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Freitag, 22. Mai 2026

Unser Pfingstritt aus der Hand von Schulkindern

 Pfingsten in Kötzting

1962

Teil 1 die Ausschreibung und der Wettbewerb

Teil 2 die Ausstellung in der Holzapfelschule  freigeschaltet ab Pfingstsamstag 

Teil 3 multimediale Aufarbeitung mit einer Ton-Lichtbildschau ab Pfingstsonntag


Ein Wandteppich gestaltet von den Mädchen der Klasse 5,6,7 und 8 der Volksschule Haibühl



Sammlung KH Krämer: Detail aus dem neuen (1962) von August Philipp Henneberger gestalteten Pfingstplakat



Vor zwei Jahren konnte ich in diesem Blog die Beiträge einer Kötztinger Mädchenklasse – Lehrerin Frau Paula Dittrich – vorstellen, die sich vor dem Pfingstritt die Aufgabe gestellt hatte, darüber nachzudenken, wer sich über Pfingsten wohl alles freuen würde – und wer eher nicht.
Ich war mir damals zwar bereits sicher, dass diese Schülerarbeiten im Zusammenhang mit dem 550. Jubiläumsritt standen; nicht bewusst war mir jedoch, dass sie Teil eines umfangreichen Wettbewerbs gewesen waren, den die Kötztinger Umschau angestoßen hatte.
Bereits im April 1962 hatte die Redaktion mit Zustimmung des Kötztinger Schulamtes zu diesem Wettbewerb aufgerufen und sehr genaue Teilnahmebedingungen herausgearbeitet.

KU vom April 1962 



Mögliche Themen des Wettbewerbs:
„Der Pfingstritt von Kötzting nach Steinbühl“ (Ausritt, Evangelien, Reitermesse in der St.-Nikolaus-Kirche, Rast in Steinbühl, Einritt, Festakt auf dem Oberen Markt, Kränzchenübergabe usw.).
„Pfingsthochzeit“ (Zapfenstreich, Illumination, Burschen- und Brautzug usw.)
„Festliches Treiben in der Pfingstrittstadt“ (Feldmesse vor St. Veit, Pfingstfestspiel, Kinderfestzug, Volksbelustigungen am Festplatz, Feuerwerk).
Es soll sich um Eindrücke und Bilder von Geschehnissen handeln, die den Kindern durch unmittelbare Anschauung eventuell seit Jahren bekannt sind.

Gestaltungsvorschläge
Erwünscht sind Zeichnungen, Malereien, Bastelund Schnitzarbeiten, Werkstücke aus dem Handarbeitsunterricht, Aufsätze, Gedichte usw. Es möge versucht werden, die Themen im Sinne
einer gesamtunterrichtlichen Behandlung recht vielseitig auszuschöpfen.

Teilnahmebedingungen
Teilnahmeberechtigt sind Klassen, Arbeitsgruppen und einzelne Schüler der Volks- und Berufsschulen aus dem Kreisgebiet und selbstverständlich auch Fahrschüler aus dem Kreisgebiet.
Jeder Schüler kann sich jeweils nur an einer Gemeinschafts- und mit einer Einzelarbeit beteiligen.
Alle Einsendungen sind mit dem Vermerk „Musischer Wettbewerb — Pfingsten in Kötzting" 
an die Redaktion der „Kötztinger Umschau“ in Kötzting, Herrenstraße, Postschließfach 130, zu
richten.
Jeder Sendung ist eine gesonderte Übersicht beizufügen, die die Nummer der Arbeit, Vor- und
Zunamen der Gestalter sowie Alter, Klasse, Schülerjahrgang und Schule trägt. Die Arbeiten selbst brauchen nur mit der Nummer, dem Alter und Geschlecht sowie mit der Arbeitszeit
versehen sein.

Einsendetermin: 31. Mai 1962
Um einen Überblick über die voraussichtlich eingehenden Arbeiten zu erhalten, werden die
Schulleitungen (bei Fahrschülern der einzelne Teilnehmer) gebeten, die Zahl der eventuell
teilnehmenden Klassen- oder Arbeitsgruppen oder Einzelteilnehmer unverbindlich möglichst
noch vor den Osterferien zu melden. 

Die Jury war dann ein regelrechtes "Who-isWho" der damaligen engagierten Lehrer und Künstlerszene des Altlandkreises Kötzting:

Bewertung:

Die Entscheidung über die eingehendenm Arbeiten wird durch eine Jury getroffen. Ihr gehören an: Landrat Rudolf Nemmern, Schulrat Johann Zimmermann, Rektor Josef Bock (Knabenschule Kötzting), Rektorin Mathilde Everbeck (Mädchenschule Kötzting), Seminarleiter Karl-Heinrich Krämer, die Lehrer und Maler Rudolf Cibulka, Jägershof, und Rupert Zach, Lam, der Lehrer und Heimatschriftsteller Rektor Georg Röhrich und Hugo Pokorny, Lam, Hauptlehrer Emil Spitzenberger, Chamerau, ap. Lehrer Xaver Riederer, Hohenwarth. Auch die Berufsschulen werden vertreten sein. Der Kötztinger Stadtrat wird Bürgermeister Hans Kroher, das Pfingstrittkomitee H. H. Stadtpfarrer Josef Augustin und die Stadtverwaltung Oberinspektor Fritz Costa entsenden. Ihre Mitarbeit haben uns auch zugesagt: Rektor i. R. Oswald Fritz, Schriftsteller in Hohenwarth, und August Philipp Henneberger, Kunstmaler in Kötzting.

