Das "alte Kötzting" bei der Uraufnahme bei der beginnenden Landvermessung hatte 159 Anwesen. Der Geschichte dieser Bürgerhäuser und ihrer Bewohner nachzuspüren und sie zu dokumentieren, ist das Ziel dieser Häuserchronik.
Die Anfänge und die Entwicklung unserer Heimatstadt – von der Teilung der Urhöfe bis zur Ernennung Kötztings zum Landgerichtsort – lassen sich in einem einleitenden Blogbeitrag ausführlich nachlesen.
Seit Herbst 2025 gibt es darüber hinaus eine besondere Neuerung: die "Interaktive Karte Kötztings". Auf ihr sind alle bisherigen Beiträge zur Häuserchronik sowie zahlreiche weitere historische Themen direkt in einer Stadtkarte verortet. Jeder Marker führt mit einem einzigen Klick zu den passenden Blogbeiträgen – übersichtlich, schnell und jederzeit abrufbar.
Die Karte funktioniert auf jedem PC und auch auf Mobilgeräten. Wer möchte, kann sie sogar als kleine App auf dem Smartphone speichern und wie ein eigenes Programm starten.
Mit diesem Tool kann man alle bisher veröffentlichten Beiträge zur Kötztinger Häuserchronik auf einer Karte erkennen.
Wer neugierig geworden ist, kann die Karte hier öffnen: 🗺️ Interaktive Karte Kötzting öffnen
Alte Hausnummer 106 + 107 beim Schwarz - Parzinger

Serwuschok Luftaufnahmen ca. 1957

Detail aus Vermessungsamt Cham: 5168-2100-LiquiP_Bad_Koetzting_1831_Beilage_M2500_1_1-01
Die Suche nach den Besitzern dieses kleinen Hauses, das Mitte des 19. Jahrhunderts bereits in den Komplex der Privatbrauerei Schrank eingefügt wurde, muss rückwärts erfolgen, vom festen Boden der beiden Katasterbände zu Anfang des 19. Jahrhunderts aus.
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| Serwuschok Luftaufnahmen ca. 1957 |
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| Detail aus Vermessungsamt Cham: 5168-2100-LiquiP_Bad_Koetzting_1831_Beilage_M2500_1_1-01 |
Die Suche nach den Besitzern dieses kleinen Hauses, das Mitte des 19. Jahrhunderts bereits in den Komplex der Privatbrauerei Schrank eingefügt wurde, muss rückwärts erfolgen, vom festen Boden der beiden Katasterbände zu Anfang des 19. Jahrhunderts aus.
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| StA Landshut Grundsteuerkataster Nr. 5039 von 1840. |
Ein halbes Leerhaus
Gebäude
das halbe Wohnhaus"
"Auf der rechten Seite heißt es dann:
Laut Brief vom 3. September 1834 von der Schwiegermutter Katharina Parzinger, vielmehr durch Ehelichung ihrer Tochter Katharina im Anschlage von 600 fl erworben"
Wir haben hier also ein Haus, dass offensichtlich durch Teilung entstanden ist, so dass die Geschichte der Häuser 106 und 107 irgendwann in der Vergangenheit einen gemeinsamen Ursprung haben muss und beide erst später getrennte Wege gingen. Schaut man auf das Häuser- und Rustikalsteuerkataster von 1811, so steht dort
Nro 103 (die damaligen Hausnummern sind um 3 Zahlen verschoben)
Michael Hartl: das halbe Haus, theilweise gemauert, theilweise gezimmert
Nro 103 Wolfgang Ultsch die zweite Hälfte des obigen Hauses mit einem kleinen Gartl.
1811 war das Haus bereits geteilt, aber beide Teile hatten noch dieselbe Hausnummer.
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| H+R Kataster von 1811 Eine Hälfte gehörte einem Michael Härtl - die andere Wolfgang Ultsch beide mit der vorläufigen Hausnummer CIII also 103. |
1840 bei der Erteilung der "richtigen" Hausnummern erst, erhielten die beiden getrennte Hausnummern.
1841 Georg Schwarz 00 Katharina Parzinger
vorher Katharina Parzinger
1811 Michael Hartl
Von da ab kann man die Linie der Saliterfamilie Parzinger und noch weiter zurück die Hausbesitzer eindeutig durch die Lage und die Berufe belegen.
Wolfgang Ultsch - 1811 auf dem geteilten Nachbarhaus nachweisbar - hatte 1809 eine Witwe Theresia Hartl geheiratet.
