Im März 1976 wurde der Haidsteiner Hof in Lederdorn für einen Abend zum Treffpunkt der bayerischen Spott- und Singkultur. Gstanzlsänger – und solche, die es noch werden wollten – kamen zusammen, eingeladen und organisiert vom damaligen Bezirksheimatpfleger Dr. Eichenseer. Was als geselliges Treffen geplant war, erhielt besondere Aufmerksamkeit: Der Bayerische Rundfunk zeichnete die Veranstaltung auf und strahlte sie später aus.
Zur Vorgeschichte:
Bereits im Januar desselben Jahres hatte Dr. Eichenseer auf seiner Bayerwaldtour auch in Kötzting Station gemacht. Dabei zeigte er sich – nach eigenen Worten – tief beeindruckt vom „Juwel“ der Weißenregener Wallfahrtskirche, die damals ihrer Vollendung entgegensah. Am Ende des Zeitungsberichtes über seinen Besuch findet sich noch ein bemerkenswerter Hinweis: Auf der Heimfahrt wolle er sich mit dem Lederdorner Gstanzlsänger Vitus Irrgang treffen, um mit ihm eine „Roider-Jackl“-Gedächtnisveranstaltung zu besprechen. Als ein Nebenprodukt dieses Treffens zweier Musikbegeisterter entstand dann ein Werkstatttreffen in Lederdorn
Ich finde Dr. Eichenseers Begründung sehr hellseherisch, weshalb ich hier den Auszug aus dem Zeitungsbericht anführen möchte: .......... Dr. Eichenseer informierte sich anschließend in einem Gespräch mit Carl Schnabel über die Ziele der Stadtbildverschönerungs-Aktion und gab gute Ratschläge. Gleichzeitig hoffte er, dass Kötzting eine entsprechende Ortssatzung bekommt. Die Stadt wäre damit nach der Großgemeinde Berching im Sulz-Altmühl-Tal die zweite im gesamten Regierungsbezirk Oberpfalz, die sich Richtlinien für die Verschönerung ihres Ortskerns gibt. Vereinzelte Projekte in der Marktstraße seien es wert, denkmalpflegerische Obacht walten zu lassen und nicht, so der Bezirksheimatpfleger, „wie die Vandalen zu hausen“. Außerdem mache alleine die Tatsache, dass die Marktstraße während der Pfingstfestwoche immer wieder im Mittelpunkt liege, die „Verschönerungs-Aktion überfällig“. Die Rundreise führte Dr. Eichenseer schließlich noch nach Blaibach, wo die Restaurierungsarbeiten im Schloss, ein denkmalschutz-würdiges Haus sowie der vom Trachtenverein angelegte Kreuzweg begutachtet wurden. Bevor der Bezirksheimatpfleger wieder nach Regensburg strebte, stattete er Bürgermeister Karl Seidl noch einen Höflichkeitsbesuch ab. Auf dem Rückweg hielt er bei Vitus Irrgang in Lederdorn an, um den Gstanzl-Sänger für ein geplantes „Roider-Jackl-Gedächtnissingen“ zu gewinnen. Einschub Ende |
Bei Vitus Irrgang fand er offensichtlich "offene Ohren", denn wenige Wochen später kam es zu der eingangs bereits zweigeteilten Veranstaltung. Doch hier zunächst der Vorbericht in Hinblick auf das Werkstatttreffen.
Großes Stelldichein der Gstanzl-Sänger
Morgen im Haidsteiner Hof in Lederdorn / Arbeitstagung und offenes Singen
Kötzting/Lederdorn (kwo). Schnaderhüpflsänger aus allen Teilen der Oberpfalz und darüber hinaus geben sich am morgigen Sonntag im „Haidsteiner Hof“ in Lederdorn ein Stelldichein. Mehr als 40 Interessenten haben sich bereits angemeldet. Bezirksheimatpfleger Dr. Eichenseer darf zufrieden sein. Das Echo auf seine Bemühungen, diese alte Volkskunst des Gstanzl-Singens neu zu beleben, ist groß. In Vitus Irrgang hat er einen sach- und fachkundigen Verbündeten gefunden.
