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Samstag, 24. Januar 2026

Kötztinger Häuserchronik - alte Hausnummern 106 und 107

 Das "alte Kötzting" bei der Uraufnahme bei der beginnenden Landvermessung hatte 159 Anwesen. Der Geschichte dieser Bürgerhäuser und ihrer Bewohner nachzuspüren und sie zu dokumentieren, ist das Ziel dieser Häuserchronik.

Die Anfänge und die Entwicklung unserer Heimatstadt – von der Teilung der Urhöfe bis zur Ernennung Kötztings zum Landgerichtsort – lassen sich in einem einleitenden Blogbeitrag ausführlich nachlesen.
Seit Herbst 2025 gibt es darüber hinaus eine besondere Neuerung: die "Interaktive Karte Kötztings". Auf ihr sind alle bisherigen Beiträge zur Häuserchronik sowie zahlreiche weitere historische Themen direkt in einer Stadtkarte verortet. Jeder Marker führt mit einem einzigen Klick zu den passenden Blogbeiträgen – übersichtlich, schnell und jederzeit abrufbar.
Die Karte funktioniert auf jedem PC und auch auf Mobilgeräten. Wer möchte, kann sie sogar als kleine App auf dem Smartphone speichern und wie ein eigenes Programm starten.

Mit diesem Tool  kann man alle bisher veröffentlichten Beiträge zur Kötztinger Häuserchronik auf einer Karte erkennen.
Wer neugierig geworden ist, kann die Karte hier öffnen:    🗺️ Interaktive Karte Kötzting öffnen


Alte Hausnummer 106 + 107  
beim Schwarz - Parzinger

Serwuschok Luftaufnahmen ca. 1957

Detail aus Vermessungsamt Cham: 5168-2100-LiquiP_Bad_Koetzting_1831_Beilage_M2500_1_1-01

Die Suche nach den Besitzern dieses kleinen Hauses, das Mitte des 19. Jahrhunderts bereits in den Komplex der Privatbrauerei Schrank eingefügt wurde, muss rückwärts erfolgen, vom festen Boden der beiden Katasterbände zu Anfang des 19. Jahrhunderts aus.
StA Landshut Grundsteuerkataster Nr. 5039 von 1840.
"Hausnummer 106 in Kötzting    Georg Schwarz
Ein halbes Leerhaus 
Gebäude
das halbe Wohnhaus"
 
"Auf der rechten Seite heißt es dann:
Laut Brief vom 3. September 1834 von der Schwiegermutter Katharina Parzinger, vielmehr durch Ehelichung ihrer Tochter Katharina im Anschlage von 600 fl erworben
"

Wir haben hier also ein Haus, dass offensichtlich durch Teilung entstanden ist, so dass die Geschichte der Häuser 106 und 107 irgendwann in der Vergangenheit einen gemeinsamen Ursprung haben muss und beide erst später getrennte Wege gingen. Schaut man auf das Häuser- und Rustikalsteuerkataster von 1811, so steht dort
Nro 103  (die damaligen Hausnummern sind um 3 Zahlen verschoben)
Michael Hartl: das halbe Haus, theilweise gemauert, theilweise gezimmert
Nro 103 Wolfgang Ultsch die zweite Hälfte des obigen Hauses mit einem kleinen Gartl.
1811 war das Haus bereits geteilt, aber beide Teile hatten noch dieselbe Hausnummer. 

H+R Kataster von 1811
Eine Hälfte gehörte einem Michael Härtl - die andere Wolfgang Ultsch beide mit der vorläufigen Hausnummer CIII also 103.

1840 bei der Erteilung der "richtigen" Hausnummern erst, erhielten die beiden getrennte Hausnummern.

Wir haben also
1841
Georg Schwarz 00 Katharina Parzinger
vorher Katharina Parzinger
1811 Michael Hartl
1781 heiratet Magdalena Parzinger den Leinweberssohn Michael Härtl
Von da ab kann man die Linie der Saliterfamilie Parzinger und noch weiter zurück die Hausbesitzer eindeutig durch die Lage und die Berufe belegen.
Wolfgang Ultsch - 1811 auf dem geteilten Nachbarhaus nachweisbar - hatte 1809 eine Witwe Theresia Hartl geheiratet.
Es hat den Anschein, als ob genau zu dieser Zeit Parzinger/Hartl die Trennung des Hauses erfolgt ist.
daher können wir nun zurückgehen zu den Besitzern eines Hauses, dessen Lage mehrmals als zwischen dem Brauhaus des Krieger/Luckner/Poschinger und der Wuhn beschrieben ist und in dem viele Jahrzehnte Saliter gewohnt  - und anfangs auch gearbeitet  - hatten.


