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Dienstag, 25. Dezember 2018

Kötzting vor 110 Jahren --- das Jahr 1909

Wie immer ist das Grundgerüst die Berichterstattung im Kötztinger Anzeiger des Jahres 1909, ergänzt um Archivalien, die ihr Hauptaugenmerk auf dieses Jahr legen:
Der Kötztinger Anzeiger liegt mit Lücken in der bayerischen Staatsbibliothek in München zur Ausleihe auf.
Ganz am Anfang zuerst einmal ein Kuriosum, welches, so waren die redaktionellen Zeiten halt damals, locker es in die Kötztinger Schlagzeilen brachte:


Ein frecher Schelln-Solo

Tja, lieber Leser und hoffentlich Schaffkopffreund, das Blatt muss man sich schon genauer anschauen. Was würden sie machen, wenn sie es, an zweiter Hand liegend, bekämen?
ist das ein Schelln Solo oder nicht, wer hatte diese Nerven
in Kötzting des Jahres 1909?
Ein Solo ohne die 10(!) höchsten Trümpfe gewonnen mit
75 Punkten

Hoffen, dass jemand mit Ihnen spielt oder vielmehr hoffen, dass nicht jemand anderer all die Ihnen fehlenden Trumpfkarten in seinem Blatt vereinigt hat und damit einen Bombensolo durchzieht. Nicht so der ungenannte, aber „für seine schlechten (hier wohl frechen) Solos“ bekannte, Schaffkopfer in einem Kötztinger Wirtshaus im Jahre 1909.
Mit  dem Vorsatz das Solospiel zu riskieren hat er vielleicht einfach mal angekündigt: „a Spui hätt´i“. Wenn jetzt keiner sagte: „I aa“ konnte er wohl davon ausgehen, dass die ihm fehlenden Trumpfkarten einigermaßen gleichmäßig auf die anderen drei Mitspieler verteilt waren --- und dann sagte er wohl noch, um gar keinen Zweifel an seinem bombensicheren Spiel aufkommen zu lassen, kurz und bündig: „Schelln Solo“. Auch wenn die einzelnen Spielzüge nun nicht übermittelt sind, so muss man doch davon ausgehen – und das war sicher die Hoffnung und einzige Chance des Spielers, dass der Auswurfspieler, so wie es sich auch heute noch gehörte, mit einem Farbspiel eröffnete und zugleich die anderen zwei auch noch die jeweiligen Zehner und Könige  „blank“ stehen hatten  und damit zwangsläufig zugeworfen werden müssten.
Somit konnte er alle seine „Säue“ gut gefüttert nach Hause bringen und die Anderen standen am Ende blamiert da mit ihren vielen Trumpfkarten.
Das freche Spiel „ohne 10“ wurde nicht einmal knapp sondern mit 75 Punkten gewonnen und der Spieler konnte seine Rangliste – im Vorjahr hatte er ein Solo „ohne 9“ gespielt und gewonnen – toppen und strich neben dem Ruhm, ein ganz ausgefuchster Schaffkopfer zu sein, auch noch 1,50 Mark als Gewinn ein.

2 Wochen Haftandrohung fürs Schlittenfahren im Markt


Es ist Winter in Kötzting und wieder werden die Straßen des Marktes als Wintersportmöglichkeit genutzt, so sieht sich der Magistrat erneut veranlaßt ein verbot auszusprechen:
Wie wenig dieses Verbot beachtet wurde, habe ich bereits vor einigen Jahren mit dem Blog: Wintersport auf Kötztings Straßen zusammengestellt.




Die Kötztinger Vereine werden aktiv und bestimmen den Jahresrhythmus

All die Jahre zuvor konnte man in Kötzting bereits miterleben und -lesen, welch große Rolle im täglichen gesellschaftlichen Umgang die Vereine spielten. Bei der Durchsicht der Zeitungen des Jahres 1909  ist es aber auffallend, dass die Vereine in diesem Jahr besonders aktiv waren. Es kommen neue Vereine hinzu, früher bereits existierende werden neu zum Leben erweckt und alle zusammen bitten zu Versammlungen und Veranstaltungen der verschiedensten Art




















Rotes Kreuz

Gleich Anfangs Januar hielt der neue „Männerverein vom Roten Kreuz“  im Nebenzimmer des Gasthauses „Zur Post“ seine Generalversammlung ab und wie bei vielen anderen „sozialen“ bzw. der Bildung bzw. Ausbildung dienenden Vereinen war auch hier der Bezirkshauptmann von Fuchs der Vorstand und die höheren Beamten seiner Behörde stellten Teile der Vorstandschaft.
Es geht um die Verbesserung der Ausrüstung, zu den 4 vorhandenen Sanitätsmützen werden gleich noch 8 weitere beschafft. Auch wenn die junge Sanitätsmannschaft noch nicht offiziell errichtet war, so konnte doch  schon von Einsätzen berichtet werden: mit dem „neu angeschafften Krankentransportwagen, in welchem der am Ludwigsberg beim Rodeln verunglückte Einjährig-Freiwillige Herr Albert Kirschner[1] durch Mitglieder der Sanitätsmannschaft in sein elterliches Haus gebracht wurde.“

 Albert Kirschner war der Bruder des später in Kötzting sehr bekannten Julius Kirschner, des energischen Förderers und Mäzens des 1. FC Kötzting. Die Familie Kirschner besaß ein Haus in der Marktstraße, jetzt Hausnummer 13, die Mitglieder dieser Familie wurden im dritten Reich wegen ihrer jüdischen Abstammung verfolgt, unterdrückt und enteignet, verhaftet und teilweise in Konzentrationslager ermordet.  

Am 22. März kam es dann zur offiziellen Gründung der „freiwilligen Sanitätskolonne Kötzting“, die sich aus dem oben genannten Männerverein rekrutierten. Der erste Kolonnenführer, der seine Mannschaft auch noch ein paar Ehrenbezeigungen üben lies, war der Zahntechniker Konrad Krämer.











Die Unterrichtsstunden fanden im Gasthaus Georg Mühlbauer statt und bei guter Witterung vor dem Dreger Keller. Im Laufe des Jahres folgten Marschübungen über Pulling und Weissenregen. Später fanden Nachtübungen im Gelände oberhalb des Sperlhammers statt, bei der das Errichten eines Notlazarettes und das Absuchen des Geländes nach Verwundeten und das Anlegen von Notverbänden unter reger Anteilnahme von Interessenten geübt worden war.
Staatsarchiv Landshut Rep 164-8 Nr. 4082 Situationsplan
Zündholzfabrik Gschaider
Die Saisonschlussübung sah dann einen Katastropheneinsatz vor, bei der von Rad fahrenden Sanitätern alarmiert, die Rettungskräfte nach einer angenommenen Explosion in der Gschaider´schen Fabrik die ganze Stafette von der Erstversorgung bis hin zum Notlazarett und dem Abtransport der Schwerverletzten mit einem Spezialwaggon von der Station Zellertal nach Kötzting üben mussten.





 Die Verwundeten im Notlazarett wurden von Damen des Frauenvereins vom Roten Kreuz betreut.



