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Montag, 16. März 2026

Erinnerungen an Altkötzting Nr. 67 - wohin mit dem Müll

In der Bildersammlung des Stadtarchivs haben sich zahlreiche Momentaufnahmen erhalten, die einen „Blick zurück“ auf das Alltagsleben früherer Jahrzehnte erlauben – auf Handel und Gewerbe ebenso wie auf Feste, Bälle und gesellige Abende, aber auch auf Selbstverständlichkeiten des täglichen Lebens, die heute kaum mehr vorstellbar sind. Dazu gehört auch der Umgang mit Abfällen, der über viele Jahre hinweg völlig andere Wege ging als heute.

Heutzutage undenkbar, war es bis 1976 ganz normal, den Hausmüll oberirdisch auf eine Deponie im Stadtgebiet zu fahren und dort – wenn irgendwie brennbar – auch noch anzuzünden. Eine der ersten dieser Mülldeponien Kötztings lag links vom Zeltendorfer Weg nach dem OBAG-Gelände sowie auf der Auffahrt zur Rieselhöhe, wo sich damals eine Sandgrube befand und wo heute die Kötztinger Schulen stehen. Als diese - Zeltendorfer Weg - Deponie im Zuge der Errichtung der Bundeswehrkaserne und neuer Wohngebiete mühsam und kostenintensiv ausgebaggert und saniert werden musste, wich man für einige Jahre auf eine Feuchtwiese nahe dem heutigen Pfingstreiter-Kreisverkehr aus – praktisch unter dem Standort des heutigen Restaurants Route 2140. Ab dem Jahr 1965 diente schließlich eine Feuchtwiese  bei Wölkersdorf als städtische Deponiefläche, die bis 1976 genutzt wurde, ehe dann endgültig neue gesetzliche Bestimmungen die Abfallbeseitigung dem Landkreis übertrugen und diese Praxis beendeten.

Vor 50 Jahren endete das "wilde Deponieren" im Stadtgebiet


KU 8.1.1976 Foto und Artikel Kühn

Die Deponie für Überflüssiges ist jetzt selbst überflüssig

Müllplatz Wölkersdorf: Der Ärger hört auf, die Rekultivierung beginnt / „Gnadenfrist“ für Selbstfahrer / Geschichten

Kötzting (kü). Der städtische Müllplatz in Wölkersdorf, eine einstmals sumpfige Wiese, die all das „verschlang“, was nicht mehr nötig wurde, ist nun selbst überflüssig. Denn der Landkreis hat gemäß Gesetz ab 1. Januar die Beseitigung der Abfälle übernommen. Die Stadtväter atmen erleichtert auf: Mit dieser Neuorganisation wurden sie nicht nur eine Menge leidiger Verwaltungsarbeit los, sondern auch — und das noch viel mehr — Ärger. Der Grund: Seit 1973 waren die Besitzer des Grundstückes bemüht, den vor einem Jahrzehnt mit der Stadt geschlossenen Pachtvertrag aufzulösen. Die Bauernfamilie argumentierte dabei mit dem Hinweis auf die immense Geruchsbelästigung und die Ungeziefer-Invasion. Das ist nun zu Ende.

● Die Stadt wird im Frühjahr den Müllplatz mit Erdreich einebnen und neu bepflanzen. Kötzting, im Hinblick auf den Fremdenverkehr um ein adrettes Landschaftsbild bedacht, hat ein hässliches Fleckchen weniger. Vor Probleme sehen sich jetzt allerdings die Selbstfahrer gestellt. Sie müssen die zivilisatorischen Überbleibsel für neues Geld bis zur Mülldeponie in Sengenbühl bei Furth i. Wald selbst transportieren und fahren lassen.

● Die Geschichte der städtischen Müllabfuhr ist in den Rathausakten niedergeschrieben. Vor 1965 wurde der Abfall auf der Höcherl-Wiese am Gruber Bach an der Pfingstreiterstraße (in Höhe der später gebauten Firma Gilch) deponiert. Nachdem der Pachtvertrag ausgelaufen war, schloss der damalige Bürgermeister Hans Kroher am 1. September 1965 einen neuen. Für die Wiese musste die Stadt seinerzeit einen Pachtzins von zehn Mark pro Jahr (!) auf den Tisch blättern — ein Betrag, der inzwischen um das Vielfache erhöht wurde.

