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Sonntag, 27. Mai 2018

Vor dem Vergessen bewahren: das "Fischerpeter" Haus

Eines der ganz alten Kötztinger Anwesen, später eine Bierzentrale, Kötztings erster Frisörsalon und dann auch noch ein Auftragsmord, was es nicht Alles zu finden gibt.....
alte Hausnummer 41

 

Auszug aus der Uraufnahme des Marktes Kötzting von 1811 Teil der Karte vom Vermessungsamt Cham

Nun bereits im zweiten Sommer erkennt man beim genauen Hinschauen, dass das graufarbene und, von der Fassade her, schmucklose Haus in der Marktstraße nicht mehr bewohnbar ist und nur noch auf den Abriss wartet.
Trotz seines einfachen Erscheinens ist es doch ein Gebäude, dessen Besitzer in der Vergangenheit zu den Marktlehnern gehörte, zur Kötztinger Oberschicht also. Siehe Einleitung zur Kötztinger Häuserchronik  (hier kann die Entstehung Kötztings nachgelesen werden)
Wir wissen seit vielen Jahren, dass die Grundstruktur Kötztings, also die Anzahl und Lage der Häuser in der Marktstraße und den wenigen Seitengassen bereits seit dem Mittelalter gleichgeblieben war,
 auch wenn wir die Hausbesitzer aus den einschlägigen Listen vom 15. und 16. Jahrhundert nicht eindeutig einzelnen Häusern zuordnen können.
1584 glauben wir einen Andreas Weiss auf diesem Haus lokalisieren zu können.


So dauert es bis zum Jahre 1651. In diesem Jahr nimmt Türrigl Adam aus Grub zusammen mit seiner Frau Margaretha eine "Hypothek" auf sein "Anwesen" in Kötzting auf. Seine Frau erhält als rechtlichen Beistand - per definition ist eine Frau in der damaligen Zeit nicht rechtsfähig und benötigt männlichen Beistand -  den Bruder ihres Mannes, den Kötztinger Probstrichter, ebenfalls Türrigl Adam mit Namen.
Beide Türrigls besitzen in Grub den Strohhof - heutzutage in Grub die Gärtnerei.
Adam Türrigl, der Probstrichter, stellt im Jahre 1650 für das Kloster Rott ein Grundbuch zusammen, das er aber nicht fertigstellt. In dem Fragment, das erhalten ist, wird SEIN Haus bzw. das Grundstück  im Markt mit dem Eigennamen: das "Yettingerhaus" vorgetragen. Es gibt ja einen anderen Hinweis, der sich aus der Reihenfolge in den alten Häuserlisten ergibt, das im Jahre 1620 Hans Christian Yettinger der Besitzer des Hauses gewesen war. 1638 heißen die Besitzer auf dem Marktlehen: Yettinger Christophs Erben. (L. Abgabe 1982 KL Rott R 1)






In einem Geburtseintrag eines der Kinder Türrigl Adams - des Probstrichter - ist der Zusatz VOM RIEGELSTEIN angegeben. Damit ist die Verbindung zu dem Adelsgeschlecht der Türrigl vom Riegelstein nachgewiesen. Über diese Familie und vor Allem über einen späteren berühmten Nachkommen Johann Kaspar Thuerrigel,  gibt es eine Reihe von Darstellungen und Veröffentlichungen. 
Für die weitere Entwicklung Kötztings spielten die beiden Türrigls eine wichtige Rolle. Das historische Kötzting litt seit jeher unter einem großen Grundstücksmangel. So gut wie Alle Marktlehner hatten neben ihrem Handwerksgewerbe und ihren - wie groß auch immer - Gasthäusern natürlich auch noch einen landwirtschaftlichen Betrieb. Für die vielen Tiere, nicht zu vergessen das lebende Schlachtvieh der 5-6 Metzger, fehlte die ausreichende Menge an Wiesen und Feldern. Die Weide auf dem Galgenberg - dem heutigen Ludwigsberg - war hoffnungslos abgeweidet und glich eher einer Heidelandschaft als einer üppigen Wiese. Zwischen dem Kloster Rott, dem damaligen Hofmarksherren von Grub, und dem Marktmagistrat gelang es in langen Verhandlungen sich auf einen Verkauf des Strohhofes an den Markt Kötzting zu einigen. Bis hinein ins beginnende 19. Jahrhundert war der Markt Kötzting Besitzer des Strohhofgebäudes, welches er an zwei Parteien vermietete. Die Strohhofgründe  - Wiesen und Felder - wurden nun gleichmäßig an alle Kötztinger Marktlehner und Söldner verteilt. Diese neuen Gründe wurden nicht dem einzelnen Besitz zugeschrieben sondern wurden über alle die folgenen Jahrhunderte als Gruber Grundstücke in den Vverträgen weitergeschrieben. Der historische Strohhof ist heutzutage die Gärtnerei in Grub

Doch zurück zum Kötztinger Anwesen des Adam Türrigls,  bei der Schuldverschreibung vom 11.11.1651 beleihen sie ihre im Markt zwischen Herrn Johann Pillich und Herrn Hans Schreiners am Platz liegende Prandtstatt. Das Geld für diese Hypothek erhält er aus der Vormundschaft von Eva Bauer, der Tochter des verstorbenen Kötztinger Lebzelters Jobst Bauer. 

Mit dieser "Ortsbeschreibung": das Haus liegt zwischen den Häusern von A. und B. ist zuerst nur eine vorläufige Lagebeschreibung möglich. Wenn man allerdings die gebundenen Briefprotokolle, also die gebundenen einzelnen Urkunden der Hausverkäufe, Schuldverschreibungen und ähnlichem  systematisch auswertet, dann steht in manchen dieser "Ortsbeschreibungen" manchmal auch ein Nachbar bzw. ein Nachbargebäude, das man kennt und schon ist die Abfolge wie hier: Schreiner - Türrigl - Pillich - Türanck - Rathaus aufgelöst und die Zuordnung auf das Haus mit der späteren Hausnummer 41 ist möglich.

Doch zuerst einmal zum Häuserregister des Kötztinger Probstrichters Adam Türrigl vom Riglstein - (Hauptstaatsarchiv München Landshuter Abgabe Kloster Rott B2 von 1650). Dieses Grundbuch ist nur ein Fragment, während die ersten 25-30 Marktlehen - immer der bekannten Abfolge vom oberen Markt hinunter bis zum Rathaus usw. folgend - noch sehr ausführlich und genau beschrieben werden, fallen bei der "benötigten" Hausnummer 41 bereits auf, dass einige Lücken, vor Allem bei Größenangaben und Nachbarnamen, bewußt gesetzt wurden um nachträglich die genauen Werte einzusetzen. Ab dem Gschwandhof (Nr. 91) sind es dann nur noch die bloßen Hausbesitzernamen.;
Bei den Grundstücken für Kötztings Hausnummer 3 (heutzutage das Hotel Amberger Hof) fällt bei der Beschreibung der Grundstücke eine besonerde Bezeichnung auf, wie bei den Häusern selbst wurden auch bei den Feldern und Gärten deren Lage durch die angrenzenden Nachbargrundstücke definiert:


 Interessant bei den nun folgenden Haus und Grundstücksbeschreibungen sind die vielen Ortsbezeichnungen - heutzutage noch bekannte oder gänzlich verschwundene - Mer gegen dem Siechhaus  ain Agger mit Pifang so mit Gersten angepaut, zwischen Andreen Östereichers und Michaeln Schirlitz Agger ligt, mit einem Orth auf Herrn Billichs Pfarrers in der Lamb und auf Adamen Türrigls Yettinger Aggers und mit dem andern Orth auf die Straßen welche von hir auf Camb gehet.

Hier sind mehrere Details interessant: erstens bestätigt es die Vermutung, dass Türrigls Besitzvorgänger Christoph Yettinger gewesen ist und zweitens wird hier deutlich, dass in der Kötztinger Feldflur offensichtlich manchmal auch dieselben nachbarschaftlichen Verhältnisse herschten wie bei den Häusern, auch dort ist nämlich Türrigls Nachbar der Pfarrer Billich - zu genau dieser Zeit.
Doch nun zum Anwesen selber mit allen seinen Pertinenzgrundstücken, den Grundstücken also, die nicht vom Anwesen weg verkauft werden durften.




