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Montag, 6. April 2026

Bilder fürs Kopfkino ....

Manchmal genügt ein einziges Foto.

Gesichter oder eine festgehaltene Szene  – und plötzlich ist sie wieder da, die halbe Welt von damals.
Beim Stöbern durch unsere Bildersammlung – oft in Verbindung mit alten Zeitungsartikeln – stoße ich immer wieder auf solche Einzelstücke. Bilder, die mehr erzählen, als man auf den ersten Blick sieht. Kaum betrachtet, tauchen im Kopf schon kleine Geschichten, Anekdoten und Bilder auf.
Ich bin mir sicher: Manchen meiner Zeitgenossen geht es dabei ähnlich. In lockerer Folge möchte ich hier solche – für mich besonderen – Funde vorstellen. Vielleicht blitzen auch bei Ihnen beim Betrachten ganz eigene Geschichten und Anekdoten auf.

Und weiter geht's mit diesen speziellen Erinnerungen:

Bild 2

Bei der Durchsicht der Kötztinger Burschenchronik - um einen Jahresbeitrag für das Jahr 1956 zu erarbeiten - bin ich auf ein tolles Bild von einer ganz besonderer Veranstaltung gestoßen, das wunderbar in diese Reihe passt. Es stammt von einem Auftritt einer ganz besonderen Band, den "Condios" 

Als die „Condios“ angekündigt wurden, klang das nach großer, weiter Welt – vielleicht nach einer fremden Spitzenkapelle, die im Januelsaal aufspielen sollte. Entsprechend groß war die Spannung, als sich der Saal füllte und alle auf den großen Moment warteten. Dann ging der Vorhang auf – und die Überraschung war perfekt: Keine auswärtige Sensationsband, sondern die eigene Vereinskapelle stand auf der Bühne.

Foto Vereinschronik BWV-Kötzting von 1956 - ist das nicht ein tolles Bild.
Die Condios: v.l. Hans -John - Mühlbauer - Wack Traurig - Stutz Traurig - Betz Erich
Gerade das macht dieses Bild heute so besonders. Es zeigt nicht nur einen pfiffig inszenierten Auftritt, sondern auch einen kleinen Generationswechsel in der Kötztinger Tanzmusik. Denn gespielt wurde hier ausnahmsweise einmal ohne den Senior der „Kapelle Traurig“. Später war bei Kötztinger Bällen längst bekannt: Wenn Michl Traurig sen. nach Hause gegangen war und die jüngere Generation die Musikauswahl übernahm, dann wurde es oft erst richtig interessant. Vielleicht lag also schon bei den „Condios“ ein Hauch von dem in der Luft, was Jahre später unter der Hand jeder wusste: Jetzt geht der Ball erst richtig los.
Und dazu noch dieses Foto aus der Vereinschronik von 1956 – allein das ist schon ein kleines Stück Kötztinger Musik- und Unterhaltungsgeschichte.
Hans - John - Mühlbauer, der Pfingstbräutigam des Vorjahres (1955) und Brautführer für seinen Freund Barth Schorsch dann in diesem - 1956 - Jahr. Er ging später für einige Jahrzehnte in die USA, was ihm seinen Zweitnamen - John - einbrachte, bevor er nach Kötzting dauerhaft zurückkehrte.
Die anderen Drei, Franz und Michael Traurig - also Stutz und Wack - und Betz Erich gehörten alle zur Familie Traurig, da Erich Betz später Annerl Traurig heiratete, die hier bereits als Solistin auftritt.
Was von Betz Erich sicherlich vielen noch in Erinnerung ist, ist sein Sängerauftritt mit "ONLY YOU", den er auch viele Jahrzehnte später noch auf der Bühne im Jahnsaal absolvierte, auch wenn er schon lange nicht mehr in einer Band spielte.
Viele unterhaltsame Stunden verdank(t)en wir diesen Kötztinger Musikerurgesteinen
 
In der Chronik heißt es zum Auftritt der Condios:
"und die Burschen machten viel Mundpropaganda. Gegen 8:00 Uhr war dann der Saal voll von lauter jungen Leuten. Dann kam der spannende Augenblick, der Vorhang der Bühne wurde geöffnet und ein herzlicher Beifall war der Lohn für die Arbeit. Zum Tanz spielte die Vereinsband,  Hans Mühlbauer, Wack Traurig, Erich Betz und Franz Traurig. Sie spielten wie die Götter. Kein Wunder, dass die Stimmung sofort auf Hochtouren kam. Nach einer kleinen Pause zog sich die Kapelle um. Wieder waren sie alle vier gleich gedresst. Dann ging’s aber erst richtig los. Jetzt lautete die Parole, heiße Musik. Man kann ruhig behaupten, dass auf manchen Faschingsball keine solche Stimmung aufkam. Eine Veranstaltung, mit der wir uns sehen lassen konnten. Als Solisten taten noch Annerl Traurig und Erwin Stelzl hervor."

Bild 1



Wenn da einem "Obermarktler" nicht das Herz aufgeht. Das Bild stammt von einer Generalversammlung der Kötztinger Feuerwehr und offensichtlich wurde eine ganze Garde vom oberen Markt für ihre Mitgliedschaft geehrt. Es war im Jahre 1976, als es noch die Regel war, in der Kötztinger Marktstraße zu wohnen, heutzutage sind wir nicht mehr Viele.


