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Montag, 26. Januar 2026

Eine Ära geht zuende - eine neue beginnt

Das Kötztinger Krankenhaus wird Kreiskrankenhaus


Vor 50 Jahren, im Januar 1976, endete die Ara des Seraphischen   Liebeswerkes als Träger des Krankenhauses in Kötzting mit der   Übernahme des Hauses als Kreiskrankenhaus des Landkreises   Cham.
  45 Jahre lang war diese soziale Stiftung unter der Ägide des  Präses Pater Emmeram Glasschröder auch für das Krankenhaus   Kötzting zuständig und hatte dieses nicht nur die viele Höhen   und Tiefen geleitet, sondern auch weitgehende Um- und   Neubauten am Haus vorgenommen, das gleichzeitig eines der     ältesten Häuser Kötztings ist, einer seiner Urhöfe, der   Gschwandhof. 


Praeses des Seraphischen Liebeswerkes aus Altötting: Pater Emmeram Glasschröder


Die Geschichte des Gschwandhofes auch mit den verschiedenen Bauphasen vom Wohnhaus der Familie Schrank, hin zum ersten Bezirkskrankenhaus und weiter bis zum großen Krankenhaus in Kötzting mit den Mallersdorfer Schwestern wurde bereits in der Häuserchronik dokumentiert.

Parallel dazu gibt es noch ein paar Geschichten am Rande, die in der Entstehungszeit des Kötztinger Krankenhauswesens so angefallen sind. Unter dem Titel: "Krankenhaus-„Geschichten“ hatte Frau Serwuschok für den Bericht vom 11.1.1976 einige Recherchen im Stadtarchiv zusammengefasst:

Die Krankenanstalt Kötzting wurde im Jahre 1845 ins Leben gerufen. So steht es in alten Akten zu lesen, die wir im Stadtarchiv aufgestöbert haben. Als Eigentümer dieses ersten Krankenhauses wird die Marktgemeinde genannt.

Hinweis: 1845 war das Kötztinger Krankenhaus aber noch nicht in diesem Gebäude, sondern im alten Ecklshof in der heutigen Schattenausstraße untergebracht, das das erste Bezirkskrankenhaus Kötztings geworden war.

RAUMNÖTE. 8. Dezember 1867, vom königlichen Bezirksamte Kötzting an die Distriktskrankenanstalt zu Kötzting, betr.:
„Die Unterbringung von Spitalpfründnern in die für die Distriktskrankenanstalt zu Kötzting bestimmten Räumlichkeiten ist dem Institute hinderlich und störend, weshalb der Magistrat hiemit aufgefordert wird, jene Leute aus dem Krankenhause zu entfernen und anderstwo geeignet unterzubringen und, wie dies geschehen, binnen 14 Tagen hieher anzuzeigen.“ Der Magistrat antwortete am 20. Dezember 1867: „Indem man den heute gefaßten magistratlichen Beschluß vorlegt, wagt man zu bitten, das königliche Bezirksamt wolle bei den durch Brandunglück veranlaßten, jetzt bestehenden Verhältnissen den Beschluß endgültig genehmigen und solange es möglich ist, wegen der Unterbringung der Spitalleute in Privatwohnungen huldvollst Nachsicht tragen.“

Hinweis: Anfang Juni 1867 wütete in Kötzting ein schrecklicher Marktbrand, der eine Hälfte der Marktstraße in Schutt und Asche gelegt hatte, darunter auch das Bürgerspital, dessen Pfriemdter nun auf der Straße standen und vom Magistrat untergebracht werden MUSSTEN:


BAUPLATZ. 23. Juni 1868: „Für die 31 Gemeinden des königlichen Landgerichts Kötzting soll ein Krankenhaus hierorts erbaut werden. Gegenwärtigst handelt es sich um Ausmittelung eines Bauplatzes. Nach Ansicht des k. Bezirksarztes wird sich hiezu ein Theil von dem Grundstücke bey dem vom Magistrate für eine Pfründenanstalt erworbenen Anwesen des Hutmachers Amberger eignen. Das zu erbauende Krankenhaus soll ein Bauwerk von 45 bis 50 Länge und 30 Tiefe werden, mit Hinzugabe einer Grundfläche von 75 Dezimalen für einen Garten.“

Hinweis: es gab bereits Pläne, auf dem heutigen Spitalplatz einen großen Neubau zu errichten, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Es reichte jedoch nur für den Ankauf des Häuschens, um daraus das neue Bürgerspital zu machen.

