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Montag, 26. Januar 2026

Eine Ära geht zuende - eine neue beginnt

Das Kötztinger Krankenhaus wird Kreiskrankenhaus


Vor 50 Jahren, im Januar 1976, endete die Ara des Seraphischen   Liebeswerkes als Träger des Krankenhauses in Kötzting mit der   Übernahme des Hauses als Kreiskrankenhaus des Landkreises   Cham.
  45 Jahre lang war diese soziale Stiftung unter der Ägide des  Präses Pater Emmeram Glasschröder auch für das Krankenhaus   Kötzting zuständig und hatte dieses nicht nur die viele Höhen   und Tiefen geleitet, sondern auch weitgehende Um- und   Neubauten am Haus vorgenommen, das gleichzeitig eines der     ältesten Häuser Kötztings ist, einer seiner Urhöfe, der   Gschwandhof. 


Praeses des Seraphischen Liebeswerkes aus Altötting: Pater Emmeram Glasschröder


Die Geschichte des Gschwandhofes auch mit den verschiedenen Bauphasen vom Wohnhaus der Familie Schrank, hin zum ersten Bezirkskrankenhaus und weiter bis zum großen Krankenhaus in Kötzting mit den Mallersdorfer Schwestern wurde bereits in der Häuserchronik dokumentiert.

Parallel dazu gibt es noch ein paar Geschichten am Rande, die in der Entstehungszeit des Kötztinger Krankenhauswesens so angefallen sind. Unter dem Titel: "Krankenhaus-„Geschichten“ hatte Frau Serwuschok für den Bericht vom 11.1.1976 einige Recherchen im Stadtarchiv zusammengefasst:

Die Krankenanstalt Kötzting wurde im Jahre 1845 ins Leben gerufen. So steht es in alten Akten zu lesen, die wir im Stadtarchiv aufgestöbert haben. Als Eigentümer dieses ersten Krankenhauses wird die Marktgemeinde genannt.

Hinweis: 1845 war das Kötztinger Krankenhaus aber noch nicht in diesem Gebäude, sondern im alten Ecklshof in der heutigen Schattenausstraße untergebracht, das das erste Bezirkskrankenhaus Kötztings geworden war.

RAUMNÖTE. 8. Dezember 1867, vom königlichen Bezirksamte Kötzting an die Distriktskrankenanstalt zu Kötzting, betr.:
„Die Unterbringung von Spitalpfründnern in die für die Distriktskrankenanstalt zu Kötzting bestimmten Räumlichkeiten ist dem Institute hinderlich und störend, weshalb der Magistrat hiemit aufgefordert wird, jene Leute aus dem Krankenhause zu entfernen und anderstwo geeignet unterzubringen und, wie dies geschehen, binnen 14 Tagen hieher anzuzeigen.“ Der Magistrat antwortete am 20. Dezember 1867: „Indem man den heute gefaßten magistratlichen Beschluß vorlegt, wagt man zu bitten, das königliche Bezirksamt wolle bei den durch Brandunglück veranlaßten, jetzt bestehenden Verhältnissen den Beschluß endgültig genehmigen und solange es möglich ist, wegen der Unterbringung der Spitalleute in Privatwohnungen huldvollst Nachsicht tragen.“

Hinweis: Anfang Juni 1867 wütete in Kötzting ein schrecklicher Marktbrand, der eine Hälfte der Marktstraße in Schutt und Asche gelegt hatte, darunter auch das Bürgerspital, dessen Pfriemdter nun auf der Straße standen und vom Magistrat untergebracht werden MUSSTEN:


BAUPLATZ. 23. Juni 1868: „Für die 31 Gemeinden des königlichen Landgerichts Kötzting soll ein Krankenhaus hierorts erbaut werden. Gegenwärtigst handelt es sich um Ausmittelung eines Bauplatzes. Nach Ansicht des k. Bezirksarztes wird sich hiezu ein Theil von dem Grundstücke bey dem vom Magistrate für eine Pfründenanstalt erworbenen Anwesen des Hutmachers Amberger eignen. Das zu erbauende Krankenhaus soll ein Bauwerk von 45 bis 50 Länge und 30 Tiefe werden, mit Hinzugabe einer Grundfläche von 75 Dezimalen für einen Garten.“

Hinweis: es gab bereits Pläne, auf dem heutigen Spitalplatz einen großen Neubau zu errichten, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Es reichte jedoch nur für den Ankauf des Häuschens, um daraus das neue Bürgerspital zu machen.

