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Samstag, 13. Dezember 2025

Weihnachten am Herrenweiher

 

Weißt du noch, wie’s damals war: Weihnacht am Herrenweiher

 Eine Weihnachtsgeschichte von Haymo Richter

Damit zu Hause das Christkindl „hampern“ kann und nicht versprengt wird, müssen viele Väter am Nachmittag des 24. Dezember mit ihren Kindern einen Spaziergang machen.

Meine beiden Buben und ich hatten uns allerhand zu erzählen auf dem Weg hinaus vor die Stadt, am Kötztinger Bildungshügel vorbei hinauf zur Rieselshöh. Unten, in einer weiten Au, liegt der Herrenweiher. Fünf kleine Anwesen ducken sich vor dem Böhmischen Wind, der aus der Ecke des Hohen Bogen gnadenlos pfeift. Erinnerungen werden wach ....

Herrenweiher zur Weihnacht 1974: Noch immer einsam, noch immer schön



Heiliger Abend am Herrenweiher! Die Obstbäume rahmen den kleinen Hof schützend ein, der Wind hat wieder mal seinen Tag; er treibt den Schnee vor sich her und baut vor allen Hindernissen Schneewehen auf. Der Stall und die „Strahschupfa“ heben sich aus der lichten Schneewüste dunkel ab. Im weißen kleinen Bauernhaus mit dem hölzernen „Schrot“ brennt schon zur frühen Morgenstunde Licht. Still ist es rundherum, ein paar Hühner gackern, der Hund kläfft sinnlos die Katze an, die auf dem Apfelbaum sitzt, Morgenwäsche macht und sich die Pfoten leckt. Nur zögernd will der Tag anbrechen, die Sonne glüht dunkelrot im Zellertal und vom „Gstirzel“ her drohen dunkle Wolken, „da Schnee­wind wahd“.

Die Petroleumlampe brennt

Es ist Heilig Abend — vom Markt her hört man die Glocken zur dritten Messe, das Rorate ist längst aus. In der Kuchl drin sitzt um den alten Tisch herum die ganze Familie, nachdem das Vieh schon versorgt ist, um die Morgensuppe zu sich zu nehmen. Es wird dabei nicht viel gesprochen. Die Milchsuppe, die der Großvater vorher vom Brotlaib gekonnt mit dem Messer eingebrockt hat, wird gemeinsam aus einer Schüssel gelöffelt. Nichts deutet darauf hin, dass heute vor nahezu 2000 Jahren Christus auf die Welt gekommen ist. Die Petroleumlampe brennt wie an jedem langen Wintermorgen und wird erst nach dem Morgenmahl von der Mutter ausgeblasen.  Der Großvater zog den Überrock an und die Zipfelmütze über die Ohren. Dann ging er über den knirschenden Schnee, dem Wald zu, um ein kleines rotes Bäumlein zu holen, so wie alle Jahre am Heiligen Abend. Der Sepp verzog sich in die Werkstatt, um an der „Hoanzlbenk“ letzte Hand am „Wachl“ anzulegen, das sollte sein Geschenk an den Vater sein.

Ich stolperte in meine Holzschuhe mit den an der Sohle eingeschlagenen Eisen und ging in den Hof. Vom „Bamweiher“ hörte ich die Eisstöcke klingen, da gab’s kein zurück. Im Laufschritt war ich in wenigen Minuten drüben und stellte meinen „Stock“ beiseite, um zu warten, bis das „Bod aus is“ und man mich aufforderte, mitzumachen. Kein Gespräch um Geschenke, um Bescherung und Weihnachtsfeier. Während der „sechs, neune, aus“ — nur die Frage: „Gehds a ind Meddn, ha? — ja freila! Sist war o ned Weihnachdn“. Auch beim kargen aber deftigen Mittagsmahl deutet noch nicht viel auf das hohe Fest hin, es gibt eine Fastenspeise „an Ritschiund a gstondane Milch“.

