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Sonntag, 19. Juli 2026

Michael Heigls Revisionsprozess und seine Begnadigung

 Der Heiglsche Prozess geht in die Revision 
Teil 18 meiner "Heigl"_Dokumentation


Zuerst jedoch ein Hinweis auf die Teile der Dokumentation, die bereits veröffentlicht sind:

Der Räuber Heigl



StA Landshut LGäO Kötzting Nr. 751

Beim „Heigl“ ist es ein wenig wie bei den Archivalien über den Kötztinger Pfingstritt. Viele vor mir haben schon in den Archiven nach Dokumenten gesucht, und auch ich bin immer wieder bei denselben Signaturen und Materialien gelandet. Und trotzdem gibt es manchmal an überraschender Stelle zusätzliche – wenn auch nicht gänzlich neue – Archivalien, wie auch in diesem Fall.
In Landshut gibt es in der Abteilung "Landgericht älterer Ordnung Kötzting" einen Akt mit dem Betreff: Entscheidungen und Urteile aus der zum Einstampfe gelangten älteren Strafakten.
Dies bedeutet, dass eine mir unbekannte Person – ich weiß deren Arbeitseifer durchaus zu schätzen – einiges an Heigl-Akten vor der Vernichtung (= Einstampfen) gerettet hat, indem deren Inhalte sauber abgeschrieben wurden bzw.  in dem dieser relevante Dokumente zu den Inhalten vorher ausgesondert hat.
In diesem neuen Akt finden sich nicht nur Abschriften des "Heiglfalles" sondern auch Kriminalstrafsachen von "Räuberbanden", die nicht diesen "Kampfnamen" wie Michael Heigl erhalten haben.

1853: Josef Mühlbauer aus Schmelz, Georg Linsmeier aus Schmelz, Anna Liebl aus Schmelz und Franz Schober aus Kolmstein wurden zur Kettenstrafe verurteilt wegen Überfällen und Diebstählen in Himmelreich und Warzenried
1853: Georg Fechter, Dienstknecht aus Gotzendorf, wird zur Todesstrafe verurteilt für den Mord an der Bäurin Anna Maria Mühlbauer von Hinterhudlach.

Todesurteil für Georg Stoiber. Für diesen Mord war kurzzeitig auch Michael Heigl in Verdacht gekommen. 
Anders als später bei Michael Heigl wird die ausgesprochene Todesstrafe nicht auf dem Gnadenwege abgemildert.
Staats=Ministerium der Justiz
Seine Majestät der König haben vermög allerhöchsten Signats de Dato Neapel den 8. Mai 1853 ausgesprochen, daß allerhöchst dieselben keine zureichenden Gründe gefunden haben, die dem Georg Fechter zuerkannte Todesstrafe aus Gnade zu mildern."

Danach kommen bereits die "Heiglakten" und hier ist bemerkenswert, dass beim Heigl - ja immer nur als Inwohnerssohn von Beckendorf bezeichnet - hier plötzlich steht: 

  1. Michael Heigl, 36 Jahre alt, zu Stamsried, Ldg Kötzting (das war sicherlich ein Lesefehler und anschließend eine falsche Ortsangabe des damaligen Schreibers, eigentlich war es Ramsried (Pfarrei Rimbach). Das ist eine kleine Sensation, denn bis vor wenigen Jahren war der korrekte Geburtsort des Michael Heigl unbekannt und in Beckendorf (Pfarrei Kötzting) nicht auffindbar.

"geboren und zu Beckendorf genannten Gerichts wohnhaft, ledigen Inwohnerssohn von dort ...."

Dieser kleine Zusatz hätte uns vieles an Sucharbeit erspart – ODER aber wegen des Lese- bzw. Schreibfehlers „Stamsried“ viele Generationen von Heigl-Forschern auf eine vollkommen falsche Fährte gelockt.

Heigl versucht sein Urteil anzufechten, sein Antrag wird aber verworfen:

"Im Namen seiner Majestät des Königs von Bayern
erkennt der oberste Gerichtshof des Königsreichs in Sachen des Michael Heigl, ledigen Inwohnerssohns (sic) von Beckendorf, k. Landgerichts Kötzting, und Genossen wegen Raubes und Diebstahles etc. zu Recht:
1. Dass weder in dem gegen Michael Heigl durchgeführten Strafverfahren, noch in dem gegen ihn erlassenen Strafurtheile, ein Nuchtigkeitsgrund vorliege, weshalb die von demselben gegen das Urtheil des Schwurgerichtshofes von Niederbayern vom 27. Juli l. Jahres eingewendete Nichtigkeitsbeschwerde verworfen wird.
"

Auch die Gründe für die Ablehnung wurden angeführt:


"Durch Erkenntnis des Schwurgerichtshofes von Niederbayern vom 27. Juni l. J wurden

