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Montag, 2. März 2026

Anfänge des Biathlon im Lamer Winkel

 Der Biathlonsport kann im Lamer Winkel - genauer im Bereich Brennes-Scheibe - auf 50 Jahre zurückblicken.

Ganz klein nur im Nachrichtenteil "Lamer Winkel" stand am 7.März die Ankündigung in der Kötztinger Umschau:

Biathlon in Lohberg

Lamer Winkel (red). Die Langlaufloipe im Gebiet Brennes-Scheibe steht morgen, Sonntag, im Mittelpunkt einer großen Veranstaltung. Die Vereinigte Schützengesellschaft richtet die ersten Biathlonwettkämpfe im Lamer Winkel aus. Der Start erfolgt um 10 Uhr. Nach 3,5 km hat jeder Teilnehmer eine Schießübung zu absolvieren. Jeder Fehlschuss wird mit einer Strafzeit von zwei Minuten geahndet. Die Siegerehrung findet eine Stunde nach Beendigung im Gasthof Huber-Frisch in Lohberg statt.


Die Idee zu dieser Veranstaltung kam dem Lohberger Schützenverein offensichtlich beim Betrachten der Biathlonwettbewerbe bei den kurz zuvor stattgefundenen Olympischen Winterspielen in Innsbruck

Erstmals in der Sportgeschichte des gesamten Lamer Winkels:
Biathlon-Wettkämpfe der Schützen im Bereich Brennes-Scheibe


Gold-, Silber- und Bronzemedaillen - Hervorragende Organisation - Disziplin, die in Zukunft zum Tragen kommt


So titelte die "Umschau" und die Kötztinger Zeitung schrieb:




Sammlung Serwuschok Umschlag März 1976
Rennleiter und Schützenmeister Karl Späth, Lohbergs Ehrenbürger und Bereitschaftsarzt Dr.  med. G. Wolf und der Kampfrichter Schorsch Koller


Lamer Winkel (kin). Biathlonwettbewerb der Vereinigten Schützengesellschaft „Osserwarte – Braustüberl“ Lohberg, im Bereich Brennes-Scheibe:
Eine Disziplin, die, wenn auch im kleinen Rahmen an die Olympischen Spiele 1976 in Innsbruck erinnerte. Geprägt durch diese sportlichen Ereignisse vor vier Wochen, reifte bei den Verantwortlichen die Idee, einen Biathlonwettkampf durchzuführen. Der Gedanke war gut und der Aufruf fand ein weites Echo. 65 Teilnehmer aus dem Lamer Winkel und darüber hinaus, kämpften mit Elan und Ausdauer um die beste Zeit und „übten“ sich im Umgang mit Kimme und Korn. Die Organisation klappte hervorragend und das Gelände hätte sich nicht besser anbieten können. Gold, Silber und Bronze „regnete“ es für die erfolgreichen Sportler Xaver Penzkofer, Steinbühl, Josef Liebl, Sommerau und Xaver Kirschenbauer, Lam. Dazu gab es noch viele Pokale und Ehrenpreise.

Und danach folgte der Bericht über das erste Biathlonrennen im Lamer Winkel:

Bewölkter Himmel, leichtes Schneetreiben und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt bestimmten das sportliche Geschehen. Die Loipe war hervorragend präpariert, als pünktlich um 10 Uhr der Start erfolgte. Nach etwa 3,5 km hieß es für die Langläufer ihre Skier abzuschnallen und am Schießstand ihr Glück zu probieren. Die Büchsen krachten und nicht jeder Schuss war ein Treffer. So gab es denn schließlich für den einen oder anderen Strafminuten, wenn sie nicht ins Schwarze trafen. Die Anlage, in einer windgeschützten Lichtung angebracht, entsprach allen Anforderungen. Durch den unermüdlichen Einsatz der vielen freiwilligen Helfer konnte die Veranstaltung reibungslos über die Bühne gebracht werden. Am Ziel waren Karl Späth und Georg Koller zusammen mit ihrem Team tätig. Decken und heißer Tee wurden den Sportlern bei Ankunft verabreicht. Die Bergwachtkameradschaft Lam und Dr. Gerhard Wolf hatten die ärztliche Versorgung übernommen, die zum Glück nicht beansprucht zu werden brauchte. Die Veranstaltung in Lohberg war für alle ein großes Ereignis und die Disziplin Biathlon wird sicherlich auch in den nächsten Jahren zur Durchführung kommen: 1977 ganz bestimmt.