Aber der Vitus war nicht allein der Grund, warum diese Veranstaltung nach Lederdorn kam, dem ehemaligen Landkreis Kötzting, gelegen im oberpfälzischen Grenzland. Auch das Wissen, daß in dieser Region noch unentdeckte Kräfte und Talente des Volksgesanges, besonders des Schnaderhüpflsingens, schlummern, die vor Ort geweckt und gefördert werden sollen, spielte eine Rolle. Überregional wie heimatlich gesehen ist das Interesse groß; die Interessenten kommen aus allen Schichten der Bevölkerung.
Bezirksheimatpfleger Dr. Eichenseer bittet zu diesem Zusammentreffen alle, die einen direkten Vierzeiler kennen, gleich, ob sie zu den Interpreten gehören oder nur zu den „Schmunzlern“, um davon Mitteilung zu machen, weil über die praktische Nutzung hinaus auch das Interesse der Sammlung origineller Texte angeregt werde.
In einer Vorbesprechung mit Vitus Irrgang legte Dr. Eichenseer noch einmal dar, daß es sich bei der Veranstaltung in Lederdorn um keinen Wettbewerb handelt; ein solcher wird am 2. Mai in Schierling stattfinden. Hier will man praktisch arbeiten, Erfahrungen austauschen, Techniken aufzeigen und üben, Melodien und Texte sammeln, vor allem von alten Schnaderhüpflsängern. Alles ist Zielsetzung der nichtöffentlichen Arbeitstagung am Montag von 10 bis 13 Uhr.
Ab 14.30 Uhr wird dann zum offenen Singen geladen. Darbietungen sind zugelassen. Im Saal des „Haidsteiner Hofes“ werden Gstanzl- und auch Volksliedgruppen zu hören sein. Der Eintritt ist frei. Der Bezirksheimatpfleger erhofft sich von diesem ersten und bisher einmaligen Start einen Türöffner zu weiteren Zusammenkünften und vor allem eine Bereicherung heimischer Literatur, da unser Gebiet eigentlich die Wiege des Gstanzl-Gesanges sei. Zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sind nach Lederdorn eingeladen worden, auch der Rundfunk.
Vitus Irrgang
Frau Renate Serwuschok stellte in dem Vorbericht dieser Veranstaltung das Lederdorner Urgestein und früheren Bürgermeister Vitus Irrgang vor:
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| KU SW049 |
Der „Houzatn“-Lader
KÖTZTING (na). Berufe sterben aus, auch die Hochzeitslader. Es gibt nur noch wenige, seit die Brautleute darauf verzichten, „nach altem Brauch“ zu heiraten. Im modernen Ablauf eines Hochzeitsfestes ist kein Platz mehr für den Mann, der den festgeschmückten Stock so souverän wie ein Zepter schwingt, der Einladungskarten ersetzte, das Amt des Protokollchefs versah, dafür sorgte, daß alles seine Richtigkeit hatte beim Feiern und beim Schenken und bei der Unterhaltung oder wenn er die Gäste ausrief.
Ehedem kam der Hochzeitslader in schmucker Tracht noch hoch zu Ross in die Dörfer, um zu verkünden, wer sich das Ja-Wort geben wollte. Vom Urgroßvater bis zum Urenkel, vom Großknecht bis zum Hüterbuben lauschte alles dem Hochzeitslader, der mit bewundernswerter Kunstfertigkeit den Hochzeitsstock in die Tür stellte, das Datum verkündete und die Höhe des Mahlgeldes anschrieb. Der reich geschmückte Stecken war damals unverzichtbar. Und die Farben hatten ihre Bedeutung: Das rote symbolisierte die Liebe, das blaue kündete von der Treue und das violette von der Unschuld. Letzteres musste weggelassen werden, wenn ein voreheliches Verhältnis der Brautleute schon „Folgen“ gezeigt hatte. Kein Hochzeitslader, der etwas auf sich hielt, hätte sich in diesem Falle wissentlich einen Betrug erlaubt!