In jedem Falle ist das Urteil der Jury unanfechtbar. Somit ist der Rechtsweg gegen eine Entscheidung der Jury ausgeschlossen. Als Maßstab für die Beurteilung wird vor allem angesehen die absolute Echtheit der kindgemäßen Leistung. Arbeiten, in denen Fremdeinflüsse z. B. Mithilfe Erwachsener oder Abklatsch von Vorbildern zu erkennen sind, scheiden von vorneherein aus.
Die „Mittelbayerische Zeitung“ behält sich die Veröffentlichungsrechte der eingelieferten Arbeiten vor. Die besten Arbeiten sollen, womöglich, ausgestellt und auf jeden Fall in der Festbeilage der „Kötztinger Umschau“ am Pfingstsamstag veröffentlicht werden.




na. Kötzting. Als sich die „Mittelbayerische Zeitung“ âm April entschlossen hatte, das Jubiläum des 550. Pfingstrittes von Kötzting nach Steinbühl durch einen musischen Wettbewerb besonders zu würdigen und dieses pfingstliche Geschehen in den Mittelpunkt des kindlichen Interesses zu rücken, war der Ausgang dieses Unternehmens völlig offen. Heute wissen wir, dass in den Schulen unseres Landkreises Hochbetrieb herrscht, dass Buben und Mädel aller Altersstufen mit Eifer und Begeisterung bei der Sache sind. Durch das Schulamt und die Lehrerschaft wurde uns eine wohlwollende Unterstützung zuteil. Die Redaktion der ,,Kötztinger Umschau" freut sich, dass sich der Erfolg dieses Wettbewerbs bereits abzeichnet.
Wir hatten in unserem Aufruf zum Wettbewerb der Schuljugend des Landkreises die Bitte an die Lehrkräfte gerichtet, uns die Teilnehme möglichst noch vor den Osterferien anzuzeigen. Die Zeit war allerdings sehr
knapp, so dass nicht jede Schule dieser Bitte nachkommen konnte, Inzwischen gelang es uns aber, in persönlichen Gesprächen zu erfahren, dass wir mit einer unerwartet starken Beteiligung rechnen dürfen. Aus der Fülle der Zuschriften, die uns zwischenzeitlich erreichten, dürfen wir einige zitieren: „Der von Ihnen ausgeschriebene Schülerwettbewerb hat in unserer Schule ein gutes Echo gefunden. Die Kinder sind mit Freude bei der Sache und gewillt, an dem Wettbewerb teils mit Einzel- teils mit Klassengemeinschaftsarbeiten teilzunehmen. Auch die Lehrerschaft begrüßt diesen Wettbewerb“, so schrieb uns der Schulleiter von Blaibach, Hauptlehrer Siegfried Trenner. Aus Hohenwarth erreichte 'uns folgende Ankündigung: „Hiermit teile ich Ihnen auftragsgemäß mit, dass die Volksschule Hohenwarth mit vielen Schülerarbeiten und voraussichtlich mit vier Klassenarbeiten am Wettbewerb teilnehmen wird, gez. Reinhard Layritz, Lehrer. Lehrer August Paulus aus Alt-
randsberg schreibt uns: „An der zweiklassigen Volksschule Altrandsberg nehmen votaussichtlich beide Klassen am Wettbewerb teil.“ Von Steinbühl hören wir: „Als Schulleiter der neuen Zellertalschule teile ich Ihnen
mit, dass sich unsere Schülerinnen und Schüler mit Einzelarbeten (Zeichnungen, Aufsätze und Gedichte) an dem Wettbewerb beteiligen. Die Teilnahme unserer Schule ist schließlich Ehrensache, nachdem das Ziel des Pfingstrittes doch die Nikolauskirche von Steinbühl ist. gez. Schweiger, Hauptlehrer.’
Rektor Bock hat uns in seiner Eigenschaft als Stellvertreter des erkrankten Schulrats berichtet, dass in Kötzting Stadt und Land die Schulen den Wettbewerb mit Begeisterung aufgenommen haben und mit einer starken Beteiligung zu rechnen ist. 
In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass am 31. Mal Einsendetermin ist. An diesem Tage
müssen uns sämtliche Arbeiten vorliegen. Nachzügler zu berücksichtigen ist ausgeschlossen.
Unseren heutigen Zwischenbericht möchten wir beschließen mit der Veröffentlichung der Zuschrift des Schulleiters von Haibühl, Hauptlehrer Karl-Heinrich Krämer, auch in seiner Eigenschaft als Seminarleiter:
„Der Wettbewerb „Pfingsten in Kötzting“ sollte eigentlich jeden Lehrer des Landkreises zur Besinnung auf die Anliegen echter Kunsterziehung und auf die mutigen Bestrebungen der Gegenwart hinweisen. Er möge vor allem die „Zeichenlehrer“, die Spezialisten, auf den Plan rufen, und Antrieb zu behutsamem Einsatz der pädagogischen Fähigkeiten im „Führen und Wachsenlassen“ schaffen. Dieser Wettbewerb schließt für die Schülerinnen und Schüler unserer Volksschulen eine zündende Motivation zur Entfaltung der kindlichen Ausdruckskraft in sich (Würdigung des schönsten Heimatfestes, Freude am Schaffen. Veröffentlichung der Namen und Arbeiten). Dieser Wettbewerb vermag in den Schulen mannigfaltiges pulsierendes Leben.
zu entfachen. Ich stelle mir vor, dass beherzte Lehrer Neigungs- und Leistungsgruppen gebildet haben
im Sinne einer frohen Freizeitgestaltung mit individueller Ausrichtung auf die Schülerbildung, wobei nicht einmal das Ziel, der Erfolg, die Preise und die Veröffentlichung zum Kristallisationspunkt der Arbeit werden sollten, vielmehr die Freude am musischen Schaffen selbst, die Entbindung dieser weithin verkümmerten und verschütteten und doch so beglückenden Urkräfte im Kinde. „Lasst funken den Geist, der lebendig
macht!“ — In diesem Sinne wird sich auch die Volksschule Haibühl an dem Wettbewerb „Pfingsten in Kötzting‟ mit Einzel- und Gruppenarbeiten  (Handarbeit, Werken, Zeichnen,  und Malen) beteiligen. Die Teilnehmer sind mit Eifer bei der Sache.