Adam Tirrigl hat ein Haus
welches noch nit erpauth, so
zwischen Hansen Schreiner
burger des Raths und
Herrn Johann Billichs Pfarr=
ers in der Lamb Heusern
am Plaz ligt, darzue ge=
hört ain halbs Marckhtlehen
mit nachfolgenten grundt
und Poden




Velder

Erstlichen ainen Agger hünder
dem Obernfreudthof mit
XX Pifang, zwischen Herrn Johann Pillichs Pfarrers
in der Lamb und Herrns
Hanns Raidten, des Innern
Raths und Cammerers Ägger
ligt, mit ainem Orth auf








die Schanz bey dem Obern
Feudthof, und mit dem
andern orth auf (Lücke)
Agger stosset so
mit Wüntterkhorn ange=
pauth


Mer ain Agger gegen Gestorf
mit xx Pifang, zwischen Hern Georgen Tenscherzen des Innern Raths und
(Lücke) Äggern ligt
mit einem Orth auf Zelten=
dorffer Fartweg und
mit dem andern orth auf
(Lücke) Agger stoßt
ist mit Habern angepaut


Mer ain Agger gegen Grueb
ein Stainpruch
mit xx Pifang so neben Georgen Lärnpecher Müllers



und burgers alhir an der
Wißmüll, dann Adamen Türrigls Marckhtschreibers
auch Herrn Georgen Löfflers des Eissern Raths und
Sigmundten Raithen Zwerch
Äcklher, welche auf diesen stossen
und neben (Lücke)
Äggern ligt, mit einem Orth
auf die Anwandten beim Keidischpach und mit dem anderen Orth auf die Grueb=
er Straß stosst, ist mit Winterlhorn angepauth



Gartten


Ain Gartten mit 4 Pifang und 3 Trümmer zwischen
(Lücke) und
(Lücke) Gärten
ligt mit einem Orth auf



und mit dem andern Orth
auf (Lücke) Gärtten stosst





Wißmath




Ain Wißen zwischen herrn Hansen Schreiners und
Herrn Thoman Rothauers
Churfrtl Gerichtsschreibers
wißen, mit ainem Orth auf Andreen Weissen Mez=
gers Gartten und mit dem Andern Orth auf dem Tämpach stosst














Unser gesuchtes Anwesen, bzw die Brandstatt, war also, wie oben angeführt, im Besitz - bzw. in Teilbesitz - des Mauerers Adam Türrigl. Der Probstrichter, der hier auch zusätzlich noch als Marktschreiber titulierte ANDERE Adam Türrigl, war sein Bruder. Der Keiterspach heißt heute Gruberbach und der Tämpach ist der Dampfbach. Die angesprochene Schanz beim Obern Freudhof war Teil der damaligen Marktbefestigung, also der aufgeworfene Wall, der sich offensichtlich gut für den lokalen Gemüsebau eignete, weil viele Gärten der Kötztinger Marktlehner sich auffallend nahe oder sogar auf der jeweiligen Schanz befanden.


1661 stirbt Adam Türrigl, der Probstrichter und in seinem Inventarium, also der Auflistung seiner Besitztümer ist an dritter Stelle, er selber wohnte im Haus neben der St. Veithskirche, heutzutage die Fa. Traurig,  die Yettingerische Prandtstatt zwischen Billich und Schreiners Wittib genannt.
Leider gibt es in der Überlieferung der Kötztinger Hausverkäufe eine große Lücke. Band 1 deckt die Jahre 1651-1653 ab, Band 2 beginnt dann erst wieder im Jahre 1700. 

Im Jahre 1672 sitzt der Schmied Hans Hoffmann auf dem Haus in der heutigen Marktstraße und zahlt dafür dem Kloster Rott. Wir wissen, dass um die Jahrhundertwende, gesichert bereits um 1688, Michael Hofmann der Besitzer des Anwesens war. Im Jahre 1700 erscheint er in den Briefprotokollen, als er, verheiratet mit einer Anna, seinen Ziegelgarten bei des Marktmüllers Wiese verkauft. Ein Detail dieses Vertrags ist wiederum typisch für die damals herrschende hierarchische Gliederung Kötztings. Der Verkauf des Gartens geht an einen Breupfannenknecht Wolf Kurz aus Kötzting, dieser war zwar Bürger in Kötzting, sollte allerdings ein Marktlehner Einspruch gegen diesen Verkauf erheben, so müsste dieser Rückgängig gemacht und der Garten dann zum gleichen Preis an den Marktlehner verkauft werden. Es müsste sich um denselben Michael Hofmann handeln, der als Witwer am 26.6.1684 Anna, die Tochter das Kötztinger Bürgers Balthasar Wachters geheiratet hatte.  
Pfarrarchiv Kötzting Pfarrmatrikel Kötzting 2 vom 26.6.1684 26. nuptias celebravit in parochiali Eccla. Michael Hoffmann viduus cum Anna Wachterin filia legit Dmni Malthasari Wachter et Cath. conj. huius loci


Aus demselben Jahr kennen wir eine Geldstrafe, die der Kötztinger Magistrat ausgesprochen hatte für Hofmann Michael, dem Bürger und Gastgeber: welcher allhier in seinem Haushof Schiesserey auch zu nachts yber die gebierende Zeit Spillen und andere Ungebühr wider das beschechene verbot durch haillose Bursch dergestalten treiben lassen, dass er bei ihm im Quartier liegende Trompeter sich daryber verschiedentlich beschwert, er aber mit demselben hinach gar ein gerauff angefangen ...... als hat er die ihm vorher dictierte Straff erlegen müssen.   
Die methode ist schon bemerkenswert, wenn sich Übernachtungsgäste - auch wenns sie wie hier ein einquartierter Soldat war -  über eine Ruhestörung beschwerten, dann mit diesen eine Schlägerei zu beginnen. 
 
Hofmann Michael war also bereits verwarnt wegen diverser Ruhestörungen und mußte nun, nachdem er sogar einen Mann, der sich beschwert hatte geschlagen hatte, die ihm vorher für einen Wiederholungsfall angekündigte Strafe zahlen. Die Strafe in Höhe von 2 Gulden, 17 Kreuzer und 1 Heller dürfte umgerechnet so in Höhe von etwa 200-300 Euro gelegen haben.
In einer Schuldeinschreibung aus dem Jahre 1701 widerlegt das Ehepaar ihr Marktlehen gegen eine eingestandene Schuld von 100 Gulden die durch eine Lieferung von Fluderbäumen durch Greil Thomas aus Gotzendorf entstanden war. Ich habe eh die Vermutung, dass Michael Hofmann vom vormaligen Grubmühler und späteren Sagmüller in Kötzting Paulus Hoffmann abstammt. Dazu würde dieser Holzhandel mit Fluderbäumen auch gut passen, wenn er nun mit Fluderholz handelte.
Staatsarchiv Landshut Briefprotokolle Kötzting P 2 vom 5.2.1701 Schuldverschreibung über 100 fl für verkaufte Fluderbäume von Thomas Greill aus Gotzendorf
1702 nun verpachtet das Ehepaar noch ein Gartengrundstück an den pensionierten Leutnant König um zu ein wenig Bargeld zu kommen. Seit 1700 tobte in Europa der Spanische Erbfolgekrieg und ab 1703 wollte auch Bayern in der großen Lotterie um den Spanischen Kaiserthron mitspielen, was in einer Besetzung Bayerns durch u.a. österreichische Truppen endete.
Für den August 1803 gibt es in den Kötztinger Pfarrmatrikel einige Todesfälle, bei denen nur ganz kurz vermerkt ist, dass die Männer durch Husaren getötet wurden. Darunter ist auch ein Michael Hoffmann, Bürger in Kötzting. Nun war der Name "Michael Hoffmann" in Kötzting damals mehrfach vorhanden ABER er war Bürger UND bereits in den nächsten Beurkundungen in den Briefprotokollen, die sein Haus betreffen, also 1705, wird unser Michael Hoffmann als bereits  verstorben bezeichnet.
Pfarrarchiv Kötzting Pfarrmatrikel 3 Seite 785 vom 18.8.1703 seputlus michael Hofmann civis ab Husaris omibus.  auch Johannes Stahl aus Kötzting, Ander Jungböckh aus Grub und der Kötztinger Georg Strasser wurden Opfer der fremden Soldaten

Vieles deutete bereits in der Vergangenheit drauf hin, dass das Hoffmannsche Ehepaar verschuldet war, nun nach seinem Ableben und nach Durchführung der Formalien, Erbverteilung und Ermittlung der Erben - die sich auch auf dreimaliges Auffordern nicht vor dem Magistrat gemeldet hatten - handelte der Markt Kötzting um Schlimmeres zu verhindern. Mathias Dengscherz, ehemaliger churbayerischer Proviantbäcker, kann 1705 für 15 Gulden das Haus auf zwei Jahre pachten, muss allerdings der Witwe ohne Entgeld das obere Seitenstüberl überlassen. Nach Ablauf dieser Pachtzeit greift nun sogar die Regierung in Straubing ein und verordnet 1708 einen Zwangsverkauf. 
Über 300 fl Schulden hatten sich bereits alleine bei der St. Sebastiani Bruderschaft Kötztings angehäuft. Nachdem sich im laufenden "Gandtprozess" kein Käufer gefunden hatte, durfte die oben angesprochen Bruderschaft für einen Kaufpreis von 500 fl das Anwesen übernehmen. Nach Abzug der 300 fl Schulden mußte die Bruderschaft die Differenz an die verbleibenden Schuldner der Hoffmannschen Eheleute auszahlen.
Bereits Tags darauf verpachetete die Bruderschaft das Haus mit der "praunen Pierschenk Gerechtigkeit"  an den Inwohner und bürgerlichen Beisitzer Hans Georg Pachmayr, wiederum um 15 fl auf 1 Jahr, die Witwe Anna durfte weiter bis St. Jakob desselben Jahres im Hause verbleiben, dann allerdings solle sie sich "außer Haus begeben".
Das Ganze scheint für die Bruderschaft ein gutes Geschäft gewesen zu sein, dann schon im Jahre drauf, also 1709 fand sich endlich ein Käufer für das Anwesen. Der frühere gräflich Nothhafftische Hofmarksverwalter von Eisenstein Johann Siegmund Schlögner kaufte um 575 Gulden die Michael Hoffmannsche Bürger- und Marktlehensbehausung cum pertinentiis - also mit allen zum Anwesen fest gehörenden Grundstücken - zwischen Hans Georg Schwarzen und Adamen Türanckhens Häusern liegend. Die 300fl Schulden bei der St. Sebastiani Bruderschaft wurden dabei gleich mitprotokolliert.  Für weitere 8 Gulden erwirbt Sigmund Schlögner gleich noch das Kötztinger Bürgerrecht und taucht dann auch prompt in den Pfleggerichtsrechnungen auf. Vor dem Landrichter mußte er sich verantworten, weil er Agnes Manghauerin ledigen Standts von Stachesried, in Zeit, als sye sich bei Hans Schwarzen Bürgern allhier vor eine Spinnerin aufgehalten bezichtiget, sye hette ihme ainiges Leinwandt Gwandt entwendet. 
 
