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Freitag, 24. Juli 2026

Kötztinger Häuserchronik - alte Hausnummer 116

 Mit der sogenannten Uraufnahme und der beginnenden Landvermessung zählte Kötzting insgesamt 159 Anwesen. Die Geschichte dieser Bürgerhäuser und ihrer Bewohner nachzuzeichnen und möglichst genau zu dokumentieren, ist das Anliegen dieser Häuserchronik. Wer sich näher mit den frühen Entwicklungen unserer Heimatstadt beschäftigen möchte – von den ersten Urhöfen bis zur Erhebung Kötztings zum Landgerichtsort –, findet dazu ausführliche Informationen in einem einleitenden Blogbeitrag. 
Eine grafische Übersicht über die bereits veröffentlichten Hauschroniken gibt auch die neue interaktive Karte.

Bei den nun folgenden zehn Anwesen ist allerdings eine Besonderheit zu beachten: Die Häuser mit den alten Hausnummern 113 bis 123 bestanden bereits lange vor dem großen Marktbrand von 1867, wurden nach der Katastrophe jedoch nicht mehr an ihren ursprünglichen Standorten errichtet. Mit der Neuordnung des unteren Marktes und dem Bau der unteren Marktstraße, des Pfeffergrabens sowie später der Holzapfelstraße entstand ein neuer Ortsteil, in den die bisherigen Hausnummern übertragen wurden.

Die Identifizierung dieser Anwesen ist deshalb heute nicht mehr über ihre frühere Lage möglich, sondern ausschließlich über die weitergeführten alten Hausnummern.
Auf dem Areal des alten Schlossgartens ist nicht nur das eine oder andere Haus entstanden, wie man in dieser Dokumentation sehen wird, sondern es war auch der Standort für Kötztings erstes eigenes Schulgebäude, das hier in einem eigenen Unterkapital behandelt wird.

1. Hausnummer 116      beim Schlossgärtner
2. Hausnummer 116 a   beim Hofmann Naze   Anker1
3. Hausnummer 116 b   das "Alte Schulhaus"  ANker
4. Hausnummer 116 1/2 a Rothbauer Josef und Franziska Anker 2



Alte Hausnummer 116

beim  Schlossgärtner


Bei diesem Wort "Schlossgärtner" wird bei manchen Kötztingern ein Wort im Hinterkopf klingend, der "Schlossgärtner Hardl", Leonhard Mittermayer, der zu Anfang des 20. Jahrhunderts als erster ein zweites Mal ein Tugendkränzchen verliehen bekam (der nächste war dann 1950 der Mesner Karl) und bei dessen Beerdigung viele Pfingstbräutigamme ihm, mit dem Pfingstkranzl am Ärmel, das "Letzte Geleit" gaben.
AKH DIA-Repro 694 Leonhard Mittermayer, der Schlossgärtner Hardl, mit seinem 2. Tugendkränzchen

AKH 1590 die Beerdigung des Schlossgärtner Hardls 1902   geb. 1814 gest.1902
Aufgebahrt umgeben von den Pfingstbräutigamen.
Im Hintergrund die Holzapfelschule und das Haus Hofmann i.d.Hozapfelstrasse .
Personen v. li Dreger, Lindner, Schmidtbräu, Amberger Hans, Schödlbauer, Weiß auf d. Höh. ganz rechts Josef Hastreiter, Ziegelgasse.
Laut Buch "Bayerischer Wald in alten Fotos" steht auf der Rückseite des Fotos (aus Archiv Krämer, Kötztinger Zeitung) Dirnberger, Lindner Karl, Amberger Hans, Schödlbauer Hans, Hafner Lang, Seiler Hofmann Xaver, Weiß Paul vulgo Ritzenberger, Hastreiter Josef, Kreuzlträger "Schötzdopf".
Das 2. Pfingstkranzl des L.M. jetzt im Pfingstrittmuseum, gestiftet durch Frau Traudl Hofmann, deren Mann aus dem Hofmann-Naze Haus stammte, und das vermutlich deshalb in ihren Besitz gelangte. 

Vermessungsamt Cham Detail aus
5168-2100-LiquiP_Bad_Koetzting_1831_Beilage_M2500_1_1-01
Serwuschok Luftaufnahmen - 1957 - die alte Gärtnerei Großmann - der Rest des Schlossgartens 



Macht man sich auf die Suche nach dem frühesten Besitzer des Hauses mit der alten Hausnummer 116, so kommt man tatsächlich sehr schnell auf die Familie Mittermayer, als ein Franz Mittermayer, Bürger und Gärtner aus Straubing den damaligen Schlossgarten und das Wohnhaus erworben hat.
Von diesem Punkt aus gilt es nun noch weiter in die Vergangenheit zu blicken.
Franz Mittermayr erwirbt das Anwesen im Jahre 1750 vom damaligen Kötztinger Kammerer Johann Andreas Druckmüller. In dem Akt heißt es, dass dieser den "Schlossgarten" von der verwitweten Pflegerin Theresia von Mayr gekauft hatte.


Aus einem weiteren Akt im Stadtarchiv gibt es einen entscheidenden Hinweis auf einen weiteren  Vorbesitzer, einem Kötztinger Bürger und Ratsmitglied namens Martin Hofmann, der den Garten an den oben genannten Kötztinger Pfleger noch vor dem Jahre 1700  - und damit vor Beginn der Kötztinger Briefprotokollreihe  - verkauft hatte. 
Mit diesem Hofmann Martin landen wir nun bei der Kötztinger Sagmühle und dem Sagmüller Paulus Hofmann, der "leider" gleich zwei Söhne namens Martin hatte, welche auch noch beide im Jahre 1689 geheiratet hatten.
Wir können wir also nicht zweifelsfrei feststellen, welcher "Martin Hofmann" im Jahre 1697 vor der Regierung in Straubing einen Rechtsstreit ausgefochten hatte. Er erhob dabei Klage gegen einen Mitbürger namens Wolfgang Seider wegen des Wegerechts zu seinem "Plankengarten".
Nun kann ich es zwar nicht beweisen, dass dieser Hofmannsche Plankengarten der spätere Schlossgarten ist, aber manches spricht dafür.
Zum einen wird beim späteren Schlossgartenverkauf ausdrücklich hervorgehoben, dass dieser komplett umzäunt (beplankt) ist und zum zweiten ist bekannt, dass der Bürger Wolf Seider um diese Zeit auf dem Hause mit der alten Hausnummer 136 gelebt hatte und dessen Rückgebäude stößt nun zufällig fast genau mit der nördlichen Ecke des Gartengrundstücks zusammen. 

Die Reihe der gesicherten Besitzer beginnt also mit einem

Martin Hofmann  

von dem wir gesichert wissen, dass er vor dem Jahre 1700 seinen Garten an den Kötzting Pfleger Johann Jakob von Mayr verkauft hat.

Johann Jakob von Mayr und Maria Theresia von Imhof


Wir wissen dies, denn im Jahre 1700 stellt der Pfleger Johann Jakob von Mayr ein Revers für den Kötztinger Magistrat aus über eine Vereinbarung auf Ehre und Gewissen für die Wassernutzung für seinen  "hünder dem Polwerch von Marthin Hofmann des Rhats erkhaufften Garthen zuführen: und beim Khärl, oder wo es sonsten an orthen des Obern Thors an die Rhern des gemainen Marckhts Wassers, so auf gemelt gemainer Marckhts uncosten, vom Dorf Grädis gegen ainer andern Recognition anhero bis in dem Marckht gelaidt würdt, anzuzäpfen gelegentlich. Aines Wurmb Neigers Groß, welche Mensur mit ainem Eisenen: oder plöchernen Pippel zumachen, mithin also gegen zurückbag aines Revers mir zu Ehren im Sommer hindurch , so offt ichs in bedeithen Gartten vonnethen zunebmben habe." (StadtA Kötzting AA XIII 25)
Im Falle eines Mangels an Wasser müsste der Pfleger sein aufgefangenes Wasser den Kötztinger Bürgern wieder zur Verfügung stellen. Auch solle diese Vereinbarung nur für ihn und nicht automatisch auch für seine Besitznachfolger gelten. "
Was aus diesem Text weiterhin noch hervorgeht - wenn man diesen mit der späteren Verkaufsurkunde von 1732 vergleicht - ist, dass das Wohnhaus und das Sommerhäusl offensichtlich erst vom Pfleger erbaut wurden, es vorher wohl nur eine reines Gartengrundstück gewesen ist.


