Aus dem Bücherbestand des so früh verstorbenen Kurt Kühlmeyer haben wir für das Bad Kötztinger Stadtarchiv einige weitere Bücher erhalten, darunter auch die zwei Bände des Neuerner Lehrers und Volkskundlers Josef Blau: "Böhmerwälder Hausindustrie und Volkskunst" als Originalausgabe aus dem Jahre 1919. (Der Morsakverlag brachte diese beiden Bände in der Vergangenheit in mehreren Neuauflagen wieder heraus).
Beim Durchblättern der hochinteressanten Bücher stieß ich auf die Abhandlung über einen (seltsamen und schon lange ausgestorbenen) Beruf, der mich direkt an meine Kinderzeit denken ließ.
Mein Vater war zwar Kötztinger Bäckermeister in seinem Hauptberuf aber im Hintergrund drehte sich bei ihm vieles um Tierhaltung und Tierzüchtung. Vor allem ging es um Geflügel und dabei durchaus auch um essbare.....
Die Berufsbezeichnung, um die es in dem Buch ging, hieß: "der Ameisler" und das, was dieser "Ameisler" machte, konnte auch mein Vater.
Zunächst aber als Hinführung zu diesem Thema eine Beschreibung der Situation im Hause Pongratz in der Marktstraße mit der Wandlung von der Brieftaubenhaltung zum Minivogelpark mitten am Marktplatz.
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| Dieser große Stadel im Hinterhof des Anwesens Pongratz wurde Anfang der 1960er Jahre abgerissen. |
Mit dem Abbruch des großen Stadels im Hof und dem Neubau des Nebengebäudes war nun auch Platz für einen "vernünftigen" Taubenschlag und die umfangreichen Volierenanlagen.
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| KU SW 845. Brieftaubeneinsetzen im Hinterhof der Bäckerei Pongratz. Mitte mit der Lederjacke Franz Wagerer |
Später kam dann - links als Anbau an die Volieren - noch ein weiterer Käfig für unsere Eichhörnchen hinzu, die nicht mehr innerhalb der Wohnung gehalten werden konnten.
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| Junge Eichhörnchen im elterlichen Wohnzimmer. |
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| Die "ausquartierten Eichhörnchen" mit meiner Schwester |
Der Reisetaubensport ist nicht nur spannend, sondern auch sehr zeitraubend, und so legte mein Vater - vermutlich mit etwas Druck von seiner besseren Hälfte - seine Ämter bei den Tauberern nieder und stieg in die Vogelzucht ein. Anfänge dazu hatte es schon gleich mit dem Bau der Volieren gegeben. Hier konnte er den Zeitverbrauch seines Hobbies besser den Erfordernissen der Bäckerei anpassen.
Zuerst waren es nur die noch relativ einfach zu kultivierenden und fütternden Zebra- und Prachtfinken, die mit ihrem Gezwitscher den Hof füllten.
Dann aber kamen die Weichfresser hinzu, die chinesische Nachtigall, Schamadrossel, Pitas, Zwergwachteln, Rallen, Kardinalvögel und so weiter, für die er zusätzlich auch für beheizbare Innenräume zu sorgen hatte und eben Weichfutter, von Obstscheiben bis hin zu Lebendfutter.
Der Beo wurde zum kleinen Problem, weil er den familieninternen Pfiff, mit dem sich meine Eltern informierten, dass der jeweils andere im Hauptgebäude gebraucht würde, so oft gehört hatte, dass er ihn täuschend ähnlich nachmachen konnte und so munter vor sich hin pfeifend meine Eltern ärgerte.
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| Der Beo imitierte sowohl die chinesische Nachtigall wie auch den „Familienpfiff“ der Eltern |
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| Chinesische Zwergwachteln mit ihrem halbwüchsigen Jungen. Direkt nach dem Schlüpfen haben diese eine Größe gerade mal wie eine Hummel. |
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| Schamadrossel |
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| Ein roter Kardinal |
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| Die Prachtfinken |
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| Diamanttäubchen |
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| Ein Pitta |
Im ersten Stock wurden später die Taubenschläge rückgebaut und 6 oder 7 längliche Flugvolieren für die Papageienzucht (Nymphemsittiche) errichtet. Noch heute kann man an dem Rückgebäude im Innenhof diese Strukturen erkennen.
