Translate

Montag, 25. März 2019

Liebenstein


Liebenstein

Liebenstein, eine kleine und bis zum 1. Oktober 1977 selbstständige Landgemeinde aus dem Altlandkreis Kötzting, welche aus mehreren kleinen Ortschaften bestand. (Liebenstein selbst, dann Ramsried, Niesassen, Ried hinterm Haidstein, Ammermühle und Bachmeierholz.







Wie ein Ring mit mehreren unterschiedlichen Edelsteinen stellt sich die Gemeinde dar und es ist ihr nicht leichtgefallen, wie man den alten Zeitungsausschnitten entnehmen kann, die Selbstständigkeit aufzugeben und sich der Stadt Kötzting anzuschließen. Der Altbürgermeister Hastreiter kommentierte im September 1977, Liebenstein hätte den "politischen Freitod" gesucht.
Schon in diesem bebilderten Artikel sind einige der besonderen Schmankerl Liebensteins einzeln aufgeführt, aber nun zuerst zum namensgebenden Ortsteil, Liebenstein selber.

Selbst heutzutage liegt dieser noch leicht abseits der alten Landkreisstraße „KÖZ 4“. Bis 1963/64 aber verlief diese Straße, die sogenannte "alte Thenrieder Straße“, noch viel weiter östlich und ging nicht nur an Liebenstein weit vorbei, sondern ließ auch Ramsried links liegen. Ich kenne diese ungeteerte "alte Thenrieder Straße" nur noch vom sommerlichen Schwammerlsuchen, weil dort mein Vater "seine" Schwammerlplätze vermutete.
 


© Daten:Bayerisches Landesamt für Umwelt, Bayerische VermessungsverwaltungHintergrundkarte: Positionsblätter 1:25000 (1817-1841). die Distriktstraße von Kötzting nach Furth führte direkt von Haus nach Thenried
(hier weiß eingezeichnet)
Liebenstein jedenfalls lag damals mit "seinem" Wirtshaus nicht gerade an einer vielbefahrenen Straßenkreuzung, doch dazu später.
Zuerst einmal die Geschichte:
Grau ist alle Theorie, aber der Archivdirektor Piendl bringt das Geschlecht unserer Liebensteiner mit einem gleichnamigen im Egerland in Verbindung, es scheint sich wie bei allen unseren Burgen und Edelmannsitzen um eine Dienstmannenansiedlung gehandelt haben. Die Grafen von Cham, als wesentlicher Teil der Grenzsicherung des Reiches, vergaben Grund und Boden an ihre "leitenden Untergebenen", um durch deren Anwesenheit und Ausbreitung in ihrem Herrschaftsgebiet die Sicherheit zu erhöhen bzw. überhaupt erst zu gewährleisten.


Vor allem die Flankierung der Cham Further Senke, als DIE Heeresstraße zwischen Bayern und Böhmen, wurde von links und von rechts auf den Höhen mit Burgen begleitet. Wie bei all diesen Besitztümern der Grafen von Cham(und Bogen) wurden deren Grafschaften nach dem Aussterben dieser alten Familien direkt dem bayerischen Herzog untertan. Im 14. Jahrhundert haben wir die Sattelbogener auf dem Liebenstein und aus dieser Zeit auch sollte der Burgstall stammen. Es wechseln sich die verschiedensten adeligen Besitzer ab, Namen, die wir auch von anderen Edelsitzen kennen, die Nemmer, Winckler, Rambsrieder usw.. Während Liebenstein vermutlich im späten 15. Jahrhundert in den Rang einer Hofmark aufstieg, gliederten dann Anfang des 16. Jahrhunderts die Nothafft von Wernberg auf Runding, das für Jahrhunderte beherrschende Adelsgeschlecht in unserer Gegend, die Hofmark Liebenstein in ihre Herrschaft Runding ein. Bis zum finanziellen Zusammenbruch der Nothafft zu Anfang des 19. Jahrhunderts blieb Liebenstein dann dem Patrimonialgericht der Nothafft in Runding zugehörig, das heißt sämtliche Behördengänge (heutzutage wären es die beim Notar, beim Amtsgericht, beim Standesamt und der Passbehörde, bei der Polizei und beim Finanzamt) liefen auf dem Schloss in Runding zusammen.
In den Dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts kaufte der bayerische Staat dann die Hofmark aus der Konkursmasse des letzten Besitzers heraus und somit, aber eben auch dann erst, wurden die Liebensteiner direkte Untertanen des bayerischen Staates.
Die große Burg der Nothafft verfiel in kurzer Zeit und ein Dia aus den 1930er Jahren zeigt, was von der  stolzen Burg übrig geblieben war, auch nachdem sich die Bewohner des Dorfes an dem "Steinbruch" der alten Burg bedient hatten..
DIA Sammlung Kreisfilmbildstelle Cham von Josef Bock: Runding, früher Pachling, mit der Burg Runding
Burgruine Runding aus der Feder von Mathias Heilmeier um 1900

 

Der alte Burgstall der Burg Liebenstein ist versunken, alte Geschichten sprechen von einem „berüchtigten Raubhaus“, welches  den Sattelbogenern vom bayerischen Herzog Albrecht abgenommen worden war. Damit sind wir im Zeitraum der Böckler- und Löwlerkriege, einem Kampf um Pfründe, Steuerhoheit und Einfluss zwischen den ostbayerischen kleinen Adeligen und der wittelsbachischen Zentralmacht in Landshut bzw. Straubing und München.






