafenwiesen
(die Familie hatte ein Waldgrundstück im Watzlholz) und Arndorf

Im Jahr drauf wurde ein sogenannter Mieterkataster erstellt und dieser lässt einen genaueren Blick auf das Wohngebäude zu:
StA Landshut Grundsteuerkataster 5045
"Mathias Lommer, Weber /:Hauseigenthümer
1, Hauptgebäude
Unter der Erde: 1 Keller
I: 1 Wohnzimmer, 1 Kammer, 1 Küche, 1 Stallung, 1 Futterboden mit Dreschthenne, und Antheil vom Hausboden unterm Dach
Handzeichen "X" des Mathias Lommer

2. Joseph Altmann Inwohner /:Miether
I. 1 Wohnzimmer, 1 Kammer und Bodenantheil unterm Dach
Unterschrift: Joseph Altman"


Im Jahre 1843 muss sich Mathias Lommer zusammen mit einem anderen Nachbarn - Leonhard Mittermaier (Schlossgärtner Hardl)  vor dem Kötztinger Vergleichsamt stellen, es geht - übrigens wie auch Jahrzehnte später erneut mit anderen Nachbarn - um das Problem der oberirdischen Wasserableitung in dem hängigen Gelände.
"23. Juni 1843: Xaver Henneberger Buchbinder zu K beklagt  heute 
1. den Leonhard Mittermeier Bürger und
2. den Matthias Lommer Webermeister v K deshalb weil  die Beklagten das Regen- und Gießwasser von seinem bisherigen Wasserverlaufe weg leiten und solches gegen sein neuerbautes Wohnhaus hinleiten, wodurch ihm an dem Gemäuer Schaden zugeht und bittet derselbe um Abstellung dieses Unfuges. Die Beklagten erinnern dagegen, dass sie an dem bisherigen Laufe des Wassers eine Änderung  nicht vorgenommen haben und somit sie den Kläger keinen Schaden zufügen können. Auf amtliches Zureden endlich kommen die Teile dahin überein dass der bisherige Wasserlauf beibehalten und jede Neuerung an diesem Gießwasserlaufe vermieden werde wogegen Henneberger verbindlich macht den Wassergraben zu reinigen und zu unterhalten,
"
Der Buchbinder Xaver Henneberger hatte kurz zuvor unter der späteren Hausnummer 120a im Bereich des heutigen Pfeffergraben seinen gemauerten Neubau errichtet.
Am 17.11.1864 war die Weberin Anna Maria Lommer an Hydrops verstorben im Alter von 59 Jahren.
Mathias Lommer verstarb als "Spitalpfündtner" mit 79 Jahren erst am 24.3.1872 an Altersschwäche.

Lommer Joseph und Schnitzbauer Rosina


Am 26.11.1866 heiratet Joseph Lommer, der Sohn des Mathias und der Anna Maria, die Zwieseler Nagelschmiedstochter Rosina Schnitzbauer und weniger als ein halbes Jahr danach brach die Katastrophe über das junge Paar herein. In der Nacht vom 3. auf den 4. Juni brach in der Marktstraße - im Anwesen, in dem bis vor Jahren der Gasthof Dreger gewesen war - in einem rückwärtigen Gebäude aus Nachlässigkeit ein Bran aus, der sich blitzartig bis hinauf zum heutigen alten Friedhof und hinunter bis zur heutigen Kreuzung Bahnhofstraße/Holzapfelstraße ausbreitete und alles dazwischen in Schutt und Asche legte. Viele weitere Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite wurden ebenfalls beschädigt. Das vollständig aus Holz errichtete Haus der Webersfamilie Lommer wurde bis auf den Grund verbrannt.
StA Landshut Rep 164/8 Nr. 1570 der Marktbrand in Kötzting

HsNr. 114 Lommer Josef, Weber
Die Beschreibung des Gebäudes vor dem Brande vide Protokoll sub Nro XXXV
Befund:
ad 1) dieses Gebäude ist bis auf den Grund niedergebrannt, jedoch zeigen sich einzelne Futtermauerreste welche die Schwellen theilweise unterstützten. Schaden total
ad 2) Auch dieses Gebäude ist bis auf den Grund niedergebrannt. Schaden Total
(versicherte) Schadenssumme 300 Gulden

Nun also weiter zur Zustandsbeschreibung vor dem Brande: 

"XXXV
Lommer Joseph, Häusler und Weber
1. Das einstöckige Wohnhaus am Pfeffergraben von Holz erbaut u. mit Legschindelbedachung versehen gewesen.
2. Der einstöckige angebaute Stadel mit Stallung, ersterer mit Bretterumfassung bestanden, letzterer von Bruchstein aufgeführt u. beide Gebäulichkeiten mit einem Legschindeldache versehen gewesen.
Das Resultat der Besichtigung  u. Schadenserhebung vide Tab U sub Nr. 9
Unterschrift Josef Lomer"
Auf dem folgenden Ausschnitt kann man das verheerende Ausmaß des Brandes im Bereich des heutigen Pfeffergrabens erkennen.

Und so radikal wurde nach dem Brand der Straßenzuschnitt in diesem Bereich verändert. Da mit ganz wenigen Ausnahmen die Häuser in diesem Bereich alle aus Holz gebaut gewesen waren, konnte dies auch sehr relativ einfach vom "Reißbrett" in die Wirklichkeit übertragen werden.

StadtA Kötzting AA V 84 1867 Plan nach dem Marktbrand Straßennamen

Die heutige Holzapfelstraße wurde nun als Schulhaus-Straße umbenannt, der damalige Pfeffergraben verschwand komplett, er wurde ersetzt durch das schmale Schulhausgasserl. Der heutige Pfeffergraben hieß Pfeffergrabengasserl und die heutige untere Marktstraße war damals die Chamer Straße.

Im Umschreibebuch des Jahres ab 1860 kann man erkennen, dass ein sehr häufiger Besitzwechsel eingetreten ist.
StA Landshut Grundsteuerkataster 5060




Es sieht sogar so aus,  dass Lommer Josef - ein Josef Lommer ist später als Taglöhner in Kötzting aktenkundig und der Vater verstarb ja 1872 verarmt als Spitalpfriemdter - das Haus gar nicht mehr aufgebaut hat, sondern direkt die Brandstätte veräußert hat, denn im Datenblatt kann man erkennen, dass dem Nachfolger Anton Dimpfl das Grundstück am 7. Juli 1868 verbrieft worden ist.

Dimpfl Anton  und Filomena Haselsteiner



StA Landshut Grundsteuerkataster 5050

Durch die neue Wegeführung zusammen mit den neu errichteten Häusern ergaben sich dann aber auch Probleme in den hängigen Gelände, weil sich damit auch alte Wegerechte und Wasserabflussmöglichkeiten verändert hatten.

Im Jahre 1872, also nach dem Neuzuschnitt der Kötztinger Straßen v.a. in dem Bereich des Pfeffergraben und der heutigen Holzapfelstraße  kommt es zu einem Nachbarschaftsstreit  wegen all dieser Problemfelder

Hier zur Erläuterung des Streits die jeweiligen Hausbesitzer zu der Zeit
Probst auf der 113(b)
Dimpfl auf 114
Fink auf 115


20. Dezember 1872: Erscheint der Flößer Josef Fink und erklärt: Wegen der Fahrt von meinem Hause hinter dem meines Nachbarn Dimpfl weg, welche mir letzterer verwehrt verlange ich Augenschein durch eine magistratische Commission, um sodann eventuell Klage stellen zu können.
Augenschein Protokoll: Der vorgenommene Augenschein ergab folgendes. Hinter dem Hause des Fink und Dimpfl zieht sich gegen das Anwesen des Probst zu ein schmaler, ferner an die Straße angrenzenden Platz hin, welcher jeder der genannten Anwesen als Ab- bzw. Zufahrt dient.
Dimpfl hat auf seinen Platz einen Düngerhaufen aufgelegt, welche die Ab- und Zufahrt zu Fink hindert. Die Frage, ob diese Düngelagerung gestattet werden kann, soll im Vergleichswege gelöst werden und soll deshalb  ein Sühneversuch anberaumt werden. 

16. Jänner 1873: Erscheint Herr Anton Dimpfl, Hutmacher dahier und erklärt: zwischen meinem und dem Hause des Probst läuft das Wasser von oben herab durch und über meinen Grund der abhängige Lage gemäß auf jenen des Probst. Letzterer vermacht nun den Abfluss des Wassers, so dass Letzteres auf meinem Grund stehen bleiben muss. Aber nicht genug damit, wirft er einen förmlichen Wall auf, unterminiert meinen Zaun,  schlägt Pfeiler u dgl ein , kurz geriert sich, als ob ich gerade mit mir tun müsste lassen was er wollte.
Ich bitte nun dringend um Augenscheinnahme, da ich , wenn heute Regenwetter eintritt, vom Wasser geradezu überschwemmt werde. Ich bemerke hierbei, dass das Ganze lediglich nur aus Bosheit drüben geschieht,  weil ich mit seinem Schwager Fink wegen einer Fahrt in Differenzen bin. Es kam trotz großer Bemühungen kein Vergleich zustande. 