In Ferchls Bayerische Behörden und Beamte - 1550-1804 - findet sich über den Kötztinger Pfleger von Mayr folgender Eintrag:
"1694²²/₄ – 1732¹¹/₁₆ (†) Johann Jakob von Mayr (Freiherr von Mayr), Rat und Pfleger, bisher Salzbeamter in St. Nicola; vorher „geleitete Kriegsdienste“, 1695⁴/₄ vorhandene Reise nach Brüssel. Mayr hielt sich 1704⁷/₅ schon seit einem Jahr wegen kriegerischer Ereignisse um Kötzting zu Straubing auf. Seine Witwe Maria Theresia geb. von Imhof starb 1734. Vater des Johann Jakob: Marx Christoph Freiherr von Mayr war Pfleger von Kirchberg (siehe dort) und unter Pflegskommissär Halsfeldt von Stadtamhof und schließlich G.L.  Fasc. 1820 Pfleger von Mayr).

Auf dem Deckblatt der Kötztinger Pfleggerichtsrechnung aus dem Jahre 1709 findet sich unser Pfleger Johann Jakob von Mayr <<<<<< allerdings unter der Herrschaft des Kaisers von Österreich, da zu der Zeit noch der Spanische Erbfolgekrieg wütete - siehe Ferchls Eintrag weiter oben - und Ostbayern von den Österreichern noch besetzt gewesen war.

StA Landshut Rentkastenamt Straubing R 2396 Pfleggerichtsrechnung von 1709
Interessant für mich ist der Datumsvermerk am linken Rand, dass fast 10 Jahre vergangen sind, dass ich diesen Rechnungsband digitalisiert habe. 

"Ambts Rechnung
Kayserl: Landtge=


richts Közting, welche dem alldurchleuchtigst: großmächtigist: und unyberwündtlichisten Fürsst und Herrn, Herrn Josph erwölten Römisch: Kayser, zu allen Zeiten mehrer des Reichs, König in Hungarn: und Böhaimb p.p. von seiner kayserl. May. Pflege: und Landtrichtern Johann Jacoben von Mayr, dann dem Gerichtsschreiber Abraham Lündtner, allerunderthenigist abgelegt wirden de Anno 1709

Es ist damit sicher anzunehmen, dass der Eigenname "Schlossgarten"  durch den außergewöhnlich langen Zeitraum entstanden ist, in der Johann Jakob von Mayr der Kötztinger Pfleger gewesen ist.  
Auf einem Stich des Michael Wenings, der 1726 im Rahmen seiner Historico-Topographica Descriptio veröffentlicht wurde ist der Garten außerhalb der Marktbefestigung deutlich zu erkennen.

Detail aus: "Das kurfüstliche Schloss samt dem Markt Kötzting" (1726) von Michael Wening

Hier die eigenhändige Unterschrift des Kötztinger Pflegers:
 
StadtA XIII 25




Hier nun der Sterbeeintrag des Kötztinger Pflegers:
PfA Kötzting Band 18 Seite 53

"13mo huius sepultus est perillustris ac generosus Dominus Dominus Joannes Jacobus de Mayr, Consiliarius Electoralis, supremus vigilianus Praefectus et Praetor huius loci. Provisus.

Am 13ten desselben Monats wurde der hochwohl- und edel geborene und kurfürstliche Rat, Herr Herr Johann Jakob von Mayr, diesortiger Pfleger und Richter - versehen mit allen Sterbesakramenten  -begraben.

Dass der Verkauf des Schlossgartens im Sterbejahr des Pflegers erfolgte, hängt sicherlich miteinander zusammen.
Am 12.11.1732 jedenfalls veräußerte Maria Theresia von Mayr, die Witwe des Obristwachtmeisters und Pflegers Johann Jakob von Mayr ihren: "oberhalb des Wolfgang Härtl Webers Haus liegend und umb und umb eingefangenen aigenthumblichen Gartten mit der darinstehenden Wohnbehausung sambt dem vorhandenen Sommerhäusl und anderem Gartnerey Zugehoer" um 400 Gulden an den Pellkoverschen Verwalter Johann Ander >Druckmüller und dessen Frau Maria Rosina.

Johann Ander Druckmüller und Maria Rosina Fischer

Der obige Kaufvertrag enthält noch einen ganz besonderen Hinweis:

NB: (Nota Bene)
Vorbey specialiter gemacht worden dass, wann den unerforschlichen Willen Gottes nach gedachten Herren Käuffers dermahlöige Ehefrau vor ihme zeitl: Todts verblichen: und derselbe zue andern Ehe schreitten wurde, das die Künder Anderter Ehe kainen Zuespruch sondern hivon ausgeschlossen sein sollen..."
Mit Johann Ander Druckmüller erreichen wir nun für kurze Zeit eine ganz besondere Familie, deren Angehörige in den umliegenden Hofmarken wiederholt Verwaltungs- und Richterämter innehatten. Aufgrund dieser Funktionen liegt die Vermutung nahe, dass sie eine juristische Ausbildung oder zumindest eine entsprechende rechtliche Schulung erhalten hatten.

PfA Kötzting Band 14 Seite 48 Heiratseintrag JA Druckmüller und Maria Rosina Fischer

Am 22.11. 1728 heiratete der ehrenwerte Herr Johann Andreas Druckmüller, Richter und Verwalter in Ränkam und Sohn des ehrenwerten Richters und Verwalters in Hohenwarth Johann Georg Druckmüller und dessen Ehefrau Agathe, seine Braut, die Maria Rosina Theresia Fischer, Tochter des ehrenwerten 
Georg Fischers, eines Anführers der bayerischen Streitkräfte“ und dessen Frau Katharina.
Die Zeugen waren der Vater des Bräutigams und der ehrenwerte Herr Sebastian Mayr, Pfleger in S: Cruorem" also wohl Neukirchen b. hl. Blut.

Nachdem das "Hauptanwesen" der Druckmüllser zu dieser Zeit bereits in der Häuserchronik behandelt wurde, brauchen wir hier nur den Weiterverkauf des Gartengrundstücks aufführen und sind dann endgültig beim Namen Mittermayer.

Franz  Mittermayer und Rittaller Anna Maria

Bereits im Jahre 1748 wird eine Geburt des Paares dokumentiert. seine Frau stammte aus Gerzen bei Landshut und er wird als Beständner bezeichnet, also als ein Bürger minderen rechts. Dies ändert sich jedoch mit dem Kauf des Anwesens, auf dem es scheint, als hätte er dort schon länger als Gärtner  gearbeitet, denn nach seinem Kauf und nach der erfolgten Bürgerrechtsverleihung heißt es in den Kötztinger Rechnungsbänden:

StadtA Kötzting MR von 1750 Seite 7
"Einnamb an Burgerrechten
Franz Mittermayr Stüfftgarttner alda hat vermög Rhats Protokoll de dato 17. Febr. ao diss für das ufm erkhaufft sogenannten Schlossgartten Ihme verlichene Burgersrecht pactiertermassen erlegt: 10 Gulden.
"
EInen ganzen Tag lang musste Franz Mittermayer in den bürgerlichen Arrest - also ins Gefängnis - für ein ganz besonderes Vergehen:


StadtA Kötzting MR von 1753
"Umb das Franz Mittermayr Burg: und Garttner alhir uf die Clag welche die Scheib:Schüzen Compagnie wider ihn Rave seines in Schlossgartten widerrechtlich haltenden Kuglblaz zum 2.ten Mahl gestöllt zu Anhörung dessen hiraus ergangenen Gerichtsgeschäfts nit erschienen auch durch den Marckhtdiener dem Rhatt eine ganz insolente Ausrichtung ... hat thun lassen ist derselbe nebst Verwais mit burgerlichen arrest angesehen worden:
1 Tag in den bürgerlichen Arrest."
Der Gärtner hat offensichtlich in seinem großen Grundstück private Schießübungen veranstaltet.
Im Jahre 1758 lieh sich das Paar vom Kötztinger Bürgerspital 88 Gulden und verschriebn dafür als Sicherheit ihren "Schlossgarten".