Wie sehr sich die historische Grundstruktur gegenüber der heutigen verändert hat, zeigen die unterschiedlichen Zugehörigkeiten zu Grundherrschaften der einzelnen Gemeindeteile. Liebenstein, Ramsried, Ammermühle und Bachmeierholz waren Teil der Hofmark Liebenstein und gehörten damit bereits ab dem Ankauf durch die Nothafft 1518 zur Herrschaft Runding. Die eine Hälfte von Niesassen war Teil der Hofmark Lederdorn, welche ebenfalls bereits vorher von den Nothafft aufgekauft worden war, die andere Hälfte jedoch gehörte zur Hofmark Lichteneck und wurde erst nach 1741 nothafftisch .
Wie war nun die Grundstruktur des alten Liebensteins?

historischer Atlas von Bayern, das Landgericht Kötzting:


9 Anwesen gab es in Liebenstein im Jahre 1755. 3 davon waren sogenannte Halbbauern, also Besitzer eines (gemessen an der Höhe der steuerlichen Abgabe) halben Bauernhofes. Davon konnte man seine Familie gut ernähren. 2 waren Viertelbauern, da ging’s schon knapper her, und 4 waren sogenannte Söldner. Keine Söldner im heutigen militärischen Sinne, sondern Besitzer einer sogenannten Bausölde, eines kleinen Anwesens, deren Bewohner zumeist auch noch gegen Sold arbeiten gehen mussten, als Taglöhner, als Handwerker oder eben zum Beispiel der Wirt. In diesem Falle war es nicht nur eine kleine Landwirtschaft und ein Dorfwirtshaus, das die Vorfahren auf diesem Anwesen betrieben, sondern sogar auch noch eine Schmiede. Allen 9 Besitzern gemeinsam gehörte noch das Hüthaus, eine sicherlich wohlwollende Umschreibung für eine armselige angefaulte Hütte, in welcher der Gemeindehirte hausen musste. In Liebenstein, ähnlich wie in anderen Orten Bayerns, galt das Verbot des Alleinehütens, kein Viehbesitzer durfte seine Tiere auf seinen eigenen Grundstücken selbstständig grasen lassen. Die Gemeindeherde, beaufsichtigt vom Gemeindehirten, weidete zusammen die Wiesen, Felder und die Waldweide, hier die Birkenberge; alles natürlich erst nach der Ernte, denn diese stand selbstverständlich ausschließlich dem Besitzer einer Fläche zu. Aber es gab ja in der Dreifelderwirtschaft die brachliegenden Flächen, die abgeernteten Wiesen und Äcker und auch noch die Waldweide.
Während heutzutage ein gut strukturierter Hochwald der Stolz eines jeden Waldbesitzers ist, waren es bis herein ins 20. Jahrhundert auch die Niederwaldflächen, die Birkenberge, welche für das tägliche Leben unserer Vorfahren unentbehrlich waren. Zu einer großen Ausstellung 1906 ließ das Forstamt Kötzting einen Bildband erstellen und lieferte diesen als eigenen Ausstellungsbeitrag nach Nürnberg. In diesem Bildband werden „Birkenberge“ der Kötztinger Umgebung als Musterbeispiele einer vorbildlichen Waldwirtschaft angeführt. Aus heutiger Sicht mickrige, magere Waldstücke, die dringend einer Fruchtbarkeitsverbesserung bedürften. Hier ein paar Beispiele aus dem Bildband von 1904, weil auch die Umgebung Liebensteins darinnen verewigt ist.


