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Dienstag, 19. Mai 2026

Neuigkeiten aus dem Bad Kötztinger Stadtarchiv

 Neues aus dem Stadtarchiv.... eigentlich dem Pfarrarchiv


Nach einem Hinweis des Wettzeller Kirchenpflegers Hans Seiderer auf einen überraschenden Dachbodenfund im dortigen Pfarrheim trafen wir uns Anfang der Woche zu einer ersten Durchsicht eines größeren Aktenbestandes mittendrin im Altbestand der Wettzeller Pfarrbibliothek.

Zwischen all den Büchern und frommen Zeitschriften und gebundenen Journalen kamen dann nach der Aussonderung zahlreicher Kontoauszüge schließlich jene Dokumente zum Vorschein, die sich als ein Glücksfall für die Ortsgeschichte erwiesen: die historischen - 1900-1968 - Kirchenrechnungen der Kirchen in Wettzell und Sackenried, die nun dauerhaft aufbewahrt werden sollen.
Was den Fund für uns so besonders macht, sind die Belege, die parallel zu den buchhalterischen Jahresrechnungen aufbewahrt wurden und uns - eigentlich gelten Rechnungsbelege nicht als archivwürdig- zeigen, wie eng die Verflechtungen bereits weit vor der Kommunalgebietsreform zwischen Wettzell und Kötzting gewesen waren.

Einschub
Diese Verflechtungen waren im Jahre 1976 dann auch der entscheidende Grund für die Auflösung des zunächst angedachten Verwaltungsverbundes von Wettzell und Wiesing und dem Wechsel von Wettzell von Niederbayern zur Stadt Kötzting und damit in die Oberpfalz.
Einschub Ende 

Ein Steinbühler Bryologe


Fast unentdeckt geblieben wäre beinahe ein Briefwechsel, der als unscheinbarer kleiner Aktendeckel  -mit der Aufschrift 501-600-  zwischen zwei Büchern eingezwickt gewesen war.


In dem unscheinbaren Bestand befindet sich ein bemerkenswerter Schriftwechsel mit dem damaligen Expositus Alexius Schwab aus Steinbühl, der offensichtlich zuvor mit seinem Spezialsteckenpferd an seiner vorherigen Wirkungsstätte im Fichtelgebirge tätig gewesen war. 



Aus den Briefen spricht die überraschende wissenschaftliche Reichweite dieses Mannes, der sich weit über seine kirchliche Tätigkeit hinaus einen Namen als gefragter Bryologe gemacht hatte – ja, als einer jener Spezialisten, die man im damaligen Sprachgebrauch beinahe als „Sphagnologen“ hätte bezeichnen können. Seine besondere Leidenschaft galt den Torfmoosen der Gattung Sphagnum, deren Formen- und Standortvielfalt er mit einer Akribie erforschte, die in Fachkreisen durchaus Beachtung fand. So sehr, dass seine eigene Sammlung nicht nur ein privates Studienobjekt blieb, sondern offenbar wiederholt auch wissenschaftlich genutzt wurde: Auf Anfrage versandte Schwab einzelne Belege seiner Sphagnum-Herbarien an Autoren, die gerade an einer Neubearbeitung der damaligen botanischen Bestimmungswerke arbeiteten. 

Ich vermute, dass einer der abgebildeten Priester unser Expositus Alexius Schwab gewesen ist.
Links und rechts auf den Fensterbrettern erkennt man die "Utensilien" zur Anlage und Aufbewahrung eines Herbariums und in der Mitte Bestimmungsbücher.

Mikroskopische Aufnahmen von Details eines Sphagnum-Mooses


Ich hätte nun die Bitte an Sie, ob Sie die Freundlichkeit hätten, mir für kurze Zeit ihr Sphagnum Herbar zum Zwecke meiner Arbeit zu .... überlassen.