Staatarchiv Landshut Rep 164-8 Nr 4082 Bauplan Fa. Gschaider der angenommene Ort der Katastrophenübung
 
















Am Schluss noch zwei weitere Berichte von Übungsscenarien:





















Katholischer Gesellenverein


Im Januar war auch Generalversammlung des katholischen Gesellenvereins (= Vorläufer des heutigen Kolpingvereins) bei welchen sich auch der neue Pfarrer Nagler vorstellte. Die Namen der jungen Vorstände sind auch uns heute noch geläufig: Vitus Oexler als Vorstand, Josef Holzer als 1. Ordner und Huber Xaver als 2. Ordner, als Schriftführer fungierte Franz Liebl.
Der gesellenverein, mit seinem vereinslokal beim januel und dessen Bühne im Saal war in Kötzting immer der Garant für Theateraufführungen und eine kleine recherche im Internet zeigt, dass das Stück: "in Civil" von Gustav Kadelburg tatsächlich auch auf größeren Landestheaterbühnen zu der Zeit gespielt wurde. Kötzting war mit seinem Laienspieltheater durchaus auf der Höhe der Zeit.
Programm"flyer" des herzoglichen
Theaters in Meiningen von 1893
























Natürlich spielte man in diesem Jahr auch gerne Stücke des Waldschmidt, Hofrat Maximilian Schmidt - hier die Anzeige für die Aufführung im November




Nachdem der Präses des Gesellenvereins, der Kooperator Franz Xaver Späth, nach Bad Abbach versetzt worden war, gaben ihm seine "Gesellen" einen würdigen Abschied


























Kreuzeinweihung im Zellertal

Ebenfalls am 5. Januar erfolgte die Einweihung eines großen und schweren Steinkreuzes auf der Straße nach Steinbühl an der Abzweigung nach Kammern. Durch die „Munifizenz (=Freigiebigkeit) des Gastwirtes Herrn Johann Kauer von Kammern konnte dieses Kreuz vom Steinmetzmeister Herrn Rauscher aus Grub“ errichtet werden. Der aus einem 70 Zentner schweren Granitklotz gemeißelte Steinsockel erhebt sich bis zu einer Höhe von 3,50 m und wird von einem 1,20 m hohen eisernen Kreuz gekrönt. Dreißig Mann hatten fast einen ganzen Tag zu tun um den schweren Stein an Ort und Stelle aufzurichten, anschließend wurde er von Herrn Kooperator Späth eingeweiht. Die Inschrift auf dem Gedenkstein weißt zwar Einträge von 1908 aus, aber die Aufstellung erfolgte nachweislich erst im Januar 1909.

Der Text auf dem Stein lautet von oben(Kreuz) bis herunter auf den Sockel:
Herr beschütze und segne uns
Errichtet von Joh(ann) und Cresc(enz) Kauer  1908

Barmherziger Jesus gib den armen Seelen ewige Ruhe: Abl(aß 7 Jahre) 4 Wunden
Guttes Herz Jesu sei meine Liebe 300 T(age) Abl(aß)
Guttes Herz Marias sei meine Rettung 300 T(age) Abl(aß)


Cafe "Drei Tannen" auf einer alten
Ansichtskarte
In diesem Jahre 2018, allerdings hat es eine unschöne Änderung beim Stein gegeben, die neue digitale Zeit verlangte wohl am Ortsende von Grub einen Verteilerkasten und den verantwortlichen Tiefbauern fiel kein besserer Platz ein als direkt neben diesem schönen Feldkreuz.
Ich hab den Riesenkasten hier nur am Rande dargestellt.....schön ist etwas anderes.
Hier nun als Abschluß noch ein altes Bild vom Gasthaus "Drei Tannen" welches dem Feldkreuz gegenüber am Hang der Straßenböschung liegt.





Zellertalbahn

Wie im Vorjahr schlagen die Wogen hoch bei der Diskussion um eine mögliche Zellertalbahn. Spaltenweise, und über mehrere Ausgaben verteilt, werden die Beiträge der beiden streitenden Parteien aufgeführt, Zahlen von Sägewerken, die an den einzelnen projektierten Strecken lagen, verglichen und dann auf zu erzielende Waggonladungen hochgerechnet.  Es geht schlicht um die Rentabilität der einzelnen Trassenführungen und die Teisnacher Papierfabrik spielt dabei eine zentrale Rolle. Viele Wünsche und Hoffnungen hängen im Kötztinger Land an diesem Projekt und die Beteiligten schenken sich nichts. Auch wenn wir in der Rückschau wissen, dass die Zellertalbahn nie gebaut worden ist sondern die Viechtacher Trassenführung realisiert worden wurde, 1909 war noch gar nichts entschieden und so gehen die Planungen, Sitzungen und hitzigen Diskussionen munter weiter. Ich möchte hier nicht schon wieder die alten Beiträge wiederholen, denn in diesem Zusammenhang habe ich bereits eine längere Abhandlung zusammengestellt, um mich hier nicht zu wiederholen einfach dem Link auf den Schi-Stra-Bus folgen


Lichtenegger Bund ein Garant für Lebensfreude im Fasching und Mehr




 Immer noch im Januar, die nächste Generalversammlung: Die Mitglieder des Lichtenegger Bundes beantworteten die Begrüßungsrede ihres Vorsitzenden mit dem Wahlspruch: “In Ehren fest“. Anschließend konnten sie dem Bericht entnehmen, dass es endlich gelungen sei mit dem Besitzer der Burgruine Lichtenegg einen notariellen Vertrag abzuschließen welcher es den „Lichteneggern“ ermöglichte die Instandsetzung der Ruine in Angriff zu nehmen. Gleichzeitig wurden 4(!) Faschingsveranstaltungen angekündigt, ein Ball und eine Herrenkneipe sowie einen Kinderball am Faschingsmontag und einem Kehraus am Faschingsdienstag. Darüber hinaus haben die „Lichtenegger“ weiterhin beschlossen, dass deren Veranstaltungen künftig nicht mehr an einem Samstag sein sollten. Dies war angesichts der Fülle an Veranstaltungen in Kötzting sicher ein weiser Beschluss der Herren Ritter, die nun auch unter der Woche dann einen GUTEN Grund hatten zu einigen Vereinsfeiern zu gehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 












Der Männergesangsverein

14. Januar, die nächsten Versammlung, nun der Männergesangsverein, der seine 52, Generalversammlung abhielt. Viele der Nahem im neu gewählten Vorstand sind uns auch heute noch ein Begriff: Josef Drunkenpolz, Schmiedemeister, der Privatier Gerhard Lukas und der Kaufmann Heinrich Rothmayr, um nur ein paar Wenige zu nennen. Auch dieser Verein kündigte eine Faschingsveranstaltung an  - er wolle eine Operette „ die Brautschau in Pamphilien“ zur Aufführung bringen

auch dieses Bild stammt aus dem privaten Photoalbum von Frau Vogl, geb. Mieleitner und zeigt die aktiven Mitglieder des Kötztinger Männergesangsvereins, allerdings schon von dem Jubiläum 3 Jahre zuvor.

Für Kötzting in diesem und für viele weitere Jahre ist der Priester in der vordersten Reihe 2. von rechts, Herr Späth, interessant, er wird eine Rolle beim Pfingstritt spielen; dann der "mächtige" Mann - so sagt man wohl - vorne Mitte Herr Kapfer, rechts neben ihm Herr Barthelmes, der Kassier des Verschönerungsvereins (kommt später noch). Es ist durchaus wert, dieses Bild mit den Beschriftungen vom Arbeitskreis in Ruhe zu analysieren, weil darauf viele bekannte namen markiert sind.










Gabelsberger Stenographenverein
Der Gabelsberger Stenographenverein  konnte mit seinen 48 Mitgliedern nun auch schon auf 10 Jahre Vereinsleben zurückblicken und berichtete von lebhaft besuchten Anfänger- und Fortgeschrittenenkursen. Auch die Stenographen beteiligten sich am Fasching in Kötzting und veranstalteten ein Fastnachts=Tanzkränzchen im Saal des Gasthofes Lemberger, bei dem viele schöne Masken erschienen waren und die Veranstaltung einen hochzufriedenen Verlauf genommen hatte, stand genau so euphorisch in der Zeitung.