Birkenberge bei Kettersdorf



Fast 450 Jahre Wirtshaus in Liebenstein 


Die Hofmark Liebenstein als Teil der Herrschaft Runding hat den großen Vorteil, dass das umfangreiche Nothafftarchiv in großen Teilen erhalten geblieben ist. Der erste Hinweis auf ein Gasthaus findet sich im Jahre 1562, lässt aber aufgrund des Inhalts eine Aussage zu, dass dieses bereits vorher bestanden haben muss.
In einem Salbuch der Herrschaft Runding von 1562 befindet sich auch eine Beschreibung der Hofmark Liebenstein (siehe Beiträge zur Geschichte im Landkreis Cham Band 17 von 2000, im Beitrag von Helmut Schnabel über die Hofmark Liebenstein). Dort finden sich im Jahre 1562 in Liebenstein erst 4 Höfe, von denen der Söldner Hans Rennckhel zusätzlich zu seinen Abgabe als Söldenbesitzer auch noch das "Zapfenrecht vom Schenklen auf Wiederruf" erhalten hat. Er gibt von "jedem Viertl weiß und schwarz Pier" 12 Regensburger Pfennige.
Die Archivalien der Nothaffts liegen entweder im Staatsarchiv in Amberg oder im eigenen Nothafftsarchiv im Hauptstaatsarchiv in München. Dort findet sich unter der Urkundennummer 1017 folgender Eintrag aus dem Jahre 1600: Wolf Widmann Wirth zum Liebenstein verkauft sein Erbrecht an der zur Herrschaft Runding gehörigen Wirtstatt zum Liebenstein dem Veith Vogl Eybischer Pfleger auf Runting. Von Mitte des 16. Jahrhunderts bis hinein ins 17. Jahrhundert waren die Eybs die Besitzer der Herrschaft Runding, später heiratete ein Nothafft wieder in die Familie Eyb ein, daher im Jahre 1600 der Siegler: Georg Wilhelm von Eyb auf Runting. Siegelbittzeugen Wolf Prentl Weiermüller und Hans Württinger zu Tretting.
Eine Generation später finden wir wieder einen Verkauf: (U 1073) vom 31.3.1623:  Michael Liebl zu Rieth verkauft sein Erbrecht an der zur Herrschaft Runding gehörigen Wirtstatt zu Liebenstein dem Matheus Lösserer, Küster zu Steinbühl. Siegler Johann Albrecht Nothafft. Siegelbittzeugen: Georg Weißmayer Müller zu Pulling und Georg Hauser, Mauerer und Bürger zu Kötzting.
(U 1084) Mathes Lösserer blieb aber nicht lange auf dem Wirtshaus: am 29.12.1628 verkauften er und seine Frau Barbara ihr Erb-und Zapfenrecht an der zur Herrschaft Runding gehörenden Sölde zu Liebenstein an Georg Seidl zu Ramsried und dessen Frau Barbara. Wieder siegelt Johann Albrecht Nothafft, die Siegelbittzeugen stammen beide aus Ramsried.
Danach verliert sich die Spur, da keine Akten vorliegen; erst mit dem Einsetzen der Briefprotokolle taucht das Wirtshaus wieder bei den Verkäufen auf: 
Am 21.5.1719 verpachtet die Herrschaft Runding die Hoftaverne Liebenstein für 4 Jahre an Schmatz Wolfgang und dessen Frau Elisabeth aus Grafenwiesen. Da es sich dabei um eine Verpachtung handelte, könnte darin der Grund liegen, warum so viele Jahrzehnte kein Verkauf protokolliert worden war.
Nach Ablauf der Pachtzeit,1723, verkauft die Herrschaft nun das Gasthaus um die respektable Summe von 600 fl an Anton Ignaz Schott und dessen Frau Maria Klara, einer Tochter des Kötztinger Bürgers Philipp Hecht, früher ein Verwalter in Wiesenfelden. Schott leiht sich einen Teil der Kaufsumme von der Kirche in Dalking, ein damals ganz normaler Vorgang, da es ja noch keine Banken gegeben hatte, bei denen sich ein Normalbürger Geld besorgen hätte können.
Es sieht so aus, als hätte sich der Käufer übernommen, weil bereits 2 Jahre später, 1725, das Wirtshaus weiterverkauft wird. 344 Gulden bezahlt nun der Käufer nur noch für das Wirtshaus, es ist Hofmayr Anton, ein Schmiedegeselle aus Unterviechtach (Viechtach wurde, um nicht mit Oberviechtach verwechselt zu werden, manchmal Unterviechtach bezeichnet).
2 Monate nach dem Kauf des Wirtshauses erfolgt bereits der nächste Schritt: Hofmayr Anton, Wirt und Schmied in Liebenstein hat aus hochgnädiger Bewilligung eine neue Schmidt "zur Wirtschaft" erbauet.
Nun geht’s munter weiter, 1727 der nächste Verkauf, nun immer als Wirtshaus und Schmiede und der Verkaufspreis bewegt sich um die 350 Gulden. – Der erste Käufer hat sich wohl von seiner Herrschaft über den Tisch ziehen lassen…..)
Nun aber kehrt Ruhe ein in den Reigen der Besitzer, leider trifft dies auf eine große, zu große Lücke im Bestand der Briefprotokolle der Herrschaft Runding. In einer Muttergutsverteilung muss der verwitwete Liebensteiner Wirt Michael Groß 1774 vor seiner Wiederverheiratung seinen beiden überlebenden Söhnen seiner ersten Frau deren Erbe vertraglich sicherstellen. Dabei wird erwähnt, dass er selber das Anwesen 1747 um 600 Gulden erhalten hat, dann erst darf er seine zweite Frau Theres Kreisinger aus Liebenstein heiraten. Zwei Jahre später erscheint ein interessantes Detail, weil vertraglich festgehalten wurde, dass der Wirt Vogl Michael sein Brauchwasser aus einer Quelle am Vogelsberg einleiten darf. ( einer Bade- Saunalandschaft steht also seither nichts mehr im Wege) In seine Schmiede hatte der Wirt Michael Groß offensichtlich immer wieder einen Schmied eingestifftet.


Und er kann sich vergrößern, die ursprüngliche (1752) Steuergröße eines 1/8 Hofes sagt zumindest so viel aus, dass beim Wirtshaus am Anfang nicht besonders umfangreicher Grundbesitz beinhaltet war. 1784 kann Michael Groß dann einen Blaz beim Wirtshaus am Liebenstein um 80 Gulden hinzukaufen. Es geht munter weiter und manche dieser Verträge geben einen Hinweis, dass das frühere Schloss von Liebenstein auch als solches noch in Erinnerung war:
1784 verkauft die Herrschaft in Runding an verschiedene Liebensteiner Einwohner Gründe „am“ und „hinter“ dem Schloss Liebenstein und auch Michael Groß kann erneut zuschlagen, er kauft einen weiteren „öden Grund am Wirtshaus Liebenstein“
1792 nun stirbt der Wirt Michael Groß, der sicherlich das Anwesen wesentlich erweitert hat, und seine Erben übergeben das Wirtshaus und die Schmiede, nun um 2000 Gulden, an den Sohn Josef, der im Jahre drauf die Bäckerstochter Vogl Theres aus Chamerau heiratet.


