Nach weiteren 50 Jahren, nun, fast auf den Tag genau vor 80 Jahren, am 6.2.1946 durfte der 1. FC Kötzting sein erstes Punktspiel nach der Wiederzulassung als Sportverein austragen.
Hier ein Bericht über die schwierigen Umstände und Verhältnisse in dieser Nachkriegszeit.
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| Sammlung Richter: eine frühe Mannschaft des 1. FC Kötztings ca. um 1949 |
Den Anfang der Berichterstattung machte eine kleine Notiz zum runden Jubiläum und so stand am 6.2.1976 in der Kötztinger Umschau ;
Heute vor 30 Jahren: Wieder Fußball nach Punkten
Die Kötztinger Siegesserie begann kurioserweise mit einer Niederlage in SpiegelauWIR ERINNERN UNS: Am 6. Februar 1946 wurde der Bayerische Fußballverband, Bezirk Niederbayern, in Plattling gegründet. Am 10. Februar die ersten Punktspielfußballwunder, denn Trikots, Schuhe, Netze und Bälle mussten beschafft werden, Spielerpässe gefertigt und zugestellt werden. Motorisierung war ein Kapitel für sich. Einige Mannschaften reisten eben kurzerhand wieder mit Pferdefuhrwerken wie vor dem Krieg.
EIN BLICK in die Chronik des 1. FC Kötzting lohnt sich. Sie wurde vom damaligen Schriftführer und Organisator Franz Oexler vorgetragen und bis ins letzte Detail genau geführt. An Wert und Aussage nicht zu übertreffen. Am 10. Februar 1946 steht vermerkt:
BEGINN DER VERBANDSRUNDE: 1. FC Kötzting – 1. FC Spiegelau 1:3 (1:1); Spielort Kötzting. Laut Spielplanliste sollte dieses Treffen in Kötzting stattfinden. Ein plötzlich eingetretenes Hochwasser macht dies aber unmöglich, da beide Plätze gänzlich überschwemmt sind (Anmerkung der Redaktion: Der zweite Platz war der Ausweichplatz, der sich dort befand, wo in Kötzting die Fa. Winter in den Auwiesen gebaut hat.) Man beschließt lange hin und her, und am Schluss wird nach Spiegelau gefahren. Das Wetter in Kötzting ist trocken, doch in Bodenmais beginnt schon der Schnee und steigt bis nach Spiegelau bis zu einem halben Meter. Große Befürchtungen werden wach, die sich auch später bewahrheiten. Bei Schnee kann unsere Mannschaft nie spielen. Gödecke fällt dabei von vornherein aus. Böhm wurde anlässlich seines Platzverweises in Straubing, zu unrecht für die erste Runde gesperrt. Plötz soll dafür spielen. Alle diese Sachen sind kein gutes Omen für unser Spiel. Dann stirbt der Omnibus ein paarmal ab, die Fahrt dauert stundenlang. So ist es immer, wenn es schnell gehen soll. Zum Tanzabend des Fußballklubs sollten wir doch wieder zurück sein.
UND DER SPIELVERLAUF: Wie schon erwähnt, liegt tiefer Schnee. Der Ball rollt nicht. Spiegelau bringt gefährliche Situationen vors Tor, die ohne Graßl zum Verhängnis geworden wäre. Jackl, der gute Linksaußen der Platzherren, schießt Flanke auf Flanke zur Mitte, einige scharfe Lattenschüsse sind dabei. Die unsrigen stoßen zwar auch durch, aber ohne Erfolg. Greisinger hat sich inzwischen den Linksaußen vorgenommen und kann ihn stoppen. Gödecke dagegen fällt glatt aus. In diesem Schnee kann er nichts machen. Reith schlägt des Öfteren unsicher ab, Jackl ist wieder einmal durchgebrochen, schießt aber wunderbar zur Mitte, wo der Halblinke aus dem Lauf heraus einen Spannschuss unhaltbar ins Tor knallt. Das Verhängnis nimmt seinen Gang. Doch nach einigen Minuten kommt ein kleiner Lichtblick. Rauscher kann sich frei spielen, läuft mit dem Ball zur Mitte und kann ausgleichen. Das Gleichgewicht ist hergestellt und man kann beruhigt die zweite Halbzeit antreten.