Ein neuer Pfarrherr – ein neuer Kooperator

Ende Januar fand die feierliche Inthronisation des neuen Pfarrers Nagler statt, der ja im vergangen Dezember dem nach Deggendorf versetzten Pfarrer Elser nachgefolgt war. Nach dem Überreichen der Insignien der Kirche und dem Hochamt schloss die kirchliche Feier und vor dem Portal des Kirchenhofes wies der königliche Bezirksamtmann  von Fuchs den H.H. Pfarrer Nagler in seine weltlichen Funktionen ein. (Der jeweilige Ortspfarrer hatte als Schulprovisor die Aufsicht über den Unterricht, die Prüfungen und auch über die Lehrer)
Die anschließende Feier im Hotel „Zur Post“ endete mit dem üblichen Toast auf den Bischof und den Prinzregenten.Kurz nach der Installation des neuen Pfarrherrn wechselte der 1. Kooperator Späth als Pfarrprovisor nach Abbach.  
Kooperator Franz Späth wurde eine stimmungsvolle Abschiedsfeier zuteil, der Männergesangsverein, deren Mitglied er war, lies es sich nicht nehmen den kulturellen Rahmen für diese Feier zu gestalten, in der er auch als Schützenbruder, als Orchestermitglied und sogar als Ritter beim Lichtenegger Ritterbund verabschiedet wurde, von seiner Mithilfe in sozialen und karitativen Vereinen ganz zu schweigen. Franz Späth wird zwar nach Abbach versetzt, allerdings auch hier als Pfarrprovisor, also als jemand, der eine verwaiste Pfarrstelle zu verwalten hatte, bis ein neuer Pfarrherr intronisiert worden war. Er bereits in sehr kurzer Zeit wieder in den Kötztinger Raum zurück und stieg nun vom Kooperator zum  Expositus auf. Er war maßgeblich daran beteiligt, eine Pfingstreitertruppe aus dem Hohenbogenwinkel alljährlich nach Kötzting zu führen.








Naturrodelbahn auf dem Ludwigsberg

Rechnung von Wolfgang Ludwig für Herrn Lehrer Drunkenpolz
für Arbeiten der Rodelbahn 3.50 Mark
Eine größere Gesellschaft von Damen und Herren des Chamer Wintersportvereins machten einen Ausflug nach Kötzting um die 800m lange Rodelbahn auf dem Ludwigsberg zu benutzen, die den Anforderungen einer Sportbahn vollkommen genügen würde und nur der Auslauf in die Distriktsstrasse hinein wäre etwas hinderlich jedoch  könne dieser Übelstand leicht bereinigt werden. Angesichts der Bestrebungen um Touristen könne es sich Kötzting nicht leisten ins Hintertreffen zu geraten, daher wird dringend vorgeschlagen, dass sich auch in Kötzting ein Wintersportverein gründen möge. Es wäre zwar vor Jahren ein Eislaufverein ins Leben gerufen worden, jedoch „eingeweihte Kreise wüssten, dass dieser Verein leider nur zu oft Anlass zu Reibereien zwischen der Beamten und Bürgerschaft war. Hinter diesen Reibereien steckten einfach die unterschiedlichen Interessen und Ansprüchen der Eisstockschützen und der Schlittschuhfahrer auf der einen Seite und der bierbrauenden Bürgerschaft auf der anderen, die seit Jahrhunderten das Eis des Regenflusses zum Kühlen und damit Haltbarmachen des Bieres benötigten. So wünscht sich der Verfasser dass man die Vorstandschaft in die Hände besonderer Persönlichkeiten Kötztings legen möge, denn „einem kräftigen, aus allen besseren Kreisen sich rekrutierenden Wintersportverein wird es sicherlich gelingen auf friedliche Weise den Eigensinn der hiesigen Brauer zu brechen, damit nicht gerade die für Eislaufzwecke geeigneten Plätze im Regenflusse zur Eisentnahme benutzt werden“ (siehe später der neu gegründete Wintersportverein)


Hochwasser im Februar

Am 7. Februar berichtet der Kötztinger Anzeiger von einem Unwetter mit anschließendem Hochwasser, das in Kötzting verheerend gewütet hatte. Der hiesigen Marktmühle wurden gegen 600 Blöcher fortgeschwemmt. Brücken, Stege, Überfälle und Zäune wurden von dem Wasser arg mitgenommen. neben den Ufern des weißen Regens lagern Blöcher, Holzteile usw. und sind die Sägewerksbesitzer bemüht ihre fortgerissenen Sachen zu suchen. Die Post von Viechtach konnte schon einige Tage nicht kommen, nachdem die Straßen unfahrbar gemacht waren. Am meisten litten die Straßen nach Viechtach und Bodenmais. Gestern wurden diese von mehreren Männern freigemacht, um den Fuhrwerksverkehr aufrecht zu erhalten. An manchen Stellen befindet sich noch Eis. Der weiße Regen hat nun seinen früheren Stand wieder. Einige Wiesen stehen noch unter Wasser
Soweit die nüchterne Ausführung in der Zeitung:
Im Stadtarchiv Bad Kötzting gibt es einen Akt, der das Ausmaß der Schäden sichtbar macht.

Nachdem es offensichtlich bayernweit zu großen Schäden durch das Unwetter gekommen ist, erlaubt "seine königliche Hoheit" dass von Haus zu Haus eine Sammlung veranstaltet wird. Der Bürgermeister Liebl (Bankhaus Liebl - nun Volksbank in der Marktstraße) kündigt eine solche Sammlung an.










hier der Beginn der dreiseitigen Sammlungsliste: folgt man der Liste, sieht man dass der "Sammler" vom ratshaus beginnend das Rathausgässchen hinunter, dann Müllerstraße, Spitalplatz, zurück wieder herüber über die Brücke und hinauf zum Pfarrhof und zum Bezirksamt (das sind die großen Beträge in der ersten Spalte links), dann gehts die Herrenstraße nach vorne, unterer Markt und hinauf über die Marktstraße. Mit dem Kalb in der Kupferschmiedgasse endet diese erste Seite.



Es folgt eine Auflistung der einzelnen Schäden:
hier die Bürger
Schwarz Josef Hausnummer 80: ihm fehlt sein Gartenzaun, der Düngerhaufen, Holz und das Heu wäre nur noch als Einstreu zu verwenden
Amberger Josef Hausnummer 63
(=Marktmüller, welcher von einer Schadenshöhe von 1200 Blöchern schreibt)
Mühlbauer Carl Hausnummer 70, der als Bäcker 2 Zentner Salz und 1.5 Ztr Mehl als Verlust angibt.


















Der Magistrat selber stellt eine eigene Schadenliste für die Straßenschäden zusammen: dort findet sich unter anderem auch der Verschönerungsverein (siehe weiter unten)
Die 200 Meter lange Weganlage vom Lindner bis zur Brücke nach Weissenregen ist durch das Hochwasser vollständig ruiniert. Der ganze Weg muss mit gutem feinen grus wieder beschottert werden. Auch die Baumanlage ist arg geschädigt.
Für Wiederherstellung des Weges, Ankauf und Fuhrlohn für Schotter, Arbeitslohn, Ankauf und Einsetzen von neuen Bäumen, Wegräumen von Eis auf dem Wege ist ein betrag von 200 Mark notwendig.
Die anderen Wegsschäden sind der Eisenbahndurchgang beim Lindner, der Weg zum Bleichanger und zur Wiesmühle. Ersatz der großen Waschbank, samt Dach am Regen und die öffentliche Badeanstalt beim Wührbinder.

Bild von Heilmeier um die Jahrhundertwende, im
Vordergrund die Kötztinger Waschbänke























Die Jäger und ihre Beute

Immer wieder ist in den Berichten von besonderem Jagdglück die Rede, zum Teil von kuriosen – zum Teil von besonderen Jagderlebnissen:

Josef Brey aus Chamerau
Herr Josef Brey, Schuhmachermeister und Jäger von Chamerau hatte heute (17. März) das Glück, einen ganz fremden Vogel zu fangen. Wie man den Vogel heißt, konnte man nicht erfahren, da denselben bei uns niemand kennt. Derselbe hat grauschwarze Farbe, gelblich grüne Füße mit Schwimmhäuten versehen, sammetschwarzen hals, kleine rote Augen, einen langen weißen spitzen Schnabel, welcher hinten breit auseinander läuft und bis zur Hälfte am Kopfe emporgeht. Er hat kurze Flügel und gleicht in der Größe einer kleinen Wildente. Es dürfte wahrscheinlich ein Wasservogel sein und sich von Fischen ernähren, da derselbe am Regen gefangen wurde. Er frisst auch rohes Fleisch, Kartoffeln etc.