MITBENÜTZUNG. 17. Juli 1870 vom Bezirksamtmann an den Magistrat: „Die k. Regierung hat, wie bekannt ist, wiederholt die Erbauung eines eigenen Distriktskrankenhauses in Kötzting angeregt, der Distriktsrath aber hat in haus eigener Frühjahrsversammlung beschlossen, es sei vorläufig von Erbauung eines eigenen Distriktskrankenhauses Umgang zu nehmen, dagegen mit dem Magistrat bezüglich der Benützung des örtlichen Krankenhauses wiederholt ins Benehmen zu treten und auf eine Reihe von Jahren eine Übereinkunft mit dem Magistrat zu treffen. Es ergeht nun an den Magistrat Kötzting der Auftrag, binnen 14 Tagen die bezüglichen Vorschläge in billiger Weise zu machen…“

GELDNöTE. Aktennotiz: „Nachdem aber im Laufe der Zeit das Bedürfnis zur Erlangung eines eigenen Distriktskrankenhauses immer mehr in den Vordergrund getreten ist, ein Neubau enorme Kosten forderte, welche der Distrikt bei seiner geringen Steuerkraft nicht zu erschwingen vermochte, so wurde im Jahre 1871 mit Josef Windorfer, wohnhaft zu Harras, Besitzer des sogenannten Schwandhofes bezüglich der Erwerbung dieses Anwesens als Distriktskrankenanstalt ins Benehmen getreten und haben der Distriktsausschuß und der Distriktsrath im November 1871 beschlossen, das genannte Anwesen um 9000 Gulden käuflich zu erwerben und die Abtragung ihrer Schuld aus Renten des Distriktsgebäudefonds in 10 Jahren zu bewerkstelligen. Nach Regierungsentschließung vom 24. September 1872 wurde der sogenannte Schwandhof in Kötzting zur Adoptierung als Distriktskrankenhaus für den Amtsgerichtsbezirk Kötzting geeignet befunden, und der Beschluß des Distriktsrathes, das genannte Gebäude um die Summe von 9000 Gulden zu erwerben und dasselbe mit einem auf 1322 Gulden veranschlagten Kostenaufwand als Distriktskrankenhaus einzurichten, genehmigt. Zweck der Anstalt ist, Kranke die erforderliche Verpflegung und ärztliche Hilfe angedeihen zu lassen…“

EMPFANG. Vom königlichen Bezirksamt Kötzting schreibt der Vorstand v. Schacky an den Magistrat Kötzting am 12. April 1894:
„Am Montag den 16. ds. Mts. mit dem Nachmittagszuge werden die Krankenschwestern dahier eintreffen und sogleich nach ihrer Ankunft vor dem Krankenhause in feierlicher Weise in dasselbe eingeführt werden. Zur Antheilnahme an diesem feierlichen Akte lade ich hiemit den Magistrat unter dem Ersuchen ein, gleiche Einladung in meinem Namen auch an das Collegium der Gemeindebevollmächtigten ergehen zu lassen.“ Bürgermeister Drunkenpolz gab die Einladung weiter. Nachsatz: „Das Gemeinde-Collegium wird hiezu durch eigenes Cirkular eingeladen.“

 

Kötztinger Ära des Seraphischen Liebeswerkes ist zu Ende
Durch 45 Jahre Werke der Liebe an Kindern und an Kranken

