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Freitag, 24. April 2026

Das Pfingstskranzl - ein Aufsatz vom KB Krämer


BEITRÄGE ZUR VOLKSKUNDE

Ein Kränzlein

dem ehr- und tugendsamen Jüngling …

Aufzeichnungen zum Kötztinger Pfingstkränzlein

Von Kreisheimatpfleger Karl B. Krämer, Kötzting

Den Höhepunkt und Abschluss des Kötztinger Pfingstrittes (1) bildet die Überreichung des Kränzleins an den Pfingstbräutigam (2). Das Kränzlein ist eine mit der Tradition des Kötztinger Pfingstfestes verbundene öffentliche Auszeichnung der Stadt Bad Kötzting, die jährlich am Pfingstmontag nach der Rückkehr der Reiterprozession dem „auserwählten“ Bürgersohn durch den Geistlichen Offiziator von Pferd zu Pferd überreicht wird, damit das Bindeglied zwischen dem religiösen Teil des Pfingstfestes mit dem herkömmlichen Pfingstritt und dem weltlichen Teil der Kötztinger Pfingstfestfeierlichkeiten mit der zweitägigen Pfingsthochzeit (3). Seit alters her wird das Kränzlein vom Geistlichen Offiziator bei der Reiterprozession mitgeführt (siehe 5). Ursprünglich am Allerheiligsten befestigt, seit 1869 an dem, an dessen Stelle getretenen Feldkreuz vor der Brust des Geistlichen hängend. 

Einschub:
Seit dem Jahr 2004 ist das Pfingstkranzl wieder am Allerheiligsten befestigt. Dies geschah durch ein  Dekret des damaligen Regensburger Bischofs

 Gerhard Ludwig Müller zur Wiedereinführung des Pfingstrittes als Eucharistische Prozession.
Einschub Ende 

Dem Aufruf des Pfingstbräutigams und der Überreichung des Kränzleins geht eine Ansprache des Geistlichen Offiziators voraus. Es ist üblich, dass sich unmittelbar nach dem Festakt der Pfingstbräutigam und die beiden Brautführer festlich umkleiden und mit bebänderten Degen ausgestattet werden. Beim Rückritt in den Pfarrhof wird das Kränzchen zunächst an der Degenspitze, dann bei den Burschen- und Brautzügen am linken Oberarm getragen.

Einschub
Dieses "Umkleiden" ist gleichzeitig auch ein als sichtbares Zeichen des Übergangs vom kirchlichen zum weltlichen Brauchtum.
Einschub Ende

Aus Brigitte Ertls Buch "Kötztings Bürgerstolz"

Ursprünglich aus Silber-, wurde das Kränzlein später aus Golddraht gefertigt, eine zierliche Filigranarbeit, mit bunten Steinen durchmengt. Riederer gibt als Fertiger den Kötztinger Goldschmied Heinrich Leßzkeur und die Blumenmacherin Anna Lommer aus Regen an. Letztere betont in ihrer Zuschrift an den Magistrat Kötzting 1875, dass es nun zum 50. Male sei, dass sie das Kränzlein für den Pfingstbräutigam mache. Die jährlichen Angebotsschreiben der Lommer, die später nach Regensburg übersiedelte, sind in den Akten des Kötztinger Stadtarchivs bis zum Jahre 1882 zu verfolgen. Bis zur Errichtung der St. Josefspflege in Kötzting wurden Kränzchen und Bräutigamsstrauß (4) von den Armen Schulschwestern in München hergestellt, seit 1895 von den Mallersdorfer Schwestern ,im 1894 gegründeten St. Josefsheim in Kötzting. Unter den Fertigern des Kränzchens im St. Josefsheim ist an dieser Stelle die Ehrwürdige Schwester Blasiana zu nennen. Nach einem Bericht in der „Kötztinger Zeitung“ hat sie im Jahre 1953 zum 30. Male das Kränzchen und den Bräutigamsstrauß angefertigt.