Einschub

Die Saliter - lt Wikipedia
Salpetersieder (auch Saliterer, Salvaiter oder Salpeterer) ist die (historische) Bezeichnung eines Berufes, der mit der Einführung des Schwarzpulvers große militärische Bedeutung erlangte, weil Salpetersieder das zur Herstellung des Pulvers notwendige Kaliumnitrat bzw. das Ausgangsmaterial Kalksalpeter (veraltet Salpeter oder Saliter) sammelten und beschafften.
Salpetergewinnung
Der Mauersalpeter wurde aus dem Erdboden und von den Mauern von Ställen und Wohnhäusern gewonnen, weil er sich dort aus dem im Boden vorhandenen Kalk und den stickstoffhaltigen Exkrementen und Urin der Tiere und Menschen bildete. 
Zur Kalisalpetergewinnung wurde der Boden ausgegraben, mit Kaliumcarbonat versetzt und ausgewaschen, wobei Calciumcarbonat ausfiel und zurückblieb. Man erhielt eine salzhaltige Lösung mit Kalisalpeter. Dieser wurde durch Eindampfen bzw. Sieden als gesättigte Lösung erhalten. Da sich Kalisalpeter im Verhältnis zu vielen anderen Salzen in heißem Wasser deutlich besser löst als in kaltem, kristallisiert beim Abkühlen der gewünschte Salpeter zuerst aus. Durch Wiederholung dieses Umkristallisierens wurde die gewünschte Reinheit erhalten.
Häufig wurde der Mauersalpeter auch durch Abschaben an Lehmwänden von Gruben gewonnen, welche der Verrieselung von Urin dienten.
Die Knappheit der Ressource Stickstoff in der vor-fossilen Wirtschaft bedingte, dass Salpetersieder ein nicht sesshafter Beruf war. Der Salpeterer musste durchs Land von Dorf zu Dorf ziehen und mit Vollmacht der Landesherren die Anwesen der Bauern durchwühlen. Er durfte die Böden von Stuben und Kammern aufreißen, Mauerstücke herausbrechen, Balken absägen und die salpeterhaltigen Teile mitnehmen. In seiner Hütte verkochte er die salzhaltige Erde in einer Sudpfanne mit Pottasche und schied den Kalisalpeter ab. Dieser wurde in Säcke gefüllt, beim Pfleger abgeliefert und ging von dort in Sammelposten in die Residenzstadt.

Einschub Ende

Der Dreh- und Angelpunkt für die Beweisführung der Besitzfolge auf diesem kleinen Haus, das so versteckt in zweiter Reihe stand, sind eben diese Saliter, die wegen der Feuergefährlichkeit ihres Berufes in Konflikt vor allem mit dem mächtigen Kötztinger Kammerer Wolfgang Samuel Luckner standen. 

Wolf Hofmann und Maria


Unsere gesicherte Besitzerfolge auf dem Haus beginnt im Jahre 1700, als ein Wolf Hofmann - verheiratet mit einer Maria - 100 Gulden bei der Kirche in Weißenregen aufnimmt und sein Haus als Sicherheit verschreiben lässt. In der Verbriefung dieser Grundschuld wird die Lage des Hauses beschrieben: "das inhabende Bürgerhäusel mit allen Zugehoer , an des Hans  Krieger allhier Preustadt stossend" Da seine ganze Familie für ihn bürgte, erfahren wir auch seine Abstammung durch diesen Schuldbrief: 
Familienbogen Hofmann:
Vater Hofmann Paulus Müller auf der Saag
Kinder: obiger Hofmann Wolf 00 Maria Bürger
Hofmann Martin Schneider
Hofmann Michael Bürger
alle als Bürgen des Wolf

In den Weißenregener Kirchenrechnungen findet sich der Eintrag, das diese Schuldverschreibung bereits am 28.2.1690 erstmals verbrieft wurde.

StA Landshut Rep 198-2 S439 Kirchenrechnung Weißenregen 1700
"Wolf Hofmann, burger, all hier, und Margaretha sein Eheweib, die sich ihrer weiblichen Freiheiten, und des Vorgangs begeben, haben 100 Gulden, Kapital vermög Briefs, unterm dato 28. Februar 1690 mit Paulussen Hofmann und Martin Hofmann, beeden Bürgern, und Wolf Hofmann, Schneider allda zu  Kötzting unterschaidentlich verporgt, auch von Cammerern und Rhate durchgehenten Consens Schein eingelegt, und zu Georgi Zins entrichtet. Fünf Gulden"


Bereits wenige Jahre später - 1707 - stand die Familie Hofmann "auf der Gant" und so wurde das "Häusl zunegst der Wuhn und Hansen Kriegers Bräustadt liegend" an Georg Lärnbecher, Bürger und Müller zu Nittenau versteigert. Am 31.12.1707 erhielt er den Zuschlag für 130 Gulden.
Hier hatte der Magistrat eingegriffen und das Haus einfach zwangsversteigert. Der Hintergrund kann durchaus sein, dass die Familie die auf alle Bürger Kötztinger umgelegten Kontributionszahlungen im Verlauf des Spanischen Erfolgekrieges und gleichzeitig auch noch die Schuldzinsen der Grundschuld  nicht hatte aufbringen können und so immer tiefer in die Verschuldung gekommen war.