Zur Siegerehrung im Gasthof Huber in Lohberg konnte Karl Späth viele Wintersportfreunde und Schützenkameraden begrüßen. Er dankte insbesondere dem Starter und Zielgericht mit Alois Stiegler, Engelbert Berlinger, Georg Koller, Bernd Plötz, Georg Weber (denn so erzählte es der Zeitmessung) für ihre Tätigkeit, sei es bei der Zeitmessung oder bei der Sicherung. Sie alle, so Späth, waren uns sehr behilflich. Karl Späth vergaß jedoch auch nicht die vielen Geld- und Sachspender und seine Schützenkameraden und -brüder, die in verhältnismäßig kurzer Zeit das ganze Geschehen vorbereitet haben.








Am Schießstand:




Die Preisverleihung


Xaver Penzkofer aus Steinbühl errang die Goldmedaille, die Nahfolgenden waren Josef Liebl (Sommerau) und Xaver Kirschenbauer (Lam)

Die jeweiligen Klassenbesten erhielten zusätzlich Pokale. 


Das Resumee


Biathlon hat gute Aussichten

Die Vereinigte Schützengesellschaft in Lohberg hat diese Sportart in das Vereinsprogramm aufgenommen

Lohberg. Mit berechtigtem Stolz konnte Schützenmeister Karl Späth vor wenigen Tagen seinen ersten Situationsbericht über die ausgerichteten Biathlon-Wettkämpfe der Vereinigten Schützengesellschaft Lohberg geben. Von seinen Ausführungen waren die Schützenbrüder und -schwestern der Lohberger „Osserwarte“ überzeugt und geschlossen war die Meinung, diese winterliche Sportart in das Winterprogramm der Schützengesellschaft fest einzubauen.
Nochmals rekapitulierte Karl Späth all die Einzelheiten einer umfangreichen Vorbereitung, die Verhandlungen mit der Fürstlichen Forstverwaltung und deren großzügiges Entgegenkommen. Aufrichtig waren seine Dankesworte an alle Freunde, die um eine so vortreffliche Ausrichtung besorgt waren und mit ihrem Beitrag diesen glänzenden und fehlerfreien Ablauf garantierten. Der Sprecher konnte es sich in der Tat ersparen, diese und jene Gönner und Förderer namentlich zu nennen. Seiner Meinung nach hier der sportliche Gemeinsinn dafür gesorgt, dem Vereinsgeschehen der Vereinigten Schützengesellschaft von Lohberg einen neuen Meilenstein seiner rührigen Arbeit zu setzen.
Der Wettbewerb musste bekanntlich am vergangenen ersten Märzsonntag wegen der ungünstigen Schneelage im Tal nach der Scheibe und dem Brennesgebiet verlegt werden. Das Wintersportjahr 1976/77 soll jedoch zeitlich so genützt werden, dass die Wettkämpfe im Nahbereich von Lohberg ausgetragen werden können und man dafür auch die entsprechenden Zuschauer hat. Dafür sind vom Gelände her gesehen ideale Voraussetzungen gegeben. Biathlon hat somit in Lohberg eine Geburtsstunde erlebt und die kommenden Jahre werden es weisen, mit welchem Recht sich dieser Sport einer zunehmenden Beliebtheit erfreuen wird. Zunächst dürfte aber die große Freude bei den Lohberger Schützen sein, die begeistert von der olympischen Idee angesteckt, ihre Gedanken so hervorragend zur Tat werden ließen.

🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken. Wer es noch nicht weiß, um was es sich bei diesem Programm handelt, kann sich gut im folgenden Blogbeitrag informieren: Die interaktive Karte und ihre Möglichkeiten :

🔎 Wer diesen Beitrag dort wiederfinden möchte, muss ein wenig suchen:
Er verbirgt sich in der Markergruppe Rund herum um Kötzting  


 

Viel Freude beim Entdecken!