 A weng a Glout und a Weihwasser

Erst im Laufe des Nachmittags, als die Großmutter immer wieder in die Kammer ging, um zu kramen, der Sepp so verstohlen umherschlich und der Großvater das kleine Bäuml in den hölzernen Christbaumständer einmachte, merkte man, daß heute ein besonderer Tag ist. Der Baum wurde auf den „Komodkasten“ gestellt, ein paar Kerzen und silberne Fäden hingen bald daran und unter den Baum stellte die Mutter eine kleine Krippe. „Heid ist de höchst Rauhnacht!“ — ließ der Großvater vernehmen. „Muadda doa af Kiraschaufe a weng a Glout und gib ma’s Weihwossa.“ — Ich durfte mitgehen, zuerst in den Stall, dann in die Scheune, in jeden Schuppen und auf den Boden. Kein Wort verlor dabei mein Großvater. Zu fragen traute ich mich nicht, doch als die beinahe feierliche Handlung zu Ende war, erklärte er mir den Sinn seines Tuns, das alles Böse vom Hof fernhalten soll ein ganzes Jahr und am Festtag der Heiligen Drei Könige werde er wieder mit Weihrauch und Weihwasser durch den Hof gehen und bitten, dass der Herrgott Unheil abwenden möge.
Heilig Abend: In da Kuchl steht vor dem Herrgottswinkel die Familie, der Großvater betet vor: „Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft...“ Dann holt die Großmutter aus der Kammer das Brot; der Großvater segnet mit drei Kreuzen den Laib, um dann die Anschnitte an die am Tisch sitzende Familie zu verteilen. Heiliger Abend, die Mutter zündet nun die paar Kerzen am Christbaum an und die bescheidenen Geschenke werden ausgetauscht. Da „Vadda“ bekommt seinen „Wachl“, die Großmutter ein neues Kopftuch, der Sepp ein Paar schafwollene Socken und ich neue Schienen für die Holzschuhe. Alsbald nimmt der „Vadda“ seinen Lieblingsplatz ein, er setzt sich auf das „Grantl“ des gemauerten Küchenofens. Der Hund ist heut auch in der Stubn und die Katze striegelt im Reisig herum, das vor dem Ofen liegt. Grad schön ist’s; da „Vadda“ erzählt aus früheren Zeiten, als es drüben am „Hammer noch weitzte“, als er als Fuhrmann mit den Pferdegespannen noch nach Amberg fuhr, um Eisen zu holen und als der Zaun des kleinen Wurzgartens vor dem Haus immer wieder von den langen Holzfuhrwerken umgefahren wurde. Er zwirbelt seinen Schnurrbart, die Großmutter war eingenickt...

Der gemeinsame Mettengang
Da gegen 10 Uhr, ein Klopfen an der Tür — „wos is lous?“ „Mochts af, da Nachba bin i.“ — „Ja so, gei no eina, und wiam de af.“ Bis es 11 Uhr wird, ist die Stube voll; alles sammelt sich aus der Nachbarschaft zum gemeinsamen Mettengang. Die Großmutter wird wieder wach und drängt uns, aufzubrechen, damit wir in die Metten nicht zu spät kommen. Die Laternen werden angezündet und die Großmutter geht zum Weihwasserkessel. Sie verabschiedet uns. Die beiden alten Leute bleiben zurück bei Haus und Hof. Über die Rieselshöh erreichen wir in einer kleinen halben Stunde den Markt. Dort und da knallt ein Schuß — das Christkindl wird angeschossen. Hinter den Vorhängen der Bürgerhäuser sieht man die Leut’ stehen. „Boa, heid hams wieda umannandpranxt und da Pfoara hod bereits a hoibe Stund predigt!“ — „Am Chor om hams ned amoi batzt!“ — „Da Mesner Karl — hatsn gseng? A mou a Kudn hom wie a Pfoara. Und g’schaut hod a wies Christkindl sejbai!“ — „Oba da Staudinger Pfoara hod wieder eign’afazt!“ So läuft das Gespräch nach dem nächtlichen Gottesdienst. Die Leute sind fröhlich. Man wünscht sich „guade Feierdog“ und ein „gouds hoamkemma.