Rentkastenamt Straubing R 2397 Pfleggerichtsrechnung von 1710 Verfahren gegen Schlögner wegen Diebstahlsbezichtigung, die er nicht beweisen konnte: Strafe 1 Pfund Regensburger Pfennige = 1 Gulden 8 Kreuzer 4 Pfennige, so ca. gut 100 Euros heutzutage



 Da er aber seine Anschuldigungen nicht beweisen konnte, mußte er wegen Verläumdung der Frau seine Strafe zahlen.
Es sind unruhige Zeiten in Kötzting, Kriegszeiten, Johann Sigmund Schlögner, ein Sproß der Kötztinger Wundarzt Familie Schlögner, nun wieder Nothafftischer Verwalter in Eisenstein UND Bürger in Kötzting verstiftet sein Anwesen an den Bürger Christoph Wieser für drei Jahre, allerdings mit dem Zusatz, dass er Wiser noch dazu die anfahlende Steuern nebst Einquarthierungen in Durchmärschen mit den dach und Fach zu tragen hätte und davon dem Herrn Verstifter nichts abzurechnen haben solle. 
Nach Ablauf der Pachtzeit nun bekommt das Anwesen einen neuen Besitzer, Johann Siegmund Schlögner nennt sich nun "kayserlicher Graeniz Zohleinnehmber", also kaiserlicher Zöllner, und verkauft das Marktlehen an Wolf Billich aus Kötzting um 570 fl.  - ein gutes Geschäft hat er also damit im Gegensatz zur Bruderschaft nicht gemacht - 
Er verkauft das Haus ausdrücklich mit allem Hausrat, als Piervässer, Poding, Schrägen, böthstädt und alte disch.
Vier Jahre später quittiert Schlögner dem Billich die vollständige Bezahlung der Kaufssumme und schon geht es weiter, am 30.1.1719 überggeben Billich Wolf und seine Frau Margaretha das Marktlehen an den Sohn Ander Billich, der 1717 die Witwe Barbara des Kötztinger Metzgers Metz geheirastet hatte. Die Übergeber behalten sich nur die lebenslange Herberge im oberen Stübl ausgenommen.
Diesmal scheint der Besitz zumindest für eine Generation lang im Besitz einer Familie geblieben zu sein, denn erst 1740 wird ein erneuter Verkauf protokolliert, Billich Ander übergibt das Anwesen für 900 Gulden an den Aufschläger (Steuereinnehmer) Johann Ferdinand Mayr und dessen Frau Catharina. Schon Monate vorher hatte Billich sich von einigen, frei verkäuflichen, Grundstücken getrennt, daher war die Schuldenlast bei der Bruderschaft bereits auf 40 fl gesunken.




Nun wirds es kurzfristig sehr kompliziert:


Am 11.4.1740 heiratete der Zandter Hofmarksadministrator Johann Ferdinand Mayr mit Erlaubnis des Consistoriums in Regensburg  - warum auch immer, vlt war sie zu jung oder waren die Verwandtschaftsbande zu eng, es wird kein Grund angegeben - die Wirtstochter Anna Katharina aus Haselbach.
Pfarrarchiv Kötzting Matrikel 14 Fiche 375 Seite 96

Die Trauzeugen sind ebenfalls aussergewöhnlich, der Janitor, also der Pförtner beim bischöflichen Ordinariat und auch der zweite, Mario Westermayr wird als Nuntio, als Bote des Consistoriums bezeichnet. Die Trauung vorgenommen hat ein Franziskaner Pater von St. Ullrich, also der Dompfarrei in Regensburg, deren Betreuung die Franziskaner seit 1602 übertragen bekommen hatten. Hoher Besuch also in Kötzting und ein Geheimnis, das es noch zu lösen gilt.
Im November 1740 wird ein Heiratsvertrag zwischen den Beiden protokolliert, die Braut bringt 1500 fl (!) als Heiratsgut mit. Allerdings muss Johann Ferdinand diverse Schulden begleichen, bzw. durch Schuldverschreibungen anerkennen, so zum Beispiel 300 fl von seinem Bruder Johann Georg Mayr einem Doktor der Philosophie und Medizin. 

Um die ganze Angelegenheit nicht zu einfach zu machen, kommt es nun zu einem Häusertausch:

Der Aufschläger Johann Ferdinand Mayr  und sein Schwager Johann Georg Druckmüller vertauschen einfach ihre beiden Marktlehen, wobei Mayr alle Schulden der beiden Anwesen auf sich nehmen will und zusätzlich die freie Herberge seiner Mutter im ehemaligen Druckmüller Anwesen mit übernimmt. Mayr hat offensichtlich genügend Kapital um sich ein größeres Anwesen leisten zu können und auch noch die Schulden mit zuübernehmen.
Leider spielte die große Politik nicht mit, wieder kommt es zu einem Erbfolgekrieg und wieder meinte das kleine Bayern im Konzert der Großen mitspielen zu müssen und wieder wurde Bayern besetzt und ausgeplündert. Dieses Ausplündern durch unerhört hohe Kontributionszahlungen forderte vielen Kötztinger Hausbesitzern das Äußerste ab und manchem noch Vieles darüber hinaus. Leider mussten die Kötztinger Behörden ihre Briefprotokollbände ebenso wie die Rechnungsbände zur Revision an die kaiserliche Behörde nach Straubing einreichen und anders als die Rechnungbücher gingen dabei die Briefprotokolle der Jahre 1743-1745 verloren.
Druckmüller Johann Georg jedenfalls wird Prokurator beim Landgericht und taucht ab 1745 als Besitzer des Voglhofes (alte Hausnummer 8), eines der großen Kötztinger Anwesen im oberen Markt auf.  Sowohl dieser Kauf als auch der Verkauf des Anwesens (Nummer 41 ) fallen genau in die Zeit, aus der wir keine Beurkundungen mehr besitzen. 
ABER, am 18.2.1746 wird ein Verkauf des Anwesens protokolliert: der Wirt Jakob Haselbeck und seine Frau Maria aus Heitzelsberg verkaufen das Haus, welches sie selber am 3.3.1744 von Johann Georg Druckmüller gekauft hatten, an den Schuhmacher Johann Georg Silberbauer und seine Frau Eva. Die Preise sind gefallen, das Marktlehen wechseln nun für 470 Gulden den Besitzer, allerdings fehlen dem Anwesen seit der Zeit von Billich Andreas ein paar wichtige Grundstücke, die Silberbauer JG 1762 um 500 Gulden wiederum an sich bringen kann.
Überhaupt laufen die Geschäfte des Schuhmachers JG Silberbauer gut, weil er sich im Laufe der Jahrzehnte noch das eine oder andere Grundstück, einen kleinen Garten oder einen Wiesenstreifen hinzukaufen kann.

Aus der Zeit des Johann Georg Silberbauer und mit ihm als einen Hauptakteur gibt es im Stadtarchiv einen größeren Akt, der darüber hinaus auch die Abfolge der Hausbesitzer in der Marktstraße dokumentieren bzw. für den Zeitpunkt der Planzeichnung bestimmen lässt.
Hintergrund des Streitfalles ist ein Kampf um "Wildwasser". Wir befinden uns in der Zeit in der es in Kötzting noch keine Kanalisation gegeben hatte und es auch noch kein genaues Wissen über die Vorteile einer Düngung gab. Das Wässern der Wiesen galt als die wichtigste Massnahme um zusätzlich zum ersten Schnitt im Spätfrühjahr noch einen weiteren Grasschnitt erzielen zu können. Dieses Wildwasser also, das nach einem Gewitterguß  in dem schmalen Gässchen von der Metzstraße hinunter zum Amtshaus (=Gefängnis) schoß und den Gefangenen in den Kellerräumen sicherlich nicht zum Vorteil gereichte, war ein begehrtes Nass. Vor dem Amshaus konnte dieses Wildwasser mittels eines eingelegten Baumstammes entweder nach links den steilen Weg hinab geleitet werden oder, wenn dieser Teil gesperrt war, dann floss das Wasser eben geradeaus in Richtung Kommunbrauhaus weiter, wo sich oberhalb der Brauerei eine der wenigen Wiesen INNERHALB der Marktbefestigung befand. Diese Wiese hatte sogar einen Eigennamen, sie hieß "die Hirnnerin". 
Nun kam es wie es kommen mußte, zwei Wiesenbesitzer an zwei unterschiedlichen Zufahrtswegen gelegen, stritten sich um das Wildwasser für die Wiesenbewässerung, der Fall kam vor den Magistrat als unterste Gerichtsinstanz und am 1.8.1760 kam es zu einem Ortstermin worauf dann auch eine wunderschön kolorierte Planskizze angefertigt worden war, die wir im Stadtarchiv besitzen.