DOCH BEI BEGINN fällt Dattler in diesem harten Kampf auch noch aus. Eine Muskelverletzung. Er scheint aber heute nicht den nötigen Kampfgeist zu haben. Als Statist hätte er noch wirken können. Er ging aber ganz ohne Bescheid zu sagen vom Platz. Graßl, als Linksaußen, muss zurückgenommen werden und spielt jetzt Läufer. Damit wächst der gegnerische Druck. Wensauer gibt sein Bestes, aber es ist nichts mehr zu ändern. Zweimal kommt der Gegner noch zum Zug. Mit 3:1 müssen wir das Spielfeld verlassen.
DIE AUFSTELLUNG: Graßl Hans, Raith Hans, Wensauer Max, Greisinger Toni, Röhrl Karl, Dattler Hans, Rauscher Schorsch, Gödecke Otto, Rösch Hans, Plötz Fritz, Graßl Fritz.
Soweit der Chronist. Der FC Kötzting aber, der schon in den Vorbereitungsspielen, während der Bayerwaldmeisterschaft und bei den Pokalspielen hatte aufhorchen lassen, eilte später dann auch von Sieg zu Sieg. Die Fußballer der ersten Stunde setzten Maßstäbe, die Gültigkeit behalten haben. Von diesen Spielern spricht man heute noch nach genau 30 Jahren.
Nur zehn Tage danach rief Haymo Richter die früheren Spieler und viele Wegbegleiter des niederbayerischen Fußballs nach Kötzting – und zahlreiche kamen, um gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen und alte Freundschaften aufzufrischen und Frau Renate Serwuschok selber berichtete von dem unterhaltsamen Treffen.
Die Idee war gut. Haymo Richter darf zufrieden sein. Der Einsatz hat sich gelohnt. Die „Ehemaligen“ aus der Nachkriegsgeschichte des Kötztinger und Niederbayerischen Fußballs trafen sich mit den derzeit Verantwortlichen zu einem gemeinsamen Rückblick. Die Teilnehmer und ihre Funktionen: Schorsch Huber, Bezirksspielwart und Geschäftsführer des Bayerischen Fußballverbandes, Bezirk Niederbayern, aus Dingolfing. Fritz Costa, Fritz Graßl und Karl Bergbauer, Schiedsrichterobmänner. Sepp Schwarz und Josef Held, Gruppenspielleiter. Karl Früchtl, Schriftführer im BLSV. Jugendgruppenspielleiter und Kreisjugendleiter Otto Wiener. Franz Oexler, Max Kellner, Willy Pagany und Schorsch Barth (für seinen verstorbenen Vater Josef Barth), sämtliche Mitglieder der ersten Vorstandschaft des FC Kötzting nach dem Kriege. Wolfgang Ludwig, Karl Röhrl und Hans Rösch, Spieler der Mannschaft aus dem Jahre 1946, die am 10. Februar das erste Punktspiel nach dem Kriege austrug. Max Vielberth, Schriftführer des FC Viechtach seit 25 Jahren, 2. Vorsitzender Baumgartner und Spieler Paukner. |
30 Jahre danach noch immer 1:0 für die alte Fußballgarde
„Blick zurück ohne Zorn“ mit einem lachenden und einem weinenden Auge / Geschichten, die Geschichte machten
Kötzting (na). Dreißig Jahre Fußball nach dem Kriege. Am Freitag saßen im Hotel „Zur Post“ beisammen, die dieser Zeit begründet und geprägt haben. Männer der ersten Stunde, personifizierter Idealismus, lebende Geschichte und Geschichten. Nostalgie vor realem Hintergrund, dankbares Erinnern, Rückblick mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ein großes „Weißt Du noch“, das die Vergangenheit beschwor, in die Gegenwart hineinwirkte und von dem auch noch die Zukunft profitieren wird. Die Maßstäbe, die damals gesetzt wurden, haben unvermindert Gültigkeit, obwohl zwischen 1946 und 1976 Fußballwelten liegen. Aber das runde Leder rollt wie eh und je. Und die Gruppen, die zu Beginn am Ball waren, stehen auch jetzt noch nicht im Abseits. Gruppenspieler Haymo Richter hatte sie zusammengerufen, und alle, alle kamen, sogar der Spielwart und Geschäftsführer des Bayerischen Fußballverbandes, Bezirksniederbayern, Georg Huber aus Dingolfing mit seiner Frau Emmi, von deren Kochkünsten und dem leckeren „Lüngerl“ die Kötztinger Kicker-Veteranen heute noch genüsslich schwärmen!