Es hat den Anschein, als ob genau zu dieser Zeit Parzinger/Hartl die Trennung des Hauses erfolgt ist.
daher können wir nun zurückgehen zu den Besitzern eines Hauses, dessen Lage mehrmals als zwischen dem Brauhaus des Krieger/Luckner/Poschinger und der Wuhn beschrieben ist und in dem viele Jahrzehnte Saliter gewohnt - und anfangs auch gearbeitet - hatten.
Der Dreh- und Angelpunkt für die Beweisführung der Besitzfolge auf diesem kleinen Haus, das so versteckt in zweiter Reihe stand, sind eben diese Saliter, die wegen der Feuergefährlichkeit ihres Berufes in Konflikt vor allem mit dem mächtigen Kötztinger Kammerer Wolfgang Samuel Luckner standen.
Wolf Hofmann und Maria
Unsere gesicherte Besitzerfolge auf dem Haus beginnt im Jahre 1700, als ein Wolf Hofmann - verheiratet mit einer Maria - 100 Gulden bei der Kirche in Weißenregen aufnimmt und sein Haus als Sicherheit verschreiben lässt. In der Verbriefung dieser Grundschuld wird die Lage des Hauses beschrieben: "das inhabende Bürgerhäusel mit allen Zugehoer , an des Hans Krieger allhier Preustadt stossend" Da seine ganze Familie für ihn bürgte, erfahren wir auch seine Abstammung durch diesen Schuldbrief:
Familienbogen Hofmann:
Vater Hofmann Paulus Müller auf der Saag
Kinder: obiger Hofmann Wolf 00 Maria Bürger
Hofmann Martin Schneider
Hofmann Michael Bürger
alle als Bürgen des Wolf
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| StA Landshut Rep 198-2 S439 Kirchenrechnung Weißenregen 1700 |
Hier hatte der Magistrat eingegriffen und das Haus einfach zwangsversteigert. Der Hintergrund kann durchaus sein, dass die Familie die auf alle Bürger Kötztinger umgelegten Kontributionszahlungen im Verlauf des Spanischen Erfolgekrieges und gleichzeitig auch noch die Schuldzinsen der Grundschuld nicht hatte aufbringen können und so immer tiefer in die Verschuldung gekommen war.
Georg Lärnbecher
Franz Pernloher und Maria Eva
Das Ehepaar Pernloher muss bereits mindestens seit 1693 in der Pfarrei Kötzting gewohnt haben, weil in diesem Jahr bereits eine Geburt in den Pfarrmatrikeln verzeichnet ist.
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| StA Kötzting Marktrechnung von 1708 Seite 7 "Franz Pernloher Saliter Heuslerbürgerrecht 5 fl." |
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| PfA Kötzting Matrikelband 3 25.4.1711 "Sepultus est Franciscus Pernloher Salliter in Khözting. provisus" |
Da Ulrich Parzinger nur 3 Gulden - sein Knecht Hans Scharpf sogar nur 1 Gulden 30 xr bezahlen musste, haben die beiden nur für den sogenannten "Beysitz" optieren können, denn bereits für das volle Bürgerrecht eines Häuslers wären 5 Gulden fällig gewesen.
Ullrich Parzinger hat also zunächst als Inwohner in Kötzting gearbeitet. Aus dem Streit Lucknerers um eine Verlegung der Saliterhütte wissen wir, dass diese damals ebenfalls - feuergefährlich - dem Krieger/Lucknerschen Bräuhause gefährlich nahe benachbart war.
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| StA Kötzting Bürgerrechtsannahme für Hanßen Scharpf und Ulrich Parzinger 1711 |
Im Jahre 1725 pachtete Ullrich Parzinger dann noch für kurze Zeit das Marktlehen neben dem Voglhof - heutzutage die Sattlerei Michl Traurig -, als die Erben dann jedoch dieses Anwesen verkaufen wollten, konnte er nach der Saliterhütte nun auch das Wohnhaus dazu erwerben.
Parzinger Ullrich und Affra
Nun zieht also der Magistrat nach und verweist auf die damalige Inventarisierung, die einen Wert von 150 Gulden ergeben hatte.
Natürlich muss der neue Besitzer auch die Grundschulden bei den Kirchen Weißenregen und Kötzting übernehmen, die alleine 130 Gulden betragen. Viel Bargeld musste er damit also nicht auf den Tisch legen.