Genau diesem Hauptlehrer Karl-Heinz Krämer ist es zu verdanken, dass heute nicht nur über diese Aktion berichtet werden kann, sondern dass auch zahlreiche Belege und Nachweise dieser Schülerarbeiten erhalten geblieben sind. KH Krämer fotografierte viele der Arbeiten ab und bewahrte sie sogar als eigene Diasammlung auf. Da sich bei den Aufnahmen der Schülerarbeiten zusätzlich auch Farb-Dias vom Pfingstritt im selben Koffer befinden, liegt die Vermutung nahe, dass Krämer die Aktion der Mittelbayerischen Zeitung später im Rahmen von Fortbildungsveranstaltungen überregional vorgestellt hat. Anders lässt sich kaum erklären, warum die bereits 1962 entstandenen Kinderarbeiten gemeinsam mit deutlich später aufgenommenen Pfingstritt-Bildern — die wegen der dargestellten Pfingstbräute eindeutig erst Ende der 1960er Jahre entstanden sein können — zusammen in einem Dia-Koffer einsortiert wurden, der die Aufschrift "Musischer Wettbewerb 1962" trägt.

Sammlung KH Krämer Pfingstmontag 1968 mit den Pfingstbräuten Elisabeth Haushofer (1968) und Monika Zigan (1967)


DIA-Koffer Sammlung KH Krämer
Zusätzlich befanden sich unter den Farb-Dias auch Detailaufnahmen des neuen Pfingstplakats von 1962, das von August Philipp Henneberger gestaltet worden war. Auch dies spricht dafür, dass diese Bildzusammenstellung später im Rahmen einer Dia-Schau vorgeführt wurde.

Doch nun zurück zu der großen Kunstaktion des Jahres 1962

Sammlung KH Krämer - das Pfingstplakat von 1962 von August Philipp Henneberger



In der Pfingstbeilage 1962 der Kötztinger Umschau ist diese Schüleraktion der Rote Faden, der sich durch die ganze Sonderausgabe zieht und auch August Philipp Henneberger wird darin zitiert mit einem - fast euphorisch zu nennenden -  Statement, über all das, was die Kinder "ablieferten" und nun für eine Woche in der Holzapfelschule zu bestaunen war.

"Es ist eine glückliche, kulturelle Tat, dass sich die Redaktion der „Kötztinger Umschau“ für dieses Jubiläums-Pfingstfest einen künstlerischen Wettbewerb ausgedacht hat, und man muss der „Mittelbayerischen Zeitung“ dafür danken. Die Pfingstfestwoche bringt allerlei Veranstaltungn, aber auf eine muß ganz besonders hingewiesen werden, die nicht auf dem Programm des Pfingstplakates steht, auf die Ausstellung „Kinder sehen den Pfingstritt“ in der Holzapfelschule vom Pfingstmontag bis 17. Juni. Man sollte um des Kunstgenusses willen dorthin gehen und staunen, was heute noch in unserer Jugend steckt, wenn es geweckt wird.
Natürlich war es nicht einfach von den Arbeiten der 1500 Buben und Mädel, die sich beteiligt haben, das Wertvollste auszusuchen, denn nicht nur der künstlerische Wert sollte ausschlaggebend sein, sondern auch die Idee und der Fleiß. Die Kinder bekamen eine freiwillige Aufgabe und sie haben in ihrem Drang nach Gestaltung ganz außergewöhnliche Leistungen mit reinen elementaren Formen geschaffen. Es ist etwas ganz Neues in unserer Gegend und auch für unsere Jugend war es etwas Unbekanntes. Und wenn man sich diese wunderbaren Arbeiten der Kinder ansieht, dann kommt man zu vielerlei Überlegungen. 
Die Arbeiten sind primitiv und elementar, aber kann man bei Kindern schon eine reichere und gefestigtere Formstufe erwarten? 
Man will es ja gar nicht. Sollte eine wirkliche Begabung bei so jungen Leuten sein, dann gibt sich durch Weiterbildung eine neue Form. Mit dieser Grundlage und Aufweckung des Künstlerischen muss erst einmal ein Anfang gemacht werden.
Zur Ausstellung selbst wären in erster Linie die Gemeinschaftsarbeiten (Klassenarbeiten) zu erwähnen. Von einfachen Formen im großen ausgehend, bekam jeder Schüler seine Aufgabe, und alle diese einzelnen Bilder erhielten dann einen eindeutig gegliederten Zusammenhang. Ich denke dabei an einen Wandteppich, der in seiner Gestaltung einmalig ist, einzelne Gruppen davon stellen Meisterwerke dar, so zum Beispiel die Szene Pfingstbrautpaar, die sehr an den französischen Sonntagsmaler und Zöllner Henry Rousseau erinnert. Oder pfingstritt, plastische gestaltet mit einer Liebe und Hingabe so zauberhaft, wie ihn nur Kinder sehen und lieben. Ja, unser Pfingstritt ist schön und schaut man sich diese Ausstellung an, dann sieht man erst,
warum uns der Pfingstritt so glücklich macht. Auch humorvolle Szenen, ich erinnere an an das wunderbar gestaltete Bilderbuch, in dem sich sogar die Spatzen auf den Pfingstritt freuen, sind bei dieser Ausstellung zu
sehen. Was wird man für eine Fülle von Arbeiten bewundern können: Malereien, Zeichnungen,  Hinterglasarbeiten, Scherenschnitte, Wandteppiche, Papiermosaike, Reissarbeiten, Plastiken, Schnitzereien, Modellkleider für die Pfingstbraut, Gedichte und vieles andere mehr.
Man muss sich freuen an dieser Ausstellung. Niemand sollte es versäumen, sie zu besuchen. Hier ist der Beweis erbracht, dass es gelungen ist, die Anlagen, die in unseren Kindern schlummern, aufzudecken. Ohne Zweifel sind auch in unserer Jugend diese wertvollen Anlagen, wie sie in früheren Zeiten die Kultur eines Volkes ausmachten und nicht nur einzelne Begabte, sondern ein ganzes junges Volk mit echter schöpferischer Begabung. 
Es ist darum angebracht, hier an dieser Stelle den Initiatoren dieses Wettbewerbes zu danken für diese glückliche, bisher noch nicht dagewesene Idee und dann allen den Lehrerinnen und Lehrern, die sich in solcher Weise für eine gesunde künstlerische Jugendbildung einsetzen. Das Ergebnis ist darum auch einmalig."