2. Juni 1874: Erscheint Binder Probst und erklärt: Beim Vergleiche am 20. Januar 1873 wurde bestimmt, dass Dimpfl einen Kanal zum Abfluss seines Wassers herstellen lassen muss. Dieses ist bis jetzt noch nicht geschehen und ich habe immer das Wasser im Hofe, auch läuft dasselbe in den Brunnen. Ich ersuche nun, den Dimpfl nochmal aufzufordern, ob er den Kanal herstellen will oder nicht. Außerdem bin ich gezwungen die Sache weiter zu verfolgen. -

9. Juni 1874: Herr Dimpfl erklärt: Nach dem schriftlich am 20. 1. 73 vor dem Vermittlungsamte abgeschlossenen Vergleiche habe ich lediglich mein Hauswasser abzuleiten, was auch geschehen ist. Ich habe eine Rinne anbringen lassen, nun läuft das Wasser neben meinem Hause vorüber rückwärts in den Straßengraben.
Dagegen kommt vom Schulhause her bei starken Regen viel Wasser, weil die Schulgemeinde den Kanal noch nicht hergestellt hat, wie dieses im Protokoll vom 20. 1. 73 bestimmt ist. Dieses Wasser läuft natürlich hin wo es will und kann ich nicht dafür, wenn  dieses Wasser zum Probst läuft, er muss Klage gegen den Magistrat als Schulverwaltung einreichen.  

Im Umschreibeheft finden sich unter dem Jahre 1869 gleich drei bemerkenswerte Einträge zum Hutmacher Anton Dimpfl:

10.3.1869: „Dimpfl Anton und dessen Braut Leßzkeur Josefa >>> Ehevertrag“
8.4.1869: „Nun Rücktrittehevertrag“
19.8.1869: „Dimpfl Anton und dessen 2. Braut Tischner Philomena mit Ehevertrag“

Was es mit dem letzten Eintrag auf sich hat, lässt sich verhältnismäßig leicht klären:
Am 1. September 1869 heirateten der Hutmacher Anton Dimpfl, Sohn des Metzgers Johann Dimpfl und dessen Ehefrau Barbara, geborene Koller, und die Mesnerstochter Filomena Haselsteiner aus Weißenregen, eine verwitwete Tischner.

Rätselhaft bleibt dagegen der erste Eintrag mit der „Josefa Leßzkeur“ beziehungsweise „Leszkier“ in ihren verschiedenen Schreibweisen. 
Für eine solche Frau findet sich weder ein Sterbeeintrag, der ein plötzliches Unglück erklären könnte, noch ein passender Heiratseintrag. Auch die später im Jahre 1907 heiratende Josepha Leszkier dürfte mit der geplatzten Verbindung von 1869 kaum identisch sein.
Interessant ist allerdings ein Hinweis aus einem Taufeintrag: Bei der Geburt dieser jüngeren Josepha Leszkier im Jahre 1886 in Kötzting erscheint als Taufpatin eine „Josepha Leßzkier, Pfarrhaushälterin in Blaibach“.
Damit verdichtet sich der Eindruck, dass hinter dem „Rücktrittehevertrag“ wohl weniger ein Schicksalsschlag als vielmehr ein persönlicher Entschluss stand. Offenbar wurde die bereits vertraglich vorbereitete Hochzeit zwischen Anton Dimpfl und Josepha Leßzkier noch vor der Trauung wieder aufgehoben — ein Vorgang, der zwar selten auftaucht, aber eben doch vorkam.
Was es nicht alles gibt.

Am 9.9.1869 jedenfalls bezahlte der Hutmacher Anton Dimpfl 24 Gulden das Kötztinger Bürgerrecht. und wird im Kötztinger Gewerberegister als Hutmacher eingetragen mit dem Zusatz: "will das Geschäft ohne Gesellen betreiben, ohne Laden"
In einem Bauantrag eines seiner Nachbarn ist im Jahre 1884 oben rechts - vlt nur schwer zu lesen - das Haus des " Schuhmachers Dimpfl" eingetragen

StA Landshut Rep 162-8  Sch. 21 Nr.  3141 Lang Josef 1884


Der Name "Dimpfl" hat natürlich in Kötzting einen besonderen Klang (Siehe die Häuserchroniken der alten Hausnummern 22 und 24)  und es war schon interessant, herauszufinden, ob zu diesem Familienzweig eine Verbindung besteht.
Als im Jahre 1888 eine Frau Babette Mühlbauer - Gastwirtswitwe in Kötzting und in erster Ehe verheiratete Dimpfl - verstirbt befinden sich unter ihren Erben auch "unser" Anton Dimpfl

StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 31 Nr. 60 Dimpfl Babette von 1888
"Babette DImpfl - 65 Jahre 8 MOnate - Gastwirts und Metzgermeisterswitwe - verwitwet - am 14.Juni 1888 nachmittags 4 1/2 Uhr - in Kötzting im Haus Nummer 116, sonst wohnhaft in Kötzting Hausnummer 24."

Zu den erbenden Kindern:
Mühlbauer Anna Gastwirtin in Weißenregen
Anton Dimpfl, Hutmacher hier,
Johann Dimpfl, Bezirksamtsschreiber
Babette Dimpfl, ledig hier
Heinrich Dimpfl, Gastwirt in Aschaffenburg
Xaver Dimpfl, Gastwirt in München
Kathi Dimpfl, Tochter de verstorbenen gg Dimpfl dahier, minderjährig: Vormund Anton Dimpfl, Hutmacher dahier


Decker Franz Paul


Der nächste Besitzübergang verlief lt Umschreibeheft über eine Versteigerung des Besitzes und der neue Eigentümer wird im Dezember 1884 Franz Paul Decker. Ein fast identischer Lageplan eines Bauantrages wie kurz zuvor,  nur eben jetzt im Jahre 1885, zeigt uns den neuen Besitzer.
StA Landshut Rep 162-8  Sch. 21 Nr.  3151 Haas Anton Neubau Fassade

Die genauere sehr umfangreiche Geschichte, Herkunft des Franz Paul Decker kann in der Häuserchronik der alten Hausnummer 96 - früheres Kaufhaus Gartner - nachgelesen werden.
Dieses Haus war das eigentliche Stammhaus der Decker-Familie, auch wenn "der Decker" später zum Hausnamen des Hauses am Marktplatz geworden ist.

Es ging munter weiter mit dem Besitzerwechsel:

Am 31.8.1885 werden Breu Josef und Katharina durch Kauf die neuen Besitzer, danach folgen am 222.6.1891 Ehrle Johann Baptist und wenige Monate später am 11.10.1894 das Ehepaar Alois und Barbara Steininger, die das Haus ein halbes Jahr später an Theres Straßer verkaufen.
Als letzte Besitzerin im Umschreibeheft steht dann eine Vogl Franziska, die am 28.11.1896 das Haus gekauft hat.

Die Lücke dieser munteren Käufe und Verkäufe lässt sich nicht vollständig schließen, aber aus dem Jahre 1922 gibt es einen Bauakt, der uns einen schönen Blick auf das Haus gewährt, wie es damals von einem Holzhändler Franz Dattler gebaut wurde.

Franz Dattler


StA Landshut Rep 162-8 Sch. 25 Nr. 3593 Michael Dattler Wohnhaus 1922 Hanr 114




Der Bauplan wurde damals vom Kötztinger Techniker Weininger entworfen.

Fotos gibt es nur wenige, die uns eine gewisse Bauentwicklung des Gebäudes zeigen können. In den 80er Jahren wurde - im Zusammenhang mit den geplanten Sanierungen der Straßen in der Stadt die Holzapfelstraße systematisch abfotografiert.... allerdings wohl nur mit einer minderwertigen Ausrüstung und ohne die Negative aufzuheben. Ein Scan von den Bilderabzügen ist idR eher schwach in der Auflösung.
Sammlung Stadt Bad Kötzting


Alois Miethaner und Kreszenz Silberbauer

Das Ehepaar Miethaner besaß seit Anfang der 1900er Jahre bereits das Haus 117 in der direkten Nachbarschaft - heute Hackl Franz und vorher das Haus der Familie Obermayer. 
Für ihr Adoptivkind Maria Miethaner, geborene Silberbauer, erwarben sie dieses Anwesen und renovierten es gründlich.
 In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg spielten sich dort Vorfälle ab, die noch heute betroffen machen. Die entsprechenden Akten wurden unserem Archiv aus privater Hand überlassen. Sie unterliegen jedoch aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes noch für längere Zeit einer Sperrfrist.