Die Korrespondenz lässt damit einen Blick in jene Zeit zu, in der sich große Teile der botanischen Forschung noch aus dem engmaschigen Netz engagierter Einzelpersonen speisten – aus Pfarrhäusern, Schulstuben und kleinen Exposituren heraus, getragen von Sammlern, die mit Leidenschaft und Präzision an der Vermessung der Pflanzenwelt arbeiteten.

Dieser Briefwechsel allein – zusammen mit den zahlreichen Rechnungsbelegen Kötztinger Firmen und Handwerker – ist ein kleiner Schatz der Alltags- und Wissenschaftsgeschichte. Er zeigt, wie viel sich aus unscheinbaren Papierstapeln noch heute herauslesen lässt: Netzwerke, Arbeitsweisen und Lebenswelten, die längst vergangen scheinen und doch plötzlich wieder greifbar werden.

Moossammler konnten sich offensichtlich auch Exemplare für ihr Herbarium zuschicken lassen

Einschub:
Aber warum findet sich der Schriftwechsel des damals Steinbühler Expositus Alexius Schwab im Pfarrarchiv in Wettzell? Sehr einfach, ab dem Jahre 1923 war HH Pfarrer Alexius Schwab der Wettzeller Pfarrer geworden, dem Wettzell seine Chronik verdankt.
In der von Lois Perlinger neu erarbeiteten umfangreichen Wettzeller Ortschronik nehmen die Aufzeichnungen des Geistlichen Rats Alexius Schwab einen weiten Raum ein und über ihn schrieb der Chronist:
"Schwab Alexius, 1923 - 1947; Geistlicher Rat, geboren 15.12.1874 in Reuth, gestorben 03.02.1947 und ruht im Wettzeller Priestergrab, Herr B.G.R. Schwab hat sich für Wettzell große Verdienste erworben, indem er den Grundstock für die Chronik verfasste. Er ließ 1934 die Kirche renovieren. Er war korespondierendes Mitglied der naturwissenschaftlichen Akademie in Berlin. Er entdeckte in der Nähe des Abersees ein Moosart, die nach ihm benannt wurde „Swabana". Er wurde am 06.02.1947 von Herrn Dekan Dr. Meinzinger von Rimbach der geweihten Erde übergeben."

Foto aus der Perlinger Chronik, die wir nur als Bürokopie im Archiv haben



Die Kirchenrechnungen von Wettzell und Sackenried


Ein Aktenstapel von rund 60 cm Höhe befindet sich derzeit in unserem Büro im Rathaus in Bad Kötzting und wartet dort darauf, zumindest grob erschlossen zu werden, bevor die Archivalien anschließend im Kötztinger Pfarrarchiv dauerhaft aufbewahrt werden sollen. Bemerkenswert ist dabei, dass dessen Bestände – dank ihrer glücklichen Überlieferungskontinuität – teilweise deutlich weiter zurückreichen als jene des Stadtarchivs, da die Pfarrkirche während des Schwedeneinfall nicht zerstört wurde, im Gegensatz zum damaligen Rathaus.

Hier noch ein kleiner Blick auf den Zufallsfund:


So sieht es dann aus, wenn die Arbeit beginnt.....

Das ist der Stapel mit den Rechnungen und - vor allem -  den Rechnungsbelegen für die Wallfahrtskirche in Sackenried von 1950-1968
Auf den folgenden Bildern sieht man gut den Fortschritt beim ge/benutzten Büromaterial
1952 waren es schon Klemmen - 1951 noch selbstgebastelte Drahtbügel



All diese Metallteile müssen nun entfernt werden, um die Archivalien auch für die LANGE Zukunft zu präparieren.


Vielleicht ist das zugleich eine kleine Anregung für meine Bad Kötztinger Mitbürger: In so manchem Dachboden, in alten Kisten oder vergessenen Mappen schlummern vermutlich noch ähnliche Zeugnisse unserer Ortsgeschichte. Es lohnt sich, hin und wieder genauer hinzuschauen – man weiß nie, welche Geschichten dort noch auf ihre Entdeckung warten.


