Frau Emmerama Glasschröder, eine hochangesehene, geachtete und von vielen verehrte Frau wurde wegen Ihrer Verdienste für Krankenhaus und Josefsheim eine der wenigen Kötztinger Ehrenbürger(innen).
Auch ich habe sie in guter -monetärer - Erinnerung. Beim Ministrieren in ihrer Krankenhauskapelle - der Gottesdienst begann früher als der Frühgottesdienst in der Pfarrkirche und es war auch immer nur 1 Ministrant im Einsatz - bekamen wir jedes Mal ein "Fufzgerl" fürs Ministrieren. Beim Pfarrer gabs nichts außer Kinderpunsch und Plätzchen bei einer einmaligen Weihnachtsfeier.......
Spaß beiseite, durch die persönliche Freundschaft mit meiner Großmutter, war ich bei ihr im Krankheitsfall immer in guten Händen und sie freute sich erkennbar herzlich, wenn wir uns im Krankenhaus begegneten. Da mein Vater die Küche belieferte, war dies gar nicht mal so selten.
In einem begleitenden Blogbeitrag habe ich bereits viele Fotos von und mit der Frau Glasschröder veröffentlicht, die sehr schön zeigen, wie sehr die Kötztinger ihre "Frau Oberin" verehrten.
Ähnlich verhält es sich mit der Bilderfolge anlässlich ihres 802. Geburtstages
Donnerstag, 25. März 1976
„Sie war uns Vorbild“
Trauersitzung gestern abend im Neuen Rathaus: Bürgermeister Karl Seidl und die Stadträte versammelten sich, um einer Frau zu gedenken, die im Dienst am Werk das Gesetz ihres Lebens sah, die sich in unerschöpflicher Liebe zu den Menschen verströmte, in nie ermattender Tatkraft ihre Pflicht erfüllte und in der uneingeschränkten Bereitschaft lebte, Gott geschehen zu lassen. Auf dem Tisch stand das Bild der Oberin des St.-Josefs-Krankenhauses M. Emmerama Glasschröder. Ein Trauerflor kündete von ihrem Ableben. Blumen bedeuten, dass Verehrung und Wertschätzung über den Tod hinausreichen. Eine Abordnung des Schwestern-Konvents mit Oberin M. Kanradina und Ludwig Brandl als Vertreter der ehemaligen Zöglinge des St.-Josefs-Heimes durften in diesen Minuten erfahren, mit welcher Hochachtung und Dankbarkeit die Stadt Kötzting ihrer Ehrenbürgerin verbunden ist.
![]() |
| Frau Emmerama Glasschröder - Frau Oberin und Kötztings Ehrenbürgerin |
Bürgermeister Seidl zeichnete den Lebensweg der Verstorbenen. Er rühmte ihre Verdienste, zählte auf, was sie geleistet hat, erinnerte an den Auf- und Ausbau des St.-Josefs-Krankenhauses und an die Waisenkinder, die unter ihrer Obhut standen. Da wurden noch einmal die Zeiten der Not nach dem Zweiten Weltkrieg beschworen, als das Haus überfüllt war mit Kranken, Verwundeten und Flüchtlingen aller Schattierung, da wurde hervorgehoben, was für die Verstorbene zu den selbstverständlichen Aufgaben gehörte wie beispielsweise die Sorge um den Kindergarten, dessen innerbetriebliche und bauliche Aufwärtsentwicklung.
„Durch ihr jahrzehntelanges aufopferungsvolles Wirken im Dienste und zum Wohle ihrer Mitmenschen hat sie sich besondere Anerkennung erworben“, sagte Karl Seidl und weiter: „Die Selbstverständlichkeit, mit der sie immer noch arbeitete, ihre Hilfsbereitschaft und ihr fachliches Können haben ihr die Achtung der Bevölkerung gesichert. Sie war uns ein grosses Vorbild. Wir werden ihr ein ehrendes Gedenken bewahren.“
Das Ehrenbürgerrecht
Im Nachruf auf die „Mutter Oberin“ erwähnt Bürgermeister Seidl auch die Verleihung des Ehrenbürgerrechts. Im Protokollbuch steht darüber unter dem 23. September 1955 zu lesen:
„Bürgermeister Liebl gab in Abwesenheit des ersten Bürgermeisters bekannt, dass Schwester Emmerama Glasschröder am kommenden Sonntag ihr 25jähriges Jubiläum als Oberin des St.-Josefs-Heimes und des Krankenhauses feiert. Es erscheint angebracht, dass aus diesem Anlass auch die Stadt gratuliert und ihre Glückwünsche übermitteln lässt. Da die Oberin beim Krankenhausneubau entscheidend mitgewirkt hat und sich neuerdings wieder mit dem Gedanken trägt, einen Erweiterungsbau des Krankenhauses durchzuführen, ist durchaus die Annahme berechtigt, dass sie maßgeblich an der günstigen wirtschaftlichen Entwicklung unseres Ortes beteiligt ist. Es wäre deshalb zu überlegen, ob wir nicht auch der Frau Oberin das Ehrenbürgerrecht verleihen, nachdem wir dem verstorbenen Hochw. H. Pater Emmeram Glasschröder die gleiche Ehrung erteilt haben.
Als erster meldete sich Stadtrat Barth zu Wort, der die Auffassung vertrat, der Frau Oberin diese Ehrung zuteil werden zu lassen, nachdem sie doch eigentlich die Triebfeder für den Neubau des Krankenhauses war und die meisten Mühen und Sorgen auf sich nehmen musste. Da außerdem bekannt ist, dass sie sich neuerdings ernsthaft dafür einsetzt, das Krankenhaus zu erweitern, war er der Meinung, dass der Stadtrat dem Vorschlag des Bürgermeisters zustimmen sollte. Die Stadträte Dullinger und Hennenberger brachten zum Ausdruck, dass die Verleihung des Ehrenbürgerrechts angebracht sei, weil sich die Frau Oberin große Verdienste um den Neubau des Krankenhauses um die Betreuung des Josefsheimes und Krankenhauses erworben hat. Weitere Stadträte äußerten sich zustimmend.