MITBENÜTZUNG. 17. Juli 1870 vom Bezirksamtmann an den Magistrat: „Die k. Regierung hat, wie bekannt ist, wiederholt die Erbauung eines eigenen Distriktskrankenhauses in Kötzting angeregt, der Distriktsrath aber hat in haus eigener Frühjahrsversammlung beschlossen, es sei vorläufig von Erbauung eines eigenen Distriktskrankenhauses Umgang zu nehmen, dagegen mit dem Magistrat bezüglich der Benützung des örtlichen Krankenhauses wiederholt ins Benehmen zu treten und auf eine Reihe von Jahren eine Übereinkunft mit dem Magistrat zu treffen. Es ergeht nun an den Magistrat Kötzting der Auftrag, binnen 14 Tagen die bezüglichen Vorschläge in billiger Weise zu machen…“

GELDNöTE. Aktennotiz: „Nachdem aber im Laufe der Zeit das Bedürfnis zur Erlangung eines eigenen Distriktskrankenhauses immer mehr in den Vordergrund getreten ist, ein Neubau enorme Kosten forderte, welche der Distrikt bei seiner geringen Steuerkraft nicht zu erschwingen vermochte, so wurde im Jahre 1871 mit Josef Windorfer, wohnhaft zu Harras, Besitzer des sogenannten Schwandhofes bezüglich der Erwerbung dieses Anwesens als Distriktskrankenanstalt ins Benehmen getreten und haben der Distriktsausschuß und der Distriktsrath im November 1871 beschlossen, das genannte Anwesen um 9000 Gulden käuflich zu erwerben und die Abtragung ihrer Schuld aus Renten des Distriktsgebäudefonds in 10 Jahren zu bewerkstelligen. Nach Regierungsentschließung vom 24. September 1872 wurde der sogenannte Schwandhof in Kötzting zur Adoptierung als Distriktskrankenhaus für den Amtsgerichtsbezirk Kötzting geeignet befunden, und der Beschluß des Distriktsrathes, das genannte Gebäude um die Summe von 9000 Gulden zu erwerben und dasselbe mit einem auf 1322 Gulden veranschlagten Kostenaufwand als Distriktskrankenhaus einzurichten, genehmigt. Zweck der Anstalt ist, Kranke die erforderliche Verpflegung und ärztliche Hilfe angedeihen zu lassen…“

EMPFANG. Vom königlichen Bezirksamt Kötzting schreibt der Vorstand v. Schacky an den Magistrat Kötzting am 12. April 1894:
„Am Montag den 16. ds. Mts. mit dem Nachmittagszuge werden die Krankenschwestern dahier eintreffen und sogleich nach ihrer Ankunft vor dem Krankenhause in feierlicher Weise in dasselbe eingeführt werden. Zur Antheilnahme an diesem feierlichen Akte lade ich hiemit den Magistrat unter dem Ersuchen ein, gleiche Einladung in meinem Namen auch an das Collegium der Gemeindebevollmächtigten ergehen zu lassen.“ Bürgermeister Drunkenpolz gab die Einladung weiter. Nachsatz: „Das Gemeinde-Collegium wird hiezu durch eigenes Cirkular eingeladen.“

 

Kötztinger Ära des Seraphischen Liebeswerkes ist zu Ende
Durch 45 Jahre Werke der Liebe an Kindern und an Kranken

Vom segensreichen Wirken des Seraphischen Liebeswerkes


Vom segensreichen Wirken des Seraphischen Liebeswerkes Altötting profitierte Kötzting seit 1930. Das war das Jahr, in dem Schwester M. Emmerama Glasschröder von der Kongregation der Armen Franziskanerinnen in Mallersdorf als Oberin hierher kam. Ihr Onkel, der Kapuzinerpater Emmeram Glasschröder, ein gebürtiger Sommerauer, war zu dieser Zeit bereits Generalpräses des Seraphischen Liebeswerkes, das nun die Trägerschaft für das St.-Josefs-Heim, ein Waisenhaus, übernahm.
Onkel und Nichte, von gleichen Sendung erfüllt und eins in den Bemühungen, elternlosen, armen oder gefährdeten Kindern ein neues Zuhause zu geben, fanden zu der denkbar besten Zusammenarbeit. Sie schufen mit vereinten Kräften bleibende Werte und Werke. Sie kapselten sich nicht in klösterlicher Beschaulichkeit von der Welt ab, sondern dienten ihr und den Menschen nach dem Reichtum der Gaben und Fähigkeiten, die ihnen der Herrgott geschenkt hat.
Das Josefsheim wurde aufgestockt, eine Nähschule betrieben, der Kindergarten unterhalten. Die Einrichtungen trotzten der politischen Entwicklung, überlebten das Dritte Reich.