Unterschrift Franz Mihlbauer im Urkathaster

Erneut haben wir eine Lücke in der Besitzerfolge. 1838 wird der Urkathaster erstellt, der damalige Besitzer ist nun bereits ein Mühlbauer, genauer Mühlbauer Franz, der für Hausnummer 1 (Wirtshaus) und Hausnummer 2 (Schmiede) zeichnet. Es ist erwähnt, dass er beide von Georg Peer 1816 um 2500 Gulden erworben hat.
Das Wirtshaus in Liebenstein

Das Wirtshaus in Liebenstein

Reitturniere auf dem Reiterhof in Liebenstein:

Leistungsprüfung in Liebenstein 1975

1975: Preisverleihung durch den Schirmherrn Hebert Treml, dem Bürgermeister von Chamerau




Ein Nachlassverfahren im Jahre 1887

Zwei Generationen Mühlbauer später – als Beispiel  - 1887 stirbt der Wirt Michael Mühlbauer und, wie damals üblich, wird nicht nur ein Totenschein ausgestellt, sondern sogleich sind von Amts wegen Vormünder für die Kinder bestimmt und das Gericht schickt verpflichtete Schätzleute – hier die beiden Kötztinger Bürger Dreger und Münch, Schwarzanderl und Lieblschwestern – um eine Inventur des Anwesens vorzunehmen.
Neben den vielen, vielen kleinen und kleinsten Grundstücken werden auch die Mobilien aufgelistet und dies gibt uns eine kleine Vorstellung von der „Größe“ des damaligen Wirtshauses bzw. der Gaststube, dort fanden sich:
Ein Cruzifix und neun Bilder – eine Hängeuhr, eine Spansäge und eine Hängelampe.
Zwei Zechtische, vier Stühle und vier Bänke. Ein Schenkkasten, ungefähr 25 Literkrüge und ungefähr 25 Halblitergläser
. Da bei den Schulden auf dem Anwesen auch Darlehensforderungen des Rundinger Bierbrauers Josef Simeth aufgeführt sind, steht zu vermuten, dass in Liebenstein damals Rundinger Bier ausgeschenkt worden ist.
Ganz mühsam und zeitaufwändig wurde nun das eingebrachte Heiratsgut der Witwe mit dem Erbsanspruch der Kinder erster Ehe auseinandergerechnet und damit deren Vatergut sichergestellt, als schon 1 Jahr später der älteste Sohn in Roding verstirbt und die Rechnerei wieder von vorne los geht.

 









Es gibt aber auch einen sehr berühmten Liebensteiner, den Bauern, Schriftsteller und Obstkultivateur

Michael Irlbeck

Titelblatt von Googles E-book
Gesessen auf dem sogenannten Hofbauernanwesen macht Michael Irlbeck in seinem Drang nach Erfolgen als Landwirt zuerst einmal eine eher tragische Figur.  Geboren wurde er 1786 in Liebenstein und verzog gegen Ende seines Arbeitslebens nach dem Verkauf seines Hofes nach Metten, wo er dann, genauer in Deggendorf, 1869 verstarb.


Michael Irlbeck stand also noch mit einem Bein im Zeitalter, als die "großen" Bauern im Dorfe das Sagen hatten, als die gemeinsame Viehweide der Standart und es absolut unüblich war, seine Tiere im Stall zu halten und auch die Brachflächen umzubrechen, um Futter zu erzeugen. Mit dem anderen Bein stand er dann bereits im "landwirtschaftlich modernen" Zeitalter. Es wurde propagiert: keinen Weidegang mehr, dafür Futtererzeugung auf allen Flächen, Ansaat von neuen Futterpflanzen (Rotklee aus England). Er selber beschreibt, dass ihn diese Umstellung fast den eigenen Hof gekostet hätte, da speziell der gelobte Rotklee auf den armen Böden des Bayerwaldes seine Vorteile eben nicht ausspielen konnte. Irlbeck verlor fast seinen ganzen Viehbestand - aus Mangel an Futtermitteln -, bevor er eigene Versuche anstellte und offensichtlich die Bodenfruchtbarkeit mit seinen Mitteln entscheidend verbessern konnte. Trotzdem dauerte es - nach seinen eigenen Worten - erneut 10 Jahre, bis er den Viehbestand wieder auf der Höhe hatte, wie er ihn von seinem Vater übernommen hatte.







In seine Zeit fällt, wegen des Wegfalls der gemeinsamen Viehweide, auch die Grundverteilung der Gemeinflächen an alle Grundbesitzer im Dorf, also auch an die Häusler und Kleinbauern - ein Streitthema in jedem Dorf. (Siehe auch der Blogeintrag über Zeltendorf) Eine Entwicklung, die er massiv kritisiert. Überhaupt macht er in seinen Schriften den Anschein, er wäre viel lieber im 18. Jahrhundert leben geblieben. Die (offiziell) abgeschafften Feiertage würden die Knechte und Mägde auf den Höfen (dem Verbot zum Trotz) nur zum ausschweifenden Feiern nutzen. Überhaupt das Feiern….Frauen und Mädchen - solange unverheiratet - kommen in seinen Schriften ganz schlecht weg. Das Thema uneheliche Kinder und ausschweifender Lebenswandel nehmen in seinen Schriften und Belehrungen einen breiten Raum ein.