Wer mehr über Wettzell und seine Geschichte nachlesen möchte, findet dazu weitere Informationen in den folgenden Beiträgen:
Die Gemeinde Wettzell kommt zur Stadt Bad Kötzting 


🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken. Wer es noch nicht weiß, um was es sich bei diesem Programm handelt, kann sich gut im folgenden Blogbeitrag informieren: Die interaktive Karte und ihre Möglichkeiten :

🔎 Wer diesen Beitrag dort wiederfinden möchte, muss ein wenig suchen:
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Mittwoch, 15. April 2026

Die Gemeinde Wettzell kommt zur Stadt Kötzting


Foto Haymo Richter Wettzell 1990



Noch zu Jahresanfang  1976 lautete die Schlagzeile: 

Aber dann kam doch der Durchbruch in den harten Verhandlungen mit dem damaligen bayr. Innenminister Dr. Bruno Merk und Am 3. April 1976 wurde die Entscheidung öffentlich und rechtssicher gemacht: Im Staatsanzeiger legte die bayerische Staatsregierung die letzten Details vor – und brachte damit die kommunale Gebietsreform auf die Zielgerade.“

 Zunächst ein Blick zurück: Drei Jahre zuvor war es im Zuge der kommunalen Gebietsreform zur Neugründung der Gemeinde Wettzell mit Sitz in Wiesing gekommen, die die bisherigen Gemeinden Wiesing, Wettzell und Schönau umfasste. Nun glaubten die Gemeinderatsmitglieder der einzelnen früheren Gemeinden offenbar selber nicht mehr daran, dass dieses künstliche Gebilde dauerhaft Bestand haben würde. Der Regener Landrat Feuchtinger versuchte bei einem Vor-Ort-Termin in Wettzell, diese fatalistische Stimmung zu wenden, und zeichnete in seinen Ausführungen das "Schreckens"- Bild, dass Wettzell künftig lediglich ein Anhängsel der Stadt Kötzting sein werde.
Die „Umschau“ (Redakteur Herr Kühn) stellt in ihrem Bericht sehr deutlich heraus, dass die Möglichkeit einer Selbstständigkeit Wettzells von vornherein ausgeschlossen gewesen und dass die bereits bestehende gesellschaftliche Anbindung Wettzells an Kötzting in der Vor-Ort-Debatte überhaupt nicht zur Sprache gekommen sei:

"Keiner der Beteiligten hat funktionalreformerische (ein tolles Wort) Aspekte zur Sprache gebracht. Das Gros der Wettzeller Bevölkerung erledigt seine Besorgungen in Kötzting, die Kinder gehen hier zur Schule, viele arbeiten in der Pfingstrittstadt. Eine Tatsache, die so sehr zum Alltag gehört, dass man sie vergessen hat?"

Foto Haymo Richter Wettzell 2018


Und dann gings eben in die Entscheidungsphase und im April 1976  - vor 50 Jahren - war es dann soweit: 

Für den Lamer Winkel bedeuteten diese schmerzliche Gebietsverluste – Die Stadt Kötzting hingegen ging gestärkt daraus hervor: Mit Wettzell kam nun eine weitere Gemeinde zur Stadt, die damit jetzt auch oberpfälzisch und fortan von Kötzting verwaltet wurde. Der Titel ‚Bad‘ lag zu dieser Zeit allerdings noch in weiter Ferne.
Am 5. April 1976 berichtete Frau Renate Serwuschok von der Entscheidung:

