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Freitag, 10. Juli 2026

Kötztinger Häuserchronik - alte Hausnummer 115 beim Hastreiter

 Mit der sogenannten Uraufnahme und der beginnenden Landvermessung zählte Kötzting insgesamt 159 Anwesen. Die Geschichte dieser Bürgerhäuser und ihrer Bewohner nachzuzeichnen und möglichst genau zu dokumentieren, ist das Anliegen dieser Häuserchronik. Wer sich näher mit den frühen Entwicklungen unserer Heimatstadt beschäftigen möchte – von den ersten Urhöfen bis zur Erhebung Kötztings zum Landgerichtsort –, findet dazu ausführliche Informationen in einem einleitenden Blogbeitrag. 

Bei den nun folgenden zehn Anwesen ist allerdings eine Besonderheit zu beachten: Die Häuser mit den alten Hausnummern 113 bis 123 bestanden bereits lange vor dem großen Marktbrand von 1867, wurden nach der Katastrophe jedoch nicht mehr an ihren ursprünglichen Standorten errichtet. Mit der Neuordnung des unteren Marktes und dem Bau der unteren Marktstraße, des Pfeffergrabens sowie später der Holzapfelstraße entstand ein neuer Ortsteil, in den die bisherigen Hausnummern übertragen wurden.

Die Identifizierung dieser Anwesen ist deshalb heute nicht mehr über ihre frühere Lage möglich, sondern bei manchen der Häuser ausschließlich über die weitergeführten alten Hausnummern.

Alte Hausnummer 115

beim  Hastreiter

Vermessungsamt Cham Detail aus: 5168-2100-LiquiP_Bad_Koetzting_1831_Beilage_M2500_1_1-01

 

Aus einer Schuldverschreibung aus dem Vermögen der St.-Nikolauskapelle in Steinbühl aus dem Jahr 1738 taucht erstmals ein entscheidender Hinweis auf: Der gesuchte Hausbesitzer Martin Hofmann war von Beruf Schuster. Damit beginnt sich das bislang noch unscharfe Bild der Besitzgeschichte allmählich zu schärfen.
Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei diesem Martin Hofmann um den Schuster gleichen Namens aus Kötzting, der die Anna Maria Zissler heiratete. Über diese Verbindung lässt sich zugleich auch die familiäre Einordnung herstellen: Er war der Sohn des ebenfalls Martin Hofmann, der in den Quellen als „Wassermann“ bezeichnet wird, sowie der Barbara Prändtl. Damit rückt ein erstes, in sich stimmiges Familiengefüge in den Blick, das als Träger der frühen Besitzgeschichte des Hauses in Frage kommt.
Gerade die Häufung gleichnamiger Personen in dieser Zeit macht eine eindeutige Zuordnung jedoch schwierig. Umso wichtiger wird die Berufsbezeichnung, die hier als zentrales Unterscheidungsmerkmal dient und die einzelnen Linien voneinander trennt und überhaupt erst greifbar macht.
Der nächste Schritt führt daher noch eine Generation weiter zurück: War der Vater Martin Hofmann, der als „Wassermann“ beziehungsweise Fluderknecht erscheint, möglicherweise nicht nur als einfacher Dienstmann am Wasser tätig, sondern in den Quellen auch als Inwohner oder sogar bereits als Bürger beziehungsweise Häusler geführt? Eine solche Einordnung würde die Besitzgeschichte des Hauses um eine weitere Generation in die Vergangenheit verlängern und aber nur die genealogische Linie festigen.
Einen wohl entscheidenden Hinweis liefert dabei bereits ein Eintrag aus dem Jahr 1731, in dem ein „verbürgerter Fludermann“ Martin Hofmann im Zusammenhang mit einer Geldstrafe erwähnt wird.  

StadtA Kötzting MR von 1731 Seite 14
"Martin Hofmann verburgerter Fluderman der orthen, welcher in Schuldtsachen geclagt: der aber wegen seiner nienmalligen Bescheinung  nachts durch den Marckhtdiener, neben denen Viertlmeistern ausgehebt und in den Burgerlichen Arrest seiner bekandten Armueth willen bis zu ausmachung solcher Schuldtsach gethan und zugleich neben ernstlichem Verweis abepisst worden
1 Nacht und 1/2 Tag"
 Mit diesem obigen "Martin Hofmann" haben wir zwar mit ziemlicher Sicherheit den Vater "unseres" Martin Hofmann, aber nicht den Vorbesitzer, weil es beim nächsten Besitzwechsel (erneut ein Martin Hofmann an einen Martin Hofmann) heißt, dass das Haus im Jahre 1737 neu erbaut worden.