Er berichtet von 2000 Fuhren Steinen, die er aus seinen Flächen herausgefahren hatte, von Trockenlegung der nassen und Bewässerung der trockenen Hangflächen.
Aber, um hier nicht nur kritisch über Irlbeck zu berichten, ohne je eine bessere Ausbildung genossen zu haben, überdenkt und beurteilt er sein Handeln, seine Erfolge und Misserfolge und zieht zuerst für sich die Konsequenzen und Lehren, um anschließend über seine Ansichten zu schreiben, und erreicht in Augsburg eine Veröffentlichung, in der er gegen die abgehobene, nur wissenschaftliche, Herangehensweise an die Landwirtschaft wettert, gerade in einem Verlag, der normalerweise eben solche Autoren unterstützt. Sein Werk wird in zweiter Auflage veröffentlicht und dann steigt eine Zeitung ein, was die Verbreitung seiner Ideen enorm befördert.
"Die übertriebene Humanität der Gesetze als ein Übel der Landwirtschaft" so der Titel der kommentierten Veröffentlichung in der Bürger und Bauern=Zeitung.
die Beschreibung der Liebensteiner Holzbirne in seinen eigenen
Artikel
Michael Irlbeck galt auch als ein guter Züchter von Obstsorten und unterhielt zu diesem Zwecke in Liebenstein eine eigene Baumschule. Als Mitglied der "praktischen Gartenbau=Gesellschaft" publizierte er auch regelmäßig im Vereinsorgan und berichtete dort von seiner "Liebensteiner Holzbirne", die sich aufgrund ihrer unbändigen Wurzelschosserbildung sogar dafür eignen würde, ganze Wälder zu bilden. Er pries diese Sorte vor allem für den Bayerischen Wald an, da sie sehr spät austreiben, dafür aber auch wieder sehr früh ihren Wuchs abschließen würde, was der Frosthärte zu gute kommen würde. Es sind schlichte Holzbirnen, die erst im Lager teigig nachreifen würden....wers mag....




 

Offensichtlich ist er hier vor Ort aber damit bekannt, da er gleichzeitig auch announciert, entsprechende Mengen aus seiner Baumschule in Liebenstein abgeben zu können:
Was soll man zu solch einem Leben sagen, mit beiden Beinen im Leben, ein Bauer, ein Gärtner und Pflanzenzüchter und ein Mensch , der seine Erfolge nicht für sich behält sondern die Ursachen seines Erfolges untersucht und versucht diese an seine Mitmenschen weiterzugeben. Wenn er nicht so rigorose Ansichten über seine Mitmenschen, vor allem die Frauen und Mädchen und die Mitglieder der - in seinen Augen- unteren Stände äußern würde, ginge er glatt als Menschenfreund durch .
Nimmt man die Stiftungen, die Michael Irlbeck dann aber doch noch hinterlassen hat, in der Kirche zu Rimbach und für die Kapelle Bachmeierholz, hinzu, dann überwiegt doch das Positive, das er uns hinterlassen hat.

Ramsried


Die Gemeinde Liebenstein bestand, wie eingangs erwähnt aus mehreren Ortsteilen und auch wenn der Gemeindename nach Liebenstein lautete, so war doch der Mittelpunkt des gemeindlichen Lebens zumeist der Ortsteil Ramsried, gelegen direkt an der Landkreisstraße, hier war die Schule und das Feuerwehrhaus. Von der Alten Schule in Ramsried haben wir ein paar tolle Bilder aus der DIA-Serie der Kreisfilmbildstelle und geschossen vom Kötztinger Hauptlehrer Josef Bock.
Schneeballschlacht in der Pause, die alte Schule in Ramsried im Winter 1942
auch dieses Farbdia stammt von der Medienzentrale in Cham, aus dem Altbestend der Kreisfilmbildstelle Kötzting und der
Photograph war wie meist der Kötztinger Hauptlehrer Josef Bock
Bildunterschrift war: Ramsried mit Kaitersberg im Hintergund

Ramsried
Ramsried

Auch an dieser Stelle einen Festzug der Feuerwehr Liebenstein.... der Name stammt von der Gemeinde, der Festzug ist in Ramsried.

Die erste Reihe, die Fahnenmutter mit den Jungfrauen 1972 bei der Fahnenweihe der FFW Liebenstein mit der Fahnenmutter Frau Paula Mühlbauer
Kötztinger Anzeiger vom Mai 1924
die Feuerwehr nennt sich nach Liebenstein, gefeiert wird in
Ramsried, vermutlich weil der Saal dort größer war.


Kötztinger Zeitung August 1969 Die Freiwillige Feuerwehr Liebenstein beim gemeinsamen Kirchenzug durch Ramsried hin zur Kapelle Bachmeierholz

























Auch von Ramsried gibt es natürlich historische Aufzeichnungen, historisch - um 1750- bestand der Ortsteil aus 7 Anwesen. Zu dieser Zeit gab es in Ramsried, anders als im 20. Jahrhundert, kein Wirtshaus, aber die Ammermühle wurde zusätzlich Ramsried zugerechnet.
Grundsätzlich ist Ramsried sogar älter als Liebenstein und auch älter als Kötzting, zumindest was den Nachweis durch Urkunden angeht. bereits 1054 wird Ramsried erstmals in einem Kaiserdiplom erwähnt. Ramsried, das vermutlich bis 1448 ein Eigenleben führen konnte, wurde in diesem Jahr aus dem Besitz der Chamerauer in den der Nothafft überführt, die diese Güter dann verwaltungstechnisch ihrer Hofmark Lichteneck einverleiben.