Dann wurde die Lampe gelöscht
Drunt am Bräuhaus zünden wie wieder unsere Laternen an und schnell sind wir aus dem Betriebe des Marktes in der Stille des Herrenweihers. Wir gingen über den „Gänsgraben“ unmittelbar am Regen zurück. Schon von weitem, als wir die alte Brücke über den einstigen Ablaß des Herrenweihers überschreiten, leuchtet uns gleichsam als Wegweiser über die in der Mondnacht glitzernde weite Fläche das Licht aus dem Hof entgegen.

Die heutige Jahnstraße war Teil des Grafenwiesener Kirchenwegs
Ganz links am Bildrand erkennt man noch den Kanin des früheren Kommunbrauhauses, das im Text erwähnt ist.

Warm ist’s drin in der Stubn, das tut wohl, nachdem wir auf dem Rückweg von der Metten dem Wind aus dem Böhmischen grad ins Gesicht schauen mussten. Die Ohren und die Nasenspitzen sind klamm. Die Großmutter hat einen Tee hergerichtet, dazu einen Keil Brot.

Dann wünscht der Großvater eine gute Nacht. Er geht mit den Nachbarn noch vor die Haustür, bevor er die Petroleumlampe auslöscht.
Das war der Heilige Abend, ohne Schallplatten, ohne Radio und ohne Hast. Schön war’s damals...
Haymo Richter

Hinweis Wachl, das Geschenk für den Großvater: Soweit ich weiß ist eine "Wachl"  eine  hölzerne Vorrichtung an der Sense - ähnlich einem ausgestreckten Arm - die hilft beim Getreide mähen.

 Seit Herbst 2025 gibt es darüber hinaus eine „interaktive Karte Kötztings“ Auf ihr sind alle bisherigen Beiträge zur Häuserchronik sowie zahlreiche weitere historische Themen direkt in einer Stadtkarte verortet. Jeder Marker führt mit einem einzigen Klick zu den passenden Blogbeiträgen – übersichtlich, schnell und jederzeit abrufbar.

Die Karte funktioniert auf jedem PC und auch auf Mobilgeräten. Wer möchte, kann sie sogar als kleine App auf dem Smartphone speichern und wie ein eigenes Programm starten.

Wer neugierig geworden ist, kann die Karte hier öffnen:    🗺️ Interaktive Karte Kötzting öffnen


Montag, 19. Dezember 2022

Krippenausstellung in Neukirchen beim hl. Blut

 Viele der Filmnegative - eigentlich die meisten -, die wir nach dem Toden von Frau Serwuschok erhalten haben, haben einen kleinen Zettel angepinnt, auf dem die Zeitungsausgabe vermerkt war, für die die Bildern gemacht bzw. ausgesucht wurden. Es gab jedoch einen "wilden" Haufen von einzelnen Negativstreifen, bei denen uns das Datum fehlt und deshalb sind wir auf Mithilfe angewiesen, um die Bilder auch zeitlich zuordnen zu können.

Es muss in den späten Neunzigern gewesen sein, als das Wallfahrtsmuseum in Neukirchen zu einer Ausstellungseröffnung einlud. Dieser Einladung folgten viele Interessierte und von dieser Veranstaltung haben wir einiges an Bildmaterial von Frau Serwuschok erhalten.
Hier also, passend zur Vorweihnachtszeit einfach nur schöne Krippendarstellungen aus Neukirchen

Bethlehem ist überall
Einblick in die Welt der Krippen
1.12.1994 - 5.2.1995




Das Christkind als Fatschenkind

Johann Dendorfer, der 1. Vorsitzende des  
Vereins der Krippenfreunde des Oberen Bayerischen Waldes e. V.