Wettzell kommt zu Kötzting
trotzdem nur „halbe“ Freude


Kötzting (na). In einer Pause der Stadtratssitzung vom Dienstag wurde es bereits gemunkelt: Wettzell kommt zu Kötzting. Aber wer es hörte, musste tausend Eide schwören, absolutes Stillschweigen bis zum 3. April zu bewahren, dann würde, so der Bürgermeister, alles gelaufen sein. Ein Wort zu früh aber konnte die Gegner dieser Lösung noch einmal munter machen. Die Geheimniskrämerei hat sich gelohnt. Im Bayerischen Staatsanzeiger war am Samstag zu lesen, dass aus dem Regierungsbezirk Niederbayern in den Regierungsbezirk Oberpfalz eingegliedert werden: Die Gemeindeteile Buchberg, Fischerhof, Kaitersbach, Leckern, Ried, Sackenried, Stockmühle und die Gemeinde Wettzell.
Die Vernunft hat gesiegt, zumindest in diesem Fall, wenn auch mit Einschränkungen. Ganz offensichtlich sind der Regierungsbezirk Niederbayern und der Landkreis Regen „wassersüchtig“, denn sie haben mit Erfolg sowohl den Höllensteinsee als auch den Kleinen Arbersee gegen eine Umgliederung in die Oberpfalz verteidigt. Der Staatsanzeiger bestätigt übrigens, was wir bereits am 1. April (aber nicht als Aprilscherz!) berichtet haben: Brennes, Mooshütte, Scheiben, Lohhäusl, Seehütte und mit Kleinem Arbersee und Chamer Hütte bleiben, wie noch eine Menge anderer Flurstücke im Arbergebiet, niederbayerisch.
In der Verordnung zur Änderung von Grenzen des Regierungsbezirkes „heißt es weiter, dass die Gemeinde Niederndorf, mit Ausnahme des Gemeindeteiles Matzelsdorf, aus dem Landkreis Cham abgetrennt und dem Landkreis Regen zugeteilt wird. Hier wurden weder die Wünsche der Bevölkerung laut Abstimmungsmehrheit noch der letzte Gemeinderatsbeschluss in dieser Sache berücksichtigt. Danach hätten außer Matzelsdorf auch noch die Ortschaften Gutendorf und Niederdorf zur Stadt Kötzting gehen und damit beim Landkreis Cham bleiben wollen. Ob überall dort, wo sich Entscheidungen des Innenministeriums nicht mit den Vorstellungen der Betroffenen decken, der Rechtsweg beschritten werden kann und beschritten werden wird, bleibt abzuwarten.

Kurz nochmal der Rückblick auf die Entwicklung, die zur bis heute gültigen Situation geführt hat::


1972 Gemeindegebietsreform: Gemeinde Wettzell mit Hauptsitz in Wiesing. Es entstand der Wunsch nach Eingliederung nach Kötzting und folgend dann im Jahre 1975 der Regierungsvorschlag, dass Liebenstein und Wettzell zu Kötzting kommen könnten/sollten, was im April 1976 dann zu dieser Entscheidung führte.
Am 01.05.1978 war dann die letzte Gemeinderatssitzung der Gemeinde Wettzell und seit 1.5. gehören Wettzell und Kötzting zusammen zur Stadt Bad Kötzting.
Bemerkenswert in diesem Zusammenhang:
Von 1948 bis 1978, also dreißig  - in diesem Falle  - sicher lange Jahre lang, war Max Vogl von Ried am See der langjährige und letzte Bürgermeister der Dorfgemeinde Wettzell. Keiner der bekannten bayerischen Dorfvorsteher zu dieser Zeit war auch nur annähernd so lange im Amt.

Foto Haymo Richter Wettzell 2018

Wer mehr über Wettzell und seine Geschichte nachlesen möchte, findet dazu weitere Informationen in den folgenden Beiträgen:
Spuren aus dem Mittelalter - der Versuch einer Erklärung


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Montag, 1. Mai 2023

Neuzugänge im Stadtarchiv

 Im Postfach des Stadtarchives Kötzting befand sich heute - 25.4.2023 -ein dickes Briefkuvert von der Staatlichen Bibliothek in Regensburg und der Inhalt hatte es in sich. 
Sehr alte Dokumente - und zwar Originale -  aus dem Pfarrarchiv Wettzell waren darin enthalten.
In den letzten 30 Jahren kam es bereits zwei mal zu  Abgaben von Originalarchivalien aus diesem Pfarrarchiv, und es ist zu vermuten, dass ein früherer Pfarrer von Wettzell sehr, sehr freigiebig mit diesen für uns so wertvollen und unwiederbringlichen Dokumenten umgegangen ist.