Der Haidstein


Als den dritten, ich nenn´s mal, Edelstein Liebensteins würde ich die Kapelle, früher die Burg, und das Forsthaus auf dem Haidstein ansehen. Ein Berg, eine Kapelle, eine uralte Geschichte und eine traumhafte Aussicht all das vereint der Haidstein, dessen runde Kuppe vor allem im Winterhalbjahr, wenn die Kapelle auf der Bergesspitze nicht durch Blätter versteckt wird, schon von weitem sichtbar ist.
Karl B. Krämer veröffentlichte in der Schriftenreihe der Heimatpflege des Landkreises Kötzting einen Sonderdruck über den Haidstein.
Es ist eine Burgengründung ähnlich wie bei Liebenstein, eine Ministerialengründung der Grafen von Cham, als Teil der Landesverteidigung im Allgemeinen und der Cham- Further Senke im Besonderen, was schon die perlschnurartige Aneinanderreihung der Burgen von Chamereck, Chammünster, über Runding, Haidstein, Liebenstein, Lichteneck und Hohenbogen allein auf der östlichen Seite zeigt.
Lange Jahre in Händen der Chamerauer, die verarmt dem Verkauf ihrer zum Schlosse gehörigen Güter durch Herzog Albrecht an die Nothafft zustimmen mussten (Siehe Ramsried). So Ihrer Güter und damit Einnahmen entblößt stehen die Chamerauer reihenweise in Verdacht, sich auf das Raubrittertum von der Burg Haidstein aus zu stützen, und die Quittung folgt dann um das Jahr 1467, als Herzog Albrecht die Reißleine zieht und die Burg Haidstein zerstören lässt. Eine Tochter Ullrichs des Chamerauers, des letzten Besitzers der Burganlage heiratet einen Nothafft auf Runding und bringt dann schlussendlich auch die Burg in den Besitz der Rundinger. Nur noch Reste der die Burg umgebenden Wallanlagen kann ein geübtes Auge im ansteigenden Felsgipfel erkennen. Schon im Schloss gab es eine dem hl. Ulrich geweihte Kapelle. 1656 dann stellte Graf Heinrich von Nothafft in München den Antrag, ihm zu genehmigen, eine Stiftung von Gottesdiensten zu machen. Wie immer in der Vergangenheit gab es Widerstände, denn Wallfahrten und Gottesdienste an einer neuen "Stelle" bedeuteten mit ihren Einnahmen gleichzeitig fehlende Einnahmen an anderer Stelle, und so waren es zuerst die Franziskaner in Cham und Neukirchen, die sich einer neuen Stiftung entgegenstellten. Nothafft hatte die Unterstützung des Bischofs und für die Ausführung die Karmeliten in Straubing vorgesehen (in deren Presbiterium im Karmelitenkloster in Straubing waren 4 Mitglieder der Nothafft beigesetzt), und so erging - unterstützt durch ein bedeutendes Legat - der Auftrag, künftig an jedem der vier großen Marienfeiertage mindestens 2 Priester und einen Laienbruder nach Runding zu schicken und danach in der Kapelle auf dem Haidstein Gottesdienst zu feiern. Bis zur Auflösung des Klosters im Jahre 1803 führten die Karmeliter ihren Auftrag getreu durch.
Von der Baugeschichte her dürfte Hans Heinrich Nothafft 1656/57 dann die verfallene Burgkapelle wieder aufrichten haben lassen, 1718 wurde die Kirche dann erweitert und dürfte somit in dieser Zeit ihre heutige Größe erhalten haben.
Das Besondere an sakraler Kunst in der Haidsteiner Kapelle ist der "Haidsteiner Christus" , lt K.B. Krämer eines der bedeutendsten romanischen Kunstwerke Ostbayerns und dürfte um 1150 entstanden sein. Die anderen vorhandenen Figuren werden ansonsten als spätgotisch um 1500 entstanden eingeschätzt.
In seinem Schriftverkehr im Zusammenhang mit der Gottesdienstgenehmigung schreibt Johann Albrecht an seinen Bruder, dass das Fest des Hl Ulrich auf dem Haidstein schon immer solemniter, also förmlich begangen worden war.
Nun bei der Kirchweih, sollte es 1657 ein großes Fest werden, mit Preisschießen um einen Stier, ein Kugeln (Kegeln) um einen Geißbock. Die Kötztinger Musikanten spielten zur Unterhaltung auf, es war ein richtiges Bergfest, würden wir heutzutage sagen.  Aus 12 Pfarreien pilgerten die Gläubigen : aus Steinbühl, Blaibach, Hohenwarth, Chamerau, Wettzell, Dalking, Rimbach, Zenching, Neukirchen, Eschlkam, Arnschwang und Kötzting.
K.B. Krämer zitiert in seiner Einzelveröffentlichung einen Herrn Hafner, der aus dem Kreisarchiv Landshut 1916 im Bayerwald einen Schriftwechsel zwischen den Nothafftbrüdern zitiert: "Alt und jung, männlich und weiblich, strebte aus weiter Umgebung an dem Feste dem Berge zu. Nach beendetem Gottesdienste strömten die Leute in die drei Bierhütten, wo die Wirte von Dalking, Pachling(Runding) und Lederdorn den edlen Gerstensaft verzapften. Musikbanden spielten ihre heitersten und schönsten Weisen, so daß die Waldlerherzen bald in Lust und Fröhlichkeit aufjauchzten. Die Büchsen der Scheibenschützen knallten lustig in den Kirchweihtrubel und weckten in den Wäldern ein vielfaches Echo...."
Auch vom Haidstein haben wir in unserer Sammlung ein paar beeindruckende Bilder . Doch zuerst der Lageplan:
Ausschnitt aus der historischen Karte im Bayern Portal

Was auf der Karte auffällt, ist dass nicht nur wie heutzutage eine kleine Lichtung vor der Forstdienststelle unbewaldet ist und der Felsengipfel dann bereits im Hochwald verschwunden, das Gipfelplateau in der Vergangenheit offensichtlich eine große Wiese gewesen ist. Umso beeindruckender muss der Anblick auf die Kapelle - bzw. früher auf die Burganlage - von der Ferne gewesen sein. Im Vergliech zum folgendem Bild sieht man den Unterschied zum Plan von 1830 ganz deutlich.

Das Wirtsaus und die Kapelle auf dem Haidstein in einem FarbDIA aus den 40er Jahren
Kreisfilmbildstelle von Josef Bock
Wir haben eine sehr schöne Bilderserie aus den 60er Jahren von der Kirchweih auf dem Haidstein.