Der Fludermeister Qualbert Löckher, der Besitzer der "Hirnnerin" konnte mit vielen Zeugenaussagen belegen, dass er und seine Vorbesitzer bereits seit Menschengedenken das Wildwasser der Fleischgasse zur Bewässerung seiner Wiese benutzten.
Stadtarchiv Bad Kötzting AA VI 32
Erkläuterung: das Amtshaus ist der "Wiesergirgl" also das Gebäude, das die Schirnstraße am Ende abschließt, das "Heysl" daneben ist "der Dengscherz", damals in Besitz des Herrn Adam Wurmb, am Anfang der "Wurmhöhe". Womöglich ist der damalige Leineweber Adam Wurm der Namensgeber dieser Flurbezeichnung, auch wenn wir als Kinder die Verlängerung der Metzstraße als solche "Wurmhöhe" bezeichnet haben, aber ich habe mich von Hackl Franz gerne eines Besseren belehren lassen.
Der Zeuge Wurmb bestätigte, dass Löcker, als Besitzer der Hirnnerin - und dessen Vorbesitzer - schon immer das Wildwasser zur Wässerung benutzt hatten, weil, so lange er denken konnte und es auch sein Vater bereits so beschrieben hatte, bei heftigem Gewitter vor dem Haus ein Baum eingelegt wurde um die Gred zu schützen.
Silberbauer, der den alten "Märklgarten" gekauft hatte forderte nun einen Anteil am Wildwasser und beruft sich dabei auf seinen Kaufvertrag, indem ein solches eingetragen worden war.
Legende:
Nr. 1: alte Rinnen und erste Wassereinkherung
Nr  2: zweyte Wassereinleitung
Nr. 3: gewestes Weyerl
Nr. 4: Graben des Wilden Wassers für die Gegentheil (die gegnerische Partei hier Löckher)
Nr. 5 Brust (sprich Brustwehr, Barriere, Wall)
Nr. 6 Baumb (Sicherung der Gred des Adam Wurmb)
Nr. 7 die Wiese die Hrinnerin
Nr. 8 Anwesen Pirzer (nun Pfeffer Walter)
Nr. 9 Anwesen Corherr (Nun Schuhhauer Mühlbauer-Liebl)
Nr. 10 Anwesen Silberbauer
Nr. 11 Anwesen Greil (Nun Heigl)
Nr. 12 Welisch (=italienischer Krämer, nun Voithenleithnerhaus
Nr. 13 Gartenstreifen
Nr. 14 Marktgasse vom Blaz

Erklärung:

Nro 3 zeiget an, das von unfürdenklichen Jahren das Wilde=Wasser aufgefangen und sodann dem Garten ausgeteilt worden
Nro 5 haben die Gegentheil zu Abscheidung dess Wassers in der STrassen eine Brust aufgeworfen
Nro 6 ist der Gredpaumb umb 10 Schuech länger als sonsten gelegt worden, damit das Wasser bey der 2. Wassereinleitung seinen Rinnsaal nicht nehmen kann
von Nris 8 Besitzer haben die Gegentheil alles Wild=Wasser zu geniessen
Nro 13 seint 4 Gärtten nebeneinander
Nr 14 Markhtgassen von Blaz

Stadtarchiv Kötzting AA VI 32 Beginner Zeugenaussage des Adam Wurmb

Detail der Zeugenaussage

keinen andern last haben sye nit zuertragen als was Gezeugenfiehrer der articulant einen Paumb bey den Wurmb ietz aber Denkscherz häusl einlegen ,mues, mitls welchen Paulb die diesortige Grödt schadlos halten miessen


Leider ist der Ausgang des Streits nicht in den Akten zu finden, aber bei Durchsicht des Zeugenaussagen könnte man zum Schluss kommen, dass Qualbert Löcker, der Besitzer der Hirnnerin, die besseren Karten sprich Zeugen auf seiner Seite hatte.






Aber weiter mit den Hausbesitzern:


Es kommt zu einem ganz normalen Hausübergabe, der Vater Johann Georg Silberbauer übergibt das Marktlehen an den Sohn Joseph im Jahre 1772 zum Preis von 2000 Gulden. Beim Haus heißt es nun es liege zwischen den Häusern des Johann Korherr und der Witwe des Josef Hager. An diesem, dem unteren, Nachbarhaus ist heutzutage eine Erinnerungstafel an die beiden Kötztinger Bildschnitzer und Künstler der Familie Hager angebracht. 4 Jahre später heiratet Josef  seine Frau Anna Maria, einer geborenen Pongratz aus Madersdorf.

1803 bei einer Liste für die Kirchentracht werden alle Grundbesitzer aufgeführt: hier Silberbauer Joseph, bei der Uraufnahme der Kötztinger Anwesen im Jahre 1811 bei der der Gesamtbesitz genauer beschrieben und bewertet wird, lebt wohl nur noch seine Witwe, es heißt bei der Hausnummer 41: Anna Silberbauer, gemauertes Haus, hölzerner Stall und Stadel, Haus 1020 Gulden, Anwesen 1479 Gulden.
Am 26.1.1821 übernimmt Silberbauer Jakob das Anwesen von seiner Mutter, im Ratsprotokoll von 1837 wird der brauende Bürger Silberbauer Jakob dann auch als Gemeindebevollmächtigter abgeordnet. 
Im Jahre 1840 wird ein Grundkathaster für den Markt angelegt und beim Haus mit der Nummer 41 heißt es:

 besitzt Jakob Silberbauer und gehören hierzu ein Stall und Stadel, welch letztere Gebäude zur Landwirtschaft verwendet werden.
Die Hälfte des Wohnhauses hat der k. Assessor Titl Fritz in Miete wofür derselbe jährlich 60 Gulden Miethzins bezahlt. Unterzeichnet
Hz (=Handzeichen, da sie nicht schreiben konnte) +  der A.M. Silberbauer

 
Am 2.11.1857 dann der Übergang auf Silberbauer Joseph


Im Staatsarchiv Landshut gibt es einen Riesenbestand an Verlassenschaftsakten des Landgerichts Kötzting seit den 1850er Jahren.
Unter der Signatur: Rep 166N-12 Schachtel 20 Nr. 106 Silberbauer Wolfgang von Kötzting  von 1876 findet sich ein Testament des Bräuknechts Wolfgang Silberbauer und in diesem Akt auch ein kompletter originaler Verkaufsbrief des Anwesens von Jakob auf Joseph Silberbauer mit all den Details, die damals üblich waren.

Testament mit Unterschrift





 Wolfgang Silberbauer, bereits sehr schwer an "Brustwassersucht" erkrankt macht im Vollbesitz seiner Kräfte sein Testament, welches er auch noch eigenhändig unterschreibt. Als Universalerben über 500 Mark Bargeld und weniges Mobiliar setzt er seine Schwester, nun verheiratete karl aus Kötzting ein. Seine zittrige Unterschrift zeigt, wie es ihm an Kraft fehlt.
Übergabebrief für 7500 fl für Josef Silberbauer









 Mit der Urkunde übergeben Jakob Silberbauer und seine Frau Anna Maria  am 3.11.1857 ihr "Haus mit Marktlehen bestehend in dem Communbreu= und Tafernrecht" an den Sohn Josef Silberbauer
An Grundstücken sind aufgeführt:  53 Tw zum Rentamt zinsbare Grundstücke, die, eingangs angesprochenen, Strohhofgründe mit 26 Tw, welche zur Marktskammer Kötzting zinsbar sind. 13 Tw Watzelhofgrundstücke sind ao 1804 ebenfalls zu dem Anwesen hinzuersteigert worden. All das zusammen mit den gesammten Futtervorräthen und Zugehör übergeben sie an den Sohn Joseph zum unbeschränkten Eigenthum.  

 
Titelblatt des Übergabevertrages


 
Sie bedingen sich einen Zehrpfennig von 1150 fl aus, welcher allerdings, wenn die Eltern es so wollen, bei einer zukünftigen Hochzeit in Jahresteilsummen von 100 Gulden zu zahlen wären. Die oberen zwei Zimmer im zweiten Stock bleiben den Eltern als lebenslange Herberge , welche der Sohn aber in wohnbarem Zzustand erhalten müsse. Die Einkünfte an Getreide sind ebenso genau geregelt, wie die Vereinbarung, dass von Ostern bis Allerheiligen täglich 2 Maß Milch abzugeben wären, von Allerheiligen bis Ostern dann nur 1 Maß Milch. Von jedem großen Sud Bier (das der neue Besitzer nun im Kommunbrauhaus brauen ließe) bekommen die Austrägler 2 Eimer und von jedem kleinen Sud dann eben nur 1 Eimer Bier, wobei "Eimer" hier ein genaues Hohlmaß darstellte. 1 Eimer wird mit 64-66 Liter in der Literatur angegeben. Von jedem Sud müssen auch 2 Maß Brandwein abgeliefert werden. ......Die Altenteiler konnten sich damit kreuzfidel ganz schön die Kante geben.....
Seine Geschwister: Wolfgang(sic),  Anna Maria, Michael und Franz, sämtlich großjährig und ledig erhalten die ersten drei jeweils 500 fl, Franz aber nur 350 Gulden. Die Geschwister, so sie sich nicht verheirateten, sollten lebenslange Herberge im Hause genießen dürfen.
 Interessant ist ein kleines Detail bei der Auflistung der auf dem Anwesen lastenden Schulden. Neben der Hypothek lastet auch eine weitere Schuld von 500 fl gewährt durch den Bruder des Übergebers, Michael Silberbauer, auf dem Haus. Allerdings steht dem gegenüber eine "Kriminalkosten Forderung des k. Aerars auf das künftige Vermögen des Michael Silberbauer, Bruder des Übernehmers, in Höhe von 91fl 45 xr. Der jüngere Bruder Josephs ist wohl etwas mit dem Gesetz in Konflikt gekommen und hat, da zuerst einmal mittellos als Sicherheit ein zukünftiges Vater (Muttergut) eingesetzt.
Von Michael und Wolfgang lagen Einverständniserklärungen vor, alle anderen Personen waren anwesend und haben auch unterschreiben. Der Landrichter damals war kein geringerer als unser bekannter Landrichter und Kötztinger Wohltäter Carl von Paur.