Die Nichte einer Frau Ute Kapuste, die in den 60er Jahren in der Universitätsbibliothek Regensburg gearbeitet hatte, überließ zunächst das Material der Staatlichen Bibliothek und diese hatte dann, nach Rücksprache mit der Nichte, das Konvolut  an uns kostenlos weitergegeben.

Darunter befinden sich wunderschön ausgearbeitete sogenannte "Schuldverschreibungen". Die St. Lorenzkirche in Wettzell mit seiner Feldkapelle war gleichzeitig auch die einzige Möglichkeit, sich Geld auszuleihen,  gegen einen festen Zinssatz von üblicherweise 5 Prozent.

Ein  kurzer Vergleich mit der Chronik von Wettzell zeigt, dass wohl die meisten der Beurkundeten auch in der dortigen Häuserchronik zu finden sind.


Deckblatt einer der Urkunden, hier leihen sich im Jahre 1668 Andreas Jungbeck und seine Frau Elisabeth aus Wettzell  - genauer heutzutage die Hausnummer 26 in Trum - 30 Gulden vom Kapitalstock der St. Lorenz Kirche in Wettzell. Die beiden Kirchenprobste waren damals Georg Vöckl und Paulus Pertl. Die Kreditnehmer verpfänden dafür ihre Sölde in Wettzell.

Papiersiegel unter dem obigen Vertrag.
Das Siegel unter diesem Vertrag stammt von "Johann Franz Reittorner von Schölnach, uf Hochenwartt, zu Gravenwisen, Heizlsperg, Wettszehl und Kholbenstain."

Die nächste Urkunde aus dem Jahre 1682 ist von/für Thomas Liebl und Eva - unter Beistandsleistung des Wirtes Georg Rösstners . Sie leihen sich 40 Gulden, mit einer interessanten Umrechnung, dass jeder Gulden Rheinischer Münz fünfzehn Patzen oder 60 Kreuzer wert sei.  Der Kirchenprobst in diesem Jahr war der Schmied Adam Höfer. Auch diese geben als Pfand ihre Erbrechtssölde.
Der Siegler, der Herr von Reithorn, hat nun zu den obigen noch ein paar Titel hinzubekommen. Zusätzlich ist er jetzt auch noch Herr "auf Lauffenbach, Hauzing und Rainting, der chfrtl. Drchlt Bayern p. Pfleger und Castener zu Altennußperg und Lülndten"

Danach folgt die nächste "Schmuckurkunde"



Martin Aigenstetter und seine Frau Barbara - vertreten durch Georg Wolfsberger - erhalten im Jahre 1685  30 Gulden für die sie der Wettzeller "all christgrläubige Seelen Bruderschaft" in Person des verordneten Georg Khern ihren Halben Hof in Wettzelle vermachen.

Dann kommen Andre Stromayr und Barbara aus Wettzell - hier ist der Beistand ein Michael Jungbeck und die Kirchenprobste sind Georg Vogl und der Hofbauer Hans Heigl, beide aus Wettzell. 1689 leihen sich die beiden 50 Gulden und das beliehene Objekt ist auch hier eine Sölde.

Die nächste Urkunde ist für Georg Müller und dessen Frau Maria - der Bärndorfer Veith Streit macht ihren Beistand - und diese leihen sich von der Johannes und Paulus Kapelle bei Wettzell 30 Gulden.
Für diesen Kapitalgeber zeichnen im Jahre 1690 Michael Rabenbauer und Wolf Hartreiter aus Wettzell verantwortlich. Diese besitzen einen "halben Erbrechtshof", den sie als Pfand einsetzen.
Herr Wolf Heinrich Gembl, zusätzlich zu den vorherigen Titeln seines Vorgängers auch noch nun auch noch als "Obrist Kriegscommissarius" bezeichnet


Als nächstes folgt ein Auszug aus einem Briefprotokoll für Wettzell aus dem Jahre 1692, als ein Georg Kopp aus Wettzell und dessen Ehefrau Maria sich 15 Gulden von der Johann und Paulus Kapelle in Wettzell leihen.