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| StA Landshut Masrkt Kötzting Briefprotokoll von 1726-1728 "Übergabsbrief per 150 fl" |
Parzinger Hans Adam und Zistlberger Dorothea
In den vorhergehenden Jahrzehnten hatte der Vater noch einiges an Grundstücken hinzuerweben können.
Es wird also verkauft: das Haus, zusammen mit dem "Geltolfinger Lehenwiesl" mit 3 Tagwerk und das "Wolf Adam Ackerl negst dem Herrenweiher"
Weiter musste der Sohn nun berücksichtigen, dass gewisse Schuldenlasten noch auf dem Hause lagen, die einzeln auch aufgeführt wurden:
"100 fl zur Kirche Weissenregen
Da unter den damaligen Bedingungen solch eine Saliterhütte eine
andauernde Feuersgefahr darstellte, wurde Adam Parzinger gezwungen, sein Wohnhaus
und seine Saliterhütte zu trennen. Zwar am Ortsrand Kötztings gelegen, so
stand die Saliterhütte doch
neben einer Gruppe von Stadeln und war in der Nähe des Gschwandhofes gelegen. Luckner bot an, „zu Verhüttung
besorglicher Feuersgefahr und anderer Umstände halber (Der Gestank dürfte
keine geringe Rolle gespielt haben) die zunegst an seiner Wohnbehausung
situiert baufällige Salitterhütten samt dem gleichfalls ruinösen Häusl des Adam
Parzinger“ auf seine eigenen Kosten auf einen vom Magistrat ausgewiesenen
Platz unweit der Ziegelhütte neu zu errichten.
Adam Parzinger spielte jedoch nicht mit und errichtete seinen baufälligen
Saliterstadel an derselben neu. . Dabei nahm er es allerdings mit den Grenzen nicht so ganz genau
und rutschte mit seinen Mauern „drei
Schuech“ - also ca. 1 Meter - auf den Grund des Marktes: Dafür musste er
im Jahre 1758 für einen Tag ins Gefängnis und wurde dazu verurteilt, den Bau genau
auf „der vorig altes orth“ sezen.
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| StA Kötzting Marktrechnung 1758 Seite 31 |
Dieser ließ jedoch nicht locker und so kam es zu einer weiteren Vereinbarung mit dem Pfleggericht vom 23.03.1767, Damit durfte also Parzinger den Stall auf der sogenannten Kollstadt beim Zehentstadel, aber wiederum nahe beim Gschwandhof errichten.
Zuerst erwarb Kollmeier den Saliterstadel von den Erben, anschließend legte der Gemeindeausschuss formal Protest ein und bestand auf dem Einstandsrecht des Marktes Kötzting. Formal konnte danach Samuel Luckner den Stadel auf Abriss aufkaufen und erhielt sogar vom Markt einen Platz angewiesen, auf den er diesen Stall stehen sollte.
Johann Michael Härtl und Magdalena Parzinger
Am 4.12.1781 wird ein "Übergabebrief um ein burgerliches Leerheusl und lehenbaren Wisgrund" in Höhe von 428 Gulden abgeschlossen. Die Verkäuferin ist Johann Adams Witwe Dorothea.Zu berücksichtigen sind bei dieser Übergabe als Kinder des Paares ein:
Joseph Parzinger verheirateter Inwohner in Kötzting
Maria Parzinger - derzeit in Wien
Hans Georg (wohl volljährig)
Georg Adam 17 Jahre alt
Jakob 11 Jahre alt
Barbara 9 Jahre alt und
Ullrich 6 Jahre alt
Der Gesamtbesitz solle an die Tochter Maria Magdalena Parzinger gehen
Weiter ist immer noch die Rede von einer Saliterhütte neben dem Haus, zusammen mit einem Wurzgärtl und einem Schöpfbrunnen. Die auf der Kohlstatt genauer: "hünter dem Kalben= und nunmehrigen Heyllingstadl" erbaute Städerl wird im Vertrag an anderer Stelle behandelt. Es hat also den Anschein, als ob diese aufgelassene Saliterhütte gleich neben dem Wohnhaus dann der Ausgangspunkt für die Gebäudeaufteilung gewesen ist.
Die "Saliterei" sollte an den Bruder und Sohn Joseph gehen, der auch schon das "junge Stuettpferd" erhalten habe.
Am selben Tag der Besitzübergabe schließen das junge Paar einen Heiratsvertrag durch den der Leineweberssohn Michael Härtl verspricht, 150 Gulden in die Ehe mit einzubringen.