Josef Brey, der Mühlschuster von Chamerau, war um die
Jahrhundertwende  aus Stanning zugezogen

Ende April war dann das Glück dem Herrn Karl von Sperl hold, als er in der Lederdorner Jagd ein Prachtexemplar von Auerhahn erlegen konnte.


ein Aprilscherz von 1909




Es wird April und so wie heute versucht die Redaktion ihre Leser in den "April zu schicken", was ihnen noffensichtlich auch gelang:











der neue Radsportverein


Am 25. April wurde der nächste Verein gegründet. In einer gut besuchten Versammlung im Josef Deckerschen Gasthaus wurde der Radsportverein aus der Taufe gehoben. Auch hier sind es wieder bekannte Namen, die sich die Vorstandsarbeit teilten: Georg Pongratz, Schreinermeister, Franz Traurig, Sattlermeister, Christian Bauer, Schneidermeister.
Dia Repro 1899 Kötztinger Radfahrer im Windorferanwesen
heutzutage Steuerbüro Kern


























"Conrad Krämer d. Alte" schrieb über diesen Verein - allerdings verlegt er die Vereinsgründung in das Jahr 1908. Es ist, wie bei vielen Vereinen durchaus möglich, dass es bereits Monate vor der richtigen vereinsgründung zu vorbereitenden treffen gekommen ist, die in der Erinnerung als der Beginn einer Vereinstätigkeit gelten.
In einem Bericht über Meidinger Karl, einem Gendarm und Tausendsassa am Anfang des 20. Jahrhunderts in Kötzting schreibt er: 1908 gründeten wir einen Radfahrverein, wir machten allerhand Ausflüge, schafften und eigene Sportbekleidung (Bemerkt sei die gute alte Zeit) Christian Bauer ( der Christianschneider in der Schattenau) schneiderte und aus braunem Manchesterrock und Bundhosen sage und xschreibe für 35 Mark. Mützen liesen wir uns auch kommen und zwar aus Aluminiumblech, mit blauen Bändern. Einmal machten wir einen Ausflug zu einem Burgfest in Lichtenegg mit den Rädern, da besorgte sich Karl einige Eier beim Kastl, ebenso Fett, und machte sich Spiegeleoier in seiner Blechmütze auf offenem Feldherd. Ging er, um sich Köder zum Fischen zu holen, brachte er die grundln und Milkoppen lebend in der Mütze aus Blech.


Freiwillige Ortsfeuerwehren


Haus - Arndorf - Sperlhammer

FFW Arndorf














 
 Ebenfalls am 25. April kam es im Kauerschen Gasthof in Kammern zur Gründung der freiwilligen Feuerwehr Arndorf, bei der sich unter Anleitung des Bezirksfeuerwehrvertreters Liebl aus Kötzting gleich 51 aktive und 11 passive Mitglieder anmeldeten. Josef Pritzel Bauer aus Arndorf wurde der neue Vorstand und Josef Wiesmeier, Häusler aus Grub, der erste Kommandant.



FFW Sperhammer


 
Genau einen Monat später fand in Kötzting die Fahnenweihe der freiwilligen Feuerwehr Sperlhammer statt. 31 Vereine fanden sich ein und auf dem Marktplatz vor der St. Veithskirche erwartete Pfarrer Nagler den Festzug der von Sperlhammer aus über Beckendorf herein gezogen war um die neue Fahne zu weihen. Frau Bürgermeisterin Berr aus Reitenstein heftete als Fahnenmutter  ihr Fahnenband an die neue Fahne und anschließend wurde im Wirtshaus Decker und in den angrenzenden Gasthäusern kräftig gefeiert..

 Die Rede O. Hamsas, eines Kötztinger Originals in der Zeit wäre interessant zu kennen, der Ostmarkonkel, sein spezieller Freund erwähnte diese rede nur ganz kurz, es ist aber schon überaschend, wenn ein für seine munteren und oft nicht sehr geschmackvollen Späße bekannter Photograph ohne Atelier zur Festrede gebeten wird.
"Conrad Krämer der Alte" schrieb in dem Manuskript seiner Erinnerungen 1929:
Die Festrede in Sperlhammer
Um die Schlagfertigkeit Hamsa`s zu charakterisieren folgendes: Die Sperlhammer freiwillige Feuerwehr hatte Fahnenweihe. Karl von Sperl sollte die festrede halten und war nicht dazu disponiert. Da erblickte er den Ottl und flux rief er denselben herbei und bat ihn doch die Festrede zu übernehmen: Ohne jedliche Vorbereitung ging Hamsa auf die Rednerbühne und hielt zur grössten Befriedigung Aller eine wirklich eindrucksvolle Festansprache.   Siehe auch mein Beitrag zur Jahreschronik 1908 in dem Otto Hamsa genauer vorgestellt wird.
Bald wird Otto Hamsa sein
Atelier in der gehringstraße eröffnen





















FFW Haus



 Am 7. Juni folgte dann die Fahnenweihe der freiwilligen Feuerwehr Haus, die damit auch gleichzeitig ihr 15jähriges Gründungsfest feiern konnten. Wegen des ausnehmend schlechten Wetters waren von den angemeldeten 21 Vereinen nur 8 gekommen, die sich zum Kirchenzug zusammen mit 2 Musikkapellen formierten. Pfarrer Nagler kam zur Feldmesse auf dem Dorfplatz vor dem oberen Meimerschen Gasthaus. Die Fahnenmutter war die Eiershändlersgattin Semmelbauer aus Haus, die Kötztinger Feuerwehr fungierte als Patenverein.
Anwesen Semmelbauer in Haus

















Pfingsten 1909

Titelblatt des Aktes im Stadtarchiv Bad Kötzting
Bittschreiben des Magistrats an das Pfarramt, den
herkömmlichen Pfingstritt wie seit 1412 üblich
durchzuführen
Dieses Pfingstfest sieht in Kötzting einen neuen Kooperator, H.H. Kooperator Riederer wird der neue amtierende Geistliche beim Pfingstritt. Dieser Priester war sehr an der Heimatgeschichte Kötztings interessiert und veröffentlichte im Laufe den folgenden Jahren eine Vielzahl kleiner Berichte und stellte auch selber Nachforschungen bei der Bevolkerung an, deren Ergebnisse er veröffentlichte. So schrieb er unter anderem über die Hofmark Reitenstein, den Freiherrn von Goehring, den Freisitz Haus und die Hofmark Grafenwiesen, über Watzlhof, Kammern und Schönbuchen. Er erforschte die Geschichte von Steinbühl, erzählte von Bärenjägern und berichtete von berühmten Kötztingern wie Graf von Armannsberg, Benedikt Stattler und Professor Denk. Auch Untersuchungen über die Einwohnerentwicklung Kötztings und der umliegende Dörfer stellte an. In Kötzting sammelte er die Daten der Pfleger und Bezirksamtmänner, stellte die Listen das Pfarrer und Kooperatoren seit 1803 auf und begann Familienforschung zu betreiben. So erstellte er eine vollständige Genealogie der Familie Passauer-Kollmaier und berichtete über die anderen alten Kötztinger Familiennamen  Auch versuchte er Veteranen der verschiedensten Kriege des (damals) vergangenen Jahrhunderts aufzufinden und dann deren Namen zu veröffentlichen.

Bezüglich des Alters des Pfingstrittes und der Pfingsthochzeit entwickelte er seine eigene Theorie und schrieb in einer kleinen Pfingstbeilage, dass, seiner Meinung nach, beide ihren Ursprung weit in heidnischen Zeit hatten, also seiner Meinung nach mehr als eintausend Jahre alt wären.
mit diesem Schreiben bittet der Magistrat die Redaktionen der verschiedensten Zeitungen einen von Kötztinger Seite vorbereitenten  Beitrag zu veröffentlichen.  Dieser Text beginnt seit vielen, vielen Jahren immer mit demselben Satz:
"Zähe hängen die Bewohner des Waldgebirges an ihren alten Bräuchen und Sitten......"