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Donnerstag, 2. Juli 2015

Independence Day 1945 ... die amerikanische Kavallerie feiert im Landkreis Kötzting

Bereits ab dem 18. Mai mussten die, bis nach Pilsen in Tschechien vorgedrungenen, US Streitkräfte - hier bei uns waren es die Truppen der 2nd US Cavalry - dieses Gebiet wieder räumen und ersetzten in Kötzting,  die Soldaten der 90. Infanterie Division, denen sich die deutsche Panzerdivision ergeben hatte.
Die folgenden Bilder und Texte habe ich dankenswerterweise vom Direktor Ryan Myers vom Col. Reed Museum in Vilseck erhalten und stammen aus den beiden Büchern. Seinen Mitarbeiter Lance durften wir heuer bereits als Ehrengast beim Pfingstritt begrüßen.














Wie man auf der folgenden Karte gut sehen kann, ist die 2nd Cav. für den gesamten Altlandkreis Kötzting zuständig.



Das Gruppenhauptquartier nach dem Rückzug aus Tschechien wurde zuerst auf dem Brennes errichtet und das Buch berichtet davon, dass sofort nach der Beendigung der Feindseligkeiten dort oben sich eine ganze Menagerie an Haustieren und Maskottchen angesammelt hatte, etwas was den Soldaten während der Kämpfe streng verboten gewesen war, also ein Maskottchen mitzunehmen. Und so waren dort in kurzer Zeit Hunde, Kühe, Pfaue, Schweine, Ziegen und sogar ein schwarzes ungarisches Schaf versammelt.
Zeitgleich wurde am Arbersee ein, heutzutage würde man sagen Wellnesshotel, ein " recreation center", eröffnet, in welchem die Soldaten der 2nd Cav jeweils 3 Tage verbringen durften einfach nur zum Entspannen oder auch zum Schwimmen, Boot fahren, Reiten, Picknick oder halt mit dem Tanz mit den (nichtdeutschen) Mädels aus Zwiesel.
 Ansonsten waren die Soldaten beschäftigt, die Grenze zu überwachen, die Grenze des Böhmerwaldes, von dem noch Hindenburg sagte - und die Amerikaner glaubten diesen Worten bis zum Schluss und agierten auch entsprechend vorsichtig - "Wer diese Region kontrolliert, beherrscht Deutschland"

Grenzkontrolle zu Tschechien

 Am 1. Juli wurde das Hauptquartier der gesamten Gruppe nach Kötzting verlegt, wo bereits deren B-Truppe der 2nd Squadron die Bewachung und Abwicklung der Gefangenen der 11. PD übernommen hatte. Diese Verlegung des Hauptquartiers wurde deswegen unternommen, um Captain Sperl, dem IPW Offizier (=Zuständig für die Befragung der Kriegsgefangenen, also eine Vorläuferbehörde des CIAs, vorher noch CIC), welcher der 2nd Cav zugeteilt worden war, zu unterstützen und die Behörden im Altlandkreis Kötzting besser zu kontrollieren zu können.

In dem Maße, wie die einzelnen Abteilungen der Militärregierung ihren eigentlichen Job besser in den Griff bekamen, wurden dann den Soldaten auch sportliche Möglichkeiten angeboten und jede Einheit errichtete sich so ihren eigenen Sportplatze und veranstaltete Turniere, denn was wäre Sport ohne Wettkampf und Sieger und Verlierer.
So haben die Kötztinger zum Beispiel ihre Holztribüne am Fußballplatz auch den Amerikanern zu verdanken und waren bestrebt, dieses Bauwerk nach dem Abzug der Soldaten auch behalten zu dürfen.

Auch Volleyball wurde gespielt


So wurden bei uns v.a. in Neukirchen und Cham Turniere abgehalten. Abends wurde dann in den Gasthäusern, natürlich getrennt nach Offizieren und Mannschaften, abwechselnd in Lam und Neukirchen beim hl. Blut getanzt und dazu wurden die dazu "notwendigen" Mädchen aus der Region von Klattau antransportiert, es herrschte ja noch die Parole: "No fraternisation", also keine Verbrüderung mit dem deutschen Feind. Wie es oben weiter heißt, war es eine große Erleichterung, als dieses Verbot dann aufgehoben worden war und die Soldaten "local frauleins" auf ihre Parties und zu den Tänzen einladen durften und sich mit den "local bellies", also mit den Dorfschönheiten, treffen durften, was laut Text offensichtlich für den Geldbeutel der GIs viel billiger war als die Transportmethode  aus der Anfangszeit.