 Hier mal ein Versuch, die neuen Möglichkeiten der Technik einzusetzen. Unten links das Originalbild, möglicherweise von K.B. Krämer.





















Es war nicht die Restaurierung des romanischen Kreuzes, sondern die erneute Anbringung in der so alleine liegenden Kapelle, welches in den 60ern strittig war, aber unsere Bayerwäldler haben sich durchgesetzt. Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten kam es dann zu einer weiteren Kreuzeinweihung am 1.5.1967 auf dem Felsengipfel. Von diesem Festakt haben wir eine beeindruckende Photoreportage, Bilder, die ich hier ausnahmsweise nicht für das Internet qualitativ verkleinere, sondern in der besten Auflösung präsentieren möchte:
Menschenmenge auf dem Haidstein bei der Kreuzeinweihung 1.5.1967


eine tolle Perspektive durch die Zieröffnungen nindurch auf den Altar und den "Kreuzfelsen"
Die Prominenz: Fischer Max, dahinter leicht verdeckt Dr. Stefan Dittrich,
rechts der Landrat Nemmer






 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

Am Ende noch einmal ein Farbdia, diesmal von K.B. Krämer aus den 60ern

Der Haidsteiner Christus Aufnahme KB Krämer
Der Haidsteiner Christus





























 Wie sehr die Rundinger Herrscherfamilie der Nothafft mit der Kirche auf dem Haidstein verbunden war, zeigt ein Vermächtnis im Testament des Josef Anton von Nothafft von 1767 (Nothafft Literalien 1326 im Hauptstaatsarchiv München). Dieser bestimmte, er solle in der Kirche in Pachling (heutzutage Runding, früher hieß nur die Burg Runding, der Ort selber wurde Pachling genannt) in einer Kutte der Bruderschaft des hl Erzengels Michael begraben werden. 24 Stunden nach seinem Tode aber solle sein Körper geöffnet werden und das Herz entnommen und auf dem Haidstein just unter der Ampel begraben werden, auf der Seiten aber ein Stainel soll gemauert werden worauf die Worte eingehauet sich befinden sollen:

hic jacet cor in vita, in Morte et post mortem
hier ruht das Herz im Leben, im Sterben und nach dem Tode

Wahrend die Rundinger Herrscher also mit Herz und Seele sich dem Haidsteiner Kirchlein verschreiben hatten, orientierten sich die Liebensteiner selber eher an der Kapelle Bachmeierholz, auch auf Nothafftischem Grund errichtet, aber von diesen eher ignoriert. 
Der nächste Edelstein der Gemeinde Liebenstein ist also die Wallfahrtskirche zur schmerzhaften Mutter im

Bachmeierholz

Mathias Heilmeier
















So malte Mathias Heilmeier, der Vater des Kötztinger Geodäten, um 1900
die Wallfahrtskirche "Im Bachmeierhölzl"
Das Pomerhölzl, das Bachmeierholz ist der Wald des Kötztinger Bürgers Pachmayr. Die Pachmayr waren eine Kötztinger Bürgersfamilie, die mehrere Generationen im oberen Markt, zumeist auf dem Hause lebten und arbeiteten, das heutzutage der Amberger Hof ist. Im 16. Jahrhundert trug auch ein Besitzer der Hofmark Haus diesen Namen und es sollte dieser Familienzweig gewesen sein, der dem Waldstück seinen Namen gegeben hat. Im Winter 1737 jedenfalls hat diese Wallfahrt, der Legende nach, ihren Ursprung und der Ramsrieder Inmann Christoph Kurz, der mit einem Schubkarren Reiserbesen nach Amberg unterwegs war, erhielt auf diesem Wege für eine Hilfsleistung an einem mitreisenen Maler von diesem als Lohn ein Bild der "schmerzhaften Muttergottes".  Nach seiner Heimkunft heftete Kurz das Bild an eine Fichte (rothen Tannenbaum) im Wald des Kötztinger Bürgers Pachmayr, wo es unter einem Bretterverschlag mehrere Jahre verblieb.
Zugehörig zur Pfarrei Rimbach wurde schon 1746 eine Kapelle erbaut und diese dann 1751 eingeweiht. Die ursprüngliche Kapelle dürfte dem heutigen Altarraum entsprechen (siehe Pfarrer Heitzer in den gelben Bänden von 1994), 1791 entstand dann das jetzige Kapellenschiff und erst 1909 wurde die Sakristei drangebaut.
Soweit in Kürze die Entstehungsgeschichte der Wallfahrt.
Glocke der Wallfahrtskapelle Bachmeierholz
Da Kirchen und Kapellen sehr häufig als Empfänger von größeren und kleineren Summen in Testamenten benannt wurden, konnten diese - und so eben auch die Kapelle Bachmeierholz - sich einen gewissen Kapitalstock aufbauen, welche dann gegen Reichung von Zinsen wieder ausgegeben wurden. AM 4.4.1794 unterschrieb das Lederdorner Ehepaar Andreas und Katharina Altmann einen Schuldschein über 100 Gulden  (so zwischen 10.000 und 15.000 Euro) Kapital, aufgenommen bei der Kapelle am Bachmeierholz. 
Mit den Zinsen - idR. 5 Prozent - wurden die verlobten Gottesdienste bezahlt und eben auch Erweiterungen und Reparaturen. So wurde zum Beispiel mit der Vergrößerung von 1791 auch die erste Glocke angeschafft.