Hofmann Martin und Zissler Anna Maria

Am 6.11.1731 heiratete - wie  Eingangs bereits erwähnt - der Schuster Martin Hofmann Anna Maria Zissler aus Kötzting und wenige Jahre später - die Verbriefung war am 28.3.1838 -  liehen sie sich Geld aus dem Kirchenvermögen der Kapelle in Steinbühl.



StA Landshut Markt Kötzting Briefprotokoll von 1738 Seite 65

"Schuldt Bekandtnus pr 35 fl:
Martin Hofmann verburgerter SchuM: alhir und Anna Maria dessen Eheweib auf Anweisung und Beistandslaistung Hans Georg Billich auch Burgers alda, Bekhennen hiermit in craft diss briefs, das von dem lobwürdt St: Nicolai filial Gottshaus Stainbühel aus dem Zechschrein .... 35 Gulden.
Die Zechpröbste der Kirche Steinbühl waren damals übrigens die beiden Traidersdorfer Bauern Georg Paur und Hans Georg Mühlbauer.
Das Ehepaar widerlegt diese Kreditsumme mit "deren inhabentem Burgershäusl"

 Im Jahr 1774, bei der nächsten Besitzübergabe, heiß es wortwörtlich über das übergeben Haus es sei das "1737 auf Marktsgründen neuerpaute Leerhäusl im Pfeffergraben, negst am Schlossgarten und Michael Haertls Häusern entlegen."
Im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts kam es in diesem Bereich zu einem umfassenden Neubau der gesamten Häuserreihe (alte Hausnummern 113–115). Betrachtet man dazu die historische Karte im Vergleich mit der bis heute weitgehend unveränderten Topografie Kötztings, wird deutlich, wie ungewöhnlich diese bauliche Situation war. 
Die neuen Häuser wurden nicht entlang einer bestehenden Straßenlinie errichtet, sondern regelrecht in den Hang hineingesetzt. Dadurch entstand eine besondere städtebauliche Konstellation: Links und rechts der Häuserreihe verliefen zwei Wege beziehungsweise Landstraßen, die die Häuserreihe  gleichsam einfassten. Die innere dieser beiden Wegführungen wurde dann - anders als heutzutage - als „Pfeffergraben“ bezeichnet.
Im Jahre 1744 steht der Schuster vor dem Landrichter - Beleidigungen in Handwerkssachen durfte der Kötztinger Kammerer nicht mehr urteilen - und wurde zu einer vergleichsweise milden Strafe verurteilt.

StA Landshut Rentkastenamt Straubing Pfleggerichtsrechnung von 1744 Seite 5
"Michael Mayr burgerlicher Schuechmacher zu Közting wurde von Martin Hofman auch burgerlicher Schuechmacher derorthen ein Redo Hundts(fott) iniuriert, diese Schmächung aber hinach under ihnen beeden obrigkeitlich verglichen - iedoch von Ambtsweegen der Hofmann multiert per 2 Schilling Pfennige oder 17 xr 1 H:"

Im Jahre 1757 standen Vater und Sohn -zwar  bei getrennten Verhandlungen und der Vater als Ankläger und der Sohn als Beklagter -  vor dem Magistrat als Gerichtsinstanz, die beiden Protokolle der Verhandlungen stehen jedoch direkt untereinander.

StadtA Kötzting MR von 1757
Margaretha Löckherin burgerin doiss ohrts als welche Martin Hofmann burgerlichen Schuechmacher alda in offener Gerichtsstuben vorgeworffen, er seye kein bräfer Mann, hat yber dem mit dem Hofmann derentwillen getroffenen Vergleich, das Sye von demme nichts als liebs und duettes, sothann all ehrliches zu sagen wissen, unter ernstlichen Verweiß und der zugleich ex officio aufgehebten injuri das solche dem Hofmann an seinen Ehren unprejudicierlich sein sollen, pro poena abtragen müessen 1 Schilling Pfennige id est 8 xr 4 H:

Martin Hofmann und Hanns Georg Pachmayr burgerliche Schuechmachers Söhn von hier, umb ersterer dem Sebastian Löckher....