 
 

 

Miethaner Maria


Von der Familie Miethaner zuerst an Kindes statt angenommen und im Jahre 1930 dann adoptiert, bewirtschaftete Frau Maria Miethaner das Haus später.
DIA-Repro 1101 Haus Miethaner (Marie)  Fischer, Holzapfelstraße 

DIA-Repro 1102 Haus Miethaner  (mit Dresdner Burschen)



Von Josef Barth sen. haben wir eine Bilderserie in unserer Sammlung, die dieser von seinem Schlachthaus - zwei Häuser weiter oben und heutzutage das Wohnhaus des Michael Irlbeck gleich bei der Einfahrt zum neuen Parkhaus - gemacht hat und im Hintergrund das Haus mit abgebildet hat.
Foto Josef Barth sen.


DIA-Repro 3044 das Schulgasserl mit der Rückseite des Gebäudes

DIA-Repro 3402 

Und dann möchte ich nicht unterlassen, eine wichtige Person zu erwähnen, die in diesem Hause gewohnt hat, den Kötztinger Wasserwart Sepp Schedlbauer:
DIA-Repro 2149



Detail aus: Luftaufnahmen Serwuschok: hier das ganze Ensemble, sicherlich ein kleines Kötztinger Idyll in Ruhe und Beschaulichkeit



Auch vom Architekten Siegi Wild gibt es eine Aufnahmenserie, die dieser im Zusammenhang mit mehreren Straßenausbauprojekten gemacht hat und darauf findet sich auch diese Aufnahme der Holzapfelstraße:



Und zum Abschluss noch einmal eine Aufnahme in Bewegung, als zu Anfang der 80er Jahre der Kötztinger Burschenverein in Zusammenarbeit mit dem Trachtenverein damals noch händisch den Kötztinger Maibaum aufgestellt hat und diesen die Holzapfelstraße herauftransportiert hat.
Auch hier ist aber leider das Haus nur als Kulisse im Hintrergrund zu erkennen.


🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken. Wer es noch nicht weiß, um was es sich bei diesem Programm handelt, kann sich gut im folgenden Blogbeitrag informieren: Die interaktive Karte und ihre Möglichkeiten :

🔎 Wer diesen Beitrag dort wiederfinden möchte, muss ein wenig suchen:
Er verbirgt sich in der Markergruppe Kötztinger Häuserchronik 

Viel Freude beim Entdecken!

                                              🗺️ Interaktive Karte Kötzting öffnen





Freitag, 5. Juni 2026

Kötztinger Häuserchronik - alte Hausnummer 113

 Das "alte Kötzting" bei der Uraufnahme bei der beginnenden Landvermessung hatte 159 Anwesen. Der Geschichte dieser Bürgerhäuser und ihrer Bewohner nachzuspüren und sie zu dokumentieren, ist das Ziel dieser Häuserchronik. Die Anfänge und die Entwicklung unserer Heimatstadt – von der Teilung der Urhöfe bis zur Ernennung Kötztings zum Landgerichtsort – lassen sich in einem einleitenden Blogbeitrag ausführlich nachlesen.

Für die nächsten zehn Häuser in der Liste gilt allerdings eine Besonderheit:Die Anwesen mit den alten Hausnummern 113 bis 123 lassen sich zwar weit in die Vergangenheit zurückverfolgen, wurden jedoch nach dem verheerenden Marktbrand von 1867 aufgrund des neuen Straßenzuschnitts im unteren Markt nicht mehr an ihrem ursprünglichen Standort errichtet.
Mit dem Bau der unteren Marktstraße, des Pfeffergrabens und später der Holzapfelstraße entstand vielmehr ein völlig neuer Ortsteil, in den die „alten“ Hausnummern übertragen wurden. Die eindeutige Identifizierung dieser Häuser ist deshalb heute nur noch über die übernommenen Hausnummern möglich.

Alte Hausnummer 113

beim  Drickl


Detail aus Vermessungsamt Cham: 5168-2100-LiquiP_Bad_Koetzting_1831_Beilage_M2500_1_1-01

Das „südliche Anhängsel“ an unserem rot markierten Haus Nr. 113 mit der Nummer 98 diente damals – die Karte stammt aus dem Jahr 1811 – als Stadel für landwirtschaftliche Fahrzeuge des heutigen Hotel zur Post. Später wurde das Gebäude als Nebengebäude der Firma Haas genutzt. 
Wegen des oben beschriebenen Zuordnungsproblems bildet das Häuser- und Rustikalsteuerkataster von 1811 für uns den ersten „Anker“, von dem aus wir weiter in die Vergangenheit vorzustoßen versuchen können.
Eine zusätzliche Schwierigkeit liegt darin, dass dieses Häuser- und Rustikalsteuerkataster die erst 1840 eingeführten endgültigen Hausnummern noch nicht kennt. Eine hilfreiche Hand hat jedoch wohl schon bei der Erstellung des Grundsteuerkatasters von 1840 diese „Entschlüsselung“ vorgenommen und die späteren Hausnummern mit Bleistift am Rand vermerkt.
StA Landshut Rentamt Kötzting Rep 300 B27
Markt Kötzting - Bro 107(!) Joseph Druckl - (in Blei: HN 113)
a:Das zum Theil gemauerte, zum Theil gezimmerte Haus mit Stall und Schupfe, dann 
b: einen Hausgarten
Nutzantheil an den noch unvertheilten Gemeindegründen
Gemeindsantheil im Kroith
( heute der Schinderbuckel) ao 1803 zu Acker cultiviert
Noch ein erkhaufter Gemeindeantheil in den Kroithhäng ao 1803 zu Acker und Wiese cultiviert
Das aus den Klosterpfarrgründen erkaufte Ackerl im Kroith

Diese Sucharbeit in Richtung der Vergangenheit endet mit dem Kötztinger Mesner Johann Georg Arendt, der bei einem Hausweiterverkauf im Jahre 1744 als der vorherige Besitzer angegeben ist.
Es ist leider fatal, dass es in der Reihe der Kötztinger Briefprotokolle eine ärgerliche Lücke zwischen 1742 und 1744 gibt, die es uns nicht erlaubt, den Hausbesitzer vor JG Arendt zu erfahren.
Somit haben wir als ersten belegbaren Hausbesitzer den Kötztinger Pfarrmesner Johann Georg Arent.

Johann Georg Arendt
mehr zu den Kötztinger Mesnern in der Häuserchronik des Mesnerhauses:


Josef Schaffner


 
StadtA Kötzting Verhörsprotokoll 1739ff vom 8.7.1744
Burgersaufnamb
Weillen Joseph Schafner gewester Preim: zu Eschlkamb, dem H: Johann Georgen Arent Pfarrmösnern alhier sein Bürgersgheusl aberkhaufft; als hat man deme auf seinBeschechen Gezimmentes Bitten, vor ainen Burger an: und aufgenommen, dergestalten, daß er zumm pactiwerten Burgerrecht 6 fl 50xr bonifizoieren: auch all Burgerli: gehorsamb laisten solle id est 6 fl 40 xr
In der Kammerrechnung fol. 12 verrechnet
.
Bereits im Jahre 1742 ist ein Brauer Joseph Schaffner in den Kötztinger Pfarrmatrikeln zu finden, als er - als Witwer und Brauer in Miltach bezeichnet - die Kötztinger Metzgerstochter Anna Maria Pirzer heiratete. (30.6.1742)

Am 30. März 1751 ist der Verkauf des Hauses durch Josef Schaffner an die verwitwete Küfnerin Maria Anna Dirnberger protokolliert. Im Verkaufsprotokoll wird dabei nochmals auf den vorherigen Erwerb durch J. G. Arent vom 8. Juli 1744 Bezug genommen.

Dirnberger Maria Anna 


Der Kaufpreis betrug 166 Gulden und bei der Lage des Hauses heißte es: "ufm Pfeffergraben und negst Wolf Haertl , Weber entlegen". 
Nachdem es in der Familie Dirnberger - deren Haus in der Nachbarschaft gelegen ist - zeitgleich einen Generationswechsel mit Hausübergabe gegeben hat, steht zu vermuten, dass die Witwe Dirnberger für sich und ihre noch ledige  Tochter - oder noch weiteren Kindern - das Haus gekauft hat, denn gerade mal 5 Jahre nach dem Kauf übergab Maria Anna Dirnberger das Haus an ihre Tochter Katharina und den "Tochtermann" Josef Bauer.
StA Landshut Markt Kötzting Briefprotokoll von 1757: Kopf der Verkaufsurkunde
Kaufsybergabs Beschreibung
per 150 fl
Anna Dirnbergerin verwittibt
burgerliche Kueffnerin alhir


Josef Bauer und Katharina Dirnberger


Maria Anna Dirnberger verkauft das am 30. März 1751 von Josef Schaffner erworbene Haus am Pfeffergraben, unweit des Schlossers Häusl gelegen, mitsamt Wurzgärtl und Gumpbrunnen um 150 Gulden an ihre Tochter Katharina Dirnberger. Dabei wird ausdrücklich vereinbart: "dieser Gumpbrunnen geht mit Benno Strasser - das ist der Schlosser - im gemainschaftlichen Genuss." Der Mutter wird zudem das "vorhandene Stibl" als Herberge zugesichert sowie "ain Orth im Stahl zu Haltung ainiges Schaaf aingeraumbt". 