Georg Lärnbecher


Gerade mal 2 Monate konnte sich Georg Lärnbecher überlegen, was er mit dem Hause anstellen wollte. Am 11.2.1708 musste der Kauf rückabgewickelt werden, weil , wie der Magistrat schrieb, "fristgerecht ein höheres Angebot" abgegeben worden war.

Franz Pernloher und Maria Eva


Der Saliter Franz Pernloher war es, der - fristgerecht - 30 Gulden mehr für das Haus geboten hatte und dann für weitere 5 Gulden das Kötztinger Bürgerrecht erstand.
Das Ehepaar Pernloher muss bereits mindestens seit 1693 in der Pfarrei Kötzting gewohnt haben, weil in diesem Jahr bereits eine Geburt in den Pfarrmatrikeln verzeichnet ist.
StA Kötzting Marktrechnung von 1708 Seite 7
"Franz Pernloher Saliter Heuslerbürgerrecht 5 fl."
Schon bald darauf verstarb der Saliter Franz Pernloher
PfA Kötzting Matrikelband 3 25.4.1711
"Sepultus est Franciscus Pernloher Salliter in Khözting. provisus"

Im selben Jahr kam der nächste Saliter nach Kötzting - Ullrich Parzinger - und erwirbt um 800 Gulden die "Saliterhütte sambt dem Kössl und Geschirr".
Da Ulrich Parzinger nur 3 Gulden - sein Knecht Hans Scharpf sogar nur 1 Gulden 30 xr bezahlen musste, haben die beiden nur für den sogenannten "Beysitz" optieren können, denn bereits für das volle Bürgerrecht eines Häuslers wären 5 Gulden fällig gewesen.
Ullrich Parzinger hat also zunächst als Inwohner in Kötzting gearbeitet. Aus dem Streit Lucknerers um eine Verlegung der Saliterhütte wissen wir, dass diese damals ebenfalls  - feuergefährlich - dem Krieger/Lucknerschen Bräuhause gefährlich nahe benachbart war. 

StA Kötzting Bürgerrechtsannahme für Hanßen Scharpf und Ulrich Parzinger 1711

Im Jahre 1725 pachtete Ullrich Parzinger dann noch für kurze Zeit das Marktlehen neben dem Voglhof - heutzutage die Sattlerei Michl Traurig  -, als die Erben dann jedoch dieses Anwesen verkaufen wollten, konnte er nach der Saliterhütte nun auch das Wohnhaus dazu erwerben.


Parzinger Ullrich und Affra


 Am 30. Mai 1727 kann er das Pernlohersche Haus um 150 Gulden erwerben. Im Verkaufsbrief ist die Rede davon, das im Jahr 1811 der vorhergegangene Verkauf der Saliterhütte von der "Kaiserlichen Administration in München"  angeordnet war.
Nun zieht also der Magistrat nach und verweist auf die damalige Inventarisierung, die einen Wert von 150 Gulden ergeben hatte. 
Natürlich muss der neue Besitzer auch die Grundschulden bei den Kirchen Weißenregen und Kötzting übernehmen, die alleine 130 Gulden betragen. Viel Bargeld musste er damit also nicht auf den Tisch legen.

StA Landshut Masrkt Kötzting Briefprotokoll von 1726-1728 
"Übergabsbrief per 150 fl"

Parzinger Hans Adam  und Zistlberger Dorothea


Am 24.9.1749 heirateten der Sohn des Saliters Parzinger und die Arndorfer Bauerstochter Dorothea Zistlberger. Schon im Jahre zuvor hatte dieser vom Vater das Gesamtanwesen zum Gesamtbetrag von 800 Gulden übernehmen können.
In den vorhergehenden Jahrzehnten hatte der Vater noch einiges an Grundstücken hinzuerweben können.
Es wird also verkauft: das Haus, zusammen mit dem "Geltolfinger Lehenwiesl" mit 3 Tagwerk und das "Wolf Adam Ackerl negst dem Herrenweiher"
Weiter musste der Sohn nun berücksichtigen, dass gewisse Schuldenlasten noch auf dem Hause lagen, die einzeln auch aufgeführt wurden:
"100 fl zur Kirche Weissenregen
68 fl Eva Löckherin
10 Gorian Pernloher Salliterknecht zu Pogen
16 dessen Schwester Magdalena Murathin Strumpfstrickerin zu  Viechtach
20 fl Corporis Christi Bruderschaft
20 fl Hans Vischer Fluderknecht Kötzting
11 fl Georg Geiger
Weiter heißt es im Verkaufsbrief lapidar: "um die Salitergerechtigkeit soll er sich selber  bei der  Hofkammer in München kümmern".