Sammlung KH Krämer, wie man erkennen kann, war es höchste Zeit für die Digitalisierung und damit Sicherung der alten Dias, die sich am Rande bereits deutlich  sichtbar auflösen.



🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

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 ⭐ Pfingstritt Pfingstritt Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Pfingsten in Bad Kötzting. 



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Übermorgen folgen dann an dieser Stelle die Schülerarbeiten.......


Die Ausstellung der Schülerarbeiten 




Und schließlich folgt noch die 

Die multimediale Nachnutzung












Dienstag, 19. Mai 2026

Neuigkeiten aus dem Bad Kötztinger Stadtarchiv

 Neues aus dem Stadtarchiv.... eigentlich dem Pfarrarchiv


Nach einem Hinweis des Wettzeller Kirchenpflegers Hans Seiderer auf einen überraschenden Dachbodenfund im dortigen Pfarrheim trafen wir uns Anfang der Woche zu einer ersten Durchsicht eines größeren Aktenbestandes mittendrin im Altbestand der Wettzeller Pfarrbibliothek.

Zwischen all den Büchern und frommen Zeitschriften und gebundenen Journalen kamen dann nach der Aussonderung zahlreicher Kontoauszüge schließlich jene Dokumente zum Vorschein, die sich als ein Glücksfall für die Ortsgeschichte erwiesen: die historischen - 1900-1968 - Kirchenrechnungen der Kirchen in Wettzell und Sackenried, die nun dauerhaft aufbewahrt werden sollen.
Was den Fund für uns so besonders macht, sind die Belege, die parallel zu den buchhalterischen Jahresrechnungen aufbewahrt wurden und uns - eigentlich gelten Rechnungsbelege nicht als archivwürdig- zeigen, wie eng die Verflechtungen bereits weit vor der Kommunalgebietsreform zwischen Wettzell und Kötzting gewesen waren.

Einschub
Diese Verflechtungen waren im Jahre 1976 dann auch der entscheidende Grund für die Auflösung des zunächst angedachten Verwaltungsverbundes von Wettzell und Wiesing und dem Wechsel von Wettzell von Niederbayern zur Stadt Kötzting und damit in die Oberpfalz.
Einschub Ende 

Ein Steinbühler Bryologe


Fast unentdeckt geblieben wäre beinahe ein Briefwechsel, der als unscheinbarer kleiner Aktendeckel  -mit der Aufschrift 501-600-  zwischen zwei Büchern eingezwickt gewesen war.


In dem unscheinbaren Bestand befindet sich ein bemerkenswerter Schriftwechsel mit dem damaligen Expositus Alexius Schwab aus Steinbühl, der offensichtlich zuvor mit seinem Spezialsteckenpferd an seiner vorherigen Wirkungsstätte im Fichtelgebirge tätig gewesen war. 



Aus den Briefen spricht die überraschende wissenschaftliche Reichweite dieses Mannes, der sich weit über seine kirchliche Tätigkeit hinaus einen Namen als gefragter Bryologe gemacht hatte – ja, als einer jener Spezialisten, die man im damaligen Sprachgebrauch beinahe als „Sphagnologen“ hätte bezeichnen können. Seine besondere Leidenschaft galt den Torfmoosen der Gattung Sphagnum, deren Formen- und Standortvielfalt er mit einer Akribie erforschte, die in Fachkreisen durchaus Beachtung fand. So sehr, dass seine eigene Sammlung nicht nur ein privates Studienobjekt blieb, sondern offenbar wiederholt auch wissenschaftlich genutzt wurde: Auf Anfrage versandte Schwab einzelne Belege seiner Sphagnum-Herbarien an Autoren, die gerade an einer Neubearbeitung der damaligen botanischen Bestimmungswerke arbeiteten. 

Ich vermute, dass einer der abgebildeten Priester unser Expositus Alexius Schwab gewesen ist.
Links und rechts auf den Fensterbrettern erkennt man die "Utensilien" zur Anlage und Aufbewahrung eines Herbariums und in der Mitte Bestimmungsbücher.

Mikroskopische Aufnahmen von Details eines Sphagnum-Mooses


Ich hätte nun die Bitte an Sie, ob Sie die Freundlichkeit hätten, mir für kurze Zeit ihr Sphagnum Herbar zum Zwecke meiner Arbeit zu .... überlassen.

Die Korrespondenz lässt damit einen Blick in jene Zeit zu, in der sich große Teile der botanischen Forschung noch aus dem engmaschigen Netz engagierter Einzelpersonen speisten – aus Pfarrhäusern, Schulstuben und kleinen Exposituren heraus, getragen von Sammlern, die mit Leidenschaft und Präzision an der Vermessung der Pflanzenwelt arbeiteten.

