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Freitag, 27. Februar 2026

Die Faschingsumzüge und Faschingshochzeiten im Jahre 1976

 Die Stadt Kötzting hatte sich wohl mit den beiden großen Umzügen 1971 - ein historischer Umzug - und 1972 - ein großer Faschingsumzug mit Paula Volkholz und ihrem juristischen Beamten Dr. Karl als die Hauptfiguren in einem Wetterhäuschen - etwas verausgabt. Im Jahre 1976 waren es jedenfalls vier Umlandgemeinden, die große Umzüge veranstalteten:
Arrach, Haibühl, Warzenried und Blaibach.

Hier nun die Bildreportagen dieser Veranstaltungen von vor 50 Jahren.



Beginnen wir mit der Faschingshochzeit in Arrach: 























Über diese Veranstaltung schrieb die  Berichterstatterin 

Die Arracher hatten ihre Wagen mit Narreteien vollgeladen

Faschingshochzeit mit viel Gaudi und noch mehr Geld / Alle Teilnehmer profitierten, die Sportler werden’s noch

Arrach (kdy). [so weit ich weiß, zeichnete Frau Fritz aus Hohenwarth mit diesem Kürzel] Das Wetter hatte es am Samstag mit den Veranstaltern der Faschingshochzeit gut gemeint. Die Sonne schien, als sich der farbenprächtige Gaudizug durch den Ort wälzte. Kind und Kegel waren auf den Beinen, groß und klein, jung und alt, und alle maskiert. Die „Dampfrösser“ tuckerten, als wollten sie die lange Fahrt, so schwer beladen, gar nicht schaffen, die Pferde hatten alle Mühe, die ihnen aufgebürdete Last über die Höhen zu bringen. Alles Volk schrie, jubelte. Alaaf und Helau klang es aus Hunderten von Kehlen. Es war „der“ Tag für die Arracher mit Trauung und Hochzeitsmahl, mit Ofenschüsselrennen und Brautstehlen.

Schon Wochen vorher hatten alle Vereine (FFW, SC, Trachtenverein, Wanderverein Grün-Schwarz, Wintersportverein, Schützenverein und der Stammtisch „Die stillen Zecher“ geplant und vorbereitet. Das war ein Wetteifern untereinander! Bürgermeister Alois Mühlbauer sprach von einer einmaligen Kameradschaft. In so enger Zusammenarbeit gelang, was man sich vorgenommen hatte. Es wurde herrlich, närrisch und ganz schön verrückt an einem Tag im Fasching 1976!

Nach der Formierung des langen Zuges, selbstverständlich mit sehr viel Fußvolk (die Wagen waren vollgeladen mit „Zweibeinern“, die man kaum erkannte) ging es bergauf und bergab, denn Arrach liegt ja angeschmiegt an den Fuß des Kaitersberges. In Rathausnähe fand dann die Trauung statt, die der Standesbeamte Reinhard Kieslinger, von Beruf Gemeindesekretär und in derlei Dingen „versiert“, vornahm. In Reimen sprach er seine „Hochzeitsrede“, die von der Braut Marlene Philomena Haarambau (Alois Brandl) mit einem lachenden und einem weinenden Auge verfolgt wurde. „Angerührt“ zeigten sich auch der Bräutigam Hieronymus Kaspar Hupfinshöh (Walter Mühlbauer) mit dem Ehrenvater Karolus Stoffmacher (Karl Weber), der Ehrenmutter Friedericke van der Siedlung (Friedrich Schmid), die Kranzjungfrauen Bernadette Ofenabfall (Bernhard Aschenbrenner) und Luise Lederhammer (Alois Mühlbauer), sowie die Trauzeugen Hanserl Schnupfenhandler (Karl Kieslinger) und Freddy Vawakal (Manfred Klingseisen).