1. Michael Heigl, lediger Inwohnerssohn von Beckendorf, wegen dreier Verbrechen des Raubes IV Grades, nämlich an den Sauterschen Eheleuten zu Irlmühle /:begangen im Komplotte in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1852:/, dann im Hause des Bauern Joseph Dachs zu UNterfreudeneck /: 3. Juni 1849:/ und an den Greilschen Eheleuten nächst Pirka /:Begangen am 23. auf den 24. April 1847 im Komplotte :/ in Concurrenz mit dem Verbrechen des Raubes III. Grades an Barbara Winter /: 29. August 1852:/. dem Verbrechen der Körperverletzuing III. Grades an dem Gendarmerie=Brigadier Sommer /: 12. Dezember 1852:/ und dem Verbrechen der Körperverletzung I. Grades an dem Bauern Josef Mühlbauer /:17. Juni 1853:/ ferner von zwei Verbrechen des ausgezeichneten Diebstahls, welche schon der Summe des Entwendeten nach Verbrechen sind, endlich eines erschwerten Diebstahlsvergehens - zur Todesstrafe ...... verurteilt."

Im September desselben Jahres - 14.9.1854 - wurde die Todesstrafe Michael Heigls dann auf dem Gnadenwege in eine lebenslange Kettenstrafe umgewandelt.


praes 14. Sept. 1854

Maximilian II

von Gottes Gnaden Koenig von Bayern
Pfalzgraf bey Rhein
Herzog von bayer, Franken und Schwaben ect.


WIR haben UNS allergnädigst bewogen gefunden, die dem Michael Heigl, ledigen Inwohnerssohn von Beckendorf, durch rechtskräftiges Urtheil des Schwurgerichtshofes von Niederbayern vom 27ten Juni dieses Jahres wegen dreier Vergehen des Raubes VIten Grades im Zusammenschluss mit dem Verbrechen des Raubes IIIten Grades, dem Verbrechen der Körperverletzung IIIten Grades, dem Verbrechen der Körperverletzung Iten Grades, zwei Verbrechen des ausgezeichneten Diebstahles und dem Vergehen des Diebstahles zuerkannte Todesstrafe in Kettenstrafe zu mildern.
Demgemäß ist das Weitere zu verfügen. Die mit Bericht vom 22ten praesentiert 24ten Julius vorgelegten Aktenstücke und Akten folgen zurück
Berchtesgaden den 12. September 1854 

Max

Die anderen Urteile:


Therese Pritzls wurde nun zu "siebenmonatlicher in einer Strafanstalt zu erstehenden Gefängnsistrafe" und 
Anna Maria Gruber zu einer " Arbeitshausstrafe auf die Dauer von 6 Jahren" verurteilt.

Der Vollständigkeit halber nun noch die Strafen für die beiden anderen Angeklagten, bzw. dem Zeugen Zitzelsberger, der jedoch noch während der Verhandlung gleich in Haft genommen wurde.
Bei Therese Pritzl versuchten deren Verteidigern noch ihre Zeit in der Untersuchungshaft auf diese Frist angerechnet zu bekommen, so dass die , später als "Roude Res" bezeichnete, Therese Pritzl sicherlich sehr schnell wieder in ihrem gewohnten Umfeld zuhause angekommen war.

Genau diese Endphase kann man auch in Maximilian Schmidts, genannt Waldschmidt, Bericht über Michael Heigl nachlesen, wobei dieser für das Salzburger Volksblatt im Jahre 1882 aus seinem  Roman "Brigitta" eine Fortsetzungsgeschichte geschrieben hatte. 
Darin wird über sein Ende berichtet:

" Bei der Schwurgerichtsverhandlung (wo ihm der mittlerweile in Crim. Effekten depositorio aufbewahrt gewesene Hut wieder verabfolgt wurde, den er vor 11 Jahren bei seinem Entweichen aus der Kötztinger Frohnfeste zurückgelassen hatte) wurde er, wie nicht anders zu erwarten, zum Tod verurteilt. Durch die Huld des Königs zur Kettenstrafe begnadigt, ward er in das Strafarbeitshaus Au abgeliefert. Hier brachte er es durch sein Wohlverhalten und seine Ordnungsliebe zur Stelle eines Aufpassers, zog sich aber dadurch den Hass seiner Mitgefangenen zu und wurde im Januar 1857 von einem Leidensgenossen mit der an der Kette befindlichen, eisernen Kugel erschlagen. 
Wie gelebt, so gestorben!

Therese P. befindet sich, nachdem sie einige Monate Strafarbeitsbaus erstanden, wieder in ihrer Heimat Hohenwarth und hat sich mit ihren zwei noch lebenden Kindern einen guten, das üble Andenken Heigls mildernden Ruf erworben.