Dieser Briefwechsel allein – zusammen mit den zahlreichen Rechnungsbelegen Kötztinger Firmen und Handwerker – ist ein kleiner Schatz der Alltags- und Wissenschaftsgeschichte. Er zeigt, wie viel sich aus unscheinbaren Papierstapeln noch heute herauslesen lässt: Netzwerke, Arbeitsweisen und Lebenswelten, die längst vergangen scheinen und doch plötzlich wieder greifbar werden.

Moossammler konnten sich offensichtlich auch Exemplare für ihr Herbarium zuschicken lassen

Einschub:
Aber warum findet sich der Schriftwechsel des damals Steinbühler Expositus Alexius Schwab im Pfarrarchiv in Wettzell? Sehr einfach, ab dem Jahre 1923 war HH Pfarrer Alexius Schwab der Wettzeller Pfarrer geworden, dem Wettzell seine Chronik verdankt.
In der von Lois Perlinger neu erarbeiteten umfangreichen Wettzeller Ortschronik nehmen die Aufzeichnungen des Geistlichen Rats Alexius Schwab einen weiten Raum ein und über ihn schrieb der Chronist:
"Schwab Alexius, 1923 - 1947; Geistlicher Rat, geboren 15.12.1874 in Reuth, gestorben 03.02.1947 und ruht im Wettzeller Priestergrab, Herr B.G.R. Schwab hat sich für Wettzell große Verdienste erworben, indem er den Grundstock für die Chronik verfasste. Er ließ 1934 die Kirche renovieren. Er war korespondierendes Mitglied der naturwissenschaftlichen Akademie in Berlin. Er entdeckte in der Nähe des Abersees ein Moosart, die nach ihm benannt wurde „Swabana". Er wurde am 06.02.1947 von Herrn Dekan Dr. Meinzinger von Rimbach der geweihten Erde übergeben."

Foto aus der Perlinger Chronik, die wir nur als Bürokopie im Archiv haben



Die Kirchenrechnungen von Wettzell und Sackenried


Ein Aktenstapel von rund 60 cm Höhe befindet sich derzeit in unserem Büro im Rathaus in Bad Kötzting und wartet dort darauf, zumindest grob erschlossen zu werden, bevor die Archivalien anschließend im Kötztinger Pfarrarchiv dauerhaft aufbewahrt werden sollen. Bemerkenswert ist dabei, dass dessen Bestände – dank ihrer glücklichen Überlieferungskontinuität – teilweise deutlich weiter zurückreichen als jene des Stadtarchivs, da die Pfarrkirche während des Schwedeneinfall nicht zerstört wurde, im Gegensatz zum damaligen Rathaus.

Hier noch ein kleiner Blick auf den Zufallsfund:


So sieht es dann aus, wenn die Arbeit beginnt.....

Das ist der Stapel mit den Rechnungen und - vor allem -  den Rechnungsbelegen für die Wallfahrtskirche in Sackenried von 1950-1968
Auf den folgenden Bildern sieht man gut den Fortschritt beim ge/benutzten Büromaterial
1952 waren es schon Klemmen - 1951 noch selbstgebastelte Drahtbügel



All diese Metallteile müssen nun entfernt werden, um die Archivalien auch für die LANGE Zukunft zu präparieren.


Vielleicht ist das zugleich eine kleine Anregung für meine Bad Kötztinger Mitbürger: In so manchem Dachboden, in alten Kisten oder vergessenen Mappen schlummern vermutlich noch ähnliche Zeugnisse unserer Ortsgeschichte. Es lohnt sich, hin und wieder genauer hinzuschauen – man weiß nie, welche Geschichten dort noch auf ihre Entdeckung warten.


Wer mehr über Wettzell und seine Geschichte nachlesen möchte, findet dazu weitere Informationen in den folgenden Beiträgen:
Die Gemeinde Wettzell kommt zur Stadt Bad Kötzting 


🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken. Wer es noch nicht weiß, um was es sich bei diesem Programm handelt, kann sich gut im folgenden Blogbeitrag informieren: Die interaktive Karte und ihre Möglichkeiten :

🔎 Wer diesen Beitrag dort wiederfinden möchte, muss ein wenig suchen:
Er verbirgt sich in der Markergruppe Rund herum um Kötzting  


 

Viel Freude beim Entdecken!

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Sonntag, 17. Mai 2026

Unser Pfingstritt im Jahre 1926

 Der Pfingstritt 1926

Die folgenden Zeitungsausschnitte entstammen sämtlich dem „Kötztinger Anzeiger“ und die Archivalien befinden sich im Bestand des Stadtarchivs Kötzting (320/926).
Als im Jahre 1949 in Kötzting erstmals wieder ein Volksfest gefeiert werden konnte, entschied sich der Marktgemeinderat ganz bewusst dafür, dieses mit dem Pfingstfest zu verbinden. Volksfeste hatte es in Kötzting zwar schon zuvor mehrfach gegeben; diese früheren Veranstaltungen standen jedoch stets im Zusammenhang mit Landwirtschaftsfesten, die in unregelmäßigen Abständen, jedoch immer in den Sommermonaten, abgehalten worden waren.
Zudem lag das letzte Kötztinger Volksfest zu diesem Zeitpunkt bereits 23 Jahre zurück: Es hatte im August 1926 stattgefunden. Damit markierte das Jahr 1949 in mehrfacher Hinsicht einen Neubeginn im Kötztinger Festgeschehen.

Hier also in der Rückschau zunächst das große und vorerst für lange Jahre das letzte - aber das wussten die Kötztinger damals natürlich nicht - Volksfest in Kötzting: 


Nicht nur das oben gezeigte Plakat warb einst für das Fest – darüber hinaus ließ man sogar einen eigenen Werbeprospekt drucken. Mit seinen vielen Einzelheiten zum Programm und den zahlreichen besonderen Anzeigen ist er weit mehr als nur eine Ankündigung: Er ist ein Stück gelebter Zeitgeschichte. Deshalb möchte ich ihn hier vollständig vorstellen – als eine kleine Zeitreise in die Zwischenkriegszeit in Kötzting.