Auch hier sind wieder einige weitere Wettzeller Bürger angeführt:
Adam Hammel ist der Beistand der Ehefrau
Michael Rabenbauer und Wolf Hürttreither sind die verordneten Kirchenpröbste und als Zeugen fungierten Hans Six und Andre Pfeffer, alle aus Wettzell.
Protokolliert wurde das ganze im Hofmarksgericht Wettzell, so wie vermutlich auch all die anderen Urkunden, da in Wettzell ja kein amtliches Gebäude existierte.

Sebastian Röhrl - ein adelig Obrist Walserischer Hofmarksuntertan von Wettzell, und seine Frau Maria - unter Beistandsleistung des Wettzeller Georg Schedlbauer - leihen sich 100 Gulden vond er Pfarkirche.
Wilhelm Artmann und Wolf Geiger aus Wettzell sind in jenem Jahr - 1696r -  die Kirchenpröbste.
Das beliehene Objekt ist ein Erbrechtshof und, wie im Urkundenkopf bereits angedeutet, ist der Further Grenzhauptmann und Pfleger Johann Baptist Walser von Syrenburg der neue Grundherr und damit haben wir das nächste Papiersiegel.

Siegelabdruck des Obristleutnants Walser von Syrenburg



Als nächstes folgt ein Auszug aus einem Briefprotokoll für Wettzell aus dem Jahre 1745.


"Extract aus dem Briefs Prothocoll des Hofmachs Gerichts Wezzell so Vor= und Einkhommen dem 4. 8bris anno 1745
Schuldbrief per 30 fl
Sebastian Jungbeck und seine Frau Walburga, beide aus Wettzell, sind die nächsten Schuldner.
Das Geld hatte bereits vorher Johann Jungbeck aufgenommen - und vermutlich haben wir hier eine Besitzerfolge von Andreas auf Johann und weiter auf Sebastian Jungbeck, da es durchaus üblich war, im Zusammenhang mit Hofübergaben anschließend auch die Grundschulden umschreiben zu lassen und eben nicht zurückzuzahlen.
Hier siegelt nun ein Hofmarksverwalter:
Johann Balthasar Scheich, Verwalter.

Andre Haffner, ein Söldner aus Wettzell, und Maria seine Ehefrau bekommen eine Schulurkunde im Jahre 1768 ausgestellt. der Kreditgeber ist erneut die St. Lorenzkirche Wettzell und die Kirchenpröbste sind der Schmied Ander Pfeiffer et cons. 40 Gulden erhalten sie und in diesem Jahr hat eine "hochwohlgeborene Frau Maria Franziska von Rasco, eine geborene von Zieglern auf Tittling, Träxlried und Wettzell
Die Siegelzeugen waren der "Leibthumer" Johann Artmann und der Söldner Florian Artmann, beide aus Wettzell. Das Papiersiegel hat sich nicht sehr gut erhalten, aber dennoch, der Vollständigkeit halber, die das Wappen derer von Rasco.




Das nächste Dokument ist ein unglaubliches Schmankerl, welches ich in dieser Form und aus dieser Zeit noch nirgends gesehen habe.  Eine Art von genauer Buchführung über den tatsächlich betriebenen Aufwand bei der Bestellung von Ackerflächen für die unterschiedlichsten Feldfrüchte, angefangen bei "polnischen Erdäpfeln", über Getreide, Flachs und Rüben.
Weil von Widtumsgrundstücken die Rede ist und an einer anderen Stelle von einem "Herrn Vorgänger" geschrieben wird, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass der Wettzeller Pfarrer der Verfasser gewesen ist. 
Der kleingefaltete Zettel trägt keine Jahreszahl, ich schätze ihn aber auf den Zeitraum gegen Ende des 18. Jahrhunderts ein.
Hier der Beginn dieses Kleinods.