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| v.l. Bezirksspielwart Huber - Richter Haymo - Pagany Willi |
Es wurde ein Abend ohne strenges Element, ohne starres Protokoll. Der Initiator Haymo Richter war ein aufmerksamer Gastgeber. Er begrüßte die Gleichgesinnten in der Herzlichkeit, die unter alten Freunden selbstverständlich ist, und hieß sie in dieser Runde mit einem Danke für ihr jahrzehntelanges Verständnis im fußballsportlichen Alltag willkommen. Geschenke wurden getauscht.
Costa FritzAmtsrat Fritz Costa nur vom Titel her „in Ruhe“
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Fritz Costa, nach seiner aktiven Zeit Ehrenschiedsrichterobmann und Schiedsrichterbeobachter, erhielt aus Anlass seines 65. Geburtstages einen Bierkrug überreicht, Georg Huber das Kötztinger Wappen in Wachs, und eingedenk des beliebten Tauschobjektes in den Nachkriegsjahren einen Eimer Marmelade aus der hiesigen Konservenfabrik. Der Bezirksspielwart revanchierte sich mit einer Krawatte des Fußballverbandes, von der er hofft, dass sie bei Haymo Richter den um den Hals geschlagenen Binder im Rautenmuster wenigstens auf den zweiten Platz verdrängen wird. Die Damen durften sich über ein mundgeblasenes Glasschweinchen mit einem Glückspfennig im Bauch freuen. Der 2. Vorsitzende des FC Viechtach, Baumgärtner, hatte dem „Stammgast“ auf unserem Fußballplatz Fritz Costa einen alten Stich mitgebracht und die Bitte geäußert, dass die alte Sportfreundschaft zwischen beiden Städten wieder aufleben möge. Haymo Richter beschwor dann die Stunde Null. Er nannte die Namen derer, die schuld daran waren, dass es im Januar 1946 wieder losgegangen ist mit dem Fußball, führte zurück zum ersten Punktspiel am 10. Februar vor 30 Jahren in Spiegelau. Improvisation war Trumpf, Kameradschaft das alles entscheidende Fundament für künftige Erfolge. Gemeinsames Schwelgen in der Erinnerung. Jubiläumsstimmung unter Verzicht auf äußeren Aufwand. Fußballerglück weit entfernt von den Millionen der Profis, den Bestechungsskandalen und dem Fehlverhalten der Zuschauer. Es war einmal — eine heile Fußballwelt und Kötzting ihr „Nabel“, nicht zuletzt auch deshalb, „weil’s bei uns immer noch was zu essen gegeben hat!“ Und Holz und Benzin!