Vom segensreichen Wirken des Seraphischen Liebeswerkes


Vom segensreichen Wirken des Seraphischen Liebeswerkes Altötting profitierte Kötzting seit 1930. Das war das Jahr, in dem Schwester M. Emmerama Glasschröder von der Kongregation der Armen Franziskanerinnen in Mallersdorf als Oberin hierher kam. Ihr Onkel, der Kapuzinerpater Emmeram Glasschröder, ein gebürtiger Sommerauer, war zu dieser Zeit bereits Generalpräses des Seraphischen Liebeswerkes, das nun die Trägerschaft für das St.-Josefs-Heim, ein Waisenhaus, übernahm.
Onkel und Nichte, von gleichen Sendung erfüllt und eins in den Bemühungen, elternlosen, armen oder gefährdeten Kindern ein neues Zuhause zu geben, fanden zu der denkbar besten Zusammenarbeit. Sie schufen mit vereinten Kräften bleibende Werte und Werke. Sie kapselten sich nicht in klösterlicher Beschaulichkeit von der Welt ab, sondern dienten ihr und den Menschen nach dem Reichtum der Gaben und Fähigkeiten, die ihnen der Herrgott geschenkt hat.
Das Josefsheim wurde aufgestockt, eine Nähschule betrieben, der Kindergarten unterhalten. Die Einrichtungen trotzten der politischen Entwicklung, überlebten das Dritte Reich.

Nach dem zweiten Weltkrieg übernahm das Seraphische Liebeswerk 1947 auch das Kreiskrankenhaus mit seinen 34 Betten, die schon bald nicht mehr ausreichten. Die Einwohnerzahl hatte sich im weiten Umkreis durch den Strom der Flüchtlinge nahezu verdoppelt. „Himmelstürmendes Gottvertrauen“ wird Pater Emmeram nachgerühmt. Das seiner Nichte dürfte nicht kleiner gewesen sein, als sie den notwendigen Um- und Ausbau einleitete. In dieser Sturm- und Drangperiode, in die auch noch die Währungsreform hereinplatzte, bewies die Klosterfrau, dass sie sehr wohl ihren Mann zu stehen vermag. Sie richtete zunächst ein Behelfskrankenhaus im Hotel „Zur Post“ ein, wo gerade die Amerikaner abgezogen waren, und ging „auf den Bettel“, vor allem im Lamer Winkel, um Naturalien gegen Baumaterial eintauschen zu können. Und höher als alle Widerwärtigkeiten wuchsen schließlich die Mauern des neuen Krankenhauses, das Bischof Dr. Michael Buchberger am 14. Oktober 1949 einweihte. 
Von diesem großen Tag der Einweihung des Krankenhausneubaues gibt es eine beeindruckende Bilderserie von Josef Barth sen.

Foto Josef Barth: Die Pater des Seraphischen Liebeswerkes warten auf den Bischof Michael Buchberger am 18.10.1949


Foto Josef Barth: Bischof Michael Buchberger


Foto Josef Barth: links zu erkennen: Bgm Hans Kroher, Max Wanninger der Kripperlvater, Pfarrer Josef Dietl. rechtes KB Krämer

Foto Josef Barth: Pater Emmeram Glasschröder und Bischof Dr. Michael Buchberger

Foto Josef Barth: 18.10.1949


Foto Josef Barth: 18.10.1949 Bild eines Krankenzimmers im Neubau 

Foto Josef Barth: 18.10.1949  rechts Pater Emmeram und KB Krämer


 
Jetzt standen hundert Betten zur Verfügung. Ihre Zahl wurde durch einen zweiten Umbau 1956/57 auf 130 erweitert. 1962 wurde das Waisenhaus aufgelöst und die Räumlichkeiten als Schwesternwohnhaus genützt. Nach „Umsiedlung“ des Kindergartens, ebenso wie in den neuen Gebäuden, die im Hof errichtet wurden, zusätzlicher Platz gewonnen werden. Trotzdem ist jetzt ein Neubau dringend notwendig. Die Weichen sind gestellt, die ersten Schritte in diese Richtung getan.

Das Krankenhauswesen in unserer Stadt steht an einer Wende. Das Bemühen, den Kranken optimale Hilfe zuteil werden zu lassen, wird unverändert bleiben. Pioniertaten haben Generalpräses Pater Emmeram und Frau Oberin M. Emmerama geleistet. Die Stadt bedankte sich bei beiden, indem sie ihnen das Ehrenbürgerrecht verlieh. 