Nach dieser „närrisch“ wichtigen Zeremonie auf dem Postament vor dem Rathaus begaben sich alle Gäste zum Hochzeitsmahl (Weißwurstessen) ins Gasthaus Ernst Aschenbrenner. Der Wirt hätte anbauen müssen, denn die Räumlichkeiten reichten bei weitem nicht aus, alle Gäste aufzunehmen. Tische und Stühle wurden noch aus der Nachbarschaft herbeigeholt und in jedes freie Eckerl gestellt. Die Braut, ins Café Rackl gestohlen, musste ausgelöst werden. Nach altem Bauernbrauch kam auch das Ofenschüsselrennen dran, das der Tormann des SC Arrach/Haibühl gewann. Als Letzte ins Ziel schleifte sich noch Josefine Achatz, die Schnupftabak für ihre „linken“ Füße bekam. Schließlich rief um 20 Uhr der Hochzeitslader zum Schenken. Das Schenkgeld kam in Scheinen, glitt raschelnd in den Behälter, wusste man doch, für welch einen guten Zweck es benötigt wurde. Alle Erwartungen wurden übertroffen, es ging ein ansehnlicher Betrag ein, der selbst Bürgermeister Mühlbauer überraschte. All die Mühe, die viele Kleinarbeit, die Großtaten, die wochenlangen Vorbereitungen im Wettstreit aller teilnehmenden Vereine und der Bevölkerung haben sich tausendfach gelohnt.

Der Vorsitzende des SC Arrach/Haibühl, Bürgermeister Alois Mühlbauer, dankte allen, die in Geschlossenheit und echter Kameradschaft etwas auf die Beine stellten, was Arrach noch nicht gesehen hatte. Es war ja die erste Faschingshochzeit, es soll aber nicht die letzte gewesen sein. Maskiert, mit einem Sombrero auf dem bürgermeisterlichen Haupt, war der „Chef“ inmitten der Faschingsgaudi „ernstlich“ überrascht, als er den Betrag erfuhr, den die Hochzeitsgäste gespendet hatten. Er wird gut angelegt und findet Verwendung als „Zugabe“ für den Bau neuer Sportanlagen.





Die Faschingshochzeit 1976 in Haibühl










In Haibühl wurde die „Ehe auf Zeit“ zur „Hochzeit des Jahres“

Alles war echt, nur Braut und Bräutigam nicht! / Und in sämtlichen Auktionen des Festes war der Faschingswurm drin

Haibühl (kul). Zu einem großartigen Erfolg für Veranstalter, Mitwirkende und Zuschauer wurde die „Hochzeit des Jahres“ am Samstag. Der Petrus hat es ganz besonders gut mit den Narren gemeint, denn den ganzen Tag über war strahlender Sonnenschein. Während des Umzuges bot sich ein farbenprächtiges Bild und Luftschlangen, Konfetti und Süßigkeiten wirbelten durch die Luft. Aus der ganzen Umgebung waren die Zuschauer gekommen und alle Straßen und Plätze waren dicht besetzt.

Ein wichtiges Amt bekleidete der Hochzeitslader Franz Mutterer, der neben 1. Vorstand Josef Huber vom Heimat- und Volkstrachtenverein „Tanneckler“ wirklich die Hände voll hatte, damit die Faschingshochzeit perfekt durchgeführt werden konnte. Leicht aber hatte es auch der Standesbeamte Josef Rainer nicht, er musste ja die eigentliche Zeremonie am Dorfplatz vollziehen und es gab großes Gelächter, als die Trauung vorgenommen wurde und aus dem närrischen Paar Johanna (Hans Weber) und Zentio (Zenta Rainer) ein „Ehepaar“ wurde.

Die „Hochzeitsfeierlichkeiten“ begannen schon am Vortag mit dem Polterabend, der zuerst beim Bräutigam und anschließend bei der Braut gefeiert wurde. Am „Hochzeitstag“ bewegte sich ein stattlicher Zug unter Vorantritt der Musikkapelle schon am Vormittag durch die Kirchenstraße, um die Braut Johanna abzuholen. Die „Gaglhenn“ wurde im Gasthaus Xaver Meindl gefeiert. Das traditionelle „Ofenschüsselrennen“ wurde durchgeführt. Den ganzen Vormittag über waren schon ständig Maskierte und Kostümierte unterwegs, um mit dem Brautpaar diesen denkwürdigen Tag zu feiern. Der Umzug am Nachmittag bot ein herrliches Bild. Er wurde angeführt von einer Gruppe des Reit- und Fahrvereins Hohenwarth. Sämtliche Vereine des Gemeindebereiches und erfreulicherweise auch ein Verein aus Lam mit einem stattlichen Wagen hatten ihr Möglichstes getan. Das Brautpaar und sein närrisches Gefolge wurden selbstverständlich in einer geschniegelt herausgeputzten Kutsche gefahren. Dann kam der „Kammerwagen“, von einem Kuhgespann gezogen. Der Fremdenverkehrsverein hatte mit seinem „Verpflegungswagen“ – es gab Kaffee und Krapfen – ebenfalls einen großen Einfall. Nach der Trauung folgten das Brautstehlen, die Brauttänze und nach altem Brauch und Sitt auch das Schenken. Bis auf den allerletzten Platz war der Saal des Gasthofes Meindl besetzt und die Hochzeitsgäste gaben sich fröhlich und ungezwungen. Die „Tanneckler“ hatten ihre wochenlange Arbeit ihren verdienten Lohn.