Unterschriftenliste - nicht original - der anwesenden Personen Unterschrift Paurs ist im Original - der vertrag war ja eine Abschrift für die anderen Begünstigten



Noch 1871, bei der Sammlung für den Sedanstag wird unter dem Haus mit der Nummer 41 der Name Silberbauer vorgetragen aber auch ein Gastgeber mit dem Namen Karl Brändl, möglicherweise ein Pächter des Wirtshauses. (AA I/56)
Repro 1699 Arbeitskreis Heimatforschung
Silberbauer Anna Maria in der Wirtsstube
ihres Schwiegersohnes Fischer Peter
 
Silberbauer Maria wird am 16.11.1883 die neue Besitzerin welche mit einem Ehevertrag vom selben Tag das Anwesen dann zusammen mit ihrem neuen Ehemann aus Schwarzhofen: Fischer Peter übernimmt, womit das Haus in der Marktstraße den Hausnamen erhält, unter dem es bis heute bekannt ist.
Den Beiden ist aber zuerst einmal kein Glück auf dem Anwesen gegönnt, im Juli 1891 bricht in einem Hintergebäude der Silberbauers (damals war der Hausname noch Silberbauer, zäh hängt der Kötztinger an den hergebrachten Namen) ein Brand aus und leider weitet er sich auch diesesmal auf mehrere benachbarte Anwesen aus. Bis hinter zum Kirschbauer Mauerer werden insgesammt 5 große Bürgerhäuser mitsamt aller Nebengebäude einRaub der Flammen.  In Furth im Wald gibt es zu diesem Zeitpunkt bereits seit Jahren eine Tageszeitung, "der Bayerische Wald" und in der Druckerei Perlinger ist der Bestand erhalten und dort finden sich auch zwei Artikel über den Kötztinger Marktbrand:

Ein Besuch im Stadtarchiv brachte genau zum richtigen Moment ein besonderes Präsent: der große und ausführliche Bericht über den Marktbrand in der "Zeitschrift für Feuerlöschwesen" Nr 15 vom 1.8.1891. Danke an Herrn Vogl aus Miltach für dieses Präsent. Hier also der Bericht aus "fachmännischer" und weniger journalistischer Sicht.

Repro 1697 Arbeitskreis Heimatforschung Anwesen Fischer Peter Aufnamhe ca. 1925


Das im ersten Artikel angesprochene Wirtshaus Wagner, ist der "Gumbirl" heutzutage das Anwesen Heigl ebenfalls in der Marktstraße. Da in den 1885er Jahren es zur Pflicht wurde regelgerechte Bauanträge mit Plänen einzureichen, haben wir vom "Neubau" nach dem Marktbrand einigermaßen genaue Vorstellungen.
Fassade des Neubaus nach dem Marktbrand im Juni 1891





Erdgeschoss
erster Stock



















Lageplan der Neubauten nach dem Marktbrand
Hausneubau 1891: in den 90er Jahren durfte ich, allerdings mit nur mittelmäßiger Ausrüstung einige Baupläne Kötztings abphotographieren. Trotz Stativ, aber nur in einem Nebenraum mit seitlich einfallendem Licht und ohne Blitz. sind die Bilder so ziemlich alle etwas unscharf geworden. ABER sie geben doch den Eindruck wieder, wie die Fassaden in Kötzting ursprünglich waren und wie die Häuser im Inneren geschnitten waren.

Repro 1696 Arbeitskreis Heimatforschung
Fischer Peter mit seiner Frau Maria
geb. Silberbauer mit Ihren Kindern,
der älteste Bub müßte/sollte Karl sein.

Repro 1700 Arbeitskreis Heimatforschung
Karl Fischer, der Sohn und Betriebsnachfolger





















 














In den 30er Jahren kam es dann zu Erweiterungen im hinteren Bereich. Dieses schmalbrüstige, wie man in den Schnitten sehen kann - aber schmucke Häuschen entstand im seitlich hinteren am Rande.

 




Schaut man sich die Raumaufteilung an, dann passierte hier Alles auf sehr sehr kleinem Raum, aber Platz ist in der kleinsten Hütte UND schütt Wasser zur Suppe - sind Alle willkommen.

 Wenn man hierzu nun ein paar Bilder vom Abriss ansieht, dann kann man die alten Grundstrukturen schon noch erkennen.





   


 
Repro 1705 Arbeitskreis Heimatforschung, Aufnahme von vor 1939 - das Rathaus wurde 1939 umgebaut





 
Aufnahme Pongratz, Bild während des Abbruchvorgangs im hinteren Bereich : der kleine Anbau hinten rechts, vor dem quer stehenden Gebäude müßte der Anbau aus den 30er Jahren gewesen sein.

Repro 1695 Arbeitskreis Heimatforschung
Metzgerei Karl Fischer
Nach Fischer Peter, dem Wirt, Besitzer einer Bierzentrale und Lohnkutscher wurde der neue Besitzer sein Sohn Karl, ein gelernter Metzger, 1901 geboren und seit 1949 mit Margarethe Kummer verheiratet. 




Nun kommt bereits meine eigene Erinnerung ins Spiel, denn in diesem Hause war in den 50er und 60er Jahren der FRISEURSALON HAUSER beheimatet. Und meine ersten Erinnerungen an meine eigene Kindheit sind olfaktorischer Natur. Immer zum Kinderfasching durften wir in den Salon Hauser - in die Damenabteilung nach hinten - und wurden professionell auf Indianer geschminkt. Und diese Schminke, ich erinner mich noch wie heute, roch bzw. stank beim trocknen wie aufgetragene Spucke. Ich hatte immer den Verdacht, dass derjenige, der mich schminkte, andauernd in den Farbtopf spuckte, aber ich mußte ja meine Augen wegen des Schminkens geschlossen halten....... Auch das sind Erinnerungen. Und natürlich dann der Herrensalon vorne, mit den beiden Friseurplätzen, den Holzsesseln, bei denen die Sitzfläche umgedreht werden konnte und und und.
Egal, die andere Erinnerung ist ein Besuch bei einem meiner "Kindsdeandl, die im Hinterhof hinter einem dieser Wohnungen hinterhalb des hölzernen Umgangs gewohnt hatte. Wie in vielen Handwerkerhaushalten, war es auch bei uns in der Bäckderei so, dass meine Mutter für den Laden zuständig war und gleichzeitig für ALLE Angestellten kochen mußte. Manche unserer Bäckergesellen und Lehrlinge (=Bäckerburschen), so sie nicht in Kötzting wohnten bzw. verheiratet waren, wohnten bei uns im Burschenzimmer und wurden, zumindest was die Brotzeit und das Mittagessen betraf, von uns bekocht.  Für uns Kinder, solange wir zu klein für den Kindergarten waren, war dann ein Kindsdeandl zuständig. Solch ein Kindermädchen nahm mich einmal mit zu sich nach Hause und ich durfte ihre Stapel an Filmprospekten bewundern. Damals konnte zu jeder der Filmschnulzen, die im Kötztinger Kino liefen, ein sepiabraunes DINA4 Doppelblatt als "Werbeflyer" erworben werden und diese Filmprospekte sammelte mein Kindsdeandl.

Repro 3471 Aufnahme Frau Christa Rabl Dachs




Wer bis zum Schluß im Hause blieb war der "Bader Max", Pongratz Max mit Namen, ein Herrenfriseur, der bis hinauf ins hohe Alter seinen Fassonschnitt den Männern andiente. Als er seinen Friseurladen schloß, endete das Leben im "Fischerpeterhaus"

Es gab aber vorher noch eine traurige Tragödie, auch wenn die Geschichte damals viel Staub aufwirbelte und der Vorgang und die Namen in der Zeitung standen, so habe ich doch den Familiennamen der Täterin geschwärzt, er tut auch nichts zur Sache. Was damals genau pasiert ist steht in den beiden Artikeln der Kötztinger Zeitung








Auch das gehört zur Geschichte des Hauses Nummer 41, beim Fischerpeter Liste der Hausbesitzer:


  • 1584 Andreas Weiss                       nicht gesichert
  • 1620 Hans Christian Yettinger
  • 1638 Christian Yettingers Erben
  • 1638 Adam Türrigl Probstrichter und sein Bruder Adam Mauerer in Grub
  • 1672 Hans Hoffmann
  • 1688 Michael Hoffmann
  • 1705 Pächter Mathias Dengscherz
  • 1708 St. Sebastiani Bruderschaft Kötzting
  • 1708 Pächter Hans Georg Pachmayr
  • 1709 Johann Sigmund Schlögner
  • 1715 Wolf Billich
  • 1719 Andreas Billich
  • 1740 Johann Ferdinand Mayr
  • 1740 Johann Georg Druckmüller im Tausch mit J.F. Mayr
  • 1744 Jakob Haselbeck
  • 1746 Johann Georg Silberbauer
  • 1772 Josef Silberbauer
  • 1821 Jakob Silberbauer
  • 1857 Josef Silberbauer
  • 1883 Maria Silberbauer 00 Fischer Peter
  • bis 1965     Fischer Karl 
  •  
    Am Schluss jetzt noch ein Potpourrie an Materialien, die sich nachträglich noch zu diesem haus und seine Bewohner finden lassen:
Kötztinger Umschau vom Juni 1967
     Kötztinger Nachrichten(eine mir bisher völlig unbekannte Zeitung) von 1891
Danksagung des Magistrats an alle beteiligten Feuerwehren der Umgebung
    Kötztinger Umschau vom März 1976
     Der Zeitungsartikel über den letzten Bader in Kötzting entstand als Reportage und offensichtlich waren auch Frau Serwuschok von der Kötztinger Umschau dabei, denn in Ihren Unterlagen fanden sich einige Bilder dieser "Heilmethode"
Der Bader Jakob Hauser mit den
Schröpfköpfen
     
     
     
     
     
     
     
Zwischenstand der Verwandlung vom Aschenputtel zum ??, mal schauen


    wird fortgesetzt....
     