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| Die Damen bekamen als Dank für ihr Verständnis im fußballsportlichen Alltag ein mundgeblasenes Schweinchen mit einem Pfennig im Bauch überreicht. |
Marmelade für Marmelade oder 10 000 Plastiklöffel
Davon wusste Franz Oexler ein selbstgereimtes Gedicht zu singen. Es ließ die Schwierigkeiten wach werden und zeigte auf, wie man sich zu helfen wusste durch Tauschgeschäfte, riskante Transaktionen, gewagte Einsätze und blitzgescheite Taktiken in jenen Tagen, in denen es nichts gab als „alte, von der Wehrmacht übriggebliebene Fetzen“. Das Sagen hatte die Militärregierung. Zwei Spieler wurden nur deshalb verhaftet, weil sie den amerikanischen Captain wegen seiner körperlichen Fülle zu belächeln wagten. Später waren sie die besten Freunde! Das waren die Zeiten, „als die Kötztinger noch im ‚Mekka des Fußballs‘ in Dingolfing, um ‚Pässe und milde Gerichtsurteile betteln gingen‘ und in München auf Bezugsscheine, die für die Jugend ergattert worden waren, dann doch ‚bis Schuhgröße 46 eingekauft wurde, weil solche Maße unsere Besonderheit sind‘“. Mit Franz Oexler dachten alle an den „großen Ringtausch“, bei dem alles gegen alles verschoben wurde — Marmelade meistens als Ausgangspunkt — und an die Überraschung, als am Ende wieder Marmelade im Karton oder 10 000 Plastiklöffel!
In der „Mottenkiste des Fußballs“ kramte schließlich auch Georg Huber, ebenso gründlich wie amüsant. Dabei wurden noch einmal die wichtigsten Anlaufstellen markiert, so vor allem die „Benzinquelle“ Sepp Held, die Marmeladenstation in der Kötztinger Konservenfabrik, die Weißwurstküche beim Barth-Metzger, die Bleistift- und Papierausgabe vom Oexler Franz. Eine Episode so köstlich wie die andere, vornehmlich angesiedelt in den damaligen Hochburgen des runden Leders, in Kötzting, Viechtach, Zwiesel und Dingolfing, wo Georg Huber in seinem Gasthaus einmal die Uhr zurückgestellt hatte und — um später seine Gäste vor Verletzung der Sperrstunde zu bewahren (so streng war sie damals während der Besatzungszeit!) — im Saal behielt und ihnen die Langeweile zum Morgen damit vertrieb, dass er sie 5000 Fußballpässe ausstellen ließ. Die Schreibmaschinen fehlten hier überall, auch vom Pfarr- und aus dem Rathaus, ausgeliehen!
Sagenhafte, aber wahre Geschichten, die ein ganzes Buch füllen könnten. Vielleicht sollte sie wirklich einmal geschrieben werden, um sie der Nachwelt zu erhalten als Ergänzung zu den optischen Dokumenten aus dieser Zeit, die nach Hubers, Oexlers und Richters Erzählungen „auf die Leinwand geworfen wurden“. Bilder, die beweisen, dass 600 bis 800 Zuschauer keine Seltenheit waren, die ein Wiedersehen mit alten Freunden und Bekannten bescherten und Verstorbene Kameraden in der Erinnerung noch einmal lebendig werden ließen. Dankbares Gedenken auch an Hans Huber und Schorsch Eckl.
Dann aber wieder fröhliche Reminiszenzen, manche überraschend, eben „Selbsterkenntnis“ („Heut ham ma eben a ganz a andere Figur) und ein „Blick zurück ohne Zorn. ".
Dazwischen Dank und Komplimente, Zufriedenheit bei Bezirksspielleiter Huber, das "der Landkreis Kötzting zwar nun in der Oberpfalz gekommen, aber im niederbayerischen Fußballbezirk geblieben ist", war einer von vielen Gründen, die Gläser zu erhoben, den weiteren Abend in gelöster Stimmung zu verbringen, den weiteren Abend in gelöster Stimmung zu verbringen, zu Gottlieb Wensauers unübertrefflicher Musik ein Tänzchen zu wagen und dabei die Kondition nochmals unter Beweis zu stellen. Alles in Allem ein 1:0. für Haymo Richter und die alte Fußballgarde!🗺️ Ein Tipp zum Schluss:
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