Nach dem „Laden“ blieb Zeit genug für alle wichtigen Vorbereitungen, unter denen an erster Stelle die Information über die einzelnen Gäste rangierte, damit auch jeder ein treffendes Gstanzl erwarten durfte. Am Hochzeitstage geleitete der Hochzeitslader die Braut zur Kirche. Er organisierte den Kirchenzug in der entsprechenden Reihenfolge, wachte darüber, dass die Sitzordnung beim Mahl eingehalten wurde und bewährte sich als Zeremonienmeister bei den sogenannten Ehrentänzen. Er musste die Braut suchen, wenn sie „gestohlen“ worden war, und das „Ofenschüsselrennen“ durchführen. Er rief beim Schenken die Gäste genau nach Verwandtschaftsgrad, Rang und Stand auf und machte sich auf jeden von ihnen seinen Vers.
Ein Hochzeitslader war und ist keine Witzfigur, kein Hochzeitsnarr, kein Saaldepp. Er braucht vielerlei Kenntnisse, Takt und Umsicht für diese Funktion, einen gesunden Humor und das gewisse Etwas, das ihn so sympathisch und für eine „echte Bauernhochzeit“ auch heute noch unentbehrlich macht. Je weniger auf einen solchen Dienst verzichtet wird, desto größer ist die Chance, ein schönes Stück Kötzting hinüber in die Zukunft zu retten!
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| Der junge Hochzeitlader Vitus Irrgang - Bild bearbeitet |
Die Schnaderhüpfl-Schmiede verstehen sich aufs Derblecken
„Zugehobelt“ nach der Art des Roider Jackl: Vitus Irrgang
Kötzting (na). Die „Kötztinger Umschau“ hat ihn um ein Gespräch gebeten, und er hätte „lieber ein Gstanzl g’sungen“ (schmunzelt). Vitus Irrgang, Bürgermeister in Lederdorn und neben diesem und anderen kommunalen Ämtern auch im Beruf des Bezirksleiters und Bausparkassenführers überaus erfolgreich, meint das ernst, obwohl er dabei lacht, denn die Fröhlichkeit ist ihm angeboren, genauso wie das Talent, Sprüche zu machen, und zwar im absolut positiven Sinne. Er reagiert im Handumdrehen, aus dem Stegreif, ohne eine Sekunde Bedenkzeit. Und was dabei herauskommt, hat viele „Gesichter“. Mit dem „Schalk im Nacken“ formt er heiter-komische Gestalten, in der Konfrontation mit der Politik schmeckt er zeitkritische Anmerkungen, aus alltäglichen Situationen dichtet er sich die schönsten Geschichten zusammen. Gereimtes auf Ungereimtes: Das ist eine Kunst, die sich nicht erlernen lässt. Entweder man kanns oder man kanns nicht. Vitus Irrgang beherrscht sie meisterhaft, die Fähigkeit, Schnaderhüpfl zu singen. Das weiß auch der Bezirksheimatpfleger Dr. Eichenseer, der nicht von ungefähr für morgen Vertreter dieser Zunft zu einem Treffen nach Lederdorn eingeladen hat.
Diese Veranstaltung steht nur indirekt in Zusammenhang mit dem „Roider-Jackl-Gedächtnissingen“, das für 2. Mai in Schierling vorbereitet wird und für das der Intendant des Bayerischen Rundfunks, Reinhold Vöth, einen Preis gestiftet hat, der an den besten „Stegreif-Gstanzl-Sänger“ in diesem friedlichen Wettstreit vergeben werden soll.
Der Roider Jackl, in der Nacht vom 8. zum 9. Mai 1975 gestorben, war nicht nur ein Original, er war auch ein Charakter in jeder Situation. Er liess den Grosskopferten ohne Pardon die Leviten, schärfte fürs Volk denen, die es regierten, auch die Finger, nahm als Korrektor, was Angriffsflächen bot, nach Korrekturen verlangt, von der Mode diktiert wurde. Mit dem scharfrichtigen Urteil für Gerechtigkeit. Böse stellte er Unrecht und Ungerechtigkeit an den Pranger. Er scheute die Politiker aller Couleur nicht, wenn nötig, aber niemals verletzend. Prominente, die der Roider Jackl nicht in den Mund nahm, die blieben sich zurückgesetzt, übergangen, vergessen. Und das war viel schlimmer, als von ihm den Kopf gewaschen zu bekommen.