 Nun zu einer Besonderheit dieser Wallfahrtskirche: die wohl unabsichtliche Gründung derselben geschah durch den "Ramsrieder Inmann" Christoph Kurz, einem Mann also, der bei einem Bauern in Ramsried seine Unterkunft in Miete bzw. gegen Taglohn wohnte. Als sich aus dem Bildstock eine Wallfahrt und danach bald auch eine Kapelle gebildet hatte, war es dieser Christoph Kurz, der sozusagen von Anfang an die Mesnerdienste verrichtete und diese "Rechte und Pflichten" auch an seine Nachkommen (auf seinem Hausanwesen) bis zum heutigen Tage weitergegeben hatte.
Dieses Haus konnte er aber nur errichten, weil er um 1748 von seiner Grundherrschaft (wieder sind´s die Nothafft von Runding) ein kleines Stückchen Grund und die Erlaubnis, darauf ein Haus zu errichten, erhalten hatte.Die Nothafften listeten dieses Haus als ein 1/16 Anwesen unter Ihren Gütern der Hofmark Liebenstein neu auf.
Christoph Kurz, zweimal verheiratet, übergab dann 1780 sein "Häusl bei der Walfahrtskapellen am sogenannten Pachmayrholz" an den Sohn Zacharias aus erster Ehe, der sich in den Folgejahren einige
kleiner Grundstücke in der Nachbarschaft hinzukaufen konnte. (Blaz nechsten bey dem Pachmayrholz)
So können wir uns den Beginn der Wallfahrt in Bachmeierholz vorstellen

 
1790 verstarb dann Christoph Kurz, der Gründer der Wallfahrt. Unter seinen Kindern war auch ein Eremit in Aldersbach, der Frater Theobaldus und verschiedene mittlererweile verheiratete Töchter in Lederdorn, Liebenstein und Thenried.
Im Jahre 2017 gab es in der Oberpfalz eine große Ausstellungsserie ( an 5 Orten) zum Thema Trachten und in Neukirchen b hl. Blut  konnte man einige Votivtafeln aus dem Bestand der früheren Wallfahrtskirche Bachmeierholz bewundern, nun allerdings verwahrt im Magazin des Museums in Regensburg.

Der letzte Ortsteil Liebensteins, vielleicht sogar der überregional bekannteste, ist eines der vielen Ried-Orte im Bayerischen Wald, in der Vergangenheit "Ried hinterm Haidstein". Man sieht, dass das Zentrum der Namensgebung damals das Landgericht in Kötzting gewesen war, denn nur von dieser Warte aus liegt Ried HINTERM Haidstein. Die anderen beiden "Ried" Orte waren Ried und
Ried(ersfurth) an der Gerichtsgrenze nach Hafenberg. Nun also noch


Ried und seine Linde

das älteste Bild der Rieder Linde, von
Mathias Heilmeier um 1900

Der Liebensteiner Ortsteil Ried bestand 1760 aus 5 Anwesen, die die unterschiedlichsten Grundherren hatten. Einer zahlte seine Steuern an das Kastenamt in Kötzting, einer an das Dekanat in Cham und drei gehörten über die frühere Hofmark Lederdorn als so genannte "einschichtige Untertanen" wieder mal zur Herrschaft Runding und stritten sich auch mit ihrer Herrschaft über Jahrhunderte hinweg über Holzeinschlagsrechte am Haidstein, welche ihnen manchmal gewährt und manchmal eben auch verwehrt worden waren. Diese Gerichtsverfahren liefen dann aber, ums nicht so einfach zu machen, über das Landgericht Kötzting bzw. dann die Regierung in Straubing.
In Hinblick auf die Rechtspflege und die Finanzen war es nicht einfach in jenen Tagen.
Allen diesen fünf Bauern war, wie in allen anderen Ortsschaften auch, das Hüthaus in gemeinsamem Besitz, schon alleine um die verpflichtende gemeinschaftliche Beweidung mit einem Gemeindehirten organisieren zu können.
Ried im Winter in den 60er Jahren

Diese fünf Höfe gruppierten sich, wie heute auch noch, um ein Relikt aus der Vorzeit, um die uralte Wolframslinde. Ob sie jetzt tausend Jahre alt ist oder mehr oder weniger auf dem Buckel hat, ist eigentlich unwichtig, es ist jedenfalls ein ehrwürdiger Anblick, wenn man vor der verkrüppelten Rindenlandschaft steht und sich ein wenig vergegenwärtigt, wen dieses Naturdenkmal schon alles überlebt hat.
Die Wolframslinde in den 30er Jahren
Den Namen "Wolframslinde" erhielt sie erst in der jüngeren Zeit, weil bekannt ist, dass der mittelalterliche Minnesänger Wolfram von der Vogelweide in einem seiner Gesänge besonders die Schönheit der Herrin vom Haidstein hervorgehoben hatte. Ohne zu wissen, ob der Dichter seine Angebetete nicht irgendwo bei einem Ritterturnier irgendwo im Deutschen Kaiserreich angetroffen hatte, nimmt man für gegeben an, dass er sein "Burgfräulein"  auf der Burg Haidstein selber getroffen/gesehen habe und daher folglich auch unter/bei dieser alten Linde gesessen sei.
Hier schließt sich der Kreis der kleinen Ortschaften rund herum um den Haidstein, alles Orte, die nun ihre Heimat in der Stadt Bad Kötzting gefunden haben und daher nun selber Stadt Bad Kötzting sind. Mögen sie trotzdem ihre Eigenheiten und den Sinn für ihre Vergangenheit behalten.






hier ist unsere uralte Linde, gestützt durch ein Metallkorsett und umgeben von ihren
nachgezogenen Sprösslingen.