Nach dem zweiten Weltkrieg übernahm das Seraphische Liebeswerk 1947 auch das Kreiskrankenhaus mit seinen 34 Betten, die schon bald nicht mehr ausreichten. Die Einwohnerzahl hatte sich im weiten Umkreis durch den Strom der Flüchtlinge nahezu verdoppelt. „Himmelstürmendes Gottvertrauen“ wird Pater Emmeram nachgerühmt. Das seiner Nichte dürfte nicht kleiner gewesen sein, als sie den notwendigen Um- und Ausbau einleitete. In dieser Sturm- und Drangperiode, in die auch noch die Währungsreform hereinplatzte, bewies die Klosterfrau, dass sie sehr wohl ihren Mann zu stehen vermag. Sie richtete zunächst ein Behelfskrankenhaus im Hotel „Zur Post“ ein, wo gerade die Amerikaner abgezogen waren, und ging „auf den Bettel“, vor allem im Lamer Winkel, um Naturalien gegen Baumaterial eintauschen zu können. Und höher als alle Widerwärtigkeiten wuchsen schließlich die Mauern des neuen Krankenhauses, das Bischof Dr. Michael Buchberger am 14. Oktober 1949 einweihte. 
Von diesem großen Tag der Einweihung des Krankenhausneubaues gibt es eine beeindruckende Bilderserie von Josef Barth sen.

Foto Josef Barth: Die Pater des Seraphischen Liebeswerkes warten auf den Bischof Michael Buchberger am 18.10.1949


Foto Josef Barth: Bischof Michael Buchberger


Foto Josef Barth: links zu erkennen: Bgm Hans Kroher, Max Wanninger der Kripperlvater, Pfarrer Josef Dietl. rechtes KB Krämer

Foto Josef Barth: Pater Emmeram Glasschröder und Bischof Dr. Michael Buchberger

Foto Josef Barth: 18.10.1949


Foto Josef Barth: 18.10.1949 Bild eines Krankenzimmers im Neubau 

Foto Josef Barth: 18.10.1949  rechts Pater Emmeram und KB Krämer


 
Jetzt standen hundert Betten zur Verfügung. Ihre Zahl wurde durch einen zweiten Umbau 1956/57 auf 130 erweitert. 1962 wurde das Waisenhaus aufgelöst und die Räumlichkeiten als Schwesternwohnhaus genützt. Nach „Umsiedlung“ des Kindergartens, ebenso wie in den neuen Gebäuden, die im Hof errichtet wurden, zusätzlicher Platz gewonnen werden. Trotzdem ist jetzt ein Neubau dringend notwendig. Die Weichen sind gestellt, die ersten Schritte in diese Richtung getan.

Das Krankenhauswesen in unserer Stadt steht an einer Wende. Das Bemühen, den Kranken optimale Hilfe zuteil werden zu lassen, wird unverändert bleiben. Pioniertaten haben Generalpräses Pater Emmeram und Frau Oberin M. Emmerama geleistet. Die Stadt bedankte sich bei beiden, indem sie ihnen das Ehrenbürgerrecht verlieh. 

Pater Altmann, der im Mitteilungsblatt des Seraphischen Liebeswerkes vom August 1950 den Nachruf auf den Generalpräses geschrieben hat, erinnerte sich:
Ich fuhr einmal mit ihm durch den Bayerischen Wald. Da wurde er nimmer fertig, mir die Schönheiten der Gegend zu erklären, da brachte er das Auge nimmer weg von seinem Arber und seinem Osser, da lebte alles in ihm. Er hielt eben doch seine Heimat für das allerschönste Flecken Erde!