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| Foto KU Der Roider Jackl bei einem Auftritt in Blaibach 1972 |
Der ungekrönte König der Gstanzln ist tot, die Lücke, die er hinterlassen hat, noch nicht wieder geschlossen. Es gibt aber viele, die in ihrem überschaubaren Lebensraum das gleiche tun, was der Roider Jackl mit vielseitiger Wirkung und Ausstrahlung über die weiten Grenzen hinaus geschafft hat. Ihr Talent und sein Erbe gilt es zu pflegen. Ein erster Schritt wird dazu am morgigen Sonntag in Lederdorn gewagt, wo es den Schnaderhüpflsänger Vitus Irrgang gibt, der diese alte Form des Volkskunst vortrefflich beherrscht.
Es wäre vermessen, Parallelen zwischen ihm und dem Roider Jackl zu ziehen. Aber zwei drängen sich auf: Beide haben das Schreinerhandwerk erlernt und beide wurden auf Hochzeiten „entdeckt“, bei denen sie das „Aufgehen“ der Gäste übernommen hatten. Vitus Irrgang erinnert sich noch genau. Er war 1946 aus amerikanischer Gefangenschaft heimgekehrt und kurz darauf zu einer Hochzeitsfeier eingeladen. „Da hab’ ich, damit’s a bisserl lustiger wird — denn viel gab’s damals nicht zum Lachen — a paar G’versl vorgetragen!“ Und als ein Hochzeitsgast kurz darauf selber heiratete, wurde ich als Hochzeitslader engagiert. Das war vor 30 Jahren!“
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| Sehr unscharfes Zeitungsbild nachbearbeitet mit ChatGPT |
„… daß er mich nicht mit Arbeit beim Nachdenken störte!“
Aller Anfang ist schwer, Vitus Irrgang könnte heute davon ein ganzes Dutzend Gstanzln singen. Die „alten Hasen“ aus diesem Metier waren entweder noch nicht zuhause oder sie wollten aus Furcht vor der heranwachsenden Konkurrenz nicht aus der „Verschmiede“ plaudern. Nur der Wanninger Karl habe ihm eine Menge guter Tips gegeben. „Dann bin ich zwei Wochen lang aus dem Studieren nicht mehr herausgekommen!“ Ein Glück, so rühmt es der Vitus heute noch seinem damaligen Meister im Schreinerhandwerk nach, dass „er mich nicht mit Arbeit beim Nachdenken störte!“ Dann kam der alles entscheidende Tag, und es ging gut. Ein neuer Hochzeitslader war „geboren“. Die jungen Paare in weiten Umkreis rissen sich um ihn als ihren Begleiter in den Ehestand. Vitus Irrgang war ein viel beschäftigter Mann. Er spielte Theater, wurde zu Volksfesten geholt, für Heimat- und Unterhaltungsabende verpflichtet.
„Parallel zu seinen Erfolgen als Hochzeitslader, G’stanzl-Sänger und Ansager ging auch sein beruflicher Aufstieg verbunden mit einem starken kommunalpolitischen Engagement. Sein Terminkalender ließ bald keinen Raum für Verschnaufpausen und Erholung. „Aber“, verrückte er eine schöne Zeit“, aus der sich Vitus Irrgang genau das Verkaufbare in seinen jetzigen Tagesablauf hinübergerettet hat und das ist noch Beschäftigung genug, aber auch Freude für die Freunde dieser ganz speziellen Art des Derbleckens, auf die er sich inzwischen meisterhaft versteht. Er weiß heute nicht mehr, wie hoch die Zahl der Vierzeiler ist, die er in einer stillen Stunde ersonnen oder auf Zuruf der Gunst des Augenblicks abgerungen hat.