Da unter den damaligen Bedingungen solch eine Saliterhütte eine andauernde Feuersgefahr darstellte, wurde Adam Parzinger gezwungen, sein Wohnhaus und seine Saliterhütte zu trennen. Zwar am Ortsrand Kötztings gelegen, so stand die Saliterhütte doch neben einer Gruppe von Stadeln und war in der Nähe des Gschwandhofes gelegen. Luckner bot an, „zu Verhüttung besorglicher Feuersgefahr und anderer Umstände halber (Der Gestank dürfte keine geringe Rolle gespielt haben) die zunegst an seiner Wohnbehausung situiert baufällige Salitterhütten samt dem gleichfalls ruinösen Häusl des Adam Parzinger“ auf seine eigenen Kosten auf einen vom Magistrat ausgewiesenen Platz unweit der Ziegelhütte neu zu errichten. 
Adam Parzinger spielte jedoch nicht mit und errichtete seinen baufälligen Saliterstadel an derselben neu. . Dabei nahm er es allerdings mit den Grenzen nicht so ganz genau und rutschte mit seinen Mauern „drei Schuech - also ca. 1 Meter -  auf den Grund des Marktes: Dafür musste er im Jahre 1758 für einen Tag ins Gefängnis und wurde dazu verurteilt, den Bau genau auf „der vorig altes orth“ sezen. 

StA Kötzting Marktrechnung 1758 Seite 31

"bei dem bei Hans Adam Parzinger bürgerlichen Saliter allhier seiner erbauten Brennhütten halber vorgenommenen Augenschein hat sich gezeigt, dass er um drei Schuech mit solcher auf den Gemains Grund zu weit heraus gefahren.
Als ist demselben aufgetragen worden, dass er nicht allein die auf das vorige altes Ohrt setzen, sondern auch nicht das mündeste von der nächst des Lucknerschen Malzantennen stehenden Mauer anrieren: dessen eigenmächtigen Unternehmens willen, aber in Ansehung seiner Armut zur Strafe mit Verweis, ein Tag lang im bürgerlichen Arrest geschafft sein solle. Id est ein Tag im bürgerlichen Arrest"


Ausdrücklich steht hier jedoch, und nur daher wissen wir es, wie nahe die Hütte am Anwesen Luckners stand, dass er unter keinen Umständen die bei der Lucknerschen Malztenne stehende Mauer berühren durfte. Nun war die Saliterhütte also doch wieder nahe an Samuel Luckners Besitz herangerückt. Zumindest vorerst musste Luckner mit der latenten Brandgefahr leben.
Dieser ließ jedoch nicht locker und so kam es zu einer weiteren Vereinbarung mit dem Pfleggericht vom 23.03.1767, Damit  durfte also Parzinger den Stall auf der sogenannten Kollstadt beim Zehentstadel, aber wiederum nahe beim Gschwandhof errichten.  
Für diesen markteigenen Bauplatz musste er im Jahre 17 Kreuzer an Grundgilt an die Marktkasse bezahlen. 
Es dauerte bis ins Jahr 1785, dass Luckner endlich, mit der Hilfe seines Vizekammerers, Johann Michael Kollmeier, Beständners (=Pächter) auf dem Gschwandhof als Strohmann, von den Erben des 1778 verstorbenen Adam Parzinger die Saliterhütte dann kaufen konnte.
Zuerst erwarb Kollmeier den Saliterstadel von den Erben, anschließend legte der  Gemeindeausschuss formal Protest ein und bestand auf dem Einstandsrecht des Marktes Kötzting. Formal konnte danach Samuel Luckner den Stadel auf Abriss aufkaufen und erhielt sogar vom Markt einen Platz angewiesen, auf den er diesen Stall stehen sollte.
Wie im Text bereits angedeutet, verstarb der Saliter Johann Adam Parzinger am 26.11.1778.