Der Faschingsumzug 1976 in Warzenried











Mehr als 2000 Zuschauer beim Faschingszug in Warzenried


Warzenried stand Kopf: Über 2000 Besucher säumten die Straßen, als sich der Gaudiwurm durch den Ort schlängelte. Der Faschingszug erwies sich als rundum gelungene Veranstaltung, bei der zahlreiche Gruppen Ereignisse aus Warzenried und seiner Umgebung mit viel Einfallsreichtum aufs Korn nahmen.
Natürlich durfte auch die große Politik nicht fehlen. So verabschiedete sich ein „Landtagsabgeordneter“ in einer augenzwinkernden Rede vom „Muster-Dorf“ Warzenried – ein Seitenhieb auf die Gebietsreform. Für Heiterkeit sorgten auch die beiden „Kampfhähne“ des Sportvereins, die vorsichtshalber in einem Käfig untergebracht waren.
Als besondere Sensation des Umzuges galt die „Alt-Weibermühle“, die unter dem Motto „Aus alt wird wieder neu“ dargestellt wurde. Auch der Bau der Reithalle in Warzenried und weitere örtliche Themen wurden in humorvoller Parodie verarbeitet.
Den Abschluss bildete vor dem Gasthaus Neumeier eine Szene rund um den in Warzenried gleich dreimal angesetzten Pferdemarkt – samt weiterem „Getier“. Mit dieser gelungenen Mischung aus Lokalbezug, Satire und närrischem Einfallsreichtum endete ein Faschingszug, der den Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben dürfte.

Aufnahme: kel



Der Faschingsumzug 1976 in Blaibach 




Unter 50 Gruppen auch die „Olympia-Anwärterinnen


„Ehepaar für die närrischen Tage“ mit großem Anhang 

An Ideen mangelte es den Veranstaltern nicht. Aufnahmen: khu

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„Fasching total“: Gaudiwurm wälzte sich durch die Straßen

Mit Blaibach standen 2000 Zuschauer auf dem Kopf / Preis für viel Fleiß: der schönste Faschingszug

 

Blaibach (khu). Alle Jahre wieder muß man den Ideenreichtum, die Mühen und Arbeit der Vereine bewundern. Sie scheuen nicht einmal Kosten, damit die Tradition des Blaibacher Faschingszuges erhalten bleibt. Bei strahlendem Sonnenschein fanden sich mehr als zweitausend Schaulustige zum großartigen Treiben ein. Ganz Blaibach stand Kopf. Fazit: Es war der bisher schönste Faschingszug.

Schon beim Standkonzert am Kirchplatz sammelte sich eine Menschenmenge. Der Gaudiwurm setzte sich von den Parkplätzen des Freibades in Bewegung. Bunt war der Spielmannszug. Das letzte Bayerwaldbockerl am Anfang, dann folgte Wagen auf Wagen; dazwischen das Fußvolk. Da gab es Flieger, Katastrophenschutz, Märchen, Raubatoler, Jagdschutz, Kneipphaus, Rennfahrer, TSV mit Damenmannschaft — ein langersehnter Wunsch, Damenkegelclub einsame Herzen — „s’ Betterl ist bereit“, Geld spielt keine Rolle am Schusterberg, Damengymnastikgruppe Olympiareif, Ponys und vieles mehr. 50 Gruppen und Wagen. Das hat es noch nicht gegeben.

Erfreulich heuer viel Fußvolk und im besonderen viele Kinder. Hier hat sich das Wirken der Lehrerschaft großartig ausgewirkt, desgleichen beim Kindergarten. So gab es Kinderwagen, Pillenknick, Pfingstbrautpaar, viele Einzelfiguren. Als krönender Abschluß der Wagen: die Prinzengarde.

Allen Teilnehmern des Faschingszuges gehört Anerkennung. Sie haben Tausenden Zuschauern viel Freude vermittelt und sicher aus eigener Überzeugung, weil auch sie (die Mitwirkenden) Spaß an der Gaudi haben.