Für diese Heimat und für ihre Menschen konnte er über Josefsheim und Josefskrankenhaus wirksame Hilfe bringen. Neben seinem Gottvertrauen war es die Liebe zu den Kindern, „die die Seele seiner Arbeit war“. Er fühlte sich als Vater aller Pfleglinge. Er hatte ein Herz für die Kleinen, und je ärmer und verlassener ein Bub war, desto mehr schloss er ihn in sein Herz. Er glaubte an das Gute in den Kindern; mochten die Familienverhältnisse bei den einzelnen noch so verworren und zerrüttet sein, er gab seinen Glauben nicht auf, dass sich aus diesen Kindern doch noch etwas machen ließ. Und keine Enttäuschung konnte ihm diesen Glauben rauben. Er hatte seine Kinder einfach viel zu lieb.

Zwei Menschen, ein Ziel und Arbeit in Fülle

Ähnliches ließe sich auch von der Kötztinger Oberin sagen, die die Mutter aller ihrer Pfleglinge war und bis heute an deren Schicksal aktiven Anteil nimmt. Pater Emmeram, der noch den hl. Bruder Konrad persönlich gekannt hat, ist 1950, am Feste Peter und Paul, im Kapuzinerkloster St. Anton in München (wo er ein Priesterjubiläum mitgefeiert hatte), an einem Gehirnschlag gestorben, nach einem Leben, das erfüllt war von Liebe, Gebet und Arbeit.

Groß war die Trauer nach dem Tode des Wohltäters und Ehrenbürgers nach seinem überraschenden Tod und Kötztinger waren nicht nur bei seiner Beerdigung zugegen, sondern hielten auch eine Trauersitzung im Rathaus ab.

Foto Josef Barth: Beerdigung Pater Emmeram Glasschröder

Foto Josef Barth:

Foto Josef Barth: Aufbahrung

Foto Josef Barth: Trauersitzung im Kötztinger Rathaus

Seine Nichte, Schwester M. Emmerama, war hier in Kötzting seines Werkes treue Verwalterin, unermüdlich auch jetzt noch, da die Last des Alters getragen sein will. Für das, was sie geleistet hat, verlieh ihr der Bundespräsident das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, das ihr Ministerialdirektor Dr. Hans Schmatz, ein Landsmann, am 13. Dezember 1974 überreichte. „Ich freue mich auch für meine Mitschwestern, dass unserem Hause diese Ehre widerfahren ist“, sagte sie damals bescheiden. Und: „Der liebe Gott möge weiter helfen.“ Eine Bitte, die an Aktualität nichts eingebüßt hat.

Die Ära des Seraphischen Liebeswerkes in Kötzting ist zu Ende gegangen. Der Landkreis als neuer Träger des Hauses weiß den Mallersdorfer Schwestern Dank dafür, dass sie bereit sind, ihre Arbeit in Kötzting fortzusetzen, mit den Oberinnen M. Emmerama und M. Konradina an der Spitze. Die Phase der Umstellung bringt für alle Beteiligten eine zusätzliche Belastung, von denen die Patienten freilich nichts merken sollen, nichts merken dürfen und nichts merken werden. Ihnen gilt wie eh und je die Fürsorge aller, die im Dienst an den Kranken nunmehr im Kreiskrankenhaus St. Josef stehen: Ärzte, Schwestern, Verwaltungs- und Hilfspersonal.

Kötztings Ehrenbürgerin Frau Oberin Emmerama Glasschröder, Gratulant Feuerwehrvorstand Michl Traurig.


Am 14.1.1976 hieß es dann:



Die Kötztinger Ordensschwestern mit ihrem neuen Dienstherren, dem Landrat Girmindl.

 Dieser Beitrag ist Teil der interaktiven Karte „Kötztinger Geschichte(n)“. Dort sind die hier vorgestellten Themen – ebenso wie viele weitere Beiträge zur Orts-, Häuser- und Alltagsgeschichte – räumlich verortet und direkt miteinander verknüpft. Jeder Karteneintrag führt mit einem Klick zum passenden Blogbeitrag. Die Karte kann am PC, auf dem Smartphone oder – auf Wunsch – auch als App genutzt werden.     
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Donnerstag, 11. Mai 2023

Frau Oberin wird 80 - ein Fackelzug für die Ehrenbürgerin

 Wieder einmal gibt es hier eine schöne Bildfolge aus dem Bestand der Zeitungsredaktion der Kötztinger Umschau, der Dank des Einsatzes von Frau Serwuschok vom Verlag nach Kötzting zurückgeschickt und von ihr gesammelt, später dann dem Arbeitskreis Heimatforschung übereignet wurde und nun im Stadtarchiv Kötzting verwahrt ist.