Am 25.11.1775 verstarb die Gärtnerin Anna Maria Mittermayer und am 21.2.1781 folgt ihr ihr Gatte nach. Es verging noch ein gutes halbes Jahr, bis die Nachfolge auf dem Anwesen geregelt werden konnte.

Franz Mittermayer und Theresia Mittermayer


Am 12.9.1782 wurde der Verkauf des Schlossgartens protokolliert und der neue Besitzer wurde der Gärtner Franz Mittermeier.730 Gulden machte der Kaufpreis aus und im Brief sind nicht nur auch die übrigen Geschwister aufgeführt, sondern auch der Umfang des Besitztums einschließlich der 1781 noch vorhandenen Schulden:
Die Geschwister:
Anna Maria Bleyin, Küfnersgattin Blaibach
Walburga Koch des Phillip Rat und Glockengiesser zu Landau Ehefrau
Maria Anna  und Franziska  zu München
Margaretha, Köchin zu Attenkirchen
Ursula 00 Michael Lothal Brunngraber diesorts Eheweib
Theresia Mittermayr ledig

Verkauft wurde der am 6.2.1750 vom Vater erworbene Schlossgarten  "samt der darin sich  befündtenten Wohnung" und die am 9.3.1753 erkaufte "Englwies"
Die Grundschulden auf dem Haus teilten sich auf in
50 fl von der Pfarrkirche und 100 Gulden von der Paul Hagerschen Vormundschaft und abschließende 19 Gulden
Ein Michael Rabenbauer,  19 fl 
Eine gute Methode, um immer wieder sicherzustellen, mit der Besitzerfolge auf der richtigen Spur zu sein, sind die einzelnen "Steuerlisten", hier die Kirchentrachtliste des Klosters Rott.
Diese Listen bilden in ihrer Reihung sehr gut die tatsächliche Abfolge der Häuser in der Wirklichkeit ab.
Hier:  Drückl 113 - Hartl  114  - Hofmann 115 - Mittermayr 116  Obermayr117

HStA München KL Rott B5 von 1777-1800: Franz Mittermayr Schlossgartner



Schon 10 Jahre später wurde diese Übergabe zunächst einmal zurückgenommen - der Grund war die Krankheit des Gärtners Franz Mittermayer und als die neue Besitzerin wurde sicherheitshalber seine Schwester Theresia Mittermaier eingesetzt, wobei der Kaufpreis und die übrigen Bedingungen dieselben bleiben. .
Dieser "Cessionsbrief" - eigentlich vom Inhalte her ein Testament -  genannte Urkunde begann damit, dass Franz Mittermayer die Kötztinger Obrigkeit zu sich ins Haus bat, die ihn dann " in dem Nebenstübl zwar bethlägrig jedoch bei vollkommener Vernunft angetroffen" hatte.
Er bestimmte, dass seine Gesamtbesitz auf seine Schwester Theresie übergehen solle. .... "jedoch nur in dem Fahl wenn es Gott gefällig seyn sollte ihme bekennne an seiner gegenwärtigen Krankheit aus der Zeitlichkeit zu fordern, in Gegenfall und wenn er wiederum Reconvalefieren werde, soll gegenwärtiger Cessions Contract in sein voriges Nichts zuruck tretten."

Franz Mittermayer und Haas Maria Anna



 Es hatte Gott offensichtlich nicht gefallen, Franz Mittermayer vorzeitig von der Erde abzuberufen, denn 14 Jahre später, am 13.4.1806, heiratete der Gärtner Franz Mittermayer Maria Anna Haas, die Schlosserstochter aus der direkten Nachbarschaft, die ihm 225 Gulden als Heiratsgut mit in die Ehe brachte.
Diese Heirat - und damit der Nachweis, dass er sein Krankenbett hatte verlassen können -  ist auch der Grund, weshalb in der obigen Tabelle der Kirchentracht Franz Mittermayer durchgehend von 1777 bis 1800 als der Besitzer vorgetragen ist.
Gleichzeitig fällt aber an anderer Stelle auf auf, dass Franz Mittermayer bei der "Kommunalwahl" von 1806 als einziger der wahlberechtigten Kötztinger Bürger NICHT gewählt hatte.
StA Landshut: LGäO Kötzting Nr. 793 Magistratswahlen von 1806 Wahlzettel und Bürgerliste
Auch hier befindet sich FM auf der Liste zwischen Hofmann und Obermayer, also in der Liste ebenso benachbart, wie in Straßenbild.

Im Jahre 1811 wurde in Bayern der Häuser und Rustikalsteuerkataster aufgestellt und so erfahren wir zum ersten Male, welche Grundstücke und Rechte FM damals noch im Bereich des Marktes Kötzting gehabt hatte und auch etwas darüber, aus was sein Haus gebaut gewesen war.


StA Landshut Rentamt Kötzting B27
"Markt Kötzting Nro CX (erst 1841 erhielt das Anwesen die lange gültige Hausnummer 116)
Das gezimmerte Wohnhaus nebst Stallung
Nutzantheil an den noch unvertheilten Gemeindegründen
der sogenannte Schloßgarten
das zweimahdige Wieserl auf der untern Au (Englwiese)
Gemeineantheil am Galgenberg ao 1803 zu Acker cultiviert"
5 Kinder bekam das Paar, der für uns wichtigste ist der eingangs erwähnte Leonhard Mittermayer, der spätere Pfingstbräutigam "Schlossgätner Hardl", dessen Geburt unterm 1.4.1814 festgehalten ist.

Schötz Georg und Maria Anna Mittermayer


Nachdem der Gärtner Franz Mittermayer am 24.3.1818 mit 68 Jahren an Lungenentzündung gestorben war, heiratete der Weißenregener Georg Schötz seine Witwe am 21.8.1818.
Es ist sehr wenig von Georg Schötz in den Kötztinger Akten, außer dem einen oder anderen kleinen Nachweis über/bei Zahlungen.
Im Grundsteuerkataster findet sich dann etwas mehr über den Besitzübergang Mittermayer >>> Schötz:
"Laut Brief vom 12.9.1781 hat der verstorbene Ehemann Franz Mittermayer anliegendes Anwesen ..... nebst einigen auswärtigen Grundstücken von seinen Eltern übernommen und die gegenwärtige Besitzerin hat bey ihrer Wiederverheiratung am 13. Juni 1818(?)  mit obigen Georg Schötz nebigen Besitz demselben nicht angeheirathet, sondern den Kindern erster Ehe vorbehalten. "
 
StA Landshut Grundsteuerkataster 5039

Im Jahre 1841 wurde ein Kötztinger Mieterregister erstellt, das uns eine gute Vorstellung davon gibt, wie die Raumaufteilung im Haus gewesen ist.