Einschub bzw. Ergänzung
Von 2007-2024 wurde das Kranzl im Kloster Seligenthal in Landshut angefertigt, seit dem Jahr 2025 von der Klosterarbeiten-Expertin Renate Müller aus Reisbach.
 Einschub Ende

Erste Erwähnung der Vergabe

Von der Überreichung eines Kränzleins ist erstmals in einem Bericht des Kötztinger Pfarrers P. Innocenz Mayr vom 6. 4. 1754 (5) die Rede. Zwar liegen aus dem 17. Jahrhundert Eintragungen in den Marktkammerrechnungen des Marktes Kötzting (6) vor, die eine Existenz der Reiterprozession (7) bestätigen, der weltliche Teil des Pfingstfestes findet jedoch vorerst keine Erwähnung. Pfarrer Mayr weiß nicht zu ergründen, warum beim Rückreiten einer der Bürgersöhne mit einem Kränzlein ausgezeichnet werde, das zuvor an dem hochheiligsten Gute gehangen. Pfarrer Mayr gibt lediglich an: wohl deshalb, damit die Bürgersöhne desto lieber das Allerheiligste begleiten. Diese ungenügende Erklärung ist zu verstehen, wenn man bedenkt, dass man sich zu dieser Zeit mit den eigentlichen Grundlagen dieses Volksrittes nicht befasst hat (Hubrich). Der vergleichenden Volkskunde gibt jedoch der weitere Hinweis Pfarrers Mayr: der mit dem Kränzchen ausgezeichnete Jüngling gehe samt seinesgleichen mit dem Kränzlein prangend im Markte herum, sammle Geld und tue sich im Wirtshaus mit Trinken und Tanzen bis in die späte Nacht wohlauf machen, einen wertvollen Aufschluss, der im Folgenden noch heranzuziehen ist. 1754 bis 1756 war die Vergabe eines Kränzleins durch das Bischöfliche Ordinariat untersagt. 1757 ist sie auf Grund eines Antrages der Kötztinger Bürgersöhne, unterstützt durch Kammereirat und Pfarrer, wieder gestattet worden.
Aus den Vorgängen von 1757 ist erstmals zu erfahren, dass die Überreichung des Kränzleins nach einer Ansprache des Pfarrers erfolgt. Ferner ist auch die Rede von der Erwählung einer Braut zum Tanze. Aus diesen Angaben wird einwandfrei klar, dass sich schon seit unvordenklichen Zeiten dem kirchlichen Teil — der Reiterprozession — ein weltlicher Teil, die „Pfingsthochzeit“, angeschlossen hat, zwischen denen das Bischöfliche Ordinariat, dem Zeitgeist der Reinigung des religiösen Lebens folgend, zunächst eine Grenze dadurch zieht, dass es zwar die Vergabe des Kränzleins wieder gestattet (1757), jedoch die Wahl einer Braut und das nächtliche, zur „Sündt“ anreizende oder gegen „gute Polizei“ laufende Tanzen untersagt.
1869 schließlich vertritt das Bischöfliche Ordinariat die Auffassung, dass die Überreichung des Kränzleins durch die Geistlichen, der das Allerheiligste trage, überhaupt zu unterbleiben habe. Diese Auffassung setzt sich jedoch nicht durch; es bleibt vielmehr bei der bisherigen Übung, dass das Kränzlein dem auserwählten Bürgerssohn durch den Geistlichen überreicht wird. Das Mitführen des Allerheiligsten ist jedoch nicht mehr gestattet.

Das Pfingstkranzl von 1884 von Franz Decker



Einschub
Seit 2004 ist unser Pfingstritt wieder eine Eucharistische Prozession, das Allerheiligste wird wieder mitgeführt.
Einschub Ende

Das Pfingstkränzlein, der alte Maien


Sieht man von der, von Mehler geschilderten Pfingstrittlegende (8) ab und sucht man eine Antwort auf die Frage der Herkunft, des Ursprungs der Auszeichnung eines auserwählten Burschen als „Pfingstbräutigam“ bei der verschiedenen Volkskunde, so eröffnet dies nähere Aufschlüsse. Ohne Zweifel verbirgt sich hinter dem Pfingstbräutigam der alte „Pfingstl“ (9), hinter der Pfingsthochzeit das alte Frühjahrsfest, das Mailehen, bei dem der Maigraf die Maibraut zum Tanze zusprochen bekam. Es sei an dieser Stelle Dr. Oskar Ritter von Zaborsky-Wahlstetten (1956) zitiert:

„Wann sich der altdeutsche Frühlingsbrauch des Maigrafen und der „Maibraut“, des „Maikönigs“ und der „Maikönigin“ als Pfingsthochzeit dem Ritt angegliedert hat, lässt sich nicht einmal mehr mutmaßen. Dass auch dieses Brauchtum bis in die vorchristliche Zeit zurückreicht, beweist der can. 38 der Synode von Worcester im Jahre 1240, in dem es heißt: „Das Volk dürfe nicht an den Feiern des Königs und der Königin festhalten“. Der von alters her in grünes Laub und dergleichen gekleidete und mitunter als Maigraf oder „Maiherr“ bezeichnete Pfingstbräutigam, mit einem grünen Kranze geschmückt und von Begleitern umgeben, …
In Bayern (1860) ist nachzulesen: „Anstatt des Pfingstl reitet vorne der Träger eines großen Kruzifixes und statt des bekränzten grünen Maien trägt in der Mitte des Zuges der Geistliche die Monstranz mit einem Kranz von Flitterblumen und Silberdraht.
Dr. Georg Schierghofer bezeichnet in seiner volkskundlichen Betrachtung „Pfingstritt“ (Sonderbeilage der Kötztinger Umschau 1930) die Überreichung des Kränzleins als Schmuckkult. (Kulturschmuck), den Maien oder das Tugendkränzlein des Pfingstls, eine der wichtigsten Grundformen, die im Kötztinger Pfingstritt mit dem Umritt (Reiterprozession) und dem Kultspiel (Pfingsthochzeit) zusammenfließen. Demnach bildet das Kränzlein, der Maien, als Segenszeichen der einstigen Pfingst- und Maygrafen, sogar eine Hauptrolle:
Es versinnbildlicht nun das Gute und Edle im Menschenleben, während es einstens das Symbol des ersehnten, geliebten Herrn Frühlings war, der den Jüngling mit der Jungfrau Erde vermählte, um den Menschen Segen und Fruchtbarkeit zu spenden …“
Wir haben also, wenn man sich dies und andere Argumente zu eigen machen will, mit der Kranzleinberückung einen vorchristlichen Schmuckkult vor uns, in der Pfingsthochzeit ein Kultspiel, Vorgänge, die nun bei der Betrachtung des Berichtes von Pfarrer Mayr 1754 und aus den Vorgängen von 1757 mit einem Male recht deutlich werden, obgleich sie an diesen Stellen weiter kaum angesprochen sind.

Pfingstkranzl von Theo Heigl


Von der Erinnerungsgabe zum Sittenpreis

Ohne Zweifel aber hat man es beim Kötztinger Pfingstkränzlein auch mit einer Erinnerungsgabe zu tun. Das Kötztinger Pfingstrittlegende berichtet, dass "zu Anfang des 15. Jahrhunderts, 1412", Kötztinger Burschen den Pfarrherrn auf einem Versehgang nach Steinbühl das schützende Geleit gegeben hätten: „Wir dürfen annehmen, dass der Pfarrherr beim ‚gelobten‘ Danksagungsgang das Allerheiligste in feierlicher Weise mittrug, weshalb dann fromme Männer der Pfarrei sich in großer Zahl an dem Zuge beteiligten. Das Kränzlein aber, welches wie heute noch am Fronleichnamsfest, sich um den Behälter der Hostie schlang, mag wohl der Priester nach erfolgter Rückkehr dem bravesten Burschen zum Andenken gegeben haben. …
Immerhin geht den Kötztinger Pfingstfestakten aus dem Jahre 1782 hervor, dass die sogenannte Kränzleinausteilung durch einen Priester „nach einer kurzen auf Tugend und Guten Lebens Wandel abzielenden Anrede“ einem ledigen Burschen, „der sich am löblichsten aufgeführt“ zukomme, „zu unvergesslichen Angedenken des ehemals dem Seelsorger geleisteten Beistands und hierwegen erhaltener Belohnung …"
In Anlehnung an Mehler stellt Hubrich in seinem Freilichtspiel zum Kötztinger Pfingstritt „Pfingstritt“ uraufgeführt 1949, den Ursprung des Kränzleins als Dank- und Erinnerungsgabe dar, die der Geistliche dem tapferen der Kötztinger Jüngmänner, die einen Überfall beim nächtlichen Versehgang mit Erfolg abwehren, überreicht. Dass in diesem Freilichtspiel der „ausgezeichnete Bursch“, zugleich der „Pfingstl“ ist, erscheint nicht von ungefähr, im wesentlichen gilt das Kränzlein jedoch bereits im 19. Jahrhundert als ein Sittenpreis, mit dem seit unvordenklichen Zeiten ein Bürgerssohn bedacht werde, der sich während des ganzen Jahres am ehrbarsten und löblichsten aufgeführt habe (1757). Zugleich ist auch davon die Rede, dass das Kränzlein „zu vergelt und ferneren Auferbauung“ einem Bürgerssohn verehrt werde (Vergleiche 5).
Gleichzeitig wird auf den Brauch hingewiesen, dass der ausgezeichnete Bürgersohn mit seinem Kränzlein im Markt umherging, Geld sammelte und sich später im Wirtshaus mit Trinken und Tanzen bis tief in die Nacht hinein wohlauf machte.
Damit tritt neben den religiösen Sinn der Auszeichnung ein deutlich weltlicher Charakter. In späteren Zeiten, im Bürgersohn-Gedanken des 19. Jahrhunderts, gewann dieser weltliche Charakter noch an Gewicht, während der ursprüngliche Erinnerungs- und Segensgedanke in den Hintergrund trat.