SchneiderJung von Hochenwarth ain Kopfstuckh gegeben, der andere aber ainen flegl intituliert, haben derentwillen in Richterliche bues zuerstatt gehäbt, was Ihnnen disfahls, in anbetracht transigniert worden, und der Löckher keine Satisfaction vor das Kopfstuckh verlangt, mit Verweiß und dem Auftrag ins zukunft in bässerer Verstädnnuss und einträchtigkeit zu leben, obrigleitlich Dictiret worden, Nemblich 3 Schilling Pfennige als Hofmann 2 und Pachmayr 1 importieren: 25 xr 5 H:"


Aus dem Jahre 1761 hat sich eine ganz besondere Gerichtsverhandlung erhalten- heutzutage würde man wohl von einer versuchten Verführung einer Minderjährigen sprechen:

StadtA Kötzting MR von 1761 Seite 38

"Martin Hofmann Burger und Schuechmacher alda hat wider Franz Härtl leedigen Bürger und Leineweber gesöllen derorthen von darumben die Clag vorgestellt, daß er sich schon ain: und andermahl zur sondern Ärgernuss understanden, da sich selber beym pir befündet, dess Clägers tochter uf offener gassen ufzufangen, und zum Pier zu flauckhen, welches ere als Vatter, und sorgetrager über seine Tochter nit geschechen, und passieren lassen khönne. als andurch nicht als liederliche Handl entstehen. Und obzwar der beclagte solches nit widersprechen khönnen: sondern sich nur dahin excussieren wollen, daß er sye von darumben in das Würtshaus mit gewalt hinein genommen weillen sye wider ihm in ain: und anderen orth geschändet, umb mit ihr die Sache auszumachen, So hat man nichts destoweniger Ihme Härtl solches geschärfftens verwisen, und die khonfftige unterlassung, auch eine bessere Aufführung zu pflegen aufgetragen, zur STraff aber seiner bekhanten unvermögenheit halber 1/2 Tag lang in burgerlichen Arrest geschafft id est
1 Persohn 1/2 Tag in burgerlichem Arrest."

 
Aus dem Jahre 1765 findet sich ein Verhörsprotokoll im Münchner Hauptstaatsarchiv, in dem es um die Kötztinger Schuhmacherszunft geht und die jungen Schustermeister gegen die alten sich zur Wehr setzen.

bayr. HStA München GLfasc. Nr. 1819 

Vergleich
Hans Georg Löckher, Benedict Lanzinger, Martin Lanzinger und Joseph Mair sammentliche vier junge Schuechmachermaister alhier zu Kötzting, haben die Vorgeher ersagten Handtwerks, benanntlich Heinrich Straubinger, Martin Hofman, Hans Georg Pachmayr und Hans Georg Silberpaur weegen deren Abänderung dan zuelassung der Handtwechs Sportln anheut klagen wollen. 
Es haben sich aber die Theille dahin verstanden und verglichen, daß sammentlich die alten Maister buiis konfftig unders Jahr die handwerchs Sportln annoch alleinig ziehen: undanwerben bis ufm jahrtag ao 1766 als vorgeher bleiben: die junge Maister entgegen von ersagt neuen jahr an die fahlente SPortln gleichfahls zuziehen haben sollen: mit dem weittern Anhang, das wan auch die junge Zurmaister (?) würckhlich zur Laad.....