StA Landshut Grundsteuerkataster 5045
"1. Georg Schütz Gärtner
(Hauseigenthümer:/ PlNro 252 
1. Hausptgebäude
I 1 Wohnzimmer, 1 Kammer, 1 Einsetz und Hausboden unterm Dach

2. Nebengebäude
1 Stallung mit darauf befindlichem Futterboden
3. Nebengebäude
Eine Scheune mit Dreschtenne
4. Nebengebäude:
Ein Treibhaus
Handzeichen des Gg Schötz

Plnro 253

5. Nebengebäude
2. Josef Fischer, Taglöhner  /:Miethert:/
2
I  Wohnzimmer, 1 Kammer und 1 Holzlege
Handzeichen des Josepf Fischer

3. Georg Schötz /:Eigenthümer:/

Unter der Erde: 1 Keller
II 1 Wohnzimmer, 1 Kammer und Antheil am Boden unterm Dach
Handzeichen des Gg Schötz" 
Die beiden Plannummer bezeichnen die beiden unterschiedlichen Gebäude auf dem Grundstück. Bereits bei der Übergabe von der Frau von Mayr an Druckmüller ist von dem Wohnhaus und einem Gartenhaus die Rede.
Hier die Entschlüsselung" der Plannummern:

Vermessungsamt Cham: 5168-2100-LiquiP_Bad_Koetzting_Beilage_M2500_1_1-01
Oben links das kleine Haus mit der Plannummer 253 und Bildmitte unten das Anwesen mit der Plannummer 252.
Beide haben in "rot" die Hausnummer 116 eingetragen.

Pfingsten im Hause Mittermayer:


Sein Stiefsohn - Leonhard Mittermayer - wird jedoch sehr wohl herausgehoben, weil er im Jahre 1839 als der Kötztinger Pfingstbräutigam auserwählt wurde.
In den Marktrechnungen des Jahres 1839 ist vermerkt, dass er aus der Marktkasse für seine Aufgabe einen Zuschuss in Höhe von 10 Gulden erhalten hatte. Seine Pfingstbraut war Margarethe Windorfer.
Im Jahre 1839 hieß das damalige Pfingstbrautpaar: Leonhard Mittermeier und Margaretha Windorfer.  
Frau Margaretha Windorfer heiratete später dann nach Straubing, Herrn Otto Ludsteck, und beide ließen sich als junge Familie mit der damals fortschrittlichsten und brandneuen Technik abbilden, der Photographie.
Auch wenn das Familienbild  20 Jahre nach dem Pfingstgeschehen entstanden ist, so blicken wir doch einer Pfingstbraut aus dem Jahr 1839 ins Gesicht. Viele Jahre später ließ sich Frau Ludsteck noch einmal abbilden und nun ist sie eine vornehme Bürgersfrau aus der Straubinger Oberschicht
Margarethe Windorfer

die junge Familie Ludsteck in Straubing








Margaretha Windorfer, verheiratete Ludsteck

 
Vergleicht man ihr Bild, das einer stolzen Straubinger Bürgerin, mit dem bekannten Bild ihres früheren Pfingstbräutigams, der ja bekanntermaßen unverheiratet geblieben war und daher ein erneutes Tugendkränzchen zu seinem Jubiläum erhalten hatte, dann kann man wohl nur das Hohe Lied des Ehestandes singen.;-))). Sein Single-Dasein hat ihm,  zumindest optisch,  nicht zum Vorteil gereicht.







Das Bild des Leonhard Mittermeier stammt aus der Zusammenstellung des Kötztinger Kooperators Peter Riederer, der für den 500er Ritt versucht hat alle damals noch bekannten Pfingstbrautpaare und deren Hintergrund zusammenzufassen. Im in der letzten Woche erschienenen Buch zum 600er Jubiläum ist in einem Faksimiledruck Riederers Liste wieder veröffentlicht worden.

Wie später zu sehen sein wird, hatten die Zeitgenossen des Jahres 1900 die Zusammenstellung Riederers noch nicht und verorteten Mittermayers Ehrenauswahl ins Jahr 1840. Das stellt für uns einen Glücksfall dar, denn die Zeitungsausgabe 60 Jahre später - also aus dem Jahre 1900 - gibt es in der Bayr. Staatsbibliothek in München - die Ausgabe von 1899 jedoch hat sich nicht erhalten.
Hier der Auszug aus dem Zeitungsbericht über den 1900er Pfingstritt:

">>>> Herr Kooperator Eglmaier hielt von seiner lebendigen Tribüne herab an ihn und überhaupt an die gesamte Jugend eine Ansprache, welche er mit Herabnahme des goldenen Kränzchens von seiner Brust und Überreichung dieser werth- und kunstvollen, von den diesortigen Klosterfrauen gefertigten Ehrengabe an den hiezu Erkorenen schloß. Leider wurde die kräftige und klangvolle Stimme des Redners durch die Unruhe mancher Pferde oft bis zur Unverständlichkeit übertönt. Laut Mittheilungen Zunächststehender müssen seine Worte tiefen Eindruck gemacht haben. Noch eine weitere Ehrung seltenster Art konnte der diesmaligen Pfingstrittsfeier zum Inhalte gegeben werden. In einer mit Kränzen und Blumen gezierten Chaise kam nämlich auch ein Greis herbeigefahren, begleitet von zwei kleinen, weißgekleideten Mädchen. Vor einem halben Jahrhunderte war er der Empfänger dieser Auszeichnung, und nun wurde dem Jubilar Herrn Leonhard Mittermaier, ehemaligen Herrschaftsgärtner, zum Andenken eine ähnliche Gabe überreicht."


KA vom 1. Oktober 1902
 "† Kötzting, 30. Sept. Verflossenen Sonntag, den 28. ds. Mts., fand hier eine Begräbnisfeier seltener Art statt. Der ehemalige Herrschaftsgärtner Leonhard Mittermayer, ein biederer Junggeselle, ziemlich rüstig bis zu seinem 88. Lebensjahre ist am verflossenen Donnerstag, noch in einer Gartenarbeit begriffen, von einem Schlaganfall betroffen worden und demselben in der darauffolgenden Nacht erlegen.
Fälle solcher Rüstigkeit und Lebenskraft kommen ja noch immer manchmal vor. Aber für Kötzting, der Pflegestätte des Pfingstrittes, hatte der unter zahlreichster Beteiligung stattfindende Leichenzug noch eine andere Bedeutung. Mit Mittermaier wurde nämlich ein Pfingstrittsjubilar zu Grabe getragen, welcher im Jahre 1840 zum Pfingstbräutigam erwählt und wie üblich mit Überreichung des goldenen Kränzchens geehrt wurde. Nach 60 Jahren wurde beim Pfingstritte dem in einem geschmückten Wagen anfahrenden Greise als Jubilar diese Ehrung noch einmal zu theil, wobei er freilich an seine letzte Ehrung noch nicht gedacht haben mag.
Sechs Jünglinge nämlich, sämtlich als bereits bei den vorhergegangenen Pfingstritten Gefeierte, jeder mit dem goldenen Kränzchen am Arme, trugen ihn zu seiner letzten Ruhestätte."
AKH 1590 die Beerdigung des Schlossgärtner Hardls 1902   geb. 1814 gest.1902
Aufgebahrt umgeben von den Pfingstbräutigamen.
Im Hintergrund die Holzapfelschule und das Haus Hofmann i.d.Hozapfelstrasse .
Personen v. li Dreger, Lindner, Schmidtbräu, Amberger Hans, Schödlbauer, Weiß auf d. Höh. ganz rechts Josef Hastreiter, Ziegelgasse.
Laut Buch "Bayerischer Wald in alten Fotos" steht auf der Rückseite des Fotos (aus Archiv Krämer, Kötztinger Zeitung) Dirnberger, Lindner Karl, Amberger Hans, Schödlbauer Hans, Hafner Lang, Seiler Hofmann Xaver, Weiß Paul vulgo Ritzenberger, Hastreiter Josef, Kreuzlträger "Schötzdopf".
Das 2. Pfingstkranzl des L.M. jetzt im Pfingstrittmuseum, gestiftet durch Frau Traudl Hofmann, deren Mann aus dem Hofmann-Naze Haus stammte, und das vermutlich deshalb in ihren Besitz gelangte. 