Da wir zusätzlich auch eine fast vollständige Sammlung von Zeitungsausgaben aus den Nachkriegsjahren in unserem Bestand haben, können viele/manche der Bilder dann auch einzelnen Zeitungsartikeln zugeordnet werden. 
Die Chefin selber, Frau Renate Serwuschok, schoss die Bilder und schrieb den Artikel über die vielen Gratulanten  zum 80. Geburtstag der Kötztinger Ehrenbürgern und "Frau Oberin" Frau Emmerama Glasschröder, Ende August 1974.
Die Bilder des Fackelzugs beweisen eindrücklich, in welche hohen Ansehen diese Kloosterfrau in Kötzting stand.

Man spricht in solchen Fällen gerne von einer "nichtüberschaubaren Menschenmenge"; für Kötztinger
Verhältnisse trifft das sicherlich bei diesem Fackelzug zu Ehren der Jubilarin in hohem Maße zu.

v.l. Emmerama Glasschröder, Evi Früchtl und Heinz Kolbeck, das Pfingstbrautpaar desselben Jahres
und Wolfgang - Gams - Kolbeck für die Feuerwehr Kötzting

v.l. Emmerama Glasschröder, Evi Früchtl und Heinz Kolbeck,

Das damalige Kötztinger Kreiskrankenhaus, heute die Klinik TCM.

Eines der wenigen Bilder, die wir von der früheren Hauskapelle im Krankenhaus haben.
Hier durften/mussten wir Kötztinger Ministranten in den 60er Jahren nicht paarweise sondern einzeln ministrieren. Der Gottesdienst im Krankenhaus begann auch noch eine Viertelstunde früher als der Frühgottesdienst in der Pfarrkirche ABER, anschließend gabs von der Frau Oberin immer ein "Fuffzgerl" als Dankeschön, beim Pfarrer dagegen immer nur einen Kinderpunsch an der Weihnachtsfeier.

Die beiden Bürgermeister, Karl Seidl und Klaus Heiduk als offizielle Gratulanten





Der Bericht aus der Umschau


Der Bericht aus der Kötztinger Zeitung


Dienstag, 23. Juni 2020

Das Stadtarchiv Bad Kötzting als Unterhaltungsbeilage 2-24 Bildreportage

 

Die Beerdigung der Kötztinger Ehrenbürgerin Frau Oberin, Frau Emmerama Glasschröder
am 26.3.1976


Frau Emmerama Glasschröder, eine hochangesehene, geachtete und von vielen verehrte Frau wurde wegen Ihrer Verdienste für Krankenhaus und Josefsheim eine der wenigen Kötztinger Ehrenbürger(innen).
Auch ich habe sie in guter -monetärer - Erinnerung. Beim Ministrieren in ihrer Krankenhauskapelle - der Gottesdienst begann früher als der Frühgottesdienst in der Pfarrkirche und es war auch immer nur 1 Ministrant im Einsatz - bekamen wir jedes Mal ein "Fufzgerl" fürs Ministrieren. Beim Pfarrer gabs nichts außer Kinderpunsch und Plätzchen bei einer einmaligen Weihnachtsfeier.......
Spaß beiseite, durch die persönliche Freundschaft mit meiner Großmutter, war ich bei ihr im Krankheitsfall immer in guten Händen und sie freute sich erkennbar herzlich, wenn wir uns im Krankenhaus begegneten. Da mein Vater die Küche belieferte, war dies gar nicht mal so selten.

In einem begleitenden Blogbeitrag habe ich bereits viele Fotos von und mit der Frau Glasschröder veröffentlicht, die sehr schön zeigen, wie sehr die Kötztinger ihre "Frau Oberin" verehrten.
Ähnlich verhält es sich mit der Bilderfolge anlässlich ihres 802. Geburtstages


Der Kötztinger Stadtrat würdigte seine Ehrenbürgerin in einer Sondersitzung:

