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| Foto Haymo Richter Wettzell 1990 |
Noch zu Jahresanfang 1976 lautete die Schlagzeile:
Aber dann kam doch der Durchbruch in den harten Verhandlungen mit dem damaligen bayr. Innenminister Dr. Bruno Merk und Am 3. April 1976 wurde die Entscheidung öffentlich und rechtssicher gemacht: Im Staatsanzeiger legte die bayerische Staatsregierung die letzten Details vor – und brachte damit die kommunale Gebietsreform auf die Zielgerade.“
Zunächst ein Blick zurück: Drei Jahre zuvor war es im Zuge der kommunalen Gebietsreform zur Neugründung der Gemeinde Wettzell mit Sitz in Wiesing gekommen, die die bisherigen Gemeinden Wiesing, Wettzell und Schönau umfasste. Nun glaubten die Gemeinderatsmitglieder der einzelnen früheren Gemeinden offenbar selber nicht mehr daran, dass dieses künstliche Gebilde dauerhaft Bestand haben würde. Der Regener Landrat Feuchtinger versuchte bei einem Vor-Ort-Termin in Wettzell, diese fatalistische Stimmung zu wenden, und zeichnete in seinen Ausführungen das "Schreckens"- Bild, dass Wettzell künftig lediglich ein Anhängsel der Stadt Kötzting sein werde.
Die „Umschau“ (Redakteur Herr Kühn) stellt in ihrem Bericht sehr deutlich heraus, dass die Möglichkeit einer Selbstständigkeit Wettzells von vornherein ausgeschlossen gewesen und dass die bereits bestehende gesellschaftliche Anbindung Wettzells an Kötzting in der Vor-Ort-Debatte überhaupt nicht zur Sprache gekommen sei:
"Keiner der Beteiligten hat funktionalreformerische (ein tolles Wort) Aspekte zur Sprache gebracht. Das Gros der Wettzeller Bevölkerung erledigt seine Besorgungen in Kötzting, die Kinder gehen hier zur Schule, viele arbeiten in der Pfingstrittstadt. Eine Tatsache, die so sehr zum Alltag gehört, dass man sie vergessen hat?"
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| Foto Haymo Richter Wettzell 2018 |
Und dann gings eben in die Entscheidungsphase und im April 1976 - vor 50 Jahren - war es dann soweit:
Für den Lamer Winkel bedeuteten diese schmerzliche Gebietsverluste – Die Stadt Kötzting hingegen ging gestärkt daraus hervor: Mit Wettzell kam nun eine weitere Gemeinde zur Stadt, die damit jetzt auch oberpfälzisch und fortan von Kötzting verwaltet wurde. Der Titel ‚Bad‘ lag zu dieser Zeit allerdings noch in weiter Ferne.
Am 5. April 1976 berichtete Frau Renate Serwuschok von der Entscheidung:
Wettzell kommt zu Kötztingtrotzdem nur „halbe“ Freude
Kötzting (na). In einer Pause der Stadtratssitzung vom Dienstag wurde es bereits gemunkelt: Wettzell kommt zu Kötzting. Aber wer es hörte, musste tausend Eide schwören, absolutes Stillschweigen bis zum 3. April zu bewahren, dann würde, so der Bürgermeister, alles gelaufen sein. Ein Wort zu früh aber konnte die Gegner dieser Lösung noch einmal munter machen. Die Geheimniskrämerei hat sich gelohnt. Im Bayerischen Staatsanzeiger war am Samstag zu lesen, dass aus dem Regierungsbezirk Niederbayern in den Regierungsbezirk Oberpfalz eingegliedert werden: Die Gemeindeteile Buchberg, Fischerhof, Kaitersbach, Leckern, Ried, Sackenried, Stockmühle und die Gemeinde Wettzell.
Die Vernunft hat gesiegt, zumindest in diesem Fall, wenn auch mit Einschränkungen. Ganz offensichtlich sind der Regierungsbezirk Niederbayern und der Landkreis Regen „wassersüchtig“, denn sie haben mit Erfolg sowohl den Höllensteinsee als auch den Kleinen Arbersee gegen eine Umgliederung in die Oberpfalz verteidigt. Der Staatsanzeiger bestätigt übrigens, was wir bereits am 1. April (aber nicht als Aprilscherz!) berichtet haben: Brennes, Mooshütte, Scheiben, Lohhäusl, Seehütte und mit Kleinem Arbersee und Chamer Hütte bleiben, wie noch eine Menge anderer Flurstücke im Arbergebiet, niederbayerisch.
In der Verordnung zur Änderung von Grenzen des Regierungsbezirkes „heißt es weiter, dass die Gemeinde Niederndorf, mit Ausnahme des Gemeindeteiles Matzelsdorf, aus dem Landkreis Cham abgetrennt und dem Landkreis Regen zugeteilt wird. Hier wurden weder die Wünsche der Bevölkerung laut Abstimmungsmehrheit noch der letzte Gemeinderatsbeschluss in dieser Sache berücksichtigt. Danach hätten außer Matzelsdorf auch noch die Ortschaften Gutendorf und Niederdorf zur Stadt Kötzting gehen und damit beim Landkreis Cham bleiben wollen. Ob überall dort, wo sich Entscheidungen des Innenministeriums nicht mit den Vorstellungen der Betroffenen decken, der Rechtsweg beschritten werden kann und beschritten werden wird, bleibt abzuwarten.
Am 01.05.1978 war dann die letzte Gemeinderatssitzung der Gemeinde Wettzell und seit 1.5. gehören Wettzell und Kötzting zusammen zur Stadt Bad Kötzting.
Bemerkenswert in diesem Zusammenhang:
Von 1948 bis 1978, also dreißig - in diesem Falle - sicher lange Jahre lang, war Max Vogl von Ried am See der langjährige und letzte Bürgermeister der Dorfgemeinde Wettzell. Keiner der bekannten bayerischen Dorfvorsteher zu dieser Zeit war auch nur annähernd so lange im Amt.
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| Foto Haymo Richter Wettzell 2018 |
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