Einschub:
Der Verweis auf das Jahr 1840 ist falsch. Mittermayer und Windorfer waren 1839 das Kötztinger Pfingstbrautpaar gewesen.
Einschub Ende

Bei der Kranzübergabe am Pfingstmontag des Jahres 1903 erinnerte man ausdrücklich an den erst wenige Monate zuvor, im Herbst des Vorjahres, verstorbenen Leonhard Mittermayer.
Hier ein Auszug aus dem Pfingstbericht von 1903:
...... in welchem der funktionierende Geistliche, Hochw. Herr Kooperator Späth, von seiner lebendigen, vierbeinigen Kanzel aus eine sehr gediegene Ansprache hielt. Die reizende Umgebung Kötztings deren schöne Berge den Schauplatz rings umrahmen, in die rede mit verflechtend, legte er die Bedeutung des Pfingstrittes in Bezug auf die gegenwärtigen sozialen, sittlichen und religiösen Zeitverhältnisse dar.
Nachdem er dann des verstorbenen Pfingstjubilars Leonhard Mittermaier
 und des Jünglings Andreas Holzapfel, Färbersohn von hier, gedacht hatte, welch letzterer als Bürgerssohn mit unbescholtener Führung für die diesmalige Ehrung mit dem goldenen Kränzchen ausersehen war, aber leider beim letzten großen Brande den Flammentod erlitten hat, rief er den für diese Auszeichnung Nächsterwählten, Herrn Josef Hastreiter, Braumeisterssohn von hier, vor und übereichte ihm das werthvolle, in feiner Filigranarbeit  ausgeführte goldene Kränzchen. Der Gastwirt Johann Kauer aus Kammern „erhielt als Anerkennung für seine schon fünfundzwanzigmalige ununterbrochene Beteiligung am Pfingstritte ein mit Gold besticktes Reiterfähnlein“.



Ende des Pfingsteinschubes, nun zurück zu Leonhard Mittermayer als den Hausbesitzer:

Leonhard Mittermayer


Im Jahre 1842 erhält Leonhard Mittermayer das Kötztinger Bürgerrecht, das ihn 16 Gulden kostet.
Seine Mutter steht im drauffolgenden Jahr vor dem Kötztinger Vermittlungsamt, einer neuen Behörde, die verpflichtend einer möglichen Klage vor dem Amtsgericht vorgeschaltet ist.
"23. Juni 1843: Andreas Ring bräuender Bürger zu K beschwert sich im Namen seiner Base der Austragsbäuerin Elisabetha Dreger v K gegen die Schlossgärtnerin Anna Schötz von da deshalb, weil die Letztere gestern nach geendetem Gottesdienste seine Base Elisabetha Dreger geschimpft und geschlagen habe. Anna Schötz hierüber vernommen kann die anliegende Klage nicht in Abrede stellen. man hat hierauf der Beklagten bedeutet, dass sie sich jede Schimpferei zu enthalten habe indem sie in ähnlichen Falle Arreststrafe zu erwarten habe. "


Im Umschreibeheft des Grundsteuerkatasters finden sich die Details der Übergabe:

StA Landshut Grundsteuerkataster Nr. 5041

Angemeldet am 1. Februar 1843
Die Franz Mittermayerische Gärtnerswitwe Anna nun verehelichte Schütz Haus Nro 116 von Kötzting übergiebt an ihren Sohn Leomnhard Mittermeier
a) das gezimmerte Wohnhaus und gemauerten Stall, den gezimmerten Stadl, Backofen und Garten PlNr. 252 pro 0 Tag 06 Dez
b) das gezimmerte Wohnahus mit Holzlege, das Leibthumshaus PlNr. 253 
c) die Wiese auf der Au...."

Noch im Februar desselben Jahres erhält der Bruder- Franz Mittermayer - die Heiratserlaubnis mit Franziska Bär aus Liebenstein und Franz Mittermayer scheint auch kurz darauf die Gärtnerei von seinem Bruder Leonhard übernommen zu haben, wobei er sich ein Wohnrecht ausbedungen hatte.
Im 1843 musste sich noch Leonhard M. sich dem Vermittlungsamt stellen:
23. Juni 1843: Xaver Henneberger Buchbinder zu K beklagt  heute
1. den Leonhard Mittermeier Bürger und
2. den Matthias Lommer Webermeister v K deshalb weil  die Beklagten das Regen- und Gießwasser von seinem bisherigen Wasserverlaufe weg leite und solches gegen sein neuerbautes Wohnhaus hinleiten, wodurch ihm an dem Gemäuer Schaden zugeht und bittet derselbe um Abstellung dieses Unfuges. Die Beklagten erinnern dagegen, dass sie an dem bisherigen Laufe des Wassers eine Änderung  nicht vorgenommen haben und somit sie den Kläger keinen Schaden zufügen können. Auf amtliches Zureden endlich kommen die Teile dahin überein dass der bisherige Wasserlauf beibehalten und jede Neuerung an diesem Gießwasserlaufe vermieden werde wogegen Henneberger verbindlich macht den Wassergraben zu reinigen und zu unterhalten
"

Im Jahre 1844 trat Leonhard M. dann als Kläger beim Vermittlungsamt auf:
"8. August 1844: Leonhard Mittermeier Bürger dahier belangt den Buchbinder Xaver Henneberger deshalb, weil er unmittelbar an seinem Wohnhause unter dem Dachvorschuss eine Holzlege behaupten will, die er ihm nicht zugestehen könne.
Beklagter erinnert, dass er die fragliche Fläche als sein Eigentum anzusprechen  habe, sich jedoch ì
verbindlich mache, alle die an  seinem Gebäude zugehenden Schäden zu ersetzen, worauf sich jedoch Kläger nicht einlässt, jedoch sich dahin einwilligend erklärt, dass für heuer Xaver Henneberger 
die fragliche Holzlege benützen mag, sich jedoch dadurch an seinen Rechten nicht ändere. "




Franz Mittermayer und Franziska Bär


15 Gulden muss Franz Mittermayer im Jahre 1844 für sein Bürgerrecht bezahlen, wo dann acuh zeitnah die Betriebsübergabe von Leonhard auf Franz erfolgt sein muss, denn in den Folgejahren wird nur noch Franz M. als der Gärtner bezeichnet.
"23. Juni 1848:  Karl Diermeier b Kaminkehrer zu K tritt gegen  den hiesigen Gärtner Franz Mittermeier wegen einer Grenzdifferenz mit seiner von Ignaz Schrank  erkauften Auwiese klagbar auf. Mit Zuziehung der beiden Parteien begab man sich auf den strittigen Platz, und hat die Wahrnehmung gemacht, dass diese Wiese des Klägers Plan Nr 1083 Haus Nr 98 auf den 4 Seiten mit einem Wurzgarten versehen sei. An der südlichen Seite grenzet die Wiese des Franz Mittermeier die bereits  mit dem Alt-Heu  Fond ( Mittermeiers Wiese hat den Charakter einer 2 mahdigen Wiese, er darf also zwei mal das Gras schneiden) eingewendet ist und hat der Beklagte den Heu Ertrag an der östlichen Spitze in einer breite von 9 Schritt und einer Länge von 28 Schritt in der Form eines Dreiecks über den von Diermeier durch den k Bezirksgeometer gezogenen Marchgraben abmähen lassen und sich zugeeignet.
Karl Diermeier  spricht die Grenze in der vom k Geometer gezogenen Vermessung an während Franz Mittermeier die Grenze in gerader Richtung bezeichnet, wodurch ihm das bezeichnete Eck zufällt. Beide Teile kamen hierauf dahin überein, dass Franz Mittermeier baldigst seinen Wiesteil Plan Nr 1079 H Nr 116 durch den Bezirksgeometer auf den Grund des Vermessungsplanes wird abnehmen lassen und erklärt derselbe im Voraus dass  er die sich hieraus ergebene Grenzlinie anerkennen "wird. 
Drei Jahre später muss er sich einer Klage durch seinen Vorbesitzer, Leonhard Mittermayer stellen:
"7. Mai 1851: Zwischen dem hiesigen Schlossgärtner Franz Mittermeier und seinen Anwesensgebkäufer Leonhard Mittermeier led Stands ist bei Vermittlungsamt wegen verschiedener Differrenzen Klage angemeldet und wurde zwischen den Teilen auf obrikeitliche Bemühung nachstehende Übereinkunft erzielt: Vermög Protokollverhandlung dato 28. November 1844 in Klagsachen der Anna Mittermeierin Gärtnerin von hier gegen Leonhard Mittermeier als früheren Besitzer des Schlossgärtneranwesens hat der Beklagte seinen drei noch ledigen Geschwistern Anna Mittermeier dann Josef und Jakob  Schötz gegen 60 fl Abfindungssumme und einen jährlichen Herbergszins von 4 fl die Herberge in seinen Nebenhause bis zu deren Standesänderung eingeräumt. Von dieser von Leonhard Mittermeier eingegangenen Verpflichtung wurde nach Angabe des Franz Mittermeier, welcher das fragl Anwesen von Leonhard Mittermeier laut Kaufbrief vom 27. März 1848 um 2450 fl erworben der nunmehrige Besitzer nicht in Kenntnis gesetzt, und erhebt aus diesem Grunde gegen den Anwesengebkäufer Leonhard Mittermeier Klage wegen zu leistender Entschädigung und 
vereinigen sich die Teile dahin, dass Leonhard Mittermeier auf seinen in punkto VI des Kaufsbriefes v 27. März 1848 stipulieren lebenslänglichen Herbergsanspruch gegen eine von Franz Mittermeier beim Abzuge zu räumende Herberge zu leistende Aversat Entschädigung im Betrage zu zweihundert und fünfzig Gulden hiermit rechtsverbindlich Verzicht leistet und die Verbindlichkeit übernimmt, dahin zu wirken, dass auch seine übrigen Geschwister Anna Mittermeier, dann Josef und Jakob Schötz 
den gleichen Verzicht auf die ehem durch Verhandlung vom 22. Nov 1844 eingeräumte Herberge in den Schlossgärtnerischen Nebenhause zu Protokoll erklären. Bei dieser Erklärung stellen sich die beiden Teile zufrieden. 
Leonhard Mittermaier ist also offensichtlich nach dem Verkauf seinen ursprünglich übernommenen Verpflichtungen seinen Geschwistern gegenüber nicht in vollem Umfange nachgekommen und muss nun sogar auf seinen eigenen "Wohngeldanspruch" verzichten.