Johann Michael Härtl  und Magdalena Parzinger

Am 4.12.1781 wird ein "Übergabebrief um ein burgerliches Leerheusl und lehenbaren Wisgrund" in Höhe von 428 Gulden abgeschlossen.  Die Verkäuferin ist Johann Adams Witwe Dorothea.
Zu berücksichtigen sind bei dieser Übergabe als Kinder des Paares ein:
Joseph Parzinger verheirateter Inwohner in Kötzting
Maria Parzinger - derzeit in Wien
Hans Georg (wohl volljährig)
Georg Adam 17 Jahre alt
Jakob 11 Jahre alt
Barbara 9 Jahre alt und
Ullrich 6 Jahre alt
Der Gesamtbesitz solle an die Tochter Maria Magdalena Parzinger gehen
Bei der Übergabe ist noch die Rede von einem "Möhnpferd", also einem Zugpferd  und einer Kuh.
Weiter ist immer noch die Rede von einer Saliterhütte neben dem Haus, zusammen mit einem Wurzgärtl und einem Schöpfbrunnen. Die auf der Kohlstatt genauer: "hünter dem Kalben= und nunmehrigen Heyllingstadl" erbaute Städerl wird im Vertrag an anderer Stelle behandelt. Es hat also den Anschein, als ob diese aufgelassene Saliterhütte gleich neben dem Wohnhaus dann der Ausgangspunkt für die Gebäudeaufteilung gewesen ist. 
Die "Saliterei" sollte an den Bruder und Sohn Joseph gehen, der auch schon das "junge Stuettpferd" erhalten habe.
Am selben Tag der Besitzübergabe schließen das junge Paar einen Heiratsvertrag durch den der Leineweberssohn Michael Härtl verspricht, 150 Gulden in die Ehe mit einzubringen. 
In den Folgejahren verschuldet sich der junge Webermeister mit ansehnlichen Summen - z.B. mit 200 Gulden bei der Kirche in Chamerau, und 60 Gulden bei der Kirche in Kötzting.
Am 2.4.1785 verkauften der Häusler und Weber Johann Michael Härtl und seine Frau Magdalena die auf der Kohlstatt stehende Hütte - auch aus dem Grund, weil sie bei ihrem Hause keinerlei "Veldbau" mehr vorhanden sei und daher diese Hütte in der Zukunft einfallen müsse - an den bürgerlichen Beständner Christoph Kollmayr. um 4 Gulden. (Siehe oben der Ärger mit der Saliterhütte)
1789 leihen sie sich noch einmal eine große Summe - 100 Gulden von der Kirche Kötzting, ausdrücklich, um die Bedingungen des "Urkaufes" zu erfüllen und einige "Currentisten" auszuzahlen.
Sie beleihen dafür ihr "freiyeigenes Heusl samt der Webersgerechtigkeit nebst der bem Heusl befindlichen Wiesn"
1792 trennt er sich von der "Saliterwiese" dem 3 Tw großen Wiesengrundstück, das ein Geltolfinger Lehen gewesen war und erzielt dafür 570 Gulden.
1796 leiht er sich erneut 100 Gulden, die er zur "Erbauung einer Zeugmangel" benötigt, wohl eine Kaltmangel um Wäsche zu glätten.
So könnte eine "Zeugmangel" damals ausgesehen haben:



Aus dem Jahre 1803 hören wir ein Detail aus der Familie Härtl: "1803 Lüstenöder Christian, Wollhändler zu Dinkelsbühl klagt  gegen Hartl Michael Leinweber zu Kö. Klage um eine Schuld von 130 fl. Hartl hat seit Monaten kranke Frau und unmündige Kinder. Magistrat will Hartl wegen der unglücklichen Lage nicht um Haus und Hof bringen. Im April 1804 wird gezahlt, es geht aber nicht aus den Unterlagen hervor, woher das Geld kommt."
Schaut man auf die nächste Entwicklung so wird klar, wie sich Michael Härtl von der Überschuldung hatte retten können, er verkauft den größten teil seines Hauses, denn nun lässt sich auch die Teilung des Gebäudes beweisen.
Am 17.3.1804 verkauft der verwitwete Zeug-und Leinewebermeister Michael Härtl das "1781 an sich gebrachte Bürgersbehausung die rechte Hälfte gegen den anstossenden Wurzgärtl incl Schöpfbrunnen" an den Leineweber Wolfgang Härtl und dessen Frau Theresa. 800 Gulden erhält er dafür, mehr als genug, um seine Schulden zu bezahlen. Und deshalb hatte er vermutlich auch die Genehmigung des Magistrats für die Teilung seines Anwesens erhalten.


Hausnummer                  106                   >>>>1804<<<<<                        107

                      Michael Härtl  Witwer                                         Wolfgang Härtl oo Theresia
                                                               >>>>>1809<<<<<<   Wolfgang Ultsch oo die Witwe Theresa

Bleiben wir nun zunächst bei der alten Hausnummer 106, das bis zum Jahre 1821 in Händen des Webermeisters Michael Härtl blieb. Aus den Jahren zuvor erfahren wir nur kleine Schuldverschreibungungen und Eingeständnisse, weil er kleinere Summen an die Marktkasse schuldig geblieben war.