StadtA Kötzting 320/926

Es scheinen hier viele Bier- und Festzelte aufgestellt worden zu sein.....






s





Auf dieses außergewöhnliche Volksfest des Jahres 1926 wird im Sommer noch gesondert zurückzukommen sein – in einer eigenen Abhandlung. Doch nun zum Pfingstfest 1926


Kötzting, 21. Mai. (Pfingstritt.) Nun endlich hat sich die schon die ganze Woche andauernde Spannung gelöst, da der Pfingstbräutigam festgestellt ist. Von den acht vom Gemeinderat vorgeschlagenen Bürgerssöhnen wurde vom Rath, Pfarramt der Bürgers- und ehem. Musikmeisterssohn Georg Sperl ausgewählt, das Jugendkränzchen für das Jahr 1926 zu empfangen. Als Pfingstbraut wird Frl. Anna Rabl, Bürgers- und Gastwirtstochter heute die Feier verschönern, während die Herren Karl Waldmann und Adolf Hollmeier als Brautführer fungieren werden.
Die Pfingsthochzeit findet heuer in den Lokalitäten des Gasthauses Leopold Januel statt. Die uralte Feier des Pfingstrittes und der Pfingsthochzeit wird sich deshalb auch in diesem Jahre wieder in dem gewohnten Rahmen vollziehen und wie immer Hunderte und Aberhunderte von Besuchern aus Nah und Fern anziehen, sofern das Wetter nur einigermaßen günstig erscheint. Aber Kötzting hat mit dem Pfingstmontagswetter noch stets zufrieden sein können und das wollen wir auch für 1926 hoffen!

Der Pfingstmontag des Jahres 1936 fiel auf den 24. Mai. Bemerkenswert ist dabei, dass die Entscheidung über den diesjährigen Pfingstbräutigam offenbar erst am 20. oder 21. Mai – also am Donnerstag oder Freitag vor Pfingsten – getroffen wurde. Dem ausgewählten Pfingstbräutigam, dem Sperl Schorsch, blieben somit lediglich etwa vier Tage zur Vorbereitung.
Noch wesentlich knapper und zweifellos auch hektischer gestaltete sich diese Frist für die Pfingstbraut, deren Brautkleid in dieser kurzen Zeitspanne erst noch gefertigt werden musste.

Aber auch ohne das große Rahmenprogramm eines Volksfestes, nutzen die Kötztinger Vereine den Besucherstrom, um sich vorzustellen bzw. auf sich aufmerksam zu machen, wie der erst wenige Jahre zuvor gegründete 1. Fußballklub und der Kötztinger Turnverein mit seiner neuen Turnhalle.

So warb der FC Kötzting für sein "Pfingstrahmenprogramm:
"Kötzting, 22. Mai. (Fußball). Wie alljährlich beschert uns auch heuer wieder unser Fußball-Club zu Pfingsten mit einem Wettspiel, das aller Voraussicht nach höchst interessant zu werden verspricht. Unserer Spielleitung ist es, wenn auch unter erheblichen Opfern gelungen, eine Mannschaft von bestem Rufe 
— Liga=Reserve Straubing — für die beiden Pfingstfeiertage zu einem Kampfe gegen unsere zu gewinnen. Die Straubinger sind gefürchtete Gegner und dürften unsere Mannen einen sehr harten Stand haben. Das beweisen zwei Ergebnisse denen Straubing eine stark überlegene Note aufzudrücken verstand.
LRS 
Zwiesel 5:2, LRS. — Cham 9:1.
Kötzting tritt 
etwas verstärkt in den Kampf, wie aus der Aufstellung ersichtlich ist:

Schmidl  
Weinzierl Praller
Wiesbauer Kramer Waldmann 
Gmach Kienle Dattler Kroher M. Gerstl

Als Schiedsrichter fungieren am Pfingstsonntag Herr Schau, am Pfingstmontag Herr Hollmeier
Spielbeginn: Pfingstsonntag nachmittags halb  3 Uhr,
Pfingstmontag vormittags halb 11 Uhr
Ein Besuch der Spiele ist jedem Sportsfreund zu empfehlen

Der Turnverein hatte eine besondere Idee:

Kötzting: (Turnverein) Pfingstsonntag  Abend 7 Uhr, vor dem Zapfenstreich werden in der Turnhalle die allgemeinen Freiübungen für das Gauturnfest am 12. und 13. Juni mit Musikbegleitung durchgeübt. Von allen aktiven Turner wird erwartet, dass sie sich bestimmt zur festgesetzten Zeit in der Turnhalle einfinden. Vorsorglich wollen jeder sich die Turner auch gegenseitig noch verständigen.
Gut Heil                                                    Der Turnrat

[Den verschwurbelten letzten Satz verstehe ich so, dass die Turner untereinander darauf achten sollten, dass alle auch wirklich zum Termin erschienen.]


 Wie man den Anzeigen entnehmen kann, feierten die Burschen ihre "Pfingstkneipe beim Rabl Mich und der im Jahre 1924 neu erbaute Graßlsaal war das ganze über ausgebucht: am Pfingstsonntag führte der Kötztinger Krieger und Veteranenverein sein Erfolgsstück "Mizzi und Muzzi" erneut auf und am  Pfingstmontag lud die FFW Sperlhammer - parallel zur Pfingsthochzeit - zu einem Tanzkränzchen im selben Saal.