Beginn des Wunschtextes des Kötztinger Magistrats, der dann auch von einigen Zeitungen immer im gleichen Wortlaut Jahr für Jahr abgedruckt wird.
Die kgl. Eisenbahnbetriebsdirektion in Regensburg wird angeschrieben und um eine Abänderung ihres Fahrplans gebeten, damit die Fahrgäste rechtzeitig zum Ausritt abkommen könnten. Diese Bitte wird idR ebenso regelmässig abgelehnt, auch diesmal, der Sonderzug wird in Kötzting um 7 Uhr 16 aus Cham kommend eintreffen, während der Ritt um 7.15 Uhr beginnt. Wegen dieser Unnachgiebigkeit der Eisenbahnverwaltung wird in späteren Jahren der Ausritt an den Zugfahrplan angepaßt, daher jetzt der Ausrittzeitpunkt 8.00 Uhr. Gleichzeitig verschickt der Magistrat mit diesem Schreiben auch Pfingstplakate mit der Bitte diese in den einzelnen Stationen aushängen zu lassen.

Während sich der altherkömmliche Pfingstritt bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts offensichtlich selbst organisierte sind seit der Wiedereinführung 1821 sämtliche Behörden mit an Bord, daher ergehen im Vorfeld die verschiednsten Einladungen. Erinnerungen und Verbote.
Hier zuerst die Einladung an Alle Magistratsräte, Gemeindebevollmächtigte, Armenpflegschaftsräte und Kirchenräte zur Teilnahme am Kirchenzug zur Feldmesse und später um 12 30 Uhr zur Einholung der Pfingstreiter.




















Das königliche Pfarramt Kötzting wiederum Bestand auf der Bedingung, dass sämtliche Gasthäuser in der Marktstraße bzw. zumindest die im oberen Markt während der Feldmesse konsequent geschlossen blieben und die Gäste auch nicht einfach aus den Fenstern herausschauen dürften.
"Sollte diese Bedingung nicht eingehalten werden, so wird in Zukunft niemals eine Feldmesse bei der St. Veitskirche stattfinden".
Diese dringende Aufforderung von Seiten des Pfarramts wurde vom magistrat bekanntgegeben und sämtliche Wirte mußten dieses Schreiben auch unterschreiben.













Die dritte Einschränkung ist eine Verpflichtungserklärung des Pfingstbräutigams, die dieser auch persönlich unterschreiben mußte:
Darin verpflichtete er sich
1. dafür zu sorgen, dass die jeweilige Polizeistunde am Pfingstmontag und Pfingstdiensttag Schlag 12.00 Uhr Mitternacht eingehalten würde und die Musik zu schweigen hatte.
2. Eine wohl in früheren Jahren übliche Wanderung aller Beteiligten an der Pfingsthochzeit am Dreifaltigkeitssonntag nach
(ich glaube die gingen nach Grafenwiesen) nach verbot durch das Pfarramt zu unterlassen.
3. Der brautführer und sonstige junge Leute dürfen sich in der Behausung der Braut nicht zu größeren Unterhaltungen zusammengesellen.
4. auswärtige Personen dürfen nicht zur Hochzeit eingeladen werden.

Unterschrift: Sigmund Kammermeyer, der Pfingstbräutigam des Jahres 1909




Es folgt eine Einladung an das Pfingstkommitee, sich im Rathaussaal zur Besprechung einzufinden, hier gibt die Liste der Eingeladenen einen schönen Übreblick, wer die maßgeblichen Träger des Pfingstgedankens in der damaligen Zeit gewesen waren, es sind wie immer dieselben "Verdächtigen"
Natürlich der Pfarrer Nagler, das die Magistratsräte Stauber und Stoiber, die Brüder Michael und Josef Drunkenpolz, der eine ein Hufschmied, der andere ein Schullehrer. Karl Lindner, Georg Dreger, der Komandant Karl Vogl, Franz Schmid (Schmidbräu, Hotel zur Post) und Karl Obermeier

Werbeanzeige des Hufschmieds
Josef Drunkenpolz













Viele auswärtige Gäste bedeuteten auch viele Geschäftsmöglichkeiten, nicht nur daa im MArkt einige Kirtastände aufgebaut waren, auch die Photographen nutzen die Gelegenheit und eröffneten fliegende Ateliers:




Bild Holzapfels aus der "Mehlerchronik"
Im Jahre 1905 war der Kötztinger Hauptlehrer Holzapfel in Ruhestand getreten verlies seine langjährige Wirkungsstätte und zog nach Landshut zu seiner Verwandtschaft. Holzapfel war einer der treibenden kräfte beim Umbau des Galgenbergs zum Ludwigsberg, von der Viehweide zum touristischen  Schmankerl. In Dankbarkeit ernannten ihn die Kötztinger Magistratsräte zum Ehrenbürger und benannten die bis dahin namenlose Hohlgasse am Rande des Marktes in die auch heute noch so genannte Holzapfelstraße.
Zum wiederholten Male hatten ihn die Kötztinger zum Pfingstfest eingeladen, diesmal konnte er alle Hindernisse beseitigen und kündigte voller Vorfreude und Dankbarkeit sein kommen an.


...... Auf frohes, freudiges Wiedersehen schon nach wenigen Tagen! Herzliche Grüße und Empfehlungen an Sie, Ihrer hochgeschätzen Familie, sowie an die an der Einladung beteiligten Herren Mitglieder des Magistrats
Hochachtungsvoll
Euer Hochwohlgeboren

ergebenster
Karl Holzapfel
pens. Oberlehrer


















 Nun war es nach langer Vorbereitung Pfingsten geworden und mit Böllerschüssen (offensichtlich ohne Fackelzug) und dem morgendlichen Weckruf konnte der lange ersehnte Festtag beginnen:


Schon am Pfingstsamstag abends kam eine größere Anzahl von Festgästen aus verschiedenen Gegenden an und da es an diesem Abende stark zu regnen anfing schienen dien Pessimisten Recht zu bekommen, die besonders für Pfingstmontag miserables Wetter prophezeiten.“ Am Pfingstsonntag abends 8 Uhr verkündeten Böllerschüsse und gegen 9 Uhr Musik und Trommelwirbel die Einleitung der Festesfeier. Der Hauptfesttag selbst begann mitmusikalischem Weckruf und Böllerschüssen. Gegen 7 Uhr versammelten sich die Teilnehmer am oberen Markte bei der St. Veithskirche. Um Halb 8 Uhr setzte sich die Prozession unter Glockengeläute und Gebet der Teilnehmer in Bewegung.“
 ….“Gegen halb 1 Uhr kam die Prozession wieder aus Steinbühl zurück nach Kötzting. Unter dem Geläute aller Glocken, dem Knallen der Böller hielten die Pfingstreiter, während sie laute Gebete verrichteten, ihren Einzug umsäumt von einer riesigen menschenmenge – führwahr ein einzigartiger und erhebender Anblick. In der Herrengasse wurden sie von sämtlichen hiesigen vereinen empfangen und auf den sogenannten Bleichanger geleitet.“
Der amtierende Geistliche Kooperator Riederer hielt eine Ansprache und überreichte am Schluss seiner Rede dem Bürgerssohn  Sigmund Kammermayer den Tugendkranz – Filigranarbeit aus Gold. Weiters wurde geehrt Herr Brehm Stögmühle bei Ruhmannsfelden für 50jährige, Herr Bergbauer aus Gmünd und Hofmann von Kaitersbach für 30jährige Rittteilnahme.  Der Pfingsthochzeiter erwählte sich die Bürgerstochter Anna Oexler als Braut. Um 5 Uhr nachmittags erfolgte der übliche Burschenzug und um 6 Uhr der Brautzug durch die Marktstraße zur Brauerei Lemberger, abends der Ehrentanz, an dem sich alle ohne Unterschied des Standes bei echter Hundstagshitze beteiligten.“







Die Schnitzschule schließt ihre Pforten


Fast sang und klanglos wurde in Kötzting eine gute aber wohl nicht zukunftsträchtige Ausbildungsmöglichkeit beendet. Die frühere Schnitzschule in der Bahnhofstraße, im Eigentum der Distriktsgemeinde Kötzting, wurde notariell versteigert. Für 12250 Mark erhielt der Gastwirt und Hausbesitzer Josef Irlbeck aus Kötzting den Zuschlag.