Georg Parzinger und Katharina Moosmüller


StA Landshut Rentamt Kötzting B28 Umschreibeheft

 ""den 29. Sept. 1821 hat Michael Härtl in Kötzting dessen BürgerHäusl alda an Georg Parzinger Insass derorten um 530 fl verkauft, ohne Änderung "
Im Akt aus dem Stadtarchiv heißt es dazu im Nachgang:"
10. August 1822  Parzinger Georg verehelichter Inwohner von Kötzting erhielt durch Kauf der Hälfte des Hauses von Hartl Michael Weber Bürgerrecht". Auch hier erhalten wir erneut die Bestätigung über die Hausteilung.

Ein Bauakt aus dem Jahre 1826, der uns bereits bei mehreren benachbarten Anwesen geholfen hat, zeigt uns auch hier die genaue Situation mit zusätzlichen Details, die sich auch aus den oben angesprochenen Teilungsdokumenten ergeben 

 
StA Kötzting AA XI-76 Stadelbau des Johann Hofbauer


 Das Haus 106 gehört 1826 Georg Parzinger - Das Haus 107 dem Wolfgang Ultsch. Und auch die Wiese/Garten neben dem Haus des W. Ultsch zusammen mit dem erwähnten Schöpfbrunnen ist im Plan bereits eingezeichnet. Wie gut die Wasserqualität eines Schöpfbrunnens in direkter Nähe zu Düngegruben und Misthaufen gewesen ist..... kann ich nur spekulieren.

Einschub

die Moosmüller - Luckner Fehde


Der Kötztinger Kammerer Wolfgang Samuel Luckner führte nicht nur einen Kampf gegen das brandgefährliche Saliterwesen gleich in seiner Nachbarschaft, sondern hatte auch die Sittlichkeit und Moral in seiner Umgebung im Auge.  Da passte es für seine Vorhaben dann gut, dass er dabei die beiden Familie Moosmüller UND Parzinger ins Auge nehmen konnte.
Der Streit um die Verlegung der Saliterhütte wurde ja bereits oben behandelt, nun geht es um die Moral hinter seiner Braustätte.
Der folgende Text stammt direkt aus meinem vor Jahren bereits erschienenen Beitrag in den Gelben Bänden", den "Beiträgen zur Geschichte im Landkreis Cham" über den Kötztinger Kammerer

"Die Wuhn und ihre Bewohner

 Um dem Markt höhere Einnahmen zu verschaffen oder sich selbst einen Vorteil so griff Luckner manchmal auch zu rabiaten Maßnahmen. 
Gleich hinter seinem Brauhaus, in dem sich anschließenden Konglomerat an Gärten, Häusern, Stadeln und Gässchen stand ein zweistöckiges, gedrungenes Haus, das im Besitz des Marktes war und mehreren Mietparteien Wohn und Arbeitsraum gab, die sogenannte Wuhn.
Als Luckner die Möglichkeit sah in die Wuhn einen Wagner einstiften zu lassen, den er selber gut hätte brauchen können, kündigte er kurzerhand einen Familienvater mitsamt seiner Frau und den 5 Kindern.
Der betroffene Johann Moosmüller beschwerte sich beim Pfleggericht, dass Luckner dies nur täte, weil er den Wagner bei seiner Arbeit benötigte und weil seine, er nennt sie „alte“ Tochter, von einem Bürgerssohn „zum Fahl gekommen“ war.
Das Pfleggericht wollte vom Magistrat wissen, was nun dahinter stecke, aber Luckner lässt sich darauf nicht ein sondern erwiderte dass es nur ihn allein und den Vizekammerer anginge, die übrigen vom Magistrat hätten „hierin nichts zu reden“, weil er der Amtskammerer sei und die Rechnung über dieses Haus zu führen habe.
Schon im Jahre 1781 habe die Tochter Moosmüller mit Georg Parzinger, einem Sohn des Salitergrabers, verdächtigen Umgang gehabt. Schon damals habe er der Frau diesen Umgang verboten und ihr angedroht, sie in der Wuhn nicht mehr zu dulden, bald danach aber war sie schwanger geworden.
„Der Parzinger wurde ad militiam abgegeben, dieser ist aber flüchtig geworden“ und würde nun, da Wuhn und das Parzingerhaus benachbart lägen, heimlich bei seiner Mutter Unterschlupf finden und ferner den „unerlaubten Zusammentritt“ in der Wuhn nehmen.
Die Wuhn brauche einen eigenen „Hausvater, der gute Obsicht“ hätte. Daher bittet Luckner Moosmüllers Petition abzuweisen und dessen Tochter in „Dienst zuschaffen.“
Das Gericht wählte den Mittelweg, nicht ohne Luckner noch ein paar „Weisheiten“ ins Stammbuch zu schreiben:

  • Luckner wäre so schlau, den Magistrat in den Vorgang nicht mit einzubeziehen, weil zu vermuten sei, dass die Ratsversammlung den Mossmüller in der Wohnung behalten wollte, da der Kammerer den Wagner nur zu seinem eigenen Nutzen in die Wuhn haben wollte.
  • Dann stelle sich die Frage, wenn Luckner schon wisse, wo sich der desertierte Parzinger regelmäßig aufhalte, warum er diesen nicht schon längst habe verhaften lassen.
  • In Zukunft solle der Amtskammerer bei amtlichen Schreiben wenigstens einen Umschlag benutzen, damit nicht jedermann offen seine Berichte und Schreiben lesen könne.

Allerdings müsse Moosmüller zusehen, dass seine Tochter an Lichtmessen einen ehrlichen Dienst beginne und zu einer Frau mit bestem Lebenswandel sich ändere.

 Einschub Ende

 Wir haben also - Luckner erreichte zumindest teilweise sein Ziel durch die Verehelichung des Georg Parzinger mit der Katharina Mossmüller - unterm 25.11.1790 die Eheschließung der beiden und 

 Als am 15.9.1834 i9n Kötzting der Obstler Georg Schwarz Katharina Parzinger heiratete, sind deren Eltern als Johann Georg Parzinger und Katharina  Moosmüller angegeben und im Grundsteuerkataster von 1840 heißt es - wie oben bei der komplizierten Spurensuche nach den Anfängen des Hauses bereits angegeben, dass Georg Schwarz das Haus im selben Jahre durch die Heirat von seiner Schwiegermutter Katharina Parzinger erhalten habe.

Georg Schwarz und Katharina Parzinger

StA Landshut Grundsteuerkataster Nr. 5039 von 1840.

Ebenfalls im Jahre 1834 findet sich in den Marktrechnungen die Erteilung des Kötztinger Bürgerrechts für Georg Schwarz, was ihn fast 14 Gulden kostete und die Konzessionserteilung für sein Obstler-Gewerbe. Seine Genehmigung umfasste auch den Handel mit Klee und Rübensamen.
Aus dem Jahre 1842 gibt es einen Vorgang im Kötztinger Vergleichsamt:
Hintergrund sind Umbau Maßnahmen des Johann Hofbauer, der im Frühjahr desselben Jahres das Ultsche Haus hatte ankaufen können und nun zur Tat schritt:
"6. August 1842: Obstler Georg Schwarz v K bringt vor: Mein Nachbar Johann Hofbauer hat sich im abgewichenen Jahre herausgenommen hinter seinem Wohnhause gegen die Front meines Hauses hin einen Schweinestall ohne nachgesuchte und erhaltene Bewilligung zu erbauen, wodurch der Zugang und der Vorplatz zu meinem Hause sehr beengt ist. Ich bin nicht schuldig diese Verbauung zu gedulden und dringe darauf, dass Hofbauer diesen Stall sogleich kassiere. Ich bitte die Lokalpolizei wegen meiner Bitte zu entsprechen. 
8. August 1842: Auf die Klage des Obstlers Georg Schwarz v 6. August 1842 ließ man diesen und den Geklagten Johann Hofbauer Bürger v K wegen Entfernung eines Schweinestalles vorrufen. Dieselben erschienen verglichen sich die Teile darin, dass Hofbauer diese Stallung entfernen werde. Bezüglich weiterer Beschwerdepunkte, nämlich dass Hofbauer bei dem vorhabenden Baues im Ultschen Hause keine Mittelmauer auf Schwarz auffahren dürfe, und dass er zum Auffangen des Odels eine Grube graben müsse, sohin derselbe nicht frei anfließen dürfe, konnte keine Übereinkunft erzielt werden.
"