Laadmaister Stehle gelangen, diese jedannach die Stab bei dennen gewohnlichen Processionen tragen muessen. Womit die Theill zufrieden und um die obrigkeitliche Ratification gehorsam bitten

Ratification
Das Vergleich würdet obrigkeitlich ratificirt dabei aber dennen theillen auferladen, das jeder die treffenden Unkosten ex propriis ohin ohne entgelt der Ladt tragen und bezallen solle
Churfürstliches Landgericht Kötzting 

Hofman Martin und Katharina Hofman


Am 13.10.1774 übergaben der Bürger und Schuhmacher Martin Hofmann und seine Frau Maria das "1737 auf Marktsgründen neuerpaute Leeräusl im Pfeffergraben negst am Schlossgarten und Michael Härtls Häusern entlegen, mitsamt dem kleinen Gärtl " um 200 Gulden an den Sohn Martin Hofman, noch als Schuhknecht bezeichnet.
Gut zwei Monate später heiratete Martin Hofmann die Kötztinger Schneiderstochter Katharina Hofmann
Sein Vater überlebt diese Besitzübergabe nur um wenige Jahre und verstirbt am 17.11.1777.

Ähnlich wie bei den Nachbaranwesen ist die Fundlage auch bei diesem Haus äußerst dürftig und lässt sich die weitere Abfolge der Besitzverhältnisse nur mit großen "Sprüngen" - wenn auch lückenlos - belegen.
Hier die Kirchentrachtliste des Klosters Rott aus dem Hauptstaatsarchiv:

HStA München Landshuter Abgabe KL Rott B5 1777-1800
Hier ist in der Tabelle die tatsächliche Abfolge der Anwesen abgebildet:
Leonhard Haas 111
112 fehlt, weil der heutige Schmidtbräukeller zum damaligen Anwesen 98 gehört
113 Josef Drückl Schneider
114 Michael Härtl Weber
115 Martin Hofmann Schuhmacher
116 Franz Mittermayr  Schlossgärtner

Im Jahre 1790 findet sich seine Grundgiltzahlung  - zur Erinnerung, sein Vater durfte das Haus auf 1737 ja Grund und Boden des Marktes errichten und muss daher jedes Jahr diese Abgabe zahlen - an den Markt über 33 Kreuzer 
1791 lassen die beiden eine Grundschuld eintragen, nachdem sie sich 100 Gulden aus dem Vermögen der Pfarrkirche Kötzting leihen konnten.
Am 3.2.1804 stirbt der Schuster Martin Hofman im Alter von 74 Jahren an Stickkatarrh und Abzehrung und zwei Jahre später übergibt die Witwe das Haus an den Sohn.


Hofmann Josef und Neumayr Barbara


Im Briefprotokollband des Marktes Kötzting ist mit Datum des 18.9.1806 vermerkt, dass die verwitwete Schuhmacherin Katharina Hofman das Haus auf dem Pfeffergraben an den Sohn Josef Hofman übergibt und gut zwei Jahre später - am 13.11.1808 -  heiratet der junge Schuhmacher die aus Reckendorf stammende Barbara Neumayer, deren Vater Johann Neumayr aus Reckendorf und die Mutter Bauer Katharina aus der Pfarrei Moosbach gewesen war. und ihm 400 Gulden an Mitgift in einem Heiratsvertrag vom 23.10.1808 zusagt. Der Kaufpreis für das Haus hatte nun bereits 1100 Gulden betragen.
Josef Hofman war gerade noch rechtzeitig Hausbesitzer und damit Wähler für die 1806er "Kommunalwahl" geworden und so kennen wir nicht nur sein Wahlverhalten sondern es hat sich auch  seine Handschrift durch seinen Wahlzettel erhalten.
Hier zunächst die Übertragung seiner - freien - Wahl auf die Ergebnistabelle
StA Landshut LGäO Kötzting Nr. 793 Magistratswahlen von 1806 Wahlzettel und Bürgerliste
Hsnr. 95 
Jos Hofmann  
Bürgermeister: Wenz. Bauer
Räte: Windorfer - Fr. P: Piendl - Krist: Obermair - Joh. Gulder
Ausschuss: Math. Pfeffer - Lor. Müllbauer - Jos. Decker - Georg Viertl



Er selber schrieb:
Kammerer
Wenzel Pauer SchneiderMeister

Rathsfreund
Herr Georg Windorfer Baader
Herr Franz Biendl Schuhmachermeister
Christian Obermayr Zimmermeister
Johann GUlder Hutmachermeister

Außschus
Mathias Pfeffer Schneidermeister
Lorenz Mühlbauer Webermeister
Josef Döker Gastgeb dahier
Georg Viertl Lebzelter
Hauß Nr. 95
Joseph Hofman Schuemacher