Am 23.1.1758 heirateten der Kötztinger Schneidersohn Joseph Bauer - Sohn des Kötztinger Ratsherren und Schneiders Andreas Bauer und seiner Ehefrau Anna - die Kötztinger Küferstochter Katharina Dirnberger - Tochter des Küfers Johann Georg Dirnberger und seiner Frau Anna, einer geborenen Schwarz.  Die Trauzeugen waren die beiden Bauern Michael Bauer aus Reckendorf und Vogl Johann aus Meinzing.

PfA Kötzting Band 14 Seite 161 Heiratseintrag 

Im Sommer des darauffolgenden Jahres schließt das Ehepaar einen eigenen Heiratsvertrag. Darin bringt der Schneidermeister die "von seiner Mutter gekaufte Schneidersgerechtigkeit" vertraglich in die Ehe ein, während seine Frau im Gegenzug das von ihrer Mutter erworbene Haus in die Verbindung einbringt.

Im Jahre 1760 muss der Schneider Joseph Bauer eine ganz besondere Strafe von 17 Kreuzern bezahlen. Sein Vergehen: das Alleinehüten.
Zu dieser Zeit wurden die Kötztinger Nutztiere noch in einer gemeinsamen Herde, angeführt vom Gemeindehirten, zum Weidegang auf die der Allgemeinheit zustehenden Flächen geführt.

StadtA Kötzting Marktrechnung von 1760 Seite 24
"Nitweniger
So ist gleichfahls Joseph Paur Burger  und Schneidermaister derorthen von dem Pfendter mit seinen 2 Schaafen in ainem Haaber SaammenVeldt ganz allein hierttend angetroffen und demnach, weillen es auch das erstemahl mit der Gewahrnung wie voriger angesehen, und mit der oerd: Straff vom Stuckh per 1 allen 2 also 2 ßpfennig beleget wordten thuet 17 xr 1 H
."
Wegen dieser Pflicht, seine Nutztiere mit der Herde grasen zu lassen, war das "Alleinehüten" unter Strafe gestellt worden und dafür gab es sogar - solange bis die Strafe bezahlt war - einen eigenen "Pfendterstall" im oberen Tor, dem Chamauer Tor. Die Tiere wurde also, wenn auf frischer Tat ertappt, gepfändet und im oberen Tor in einem Stall untergebracht.
Ebenfalls im Jahre 1760 wird es etwas kompliziert und - es hat den Anschein, als ob die Schreiber vor mehr als 250 Jahren auch nicht ohne Fehler gewesen wären.
Ein Schwager beziehungsweise Bruder der Ehefrau hatte der gemeinsamen Mutter, Anna Maria Dirnberger, 30 Gulden geliehen, damit diese im Jahr 1751 das kleine Haus kaufen konnte. Bemerkenswert ist dabei eine Unstimmigkeit in den Quellen: Die eigentlich als Katharina Dirnberger bekannte, inzwischen verheiratete Bauer, wird in diesem Zusammenhang als Anna Maria Bauer und als Ehefrau des Joseph Bauer bezeichnet. Um diese Schuld nun zurückzubezahlen, nimmt das Ehepaar ein Kapital von 30 Gulden bei der St. Sebastiani-Bruderschaft auf und lässt über diese Summe einen Schuldrevers ausstellen.
Drei Jahre später - nun heißt die Gattin wieder Katharina - steht die Frau des Kötztinger Schneidermeisters vor Gericht, hier dem Kötztinger Magistrat, der damals noch die niedere Gerichtsbarkeit hatte:

StadtA Kötzting Marktrechnung von 1766
"Catharina Paurin Schneiderin. und Rosina Kalbin Würthin alhier seint unter einem Gezänckh mit verschiedenen Schmäch Wortten gegen einander gerathen, welches ihnen Verwisen, und zur STraf 1 Pfund Pfennige angelegt worden id est 1 fl 8 xr 3 1/2 (eigentlich 4) He."
Im Bayerisches Hauptstaatsarchiv befinden sich einige Steuerlisten, die immer wieder wertvolle Hinweise darauf geben können, ob die Zuordnung einzelner Personen zu den jeweiligen Anwesen tatsächlich korrekt ist. 
Der große Vorteil mancher dieser Listen – vor allem aus der Zeit vor der endgültigen Festlegung der Hausnummern – liegt darin, dass ihre Reihenfolge häufig auch die tatsächliche Nachbarschaft der Häuser zueinander widerspiegelt.
HStA München Landshuter Abgabe Kl Rott B 5 1777-1800

Hier finden wir also in unmittelbarer Reihenfolge die Namen Leonhard Haas – Joseph Paur – Michael Härtl. Auffällig ist dabei, dass bei Joseph Paur der Name Paur durchgestrichen und durch Drückl ersetzt wurde. Zudem sind bei ihm – anders als bei den beiden Nachbarn – bei den Ernteabgaben einzelne Werte eingetragen. 
Dies deutet darauf hin, dass Josef Bauer und später auch sein Nachfolger Josef Drückl einen kleinen Feldbau betrieben und deshalb Naturalabgaben zu leisten hatten. Ihre beiden Nachbarn dagegen waren offenbar reine Häusler, ohne nennenswerten zusätzlichen Grundbesitz.
Eine weitere zusätzliche Bestätigung dieser nachbarlichen Abfolge ergibt sich aus den Kaufverträgen: Einmal wird als Nachbar der Schlosser Strasser genannt, ein anderes Mal ein Weber Härtl. Auch diese Hinweise fügen sich stimmig in das Bild der unmittelbaren Nachbarschaft ein.


Joseph Drickl und Genoveva Bauer



Am 4.10.1793 übergibt die - mittlerweile verwitwete - Katharina Bauer ihr Haus "am Pfeffergraben mitsamt Schneidersgerechtigkeit, nebst Wurzgartl und neuerrichtetem Gumpenbrunnen" an die Tochter Genoveva. Es sind 50 Gulden Grundschuld bei der St. Sebastiani Bruderschaft und 15 Gulden bei der Bruderschaft in Weißenregen vermerkt. Der Kaufpreis wurde mit 400 Gulden vereinbart.
Am selben Tag noch schließt die neue Hausbesitzerin einen Heiratsvertrag mit dem den Regener Schneidermeisterssohn Joseph Drückl, der mit 60 Gulden Mitgift das von ihr eingebrachte Haus "widerlegt".
Sieben Kinder werden die beiden Schneidersleute in Kötzting bekommen, von denen nur 3 das Erwachsenenalter erreichen, Josef,  Lorenz und Anna. Die anderen Geschwister versterben alle in jungen Jahren: Therese mit 3 Wochen, Anna Maria mit 4 Jahren, Joseph - an Stickhkatarrh - mit 1 Jahr, Appolonia - an Darmentzündung -  mit 12 Jahren 

Ende August 1797 trennt sich Joseph Drückl/Drickl von einem kleinen Acker in der "Scheiblwiese". Nur wenige Wiesengrundstücke in Kötzting besitzen eine eigene Bezeichnung.

Vermessungsamt Cham Detail aus: 5168-2100-LiquiP_Bad_Koetzting_2_1-01

Die Plannummer 359 des obigen Planes bezeichnet die sogenannte "Scheiblwiese", um deren Bewässerung es in Kötzting damals viele Streitverfahren gab. Ganze 143 Gulden erhielt der Schneidermeister für dieses kleine Grundstück.
Im Jahre 1805 kann sich der Schneidermeister 150 Gulden von der Marktkasse leihen und hinterlegt dafür seine "Bürgerbehausung", die zugleich mit 400 Gulden feuerversichert ist.
Durch einen unbekannten Zufall haben sich die Wahlzettel der Kötztinger "Kommunalwahl" von 1806 komplett erhalten: Hier zunächst die Übertragung des Wahlzettels in die Gesamtliste. Damals gab es keine Wahlvorschläge sondern Jedermann konnte seine Lieblingskandidaten für die drei Ämter: Bürgermeister. Gemeinderat und Bürgerausschuss frei bestimmen.