In diesem - ich nenn ihn mal "Berliner Hinterhof" - Gässchen  kam es natürlich laufend zu Streitigkeiten, weil wirklich jede einzelne Baumaßnahme an einem Anwesen automatisch Benachteiligungen oder Einschränkungen für die anderen mit sich brachte.
Über vier ganze Jahre zog sich der Streit zwischen dem Hofbauer Johann (Greiner), Schrank Georg (Hotel zur Post) und Georg Schwarz. (AA XI/117)
Hofbauer Johann hatte ja  bereits 1842 das  "Ultsche" Haus (107) erkauft und um Genehmigung nachgesucht, eine Stallung  bauen zu dürfen. Die Zu- und Abfuhr zwischen dem Wohnhaus und dem des Brauers Schrank war dadurch behindert. Der Obstler Schwarz Georg hatte in den Raum zusätzlich seinen Obstladen hingestellt und auch dessen Durchfahrt ist schwer behindert. Am Wirtshausfenster befindet sich Ungeziefer und die "Obstlerleute lugen in die Gaststube und belauschen die Gespräche der Gäste". Schrank beschwert sich, Hofbauer hätte keine Bewilligung zum Stadlbau.
Schreil Anton( besitzt nun die Wuhn)  beschwert sich ebenfalls über Hofbauer. Er hätte den Holzschupfen ebenfalls an sein Wohnhaus gebaut und nimmt ihm das Licht von der Werkstatt.
Außerdem Fahrt durch sein Eigentum. nach langen Verhandlungen gütliche Einigung.
Man muss hier berücksichtigen, dass das heutige Anwesen Schötz noch gar nicht existiert hat - dieses wurde erst Stück für Stück nach 1867 errichtet - Hofbauer Johann hatte in diesem Areal seinen Pferdestall für seine Lohnkutscherei.

Schwarz Josef und Schollerer Franziska

Am 5.2.1864 hatte der Vater Georg das "halbe Haus" an den Sohn übergeben

StA Landshut Grundsteuerkataster Umschreibeheft 5041

"Vertr. am 5. Febr. 1864
Nach Not. Urkunde vom 5. Febr 1864 übergibt Schwarz Georg HNr0 106 in Kötzting Lit A das 1/2 Leerhaus zu 0.03 TW mit Gemeinderecht an seinen Sohn Josef um 800 fl.
"
Gut 2 Jahre später  - am 9.7.1866 -   heiratet der junge "Obstler" die Untergschaider Bauerstochter Franziska Schollerer.

StA Landshut Grundsteuerkataster 5050

Foto Pongratz Dezember 2025

Ab diesem Zeitpunkt endet die weitere Entwicklung des Hauses nun sehr schnell. 
Als um das Jahr 1870 herum die benachbarte Privatbrauerei - mindestens seit 1620 in Familienbesitz - dann verkauft wurde, kam es schlussendlich in Besitz der Familie Schmidt und dieser konnte das Häuschen dann aufkaufen und in seinen Gebäudekomplex integrieren. 
Schwarz Georg - Schwarz Josef - Schmidt Anna - Schmidt Karl und Katharina sind im Umschreibeheft  nacheinander als die Besitzer eingetragen.  Nur noch anhand der zwei Fensterreihen kann man die Lage des Hauses mit der alten Hausnummer 106 noch lokalisieren.
Josef und Katharina Schwarz  - geborene Parzinger - wurden dann die Namensgeber für den "Hausnamen" des kleinen Hauses in der ersten Reihe der Herrenstraße, welches ihre Tochter Katharina im Jahre 1875 übernommen hatte. Wechselweise vom  "beim Schwarz" oder "beim Boazinger" sprach man von dem Kramerladen.


Zurück zur Hausnummer 107

Auch hier war es nun sehr schnell vorbei mit der Eigenständigkeit. Johann Hofbauer, der aufstrebende Gastwirt und Lohnkutscher - alte Hausnummer 105 - an der Herrenstraße konnte das Haus von Wolfgang Ultsch erwerben und erbaute dort nach der Errichtung eines Stalles sein Schlachthaus für seinen Wirtsbetrieb mit Metzgerei.
 s
Hier die Besitzerfolge über Hofbauer Johann - zu Anton und Josefa - nach der Versteigerung kam es danach wieder in ruhigeres Fahrwasser mit den Familien Wieser und Schaffer.



Auch dieses Gebäude teilte dann - aber mehr als 100 Jahre später als sein Nachbaranwesen - dasselbe Schicksal. Nun nicht mehr in Privatbesitz sondern als Teil eines Gebäudekomplexes eines Zweckverbandes wurde zu Anfang der 1980er Jahre ein Großteil der früheren Privatbrauerei abgerissen und in ein modernes "Haus des Gastes" umgewandelt.

Serwuschok Luftaufnahmen: Hier die Situation, als das kleine Haus noch das Schlachthaus der Metzgerei Greiner gewesen war. Das Haus 106 ist bereits Teil des "Schmidtbräus"

Nachdem nun auch dieses haus Teil des Gebäudekomplexes wurde, konnte man auch mit technischen Tricks erreichen, dass selbst dieses Gässchen noch autobefahrbar blieb.

Foto Pongratz im Dezember 2025

Foto Pongratz im Dezember 2025

Foto Pongratz im Dezember 2025

Man kann sich aber gut vorstellen, WIE eng es um diese Kurve ging, als die Besitzer des Schlachthauses noch darauf bestanden hatten, dass die Hausecke noch auf eigenem Grund stehen würde und sollte.....