Am 2.4.1785 verkauften der Häusler und Weber Johann Michael Härtl und seine Frau Magdalena die auf der Kohlstatt stehende Hütte - auch aus dem Grund, weil sie bei ihrem Hause keinerlei "Veldbau" mehr vorhanden sei und daher diese Hütte in der Zukunft einfallen müsse - an den bürgerlichen Beständner Christoph Kollmayr. um 4 Gulden. (Siehe oben der Ärger mit der Saliterhütte)
Sie beleihen dafür ihr "freiyeigenes Heusl samt der Webersgerechtigkeit nebst der bem Heusl befindlichen Wiesn"
1792 trennt er sich von der "Saliterwiese" dem 3 Tw großen Wiesengrundstück, das ein Geltolfinger Lehen gewesen war und erzielt dafür 570 Gulden.
Aus dem Jahre 1803 hören wir ein Detail aus der Familie Härtl: "1803 Lüstenöder Christian, Wollhändler zu Dinkelsbühl klagt gegen Hartl Michael Leinweber zu Kö. Klage um eine Schuld von 130 fl. Hartl hat seit Monaten kranke Frau und unmündige Kinder. Magistrat will Hartl wegen der unglücklichen Lage nicht um Haus und Hof bringen. Im April 1804 wird gezahlt, es geht aber nicht aus den Unterlagen hervor, woher das Geld kommt."
>>>>>1809<<<<<< Wolfgang Ultsch oo die Witwe Theresa
Georg Parzinger und Katharina Moosmüller
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| StA Landshut Rentamt Kötzting B28 Umschreibeheft |
""den 29. Sept. 1821 hat Michael Härtl in Kötzting dessen BürgerHäusl alda an Georg Parzinger Insass derorten um 530 fl verkauft, ohne Änderung "
Im Akt aus dem Stadtarchiv heißt es dazu im Nachgang:"10. August 1822 Parzinger Georg verehelichter Inwohner von Kötzting erhielt durch Kauf der Hälfte des Hauses von Hartl Michael Weber Bürgerrecht". Auch hier erhalten wir erneut die Bestätigung über die Hausteilung.
die Moosmüller - Luckner Fehde
Der Streit um die Verlegung der Saliterhütte wurde ja bereits oben behandelt, nun geht es um die Moral hinter seiner Braustätte.
Der folgende Text stammt direkt aus meinem vor Jahren bereits erschienenen Beitrag in den Gelben Bänden", den "Beiträgen zur Geschichte im Landkreis Cham" über den Kötztinger Kammerer
"Die Wuhn und ihre Bewohner
Gleich hinter seinem Brauhaus, in dem sich anschließenden
Konglomerat an Gärten, Häusern, Stadeln und Gässchen stand ein zweistöckiges,
gedrungenes Haus, das im Besitz des Marktes war und mehreren Mietparteien Wohn
und Arbeitsraum gab, die sogenannte Wuhn.
Als Luckner die Möglichkeit sah in die Wuhn einen Wagner
einstiften zu lassen, den er selber gut hätte brauchen können,
kündigte er kurzerhand einen Familienvater mitsamt seiner Frau und den 5
Kindern.
Der betroffene Johann Moosmüller beschwerte sich beim Pfleggericht, dass
Luckner dies nur täte, weil er den Wagner bei seiner Arbeit benötigte und weil
seine, er nennt sie „alte“ Tochter, von einem Bürgerssohn „zum Fahl
gekommen“ war.
Das Pfleggericht wollte vom Magistrat wissen, was nun
dahinter stecke, aber Luckner lässt sich darauf nicht ein sondern erwiderte
dass es nur ihn allein und den Vizekammerer anginge, die übrigen vom Magistrat
hätten „hierin nichts zu reden“, weil er der Amtskammerer sei und die
Rechnung über dieses Haus zu führen habe.
Schon im Jahre 1781 habe die Tochter Moosmüller mit Georg
Parzinger,
einem Sohn des Salitergrabers, verdächtigen Umgang gehabt. Schon damals habe er
der Frau diesen Umgang verboten und ihr angedroht, sie in der Wuhn nicht mehr
zu dulden, bald danach aber war sie schwanger geworden.
„Der Parzinger wurde ad militiam abgegeben,
dieser ist aber flüchtig geworden“ und würde nun, da Wuhn und das
Parzingerhaus benachbart lägen, heimlich bei seiner Mutter Unterschlupf finden
und ferner den „unerlaubten Zusammentritt“ in der Wuhn nehmen.