● Es ist damit nicht abgetan, Ihre Verse mit g’scherten Gstanzln zu betiteln, sie sind sogar tiefe Philosophie, unterlegt mit einer bäuerlichen Melodie — und so ist es richtig! Das haben einmal Karl Valentin und Liesl Karlstadt dem Roider Jackl auf die Rückseite einer Fotografie geschrieben, ohne sich bewußt zu sein, dem dieser Eintrag ein „Programm“ für alle guten G’stanzl-Sänger gleichkommt. An seinen Kriterien orientiert sich auch Vitus Irrgang und der Erfolg gibt ihm Recht. Bei der morgigen Veranstaltung wird der „Jackl-Jünger“ deshalb genau der richtige Gastgeber sein!
„Muß Ihnen offen sagen …“
Das Echo auf die Einladung zur Arbeitstagung der Schnaderhüpflsänger in Lederdorn ist groß. Aus Rottach-Egern schreibt Johann Matzberger: „Ich bin gebürtiger Niederbayer (Landshut), wenn ich auch schon mehrere Jahre in Rottach (Tegernsee) wohne. Aber, daß sich heute noch jemand mit den Schnaderhüpfln befaßt, freut mich außerordentlich. Ich selbst habe mich schon in meinen jungen Jahren damit befaßt. Bin auch heute noch sehr interessiert für diesen alten Brauch. Muß Ihnen offen sagen, daß ich selbst Schnaderhüpfl singe, aber nach dieser Art wie Roider Jackl, auch mit eigener Begleitung, und zwar mit einer echten bayerischen Ziehharmonika. Die ist heute noch mein bestes Stück… einmalig im Klang! Spiele auch hauptsächlich nur alte bayerische Musik. Wenn es mir nicht um das Fahrgeld wäre, hätte ich ein Treffen am 7. März nicht abgeschlagen. Leider bin ich zur Zeit noch Rentenanwärter. Vielleicht klappt es bis dorthin… „Oder beim nächsten Mal? Denn Bezirksheimatpfleger Dr. Eichenseer, ermutigt durch das überwältigende Interesse, will in dieser Richtung weitermachen!“
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| Foto Sammlung KU vom Gstanzlwettbewerb in Lederdorn im März 1976 Hier Vitus Irrgang und der "Fischer Max", Mitglied im Landtag und der "heimliche Außenminister" Bayerns genannt. |
Das Schnaderhüpflsingen in Lederdorn
„Bestimmte Rass’ von Menschen“: Gstanzl-Sänger derbleckten
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| KU vom 9.3.1976 unscharfes Bild nachträglich bearbeitet von ChatGPT |
„A bestimmte Rass’ von Menschen“, so Dr. Eichenseer, hatte sich am Sonntag morgen im Saal des „Haidsteiner Hofes“ zusammengefunden, 42 Schnaderhüpfl-Sängerinnen und -Sänger aus Niederbayern und der Oberpfalz, manche von über 100 Kilometer weit angereist, nur um dabeizusein. Wenn auch der eine oder andere Teilnehmer noch nicht so „schnell auf der Platt’n (Dr. Eichenberg wissenschaftlich heißt das Assoziationen herbringen) war“, Freude hatten sie alle, und schließlich mußte ja einmal der Anfang gemacht werden.
Für viele lag dieser freilich schon Jahrzehnte zurück, so für den 89jährigen Karl Fischer („d’oid Meier“): aus Lederdorn, der schon Generationen zur Gilde der Schnaderhüpflschmiede zählt. Kaum zu glauben: Der alte Mann singt noch heute so manchen seiner Gegenüber aus. Dr. Eichenseer: „Er ist die größte Entdeckung, die ich je gemacht habe“ — nicht zuletzt deshalb, weil der „oid Meier“ so viel über Gstanzln weiß.
