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Mittwoch, 18. März 2026

Erinnerungen an Altkötzting - Nr. 66 die Auwiese eine Flutmulde

 In der Bildersammlung des Stadtarchivs haben sich zahlreiche Momentaufnahmen erhalten, die einen „Blick zurück“ auf das Alltags- und Gesellschaftsleben früherer Jahrzehnte erlauben: auf Handel und Gewerbe ebenso wie auf Feste, Bälle und gesellige Abende, bei denen besonders der Fasching mit seinen Burschenbällen und Abschieden eine prägende Rolle spielte. Neben diesen unbeschwerten Szenen verweisen die Aufnahmen aber auch auf Herausforderungen, die das Leben in Kötzting lange begleiteten, allen voran die immer wiederkehrenden Hochwasser in den Auwiesen, die eine Nutzung dieses Bereichs über Jahrzehnte hinweg erschwerten. Erst die Hochwasserfreilegung schuf die Voraussetzungen für eine grundlegende Umgestaltung – und damit für die Entstehung des heutigen Kurparks - des größten Parks übrigens in der ganzen Oberpfalz.. Die folgenden Bilder führen zurück in ein Kötzting vor rund 50 Jahren und erinnern an das "Stadtbild" jener Zeit.



Die Auwiese als Flutmulde


Bereits mehrere Jahre zuvor hatten die Verantwortlichen in Kötzting zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt versucht, für Kötzting ein tragfähiges Konzept einer Hochwasserfreilegung zu erarbeiten und wieder trat der Weiße Regen im Winter weit über seine Ufer und bedrohte - genau wie schon  im Jahr zuvor - den fatalerweise - und gegen Widerstände von Seiten der Kötztinger Bevölkerung - mitten in das Hochwassergebiet hineingesetzten Industriebau.  

Im Hintergrund der mittlerweile schon lange wieder abgerissene Industriebau

Der Bericht und die Fotos vom Januar 1976 stammt von Herrn Kühn:

KOTZTING (kü). Alle Jahre wieder und das nicht nur zur Winterzeit werden die Auwiesen am Weißen Regen bei Regen und Schneeschmelze unter Wasser gesetzt. Wer in diesen Tagen auf dem Wallfahrtsweg hinauf gen Weißenregen streben will, für den gilt ein Tip unter Freunden: Schwimm mal wieder. Von der Route ist streckenweise überhaupt nichts mehr zu sehen, nur die Allee kennzeichnet noch ihren Verlauf. Da wird der Ruf nach dem baldigen Vollzug der Hochwasserfreilegung wieder einmal — wie oft schon in diesem Jahrzehnt? — um etliche Phonstärken lauter. Die Folge: der Stand der Planungen wird bekanntgegeben, auf Erreichtes mit Befriedigung zurückgeblickt, obwohl die Bevölkerung nach wie vor mit dem Schlamm-Massel konfrontiert ist, und schließlich wagen die Verantwortlichen vorsichtige Prognosen à la „wird’s heuer nichts, so doch bestimmt im nächsten Jahr“. Baudirektor Stroinski vom Wasserwirtschaftsamt Regensburg ist jedoch inzwischen vorsichtiger geworden. Er hatte seinerzeit in der Stadtratssitzung versprochen, daß der Bauentwurf für die Hochwasserfreilegung bis Ende 1975 fertig wird. Jetzt darf gehofft werden, daß die prüfungs- und genehmigungspflichtigen Pläne mit dem Osterhasen auf die Schreibtische der Regierenden und ihrer Administratoren kommen. Denn die Planer brauchen nach Auskunft von Stroinski „schätzungsweise noch drei Monate“, bis sie aufgrund der beim Bayerischen Landesamt für Wasserwirtschaft angeforderten elektronischen Berechnungen der Wasserspiegellagen schlüssig werden. Doch das heißt aber noch nicht, daß dann mit dem Bau begonnen wird. Da kommt es darauf an, wie lange die Oberste Baubehörde zu ihrem Placet benötigt, wie sich die am Wasserrechtsverfahren Beteiligten verhalten — so ein Streit zieht sich mitunter über Jahre hin — wann die Stadt mit dem Bezirk über die zu erbringende Eigenleistung ins Klare kommt und in welcher Form die Finanzierung erfolgt. 

Faktoren über Faktoren, hinter jedem ein Fragezeichen. Auch hinter der von Baudirektor Stroinski mit Vorbehalten, von Bürgermeister Karl Seidl mit dem Hinweise auf seine ganz persönliche Meinung formulierten Ansicht, daß „es im nächsten Jahr endlich losgeht“. Der Bezirkstag hat immerhin heuer bei der Aufstellung seines Haushalts an das Hochwasser in Kötzting gedacht. Summa summarum: Ein Sprichwort sagt, „was lange währt, wird endlich gut“. Nur sollt’s nicht zu lang währen…


der Wallfahrtsweg unter Wasser






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