Im Jahre 1811 wurde das Kötztinger Häuser- und Rustikalsteuerkataster zusammengestellt und dadurch erfahren wir ein wenig von dem Haus:

StA Landshut Rentamt Kötzting Rep 300 B 27

"HsNr. CIX (also 109, die endgültige Nr 115 wird erst 1841 vergeben)
Jos. Hofmann
a) das gezimmerte Haus mit einer kleinen Stallung, Schupfe und
b) Wurzgartl
Nutzantheil an den noch unvertheilten Gemeindegründen
Gemeindeantheil am Galgenberg ao 1803 zu Acker cultiviert
Noch einen erkauften Gemeindsantheil am Galgenberg ao 1803 ebenfalls zu Acker cultiviert


Josef Müller


Im Jahre 1830 endete die Zeit der "Hofmänner" auf dem Anwesen.

StA Landshut Rentamt Kötzting Rep 300 B 28
"Dem 26. März 1830 hat Joseph Müller l. Bürgerssohn von Kötzting, durch GantKauf das Joseph Hofmannische Bürgers Häußel mit Gärtl und 2 Gemeinde Theilen zu Kötzting um 8700 fl an sich gebracht - sonst ohne mehrer Änderung Register fol 97"

Bereits am 10.4.1834 wurde ein Weiterverkauf von Josef Müller an Michal Hastreiter im Umschreibeheft eingetragen .....  aber offensichtlich postwendend rückwärts abgewickelt.

StA Landshut Rentamt Kötzting Rep 300 B 28
Die Gründe für diesen ersten Rückzieher sind unbekannt, aber am 15.12.1838 kommt es dann doch zu einem Kaufvertrag zwischen den beiden wobei der Kaufpreis gleich geblieben ist.

StA Landshut Rentamt Kötzting Rep 300 B 28
"Den 15. Dezember 1838 verkauft Joseph Müller in Kötzting an Michael Hastreiter von da das ludeigene Wohnhaus mit Nebengebäude und Wurzgärtl, dann den Nutzantheil an unvertheilten Gemeindegründen um 400 fl ohne sonstige Aenderung."



Michael Hastreiter und Wendl Kreszenz


Die Erklärung für den obigen "Rückzieher" könnte in dem Protokoll beim Kötztinger Vermittlungsamt zu erkennen sein, wo es im Jahre 1834 heißt (ohne weitere Angabe eines Datums)
StadtA Kötzting AA VIII/12
"Auf Klagen des Joseph Müller Schuhmacher v. Kötzting gegen Michl Hastreiter Häusler v. da wegen schuldiger Zahlung des Hauskaufschillings ist der Sühneversuch fruchtlos geblieben."
Da Hastreiter Michael am 19.5.1834 die Warzenrieder Bauerstochter Kreszenz Wendl geheiratet hatte, kam vielleicht für den jungen Häusler etwas zu viel auf einmal an Zahlungen zusammen, denn auch in den beiden Folgejahren steht Michael Hastreiter mehrmals in den Verhandlungsprotokollen des Vermittlungsamtes und immer geht es dabei um ausstehende Zahlungen.
Vermutlich war er erst 1838 wieder so "flüssig", dass er den Hauskauf stemmen konnte.

StA Landshut Grundsteuerkataster Nr. 5039

Auszug aus dem Grundsteuerkataster von 1840
Hausnummer 115 in Kötzting beym Hastreiter Michael Hastreiter

Ein Haus
(dies ist wichtig und unterscheidet sich in Kötzting von einem Marktlehenj oder einer Sölde)
Gebäude:
Wohnhaus, Stall und Stadl unter einem Dache
Gärten:
Wurz und Baumgarten, der Hausgarten
Wurzgärtl beim Haus


Im Jahr drauf wurde der Mieterkataster zusammengestellt und dieser gibt uns eine etwas genauere Vorstellung des Gebäudes,  seiner inneren Struktur und seiner Bewohner:
StA Landshut
1. Michael Hastreiter Oekonom /: Hauseigenthümer
1. Hauptgebäude
I: 1 Wohnzimmer, 1 Kammer, 1 Stallung und Futterboden, Bodenantheil unterm Dach
Unterschrift Michael Hastreiter