Jedenfalls nahte nun der 4. Juli, also der amerikanische Nationalfeiertag zur Unabhängigkeit, der sogenannte Independence Day, und die US Streitkräfte veranstalteten ein großes Reiterfest - man war ja schließlich eine Kavallerieeinheit, wenn auch mit Panzern, und von diesem Fest gibt es tatsächlich noch Bilder und den offiziellen Flyer.
Herr Ludwig Bauman aus Kötzting, darauf angesprochen, erinnert sich noch sehr gut an diese Veranstaltung und an viele Details, wie er mir berichtete, der Flyer war wohl für ihn auch eine kleine Zeitreise.
Ich habe ihn gebeten seine persönlichen Erinnerungen an dieses Ereignis kurz zusamenzufassen:



Meine Erinnerung an das Reitturnier, das die amerikanischen Besatzungssoldaten auf den Wiesen „Am Füller“ veranstalteten, ist lückenhaft. Aber das habe ich noch lebhaft vor Augen: Das weite Rund des Turnierplatzes war mit Holzplanken eingezäunt. Und die Zuschauer, meist Soldaten, aber auch neugierige Einheimische und zugezogene Flüchtlinge, standen in dichten Reihen dahinter. Wir Zehnjährigen fanden kaum eine Lücke, um einen Blick von dem Ungewöhnlichen, das sich auf der alltäglichen Bauernwiese ereignete, zu erhaschen. Ich erspähte aus Balken und Brettern zusammengenagelte Hindernisse und Reiter, die mit ihren Pferden darüberhüpften, immer wieder rennende und hüpfende Pferde – in endloser Folge. Mir wurde es bald langweilig, und ich trottete heim. Eins aber habe ich heute noch im Ohr. Das Trompetensignal, das jedes Mal ertönte, wenn ein Reiter startete oder ins Ziel einlief. Das hallte quer über den Markt bis zu unserm Haus auf der Tradt – zwei Tage lang. Mein Großvater, nebenberuflich ein Musikant, wollte es auch nicht mehr hören.

Etwas anderes hatte mein handwerkliches Interesse geweckt und meine Aufmerksamkeit gefesselt: Auf dem Marktplatz bauten Zimmerleute eine hohe und massive Rampe zusammen. Mit der wurden in den Wochen nach dem Turnier die Pferde auf amerikanische Lkws verladen und nach unbekannten Orten verfrachtet. Die Pferde, auch das haben wir Schulbuben mitbekommen, hatten die Amerikaner im Mai (1945) aus der Tschechei vor den Russen gerettet und in den weiten Ställen und Städeln der „Post“ untergebracht.



Ludwig Baumann
 




Hier nun die Werbebroschüre, also der Flyer für das Reiterfest der Second Cavalry in Neukirchen beim hl. Blut 4. und 5. Juli 1945



auch Col Reed persönlich nahm an den Reitturnier und Pferdevorführungen teil
 Am 4. Juli abends feierten die Offiziere in Neukirchen, die Mannschaften in Lam




Eine Vorführung von Kosacken war angekündigt und davon gibt es sogar Bilder aus Neukirchen:



das Organisationskommitee


so wurden die Sieger ermittelt

auch Baseball wurde angeboten und auch davon gibt es Bilder


Teilnehmerliste des "offenen" Springens mit einer Maximalhöhe von 3 Fuß und 6 Zoll









Springturnier am 4.u 5. Juli 1945 in Neukirchen beim hl. Blut





Nun war es natürlich der amerikanische Nationalfeiertag und daher durften eine Parade und eine Marching Band nicht fehlen:

amerikanisches Blechbläser 1945 in Neukirchen beim hl. Blut

das ist halt eine kleine Parade für die Kavallerie