Die passende Musik  Holzblasinstrumenten

v.l. Günther Bauernfeind - Egid Hofmann - Johann Dendorfer und  Hans Wrba

Eine Krippe in 2-D









Groß war das Interesse an dieser Krippenausstellung. Zentral in der Bildmitte der damalige stellvertretende Chamer Landrat und Kötztinger Bürgermeister Theo Zellner und seiner Frau.


Donnerstag, 17. Dezember 2020

Das Stadtarchiv Bad Kötzting als Unterhaltungsbeilage in der zweiten Coronawelle 2-36 Bildreportage Einzelhandel in der Vorweihnachtszeit

 Es geht weiter mit Bildern aus der Zeitungsredaktion der Kötztinger Umschau, welche alle über eine private Sammlung von Frau Renate Serwuschok dem Arbeitskreis Heimatforschung übereignet wurden und nun im Stadtarchiv Kötzting verwahrt werden.

Da wir zusätzlich auch eine fast vollständige Sammlung von Zeitungsausgaben aus den Nachkriegsjahren in unserem Bestand haben, können viele der Bilder dann auch einzelnen Zeitungsartikeln zugeordnet werden.
Nachdem der Arbeitskreis Heimatforschung schon eine umfangreiche Datenbank an personenbezogenen Bildern hat wäre es für uns schön, wenn wir bei einigen der folgenden Bildern, vor allem bei den Personengruppen, Hinweise und Namenslisten erhalten könnten, die wir dann anschließend in unsere Datenbanken einpflegen könnten. Manche allerdings auch nicht und so wäre es schön, wenn wir bei dem einen oder anderen Bild auch eine Rückmeldung erhalten würden.

Signatur Bilderblöcke/KU SW Negative/Einzelhandel

 Unter dem Stichwort "Einzelhandel" hat Frau Serwuschok einige Negative zusammengestellt, die uns ein wenig die Weihnachtsdekoration in schlichterer Ausführung zeigen.


Bild 1: wer unter uns Älteren erinnert sich nicht an die Schaufensterauslagen
beim Zigan (Märklin, Faller), Schötz(Trix) und Oexler, wo es - die großen
Spielzeugkataloge gab es ja noch nicht - galt, sich die richtigen
Wünsche für Weihnachten auszumalen/denken
 Ich hab hier natürlich nur Erinnerungen an MEINE Wünsche und Vorstellungen, ich bin
mir sicher, dass es in den Auslagen auch Kollektionen für die Mädchen gab ;-))

Bild 2 von Barrierefreiheit waren wir damals noch weiter entfernt
als heutzutage.

Bild 3: der obere Markt mit den Anfängen des Kaufhauses Wanninger
links noch der Laden der Schwestern Liebl-

Bild 4: wieder ein Beispiel der damaligen autogerechten Innenstadt Kötztings


Mittwoch, 25. November 2015

Die Weihnachtslausbuben von Steinbühl

Im bayr. Staatsarchiv in Landshut gibt es einen Akt mit der Überschrift:

 Abstellung von Unfug in der Christnacht in Steinbühl

 


Es beginnt mit einem Schreiben des Steinbühler Hauptlehrers Foerstl - er schreibt sich in alles Briefen mit "oe", klingt vermutlich vornehmer -  an das Bezirksamt in Kötzting im Jahre 1920
Schon seit Jahren bemühe er sich vergeblich darum, einen "groben Unfug" in Steinbühl abzubringen, aber es helfe nichts.
"Alljährlich findet am hl. Abend nacht 1/2 12 Uhr die herkömmliche Christmette statt. Schon um 1/2 10 Uhr kommen zu dieser die Kinder herzu und treiben sich vor der Kirche und dem Schulhaus umher, einen Unfug verübend, der nicht zu beschreiben ist. Sie werfen mit brennenden bengalischen Zündhölzern umher, den ankommenden Kirchenbesuchern hinauf, werfen sogenannte Frösche den Frauen vor die Füße, daß selbe erschreckt aufschreien und verbringen ein Geschrei und Gejohle, daß es ein Hohn auf die stille, heilige Nacht ist. In der Schule wurde dies alle Jahre den Kindern verboten, auch Herr Expositus hat schon von der Kanzel herab diesen Unfug gerügt, doch umsonst. Auf Vorhalt den Eltern gegenüber bekam man zur Antwort," dös is a alter Brauch, den kann man nöt abbringa