2. Alois Auzinger Inwohner /: Miether
I 1 Wohnzimmer mit Bodenantheil unterm Dach 
Unterschrift Auzinger

3. Anna Maria Hartl, Witwe /Mietherin
II 1 Wohnzimmer unterm Dach Handzeichen "X" der A.M. Hartl

Ebenso wie seine beiden Nachbarn musste auch Michl Hastreiter im Juni 1867 durch den Kötztinger Marktbrand einen Totalverlust seines Hauses hinnehmen.
In der Nacht vom 3. auf den 4. Juni brach in der Marktstraße - im Anwesen, in dem bis vor Jahren der Gasthof Dreger gewesen war - in einem rückwärtigen Gebäude aus Nachlässigkeit ein Bran aus, der sich blitzartig bis hinauf zum heutigen alten Friedhof und hinunter bis zur heutigen Kreuzung Bahnhofstraße/Holzapfelstraße ausbreitete und alles dazwischen in Schutt und Asche legte. Viele weitere Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite wurden ebenfalls beschädigt. Das vollständig aus Holz errichtete Haus der Familie Hastreiter  wurde bis auf den Grund verbrannt.
StA Landshut Rep 164/8 Nr. 1570 der Marktbrand in Kötzting

Hier zunächst die Bestandsaufnahme des Brandschadens:




 10. Hausnummer 115 Hastreiter Michael, Bürger
Die Beschreibung der Gebäude vor dem Brande vide Protokoll sub Nro XXXVI
Befund:
ad 1) von diesem Gebäude bestehen im Souterrain einzelne wertlose Bruchsteine und Mauerreste, alles übrige ist total vernichtet, Schaden total
ad 2) Dieses Gebäude ist bis auf den Grund niedergebrannt. Schaden total
ad 3) Desgleichen der Stadel in der oberen Bollburggasse
/Dieser Stadel ist erst jüngst vom Gg Hastreiter, nun Math Müller erkauft worden, aber im Grundbuche noch nicht umgeschrieben wegen hypotheamtlichen Anständen
 
Die versicherte Schadenssumme betrug 400 Gulden

 
Nun also weiter zur Zustandsbeschreibung vor dem Brande: 


XXXVI
Hastreiter Michael, Häusler und Korbzäuner

1. Das 1 stöckige Wohnhaus am Pfeffergaben von Holz erbaut u. mit Legschindelbedachung versehen gewesen.
2. der angebaute einstöckige Stadel hatte eine Bretterumfassung und ein Legschindeldach
3. der einstöckige Stadel in der oberen Bollburggasse gelegen, ganz aus Holz erbaut u. mit Legschindeldach versehen gewesen.
Unterschrift Michael Hastreiter

Auf dem folgenden Ausschnitt kann man das verheerende Ausmaß des Brandes im Bereich des heutigen Pfeffergrabens erkennen.

Und so radikal wurde nach dem Brand der Straßenzuschnitt in diesem Bereich verändert. Da mit ganz wenigen Ausnahmen die Häuser in diesem Bereich alle aus Holz gebaut gewesen waren, konnte dies auch sehr relativ einfach vom "Reißbrett" aus in die Wirklichkeit übertragen werden.

StadtA Kötzting AA V 84 1867 Plan nach dem Marktbrand Straßennamen

Die heutige Holzapfelstraße wurde nun als Schulhaus-Straße umbenannt, der damalige Pfeffergraben verschwand komplett, er wurde ersetzt durch das schmale Schulhausgasserl. Der heutige Pfeffergraben hieß Pfeffergrabengasserl und die heutige untere Marktstraße war damals die Chamer Straße.


Fink Josef 

Im Umschreibeheft des Grundsteuerkatasters steht der Kauf des Hauses unterm 12.12.1870 an einen Josef Fink.



Gleich bei Besitzantritt stellte Josef Fink einen Bauantrag für die Errichtung einer "Holzremise" an der Stelle an der später das Schlachthaus der Familien Krämer/Barth entstehen wird und heute das Wohnhaus des Michael Irlbeck steht.