Verschönerungsverein:

Es war im Jahre 1884. Da taten sich in Kötzting eine Anzahl Männer zusammen zu einem Verschönerungsverein. Männer voll Liebe für ihre Heimat müssen es gewesen sein, denn sie machten es sich zur Aufgabe, das was die Natur ihrem lieben Kötzting an Reizen schon verliehen, noch zu ergänzen und Kötzting zu dem zu machen, was es ist: „Perle des bayerischen Waldes““  das ist nur ein kleiner Teil der salbungsvollen und pathetischen Einleitung zum Fest des 25 jährigen Jubiläums des Kötztinger Verschönerungsvereines, von dessen Gründungsmitgliedern 1909 nur noch wenige lebten, der Forstmeister Johann Hubrich war einer von ihnen.

Erinnerungsstein auf dem Ludwigsberg Photo Frau Rabl-Dachs
Dia Repro 0349 des Arbeitskreises Heimatforschung eine Mitglieder Karte von 1913

Die heurige Generalversammlung hatte beschlossen aus Anlass des 25jährigen Bestehens des Vereins ein Waldfest auf dem Ludwigsberg abzuhalten, den zu begrünen und auszubauen in den letzten Jahren eines der Hauptaufgaben des Vereins gewesen war. Entsprechend stolz berichteten sie auch vom Ergebnis, wie er sich nun präsentierte:
 Vor allem der Ludwigsberg, vorher ein öder Hügel, nun mit herrlichem Wald überzogen bietet dem Einheimischen wie dem Fremden die lieblichsten Spaziergänge.“
Dieser Verein führte eine mustergültige Buchführung, mit jährlich GEBUNDENEN Rechnungsbüchern, die im Stadtarchiv 2 komplette Archivschachteln füllen. Aus den Einträgen kann man die vielen Bemühungen des Vereins um die Instandhaltung gerade des Ludwigsbergres und des Spatiliweges nachvollziehen. Allerdings scheint es nicht so gewesen zu sein, dass sich die Honoratioren Kötztings, die weitgehend die Mitglieder dieses Zusammenschlußes bildeten, selber bückten, sondern mit den gesammelten geldern wurden dann Arbeiter bezahlt, die diese "niederen" Tätigkeitren ausführten.

Stadtarchiv Bad Kötzting 134-8
Einladung des


Beleg Nr. 6 im Rechnungsbuch des 
 Jahres 1909
Einladung



Laut Beschluß der letzten Generalversammlung des Verschönerungsvereins Kötzting soll aus Anlaß des 25 jährigen Bestehens dieses Vereins auf dem Ludwigsberge ein Waldfest abgehalten werden, verbunden mit Festzug und Kinderbelustigung und Konzert. Diese Veranstaltungen finden nun , falls das Wetter günstig ist, am Dienstag den 27. Juli nachmittags 1/2 4 Uhr statt. Die unterzeichnete Vorstandschaft beehrt sich nun, Euer Hochwohlgebohren, als Mitglied unseres Vereins, sowie Ihre werten Familienangehörigen, die Kinder wenn möglich beliebig








 kostümiert, sowohl zur Teilnahme am Festzug, wie zum Waldfeste ganz ergebens einzuladen.
Sammelplatz zur Aufstellung zum Zuge 1/2 4 Uhr beim neuen Schulhause.
Für Rostbratwürste, kalte Speisen, Brot und ff. hellem Lindnerbier ist nach Möglichkeit gesorgt.

mit vorzüglivher Hochachtung!


Vorstandschaft des Verschönerungsvereins

                                      I.A.
                                      Drunkenpolz

Eine Mark Einsaggebühr
am 27.Juli 1909
Albert Kothbauer


Nur wegen dieser Randnotiz, links unten, ist dieses Einladungsschreiben im Rechnungsbuch eingeheftet, weil es eine Ausgabe darstellte. Albert Kothbauer erhielt also 1 Markt dafür die Einladungsschreiben an Alle Mitglieder zu verteilen.
Einladungen und Eintrittkarten mußten gedruckt werden: Rechnung der Fam Oexler Wilhelm.



Verschönerungsverein Kassa Kötzting: Wochenliste für die 16. Jahreswoche: 
Streurechen und Gängeputzen beim Ludwigturm
und beim Restaurationsplatz am 22.23. u 24. April 1909. 12 Mark und 24 Pfennig bekamen Simon Demel und seine Tochter für drei Tage Sauberkeitsarbeit.



22. Jahreswoche
Bänkchenreparatur und Wegrichten auf dem Ludwigsberg und Wegreparatur auf dem sogenannten Spatilliweg am 1. mit 5. Juni 1909

Erneut war es Simon Demel von Haus mit seiner Tochter, diesmal waren es 5 Tage.












Diverse Waren für fünf Mark berechnete das Kaufhaus Michael Gartner Ende Juli 1909





Der Bäcker Julius Krämer quittierte 7,55 Mark für seine Brotliefrung















Wochen nach dem Fest, berechnete der Philipp Krämer, der Metzger, 17 Mark für 203 Stück Knackw(ürste), das Dutzend für 1 Mark














Der Konditor Franz Liebl (=Lebzelter in der Schirnstraße, nun Parkplatz Wanninger) berechnete fürs Waldfest für 70 Stück Limonaden a´ 0,80 Mark

Die Firma Anton Haas: Eisengießerei,Schlosser und Spänglerei und mit gemischtem Warengeschäft lieferte Spielwaren im Wert von 3.56 Mark. Gummibälle, Drahtstifte und Draht.








Die allgemeine Abrechnung zeigt uns:
Einnahmen:
vom Kasperltheater                        10.51 Mark
vom Sternschießen                           5.80 Mark
vom Weingut für 6 Hektoliter Bier 18.00 Mark
                                                       ----------
                                                         34.31 Mark
Ausgaben:
An 4 Tambour bezahlt a 1.50 M          6.00 Mark
An Drechsler Huber für Hilfeleistung 7.00 Mark
An Kothbauer                                      2.00 Mark
An Schötz für Waren                           2.00 Mark
Für Ausläuten an Weidinger                1.50 Mark
An Trinkgelder für Botengänge
der Knaben und Bier für die Helfer
beim Dekorieren                                  3.00 Mark

Gelangt zur Ablieferung den Kassier  12.810 Mark


Es ist interessant, dass die Veranstaltung offensichtlich vom Diener Meidinger öffentlich ausgerufen worden ist.










dann gabs noch einen Zuschuss von Johann Weingut für 6 hl ausgeschenktes Bier bei dem Fest auf dem Ludwigsberg in Höhe von 18 Mark.






















Huber Xaver erhielt für die Reparatur der Scheiben und andere Arbeiten  am Ludwigsturm 7 Mark.
Selbst die Quittung mit Unterschrift über 1.50 Mark fürs Ausläuten von Herrn meidinger ist erhalten.












Niemand wurde ausgelassen, auch Josef Schötz, Eisenhandlung, Schlosserei und Spänglerei konnte eine Rechnung stellen, allgemein für "Waren" erhielt er 2.00 Mark.
Für die Beleuchtung des Platzes in den Abendstunden mußte man damals schon weiter auswärts suchen. Aus Straubing konnt der Verein 50 Lampions beziehen und auch von diesem Einkauf ist eine schöne Rechnung erhalten.