StA Landshut LGäO Kötzting Nr. 793 Magistratswahlen von 1806
Hausnummer 93 : Josef Drickl
Für den Bürgermeister: Windorfer
Für den Rat: Anton Mack - Leszkier - Schepperl - Gernhuber
Für den Ausschuss: Math. Pfeffer - L: Mühlbauer - Baptist Lanzl und Jos. Reitmair

Hier nun sein handschriftlicher Wahlzettel:



Haus Nro 93
Vor Joseph Drickl Schneitermeister die Kammer
und Rhat wall wie auch die vor Ausschuß

Vor dem Herrn Kammer ist meine Stimme Herr
Johann Georg Windorfer alls Kammerer

Zu die Vier Ratt Herrn ist meine Stime der Erste an den Mag Naglschmitt, der 2. Herr Lesger Goltarbeiter
der dritte Herr Schebl Bater der 4 Gasper Giergenhueber Hafner

Der Ausschuß otter Gemeins Vertr. der erste Matias
Pfefer schneitermeister der 2. Lorenz Mielbauer Lein und Zeug
weber der 3. Papist Länzl Schneuter Meister der 4. Joseoph
Reitmair Kuefner vor der Brug"

Im selben Jahr kommt es zu einem Grundstückstausch: der Bäckermeister Georg Seiderer gibt an den Schneidermeiter seinen "Wiesengrund auf dem sogenannten Richtanger per 3/4 Tagwerk" und erhält dafür den Dricklschen "Laubberganteil am Watzlhof". Da das Wiesengrundstück einen viel höheren Wert hatte, muss Drückl noch 200 Gulden als Ausgleich draufgeben.
Lange behält Joseph Drückl die eingetauscht wiese nicht, sondern verkauft diese im Jahr drauf an den damaligen Müller auf der Sagmühle Johann Weber. Da er nun aber nur 200 Gulden für dieses Grundstück erzielen kann, hat er wohl einen finanziellen Verlust hinnehmen müssen. 

Es kommt das Jahr 1811 und un Kötzting werden zum ersten Male Hausnummern vergeben - auch wenn diese 30 Jahre später bei der endgültigen Festlegung - noch einmal leicht verschoben werden mussten, weil bei der Erstaufnahme Gebäude in kommunalem oder kirchlichen Besitz übergangen wurden.
Hier nochmal - mit diesem Häuser- und Rustikalsteuerkataster haben wir ja diesen Beitrag begonnen - 
der Eintrag:
Eine zusätzliche Schwierigkeit liegt darin, dass dieses Häuser- und Rustikalsteuerkataster die erst 1840 eingeführten endgültigen Hausnummern noch nicht kennt. Eine hilfreiche Hand hat jedoch wohl schon bei der Erstellung des Grundsteuerkatasters von 1840 diese „Entschlüsselung“ vorgenommen und die späteren Hausnummern mit Bleistift am Rand vermerkt.
StA Landshut Rentamt Kötzting Rep 300 B27
Markt Kötzting - Hro 107(!) Joseph Druckl - (in Blei: HN 113)
a:Das zum Theil gemauerte, zum Theil gezimmerte Haus mit Stall und Schupfe, dann 
b: einen Hausgarten
Nutzantheil an den noch unvertheilten Gemeindegründen
Gemeindsantheil im Kroith
( heute der Schinderbuckel) ao 1803 zu Acker cultiviert
Noch ein erkhaufter Gemeindeantheil in den Kroithhäng ao 1803 zu Acker und Wiese cultiviert
Das aus den Klosterpfarrgründen erkaufte Ackerl im Kroith



Nun folgt der nächste Besitzerwechsel:


Lorenz Drickl und Obermaier Katharina






Bei der oben bereits angeführten Schuldverschreibung des Dricklschen Ehepaares bei der Marktkasse ist es nicht geblieben; vielmehr häuften sich Rückstände über Rückstände an. Um sein Anwesen vor der Zertrümmerung zu retten, versuchte Johann Drickl, dieses auf seinen Sohn Lorenz zu übertragen. (StadtA Kötzting AA X/55)
Im Jahre 1824 stellte er zudem ein Gesuch um die „Verleihung einer Schneidergerechtsame“. Drickl wollte dabei nicht nur einen Teil seines Anwesens, sondern auch seine Schneiderkonzession an den Sohn weitergeben. Die Gesamtschulden bezifferte Drickl sen. auf 896 Gulden. Sein Sohn Lorenz übernahm davon zunächst 200 Gulden, um wenigstens die dringendsten Rückstände zu begleichen. Mit all diesen Manövern versuchte der Vater, die endgültige Zertrümmerung des Anwesens abzuwenden.

StA Landshut Rentamt Kötzting B 28 

"Joseph Drickl übergibt am 24ten July 1828 seine Bürgersbehausung mit Gemeinde Nutzen dann Ackerl und Wiese in der Kroitt an seinen Sohn Lorenz Drückl um 675 fl sonst ohne Änderung"

Joseph Drickl arbeitete inzwischen gemeinsam mit seiner Frau sogar als Polizeidiener in Altrandsberg. Für die beantragte Übergabe legte Drickl Lorenz sowohl seinen Lehrbrief als auch sein Wanderbuch vor. Anschließend heiratete er Katharina Obermaier aus Wolfersdorf. Das Gesuch wurde schließlich genehmigt.




Josef Probst und Drickhl Anna


Im Jahre 1826 erhält der Häusler Joseph Probst das Kötztinger Bürgerrecht und heiratet, als Küfnermeister, die Schneiderstochter Anna Maria Drickhl.
Im Jahre 1827 stellt er auch einen Antrag auf die Binderkonzession:
StadtA Kötzting AA X61: "Gesuch um Verleihung einer realen Kufnerkonzession. Hat die Wohnung von Reitmaier Joseph gekauft und das erforderliche Vermögen und das Bürgerrecht erworben. Muss sich  zusätzlich durch gerichtliche Zeugnisse ausweisen. Antrag wurde Genehmigt."


Am 15. Januar 1828 erwirbt er das Haus von seinem Schwager:

StA Landshut Rentamt Kötzting B 28 
"Dem 15. Jänner 1828 hat Lorenz Drükl bürgerlicher Schneidermeister in Kötzting sein ludweigenes Bürgersanwesen von allda an seinen Schwager Joseph Probst KüfnerM: derorten um 675 fl verkauft, sonst ohne Änderung"

Einschub: ein Sprung zurück auf den Vor-Vorbesitzer, den Schwiegervater des Joseph Probst:

Auch in Altrandsberg war die Verschuldung Josef Drickls weiter angestiegen, wie aus einer Vergleichsverhandlung vor dem Kötztinger Marktmagistrat aus dem Jahre 1836 hervorgeht. JD war zu dieser Zeit aber bereits Amtsdiener in Kötzting geworden.
StadtA Kötzting AA VIII/12 Nr. 60
am 20. Okt. 1836
Auf Klage der Anna Zobner led. Häuslerin v. Randsberg gegen Joseph  Drickl Marktdiener in Kötzting wegen einer Schuld ad 90 fl und 8 fl Leichenkosten für ein außerehelich erzeugtes Kind, konnte ein Vergleich nicht erzielt werden, daher der Klägerin das Zeugnis ertheilt wird.,
Klägerin unterschreibt sich njicht
Drickl Amtsdiener
Dieses "Zeugnis" war der Beleg dafür, dass vor einer Klageeinreichung das Mittel eines Vergleich versucht worden war und war obligatorisch, um vor dem Amtsgericht überhaupt klagen zu können.

Auch Josef Drickl bemühte das Kötztinger Vergleichsamt, so zitierte er seinen Schwiegersohn vor das Amt, weil dieser seinen Austragszins, den er ursprünglich mit seinem Sohn Lorenz abgeschlossen hatte, nicht einhalte:
"22. Dezember 1842: Der vormalige Polizeidiener Josef Drickl v K stellt gegen Josef Probst, Binder von K.,  wegen  Verabreichung des ihm nach dem  Beherbergsabvertrage  vom 24. Juli 1824 stipulierten jährlichen Herbergszins zu 1 fl Klage. Es kommt kein Vergleich zustande.
Es geht aber auch umgekehrt: nun geht's um das eigentlich vertraglich versprochene Heiratsgut der Tochter, welches der Schwiegersohn gerne haben würde:
 
 16. Februar 1843: Der Häusler Josef Probst v K belangt den vormaligen Polizeidiener Josef Drickl v K auf den Grund des Eheverlangens vom 28. Juli 1827 um ein rückständiges Heiratsgut für sein Eheweib -   Anna Maria Probst geborene Drickl - im Betrage von 100 fl. Der Beklagte widerspricht der Forderung durchaus und der Kläger bittet um Klageausfertigung. 