     
     
     
     

     

Mittwoch, 9. Mai 2018

Impressum

Clemens Pongratz                                
Sudetenstraße 7

93161 Sinzing

email: clemens.pongratz@t-online.de

Mittwoch, 2. Mai 2018

Die Renovierung der Sinzinger Pfarrkirche von 1835-1851

  oder anders: was haben Kötzting und Sinzing gemeinsam?

kurz gesagt: beide sind "Beuteoberpfälzer" und beide haben ihre Wurzeln im Niederbayerischen.



alter Aktendeckel des Vorgangs aus dem Staatsarchiv Amberg
Einleitung oder was ein alter Archivdeckel alles erzählen kann: 



Als Archivpfleger und mehr noch Heimatforscher im Stadtarchiv Bad Kötzting liegt mein Hauptforschungsfeld natürlich weniger in Amberg, als Standort der früheren Regierung der Oberpfalz (zu der wir seit der Gebietsreform von 1972 zwar jetzt auch gehören, s.o. Beuteoberpfälzer) und des dort angesiedelten bayerischen Staatsarchives, sondern vor allem im bayerischen Staatsarchiv von Niederbayern in Landshut.
Bei der Durchsuchung des Aktenrepertoriums der früheren Kammer des Inneren stolperte ich dann über einen Akt über Sinzing und habe ihn natürlich gleich ausheben lassen.
neues Deckblatt Staatsarchiv
Landshut









                                                      Bereits auf dem Deckblatt des ungefähr 5 cm dicken Aktes sieht man die "Reise", die Sinzing und damit auch dieser Kirchenbauakt im 19. Jahrhundert hat machen müssen, bis es endlich seinen Platz in der Oberpfalz gefunden hatte, durchaus mit Ähnlichkeiten zu Bad Kötzting.
Doch zuerst einmal zurück zur "turbulenten" Geschichte Sinzings, turbulent, was die regionale Gebietszugehörigkeit angeht.  Bis heran ins 19. Jahrhundert gehörte Sinzing, wie man auf gut bayerisch sagt, "gerichtsmassig" zum Pfleggericht Kelheim, das heißt, um im bayerischen Idiom zu bleiben: "eingesperrt worden sind die Sinzinger in Kelheim". Das dortige Amt hatte sowohl die Hoch- als auch - bis auf wenige Ausnahmen - die Niedergerichtsbarkeit für Sinzing über.  (siehe auch Rudolf Ottlinger, Sinzing, von den Anfängen bis zur Gegenwart Seite 116ff.)  
Die Niedergerichtsbarkeit umfasste neben der Abstrafung von kleineren Delikten (kleine, sehr kleine Diebstähle, Beleidigungen und Raufereien ohne Waffen bzw. ohne dass Blut geflossen war) auch alles das, was heutzutage ein Notar und ein Grundbuchamt zu verbriefen hat. 
Die Grundherrschaft - also den "echten" Besitz der Bauernhöfe und der Grundstücke - über die 52 Anwesen teilten sich im Wesentlichen die Klöster Prüfening und der Damenstift Niedermünster. Um also bei der obigen, etwas flapsigen, Definition zu bleiben, Polizei, Richter und Notare kamen aus Kelheim, die Hauptsteuern wurden an die beiden Klöster nach Regensburg und damit eigentlich ins nichtbayerische Ausland - bezahlt.

Sinzing, als Teil des Pfleggerichtes Kelheim, war also bis 1808 niederbayrisch, genauer, da Niederbayern damals  zweigeteilt war, gehörte Sinzing zum sogenannten "Straubinger Landl".
Die beste Karte des "Straubinger Landls" habe ich bei Wikipedia gefunden, auch wenn sie die Situation nur für das 14. und 15. Jahrhundert darstellt, als dieses Herrschaftsgebiet zusammen mit Holland(!) - genau, DAS Holland, auch Amsterdam, Rotterdam und Den Haag waren einmal niederbayrisch, zusammen mit Sinzing und Kötzting - das Herzogtum Straubing Holland bildete.

Die obige Karte zeigt den "rechtlichen" Zustand im 15. Jahrhundert, in Wirklichkeit waren Teile davon, z.B. die Landgerichte Cham und Waldmünchen an die oberpfälzer Linie des Hauses Wittelsbach verpfändet und wurden somit damit von Amberg aus verwaltet. Das Pfand  - alles im Zusammenhang mit dem Hausvertrag von Pavia - wurde wohl aus Geldmangel nie ausgelöst. Das heißt, der östliche - und ärmere -  Teil des LGs Cham mit der Stadt Furth und den Märkten Eschlkam, Neukirchen beim hl. Blut und Kötzting wurde ausgelöst, Cham aber blieb als Pfand bei Amberg und so musste ein neues Verwaltungszentrum geschaffen werden >>>>>>> das Landgericht Kötzting wurde gebildet.
Nachdem sich mehrere Zweige der Wittelsbacher an dem Straubinger Erbe bereichert und das Herrschaftsgebiet von allen Seiten arrondiert hatten, wurde der Kern des Straubinger Landl Teil des Herzogtums Niederbayern Landshut. In Straubing herrschte als Vertreter des Herzogs der Vizdomb mit seinem Rentmeister. Der Anspruch auf die Landgerichte Cham und Waldmünchen wurde nie mehr eingelöst.

So war, vereinfacht gesagt, die weltliche Struktur und Zugehörigkeit Sinzings und seiner Bewohner über viele Jahrhunderte, bis sich mit der Errichtung des Königreichs Bayern als Folge der Napoleonischen Eroberungen alles änderte, bzw. eben alles auf den Prüfstand gestellt wurde. Mit der Säkularisation verschwanden die Klöster und der Staat übernahm die früheren klösterlichen Untertanen unter seine direkten Fittiche.


Übrigens auch damit ähnlich wie mein Heimatort Bad Kötzting und dessen Umgebung. Der Markt hatte seine Unabhängigkeit durch langwährende Prozesse kurz vor dem Ausbruch des 30jährigen Krieges erreicht, aber viele Orte und damit viele Bauern mit ihren Familien waren Untertanen das Klosters Rott. Durch die Säkularisation der Klöster wurden wie gesagt deren Untertanen "verstaatlicht" und so gingen ab da auch die Grundabgaben nach Kelheim.
1808 wurde dann bei der Erstellung der bayerischen Provinzen der Regenkeis gebildet, wiederum mit der Hauptstadt Straubing, die beteiligten Landgerichte blieben dieselben, dies dauerte bis 1838, dann wurden wieder die alten Namen eingeführt und Sinzing war wieder gut niederbayrisch geworden, mit seinem Landrichter in Kelheim.
Jetzt wirds ernst, es kommt eine Art Gebietsreform auf den Nahbereich von Regensburg zu. Regensburg, seit 1838 auch die Hauptstadt der Oberpfalz lag nun sehr, sehr knapp am südlichsten Ende der Oberpfalz. Bereits direkt am Stadtrand begann damals Niederbayern. So kam es 1857 zu einer Neugliederung und der Schaffung der sogenannten "Landgerichte älterer Ordnung" (ab 1862 Bezirksämter genannt und später dann in Landratsämter umgewandelt). Langer Rede - kurzer Sinn, bei der Neuerrichtung und damit notwendigen Neugliederung der Landgerichte musste Kelheim Federn lassen. Viele Orte der südlichen Umgebung Regensburgs - von Grass über Hohengebraching und Pentling  bis herüber nach Sinzing - wurden dem neuen Landgericht äO Stadt am Hof zugewiesen. Damit war Sinzing ab 1857 Teil der Oberpfalz geworden.

Wie es sich für eine saubere Neugliederung gehörte, musste Kelheim folgends dann auch alle Akten aus seiner Registratur abliefern, welche mit seinen "verlorenen" Ortschaften zu tun hatten. So kam dann der Akt über die Renovierung und den Anbau der Sinzinger Pfarrkirche nach Amberg.
Jetzt ist es aber so, dass der Vorgang lt. Deckblatt den Zeitraum von 1835-1851 umfasste und, weil in den Archiven eigentlich das Provinienzprinzip gilt, wurde der Akt offensichtlich zwar in Amberg registriert und in den Findbüchern erfasst, viel später aber bei der systematischen Durchsicht der Bestände (vermutlich erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts) dann wieder nach Niederbayern abgegeben, weil eben der Vorgang dort begonnen und auch abgeschlossen worden war.
Betrachtet man den Aktendeckel genauer, so sieht man am oberen Rand noch zusätzlich die Bezeichnung Stadtamhof - Bezirksamt. Also ist der Akt erst nach der Einführung der Bezirksämter (1862) in Regensburg angelegt worden, später ins Kreisarchiv Amberg ( nun Staatsarchiv) gekommen und schlussendlich wieder nach Niederbayern verfrachtet worden.
Wir haben also nun einen Akt der
Regierung der Oberpfalz und von Regensburg
Kammer des Inneren
Sinzing 
die Pfarr Kirche 
1835-1851
 abgegeben vom Bezirksamt Stadtamhof, der nun im Staatsarchiv von Niederbayern in Landshut zu finden ist:
Das war nun eine lange Einleitung, aber nun gehts los mit der

