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Montag, 17. August 2026

Das Ende des Zweiten Weltkriegs und seine Folgen - die Elendsquartiere

Die Zahl der Bewohner im ehemaligen Landkreis Kötzting hatte sich nach dem Kriegsende mit den Geflüchteten und Vertriebenen um fast 50 Prozent erhöht und diese Menschen konnten unseren Grenzraum  bis zum Jahre 1947 auch nicht verlassen, da selbst die innerdeutschen Sektorengrenzen für sie idR verschlossen geblieben waren.

StA Kötzting Flüchtlingskartei des ehemaligen Landkreises Kötzting mit über 11000 Namen.

 Der folgende Ausschnitt dokumentiert die Entwicklung der registrierten Flüchtlingszahlen von Januar bis März 1947. Trotz des deutlichen Rückgangs gegenüber dem Sommer 1945 – die Gesamtzahl hatte sich inzwischen etwa halbiert – verzeichneten alle Gemeinden in diesem Zeitraum nochmals einen Anstieg. Der längerfristige Rückgang war vor allem darauf zurückzuführen, dass die Zonengrenzen zur französischen und britischen Besatzungszone inzwischen geöffnet worden waren. Dies ermöglichte zahlreichen Flüchtlingen, zu Angehörigen in anderen Teilen Deutschlands weiterzuziehen.

Welche gewaltige Herausforderung die Versorgung der Flüchtlinge und Vertriebenen auch zwei Jahre nach Kriegsende noch darstellte, zeigt der Jahresbericht 1946/47 an den Kreistag Kötzting. Allein im Altlandkreis Kötzting lebten damals noch 10.791 Menschen, die vielfach unter schwierigen und prekären Verhältnissen existierten und auf öffentliche Unterstützung angewiesen waren.
 
StA Landshut Rep 164-8 Nr. 1830_0005

Trotz einer allmählichen Verbesserung der Verhältnisse blieb die Wohnungsnot noch über Jahre ein drängendes Problem. So ist selbst im Jahr 1950 in amtlichen Unterlagen noch von „Elendsquartieren“ die Rede, die sich, wie es dort heißt, „landauf, landab im Landkreis Kötzting“ finden ließen.

Foto: Zeitungsausschnitt Krämerarchiv Nr. 54
In der Kötztinger Zeitung konnte man 1951 noch in einem Rückblick auf die "Erfolge" der Wohnraumbeschaffung folgendes nachlesen:

"In einer Denkschrift an den Bayerischen Landtag kennzeichnete Landrat ORR. Scholz die katastrophale Wohnraumlage im Landkreis Kötzting mit dem Hinweis, dass noch 3500 Flüchtlinge in Elendsquartieren und gefährlich überfüllten Wohnungen untergebracht seien. Noch Ende 1948 lebten 450 Personen in Wohnraumlagern. Als im Herbst des Jahres 1949 die Wohnraumkommission der Regierung den Landkreis Kötzting durchkämmte, wurden noch 331 Elendsquartiere festgestellt. Durch die steten Bemühungen der zuständigen Stellen konnten bis zum 30. Oktober 1950 125 Elendswohnungen beseitigt werden. 43 weitere Elendsquartiere wurden in den letzten fünf Monaten aufgelöst. Noch immer aber sind 163 solcher Unterkünfte im Landkreis Kötzting vorhanden. Mit der endgültigen Beseitigung der Elendsquartiere wird im Laufe des nächsten Haushaltsjahres zu rechnen sein. Es ist immerhin bemerkenswert, dass einzelne kleinere Gemeinden des Landkreises heute schon ohne Flüchtlingsbelegung sind. Auch auf dem Gebiete der Wohnraumlager konnten ständig Verbesserungen und Auflockerungen vorgenommen werden. Wohnraumlager bestehen gegenwärtig noch in Arrach, Blaibach, Kötzting, Miltach, Oberndorf und Steinbach. Die Belegung hat sich in den letzten zwei Jahren von 478 auf 391 Personen vermindert. Der größte Rückgang trat in der Zeit vom 1.1.1949 bis zum 1.1.1950 ein. In dieser Zeit wurden die sechs Wohnraumlager im Landkreis Kötzting um 63 Personen entlastet. Sie waren am 1.4.1950 mit 120 Familien (408 Personen) und am 30. November 1950 mit 113 Familien (392 Personen) belegt. Für den Ausbau der Unterkünfte wurden im vergangenen Jahre durch das Kreisflüchtlingsamt insgesamt 24.290 DM aufgebracht. Es ist nicht zu leugnen, dass auch im Landkreis Kötzting zur Beseitigung der Notstandswohnungen und Elendsquartiere das Menschenmöglichste geleistet wurde. Trotz sozialem Wohnungsbau aber hausen immer noch Menschen abseits der Straßen in jämmerlichen Holzhütten."