Pater Altmann, der im Mitteilungsblatt des Seraphischen Liebeswerkes vom August 1950 den Nachruf auf den Generalpräses geschrieben hat, erinnerte sich:
Ich fuhr einmal mit ihm durch den Bayerischen Wald. Da wurde er nimmer fertig, mir die Schönheiten der Gegend zu erklären, da brachte er das Auge nimmer weg von seinem Arber und seinem Osser, da lebte alles in ihm. Er hielt eben doch seine Heimat für das allerschönste Flecken Erde!

Für diese Heimat und für ihre Menschen konnte er über Josefsheim und Josefskrankenhaus wirksame Hilfe bringen. Neben seinem Gottvertrauen war es die Liebe zu den Kindern, „die die Seele seiner Arbeit war“. Er fühlte sich als Vater aller Pfleglinge. Er hatte ein Herz für die Kleinen, und je ärmer und verlassener ein Bub war, desto mehr schloss er ihn in sein Herz. Er glaubte an das Gute in den Kindern; mochten die Familienverhältnisse bei den einzelnen noch so verworren und zerrüttet sein, er gab seinen Glauben nicht auf, dass sich aus diesen Kindern doch noch etwas machen ließ. Und keine Enttäuschung konnte ihm diesen Glauben rauben. Er hatte seine Kinder einfach viel zu lieb.

Zwei Menschen, ein Ziel und Arbeit in Fülle

Ähnliches ließe sich auch von der Kötztinger Oberin sagen, die die Mutter aller ihrer Pfleglinge war und bis heute an deren Schicksal aktiven Anteil nimmt. Pater Emmeram, der noch den hl. Bruder Konrad persönlich gekannt hat, ist 1950, am Feste Peter und Paul, im Kapuzinerkloster St. Anton in München (wo er ein Priesterjubiläum mitgefeiert hatte), an einem Gehirnschlag gestorben, nach einem Leben, das erfüllt war von Liebe, Gebet und Arbeit.

Groß war die Trauer nach dem Tode des Wohltäters und Ehrenbürgers nach seinem überraschenden Tod und Kötztinger waren nicht nur bei seiner Beerdigung zugegen, sondern hielten auch eine Trauersitzung im Rathaus ab.

Foto Josef Barth: Beerdigung Pater Emmeram Glasschröder

Foto Josef Barth:

Foto Josef Barth: Aufbahrung

Foto Josef Barth: Trauersitzung im Kötztinger Rathaus

Seine Nichte, Schwester M. Emmerama, war hier in Kötzting seines Werkes treue Verwalterin, unermüdlich auch jetzt noch, da die Last des Alters getragen sein will. Für das, was sie geleistet hat, verlieh ihr der Bundespräsident das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, das ihr Ministerialdirektor Dr. Hans Schmatz, ein Landsmann, am 13. Dezember 1974 überreichte. „Ich freue mich auch für meine Mitschwestern, dass unserem Hause diese Ehre widerfahren ist“, sagte sie damals bescheiden. Und: „Der liebe Gott möge weiter helfen.“ Eine Bitte, die an Aktualität nichts eingebüßt hat.

Die Ära des Seraphischen Liebeswerkes in Kötzting ist zu Ende gegangen. Der Landkreis als neuer Träger des Hauses weiß den Mallersdorfer Schwestern Dank dafür, dass sie bereit sind, ihre Arbeit in Kötzting fortzusetzen, mit den Oberinnen M. Emmerama und M. Konradina an der Spitze. Die Phase der Umstellung bringt für alle Beteiligten eine zusätzliche Belastung, von denen die Patienten freilich nichts merken sollen, nichts merken dürfen und nichts merken werden. Ihnen gilt wie eh und je die Fürsorge aller, die im Dienst an den Kranken nunmehr im Kreiskrankenhaus St. Josef stehen: Ärzte, Schwestern, Verwaltungs- und Hilfspersonal.

Kötztings Ehrenbürgerin Frau Oberin Emmerama Glasschröder, Gratulant Feuerwehrvorstand Michl Traurig.


Am 14.1.1976 hieß es dann:



Die Kötztinger Ordensschwestern mit ihrem neuen Dienstherren, dem Landrat Girmindl.

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