In diesem Jahr 1926 kam es noch zu weiteren Großveranstaltungen: Kurz nach den Pfingstfeiertagen ging es mit einem großen Gauturnfest weiter – quasi der endgültigen Einweihung der Kötztinger Sportanlagen. Danach feierte der in Kötzting hoch verehrte Expositus Späth sein Priesterjubiläum, ehe im August das überregionale Landwirtschaftsfest stattfand, mit dessen Programmflyer dieser Blog beginnt. 
Auch auf diese weiteren bevorstehenden Großveranstaltungen nahm der Marktgemeinderat in seinem Aufruf an die Kötztinger Hausbesitzer ausdrücklich Bezug:
 


Und so dürfte es am Pfingstmontag ausgesehen haben, wenn die geladenen Vereine mit ihren Fahnenabordnungen sich zur Feldmesse versammelten. Das Bild stammt aus der Sammlung von Frau Linke und ist auch in den späten 20ern gemacht worden.

Foto Linke
Und schließlich kam zu all den Veranstaltungen auch noch die Eröffnung der Kötztinger Biergärten hinzu, wie zum Beispiel die des Kollmaier-Kellers in der heutigen Jahnstraße.

Und dann kam der so lange erwartete Pfingstmontag 1926:

Kötzting 25. Mai (Pfingstritt 1926) Sankt Peter hatte ein Einsehen und wenn er as sich auch nicht versagen konnte, hin und wieder die festfrohe Menge mit einem Spritzregen zu verscheuchen, er machte die Hoffnung der Kötztinger auf ein gutes Pfingstmontag weiter nicht zuschanden. Nachmittags lachte die liebe Sonne auf all die Festbesucher, so dass Einritt, Burschenzug und Brautzug von ganz
nettem Wetter begünstigt waren. In Anbetracht dieser günstigen Wendung mag dem himmlischen Wettermacher der verregnete Sonntag noch verziehen sein.
Bereits morgens 5 Uhr mahnte der musikalische Weckruf Kötztings Einwohner daran, dass der ersehnte Festtag angebrochen und keine zwei Stunden später fluteten auf allen Zugangsstraßen die Bevölkerung aus Nah und Fern heran zum Markt und auch der Zug aus Lam führte Menschen in Menge mit sich, während in der Tor- und Holzapfelstraße sich Reiter und Pferde drängten und sich zum Zuge  formierten.
Um halb 8 Uhr  begannen die Glocken von St. Veit ihr harmonisches Geläute, Böllersalven zitterten durch die Morgenluft, Kommandos erschallten und unter Trommelschlag setzte sich der Ritt in Bewegung. Bald fiel die Musik mit schneidigen Klängen ein und dahin ging es, Reiterpaar an Reiterpaar durch die Marktstraße hinunter, hinein in das gesegnete Zellertal zum Kirchlein St. Nikolaus, das vor vielen Jahren gegebene Versprechen aufs neue einlösend. Eine stattliche Anzahl von Gästen
hatte sich wieder eingefunden, das tief zu Herzen gehende Schauspiel zu genießen und auf sich
einwirken zu lassen, wenn auch die schlechte Witterung der vorhergehenden Tage den Zustrom der Fremden beeinträchtigt hat.
Zwischen Ritt und Feldmesse wogten die Menschenmengen die Straßen auf und ab, dadurch ein seltenes Leben in unseren Markt bringend. Gegen 9 Uhr vollzog sich unter klingendem Spiel der
Aufmarsch der Behörden und Vereine zum traditionellen Feldgottesdienst vor der
St. Veitskirche, wobei H. H. Pfarrer Dirscherl die Messe zelebrierte. Nachmittags, es war schon nach
1 Uhr, kehrten die Pfingstreiter zurück und unter Voranmarsch der Musik und der Vereine ritt
der Zug hinaus auf den Bleichanger, auf dem die alljährliche Verteilung des Pfingstkränzchens
vor sich geht. 
Nach einer zündenden Ansprache des amtierenden Geistlichen H. H. Kooperators Fuchs, die Wesen und Zweck der alten Sitte der Verleihung hervorhob, wurde dem Bürgerssohn Georg Sperl das Kränzchen, der Preis für eine makellose Vergangenheit und ein sittenstrenges Leben, eine überaus zierliche
Filigranarbeit überreicht, wofür sich der Ausgezeichnete mit kernigen Worten bedankte. Im Anschluß
hieran wurden noch 3 Fahnen verliehen:
 für 50jährige Teilnahme als Reiter und Signalist Herrn Kauer Johann, Gastwirt in Kammern,
der auch mit einer goldenen Uhr bedacht wurde,
für 25jährige Teilnahme als Reiter Joseph Penzkofer, Oekonom in Weidenhof und
Wolfgang Laumer, Oekonom in Holzhof.
Ein weiteres beredtes Beispiel dafür, daß der Pfingstritt tief in den Herzen der Waldler wurzelt. Nach
dem Abzug vom Bleichanger kehrten die Reiter wieder in den Markt zurück, wo sie sich dann
in der Herrenstraße zerstreuten. Unterdessen ritten Pfingstbräutigam, Brautführer mit Signalisten zur üblichen Begrüßung und Dankeserstattung vor den Pfarramt, zum Bezirksamt und zum Bürgermeister, wobei gleichzeitig die persönliche Einladung zur Pfingsthochzeit ausgesprochen wurde.
Nach 5 Uhr bewegte sich der Zug der Burschen mit Bräutigam, Brautführern und Musik von der Metzgasse aus durch die Straßen, wobei die Burschen reichlich mit Blumensträußchen beglückt wurden. Reichlich eine Stunde später trat die Musikkapelle wieder an um die Braut im Zuge durch den Markt zu führen. Eskortiert von kleinen, weißgekleideten Mädchen, grüßte die entzückend hübsche Braut, ebenfalls in Weiß, rechts und links und wohl jedermann hat das wirklich zierliche Wesen bewundern müssen. Hierauf begann das Treiben im Januelsaale, in dem heuer die Pfingsthochzeit
stattfand, die die ganze Nacht andauerte. Am Dienstag wiederholte sich dasselbe Spiel, mit
dem Unterschied, daß punkt 12 Uhr das Tanzbein Feierabend bekam. Als Ausbeute der beiden Tage dürfte wohl mancher einen schweren Schädel und  Haarweh haben, denn zwei Tage hintereinander sind eben zuviel!
Aber trotzdem werden alle Festbesucher höchst befriedigt gewesen sein 
DIA-Repro 3063 Sammlung Stadt Kötzting Sperl Georg und Anna Rabl