"Kurze Saaten=Berechnung
Erdäpfel=Fang

So genannte Pollnische oder Sau=Erdäpfel habe ich erhalten 2 Fahrtl. jedes mit 2 Brettern so aber nach Aussage meines Oberknechts Jakob Hackl gar nicht gedüngt worden ist, und nur einmal geackert.
Essbare Erdäpfl habe ich erhalten 3 Fahrtl jedes mit 4 Brettern, zu diesen wurden 7 Fahrtl dunget hingeführet, und vor eben diesen 7 Fahrtln wurde auch zu gleich das Feld gedunget, so der Sommerwaiz, aus welchen gar nichts brauchbares geworden ist, gedunget. Zu diesen Erdöpfeln wurde auch zweimal geackert.
Und angebrachte Dunget überhaupts

Ins Winter Korn und Waizen Feld wurden 45 bis 48 Färtln geführet: In dem Sommerkorn Acker 5 Fahrtl: Zum eßbarn Erdapfel und Sommerwaiz 7 Fahrtl: in das neu angebaute Kleefeld (
Dies kann ein Hinweis seinauf das Ende des 18. Jahrhunderts sein) 5 Fahrtl: Ins Krautfeld 6 Fahrtln macht in allem aus 68 Färtln.

Täge den dunget auszeführen:

Der Dunget ins Winterfeld zu führen wurden gebraucht   2 1/2 oder 3 Tage
Das Erdäüfelfeld, Sommerkorn und Waiz und Krautfeld zu dungen   1 Tag
Das neu angebaute Kleefeld zu dungen brauchte man                      1/2 Tag
Tage also den Dunget auszuführen wurden in allen gebraucht 4 biß 4 1/2 Tage

Täge zum Ackern".....
Vier kleingeschriebene Seite voll listet der Pfarrer im Detail alle seine Aufwände an Material und Leistungen auf, die er in einer Erntesaison hatte durchführen.


Am Ende des Dokumentenstapels befand sich noch ein Fragment einer fast vollständigen Kirchenrechnung der Pfarrei Wettzell aus dem Jahre 1750 einschließlich der Kapelle Johannes und Paulus.
Rechnung
Über die würdtige St.
Johann et Pauli Capelln ufm Feldt
negst Wettzell, Vorsteher dessen Christof Schedlpaur alda seines Einnemben und Ausgebens halber von Georgi anno 1750 bis solche Zeit anno 1751

1750

Bei diesen Beurkunden finden sich nicht nur viele Namen von früheren wettzeller Bauern sondern es es lässt sich auch recht gut verfolgen, wie häufig die kleine Hofmark Wettzell alleine innerhalb dieser Zeitspanne, die die Dokumente überbrücken, die Grundherrschaft gewechselt hatte. 
Einen kleinen Überblick über die wechselvolle Geschichte Wettzells und vor allem auch mit einem Ausflug zum Pfarrarchiv Wettzell gibt der Blog zur 900 Jahr-Feier Wettzells.

 

Freitag, 7. Oktober 2022

50 Jahre Fundamentalstation - Geodäsiestation in Wettzell

Nach dem Tode von Frau Renate Serwuschok, gelangten umfangreiche Sammlungen an Photos und Negativen aus der Zeitungsredaktion der Kötztinger Umschau zum dem Arbeitskreis Heimatforschung und werden nun im Stadtarchiv Kötzting verwahrt.
Da wir zusätzlich auch eine fast vollständige Sammlung von Zeitungsausgaben aus den Nachkriegsjahren in unserem Bestand haben, können viele der Bilder dann auch einzelnen Zeitungsartikeln zugeordnet werden.
Nachdem der Arbeitskreis Heimatforschung schon eine umfangreiche Datenbank an personenbezogenen Bildern hat wäre es für uns schön, wenn wir bei einigen der folgenden Bildern,
vor allem bei den Personengruppen, Hinweise und Namenslisten erhalten könnten, die wir dann anschließend in unsere Datenbanken einpflegen könnten. Manche allerdings auch nicht und so wäre es schön, wenn wir bei dem einen oder anderen Bild auch eine Rückmeldung erhalten würden.