Donnerstag, 25. März 1976

„Sie war uns Vorbild“

Trauersitzung gestern abend im Neuen Rathaus: Bürgermeister Karl Seidl und die Stadträte versammelten sich, um einer Frau zu gedenken, die im Dienst am Werk das Gesetz ihres Lebens sah, die sich in unerschöpflicher Liebe zu den Menschen verströmte, in nie ermattender Tatkraft ihre Pflicht erfüllte und in der uneingeschränkten Bereitschaft lebte, Gott geschehen zu lassen. Auf dem Tisch stand das Bild der Oberin des St.-Josefs-Krankenhauses M. Emmerama Glasschröder. Ein Trauerflor kündete von ihrem Ableben. Blumen bedeuten, dass Verehrung und Wertschätzung über den Tod hinausreichen. Eine Abordnung des Schwestern-Konvents mit Oberin M. Kanradina und Ludwig Brandl als Vertreter der ehemaligen Zöglinge des St.-Josefs-Heimes durften in diesen Minuten erfahren, mit welcher Hochachtung und Dankbarkeit die Stadt Kötzting ihrer Ehrenbürgerin verbunden ist.


Frau Emmerama Glasschröder - Frau Oberin und Kötztings Ehrenbürgerin

Bürgermeister Seidl zeichnete den Lebensweg der Verstorbenen. Er rühmte ihre Verdienste, zählte auf, was sie geleistet hat, erinnerte an den Auf- und Ausbau des St.-Josefs-Krankenhauses und an die Waisenkinder, die unter ihrer Obhut standen. Da wurden noch einmal die Zeiten der Not nach dem Zweiten Weltkrieg beschworen, als das Haus überfüllt war mit Kranken, Verwundeten und Flüchtlingen aller Schattierung, da wurde hervorgehoben, was für die Verstorbene zu den selbstverständlichen Aufgaben gehörte wie beispielsweise die Sorge um den Kindergarten, dessen innerbetriebliche und bauliche Aufwärtsentwicklung.

Durch ihr jahrzehntelanges aufopferungsvolles Wirken im Dienste und zum Wohle ihrer Mitmenschen hat sie sich besondere Anerkennung erworben“, sagte Karl Seidl und weiter: „Die Selbstverständlichkeit, mit der sie immer noch arbeitete, ihre Hilfsbereitschaft und ihr fachliches Können haben ihr die Achtung der Bevölkerung gesichert. Sie war uns ein grosses Vorbild. Wir werden ihr ein ehrendes Gedenken bewahren.“

Das Ehrenbürgerrecht

Im Nachruf auf die „Mutter Oberin“ erwähnt Bürgermeister Seidl auch die Verleihung des Ehrenbürgerrechts. Im Protokollbuch steht darüber unter dem 23. September 1955 zu lesen:

„Bürgermeister Liebl gab in Abwesenheit des ersten Bürgermeisters bekannt, dass Schwester Emmerama Glasschröder am kommenden Sonntag ihr 25jähriges Jubiläum als Oberin des St.-Josefs-Heimes und des Krankenhauses feiert. Es erscheint angebracht, dass aus diesem Anlass auch die Stadt gratuliert und ihre Glückwünsche übermitteln lässt. Da die Oberin beim Krankenhausneubau entscheidend mitgewirkt hat und sich neuerdings wieder mit dem Gedanken trägt, einen Erweiterungsbau des Krankenhauses durchzuführen, ist durchaus die Annahme berechtigt, dass sie maßgeblich an der günstigen wirtschaftlichen Entwicklung unseres Ortes beteiligt ist. Es wäre deshalb zu überlegen, ob wir nicht auch der Frau Oberin das Ehrenbürgerrecht verleihen, nachdem wir dem verstorbenen Hochw. H. Pater Emmeram Glasschröder die gleiche Ehrung erteilt haben.

Als erster meldete sich Stadtrat Barth zu Wort, der die Auffassung vertrat, der Frau Oberin diese Ehrung zuteil werden zu lassen, nachdem sie doch eigentlich die Triebfeder für den Neubau des Krankenhauses war und die meisten Mühen und Sorgen auf sich nehmen musste. Da außerdem bekannt ist, dass sie sich neuerdings ernsthaft dafür einsetzt, das Krankenhaus zu erweitern, war er der Meinung, dass der Stadtrat dem Vorschlag des Bürgermeisters zustimmen sollte. Die Stadträte Dullinger und Hennenberger brachten zum Ausdruck, dass die Verleihung des Ehrenbürgerrechts angebracht sei, weil sich die Frau Oberin große Verdienste um den Neubau des Krankenhauses um die Betreuung des Josefsheimes und Krankenhauses erworben hat. Weitere Stadträte äußerten sich zustimmend.