Sinzinger Pfarrkirche

Das Staatsarchiv Landshut hat im Jahre 2017 einen Probeversuch gestartet und lässt seither alle Archivbesucher, allerdings nur mit gewissen Einschränkungen, mit eigenen Kameras photographieren. Ich habe dies in dem vergangenen Jahr reichlich genutzt und auch diesen Akt komplett digitalisiert. Da die Benutzung eines Stativs untersagt ist, sind die Bilder manchmal etwas schief geraten, dies nur zur Erklärung.
Anschreiben Gemeindeausschuss an das Landgericht Kehlheim
Am 19. Januar 1835 schreiben  die Mitglieder des Sinzinger Gemeindeausschusses an das königlich bayerische Landgericht zu Kelheim: Da nun gegenwärtig die Pfarrkirche Sinzing nicht nur innerlich sondern auch äußerlich sich in ruinösesten Zustande befindet, und zwar so wenn nicht in Bälde Hilfe erfolgt hinsichtlich der Dachung, so ist zu befürchten der Einsturz des Gewölbes, wo so dann auf einmal der gröste Theil der Gemeinde samt Priester ihr Grab in der Kirche finden kann. Nachdem nun diese Kirche überhaupts zu klein für diese Pfarrgemeinde ganz verarmt und mehr einer Räuberhöhle als einem Hause Gottes ähnlich ist, so stellt daher das königliche Pfarramt im Namen der ganzen Pfarrgemeinde Sinzing ihr tringenste und gehorsamste Bitte, daß durch behender Mitwirkung des königl Landgerichts Kelheim diese Kirche nicht allein ausgepessert, sondern um 10 Schuh wolle länger gebaut werden. Die Gemeinde macht sich dazu verbindlich nicht nur allein alle Fuhren unentgeltlich zu verrichten, sondern auch noch an denen











Klageschrift der Sinzinger Pfarrgemeinde, die Kirche sei
eher eine "Räuberhöhle"
Arbeitern und Handlangern einen großen Ersaz
zumachen. Wir trösten uns in der sichersten
Hoffnung, wo die Noth am größten ist da ist
auch die Hilfe am nächsten. Anbei verharren

in der ausgezeichnetsten Hochachtung
das königl(iche) Pfarramt Sinzing samt
der ganzen pfarrgemeinde
den 19. Januar 1835
dem königl(ichen) Landgerciht
Kelheim
 
Gemeindeausschuß
( da  es persönliche Unterschriften sind, bin ich mir nicht ganz sicher beim ersten:)
Pockes (?) Vorstand
Franz Gschwendner
Fahrnholz Stiftungspfleger
Johann Neumüller
 gehorsamster Peter Pfarrer mp (manus propria= mit eigener Hand)


die Gschwendner waren eine alt eingesessene Familie in Sinzing:











Mauerer Kostenvoranschlag



















Es folgen ausführliche Zustandsbeschreibungen und Kostenvoranschläge der Mauerer, Zimmerer, Schlosser, Glaser und Steinmetze.

Der Zimmermann verweist in seinem Kostenmvoranschlag auf den offensichtlich von ihm verfaßten Plan:










Plan des Anbaus in der Pfarrkirche Sinzing


















So stellt sich im Situationsplan der Anbau und die Renovierung dar, unterschrieben vom Mauerermeister  Carl Dobmayr und vom Zimmermeister Johann Rieghammer: zu sehen ist der geplante Anbau, die, im Text ausdrücklich erwähnte, schiefe Stellung des Turms zum Langhaus, die kleine Sakristei und die Stiege hinauf zur Kanzel
bei der späteren Bauausführung ist man wohl vom Plan abgewichen, hat das Langhaus bis ganz an die hintere Grenze hin verlängert und daher den Eingang seitlich verlegt, möglicherweise ist dies auch ein Kind späterer Umbauten, weil das Fenster obnerhalb des Portals auch zu dem Plan des Langhauses mit den vier Fenstern und einem rückwärtigen Eingang passen würde.

Zeitgleich mit dem Hilferuf der Sinzinger Pfarrgemeinde stellt das Landgericht Kelheim die rechtliche und wirtschaftliche Lage der Pfarrei Sinzing dar und verweist bereits auf die Herkunft aus dem Besitz der Regensburger Klöster - wegen der Baulast - und seiner nunmehrigen Stellung  im königlichen Ärar. Sie schreibt dies als Kommentar zum Sinzinger Antrag an die Regierung für den Regenkreis nach Straubing.

Die Kirchenstiftung Sinzing habe ausweislich der Kirchenrechnung von 1832/34 allgemeine Kapitalien in Höhe von 481 Gulden und an vergebenen Jahrtagskapitalien (= heutzutage würde man sagen an ausgeliehenen Geldern, Kirchen und fromme Stiftungen waren damals die einzigen legalen Geldgeber) 480 fl. Aus diesen Kapitalien erzielte die Pfarrgemeinde einen jährlichen "Gewinn" von 26 Gulden und erhielt weitere 10 Gulden als Pachtschilling von verpachteten Grundstücken. Die Rechnung endete nach Auflistung sämtlicher Ausgaben mit einem Verlust von 46 Gulden.
Das "Gutachten" endete mit der Frage bzw. Feststellung: Wie und auf welche Weise sonach wenigstens die dringendsten Bedürfnisse gedeckt werden sollen, hierüber wird höchste Entschließung sich erbethen.
Zuerst geschah aber nichts:
Die Regierung ließ mehr als ein ganzes Jahr vergehen bis die königliche Baukommission im April 1836 sich bereitsfand die Situation der Sinzinger Kirche zu beurteilen: ....die Kirche steht auf einem von drei Seiten durch Stützmauern umschlossenen sehr beengten Raum, der 6 bis 8 Fuß über den umgebenden Gelände erhoben, nach keiner Seite hin einer Erweiterung fähig ist. Dieser Platz, und mit ihm noch einige ewnige Gehöfte, liegt auf dem linken Ufer das Laberflußes, der Pfarrhof und der bei weitem größte Theil des Dorfes Sintzing nehemn dagegen das rechtseitige Ufer des genannten, nicht unbeträchtlichen Flußes ein. Dieser letztere selbst ist nur um die Breite des Fahrweges längs der südlichen Kirchhofmauer von dieser getrennt, tritt aber nicht selten so weit aus, und schwillt so stark an, daß die zur Kirche gehenden nur auf weiten Umwegen und nicht ohne Gefahr zu derselben gelangen können. Der Pfarrer ist dann genöthiget, das ganze rechtseitige Ufer hin ab zu gehen, dort über den Fluß zu setzen, und dann am linken Ufer hinauf auf einem Umwege von mehr als 1/4 Stunde zur Kirche zu kommen, die nur etwas 100 Schritte vom Pfarrhof entfernt liegt.
Diese Kirche besteht derzeit aus einem Langhaus, einem alten Turm, dessen schüfe Stellung gegen ersteres vermuthen läßt, daß hier in früherer Zeit ein anderes gebäude gestanden, wie auch der Thurm seiner Konstruktion und Form nach, weit älter als das Langhausist. Nördlich ist die Sakristei und Treppe zur Kanzel angebaut........ Das Altar des Thurmes, der üble Zustand seines von mehreren Spängen durchsetzten Gemäuers beurkunden die vielen in letzteres eingelegten Schlaudern (Maueranker); die engen Fenster u.v.m. der Turm ist mit einem pyramidenförmigen , mit Schindeln gedeckten Dach von quadratischer Grundfläche versehen, die Dachbedeckung in sehr schlechtem Zustande.......werden Gänge, Stühle u.s.w.mit in Auftrag gebracht - für den Menschen 4 QF (Quadratfuß) gerechnet so wird die vergrößerte Kirche 1460/4 = 365 derselben fassen können. Nach der Angabe des königl. Pfarrers beträgt aber dermalen schon die Zahl der die Kirche besuchenden - 700, woraus hervorgeht, daß die größtmögliche Erweiterung das bereits vorhandene Bedürfnis nur wenig über die Hälfte seines Betrages zu befriedigen vermag. 
 
Ausschnitt aus www.Bayernatlas.de :  historische Karten

Aus diesem Grunde sei jede Erweiterung eigentlich zwecklos und, weil in den Kostenvoranschlägen ja die notwenigen Reparaturen der Altsubstanz gar nicht vollständig miteinbezogen wären, so folgerten sie weiter:
Sollte möglich sein - wozu Aussicht vorhanden ist - das neue Gebäude auf einer günstigeren Stelle am rechtseitigen Ufer aufzuführen, so würden hierdurch auch alle übrigen aus der Situation der stehenden Kirche hervorgehenden Inkonvenierungen beseitigt werden. Die Kosten eines Neubaus würden wohl gerade mal das zweifache der angeschlagenen Summe für die Erweiterung und die Reparaturen ausmachen.
Es solle
1. die Zahl der die Kirche Besuchenden amtlich ermittelt werden.
2. Die Requisition des Ackers neben dem Pfarrhause -im Besitz des Brauers Gschwendner -  solle ins Auge gefaßt werden.
3. Eine zuverlässige Liste mit "definitiver Erklärung", welche Dienste die Kirchengemeinden von Sinzing und Bruckdorf leisten würden, solle erstellt werden.