 Steinbühler Schulbuben in den 50er Jahren










von den Buben waren sicherlich einige in den Folgejahren bei den Spassetteln dabei, im Hintergrund das efeubewachsene und mit Schindeln gedeckte Steinbühler Schulhaus.
Bilder aus der Sammlung des Arbeitskreises Heimatforschung Kötzting


von den Mädchen ist zwar in dem Bericht keine Rede, aber die gehören einfach dazu...
Das dieser "Brauch" wohl tatsächlich schon lange bestand zeigt auch ein Hinweis in der Zeitung von 1906:


Kötztinger Anzeiger vom 21.12.1906  bayrische Staatsbibliothek München



Hauptleher Foerstl wünscht nun ,dass das Bezirksamt an den Bürgermeister herantritt und diesen persönlich verantwortlich machen könnte, dagegen vorzugehen, dies umso mehr, als bei dem Unfug nicht nur die Schulkinder, "sondern auch der Sonntagsschule entlassene halbwüchsige Bürschlein dabei seien, die die kleineren anspornen" und wünscht sich klare Anweisungen für die Ortspolizeibehörde.

Offensichtlich war es nun den vereinigten "Behörden" gelungen, den Kindern und Jugendlichen ihr Gaudium abzugewöhnen und den Älteren ihre besinnliche Mette zu gewährleisten.

hier noch einmal das Steinbühler Schulhaus



ABER

es war nicht von langer Dauer:




























 Kurz vor Weihnachten 1935 berichtet wieder Hauptlehrer Foerstl über den "Groben Unfug in der Christnacht", aber er macht zumindest die Einschränkung, dass es ein alter Brauch sei:
Der Unterzeichnete weiß es, "daß es früher der Brauch war und es auch jetzt noch ist, daß in der Christnacht geschossen wird. Aber ein derartiger grober Unfug, wie er alljährlich in Steinbühl ausgeübt wird, wird wohl anderswo nicht vorkommen. Schon um 10 Uhr geht die Gaudi los. Werkstattschüler, Fortbildungsschüler und ältere Burschen - zuerst einzelne, dann 

 immer mehr, machen mit Werfen von bengalischen Zündhölzern , noch hunderten sogenannter Sternschneuzer, Werfen von Fröschen, begleitet von ihrem Lachen und Freudengeschrei, wenn eine kirchenbesuchende Person getroffen wird, einen Spektakel der jeder Beschreibung spottet. Ein früherer Expositus wollte diesen Unfug schon einmal abschaffen, der Erfolg war, dass die Gaudi nächstes Jahr größer wurde. Das hiesige Schulhaus ist mit Schindeln gedeckt, an der Nordseite mit Epheu bekleidet. Voriges Jahr haben dürre Zweige bereits gebrannt. Vielleicht nimmt sich das Bezirksamt doch dieses groben Unfugs an und läßt durch einen Herrn der Gendarmerie ein wenig nachschauen. Der Polizeidiener hier ist machtlos, wenn er einschreiten will, wird er blos ausgelacht".....

offensichtlich war das "Nachschauen" nicht sehr wirkungsvoll,

mit Datum 3.1.1936  schrieb Andreas Müller von der Gendarmerie Hauptstation Kötzting:
"die Erhebungen ergaben, dass der bezeichnete Unfug auch heuer wieder getrieben wurde. Irgendwelche Täter konnten aber bis jetzt nicht ermittelt werden, auch Hauptlehrer Foerstl konnte keinen der Burschen namhaft machen. Schaden ist nicht entstanden. Sollte die weitere Umfrage noch zu einem Erfolge führen, wird Strafanzeige erstattet". 
Der Schlusssatz kommt bekannt vor: die hiesige Station sei  unterbesetzt gewesen und daher konnte eine Überwachung nicht durchgeführt werden.