StadtA Kötzting AA XI/116






Durch die neue Wegeführung zusammen mit den neu errichteten Häusern ergaben sich dann aber auch Probleme in den hängigen Gelände, weil sich damit auch alte Wegerechte und Wasserabflussmöglichkeiten verändert hatten.

Im Jahre 1872, also nach dem Neuzuschnitt der Kötztinger Straßen v.a. in dem Bereich des Pfeffergraben und der heutigen Holzapfelstraße  kommt es zu einem Nachbarschaftsstreit  wegen all dieser Problemfelder

Hier zur Erläuterung des Streits die jeweiligen Hausbesitzer zu der Zeit
Probst auf der 113(b)
Dimpfl auf 114
Fink auf 115


20. Dezember 1872: Erscheint der Flößer Josef Fink und erklärt: Wegen der Fahrt von meinem Hause hinter dem meines Nachbarn Dimpfl weg, welche mir letzterer verwehrt verlange ich Augenschein durch eine magistratische Commission, um sodann eventuell Klage stellen zu können.
Augenschein Protokoll: Der vorgenommene Augenschein ergab folgendes. Hinter dem Hause des Fink und Dimpfl zieht sich gegen das Anwesen des Probst zu ein schmaler, ferner an die Straße angrenzenden Platz hin, welcher jeder der genannten Anwesen als Ab- bzw. Zufahrt dient.
Dimpfl hat auf seinen Platz einen Düngerhaufen aufgelegt, welche die Ab- und Zufahrt zu Fink hindert. Die Frage, ob diese Düngelagerung gestattet werden kann, soll im Vergleichswege gelöst werden und soll deshalb  ein Sühneversuch anberaumt werden. 

16. Jänner 1873: Erscheint Herr Anton Dimpfl, Hutmacher dahier und erklärt: zwischen meinem und dem Hause des Probst läuft das Wasser von oben herab durch und über meinen Grund der abhängige Lage gemäß auf jenen des Probst. Letzterer vermacht nun den Abfluss des Wassers, so dass Letzteres auf meinem Grund stehen bleiben muss. Aber nicht genug damit, wirft er einen förmlichen Wall auf, unterminiert meinen Zaun,  schlägt Pfeiler u dgl ein , kurz geriert sich, als ob ich gerade mit mir tun müsste lassen was er wollte.
Ich bitte nun dringend um Augenscheinnahme, da ich , wenn heute Regenwetter eintritt, vom Wasser geradezu überschwemmt werde. Ich bemerke hierbei, dass das Ganze lediglich nur aus Bosheit drüben geschieht,  weil ich mit seinem Schwager Fink wegen einer Fahrt in Differenzen bin. Es kam trotz großer Bemühungen kein Vergleich zustande. 

2. Juni 1874: Erscheint Binder Probst und erklärt: Beim Vergleiche am 20. Januar 1873 wurde bestimmt, dass Dimpfl einen Kanal zum Abfluss seines Wassers herstellen lassen muss. Dieses ist bis jetzt noch nicht geschehen und ich habe immer das Wasser im Hofe, auch läuft dasselbe in den Brunnen. Ich ersuche nun, den Dimpfl nochmal aufzufordern, ob er den Kanal herstellen will oder nicht. Außerdem bin ich gezwungen die Sache weiter zu verfolgen. -

9. Juni 1874: Herr Dimpfl erklärt: Nach dem schriftlich am 20. 1. 73 vor dem Vermittlungsamte abgeschlossenen Vergleiche habe ich lediglich mein Hauswasser abzuleiten, was auch geschehen ist. Ich habe eine Rinne anbringen lassen, nun läuft das Wasser neben meinem Hause vorüber rückwärts in den Straßengraben.
Dagegen kommt vom Schulhause her bei starken Regen viel Wasser, weil die Schulgemeinde den Kanal noch nicht hergestellt hat, wie dieses im Protokoll vom 20. 1. 73 bestimmt ist. Dieses Wasser läuft natürlich hin wo es will und kann ich nicht dafür, wenn  dieses Wasser zum Probst läuft, er muss Klage gegen den Magistrat als Schulverwaltung einreichen.  