Und so endete Michel Heigls Schicksal in einem Zuchthaus in München, wo er Jahre später dann von einem Mithäftling meuchlings ermordet wurde.
Doch das ist dann ein weiterer Beitrag der "Heigldokumentation"

In dem Akt sind auch noch weitere Strafverfahren aufgeführt:
So zB die Verfahren gegen
1856: Xaver Achatz von Seehäusel Raub beim Sommerauer Bauern Johann Frisch
1857: Michael Bauer aus Zandt und Michael Zilk aus Chameregg wegen Diebstahls bei Michael Zollner von Zandt.
Theresia Dachs Wagnerstochter von Kaikenried wg Meineid zu 5 Jahren Gefängnis
1858: Barbara Baumann aus Warzenried beim Wirt Josef Kauer und beim Bauern Georg Brunner beide aus Kammern.
1860 Michael Meidinger aus Grüben wegen Mord an seinem unehelichen Sohn Alois Fischer aus Lemming, und der Körperverletzung an Anna Freimuth, Theres Fischer und deren weiteren unehelichen Sohn Josef Wagner. (Auch diese Todesstrafe wurde vom König in Kettenstrafe abgewandelt)



zum Schluss dieses Beitrags nun noch ein paar Beispiele von Veröffentlichungen über Michael Heigl, auf die ich bei meiner Recherche über diesen an unterschiedlichen Stellen gefunden habe.

Im Staatsarchiv in Landshut befindet sich eine kleine Privatsammlung aus dem Nachlass des Rimbacher Pfarrers Kiendl, die sogar eine eigene Signatur erhalten hat:
StA Landshut Rep 191-Kiendl Nr. 93 Räuber Heigl

StA Landshut Rep 191-Kiendl Nr. 93 Räuber Heigl


Natürlich habe ich den gleich ausgehoben, fand aber darin aber nur eine sehr schön geschriebene Abschrift des Rederschen Beitrags aus dem Jahre 1861.
Trotzdem finde ich es wert, diesen nun anzuführen, weil Reder das Leben des Michael Heigl sehr schön zusammenfasst und die - in den anderen Veröffentlichungen manchmal so gerne benutzten  - Hinzufügungen vermeidet.

StA Landshut Rep 191-Kiendl Nr. 93 Räuber Heigl

 

Lebensgeschichte 
des Räubers Heigl

(aus Heinrich Reder´s "der Bayerwald", Pustet 1861, Seite 193 ff)

 
Weiter geht es mit einem Beispiel aus  der Sammlung unseres Arbeitskreises aus der Mappe "Linke und Döring" und darin findet sich ein Mehrteiler Oskar Dörings über den Räuber Heigl, vermutlich war dies die Grundlage für sein später herausgegebenes Taschenbuch.
So bezeichnete Oskar Döring seine – wohl die bis heute am weitesten verbreitete Veröffentlichung über den Räuber Heigl – selbst als einen „Räuberroman und Tatsachenbericht“. Was er jedoch nicht ahnen konnte, war, dass viele seiner Leser die Schilderungen weit stärker als Tatsachenbericht denn als Roman auffassen würden.

AKH Sammlung "Linke und Döring" LOGO der mehrteiligen Arbeit von Oskar Döring 

 
Hier veröffentlichte Maximilian Schmidt seinen Roman Brigitta über Michael Heigl aufgeteilt in mehr als 30 Fortsetzungen.

In Waldschmidts "Brigitta und der Räuber vom Kaitersberg" - bei der Michael Heigl eine weitere große Liebe zu einer Brigitta angedichtet wird -  wird auch die bekannte Episode breit ausgestaltet, bei der der junge Michael Heigl sich der Einweisung ins Arbeitshaus entziehen konnte.
"Wegen mangelnden Beweises wurde die Untersuchung eingestellt, aber seine Ablieferung in ein Zwangsarbeitshaus auf die Dauer von zwei Jahren verfügt.
Bei der Publikation dieses Urtheils im Verhörzimmer der Frohnfeste zu Kötzting durch den Landgerichts-Assessor F., wobei dem Heigl auch noch zur Abschiede „Fünfundzwanzig“ aufgemessen werden sollten, ereignete sich jene possierliche, alberkannte Scene mit dem Hute. Während nämlich der Beamte mit dem Diktiren des Protokolles beschäftigt war, entfernte sich Heigl an dem Verhörzimmer, sprang eilig die Treppe hinunter in das untere Hausfletz, zog den Hausflur-Riegel, welcher ihm durch seinen früheren Aufenthalt in der Frohnfeste wohl bekannt war, zurück und suchte das Weite. Als er auf der Straße um das Hauseck bog, sah ihn der mit dem Protokoll beschäftigte Schreiber und rief Bestürzung:
„He! Herr Assessor, dort läuft uns ja der Heigl davon!“
Der Assessor, entrüstet, dass ihn sein Aktuarius so in Schrecken versetzte, donnerte demselben zu:
„Halt'n's d' Maul und schreib' s' no' a so! Wo kann er denn hinlaufen? — er hat ja sein' Hut noch da!


Von Maxililian Schmidt, der in seiner Schulzeit Michael Heigl ja sogar persönlich begegnet gewesen war, erfahren wir auch noch eine Personenbeschreibung des Heigl:
Dieser soll - damals 26 jährig -  6 Fuß groß und von untersetztem und muskulösem Körperbau gewesen sein. 
Weiter schreibt er: "Unter einer hohen gewölbten Stirne und nicht starken Augenbrauen blizt ein blaues, lebhaftes Auge hervor. Seine Nase war etwas gebogen; der Mund ziemlich groß, aber wohlgeformt"
 



Räuber Heigl

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Viel Freude beim Entdecken!

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