Wer sich über die technische Entwicklungsstufen und weitere Details der Fundamentalstation informieren möchte, kann dies sehr leicht im entsprechenden Wikipediaeintrag nachlesen.
In diesem Blogbeitrag geht es mehr um die lokale Berichterstattung über diese technische Besonderheit.


Gerade aus den Anfängen der Wettzeller Geodäsiestation haben sich viele Bilderserie erhalten, die wir nun in einer Rückschau - zusammen mit passenden Zeitungsbeiträgen - präsentieren können.


Foto Rainer Schmatz
Im Kötztinger Rathaus hängt dieses Bild, das in hervorragender Weise moderne Spitzenforschung und traditionelle Werte bei uns auf dem Land in Verbindung bringt.

 

Ein ähnliches Motiv haben wir aus der Sammlung Serwuschok

KU SW157


Im Spätherbst 1971 wird von der Baustelle berichtet und die Überschrift sagt bereits alles, Wettzell, damals noch im Landkreis Viechtach gelegen, wird ganz vorne beim technischen Fortschritt mitmischen


Hier der Bericht über den Neubau in der Kötztinger Umschau von Alois Dachs

Ein kleines Häuschen - oder eher Baracke - stand ganz am Anfang



























Im November 1973 kann der Reporter - ein Herr Kühn, "kü" - dann schon detaillierter aus Wettzell berichten.

KU 1973-11


Die Station wurde größer und größer

Ein wahrhaft luftiger Arbeitsplatz

Im Folgejahr, Mai 1974, war es erneut Herr Kühn, der über die nächste Ausbaustufe berichten konnte.


Serwuschok545, Foto Kühn

Im Juni 1974 wurde ein Berichtskolloquium in Wettzell veranstaltet, auch um Rechenschaft abzugeben über die Leistungen und zur Begründung des neuen Antrags für neue Gelder. Der Bericht und die Bilder stammen erneut von Herrn Kühn.

KU 12.6.1974






Die Satellitenbeobachtungsstation wurde nun auch zum Ziel von Exkursionen und Besichtigungen.
Ein Reporter mit dem Kürzel "kto" begleitete eine Gruppe des Bayerischen Lehrer und Lehrerinnenverbandes.


Noch im selben Jahr erschien eine weiterer Bericht, der die technischen Möglichkeiten der Geodäsiestation erläuterte. Herr Kühn fotografierte und schrieb im Dezember 1974.

Bereits im Winter 1975 wurde aufgerüstet und Herr Kühn war erneut der Reporter.




Der Turm als Eichungspunkt.
Und nun bekam Wettzell auch endlich sein heutiges technisches "Wahrzeichen",
die Satellitenschüssel. Bild und Bericht Herr Kühn

In Miltach gings eng um die Kurve...
Die verschneite Wettzellerstraße
Ankunft vor Ort
Der Aufbau beginnt

Ob nach getaner Arbeit oder zum Aufwärmen, geht aus dem Bericht nicht hervor.

Bereits im April ist die Anlage betriebsbereit und erneut berichtet Herr Kühn über die technischen Möglichkeiten, die Wettzell nun zur Verfügung stehen.


Über diese - durch Artikel beschriebenen - Bilder hinaus, haben sich noch eine Vielzahl an Bildmaterial erhalten, die uns von Politikerbesuchen berichten oder auch weitere technische Neuerungen belegen. Hier einige weitere Bilder in bunter Reihenfolge.

Ich würde sagen dies ist Karl Krampol, der damalige Regierungspräsident der Oberpfalz, mit einer Delegation von Politikern.  




Weitere Bilder des technischen Auf/Ausbaues. 





Zum Abschluss noch zwei Bilder mit den beliebten Motiv für Besuchergruppen, Menschen vor der Satellitenschüssel...





Bei diesem letzten Bild ist es die JU Kötztings, die sich oben in Wettzell informieren lässt.