Im Jahre 1877 war dieser Hausverkauf  von Hastreiter auf Fink immer noch nicht ganz abgeschlossen, weil Michael Hastreiter besonderen Rahmenbedingungen durchsetzen wollte, die gegen die Regeln der Marktgemeinde verstießen.
In den Akten (StadtA Kötzting 912/106)  heißt es dazu: "Hastreiter Anwesen wurde an Flößer Fink verkauft, jedoch ohne Gemeinderecht, dies wollte sich Hastreiter jun vorbehalten. Durch mehrere Gutachten wurde dies abgelehnt, es ist so nicht machbar."

Wenig ist von der Flößerfamilie Fink bekannt, im Jahre 1907 wurde die verwitwete Mutter und die Kinder durch einen Erbvertrag in den Besitz des Hauses gestellt, bevor dann mit Krämer Philipp ein Metzgermeister das weitere Schicksal des Hauses bestimmte.

Philipp Krämer und Karolina Hausherr

 
Repro 1641 Geschäftskarte Krämer
 
Die Geschichte der Familien Krämer/Barth kann in der Dokumentation der Häuserchronik nachgelesen werden, hier bleiben wir zunächst beim Schlachthaus der Metzgerei und dem Wohngebäude in der heutigen Holzapfelstraße

Aus dem Jahre 1924 kennen wir einen Bauantrag:

StA Landshut Rep 162-8 Sch. 25 Nr. 3620 Krämer Philipp Halle mit Remise Hanr 115 1924



Wie eingangs dieses Kapitels bereits geschrieben, ist die Geschichte dieses Gebäudes mit dem Haus in der Müllerstraße verbunden und bereits beschrieben.
Hier nur noch eine alte Ansicht des Gebäudes zusammen mit dem alten Schulhaus, das Ende der 70er Jahre abgerissen wurde und einem Parkhaus weichen musste.


Hier noch ein paar Bilder, die mit diesem Haus in der Holzapfelstraße zu tun haben.
Schorsch und Sepp Barth wurden von ihrem Opa - Josef Barth - auf der Straße und vor dem Haus abgebildet, als sein ältester Enkel, Schorsch, seinen ersten Schultag hatte UND, um keinen Streit zwischen den Buben aufkommen zu lassen, bekam auch der jüngere. Sepp, eine Schultüte, wenn auch eine kleinere. Sepp Barth konnte sich auf Nachfrage noch gut an die Situation erinnern und war sich sicher, dass seine Schultüte lila gewesen war.
Foto Josef Barth: der erste Schultag für Barth Schorsch und auch Sepp durfte einen Schulranzen tragen

Foto Josef Barth: so sehen glückliche Kinder aus. Unser Kurdirektor Josef Barth mit der "Reserve"Schultüte  vor dem Hause der Großeltern

Und noch eine Straßenansicht des Gebäudes, seitlich im Hintergrund, während des Maibaumtransportes, der vom Kötztinger Trachten- und dem Burschenverein durchgeführt wurde.







KUSW798 

Diese Ansicht ist in doppelter Hinsicht bereits Geschichte:
Aus dem alten Schulhaus wurde Kötztings erstes Parkhaus und ist zur Zeit - 2026 - erneut eine Baustelle; es entsteht ein neues Parkdeck mit integrierter Stadtbibliothek.
Das alte Wohn- und Schlachthaus der Familien Krämer-Barth wurde ebenfalls abgerissen und an dessen Stelle steht nun das Wohnhaus des Michl Irlbeck.

Kurz vor dem Abriss des Hauses hat Frau Christa  Rabl-Dachs das Gebäude noch mal von allen Seiten abgebildet:

Foto Rabl-Dachs

Foto Rabl-Dachs
Foto Rabl-Dachs
Foto Rabl-Dachs

Foto Rabl-Dachs



Foto Pongratz: aus alt mach neu .... das Anwesen Michael Irlbeck im Juli 2026 mit der Parhausbaustelle am linken Bildrand




🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken. Wer es noch nicht weiß, um was es sich bei diesem Programm handelt, kann sich gut im folgenden Blogbeitrag informieren: Die interaktive Karte und ihre Möglichkeiten :

🔎 Wer diesen Beitrag dort wiederfinden möchte, muss ein wenig suchen:
Er verbirgt sich in der Markergruppe Kötztinger Häuserchronik 

Viel Freude beim Entdecken!

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