KU vom März 1976

Wen  haben wir denn da drauf...... lauter Helden meiner Kinder und Jugendzeit 

Den Wellisch Xaverl, Zögling vom Josefsheim, ganz aktiv beim Burschenverein, Pfingstreiter und immer für einen Spaß zu haben.
Herr Zimmerer aus der Rathausgasse, der Vater meines Mitschülers aus der Kötztinger Volksschule, ich erinnere mich noch gut an die Werkstatt in der Rathausgasse und an den Geruch des Fensterkittes.
Pongratz Heinerl  seines Zeichens ein Schreinermeister- schon an seinem Gesichtsausdruck kann man seine Lebensfreue erkennen. Er und seine Frau "Elis" waren begnadete - und vom Tanzstil auffallende - Tänzer auf den Kötztinger Faschingsbällen und hatten immer auch Kontakt mir uns Jugendlichen.
Pongratz Schorsch, Kötztings Mr. Konsum, unser Nachbar von gegenüber immer sportlich und auch ein guter Schütze.
Im Hintergrund Herr Fleischmann (Feuerwehrkommandant oder Vorstand aus Leidenschaft - was von den zwei Möglichkeiten zutrifft, bleibt für mich "ungedienten" für immer ein Buch mit sieben Siegeln) ein streitbarer Feuerwehrler für die Kötztinger Belange, vor allem, als es damals um die technische Ausrüstung (Stichwort Magirus contra Merzedes) ging.
Wagerer Franz: der Tauberer aus Berufung. Bei uns im Hof wurden die Reisebrieftauben beringt und später dann von großen Transport-LKWs abgeholt, weit weg gefahren und am Reiseziel "aufgelassen". Zuhause warteten dann die Tauberer in ihren Taubenschlägen auf  die Rückkehr ihrer Renntiere.
Der "Gams", "Schwarzanderl Gang" oder Wolfgang Kolbeck, ebenfalls ein Nachbar. Die Geschichten über, von und mit ihm sind fast ebenso legendär wie die vom Heijterl Karl. 
Der eine Hausname, "Gams“ kam von einem früheren Wirtshausausleger am Gebäude, der einen Gamsbock darstellte und der zweite Hausname, „Schwarzanderl“, stammte von einem schon  verstorbenen Hausbesitzer namens „Andreas Schwarz“, eigentlich ganz einfach. Der „Schwarzanderl“ Stall mit Garten am Ende der Metzstraße hatte jedenfalls hervorragende Zwetschgen…….
Der Vollständigkeit halber: der Feuerwehrmann hinter Xaver Wellisch ist der KBI Georg Radlinger

🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

Viele Geschichten und Meldungen aus und über Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.un
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken.

🔎 Wer diesen Beitrag dort wiederfinden möchte, muss ein wenig suchen:
Er verbirgt sich in der Markergruppe Suchaufgaben. und dort unter 

Viel Freude beim Entdecken!

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Mittwoch, 12. Juni 2024

Erinnerungen an frühere Zeiten Teil 37

 Wasserleitungs und Straßenbau


Zwei Fotos aus der Kötztinger Zeitung vom Oktober 1953 zeigen uns, in welch hohem Maße die Menschen gleich nach den Kriege selbst mit Hand anlegten, um bessere Bedingungen für sich und ihre Familien zu bekommen.

Im ersten Fall geht es um eine zuverlässigere Wasserversorgung für Miltach und zu diesem Zweck griffen viele Menschen selber zu Pickel und Schaufel, um möglichst schnell eine neue Quelle zum Miltacher Reservoir anschließen zu können.
Viele Frauen arbeiteten dabei bei den Grabearbeiten mit und hatten dabei - glaubt man dem Bild - in der Gemeinschaft auch noch Spaß dabei.
Kötztinger Zeitung vom Oktober 1953

Im zweiten Fall sieht man die mühselige Handarbeit, die man damals anordnete, um dem Untergrund von Landstraßen eine ordentliche und vor allem frostsichere "Rollierung" zu verpassen.
Auch im Kötztinger Nahbereich kann man noch solch eine Straßenrollierung finden:
Viele - ältere - Kötztinger werden sich noch an die Mülldeponie hinter Hofern erinnern, der ja benötigt wurde, nachdem durch den Bau der Bundeswehrkaserne und den damit verbundenen Straßenbauten der vorherige Müllablageplatz zwischen Kreuzung und Schindlerkapelle aufgelöst werden musste.
Kurz vor Hofern biegt die Teerstraße leicht nach rechts hinein in das Dorf ab. An dieser Stelle zweigt ein Feldweg ab, auf dem man später nach Maiberg fahren könnte. In den ersten 200 Metern wurden vor Jahren offensichtlich fleckchenweise überschüssige Teermengen ausgebracht, um die Befahrbarkeit zu verbessern. Im hinteren Bereich des Weges jedoch findet sich noch der Originalbelag auf stehend eingebauten flachen Steinen, die in Handarbeit als Unterbau erstellt wurden. 
Auf diesem Streckenabschnitt fährt man sehr gerne sehr langsam.



Hier sind es natürlich nicht freiwillige Helfer sondern Mitarbeiter einer Arbeitskolonne, und man beachte, all diese Steine wurden offensichtlich von Hand zerkleinert und von Hand eingebaut..