Am 22.12.1853 verstirb der - nun als Polizeisoldat bezeichnete - Joseph Drickl hochbetagt mit 86 Jahren an Altersschwäche. Auch seine Frau Genoveva Drickl wurde für damalige Verhältnisse sehr alt. Sie starb am 11.10.1843 mit 82 Jahren an Altersschwäche.
Der Sohn Lorenz Drickl - Schneider - war am 20.6.1849,  mit 55 Jahren der Brustwassersucht erlegen. 
Die Schwiegertochter Katharina Drückl starb mit 59 Jahren an Phthisis abdominalis (=Bauchschwindsucht, wohl extreme Entkräftigung) am 13.8.1846.

Von Lorenz Drückl gibt es noch ein kleines Detail in den Akten: in den Marktrechnungen von 1843 wird er mit einer Ausgabe von 18 Gulden 36 Kreuzern (!) angeführt: für die " Errichtung der Triumphbögen" für den Bischofsbesuch.

Einschub Ende

Im Jahre 1840/1 wird das erste Grundsteuerkataster Kötztings zusammengestellt und im Jahr drauf auch ein sogenanntes Mieterkataster. Beide zusammen lassen uns einen Blick auf den Grundbesitz und auf die innere Struktur des Gebäudes werfen.

StA Landshut Grundsteuerkataster 5039
"Hausnummer 113 in Kötzting - Kufner - Joseph Probst
Ein Haus
Gebäude: Wohnhaus mit Stall aneinander, besonderer Stadl, dann Hofraum
Garten: Gras und Baumgarten, das Hausgartl
Gemeinderecht: zu ganzem Nutzantheil an den noch unvertheilten Gemeindebsitzungen"

StA Landshut Grundsteuerkataster 5039

Gemeindetheile vom Jahre 1803
Acker: 
Plnr. 1046b an der Kroith
Plnr 1049 im Kroith mit Wiese, die Auwand genannt
Plnr 1108 im Kroit
sämtliche kultiviert im Jahre 1803

Wiese: 
Plnr 1046b im Kroith

StA Landshut Grundsteuerkataster 5045 Mieterkataster

Hausnummer 113
1.) Joseph Probst, Küfner /:Hauseigenthümer 
1.. Hauptgebäude
I 1 Wohnzimmer, 1 Verschlag, 1 Gewölbe und 1 Stallung
Unterschrift Joseph Probst

2.) Paul Hatzmaier, Taglöhner /:Mieter
I 1 Wohnzimmer und Verschlag, Antheil am Hausboden unterm Dach
Unterschrift Paul Hatzmayr

3.) Theres Hatzmaier, Arbeiterin /:Miether
II 1 Wohnzimmer, 1 Kammer und Antheil am Hausboden unterm Dach 
Unterschrift X =Handzeichen der Theres Hatzmaier

2. Nebengäbäude:
4.) Joseph Pfobst, EIgenthümer

Eine kleine Scheune mit der Thenne, dann Stall
Unterschrift Joseph Probst"


Im ersten revidierten des Grundsteuerkataster von 1860 findet sich am Anfang des Bandes bereits eine Fortschreibung der Besitzverhältnisse:

StA Landshut Grundsteuerkataster 5047

Auf den Küfner Probst Joseph folgen hier zunächst sein Sohn Johann und danach folgt bereits der nächste Josef Probst.

 Probst Joseph und Waldherr Theresia


Am 19. September 1865 heiratete der Bindermeister Joseph Probst, Sohn des Binders Joseph Probst und dessen Ehefrau Anna Maria, die Söldnerstochter Theresia Waldherr aus Blaibach. Noch im selben Jahr stellte er beim Magistrat den Antrag auf Erteilung einer Konzession als Binder.
Solch eine Betriebsübergabe musste jedoch auch von amtlicher Seite genehmigt werden: 
StadtA Kötzting AA X/122: "Gesuch des Probst Joseph Bindersohn um Verleihung einer persönlichen Binderkonzession nach K und Ansässigmachung auf dem elterlichen Anwesen. Seine Verehelichung mit  Waldherrr Theresia Söldnerstochter von Blaibach. Der Vater verzichtet zu Gunsten des Sohnes. Der Antrag wurde genehmigt, auch die Heirat."

Als er im Jahre 1865 das Haus seines Vaters übernommen hatte, konnte er sich sicherlich nicht vorstellen, dass er bereits weniger als 2 Jahre später vor den Trümmern seiner Existenz stehen würde.
Eine Woche vor dem Pfingstfest im Jahre 1867 zerstörte eine Großbrand fast eine Hälfte der Kötztinger Anwesen, darunter auch das mit der Hausnummer 113..... oder genauer, bei der Häuserreihe, zu der auch unser Anwesen gehört, kam der Brand dann zum stehen.

Detail aus StA Landshut Rep 164/8 Nr. 1570: der Marktbrand in Kötzting

Bereits am Folgetag versuchte sich der damalige Bezirksamtmann Carl von Paur durch ein tabellarisches Protokoll ein Bild von der katastrophalen Lage und den Bauschäden in Kötzting zu machen..

"Protokoll
aufgenommen bei der Brandschadensbesichtigung und Schadens Erhebung bezüglich des stattgefundenen Brandes in Kötzting
Am 11. Juni 1867 und die folgenden Tage
Praes: Kgl Bezirks=Amtmann
Regierungsrath  v. Paur und der
kgl Brandversicherungs Inspektor Habler
"

"Probst Josef Häusler und Binder
Das zweistöckige Wohnhaus am Pfeffergraben von Holz erbaut und mit Schneidschindelbedachung versehen gewesen.
"

"Das Resultat der Besichtigung und Schadenserhebung vide Tabelle I Nro 8 
Weiters besitzt  derselbe :

2. den einstöckigen Stadel von Bretterumfassung construiert, u mit Schneidschindelbedachung versehen gewesen
Unterschrift Joseph Probst.

Dann also weiter zur Tabelle I mit der Nummer 8:

Nro 8 Hsnr 113 Probst Josef Binder
Beschreibung der Gebäude vor dem Brande vide Protokoll sub Nro XXXIV
Befund:
ad 1.) Das Gebäude nist bis auf den Grund niedergebrant, Schaden total
ad 2.) Das Gebäude ist bis auf den Grund niedergebrannt, daher gleichfalls totaler Schaden.

Die Schadensversicherung beträgt für beide Gebäude zusammen 350 Gulden.


Nachdem es im Markt Kötzting nun bereits der zweite Marktbrand  - der erste war im Jahre 1717 - gewesen war, der seinen Ausgang in der Mitte der Marktstraße und, mit seinen verheerenden Auswirkungen fast gleichartig, vom Friedhof bis in den unteren Markt reichte, schritt man von der Planungsseite zu einem vorbeugenden Brandschutz und bildete durch die neu anzulegenden Straßen regelrechte Brandschneisen. So wurde die Verlängerung der Metz- und der Schirnstraße hinüber zur  - heutigen - Gehringstraße erst im Nachgang dieses Brandes durchgesetzt, was den Verlust von zwei Marktlehen bedeutete, die auf dem Platz dieser neuen Verbindungstraßen gestanden hatte. In gleicher Weise wurde die Torstraße leicht gedreht - Verlust ein Haus gegenüber dem vorherigen Zustand und auch die heutige untere Marktstraße erhielt erst durch die neuen Planungen ihre heutige Gestalt, zumindest was die Verkehrswege angeht.

StA Kötzting 021-1

Wie man an dem Bild gut erkennen kann, liegt der Platz unseres Hauses etwas abseits des projektierten Pfeffergrabens. In den späteren Grundsteuerkatastern ist inzwischen von einer Hausnummer 113a und 113 b die Rede, das Anwesen wurde wohl beim Neuaufbau an die Südgrenze des Grundstücks gerückt, so dass Platz wurde für ein weiteres Gebäude entlang der heutigen Holzapfelstraße. 
Hier noch einmal zum besseren Verständnis und Vergleich der Schadensplan von vorhin:

Detail aus StA Landshut Rep 164/8 Nr. 1570: der Marktbrand in Kötzting

Im Jahre 1872, also nach dem Neuzuschnitt der Kötztinger Straßen v.a. in dem Bereich des Pfeffergraben und der heutigen Holzapfelstraße  kommt es zu einem Nachbarschaftsstreit um bzw. wegen einer Wasserableitung.

Hier zur Erläuterung des Streits die jeweiligen Hausbesitzer zu der Zeit
Probst auf der 113(b)
Dirscherl auf 114
Fink auf 115


20. Dezember 1872: Erscheint der Flößer Josef Fink und erklärt: Wegen der Fahrt von meinem Hause hinter dem meines Nachbarn Dimpfl weg, welche mir letzterer verwehrt verlange ich Augenschein durch eine magistratische Commission, um sodann eventuell Klage stellen zu können.
Augenschein Protokoll: Der vorgenommene Augenschein ergab folgendes. Hinter dem Hause des Fink und Dimpfl zieht sich gegen das Anwesen des Probst zu ein schmaler, ferner an die Straße angrenzenden Platz hin, welcher jeder der genannten Anwesen als Ab- bzw. Zufahrt dient.
Dimpfl hat auf seinen Platz einen Düngerhaufen aufgelegt, welche die Ab- und Zufahrt zu Fink hindert. Die Frage, ob diese Düngelagerung gestattet werden kann, soll im Vergleichswege gelöst werden und soll deshalb  ein Sühneversuch anberaumt werden. 