Hier nun der Auszug aus dem Umschreibebuch des Grundsteuerkataster ab 1860
StA Landshut Grundsteuerkataster Nr. 




Kötzting erhält ein eigenes Schulhaus:



Die Schulsituation in Kötzting war bereits seit Jahrzehnten unhaltbar geworden. Die Schulpflicht konnte nur noch mit zahlreichen Kompromissen und eher schlecht als recht erfüllt werden. Als dann im Jahre 1856 auch die Weißenregener und Hafenberger Kinder nach Kötzting und nicht mehr nach Blaibach zur Schule gehen sollten, musste Kötzting reagieren. Nun begannen Verhandlungen mit den übergeordneten Behörden, die zunächst den Ankauf und Umbau eines Privathauses als Lösung favorisierten. Nachdem die Kötztinger Verantwortlichen ihr Anliegen jedoch in München erfolgreich vorgetragen hatten, fiel die Entscheidung zugunsten eines Neubaus. Das neue Schulhaus hätte ursprünglich bereits 1858 fertiggestellt werden sollen. Aufgrund von Verzögerungen bei der Dachdeckung und der dadurch verursachten Feuchtigkeitsschäden am Bau verzögerte sich die Fertigstellung jedoch. So konnte das Gebäude erst am 29. September 1859 eingeweiht werden.

Das Dach bzw. die Dacheindeckung bereiten beim neuen Schulhaus über Jahrzehnte hinweg Probleme, hier ein Auszug aus den Akten zum Betreff: " Die Bedachung am Schulhaus in Kötzting":
"Spenglermeister Amann und Schlosser Haas besichtigen Schulhausdach und stellen fest, dass nicht nur das Dachblech schadhaft ist sondern auch das darunterliegende Gebälk verfault ist. Das Dach muss total abgedeckt, die Balken erneuert und das schadhafte Blech ausgewechselt werden.
Einwandfreies Dachblech kann wieder verwendet werden. Die gesamte Reparatur einschließlich Dachrinnen beläuft sich auf 1403 Mark.
Zimmermeister Holzer verlange für Balken 210 Mark und
Maurermeister für Gesims und Kamin 26 Mark.
1889 Schulhausdach bereits wieder so hinfällig das total neu gedeckt werden muss. Im Jahre 1890 bis 93 wird schadhaftes Dach wieder erneuert.
Schötz Schlossermeister hat die Reparatur ausgeführt, wieder erhebliche Mängel."

Franz Mittermeier gibt weiteren Grund vom Garten zum Straßenbau ab und will 600 fl Entschädigung. Der Fall geht ans Bezirksamt Straubing, in Kötzting keine Einigung Können sich dann aber doch vergleichen. Mittermeier gibt für 100 fl  ein weiteres Stück seines Gartens ab zum Bau des Gässchens zum Schulhaus. Bekommt für den größeren Teil von 6 Dez doch 85 fl pro. Es ist dieses Schulhausgasserl, das - siehe weiter oben - für die Unterlieger dann Probleme bereitet wegen des dadurch fast kanalisierten oberirdischen Wasserabflusses.
Weitere Probleme erhielt der Markt Kötzting durch den Einfluss des Bezirksamtes dadurch, dass eigentlich nur eine einfache Zufahrt zum Schulgebäude hatte geschaffen werden sollen, nun aber zum Nachteil der Gemeinde eine teure Straße angelegt worden ist.

StA Landshut LGäO Kötzting Nr. 97 Neubau der Straße zum neuen Schulhaus

Gleichzeitig verrät uns dieser Lageplan noch viel mehr an Details als nur den neuen Straßenverlauf:
StA Landshut LGäO Kötzting Nr. 97 Neubau der Straße zum neuen Schulhaus

Ersten kann man hier gut erkennen, wie das Schulhaus mitten hinein in den alten Schlossgarten platziert wurde und zweitens - hier vielleicht nur schwer zu entziffern - haben wir mit dem Plan eine exakte Besitzerliste der Kötztinger Anwesen links und rechts der Marktstraße mit allen Namen.
Weiter sieht man in dem Plan, dass das Areal mit einem zaunumfangen ist und dass ein Weg nach Osten zur Bollburggasse geplant war.
Was aus heutiger Sicht natürlich regelrecht ins Auge sticht sind die beiden Anwesen, die an der Stelle stehen/standen, an der heute die jeweiligen Verlängerungen der Metz- und der Schirnstraße sich befinden.

Serwuschok Luftaufnahmen - 1957 - Kötztings Altes Schulhaus - nun das Kötztinger Parkhaus.

In der Zeit zwischen der kommunalen Gebietsreform - mit dem Ende des Landkreises Kötzting - und dem Einzug ins renovierte Landratsamtsgebäude diente das alte Schulhaus auch als Sitzungssaal für den Stadtrat, weil Kötztings Altes Rathaus mehr als nur renovierungsbedürftig geworden war und das alte Schulhaus noch die besseren Möglichkeiten bot.

 
Serwuschok 216 der Kötztinger Stadtrat tagt im Klassenzimmer

Andererseits.... wenn man keinen Schlüssel fürs Schulhaus hat, muss auch der Stadtrat warten, bis dieser eingetroffen ist.
Serwuschok090 die Mitglieder des Kötztinger Stadtrates im Schneetreiben.im Januar 1973

U111-4 Altes Schulhaus



Als im Jahre 1976 die Entscheidung angestanden hatte, an dieser Stelle ein Parkhaus zu errichten - zeitgleich bestand in der Marktstraße bereits die Riesenbaugrube des späteren neuen Kaufhauses Wanninger - schrieb sich der Kötztinger Ehrenbürger August Philipp Henneberger seinen Frust über dieses Vorhaben von der Seele.

Ohne alte Schule "trostlose" Hinterhausumgebung

Kunstmaler Aug. Phil Henneberger warnt / Gibt ihm erst wieder die Vergangenheit recht?