Chroniken  Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Chroniken und der Jahreszahl 1951 zu finden.


Die Chroniken bewahren Erinnerungen an Menschen, Ereignisse und den Wandel der Stadt über viele Generationen hinweg. Oft sind es gerade diese zeitgenössischen Berichte, die Geschichte besonders lebendig werden lassen.

Viel Freude beim Entdecken!

🗺️ Interaktive Karte Kötzting öffnen






Samstag, 7. März 2020

Das Ende des Zweiten Weltkrieges: das Ausweichlazarett in Kötzting

Staatsarchiv Landshut
Rep  164-8 Nr.3238
Ausweichlazarett in Kötzting









Frühjahr 1945 





















Im Januar 1945 wird die Lage in Deutschland immer schlimmer, denn aus den bombardierten Städten müssen viele Bewohner evakuiert werden. Vor allem die Bewohner bzw. Insassen von Altersheimen und Krankenhäusern werden nun in die vermeintlich sicheren, zu diesem Zeitpunkt noch weitgehend unzerstörten, Bereiche Ostbayerns verbracht.
Zu diesem Zwecke erging am 25. Januar 1945 der Befehl des Reichsverteidigungskommissars im Reichsverteidigungsbezirk Gau Bayreuth - Kötzting gehörte als Teils der NSDAP Kreisgruppe Cham zum Gau Bayreuth - dass in Kötzting das neue Schulhaus (nun das alte Schulhaus in der Holzapfelstraße)  - das damals als "altes" Schulhaus erwähnte Gebäude musste in den 70er Jahren dem Parkhaus weichen -als Krankenhaus hergerichtet werden müsse.
Bis zur Belegung könne noch weiter Unterricht in den Räumen gegeben werden.
Bereits am 1.2.1945 meldete das Landratsamt Kötzting Vollzug und berichtete, dass Platz für 70-80 kranke Personen geschaffen worden war.

Sonntag, 12. April 2015

Das Ende des Zweiten Weltkrieges: das Gefecht bei Grub



Britt Taylor Collins: Das "Gefecht bei Grub" 2005 aus Beiträge zur Geschichte im Landkreis Cham im Original ca 150 cm lang



Nachdem sich in den letzten Tagen im Internet, speziell auf FB auf der Kötztinger Seite, einige Diskussionen zum Thema Ende des Krieges, Kapitulation der 11. Panzerdivision und die Rettung der Lipizzaner ereignet haben und sich dabei manches vermischt hat, versuche ich aus dem mir zur Verfügung stehenden Material und einigen wenigen Augenzeugenberichten die letzten Tage des dritten Reiches und den beginnenden Neuanfang in Kötzting, also April und Mai 1945 zu strukturieren und so gut es geht zu dokumentieren.

Vielleicht nicht gerade chronologisch, aber immer abhängig davon was ich wo (Kötzting - Sinzing)  an Material und Zeit  zur Verfügung habe, nutze ich halt die nächsten Wochen um nach Möglichkeit einige Themenschwerpunkte herauszuarbeiten, was nicht heuer passiert, dann eben im nächsten Jahr, es wird ja wieder April/Mai....

Themenschwerpunkte könnten sein: die Reservelazarette in Kötztings ( letzte Woche)  Schulen und in der Umgebung ab Januar 1945, das Gefecht bei Grub( diesmal), die Rettung der Lipizzaner, die Kapitulation der 11. deutschen Panzerdivision, die Militärregierung und erste zivile deutsche Strukturen, der schwere Neubeginn, der Volkssturm in Kötzting, die Kriegsschäden in unserer Gegend, u.s.w.




Zu meinem letzten Blog erreichten mich erneut ein paar persönliche Erinnerungen:  hier von Bepp Fischer
Dein letzter Blog weckt Erinnerungen: 
Bei der Belegung des Raumes im neuen Schulhaus handelte es sich um ein Büro der Polizei-SS-Einheit von Soldaten meist aus dem Balkan. Diese waren über ein großes Gebiet zur Auffrischung verstreut. Als der Schülerzug nach und von Cham, wegen der Tiefflieger nicht mehr bei Tag fuhr, versuchten wir zur Heimfahrt immer einen "Panwagen" dieser Einheit zu erwischen. Sie fuhren nach Cham und holten von einer zentralen Versorgungsstelle ihren Proviant.

Ich kann mich auch noch erinnern, als das alte Schulhaus mit schlesischen Flüchtlingen belegt wurde. Wir schleppten damals Strohsäcke.


Es geht los mit dem  Gefecht bei Grub
diesen Beitrag haben meine Mutter und ich zusammen mit dem amerikanischen Schlachtenmaler Britt Taylor Collins für die "Gelben Bände" des Jahres 2005, eben auch ein rundes Jubiläum, erarbeitet.

Es liegt in der Natur der Dinge, dass solche Beiträge eher text-  als bildlastig sind. ;-((