16. Jänner 1873: Erscheint Herr Anton Dimpfl, Hutmacher dahier und erklärt: zwischen meinem und dem Hause des Probst läuft das Wasser von oben herab durch und über meinen Grund der abhängige Lage gemäß auf jenen des Probst. Letzterer vermacht nun den Abfluss des Wassers, so dass Letzteres auf meinem Grund stehen bleiben muss. Aber nicht genug damit, wirft er einen förmlichen Wall auf, unterminiert meinen Zaun,  schlägt Pfeiler u dgl ein , kurz geriert sich, als ob ich gerade mit mir tun müsste lassen was er wollte.
Ich bitte nun dringend um Augenscheinnahme, da ich , wenn heute Regenwetter eintritt, vom Wasser geradezu überschwemmt werde. Ich bemerke hierbei, dass das Ganze lediglich nur aus Bosheit drüben geschieht,  weil ich mit seinem Schwager Fink wegen einer Fahrt in Differenzen bin. Es kam trotz großer Bemühungen kein Vergleich zustande. 

2. Juni 1874: Erscheint Binder Probst und erklärt: Beim Vergleiche am 20. Januar 1873 wurde bestimmt, dass Dimpfl einen Kanal zum Abfluss seines Wassers herstellen lassen muss. Dieses ist bis jetzt noch nicht geschehen und ich habe immer das Wasser im Hofe, auch läuft dasselbe in den Brunnen. Ich ersuche nun, den Dimpfl nochmal aufzufordern, ob er den Kanal herstellen will oder nicht. Außerdem bin ich gezwungen die Sache weiter zu verfolgen. -

9. Juni 1874: Herr Dimpfl erklärt: Nach dem schriftlich am 20. 1. 73 vor dem Vermittlungsamte abgeschlossenen Vergleiche habe ich lediglich mein Hauswasser abzuleiten, was auch geschehen ist. Ich habe eine Rinne anbringen lassen, nun läuft das Wasser neben meinem Hause vorüber rückwärts in den Straßengraben.
Dagegen kommt vom Schulhause her bei starken Regen viel Wasser, weil die Schulgemeinde den Kanal noch nicht hergestellt hat, wie dieses im Protokoll vom 20. 1. 73 bestimmt ist. Dieses Wasser läuft natürlich hin wo es will und kann ich nicht dafür, wenn  dieses Wasser zum Probst läuft, er muss Klage gegen den Magistrat als Schulverwaltung einreichen.  


Es war schwierig......

Lageplan aus einem Bauantrag des Anton Haas mit dem neuen Straßenzuschnitt des Pfeffergrabens und der heutigen Holzapfelstraße

Von beiden Eheleuten hat sich im Staatsarchiv Landshut ein Nachlassakt erhalten:

StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 35 Nr. 61 von 1892 Hanr 113 Probst Theres
Therese Probst
54 Jahre 4 Monate
Bindersehefrau
verheirathet
4. September 1892 vormittags 8 3/4 Uhr
Kötzting HsNro 113

Bei den Erben bzw. den hinterlassenen Familienmitgliedern wurde vermerkt:
1. der Witwer Joseph Probst Bindermeister

2. die Kinder:
Josef Probst Binder unbekannter Aufenthalt
Heinrich Probst z.Z. Soldat im k II Inf. Regiment in Regensburg
Kathi Probst in Kötzting   sämtlich volljährig.

Der Witwer Joseph Probst lebte noch viele Jahre lang, allerdings verstarb er nicht in Kötzting sondern in einer Pflegeanstalt in Deggendorf.
StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 47 Nr. 72 Probst Josef Hanr 113 von 1907

Probst Josef - 76 Jahre - Bindermeister - verheiratet - 
Todestag: 6.8.1911 in Deggendorf 477 1/2 Heil- und Pflöegeanstalt.
Die Armenpflege Kötzting bezahlte die Verpflegungskosten
2 Kinder vorhanden, Name, Stand, Alter und Wohnort unbekannt.


Die nächste Übergabe erfolgte wohl nach dem Tode der Mutter und Ehefrau:
Am 17.1.1892 heiratete Josef Probst, Sohn des Josef und der Therese Waldherr, die Viechtacher Braumeisterstochter Anna Köppl.


Probst Josef und Köppl Anna



Sechs Kindergeburten sind für das junge Paar in den Kötztinger Geburtsmatrikeln vermerkt, wobei nur 3 überlebten. Bei einem von der Hebamme notgetauften Baby hieß es, es hätte nur ganze 5 Minuten gelebt.
Josef Probst der junge Bindermeister in der dritten Generation wurde nicht alt. Er starb bereits mit 40 Jahren und hinterließ seine Frau mit drei Kindern.

StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 47 Nr. 72 Probst Josef Hanr 113 von 1907
Josef Probst - 40 Jahre - Binder - verheiratet - 25. Oktober 1907 - Kötzting HsNro 113
Seine Hinterbliebenen waren seine Witwe Anna, geb. Köppl und seine drei Kinder Katharina - Alois und Anna.

Es wird kompliziert...



Das Haus mit der alten Hausnummer - respektive das Grundstück des Anwesens - wurde nun einerseits aufgeteilt und zusätzlich durch zwei Neubauten erweitert.
Das "alte" Anwesen erhielt die Hausnummer 113 b und wurde an August Hofner veräußert.
Auf dem östlich gelegenen Grundstück - also in Richtung Pfeffergraben - nun unter der Hausnummer 113a entstand nach dem neuen Straßenzuschnitt das Haus der Familie Feßmann und auf dem nördlichen Teilgrundstück errichtete Anna Probst einen Neubau.

StA Landshut Grundsteuerkataster 5052 Hausnummer 113 a in Kötzting nun Pfeffergraben 8


Anna Probst verkaufte nach dem Tode ihres Ehemannes ihr ursprüngliches Anwesen an August Hofner und erbaute in der Lücke zwischen ihrem früheren Haus und dem nördlichen Nachbarn ein kleines, schmales aber schmuckes Häuschen, das der Kötztinger Architekt Herre entworfen hatte.

StA Landshut Rep 162-8  Sch. 24 Nr. 3475 Probst Anna 1910


Auf dem Lageplan kann man sehr schön erkennen, wie aus einem haus nun drei Anwesen sich das Grundstück teilten. Als Nachbarn unterschrieben August Hofner, Joseph Ellmann und Franziska Vogl


Die weiteren/späteren Hausbesitzer waren in der Reihenfolge:
Heizer Eduard - Forster Josef - Dirscherl Wolfgang und Maria - Dirscherl Wolfgang

Fotosammlung Stadt Bad Kötzting Situation ca. 1982


August Hofner und Mühlbauer Katharina


Am 10.2.1896 hatte der aus Rimbach stammende Bader August Hofner die Grafenwiesener Söldnerstochter Katharina Mühlbauer geheiratet,  sich in Kötzting niedergelassen und im Jahre 1910 das Eckgebäude Holzapfelstraß0e/Pfeffergraben erworben.
Im Jahr drauf reichte er einen Bauantrag ein, um den Hauszugang durch eine Ladentüre und ein Schaufenster zu erweitern.

Am 10. Februar 1896 hatte der aus Rimbach stammende Bader August Hofner die Grafenwiesener Söldnerstochter Katharina Mühlbauer geheiratet, sich anschließend in Kötzting niedergelassen und im Jahre 1910 das Eckgebäude an der Holzapfelstraße/Pfeffergraben erworben.

Bereits im darauffolgenden Jahr reichte er einen Bauantrag ein, um den Hauszugang durch den Einbau einer Ladentüre und eines Schaufensters zu erweitern.


Der Bader Hofner August verstarb bereits mit 42 Jahren am 10.7.1914 und hinterlies nur sein Haus für seine Witwe Katharina. 
Im Nachlassakt des jungen Baders finden sich - solche Quittungen finden sich nur sehr selten in den Nachlassakten - eine Reihe von Abrechnungen von der Beerdigung des August Hofners, die uns einen Einblick gewähren über die damaligen Ausgaben:
StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 56 von 1914 Nr. 65  Hanr 113 Hofner August
Beerdigungskosten von der Friedhofsverwaltung
Quittung über 6 Mark
für Dienstleistung bei der Leiche und Einsagen des Herrn August Hofner
dankend erhalten Leichenfrau Cäcilie Fischer

1 Leichentuch - 1 Sargkissen - 1 Kreuzflor -  1 Flor für Träger - 1 m seid. Band - 1 Servitur

300 Stk Todesanzeigen - 250 Stk Sterbebilder - Danksagung im Anzeiger

Die Rechnung des Schreinermeisters August Hofner vom oberen Markt - heute die Raiffeisenbank Bad Kötzting - über einen Sarg

Die Rechnung des Pfarramtes für 2 Ämter und die Aussegnung - Unterschrift Pfarrer Nagler

.