● Und das kam so: Im Laufe der Zeit stellte sich heraus, dass permanent größere Mengen Müll angeliefert wurden und dass vor allem die industriellen Abfälle bei der Verbrennung fast unerträglich stanken. Doch die Besitzer hatten nicht nur vom Geruch die Nasen voll: Der Müll zog Millionen von Heuschrecken, Fliegen und anderem Ungeziefer an, die im Bereich des Schuttplatzes wohnenden Menschen wurden oft einer harten Geduldsprobe ausgesetzt. Die Verpächter kündigten schließlich 1973 den Vertrag, obwohl das Abkommen der Stadt Nutzungsrechte bis 1980 sicherte. In dem Brief wurde Bürgermeister Seidl bezichtigt, „schlimmer als die Kommunisten“ zu sein und „skrupellos auszubeuten“. Kurzum: Die Besitzer hatten einen mordsmäßigen Grant, konnten jedoch zumindest vorübergehend durch eine deftige Erhöhung des Pachtzinses besänftigt werden. Das hinderte sie jedoch nicht daran, unter anderem auch an das Landratsamt und die „Bild“-Zeitung zu schreiben.
Müllplatz Wölkersdorf ab 15. Januar geschlossen

● So ist Bürgermeister Karl Seidl „heilfroh, dass das Problem jetzt mit der Neuregelung der Müllabfuhr durch den Landkreis aus der Welt geschafft werden konnte. Die Stadt hat lediglich noch ihre Vertragsverpflichtung zu erfüllen und den Wölkersdorfer Müllplatz zu rekultivieren, das heißt, ihn mit Erdreich einzuebnen, neu zu bepflanzen und somit wieder landwirtschaftlich nutzbar zu machen."

Auf den Schuttabladeplätzen in den früheren Gemeinden Arndorf (am Gruber Mühlweg) und Zeltendorf (Hohlgasse) ist dies schon geschehen. Der Müllplatz der Ex-Gemeinde Haus an der alten Kreisstraße ist privater Grund. Der Besitzer soll angehalten werden, sein Rayon in den entsprechenden Zustand zu versetzen. Eine soziale Härte wird’s übrigens hinsichtlich des Wölkersdorfer Müllplatzes nicht geben. Der Wärter Johann Hofmann, städtischer Angestellter und kurz vor der Pensionierung, soll auf jeden Fall bis zur Erreichung der Altersgrenze weiterbeschäftigt werden.

Die Müllabfuhr wurde in der Gemeinde Kötzting wie folgt geregelt:
Wöchentlich: Kötzting, Gehstorf, Haus, Roter Steg, Ludwigsberg, Reitenstein, Arndorf, Beckendorf und Grub.
Vierzehntägig: Zeltendorf, Gradis, Gradsdorf, Weißenregen, Hafenberg, Hofern, Wölkersdorf, Bärndorf, Traidersdorf, Steinbühl, Höfling, Bonried und Kieslau.
Monatlich: 15 Einzelanwesen der Ex-Gemeinde Gehstorf, fünf Einzelanwesen der früheren Gemeinde Haus, vier Einzelanwesen in Wölkersdorf und Bonried, 20 Einzelanwesen in der ehemaligen Gemeinde Weißenregen sowie 52 Einzelanwesen in der Ex-Gemeinde Arndorf.
Diese Regelung gilt schon ab dem 1. Januar. Selbstfahrer können noch bis zum 15. Januar den Müllplatz in Wölkersdorf ansteuern, dann ist ein für allemal Schluss.

● Der Weg führt künftig nach Sengenbühl bei Furth i. Wald. Selbstfahrer – soweit sie nicht eines der Unternehmen beauftragen – müssen für einen Kombi drei Mark, für einen Lkw bis zu 3,5 Tonnen zehn Mark, bis zu fünf Tonnen 15 Mark und über fünf Tonnen Müll 20 Mark bezahlen. Das Geld wird sofort eingehoben. Die Betreffenden müssen allerdings beachten, dass nicht alle Materialien in Sengenbühl abgelagert werden dürfen. Wer beispielsweise Bauschutt und Erdreich hat, kann sich unter anderem an die Landwirte Strobl und Franz Hackl (beide in Grub) an Hutteur (Hafenberg) oder Heinrich Preiß (Kieslau) wenden, die solches Material zum Auffüllen von Erdvertiefungen verwenden.

Es war also auch im Jahre 1976 noch nicht Schluss mit den oberflächlichen Deponien, es wurde nur alles aus Landkreis auf eine große Deponie, eben in Sengenbühl, gekarrt und dort sollte es dann auch Schluss sein mit dem selbstständigen Anzünden und Abfackeln von Müllfuhren.

Die Kötztinger Mülldeponie bei Wölkersdorf. KU 8.1.1976 Foto und Artikel Kühn

Die Kötztinger Mülldeponie bei Wölkersdorf. KU 8.1.1976 Foto und Artikel Kühn

🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

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Er verbirgt sich in der Markergruppe Rund herum um Kötzting  


 

Viel Freude beim Entdecken!

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