Papageien, Kanarienvögel und Wellensittiche wurden in großem Stil gezüchtet und auch verkauft.
Für manche seiner Lieblinge - eben die oben genannten Weichfresser - war es sehr aufwändig, abwechslungsreiches Futter zu erhalten, aber da war mein Vater sehr erfindungsreich und hatte uns Kinder als seine Unterstützer.
Vor dem Abflug der "Flugschirme" des Löwenzahnblütenstandes durchläuft der Blütenkopf mehrere Stationen.
Der richtige Moment der Ernte ist der Zeitpunkt, wenn die Samen gebildet sind und die Spitzen der späteren Schirme bereits weiß über die geschlossenen Kronblätter hinausragen. Zu diesem Zeitpunkt müssen die Blütenköpfe geerntet werden. Danach werden die geschlossenen Kronblätter mit den Schirmen abgerissen und es verbleibt der Blütenboden mit den eingebetteten schwarzen Samenkörnern.
Spezialfutter 3: Ameiseneier
Nicht nur, dass die großen Roten Waldameisen bei uns in den 60er Jahren bereits streng geschützt waren, es hätte diese Riesen-Ameisenhügel bei uns auch gar nicht in der ausreichenden Menge (mehr) gegeben.
Der Ameisler hat sich unterdessen in die Sonne gelegt oder neue Ameisen herbeigeholt. Er hat die Hände ganz rot und entzündet, was von der vielen Ameisensäure herrührt, mit der ihn die aufgeschreckten Tierchen, ihr bedrohtes Heim verteidigend, bespritzen.
Ist seine Arbeit zu Ende, so holt er die „Ameiseneier“ aus den Grüblein in ein eigenes Säckchen und begibt sich, zufrieden mit seiner Ausbeute, nachhause.
Die „Ameiseneier“ dienen als Futter für Singvögel. In früherer Zeit wurde die Ameislerei viel stärker betrieben als heute, wo nur noch hie und da ein Vogelliebhaber im Laufe des Sommers einmal an einem Sonntag-Nachmittag ameiselt. Vor dreißig Jahren kannte ich Leute, die mit Ameiseneiern zu den „Vögelnarren“ kamen und sie ihrer seitelweise verkauften. In der Nähe von Wien gab diese Beschäftigung um 1870 noch einigen Familien Erwerb.¹)
Schaller berichtet aus dem Gebiete der Herrschaft Merklīn bei Staab 1789:
„Einige der hiesigen Leute wissen auch auf eine sehr leichte Art eine große Menge Ameiseneyer zu sammeln, die sie bis Prag und Wien abliefern.“
Zu Mittagszeiten transportieren die Ameisen nämlich ihren gesamten Puppenbestand hinauf in den oberirdischen Teil des Ameisenbaus - und bringen diese nachts wieder in die Tiefe und Wärme des Baues zurück. Mittags im Hochsommer waren also diese kleinen Ameisenhügel im Inneren gefüllt mit einer Unmenge von Ameisen"eiern" und natürlich auch mit vielen Ameisen.
Die Ameisen lieben zwar Wärme, aber dort unter der Glasscheibe ist es halt nicht warm, sondern heiß, viel zu heiß für das Gelege, weshalb die Ameisen sofort beginnen, ihre Puppen aus der Erde/Puppen Mischung herauszupulen und diese in der abgeschatteten Ecke in Sicherheit zu bringen.
Diese abgeschattete Ecke ist aber in Wirklichkeit ein kleiner Schuber, der nach kurzer Zeit ALLE Ameiseneier des Eimers schön sortiert enthält. Nun kann dieser kleine Schuber entnommen werden und man erhält
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| Foto Pongratz: Das ist einer der Versandtkörbe für die Brieftauben |
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