Einstimmig wurde beschlossen, anlässlich des 25jährigen Jubiläums als Oberin des Josefsheimes und Krankenhauses Schwester Emmerama Glasschröder in Anerkennung und Würdigung ihrer besonderen Verdienste um den Neubau des St.-Josefs-Krankenhauses und die Betreuung des Josefsheimes das Ehrenbürgerrecht zu verleihen.“




Frau Renate Serwuschok, dem Krankenhaus der Mallersdorfer Schwestern und insbesondere der Frau Oberin eng verbunden, schrieb den Nachruf in der Kötztinger Umschau:

Kötzting (na). Schwester M. Emmerama Glasschröder, Oberin in Kötzting, ist tot, gestorben in den Abendstunden des Dienstags. Die Gewissheit von der Auferstehung tröstet die, die um sie trauern. Und das sind viele. Das Krankenhaus hat seine „Seele“ verloren, die Stadt ihre Ehrenbürgerin. Ein hohes Alter gab ihr Gelegenheit, das Engagement in dieser Welt aus der Zeit der ungebrochenen Aktivität mit hineinzunehmen in den letzten Abschnitt ihres Erdendaseins, um unter Schmerzen zu vollenden, wofür sie gelebt hat: für ihren Herrgott und für die Menschen, die ihr anvertraut waren, damit sie ihnen diene nach seinem Willen. Ihre Kräfte ließen nach, ihr Geist wurde müde, aber ihr Herz blieb stark in Liebe und Güte, in Glaube und Hoffnung. Sie wusste um ihre Möglichkeiten, sie kannte ihre Grenzen. Das machte ihre Größe aus. Auch wenn ihre Tage manchmal mühselig waren und ihre Aufgaben sie forderten bis an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit, den Mut verlor sie nie. Ein unerschütterliches Gottvertrauen half ihr immer wieder weiter.


Am 25. August 1894 in Engelshütt geboren und aufgewachsen in der Geborgenheit eines christlichen Elternhauses, trat sie 1913 in die Kongregation der Armen Franziskanerinnen in Mallersdorf ein. Bevor sie in ihre Heimat zurückkehrte, um hier ein Menschenalter zu wirken, war sie in Ungarn als Miskolc, Serin und am Obermünster-Seminar in Regensburg tätig. 1930 begann in Kötzting, was bis zu ihrem Tod wachsen und reifen sollte. Schwester M. Emmerama wurde Oberin des St.-Josefs-Heimes und des Krankenhauses. In enger Zusammenarbeit mit ihrem Onkel, dem damaligen Generalpräeses des Seraphischen Liebeswerkes Altötting, bestellte sie unverdrossen, obwohl es manchmal ein steiniger Acker war, der ihr den letzten Einsatz abverlangte. Da waren auch noch „ihre“ Buben, für die sie vorbildlich sorgte bis das Josefsheim aufgelöst wurde. Jetzt werden Männer um sie weinen, als hätten sie ihre Mutter verloren.

Der Krieg und das Chaos, mit dem er endete, konfrontierten die Oberin des Waisen- und Krankenhauses mit zusätzlicher Not und Bedrängnis. Aber das Talent, dort erst recht weiterzumachen, wo andere bereits kapitulierten, befähigte sie, „alles zu meistern, was auf sie zukam“. Schon 1947, sofort nach Übernahme des Krankenhauses durch das Seraphische Liebeswerk, bereitete sie den Neubau vor. Die Schwierigkeiten türmten sich bald höher als die neuen Mauern, aber das Werk gelang, selbst die Währungsreform konnte den Fortschritt der Arbeiten nicht aufhalten. Die „Frau Oberin“ sammelte Naturalien, die sie gegen Baustoffe eintauschte. Ihrer Initiative ist es zu danken, dass Kötzting heute ein inzwischen nochmals erweitertes Krankenhaus mit drei Fachrichtungen besitzt. 