Die Wuhn brauche einen eigenen „Hausvater, der gute
Obsicht“ hätte. Daher bittet Luckner Moosmüllers Petition abzuweisen und
dessen Tochter in „Dienst zuschaffen.“
Das Gericht wählte den Mittelweg, nicht ohne Luckner noch
ein paar „Weisheiten“ ins Stammbuch zu schreiben:
- Luckner
wäre so schlau, den Magistrat in den Vorgang nicht mit einzubeziehen, weil
zu vermuten sei, dass die Ratsversammlung den Mossmüller in der Wohnung
behalten wollte, da der Kammerer den Wagner nur zu seinem eigenen Nutzen
in die Wuhn haben wollte.
- Dann
stelle sich die Frage, wenn Luckner schon wisse, wo sich der desertierte
Parzinger regelmäßig aufhalte, warum er diesen nicht schon längst habe
verhaften lassen.
- In
Zukunft solle der Amtskammerer bei amtlichen Schreiben wenigstens einen
Umschlag benutzen, damit nicht jedermann offen seine Berichte und
Schreiben lesen könne.
Allerdings müsse Moosmüller zusehen, dass seine Tochter an
Lichtmessen einen ehrlichen Dienst beginne und zu einer
Frau mit bestem Lebenswandel sich ändere.
Als am 15.9.1834 i9n Kötzting der Obstler Georg Schwarz Katharina Parzinger heiratete, sind deren Eltern als Johann Georg Parzinger und Katharina Moosmüller angegeben und im Grundsteuerkataster von 1840 heißt es - wie oben bei der komplizierten Spurensuche nach den Anfängen des Hauses bereits angegeben, dass Georg Schwarz das Haus im selben Jahre durch die Heirat von seiner Schwiegermutter Katharina Parzinger erhalten habe.
Georg Schwarz und Katharina Parzinger
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| StA Landshut Grundsteuerkataster Nr. 5039 von 1840. |
Ebenfalls im Jahre 1834 findet sich in den Marktrechnungen die Erteilung des Kötztinger Bürgerrechts für Georg Schwarz, was ihn fast 14 Gulden kostete und die Konzessionserteilung für sein Obstler-Gewerbe. Seine Genehmigung umfasste auch den Handel mit Klee und Rübensamen.
Aus dem Jahre 1842 gibt es einen Vorgang im Kötztinger Vergleichsamt:
Hintergrund sind Umbau Maßnahmen des Johann Hofbauer, der im Frühjahr desselben Jahres das Ultsche Haus hatte ankaufen können und nun zur Tat schritt:
"6. August 1842: Obstler Georg Schwarz v K bringt vor: Mein Nachbar Johann Hofbauer hat sich im abgewichenen Jahre herausgenommen hinter seinem Wohnhause gegen die Front meines Hauses hin einen Schweinestall ohne nachgesuchte und erhaltene Bewilligung zu erbauen, wodurch der Zugang und der Vorplatz zu meinem Hause sehr beengt ist. Ich bin nicht schuldig diese Verbauung zu gedulden und dringe darauf, dass Hofbauer diesen Stall sogleich kassiere. Ich bitte die Lokalpolizei wegen meiner Bitte zu entsprechen.
8. August 1842: Auf die Klage des Obstlers Georg Schwarz v 6. August 1842 ließ man diesen und den Geklagten Johann Hofbauer Bürger v K wegen Entfernung eines Schweinestalles vorrufen. Dieselben erschienen verglichen sich die Teile darin, dass Hofbauer diese Stallung entfernen werde. Bezüglich weiterer Beschwerdepunkte, nämlich dass Hofbauer bei dem vorhabenden Baues im Ultschen Hause keine Mittelmauer auf Schwarz auffahren dürfe, und dass er zum Auffangen des Odels eine Grube graben müsse, sohin derselbe nicht frei anfließen dürfe, konnte keine Übereinkunft erzielt werden."
In diesem - ich nenn ihn mal "Berliner Hinterhof" - Gässchen kam es natürlich laufend zu Streitigkeiten, weil wirklich jede einzelne Baumaßnahme an einem Anwesen automatisch Benachteiligungen oder Einschränkungen für die anderen mit sich brachte.