Aus Brigitte Ertls Buch "Kötztings Bürgerstolz" : Pfingstkranzlausstellung



Bezeichnungen

Das Kränzlein wird im Volksmund allgemein als „Kranzl“ bezeichnet. Es erscheinen jedoch noch mehrere Bezeichnungen: „Tugendkränzlein“, „Tugendkranz“, „Pfingstkränzlein“, „Ehrenkränzlein“ und anderes mehr.

1754: Cränzlein
1757: Ehren-Cranzl
1820: Kränzlein, „an den würdigsten der Jünglinge“ – Erteilung eines Kranzes an den sittlichsten Jüngling – Kränzlein; „Schönstes Beispiel der Tugend“;
1900: Mehler S. 11: „goldenen Kranz der Tugend, auf dass der damit Bezeichnete auch ferner als guter Diener, eifriger Christ und treuer Diener des Vaterlandes seine Pflicht erfülle …“
1903: Sittenpreis
1912: Über den Sinn des Kränzchens: Geistlicher Offiziator Kooperator Schmidt, bei der Festansprache zum 500. Pfingstritt: „Pfingstreiter! Ihr sehet unter euch heute Reiter, welche ein goldenes Kränzlein tragen, jugendliche; diese erhielten es erst in jüngster Zeit, aber auch ältere, die in Ehren ergraut. Für alle ist es ein Ehrenkränzchen für eine in Unbescholtenheit verbrachte Jugendzeit. Das war die Auffassung unserer Väter. Eine Jugend, die unentweiht, ist würdig mit einem goldenen Kränzchen vor aller Welt geehrt zu werden. Das ist auch unsere Auffassung. Ehre und Lob verdient eine Jugend, die in sittlicher Reinheit verbracht wird. Auch heuer soll wieder ein Jüngling mit diesem Ehrenkränzchen geschmückt werden ...“
1917: „Pfingstkränzchen als Ehrenkranz für dreijährigen Kampf um deutsche Farbe und Sitte und deutschen Glauben…“ KÖA 2. 6. 1917
1930: „Pfingstkränzchen“ (KÖZ 11. 6. 1930)
1940: Filigrankränzchen (KÖZ)
1943: Pfingstkränzchen (KÖZ 12./13. 6. 43)
1953: 1953: Geistlicher Offiziator Wagner bei der Festansprache an den Pfingstbräutigam: „Und so muss es euch allen und denen, die mit euch verbunden sind, eine Ehre sein, wenn am heutigen Pfingstmontag nach altem Pfingstbrauch einer aus eurer Mitte besonders geehrt und ausgezeichnet wird: Das Ehrenkränzlein, das er nun hinnehmen darf, soll euch Wahrzeichen sein, stets aufrecht zu wandeln wie die Väter … Für die Auszeichnung mit dem Tugendkränzlein wurde im Jahre 1953 ausersehen der Bürgers- und Landwirtsohn Otto Gerstl.“
1968: Geistlicher Offiziator, Kaplan Martin; Festansprache: „Zur Erinnerung an 1412 wird auch heuer wieder ein jünger Mann aus Eurer Mitte mit dem Ehrenkränzchen ausgezeichnet. Dieses Kränzchen sei für ihn und die gesamte Stadt eine Anerkennung aber auch eine echte Verpflichtung zu Heimattreue und Gläubigkeit. Zum 556. Ritt fordere ich den Herbert Amberger, Sohn des Marktmüller Karl Amberger auf, das Pfingstkränzlein zu empfangen. Er reite vor“.

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