Das Waldfest, organisiert vom Lehrer Josef Drunkenpolz, war vor allem ein Fest für und von den Kindern des Marktes, die Erwachsenen waren hier zuerst mal nur begeisterte Zuschauer - trotz der ausgeschenkten 600 Ltr Bier bei einem gleichzeitigen Verbrauch an 70 Limonaden....... Und so berichtete dann die Presse von dem frühen Volksfest: „Unter den Klängen der Musik und freudigem Gejauchze marschierten Nachmittags 8 Uhr den Ludwigsberg hinan mindestens 200 Kinder in den buntesten Trachten kostümiert, darunter allerliebste Dingerchen. Die im Gabentempel aufgereihten Preise reizten zum Wettbewerb im Schiessen und Werfen, ein Kasperltheater erregt allgemeines Halloh, Brot und Wurst und Erfrischung labten die hungrigen Mägen“. Die Knaben der St. Josephs Pflege führten einen Fahnenreigen durch und führten eine Wiedergabe des Münchener Schäfflertanzes vor. Auch die Erwachsenen sollten nicht zu kurz kommen, es war gesorgt „für körperliche Labung und guten Trunk (Brauerei Lindner), für Augenweide durch das am Turme abgebrannte Feuerwerk für musikalische Unterhaltung durch die Vorträge des Männer=Gesangs=Vereins und unserer bewährten Musikkapelle Sperl

Von Frau Vogl, Kötzting, habe ich vor einigen Jahren die Erlaubnis erhalten ihr Familienalbum zu digitalisieren. Darin findet sich ein Bild genau dieses Waldfestes - zwar beschriftet mit: 1910(?) - aber schon das Fragezeichen macht es klar, es war das Waldkinderfest des Verschönerungsvereins von 1909. Schön ist auch, daher habe ich die persönlichen Anmerkungen bei dem Bild hier gelassen, dass, wie in einem Suchwimmelbild für kleine Kinder, es möglich ist, die bezeichneten Personen aufzuspüren.
Unabhängig von diesem Waldfest war der Verschönerungsverein natürlich auch das ganze Jahr über aktiv und davon zeugen noch einige andere Quittungen: gleich drei mal erhielt Herr Wolfgang Ludwig kleine Beträge - es müßte der Großvater unseres ehemaligen Bürgermeisters gewesen sein.


Bäumeputzen zum Rotensteg













dann eine Quittung über 7 Mark für die Reparatur des Weges zum Ludwigsberg, Baumfällen an dem Wege und ausputzen der Bäume und für Steinsprengen







Eine Quittung über den Erhalt von 6 Mark stellte Max Wensauer aus für das Brunnengraben auf dem Ludwigsberg
kompletter Bericht über das
Waldfest am Ludwigsberg aus dem
Kötztinger Anzeiger
























Das Waldschmidtdenkmal auf dem Riedelstein

Bild aus dem Krämerarchiv
Arbeitskreis Heimatfoschung Kötzting



schon vor Jahren angekündigt, jahrelang um Spenden gebettelt und immer wieder verschoben, die Errichtung des Waldschmidtdenkmals wäre beinahe an den Umständen gescheitert. Aber, Ende Gut Alles Gut, im  August 1909  war es endlich soweit, auf dem Riedelstein wurde das Denkmal für den Bayerwalddichter, Hofrat Maximilian Schmidt, genannt Waldschmidt feierlich im beisein vieler Honoratioren eröffnet.  Maximilian Schmidt, der mit dem Kötztinger Papierschleifwerk in Regenstein einen respektablen Konkurs hingelegt hatte - auch hier hatte die Eisenbahn, die nicht bzw. noch nicht in Richtung Kötzting gebaut worden war, ihre Auswirkungen bekam nun kurz vor seinem Lebensende seine Anerkennung als Dichter(fürst)




Rep 164-8 Nr. 2877 von 1907-0909
Errichtung des Waldtschmidtdenkmals auf dem Riedelstein





















Entwurf des Denkmals stammt von Ritter von Hauberrisser aus München aus dem Jahre 1907.
Dann gibt es von diesem Denkmal noch Bilder aus den 30er Jahren aus dem Bestand der ehemaligen kreisfilmbildstelle des Landkreises Kötzting von Joseph Bock










Gegen Ende des Jahres kam des dann noch einmal zur Gründung von neuen Vereinen.

 

der Waldverein

zwar keine Neugründung, aber eine Um- bzw. Neuorientierung.

Ein Verein, der heutzutage in Kötzting und in vielen anderen Sektionen des bayerischen Waldes eine große Rolle Spielt, der "Bayerische Waldverein" traf sich in Kötzting im Sommer und, wie man dem Zeitungsartikel entnehmen kann, fast incognito zu einer Generalversammlung und das ohne dass die Sektion Kötzting Bescheid wußte.
Der Redakteur geht nicht sehr positiv mit diesem Zusammenschluß um und spricht von großem Durcheinander und fehlendem Realismus.
Unter diesen bedingungen könne die redaktion keine Empfehlung für eine Mitgliedschaft aussprechen.
Gleichzeitig nahm aber die Redaktion eine Werbeanzeige des Waldvereins auf:




Der Kirchenbauverein





Ende Oktober wurde von der Kirchenkanzel herab ein Kirchenbauverein angekündigt, dem sich bereits nach wenigen Tagen fast alle Familien in Kötzting, die besucht worden waren angeschlossen haben, auch die Einwohner in den umliegenden Dörfern scheinen gerne und zahlreich zu dem neuen Verein hinzu stoßen zu wollen.








Sanitätskolonne in Haus
























Wintersportverein

Bereits im Februar, bei der überaschend intensiv von Auswärtigen Sportfreunden genutzen Rodelbahn auf dem Ludwigsberg, kam es zur Forderung in Kötzting einen eigenen Wintersportverein zu gründen, auch um die unterschiedlichen Interessen beim Wintersport zwischen Bürgern, Beamten und den Wirten zu begegnen. Auch die Zusammenarbeit mit den Wintersportfreunden in Cham und Lam und der Eisenbahndirektion wegen Sonderzügen gehöten zu den Wünschen. Im November vor der neuen Wintersaison war es dann soweit:


Ende November kam es dann im Gasthof „Zur Post“ dann endlich zur Gründung des allgemeinen Wintersportvereines, der gleich auf Anhieb  50 Mitglieder aufweisen konnte und den verschiedenen Wintersportarten, wie Rodeln, Ski- und Schlittenfahren, Schlittschuhlaufen und Eisstockschiessen Rechnung tragen wollte. Auch hier seinen ein paar Namen angeführt, die sicherlich vielen Kötztingern geläufig sein werden. Im Vorstand waren unter anderem  Pfarrmesner Obermayer, Zahntechniker Konrad Krämer, Privatier Franz Schmid, Architekt Michl Herre.




der Armenseelenbettel:


Noch in den 20er Jahren, aus welchen Jahren Joannes Linke seine Erfahrungen in unseren Dörfern machte, welche er dann in seinem Buch "Ein Jahr rollt übers Gebirg" beschreibt, findet sich der  Allerseelenbettel und seine Auswirkungen. Diese Bitte um die Allerseelenwecken am Allerseelenfeiertag vom 2.November, einem geschenktes Gebäck, das sich manche "Personen" - und nicht nur arme Bedüftige - gerne abholten war aber schon lange nicht mehr zulässig sondern von Amts wegen verboten, Dieses Verbot wurde auch öffentlich verkündet, ausgehängt und ausgesagt.
Der Markt, der ja eine eigenes "Management" für seine Bedürftigen betrieb, den Armenfond (auch das Spitalwesen gehörte mit in diesen Bereich) verteilte die eingesammelten Spenden an die Bedürftigen des Marktes.


Es wird Weihnachten und die Theateraufführungen beginnen wieder:
Der Jahreszyklus geht wieder zuende, die Vereine schließen ihre Jahresarbeit ab bzw. kündigen die Generalversammlungen an, mit denen, zusammen mit den jeweiligen Faschingsveranstaltungen der Jahresreigen in Kötzting zuverlässig seinen Lauf nahm.




 Neubauprojekte in Kötzting des Jahres 1909

 So wie heutzutage auch, nicht jeder Bauantrag führt schlußendlich auch in ein tatsächlich realisiertes Projekt, das heißt dass möglicherweise manchem bauherrn die "Luft" ausgegangen ist und das Bauvorhaben dann auf der Strecke blieb.. Das heißt, dass die Baugenehmigungen des Jahres 1908 nicht ungedingt auch ausgeführt bzw. genau so ausgeführt worden sind. Allerdings sind einige Baupläne derart schön und detailliert ausgearbeitet, dass ich hier noch einige vorstellen möchte:
 Das erste und vermutlich "seelisch grausameste" Projekt von allen des Jahres 1908 ist das Salettl des Schmidbräus. Gelegen an der Aussenseite zur Schackystraße (heutzutage Ludwigsstraße) praktisch DIREKT unter den Fenstern der Gefangenen im Amtsgefängnis. Auf 10 m Luftlinie fröhliche altbayerische Lebensfreude mit Musik und Gesang und, zwar auf der anderen Straßenseite, aber leicht in Hörweite, Tristesse in den Gefangenenzellen. das Ganze kann man aber auch als Unterhaltung - ohne Alkohol - auch für die Inhaftierten abtun, also eher eine Wohltat als eine Grausamkeit.
Staatsarchiv Landshut Baupläne Landkreis Kötzting Rep 162-8 Nr. 3456:
Schmid Karl Posthalter Sommerhalle und Abort


selbst die Toilettenanlage hat einen Charme
 Ist diese Ansichtsdarstellung nicht schön? Ich weiß nicht ob dieses Vorhaben ausgeführt worden ist, bei manchem lässt sich ja der Bauherr bewußt Zeit und......am Pfingstmontag früh morgens 1912, ganz kurz vor dem Ausritt des 500er Jubelrittes ist der Posthalter Karl Schmid überaschend gestorben, nachdem er federführend im Rittkommitee intensiv auf diesen Festtag hingearbeitet hatte.