Über vier ganze Jahre zog sich der Streit zwischen dem Hofbauer Johann (Greiner), Schrank Georg (Hotel zur Post) und Georg Schwarz. (AA XI/117)
Hofbauer Johann hatte ja bereits 1842 das "Ultsche" Haus (107) erkauft und um Genehmigung nachgesucht, eine Stallung bauen zu dürfen. Die Zu- und Abfuhr zwischen dem Wohnhaus und dem des Brauers Schrank war dadurch behindert. Der Obstler Schwarz Georg hatte in den Raum zusätzlich seinen Obstladen hingestellt und auch dessen Durchfahrt ist schwer behindert. Am Wirtshausfenster befindet sich Ungeziefer und die "Obstlerleute lugen in die Gaststube und belauschen die Gespräche der Gäste". Schrank beschwert sich, Hofbauer hätte keine Bewilligung zum Stadlbau.
Schreil Anton( besitzt nun die Wuhn) beschwert sich ebenfalls über Hofbauer. Er hätte den Holzschupfen ebenfalls an sein Wohnhaus gebaut und nimmt ihm das Licht von der Werkstatt.
Außerdem Fahrt durch sein Eigentum. nach langen Verhandlungen gütliche Einigung.
Man muss hier berücksichtigen, dass das heutige Anwesen Schötz noch gar nicht existiert hat - dieses wurde erst Stück für Stück nach 1867 errichtet - Hofbauer Johann hatte in diesem Areal seinen Pferdestall für seine Lohnkutscherei.
Schwarz Josef und Schollerer Franziska
Am 5.2.1864 hatte der Vater Georg das "halbe Haus" an den Sohn übergeben
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| StA Landshut Grundsteuerkataster Umschreibeheft 5041 |
"Vertr. am 5. Febr. 1864
Nach Not. Urkunde vom 5. Febr 1864 übergibt Schwarz Georg HNr0 106 in Kötzting Lit A das 1/2 Leerhaus zu 0.03 TW mit Gemeinderecht an seinen Sohn Josef um 800 fl."
Gut 2 Jahre später - am 9.7.1866 - heiratet der junge "Obstler" die Untergschaider Bauerstochter Franziska Schollerer.
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| StA Landshut Grundsteuerkataster 5050 |
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| Foto Pongratz Dezember 2025 |
Ab diesem Zeitpunkt endet die weitere Entwicklung des Hauses nun sehr schnell.
Als um das Jahr 1870 herum die benachbarte Privatbrauerei - mindestens seit 1620 in Familienbesitz - dann verkauft wurde, kam es schlussendlich in Besitz der Familie Schmidt und dieser konnte das Häuschen dann aufkaufen und in seinen Gebäudekomplex integrieren.
Schwarz Georg - Schwarz Josef - Schmidt Anna - Schmidt Karl und Katharina sind im Umschreibeheft nacheinander als die Besitzer eingetragen. Nur noch anhand der zwei Fensterreihen kann man die Lage des Hauses mit der alten Hausnummer 106 noch lokalisieren.
Josef und Katharina Schwarz - geborene Parzinger - wurden dann die Namensgeber für den "Hausnamen" des kleinen Hauses in der ersten Reihe der Herrenstraße, welches ihre Tochter Katharina im Jahre 1875 übernommen hatte. Wechselweise vom "beim Schwarz" oder "beim Boazinger" sprach man von dem Kramerladen.
Zurück zur Hausnummer 107
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| Hier die Besitzerfolge über Hofbauer Johann - zu Anton und Josefa - nach der Versteigerung kam es danach wieder in ruhigeres Fahrwasser mit den Familien Wieser und Schaffer. |
Auch dieses Gebäude teilte dann - aber mehr als 100 Jahre später als sein Nachbaranwesen - dasselbe Schicksal. Nun nicht mehr in Privatbesitz sondern als Teil eines Gebäudekomplexes eines Zweckverbandes wurde zu Anfang der 1980er Jahre ein Großteil der früheren Privatbrauerei abgerissen und in ein modernes "Haus des Gastes" umgewandelt.
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| Serwuschok Luftaufnahmen: Hier die Situation, als das kleine Haus noch das Schlachthaus der Metzgerei Greiner gewesen war. Das Haus 106 ist bereits Teil des "Schmidtbräus" |
Nachdem nun auch dieses haus Teil des Gebäudekomplexes wurde, konnte man auch mit technischen Tricks erreichen, dass selbst dieses Gässchen noch autobefahrbar blieb.
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| Foto Pongratz im Dezember 2025 |
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| Foto Pongratz im Dezember 2025 |
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| Foto Pongratz im Dezember 2025 |


