 Hauptlehrer Foerstl aber gibt nicht auf, schon im nächsten Jahr schreibt er erneut an die Kötztinger Behörde, denn wieder kommt Weihnachten in Sicht:

"voriges Jahr hat der Unterzeichnete berichtet, daß in Steinbühl während der Christnacht von 10 Uhr von Schulkindern und halbwüchsigen Burschen schon seit Jahren das Werfen von bengalischen Hölzern und Fröschen Mode ist und ein höllischer Spektakel verübt wird. Vielleicht nimmt sich doch heuer das Bezirksamt dieses Treibens etwas an."

Dieses Mal steht auf der Rückseite seines Gesuchs der handschriftliche Vermerk des Bezirksamtmannes (heutzutage des Landrates) Fiesenig:

"an die Gendarmeriestation Kötzting
zur Kenntnis. Im Benehmen mit der Ortspolizei ist für die Unterbindung dieses Treibens Sorge zu tragen."

und diesmal klappt es: zum Jahreswechsel schreibt der Kötztinger Gendarmerie Oberwachtmeister Johann Reindl, "dass Vorkehrungen getroffen wurden. Zwei Feuerwehrmänner wurden angewiesen im Bedarfsfalle einzuschreiten bzw. diesen Unfug von vornherein zu untersagen, was auch voll und ganz erreicht worden war."  Lt. Hauptlehrer Foerstl gab es heuer nichts zu beanstanden.

In Steinbühl war es nun also ruhig geblieben aber dafür lief die Sache in Lohberg und Lam gehörig aus dem Ruder
Im Dezember 1937 beschwerte sich rückwirkend der Lohberger Pfarrer Husterer  ebenfalls "es hätten sich im vergangenen Jahr hauptsächlich Jugendliche und zwar meist schulpflichtige, in der Zeit vor und während des mitternächtlichen Gottesdienstes in unmittelbarer Nähe der Pfarrkirche von Lohberg durch Schiessen, Abbrennen von Feuerwerkskörpern etc allergröbsten Unfug ausgeübt; sogar in der Kirche selbst wurde der Gottesdienst durch derartigen Unfug gestört." Auch dieser Pfarrer bittet für das kommende Weihnachtfest um Polizeischutz.

Offensichtlich passierte ähnliches auch vor den Kirchen in Lam und Haibühl, denn der Gendarmeriewachtmeister Georg Ederer aus Lam, um eine Stellungnahme gebeten, räumt dieses zwar in einem Bericht vor dem Weihnachtsfest 1937 ein, schränkt aber gleichzeitig die Wirksamkeit einer polizeilichen Überwachung ein:

"denn es würden sich zwar wegen der Christmette die jungen Burschen sammeln und sich vor dem Gottesdienste stundenlang in den Straßen der Ortschaften umhertreiben, allerdings zechten die Erwachsenen in dieser Zeit in den Wirtschaften und so kämen auch Betrunkene in die Kirche.
Eine Abordnung nach Lohberg wäre sinnlos, denn: "erstens ist ein Mann bei Dunkelheit gar nichts, er macht sich nur lächerlich, weil die Burschen bald da und bald dort auftauchen und Unfug treiben und dann rasch wieder verschwinden. und
Zweitens ist es nicht anders in Lam und auch in Haibühl und kann die Gendarmerie nicht überall Posten stehen, damit der betreffende Pfarrer nichts hört......
Sollte das Wetter günstig sein, wäre es eventuell. möglich mit dem Kraftrad eine Streife nach Lohberg zu unternehmen. Aber versprechen kann man nicht viel. Die Unruhestifter laufen davon und wenn die Gendarmen wieder fort sind, wird erst recht Unruhe gestiftet. " 

Ein Gespräch über dieses Thema bei dem Lesestammtisch ergab, dass sich einzelne Teilnehmer erinnerten, diesen Volksbrauch zumindest in Haibühl auch noch in den 60er Jahren erlebt zu haben.