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| Sammlung KU/SW V.l. Dr. Adolf Eichenseer - Karl Fischer "d´oid Meier" - Vitus Irrgang - MdL Max Fischer |
● „Abertausende von Gstanzln im ostbayerischen Raum“ gibt es nach Ansicht des Bezirksheimatpflegers und sie sollen möglichst alle gesammelt und niedergeschrieben werden, denn, so Dr. Adolf Eichenseer, „mit diesem Reichtum darf kein Schindluder getrieben werden.“ Beim Stegreifsingen, das nicht nur die Hochzeitslader beherrschen sollten, sei sowieso schon ein „Verlust an schöpferischer Kraft des Volkes“ feststellbar. Nach diesen ermahnenden Worten und dem Hinweis, daß das Schnaderhüpflsingen vermutlich im 16. Jahrhundert populär wurde, einst Tanzmusik war („Schnitterhüpfl“) und im Laufe der Zeit an Sozialkritischem Inhalt gewann, wurden Erfahrungen ausgetauscht.
● Bürgermeister Vitus Irrgang begrüßte die Gäste — wie könnte es auch anders sein, mit Gstanzln:
„Ja von überall sans heut ang’roast — do muaß euch wirklich scho lobn / somit wird also das erste Schnaderhüpfltreffen — heut aus der Taufe da ghobn!
Und später dann zusammen mit dem „Jodler-Xare“ (Xaver Klein), der die meisten Sänger auf seiner Quetschn begleitete, ein ganz spezielles von Lederdorn:
„Hint san ma viere, wo ma d’Erdäpfel baut / drum san ma a so schee g’wachsn wias Erdäpfelkraut.“
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| Sammlung KU/SW In voller Aktion: v.l. Vitus Irrgang - Max Fischer - Xaver Klein |
Nachdem sich die Lehrgangsteilnehmer vorgestellt hatten, ob mit Gstanzl oder sonst einem Lied, war da nebensächlich, es wurde vor allem das Stegreifsingen nach Vorgabe eines Reizwortes geübt. Das machte soviel Spaß, dass selbst die Mittagspause hergenommen wurde.
Im Zweiten Teil der Veranstaltung wurde dann der Haidsteiner Hof für die Zuhörer geöffnet.
Im Saal gab es bald kein freies Plätzchen mehr
● Am Nachmittag stellte sich Publikum ein, im Saal gab’s bald kein freies Plätzchen mehr, auch Prominenz war gekommen, darunter Landrat Ernst Girmindl, Bezirksrat Gerald Berger und der Vorsitzende des Bayerischen Waldgaues, Alois Aschenbrenner. MdL Dr. Max Fischer, selbst Lehrgangs-Teilnehmer, ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und derbleckte den Landrat. Zwischen Stegreifsingen, Grußworten und Erläuterungen traten Gastgruppen auf wie das Hohen-Bogen-Duo, die Greil-Kinder und die Brüder Klein — sie hatten Premiere und sangen so gut wie die anderen auch — und auch die Solisten Xaver Klein sowie Willi Breu wussten die über 200 Zuschauer zu begeistern.
● Fazit: Das erste Schnaderhüpfl-Sängertreffen wurde zu einem vollen Erfolg. Bezirksheimatpfleger Dr. Eichenseer konnte mit neuen Erkenntnissen und einem Stapel niedergeschriebener Gstanzln gen Regensburg fahren. Hier noch drei Altüberlieferte:
„Und mei Weiwal hoaßt Res, wenn es oschau wärds bös,
— wenn es oglang, na schreits, mit unserer Res is a Kreiz.“
Am Sunnta is Kirta, des woaß i ganz gwiß,
— da frag i mein Votan, wo der Geldscheißer is.
Und’s Deandl is a Jungfrau, und i bin ihr Bua.
Sie ko leicht Jungfrau sei, wenn i ihr nix tua.“
Hier nun in bunter Folge die restlichen Fotos dieser Veranstaltung:
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| Dr. Adolf Eichenseer |
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| Karl Fischer und Dr. Adolf Eichenseer, der Veranstalter und damalige Bezirksheimatpfleger der Oberpfalz |
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| Das Hohenbogen-Duo |
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| Willi Breu |
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| Die Greil-Kinder |
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| Xaver Klein mit den "Brüdern Klein" |
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| Karl Fischer und Xaver Greil |
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| Die beiden hatten sichtlich Spaß an der Veranstantung Vitus Irrgang und Max Fischer |
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Er verbirgt sich in der Markergruppe Rund herum um Kötzting
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