Im Mai 1837 schreibt die Kirchenverwaltung mit Pfarrer Georg Steiner wieder an die Landbauinspektion und meldet höchsten Bedarf an, da das schadhafte Schindldach des Turmes höchste Gefahr nicht nur für das Gebälk, sondern auch für den Altar und den Chorraum darstellte.
1841 schaltet sich die Regierung von Niederbayern, Kammer des Innern ein und schreibt an das Landgericht Kelheim um dieses zu einem Zuschuss zum Erweiterungsbau zu veranlassen: .....die Kirche besitzt kaum so viel Vermögen, dass sie ihre Existenz decken kann, und der jährliche Überschuß erscheint nach dem Matrikel Cataster vom Jahre 1839 in der geringen Summe von 13 fl 4 xr. (Immerhin gibt in diesem Jahre wieder einen Überschuss, anders als 6 Jahre zuvor)

Um die Höhe dieser Summe einschätzen zu können, benutze ich ein kleine Umwegrechnung mit dem Bierpreis. 1 Gulden(fl) hatte damals 60 Kreuzer(xr) die Maß Bier kostete 3 Kreuzer. Für einen Gulden bekam man also damals 20 Maß Bier. Nun muss man ja nicht die Oktoberfestpreise zugrunde legen um so auf ein Äquvalent von ca. 70-80 Euro für einen damaligen Gulden zu kommen. Der Jahresüberschuss der Pfarrgemeinde Sinzing betrug im Jahre 1839 also gerade mal gut 1000 Euro.

Am 8. März 1842 bittet die Kirchen- und Gemeindeverwaltung Sinzing erneut - mit ausgearbeiteten Kostenvoranschlägen - um die Zustimmung, um noch im selben Frühjahr mit dem Bau beginnen zu dürfen. Sie führen an:
1. Die (politische) Gemeinde habe sich doch erbietig gezeigt, neben den freiwilligen Leistungen auch die Neufassung des Hochaltars finanziell zu schultern. .....ist der Altar abgebrochen und zum Faßen nach Regensburg transportiert worden.Dieser Altar würde erst wieder errichtet, wenn derBau/ die Reparatur abgeschlossen sei,..... die Aufrichtung des Altars jedoch nicht mehr zu lange geschoben werde, weil er zur Abhaltung der gottesdienstlichen Verrichtungen nicht wohl entbehrlich ist.
Die Methode ist nicht schlecht, den Altar auf eigene Kosten abzubrechen und das Fehlen desselben dann als Druckmittel für die fehlende Baugenehmigung zu benutzen. 

2. Die Gemeindebürger hätten im April und Mai eher Zeit mitzuhelfen, ...wo nicht gerade die Feldarbeiten ihre Kräfte in Anspruch nähmen....dies hier umso mehr, da die Gemeinde Sinzing größtentheils aus Söldnern und Häuslern besteht, die ihre Wirtschaft ohne fremde Dienstbothen betreiben. Daher in den Sommer- und Herbstmonathen vollauf zu thun haben.

3. Äusserte die Gemeinde die Bitte auch die Sakristei vergrößern zu dürfen, da diese so bescheidenen Raumes ist, dass es nicht möglich ist, einen Schrank zur Aufbewahrung der Paramenter anzubringen. Es müssen daher dieselben immer frei herumhängen oder liegen, was auf baldige Abnutzung sehr schädlich einwirkt. Bei dem geringen Vermögen der Kirche wäre es um so mehr zu wünschen, wenn die Kirchengeräthe durch sorgfältige Aufbewahrung möglichst geschont würden.
Rückseite der alten Pfarrkirche, links angeschnitten die Sakristei, der frühere Treppenaufgang ist verschwunden, dafür gibt
es auch auf der Nordseite eine Eingangstür.

Unterschrieben wurde die neuerliche Eingabe vom Pfarrer Weinzierl, dem Kirchenvorstand Fahrnholz und vom Kirchenpfleger Pockes

Im Dezember 1841 schreibt die Kirchengemeinde wieder an das Landgericht und verweist darauf, dass es nun schon 10 Jahre her sei, dass das erste Bittgesuch geschrieben worden war.
Sie schreiben, dass...die Pfarrei, welche vor 20 Jahren keine 480 Seelen zählte, jetzt 530-540 zählet, während die Kirche nicht 200 gehörig zu fassen vermag. Auch finden sich jederzeit am zweiten Sonntag die Bewohner von Riegling und Kleinprüfening, die von ihrer Mutterkirche zu weit entfernt sind, hier beim Gottesdienste ein, so daß an solchen Tagen die Kirche ganz vollgestopft ist und im Gange immer eines eng an dem anderen lehnen muss.
Aber es wird wieder Winter, im Dezember 1842 das nächste Schreiben der Kirchenverwaltung, wieder ist das zu kleine Gotteshaus angesichts der zahlreichen Besucher ein Hauptargument und...wegen dieses Gedränges geschieht es in den Sommermonathen auch, daß junge Leute in die Kirche gar nicht mehr hineingehen, sondern vor der Thür draussen stehen bleiben, wo dann häufig Unsinn getrieben wird. Welche Andacht, welche Aufmerksamkeit auf das heilige Messopfer und auf das Wort Gottes läßt sich wohl da erwarten, wenn man nicht Platz zum Stehen, geschweige denn zum Knien findet.....Wie ist unter jungen Leuthen, die sich gemischten Geschlechtes beim Eingang der Kirche zusammendrängen, zu verhüten, dass nicht manch Ärgerniss und Ausgelassenheiten an einem so heiligen Orthe vorfallen. Der Pfarrer sah sich auch leider schon mehrmals genöthiget, über solchen Unfug und solche Skandale laut seine Stimme während des Gottesdienstes zu erheben. Eine Lösung sieht der Pfarrer nur in der Erweiterung der Pfarrkirche.
Der neue Stiftungspfleger heißt in diesem Jahr: Scheibmer, Pfarrer Weinzierl, Vorstand Fahrnholz, wie im Vorjahr.
Weiter gehts im Juli 1843;
1. In Sinzing regnets nun rein, die provisorischen Dachausbesserungennwürden das Wasser direkt in das Gemäuer leiten. Vor allem die neugefaßten Seitenaltäre sind das Opfer der Witterungsunbilden. Die Altartücher seien durchnäßt und würden verfaulen.
2. In der Filialkirche Bergmatting seien in der Nähe des Turmes einige "Daschen" herabgefallen. An einigen Stellen im Langhaus könne man "in freien Himmel hinausschauen".
3. Das Pfarrhaus sei von aussen voller Risse und Sprünge. Im Winter ist es bei allem Aufwande des so teueren Holzes schwer, das Wohnzimmer des Pfarrers im ersten Stockwerke nur nothdürftig zu erwärmen.
Nächster Versuch im Januar 1844:  dieselben Argumente an dieselbe Regierung: Ergebnis, es stehe der Pfarrei Sinzing frei, den Vorschriften gemäß, sich an die Bezirksbauinspektion zu wenden.....
1845 versucht das Bauamt in Landshut zuerst einmal zu ermitteln, wer in diesem Falle die Baupflicht habe....schaut sich den ganzen Verlauf der Anfragen an und stellt fest, dass diese seit dem Jahre 1837 zu den Staatsgebäuden zähle....dann schauen sie sich die Akten nocheinmal an und finden einen Hinweis des Rentamtes (=Finanzamt) Kelheim, dass das in Frage stehende Objekt nunmehr als ein Stiftungs Eigenthum erscheine und daher eine andere Behörde (Referat 2) zuständig sei, jedenfalls nicht mehr die angeschriebene Landbau Inspektion.
Sinzing schreibt im März 1845 erneut an die Regierung und bekommt die Mitteilung, dass die Akten an das Referat 2 abgegeben worden waren.



Juni 1845, Sinzing fragt nach, was mit ihrem Bittgesuch sei....
Landshut schreibt an den Rand des Bittgesuches als Auftrag an seine Unterbehörden, zuerst einmal zu klären, wie Sinzing, als ehemaliger Besitz des Klosters Prüfening, überhaupt einzuordnen sei.

Nun gehts ab ins Königlich bayerische Allgemeine Reichsarchiv, dies klärt im Juni 1845 das bayerische Innenmisisterium darüber auf, dass in den archivierten Akten des Klosters Prüfening keine Anhaltspunkte über die Baulast zu finden sind und verweist auf eine andere Behörde in München.

Nun kommt Hilfe von ganz anderer Seite, das Ordinariat schaltet sich ein und richtet eine Bitte an die Regierung von Niederbayern.
Aber wieder geht nicht vorwärts. Wir schreiben nun bereits das Jahr 1847 und Sinzing braucht einen neuen Pfarrer, der Pfarrprovisor, also der provisorische Pfarrer, Josef Eckert, bietet an die Pfarrei nicht mehr zu besetzen und das damit eingesparte Geld für die Baukosten zu verwenden.
Das Ordinariat ist überhaupt nicht amüsiert über diesen Vorschlag.
Im Juli 1848 versucht Sinzing den Status der Kirche als aerarisches Gebäude, also als staatliches, zurückzugewinnen und zweifelt die Recherchen der Regierung an uind meldet "Gefahr in Verzug", der Turm drohe einzustürzen. Unterschrift Nicolaus Erb Pfarrprovisor
Heureka: am 1.7.1851 erhält Sinzing die Zusage über 1506 Gulden von Seiten der Regierung.
Der Akt endet unvollständig mit einem Schreiben des Landgerichts Kelheim an das Finanzministerium im Dezember 1851, in dem darauf hingewiesen wird, dass die Kirchenverwaltung Sinzing wegen der Baulast und der angeforderten Rückzahlung des Zuschusses offensichtlich einen Prozess zu führen vorbereite.
Landshut meint nur trocken, wenn sie  - die Sinzinger - ihre Position mit Urkunden beweisen können solle die Kirchenverwaltung dies tun, verweist aber gleichzeitig auf die dabei entstehenden Prozesskosten, die Sinzing dann schultern müsse.
Zumindest sollte damit das (Um)Baujahr der alten Sinzinger Pfarrkirche feststehen: es war wohl das Jahr des Herrn 1851