Quittung
über 14 M 10 Pf
... welchen Betrag ich Unterzeichneter für Transport Tragen Grabmachen
Opfergeld u. Dekoration im Leichenhaus für den verstorbenen Herrn August Hofner Bader von hier richtig erhalten habe. quittiert Johann Kalb
 

Nun musste die Witwe alleine für das Fortkommen der Familie sorgen – und moderne Zeiten verlangten nach modernen Mitteln. So ging Katharina Hofner, nunmehr Inhaberin eines Friseurgeschäfts, auch neue Wege und machte mit Werbung auf ihr Geschäft aufmerksam:




DIA-Repro 1682 eine tolle Aufnahme mit vielen Details:

Im Hintergrund erkennt man die Zufahrt hinter dem Schmidtbräukeller zur Werkstatt und zum Materiallager des Kötztinger Bildhauers Eberhard Schaefer. Rechts am Gebäude ist – ebenfalls im Hintergrund – der Erker des Neubaus der Anna Probst (siehe weiter oben) zu sehen. Im Vordergrund posiert vermutlich die Familie Rumpf der Katharina Hofner.


Von Katharina Hofner, einer Nachfolgerin auf dem haus und eine Schneiderin, gibt es sogar von Frau Christa Rabl ein Foto bei ihrem Haus.


Foto Rabl-Dachs Katharina Hofner



Das Haus, das auf diesem Bild bereits einen heruntergekommenen Eindruck macht, verfällt in den kommenden Jahrzehnten immer mehr und gilt in den 70er Jahren als einer der Schandflecke Kötztings.

DIA-Repro 2142 




Foto Christa Rabl-Dachs

Sammlung Stadt Kötzting - Holzapfelstraße

Was hier so als Ruine erscheint, erblühte Jahre später durch einen Neubau der Familie Kolbeck




Doch nun noch ein Blick auf das dritte Gebäude, das auf dem historischen Grundstück HsNro 113 errichtet wurde.


Josef Fessmann und Walburga Ellmann

Am 4.2.1895 heiratete der Kötztinger Uhrmacher Joseph Fessmann - seine Eltern waren der Weissenregener Söldner Joseph Fessmann und dessen Frau Anna Maria Rabl - die Kötztinger Häuslertochter Walburga Ellmann.

Im Jahre 1898 reichte der Uhrmacher einen Bauantrag ein und erweiterte sein - zur Straßenfron hin - schmales Häuschen.



StA Landshut Rep 162-8  Sch. 22 Nr.  3302 Fessmann Josef Wohnhaus 1898 Pfeffergraben 1898



Im Jahre 1907 erweiterte er seinen Bau:

StA Landshut Rep 162-8  Sch. 23 Nr. 3431 Fessmann Josef Hanr 113a




Aus dem Umschreibeheft des Grundsteuerkatasters können wir die nächsten Besitzer entnehmen:
Nach der Familie Fessmann kommt Barth Ludwig, der Barth Sattler und mit ihm dann  - endlich - wieder Kötztinger Pfingstakteure.




Eine tolle Bilderserie haben wir vom "Barth Sodla" Ludwig Barth in unserer Sammlung.

Foto Sammlung Serwuschok: der Pfeffergraben als Kötztings erste Einbahnstraße im Jahre 1974

Sammlung Serwuschok: der Pfeffergraben angedacht als Spielstraße, vorne rechts der "Barth Sattler".





DIA-Repro 1385 das Haus des Barth Sattlers

DIA-Repro 1914 Ludwig Barth 1928 Sattlermeister ,mit Sohn Josef 



DIA-Repro 1915 Ludwig Barth mit Tochter Käthe (verh. Schreiner) und Sohn Josef    Pfeffergraben Handwerk



Der Sattlerbetrieb Barth



DIA-Repro 2036: Beim Barthsattler 1950 Geiger Thomas in der Werkstatt, Bursch  Willi aus dem Zellertal, mit Locken aus Miltach mit Sessel

DIA-Repro 2035: Beim Barthsattler 1950 Geiger Thomas in der Werkstatt, Bursch  Willi aus dem Zellertal, mit Locken aus Miltach mit Sessel



DIA-Repro 1389  v. li. Ludwig Barth,Sattlermeister, Franz Kurz, Josef Kufner (Simon Weißenregen) Johann Mühlbauer Kettersdorf





DIA-Repro 1389 Pfingsten  vor 1950 bei der Kranzlüberreichung am Bleichanger, v. li Ludwig Barth, Bürgermeister Johann Schödlbauer, Pfarrer Dietl

Die Pfingstakteure


Gleich aus zwei nachfolgenden Generationen – einmal ein Pfingstbräutigam und einmal eine Pfingstbraut – lassen sich Pfingstakteure auf dieses Anwesen zurückführen.

Frau Käthe Schreiner konnte ihren Sohn Rudi im Jahre 1990 als Pfingstbräutigam bewundern und unterstützen. Dieser wiederum war später der stolze Vater der Pfingstbraut des Jahres 2024.


Foto Homepage des Burschen und Wanderervereins Bad Kötzting
V.l. Siegfried Martinitz - Angelika Casaretto - Rudi Schreiner - Harry Holzer
Bild vom Pfingstmontag 1990


Foto Homepage des Burschen und Wanderervereins Bad Kötzting
V.l. Siegfried Martinitz - Angelika Casaretto - Rudi Schreiner - Harry Holzer
Bild vom Pfingstdienstag 1990
Foto Homepage des Burschen und Wanderervereins Bad Kötzting
V.l. Siegfried Martinitz - Angelika Casaretto - Rudi Schreiner - Harry Holzer
Bild vom Pfingstmontag 1990
links vor ihrem Anwesen am Straßenrand der Pfingstbräutigam von 1963 Hans Kuglmeier und seine Tochter Andrea, die Pfingstbraut des Jahres 1985.







Foto Pongratz: Burschen- und Brautzug 2024 Pfingstmontag

Foto Pongratz: Ehrentrunk vor dem Alten Rathaus Pfingstmontag 2024

Foto Pongratz: Ehrentrunk vor dem Alten Rathaus Pfingstmontag 2024
v.l. Felix Pfeffer - Eva Maria Schreiner - Andreas Kolbeck - Andreas Oexler 

 




Foto Pongratz das "Team" von 2024 zusammen mit dem Kötztinger Bürgermeister Markus Hofmann





Foto Homepage des Burschen- und Wanderervereins Bad Kötzting
v.l. Felix Pfeffer - Eva Maria Schreiner - Andreas Kolbeck - Andreas Oexler 
Pfingstdienstag 2024

Im drauffolgenden Jahr -2025 - zeigte sich die "alte" Pfingstbraut den Burschen am Alten Rathaus am Pfingstmontag  - im Zusammenhang mit dem Ehrentrunk des "neuen" Pfingstbrautpaares - und trug dabei ihr "Pfingstdienstagskleid", kam also in Farbe.

Foto Pongratz: Pfingstmontag 2025

Am Folgetag war die Pfingstbraut des Vorjahres dann in "Weiß" zu bewundern, während die "neue" Pfingstbraut in Farbe ging.

Foto Pongratz: Pfingstdienstag 2025

Das war aber noch nicht der Abschluss ihrer Aufgaben. Seit wenigen Jahren ist es die Pfingstbraut des jeweiligen Vor-Vorjahres, die beim Ehrentrunk die Zinnbecher den Gästen anbietet. Hier also der abschließende Einsatz der Pfingstbraut Eva-Maria Schreiner am heurigen Pfingstmontag:


Foto Pongratz: Pfingstmontag 2026:  Eva Maria Schreiner  und die Mutter der Pfingstbraut
 von 2026 Romy Weindl.



Da es in heurigen Jahr (2026) den zweiten Teil der Kötztinger "Pfingstbrautkleidausstellung" gab, kann ich hier das tolle goldfarbige Brautkleid Eva-Maria Schreiners vom Pfingstdienstag 2024 - einschließlich der langen Schleppe -  noch anfügen:

Foto Pongratz 2026

🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken. Wer es noch nicht weiß, um was es sich bei diesem Programm handelt, kann sich gut im folgenden Blogbeitrag informieren: Die interaktive Karte und ihre Möglichkeiten :

🔎 Wer diesen Beitrag dort wiederfinden möchte, muss ein wenig suchen:
Er verbirgt sich in der Markergruppe Kötztinger Häuserchronik 

Viel Freude beim Entdecken!

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