Worte und Zahlen nehmen sich bescheiden aus gegen die Realitäten, die Oberin M. Emmerama in ihren 45 Kötztinger Jahren geschaffen hat. Sie ließ sich weder durch die Übergriffe der Nationalsozialisten noch durch wirtschaftliche Tiefschläge beirren. Die Stadt wusste ihre Verdienste 1955 mit der Ernennung zur Ehrenbürgerin dankbar zu würdigen. Der Bundespräsident verlieh ihr 1974 das Bundesverdienstkreuz I. Klasse als sichtbares Zeichen der Anerkennung für ihre Hingabe an Auftrag und Sendung, für ihr Lebenswerk, dem sie alle ihre Kräfte, ihr Wissen und Können gewidmet und das sie durch Gebet und Opfer geformt hat. Die Ordensfrau freute sich, dass ihre Arbeit gesegnet war. Sie freute sich aber nicht um ihrer selbst willen über Lob und Auszeichnung. Jede Ehre, die ihr zugedacht war, übertrug sie vorbehaltlos auf das Haus und auf alle ihre Mitschwestern. „Der liebe Gott möge weiterhelfen“, sagte sie bei der Ordensverleihung, auch und vor allem in der Vorausschau auf die Veränderungen, die sich nicht nur in der Trägerschaft abzeichneten. Der Landkreis hat inzwischen die Nachfolge des Seraphischen Liebeswerkes angetreten. Er kämpft um einen Neubau. Die Oberin sollte ihn „gesund und froh“ erleben. Sie wurde aber nur noch Zeuge der Wachablösung. Trotz aller Loyalität und dem guten Willen, den die nun Verantwortlichen ihr gegenüber versicherten, mag sie doch schwerer an der Umstellung getragen haben, als sie es sich anmerken ließ. Die Ereignisse waren stärker als die Widerstandsfähigkeit der 81-Jährigen. Sie hatte genug getan. „Caritas Christi urget nos"
Dieser Satz: von der Liebe Christi, „die uns drängt“, stand nicht nur auf ihrer Ordensbrosche, er war das Programm ihres Lebens, das sich nun erfüllt hat. Für das, was es den Menschen gewesen ist, den Armen und Kranken, den Rat- und Hilfesuchenden, den Jungen und Alten, für alles das steht am Ende als Danksagung und Bitte ein aufrichtiges „Vergelt’s Gott“.

Hier die Bilder des großen Trauerzugen, hin zur Kötztinger Kirchenburg.




















Drei  Monate nach ihrer Beerdigung ehrte der damalige Oberzugordner Sepp Schwarz, die Verstorbene im Namen der Kötztinger Pfingstreiter: 


🗺️ Zum Weiterentdecken:
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Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken.
Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe :
Schilderaktion Personen zu finden.  

 

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Dienstag, 19. Mai 2020

Das Stadtarchiv Bad Kötzting als Unterhaltungsbeilage Fotoreportage 2-16



Unter den Materialien, welche wir von der langjährigen Redaktionsleiterin der Kötztinger Umschau, Frau Renate Serwuschok nach ihrem Tode erhalten haben, befindet sich auch ein flache Schachtel, mit mehr als 60 Kleinbildfilmbüchsen. Sowohl die Büchsen, als auch der Schachteldeckel sind mit der klar identifizierbaren Handschrift von Frau Serwuschok beschriftet und viele haben einen Themenschwerpunkt, auch wenn in den Büchsen manchmal ein „Schnipselchaos“ aber passend zum beschriebenen Thema sich befindet.


Archive/Bilderblöcke/Illfordbüchsen/Nr. 40 Emmerama Glasschröder

 

Eine Ehrung für Frau Emmerama Glasschröder
DIE "Frau Oberin"

Schließt man von den anderen Filmen auf die Entstehungszeit dieses Filmdöschens, so kommen nur die Jahre von 1966-1968 in Frage.

 

Da auf der Filmrolle kein Datum vermerkt ist, konnte ich auch den dazu
passenden Artikel nicht finden. Frau Oberin ist die Schwester zentral in der
Mitte, vielleicht können wir auch die Namen der beiden anderen
Mallersdorfer Schwestern herausfinden.
Der Blumenkrone nach zu urteilen, handelt es sich um eine
Profess Feier der Nonnen.




Die Frau Oberin
Der Feuerwehrvorstand Michael Traurig sen.
gratuliert
Eine Frau, der die Kötztinger viel, sehr viel zu verdanken haben

Der Spielmannszug gratuliert - wer kennt Jemanden?

Auch die Kötztinger stehen Spalier

Eine warmherzige Frau, unsere Frau Oberin

Ihre Beerdigung mit einer Riesenbeteiligung der Kötztinger Bevölkerung, Ihrer "Buben" und der Mallersdorfer Schwestern ist bereits im Blog über den Gschwandhof veröffentlicht.