Der grandiose Faschingszug löste sich beim Jugendheim auf. Hier kam noch für die Kinder die große Stunde. Sie wurden heuer für ihr Mitwirken beschenkt. Die Vereine ließen das Werfen der Bonbons nicht unterlassen und so wurden die Geldmittel für die Kinder aufgewendet. Dank, weil sie den Gaudizug so begeistert haben. Dann war diese große Schau auf Blaibachs Straßen beendet. Konfetti und Papierschlangen gaben Zeugnis.


🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

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 und   

 

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Mittwoch, 25. Februar 2026

Ein Kurs in pflegender und dekorativer Kosmetik

 In der Bildersammlung des Stadtarchives befinden sich viele Beispiele von damals tagesaktuellen Veranstaltungen oder Berichten über Handel und Gewerbe, die uns einen kleinen "Blick zurück" erlauben; zurück auf Menschen, die schon lange verstorben sind oder Orte und Plätze, die es ebenfalls schon lange nicht mehr gibt. Mit dieser Reihe an Blogbeiträgen soll diese Erinnerungskultur ermöglicht werden; eine Erinnerung an ein Kötzting mit viel Handel, Handwerk, Vereinsleben und Gasthäusern, mit Jahrtagen,  Bällen, und vor allem mit Menschen. Hier ein Rückschau ins Kötzting von vor 50 Jahren.

Im Februar 1976 bot die Kötztinger VHS eine ganz besondere Veranstaltung an, hier eine Bilderreportage von Herrn Kühn von der Kötztinger Umschau. .Die Fotos stammen aus dem Archiv Serwuschok. Ich bin mir nicht sicher, ob man heutzutage noch das Wort der "dekorativen Kosmetik" bemühen würde, bei solch einer Veranstaltung......


Spieglein, Spieglein an der Wand … wer ist die schönste im ganzen Land? 

Diplomkosmetikerin Erna Prohazka, Baden-Baden, initiierte zu den 35 Teilnehmerinnen an dem von der Volkshochschule Kötzting im „Amberger Hof“ initiierten Kosmetikkurs: „Sie sehen alle einfach fabelhaft aus!“ Die Expertin hatte ihren Schülerinnen jüngeren und älteren (pardon: reiferen) Semesters in gemeinverständlicher, jedoch wissenschaftlich begründeter Form die Kniffe der „pflegenden“ und der „dekorativen“ Kosmetik beigebracht. Sie legte dabei besonderen Wert auf die Lebenshaltung, die Hygiene und die Pflege des gesamten Körpers. Die Begeisterung bei den Damen war so groß, der Andrang so stark, dass zum Üben die Teilnehmerinnen in zwei Gruppen geteilt werden mussten. Marianne Kretschmer unterstützte dabei die Diplomkosmetikerin. VHS-Leiter Werner Tutter bedankte sich abschließend mit Geschenken. Aufnahmen: Kühn 


Bevor ich nun die Fotos anfüge, die sich von der Veranstaltung erhalten haben, noch eine Bitte:
Wir würden gerne die Namen der abgebildeten Frauen in unserem Bilderarchiv ergänzen. Wer also jemanden erkennt, gebt uns bitte entsprechende Hinweise

Frau Erna Prohaska, die Kursleiterin im Hotel Amberger Hof

Mitte: Frau Anni Reitmeier


 rechts Frau Klara Schaffer





  
Im Jahre 1976 ahnte noch niemand in Kötzting, dass sich hinter dem Leiter der VHS und hochangesehenen Mitbürger, Herr Werner Tutter, der hier seinen "Diener" macht, ein gesuchter Kriegsverbrecher aus dem Zweiten Weltkrieg verbergen sollte.






Dieses Bild ist ein gutes Beispiel, um zu zeigen, wie wertvoll die Sammlung an Zeitungsnegativen ist, die wir von Frau Serwuschok erhalten haben. Aus der Serie von Fotos - den Handkuss habe ich weggelassen - die damals Herr Kühn geschossen hat, haben nur 2 Stück den Eingang in die Druckausgabe gefunden. So können wir nun nach 50 Jahren viel mehr zeigen, als damals die Leser haben sehen können.

🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

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🔎 Wer diesen Beitrag dort wiederfinden möchte, muss ein wenig suchen:
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Viel Freude beim Entdecken! (kleiner Tipp: lokalisiert beim Amberger Hof)

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