Kötzting (na = Frau Renate Serwuschok). In der Ausgabe vom 12. August stellte die Kötztinger Umschau den Abbruch des alten Schulhauses und den Beginn des geplanten Neubaues und die Anlage eines Parkplatzes zur Diskussion. Kunstmaler August Philipp Henneberger, Ehrenbürger der Stadt, spricht sich dafür aus, das Stadtbild auch in diesem Bereich unverändert zu lassen. Er habe sich schon bei Errichtung der Landwirtschaftsschule und später auch beim Kindergartenprojekt leidenschaftlich dafür eingesetzt, Burganlage und Pfarrkirche nicht zu verbauen. Aus der Distanz von einem Vierteljahrhundert drängt sich die Frage auf, ob ihm immer erst die Vergangenheit recht geben muss. Vor dem Hintergrund der jüngsten Bemühungen um die Sanierung der Altstadt gewinnt Hennebergers Beitrag zu diesem aktuellen Thema noch an Bedeutung: 

„Die Gretchenfrage ist immer wieder: soll man Altes abreißen oder erhalten, ich bin für erhalten! Meines Erachtens hat man in Kötzting schon viel zu viel abgerissen, zu viel Altes. Die künstlerische Gestaltung, Strukturierung und Anpassung an das Neue, wird immer mehr zurücktreten müssen, wenn sie nicht um ausgesprochene Stadtteilkommunikationszentren handelt. Die moderne Bautechnik ist in der Lage, erhaltungswürdige Gebäude durch entsprechenden inneren Ausbau allen nur denkbaren Ansprüchen anzupassen. In der speziellen Fall des alten Schulhauses an der Holzapfelstraße ist vom denkmalpflegerischen und städtebaulichen Gesichtspunkt her unbedingt erforderlich, für die Erhaltung der Fassade aus dem späten 19. Jahrhundert zu plädieren. derselben.
Jedem Bauherrn mit gutem Architekten ist es möglich, dieses alte Gebäude nach seinen Wünschen ausbauen zu lassen, ohne den Charakter dieses Hauses zu zerstören. Dazu sind noch Möglichkeiten gegeben, hinter der alten Schule weiter auszubauen. Ich könnte mir auch vorstellen, wie diese in ihrer  architektonische Gliederung ausgewogene Vorderfront farblich zu gestalten wäre. Auch den Treppenaufgang könnte mal reizvoll machen, und Tiefgaragen wären möglich.

Es werden Überlegungen angestellt, die Schule abzureißen und an ihrer Stelle einen Parkplatz errichten zu lassen. Man stelle sich dann das Stadtbild „ohne dieses Gebäude vor; die trostlose Hinterhausumgebung.

Jede fortschrittliche Gemeinde ist bestrebt, den Autoverkehr aus dem Stadtkern fern zu halten, Fußgängerzonen zum Vorteil der Geschäftsleute und der Kunden zu errichten und mit einem dringenden Bedürfnis, der überhandnehmenden Verkehrsdichte ein Ende zu machen. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als es noch kein Auto in Kötzting gab – sie war nicht so hektisch aber gemütlicher -  Das Programm der  „Jungen Union“ ist jedenfalls zu begrüßen und man sieht bereits endlich erfreuliche Erfolge auf die "Aktion Stadtbild" mit Unterstützung der Bevölkerung Kötztings ist auf dem richtigen Weg."

Ein Parkplatz wurde es dann nicht sondern ein Parkhaus mit einem Parkdeck, das viele Jahre, ja Jahrzehnte wegen des undichten Daches Schwierigkeiten bereitete und nun einem zweiten Projekt: "Parkhaus mit Bibliothek" weichen musste, das im Herbst 2026 seiner Vollendung entgegensieht.

Aber alle Argumente fruchteten nichts, im Dezember 1976 kam dann das Ende für das Alte Schulhaus Kötztings:

KU vom 3.12.1976 Abbruch des Schulhauses

Foto Wild Siegi - um 1985, da war noch alles in Ordnung im neuen Parkhaus

Foto Pongratz: und dann war auch dieses Gebäude Geschichte


Nun aber wieder weiter mit den Hausbesitzern, Franz Mittermayer und Franziska  


 Eine Woche vor dem Pfingstfest im Jahre 1867 zerstörte eine Großbrand fast eine Hälfte der Kötztinger Anwesen, darunter auch das mit der Hausnummer 116..... oder genauer, bei der Häuserreihe, zu der auch unser Anwesen gehört, kam der Brand dann zum stehen.


Detail aus StA Landshut Rep 164/8 Nr. 1570: der Marktbrand in Kötzting

Bereits am Folgetag versuchte sich der damalige Bezirksamtmann Carl von Paur durch ein tabellarisches Protokoll ein Bild von der katastrophalen Lage und den Bauschäden in Kötzting zu machen..

StA Landshut Rep 164/8 Nr. 1570
 

"Mittermaier Franz Gärtner
Die Beschreibung der Gebäude vor dem Brande vide Protokoll sub Nro XLBefund:

ad 1) das Gebäude ist bis auf den Grund niedergebrannt. Schaden total.
ad 2) Von dem Gebäude stehen noch die 4 Umfassungsmauern mit einem Gewölbe, welches letztere unverkennbare Spuren zeigt, dass es aus den Fugen gerathen ist. Eine fernere Beibehaltung wagt man nicht zu begutachten.
Due durch Abbruch zu gewinnenden Materialien werden durch die Arbeitslöhne für Abbruch aufgewogen werden
Schaden total
ad 3) Das Gebäude ist bis auf den Grund niedergebrannt Schaden total

Nachdem es im Markt Kötzting nun bereits der zweite Marktbrand  - der erste war im Jahre 1717 - gewesen war, der seinen Ausgang in der Mitte der Marktstraße und, mit seinen verheerenden Auswirkungen fast gleichartig, vom Friedhof bis in den unteren Markt reichte, schritt man von der Planungsseite zu einem vorbeugenden Brandschutz und bildete durch die neu anzulegenden Straßen regelrechte Brandschneisen. So wurde die Verlängerung der Metz- und der Schirnstraße hinüber zur  - heutigen - Gehringstraße erst im Nachgang dieses Brandes durchgesetzt, was den Verlust von zwei Marktlehen bedeutete, die auf dem Platz dieser neuen Verbindungstraßen gestanden hatte. In gleicher Weise wurde die Torstraße leicht gedreht - Verlust ein Haus gegenüber dem vorherigen Zustand und auch die heutige untere Marktstraße erhielt erst durch die neuen Planungen ihre heutige Gestalt, zumindest was die Verkehrswege angeht.

 
StA Kötzting 021-1

Wie man an dem Bild gut im Vergleich erkennen kann, war das neu errichtete Haus - hier mit seiner Plannummer als 252 angegeben -  ziemlich genau auf seinem alten Platz wieder errichtet worden. 
Im direkten Zusammenhang mit der benachbarten Schule steht eine Beschwerde aus dem Jahre 1870 (StadtA Kötzting 602/1), bei der eine Gefahr für die Schulkinder wegen des ruinösen Gartenzauns des Franz M. beschrieben wird. Für diejenigen, die sich an die Situation nicht – oder nicht mehr – erinnern können, verdeutlicht das Bild mit den wartenden Stadträten im Winter bei Schneefall die Situation. Der Pausenhof wird durch eine Mauer vom tiefer liegenden Gartengrundstück abgestützt, und darauf steht ein Gartenzaun. Ist dieser morsch, dann können die Schüler dort abstürzen. Ich erinnere mich noch gut an diesen eisernen Zaun aus meiner Schülerzeit und an so manche – fehlgeschlagene – Mutprobe einiger Mitschüler, die beweisen sollte, dass man im Winter mit der Zunge daran lecken könne, ohne sofort festzufrieren ...