DIA-Repro 0738: der Pfingstbräutigam:  Georg Sperl, Musikmeisterssohn, Metzstraße  seine Tochter Maria Braut 1958

Die Pfingstbraut: Anna Rabl, verh. Fuchs, Gastwirtstochter, Metzstraße

Die Brautführer:  Karl Waldmann (Bräutigam 1931), Gehringstraße und Adolf Hollmaier, Seilermeister, Schirnstraße. Seine Töchter Luitgard und Ulrike waren die Kötztinger Pfingstbräute in den Jahren 1957 und 1961. 


DIA-Repro 2519




Einschub:

Noch im Jahre 1926 startete die Reiterprozession bereits um ½ 8 Uhr, in der „alten“ Zeit sogar schon um 6 Uhr morgens. Dies würde die bisweilen diskutierte Verbindung unseres Pfingstrittes mit den sogenannten „Mairitten“ sowie einem symbolischen Ritt nach Osten in die aufgehende Sonne durchaus unterstreichen.
Viele Gäste, die mit der Bahn anreisten, beschwerten sich jedoch darüber, dass sie den Beginn des Rittes fahrplanbedingt verpassten. Der Magistrat stieß mit seiner wiederholten Bitte an die Bahnverwaltung, am Pfingstmontag doch eine Änderung des Fahrplans zu gestatten, auf taube Ohren. Die Folge war schließlich eine Anpassung des Beginns des Pfingstrittes an den Eisenbahnfahrplan – und nicht umgekehrt.
Ich möchte hier noch einmal den Abschnitt über die damalige Durchführung des Burschen und des Brautzuges herausstellen.
Im Blog ist ein Bild des Burschenzuges in der herrenstraße abgebildet. Vom später asich anschließenden Brautzug haben wir keinerlei Bilder:
"Nach 5 Uhr bewegte sich der Zug der Burschen mit Bräutigam, Brautführern und Musik von der Metzgasse aus durch die Straßen, wobei die Burschen reichlich mit Blumensträußchen beglückt wurden. Reichlich eine Stunde später trat die Musikkapelle wieder an um die Braut im Zuge durch den Markt zu führen. Eskortiert von kleinen, weißgekleideten Mädchen, grüßte die entzückend hübsche Braut, ebenfalls in Weiß, rechts und links und wohl jedermann hat das wirklich zierliche Wesen bewundern müssen

Einschub Ende

Aus dem Jahre 1926 haben wir in unseren Pfingstakten einige Quittungsbelege, die uns einen ganz besonderen Blick auf den Pfingstritt erlauben:
StadtA 320/926 50 Markt erhielten die zwei Signalisten für sich und ihre Pferde
Unterschriften Bgm Schödlbauer und Johann Kauer
30 Mark erhielt der Pfarrmesner Karl Obermayer " für die Funktion als Pfarrmesner beim Pfingstritt 
Der Tambourmayor Pritzl zeichnete die Quittung  für " Stellung der Trommler beim Pfingstritt" über 40 Mark
 
Quittung über 72 Mark , welchen Betrag der Unterzeichnete für Herstellung der Musik anläßlich der Pfingstfeierlichkeiten aus der Gemeindekasse bar erhalten hat. Unterschrift: Xaver Mühlbauer Musikmeister


50 Mark erhielt der Pfingstbräutigam aus der Marktkasse als Zuschuss
Die Mallersdorfer Schwestern der St. Josefspflege bekamen 120 Mark für das Pfingstkranzl , 50 Mark für ein Ehrenband und 20 Mark für 2 Fähnchen, für die Schwester Ignatia unterschrieb.
Jeweils 1 Mark pro Mann - 12 Mark für die ganze Mannschaft - erhielt der Feuerwehrkommandant Krämer für die "Aufrechterhaltung der Ordnung und Absperrung gelegentlich des Pfingstrittes 1926.

Ein besonders interessanter Beleg ist der folgende für die Rittspitze und den Kooperator, bei dem der Empfänger mit seiner Unterschrift fast nicht zu entziffern ist. Es ist aber auf keinen Falle die Unterschrift einer Frau Schmidt, von der die Überlieferung erzählt, dieses Haus hätte seit "unvordenklichen Zeiten" diese Pferde gestellt.
40 Mark für Stellung von 3 Pferden an der Spitze und 1 Pferd für den Cooperator,

Hier nochmal die Unterschrift in Vergrößerung:
Ich würde sagen: "Gohel Thekla"

Von Rudolf Häfner stammt das Material für die Ehrenfahnen:


Am Ende noch ein Bild von Pfingstreitern, das anhand der Zusatzinfo dem Pfingstritt des Jahres 1926 zugeordnet werden können.
DIA-Repro 1094 2 Pfingstreiter  1926 Hofmann, Kaitersbach (Bejschl) Max, Fuhrknecht



Wie oben bereits kurz erwähnt, werden die weiteren Großereignisse des Jahres 1926 in Kötzting in einem separaten Beitrag behandelt.


🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken.

 ⭐ Pfingstritt Pfingstritt Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Pfingsten in Bad Kötzting. 



Viel Freude beim Entdecken!

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