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Mittwoch, 2. September 2026

Erinnerungen an Altkötzting Nr. 70 Die Verkehrsanbindung an die "große weite Welt"

 In der Bildersammlung des Stadtarchivs haben sich zahlreiche Momentaufnahmen erhalten, die einen „Blick zurück“ auf das Alltags- und Gesellschaftsleben früherer Jahrzehnte erlauben: auf Handel und Gewerbe ebenso wie auf Feste, Bälle und gesellige Abende, bei denen besonders der Fasching mit seinen Burschenbällen und Abschieden eine prägende Rolle spielte. Neben diesen unbeschwerten Szenen verweisen die Aufnahmen aber auch auf die Herausforderungen, die das Leben in Kötzting über lange Zeit begleiteten.

Die folgenden Bilder führen zurück in ein Kötzting vor rund 50 Jahren und erinnern an das „Stadtbild“ jener Zeit. Heute geht es um den Zustand der Verkehrswege rund um Kötzting – genauer gesagt um den Straßenabschnitt zwischen Kötzting und Lederdorn, der bis 1976 wohl ohne Übertreibung als Teststrecke für die PKW-Federung bezeichnet werden konnte. Nur die Straße Richtung Haus war damals noch in einem schlechteren Zustand.

Wie sehr sich daran die Gemüter erhitzten, zeigt ein Zeitungsbericht aus dem Jahr 1976. Zwar war die Strecke inzwischen zur Staatsstraße aufgestuft worden – am Zustand der Fahrbahn hatte sich dadurch zunächst allerdings wenig geändert.

Straßenzustand zwischen Kötzting und Lederdorn

Nach der Aufwertung der Straße zwischen Chamerau und Kötzting zur Staatsstraße (St 2032) und dem bereits erfolgten Teilausbau der Strecke zwischen Chamerau und Lederdorn warteten die Bürger des ehemaligen Landkreises Kötzting auf einen zügigen Weiterbau. Dem standen offensichtlich nicht nur fehlende Mittel im Wege, sondern auch die Ergebnisse der Verkehrszählungen. Und hier biss sich die sprichwörtliche Katze in den eigenen Schwanz: Der Straßenabschnitt wurde – trotz seiner Bedeutung als kürzeste Verbindung – wegen seines miserablen Zustands von vielen Verkehrsteilnehmern gemieden. Entsprechend gering fiel die Verkehrsdichte aus, was wiederum kaum als Argument für einen vorrangigen Ausbau herangezogen werden konnte.
Der Berichterstatter in der Kötztinger Umschau legte den Finger auch genau in diese Wunde, als er über diese Entwicklung schrieb:
"Wesentliche Veränderungen im Zustand des „kranken Straßenpatienten“ ergaben sich nicht. Karten verführten Ortsunkundige auf eine „Staatsstraße“, die sich mit gefährlichen Kurven, Engstellen und einer schlechten Straßendecke präsentierte. Einheimische mieden sie, wenn es ging. Verständlich, dass durchgeführte Verkehrszählungen keine Steigerung der Verkehrsdichte ergaben. Damit war auch meistens das Argument gegen beantragte Ausbaumaßnahmen gegeben, obwohl mit der Westumgehung in Kötzting und dem Ausbau der Straße Ramsried—Lederdorn wesentliche Weg- und Zeitverkürzungen in den Nahraum Cham bei normalen Straßenverhältnissen möglich gewesen wären. Zum Stein des Anstoßes wurde 1971 der Böschungsrutsch in der Engstelle bei Roßbach. Der Beseitigung dieses gefährlichen Engpasses folgte nach der Gebietsreform ein Ausbauplan durch das Straßenbauamt Regensburg und die schnelle Sanierung im Abschnitt Chamerau—Lederdorn mit einer völlig neuen, den Erfordernissen des Verkehrs gerecht werdenden Trasse und Fahrbahnbreite, eine optimale Lösung. Für den Abschnitt Kötzting—Lederdorn aber ergeben sich daraus nun Belastungen, denn hier sind die eingangs geschilderten Merkmale unverändert geblieben.

Anschließend benennt der Berichterstatter die Problemstellen des verbliebenen Straßenstücks zwischen Lederdorn und Kötzting, die es neben der unhaltbaren Fahrbahndecke noch zu bewältigen gab, die Engstelle bei Reckendorf, der Ansteige in Gehstorf und die  



"Die neuralgischen Punkte des noch „unterentwickelten“ Abschnittes Lederdorn—Kötzting existieren nach wie vor. Ihre Gefährlichkeit muss sich zwangsläufig in dem Maße erhöhen, in dem der Verkehr zunimmt. Bei einer Fahrbahnbreite von 4,50 m, in der gefährlichen Engstelle in Reckendorf sind es nur 3,50 m, lauern Gefahren.
Die ramponierte Hausecke am Reckendorfer Gasthaus könnte ein Lied von zahlreichen „Zusammenstößen“ singen.
Ähnlich liegen die Dinge auch ein Stück weiter, wo ein Straßeneinschnitt jegliche Übersicht und alle Ausweichmöglichkeiten verbaut.
Die Gehstorfer Höhe hat ihre Tücken nicht nur im Winter.
Kurz vor den Toren der Stadt nimmt eine völlig unübersichtliche Kurve noch einmal jede „Voraussicht“.
Wie lange muß sich die Strecke in Richtung der ehemaligen Kreisstadt als „Wurmfortsatz“ präsentieren?

Das ramponierte Hauseck am Reckendorfer Gasthaus

Alte Gehstorfer Straße - früher eine Durchgangsstraße

Kreuzung in Gehstorf mit der anschießenden unübersichtlichen Kurve Richtung Kötzting (hier nicht im Bild)

Foto Josef Barth: Faschingshochzeitszug in Gehstorf: rechts am Bildrand ist die im Text angesprochene unübersichtliche Kurve.

Auch wenn sich eine erste Lösung für diesen Straßenabschnitt abzeichnete, da der Ausbau in die höchste Dringlichkeitsstufe aufgenommen worden war, so blieb doch für lange Jahre das schlimmste Nadelöhr der Strecke bestehen: die viel zu Enge Ortsdurchfahrt vor und in Chamerau.

"Bestehen bleibt dagegen bis auf weiteres das Problem mit der Ortsdurchfahrt Chamerau, obwohl technisch jede Lösung möglich wäre. Sie ist aber von vornherein zum Scheitern verurteilt, weil sie sich finanziell nicht verkraften."

Ortseinfahrt Chamerau : KU vom 12.7.1978




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⭐ Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Umland und dort genau beim früheren Wirtshaus in Reckendorf zu finden.


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