Einstimmig wurde beschlossen, anlässlich des 25jährigen Jubiläums als Oberin des Josefsheimes und Krankenhauses Schwester Emmerama Glasschröder in Anerkennung und Würdigung ihrer besonderen Verdienste um den Neubau des St.-Josefs-Krankenhauses und die Betreuung des Josefsheimes das Ehrenbürgerrecht zu verleihen.“
Am 25. August 1894 in Engelshütt geboren und aufgewachsen in der Geborgenheit eines christlichen Elternhauses, trat sie 1913 in die Kongregation der Armen Franziskanerinnen in Mallersdorf ein. Bevor sie in ihre Heimat zurückkehrte, um hier ein Menschenalter zu wirken, war sie in Ungarn als Miskolc, Serin und am Obermünster-Seminar in Regensburg tätig. 1930 begann in Kötzting, was bis zu ihrem Tod wachsen und reifen sollte. Schwester M. Emmerama wurde Oberin des St.-Josefs-Heimes und des Krankenhauses. In enger Zusammenarbeit mit ihrem Onkel, dem damaligen Generalpräeses des Seraphischen Liebeswerkes Altötting, bestellte sie unverdrossen, obwohl es manchmal ein steiniger Acker war, der ihr den letzten Einsatz abverlangte. Da waren auch noch „ihre“ Buben, für die sie vorbildlich sorgte bis das Josefsheim aufgelöst wurde. Jetzt werden Männer um sie weinen, als hätten sie ihre Mutter verloren.
Der Krieg und das Chaos, mit dem er endete, konfrontierten die Oberin des Waisen- und Krankenhauses mit zusätzlicher Not und Bedrängnis. Aber das Talent, dort erst recht weiterzumachen, wo andere bereits kapitulierten, befähigte sie, „alles zu meistern, was auf sie zukam“. Schon 1947, sofort nach Übernahme des Krankenhauses durch das Seraphische Liebeswerk, bereitete sie den Neubau vor. Die Schwierigkeiten türmten sich bald höher als die neuen Mauern, aber das Werk gelang, selbst die Währungsreform konnte den Fortschritt der Arbeiten nicht aufhalten. Die „Frau Oberin“ sammelte Naturalien, die sie gegen Baustoffe eintauschte. Ihrer Initiative ist es zu danken, dass Kötzting heute ein inzwischen nochmals erweitertes Krankenhaus mit drei Fachrichtungen besitzt.
Worte und Zahlen nehmen sich bescheiden aus gegen die Realitäten, die Oberin M. Emmerama in ihren 45 Kötztinger Jahren geschaffen hat. Sie ließ sich weder durch die Übergriffe der Nationalsozialisten noch durch wirtschaftliche Tiefschläge beirren. Die Stadt wusste ihre Verdienste 1955 mit der Ernennung zur Ehrenbürgerin dankbar zu würdigen. Der Bundespräsident verlieh ihr 1974 das Bundesverdienstkreuz I. Klasse als sichtbares Zeichen der Anerkennung für ihre Hingabe an Auftrag und Sendung, für ihr Lebenswerk, dem sie alle ihre Kräfte, ihr Wissen und Können gewidmet und das sie durch Gebet und Opfer geformt hat. Die Ordensfrau freute sich, dass ihre Arbeit gesegnet war. Sie freute sich aber nicht um ihrer selbst willen über Lob und Auszeichnung. Jede Ehre, die ihr zugedacht war, übertrug sie vorbehaltlos auf das Haus und auf alle ihre Mitschwestern. „Der liebe Gott möge weiterhelfen“, sagte sie bei der Ordensverleihung, auch und vor allem in der Vorausschau auf die Veränderungen, die sich nicht nur in der Trägerschaft abzeichneten. Der Landkreis hat inzwischen die Nachfolge des Seraphischen Liebeswerkes angetreten. Er kämpft um einen Neubau. Die Oberin sollte ihn „gesund und froh“ erleben. Sie wurde aber nur noch Zeuge der Wachablösung. Trotz aller Loyalität und dem guten Willen, den die nun Verantwortlichen ihr gegenüber versicherten, mag sie doch schwerer an der Umstellung getragen haben, als sie es sich anmerken ließ. Die Ereignisse waren stärker als die Widerstandsfähigkeit der 81-Jährigen. Sie hatte genug getan. „Caritas Christi urget nos"
Dieser Satz: von der Liebe Christi, „die uns drängt“, stand nicht nur auf ihrer Ordensbrosche, er war das Programm ihres Lebens, das sich nun erfüllt hat. Für das, was es den Menschen gewesen ist, den Armen und Kranken, den Rat- und Hilfesuchenden, den Jungen und Alten, für alles das steht am Ende als Danksagung und Bitte ein aufrichtiges „Vergelt’s Gott“.
Drei Monate nach ihrer Beerdigung ehrte der damalige Oberzugordner Sepp Schwarz, die Verstorbene im Namen der Kötztinger Pfingstreiter:
🗺️ Zum Weiterentdecken:
Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich auch direkt im Stadtplan erkunden.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken.
Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe :
Schilderaktion Personen zu finden.
und zwar lokalisiert in der Kötztinger Kirchenburg, wo sie ihre letzte Ruhestätte gefunden hatte.



















Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.