 Das nächste große Bauprojekt - sicher ausgeführt - war der Umbau und teilweise Neubau am Ende der Schirnstraße. Hier war ja mal bis ins 19. Jahrhundert hinei das Kötztinger Gefängnis mit seinen Zellen (Keuchen) im Kellergeschoß und die Wohnung das Amtmannes.
Staatsarchiv Landshut Baupläne Landkreis Kötzting
Rep 162-8 Nr. 3457 Wohnhaus des Wieser Georg
In einen meiner ersten Blogeinträge habe ich über den Verkauf eines "FLASCHENGEISTES" berichtet, was den Delinquenten einige Probleme mit der Obrigkeit und einen Aufenthalt im Amtshaus=Gefängnis einbrachte. In diesem Blogbeitrag sieht man, dass der turmartige Anbau des "Wieser Girgl" tatsächlich einmal bestanden hatte.




Staatsarchiv Landshut Baupläne Landkreis Kötzting
Rep 162-8 Nr. 3458 ein Stadel des Schaffer Franz













 und am Ende ein schön koloriert ausgearbeiteter Plan eines Neubaus in der Gehringstraße. Das Haus von Rauscher Georg.
Staatsarchiv Landshut Baupläne Landkreis Kötzting
Rep 162-8 Nr. 3455

















die Gehringstraße Kötztings Neubaugebiet 


In den 80er und 90er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde die Gehringstraße bis herauf zum "oberen Oexler", der Buchdruckerei Vitus Oexler gebaut und auch als der "Kerscherbeck" an der Ecke gebaut hatte, war es zuerst einmal Schluß, oberhalb waren Wiesen und Gärten auf der Rückseite der Marktlehner vom Marktplatz. Dann entstanden in zeitlichem Zusammenhang mit dem Eisenbahnbau die ersten Häuser auf der linken Straßenseite und nun im Jahre 1909 sollte die Straße entgültig ausgebaut und bis zum Torplatz verlängert werden.




Georg Rauscher, der Mauerer, (siehe Bauplan weiter oben) bekam Probleme mit dem Magistrat. Anscheinend verlangte dieser dass Rauscher den Grund und Boden, der für eine projektierte Straße zu seinem Haus kaufen unjd verbriefen lassen sollte. Rauscher versprach zwar, tat abr nicht dergleichen und als der Bau soweit bereits fortgeschritten war, dass der Dachstuhl bereits gehoben worden war, schritt der Magistrat ein. Der - offensichtlich für Alles brauchbare - Polizeidiener Meidinger stellte den Bau ein.
Der Bezirksbaumeister Windisch erstellt eine Kostenrechnung für die 7 m breite Straße mit Rollierung und Aufschotterung und kommt dabei auf einen Preis von 39.34 Mark pro lfm Straße. Raucher mit seinen 8.50 lfm Hausfront kommt also auf einen Ausbaubeitrag von 8.50 geteilt durch 2 (weil er ja nur auf einer Seite der Straße baut) mal 39.34 also 167.19 Mark. Wofür er, um wieder weiterbauen zu können, einer Sicherheitsleistung zustimmt.













Wie immer am Ende in bunter Folge eine Mischung von Kleinigkeiten, wichtige und Unwichtige, die sich aber nicht zu einem großen Thema zusammenfaßen lassen:

Wirte - Vereinsfeiern - Geschäftsanzeigen

immer wieder schön - Rudolph Häfners Druckplatte für seine Werbeanzeigen, schön zu sehen der "außenliegende Treppenaufgang" des alten Rathauses, wurde erst in den dreissiger Jahren umgebaut, hinter den Toren waren die "Feuerrequisiten" untergebracht und am Rathaus war auch die Brandglocke.
Wo war 1909(!) das Cafe Zentral ich weis es nciht, vielelicht kann mir jemand auf die Sprünge helfen







Der Burschenvdreein kümmerte sich auch um die Rekruten, die nach der jährlichen Mustrung einrücken mußten.

















Wolfgang Ludwig eröffnete in seinem Haus beim Dregerkeller einen kleinen Lebensmittelladen

EIn Original Schuhplattler und Harfenkünstler konzertant im Deckerschen Bräustüberl, Herz was willst du mehr

Weissenregen





Die Hammermühle - der Windorferhammer

Nachdem die Familie Windorfer nach 4 überaus wirtschaftlich erfolgreichen Generationen ohne Nachfolger, ja man kann sagen, ausgestorben war, teilte dieses Schicksal auch der Windorfersche Waffenhammer, er kam unter den Hammer und es kamen die verschiedensten versuche auf und mit dem Anwesen wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Der nächste versuch nach einer genossenschaftlichen Viehzüchterei war nun eine genossenschaftliche Mühle mit Lagerhaus:



Thomas Strunz, wohl der letzte, der auf dem Windorfer Hammer als Waffenschmied tätig gewesen war, übte nun sein Handwerk, eher wie ein Störschneider, in den unterschiedlichsten landwirtschaftlichen Anwesen aus.
 Der Fredlbeck verkaufte sein Haus, welches übrigens erst im vorletzten jahr 2016-17 am Spital abgerissen worden ist, um einem Apartementblock zu weichen.
Auch einen Schirmmacherr hatten wir in Kötzting der allerdings gleichzeitig auch einen kleinen Lebensmittelladen betrieb
Heutzutage müssen sowohl die Bahn als auch die Strassenverwaltungen mit viel geld dafür sorgen, dass der Aufwuchs an Gras und Sträuchern nicht überhand nimmt. 1908 war dies eine lukrative angelegenheiten, selbst die Eisenbahnböschungen konnten gegen Pachtzins an den Meistbietenden versteigert werden.

Bevor die evangelische Kirchengemeind ein Kötzting die MathaeusKirche auf der Platte erbauen konnte (in den 50 er Jahren) hatten sie ihre Heimat in der Bahnhofstraße.





 Was an diesem Auschnitt aus aeiner Ansichtskarte besonders auffällt, ist nicht nur der schön geschmückte Gebäude der evangelischen Kirchengemeinde, sondern auch die über allem schwebende "Schreinervilla" auf dem vollkommen unbewachsenen Plattenweg im Hintergrund.









Kötzting erhielt einen neuen Friedhofswärter, diese Stelle übernahm, neben seiner Nachtwächterstelle, Johann Kalb, praktischerweise wohnte er mit seinem kleinen aber schmucken Haus mit Nebengebäude eh an der Friedhofsmauer in der Kupferschmiedgasse, Ein Ensemble übrigens, das ungedingt in seiner
wesentlichen Struktur und Holzschmuck erhalten bleiben sollte.



 Eine Institution starb, Josef Wagner, der Gumbirl, ganz kurz vor dem faschingswochenende, an dem er volles Programm in seiner Gastwirtschaft hatte, war er verstorben. Der Gumbirl, eines der beiden Vereinslokale des Lichtenegger Bundes mitsammt einer Kegelbahn im Garten, lag in der Marktstraße und ist heutzutage in besitz von Theo Heigl.






Das wars jetzt mit dem Jahresreigen 1909 und wer es bis hierher durchgehalten hat.......RESPEKT und auf ein Neues Jahr mit vielen hoffentlich interessanten Beiträgen aus der Geschichte Kötztings.