Mittermayer Franz und Achatz Franziska


Am 27.10.1874 hatte der Kötztinger Gärtner Franz Mittermayer die Ansdorfer Inwohnerstochter Franziska Achatz geheiratet und schon am 8.2.1875 kommt es zum Verkauf des Anwesens. Der neue Besitzer ist der Seiler Mathias Hofmann und damit endet die Zeit der "Mittermayer" auf dem Anwesen und der neue Hausname "Hofmann" entsteht. 
Kurz vor seiner Heirat war der Schlossgärtnersohn Franz Mittermayer im Vorjahr der Kötztinger Pfingstbräutigam gewesen. 




Zunächst noch ein weiterer Blick auf die Familienmitglieder der "Mittermayer-Familie" und deren Spuren in den Archiven.

Anna Mittermayer, eine Schwester des Franz und des Leonhard, bat am 18.6.1861 ihren Bruder Franz, beim Landgericht vorstellig zu werden, um bei ihr in der Wohnung eine Änderung an ihrem Testament vornehmen zu lassen. Der Landrichter Carl von Paur persönlich hatte diese Änderung dann vorgenommen..
StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 7 Nr. 364 Mittermeier Anna
"Testamentsnachtrag
Anna Mittermaier, Schloßgärtnerstochter von Kötzting
Aufgenommen in loco Kötzting in deren Behausung am Schulhausplatze in ihrer Wohnstätte über einer Stiege am neunzehnten Juni vormittags 10 Uhr 1861
Die oben bezeichnete Anna Mittermaier hat durch ihren Buder den Gärtner Franz Mittermaier heute...."
Der Schlussteil des Testaments mit den eigenhändigen Unterschriften der Anna Mittermayr und des Landrichters Carl v. Paur.
 
Hier das Foto des verschlossenen und versiegelten Testaments der Frau Anna Mittermayr aus dem Jahre 1861



Als im Jahre 1902 der ledige Leonhard Mittermayer - Schlossgärtner Hardl - verstarb, lebte von der weitverzweigten Familie bereits niemand mehr in Kötzting, so dass sich sein Haupterbe - Franz Mittermayer, Braumeister in Windberg, sich vom damaligen Kötztinger Pfarrer Elser erst ein Familienstandszeugnis hatte ausstellen lassen müssen, um sich bei Gericht zu legitimieren.

StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 43 Nr. 95 Hanr 115 a Mittermeier Leonhard von 1902
Todesanzeige des Leonhard Mittermeier im Nachlassakt: verstorben ist er im Hause mit der alten Hausnummer 115 a, also gleich in der Nachbarschaft.


 
StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 43 Nr. 95 Hanr 115 a Mittermeier Leonhard von 1902

Einschub die Familie Hofmann:
Ausgelöst durch den Marktbrand und die neuen Straßenabschnitte kam es auch hier zu Grundstücksteilungen und so finden sich in den Umschreibeheften danach die Hausnummern:
116     >>>> nun die Seilerei und Gärtnerei Hofmann
116 a  >>>> später Hofmann Ignaz in der Holzapfelstraße
116 b >>>> das Schulhaus
116 1/2 a  > Kothbauer Josef und Franziska
Einschub Ende

Hofmann Mathias und  Fischer Anna

Mathias Hofmann - geboren am 31.10.1841 in Kötzting als Sohn des Kötztinger Seilermeisters Martin Hofmann und seiner aus Seewies in Böhmen stammenden Ehefrau Anna Maria Stiegler - hatte am 18.11.1867 die Nösswartlinger Bauerstochter Anna Fischer geheiratet.
Drei Kinder des Paares finden sich in den Kötztinger Pfarrmatrikeln: Anna - 4.5.1869-, Franz Xaver - 30.4.1871 - und Franz Joseph 25.2.1873.

 Im Oktober 1874 kam es zu den erste Vereinbarung über die Übergabe des Anwesens von Franz Mittermayer auf den Seiler Mathias Hofmann mit detaillierten Zahlungen an die weichenden Verkäufer.
Bereits kurze Zeit danach kommt es vor dem Kötztinger Vermittlungsamt zu einem Vergleich der beiden Parteien über einer Vertragsabänderung, die uns die genauen Bedingungen überliefert. 



StaA Kötzting AA VIII 12

"27. März 1877: Mathias Hofmann Seiler dahier hat am 8. Februar 1875 von Franz Mittermeier junior dessen Anwesen HsNr 116  dahier gekauft und ist dabei die Bestimmung getroffen worden, dass ein Teil des Kaufschillings mit 1250 fl so lange gegen 4  %ige Verzinsung liegen bleibt, als eines der Eltern des Franz Mittermeier am Leben ist. Die Zinsen aus diesen 1250 fl mit jährlich 50 fl zahlbar zu Jakobi, beziehen die Eltern des Franz Mittermeier Junior. Diese Bestimmung wird nun wie folgt im Wege des Übereinkommens geändert: Franz Mittermeier junior ediert von seinem Guthaben 1250 fl den Betrag von 400 fl oder 685 Mark 71 Pfennig an seine genannten Eltern, wogegen diese mit dieser Summe sich für alle Ansprüche  auf den jährlichen Zehrpfennig mit 50 fl befriedigt erklären, das heisst, Franz Mittermeier junior löst mit der Summe von 400 fl bzw 685 Mark 71 Pfennig die Zehrpfennigansprüche seiner Eltern auf jährlich 50 fl für alle Zukunft ab. Die Eltern erhalten aus den 1250 fl noch den halbjährigen Zins mit 25 fl oder 42 Mark 86 Pfennig bis Lichtmess1877. Von diesem Zeitpunkt an zahlt Hofmann den 4 %igen Zins aus 685,71 Mark an Mittermeier senior und aus 1457 Mark 14 Pfennig oder 850 fl an Mittermeier junior alljährlich zu Lichtmess. "

Hofmann Anna


Mit gerade mal 38 Jahren verstirbt der Kötztinger Bürger und Seilermeister Mathias Hofmann am 31.1.1880. Die junge Witwe muss alleine die Familie und das Geschäft zusammenhalten und findet sich in den Bauakten als Bauherrin.
StA Landshut Grundsteuerkataster Umschreibeheft 1860-1910


Zunächst aber geht es um die oben angeführten Zahlungen an die Vorbesitzer. Als  Franz Mittermayer mit 71 Jahren im Haus 116 verstorben war, werden diese Wohn- und Zehrgeldbestimmungen aus dem Jahre 1775 genauer aufgeschlüsselt die Haupterbin Katharina Mittermayer einigt sich mit Anna Hofmann in einem ausführlichen Protokoll, das sie beide danach eigenhändig unterschrieben:
StA Landshut: Rep 166N-12 Schachtel 25 Verlassenschaftsakten von 1883 Nr. 11 Mittermeier Franz Gärtnerswitwer

Nach dem Marktbrand vom Juni 1867 wurde nicht nur der Bereich untere Marktstraße/Pfeffergraben neu zugeschnitten sondern auch anstelle der früheren Bollburggasse  eine neue Straße projektiert - heutzutage die Gehringstraße - , die zunächst aber nur bis hinauf zur Buchdruckerei Vitus Oexler - heute das obere Ende des Parkhauses - tatsächlich ausgebaut wurde.
In diesem neuen Straßenabschnitt hatte der Seilermeister Hofmann sein neues Wohnhaus errichtet und hier baute seine Witwe weiter:


StA Landshut 3022 Rep 162-8  Sch. 21 Nr.  3125 Hofmann Anna 1882
Auf diesem Lageplan kann man sehr schön die Situation erkennen, wie sie noch zu meiner Kinderzeit existiert hatte, der Treppenaufgang hinauf zum Pausenhof des Alten Schulhauses mit dem Schuppen der Gärtnerei direkt an der Stützmauer und der großen Gärtnerei darunter und daneben.

Hier gut zu erkennen, die Stützmauer, die den Pausenhof begrenzte und dem Schuppen als Auflager diente.

Hier der "echte" Lageplan um 1900, als die obere Gehringstraße noch gar nicht bebaut war.

Die weitere Besitzübertragung verlief übers Eck. Der Seiler Mathias Hofmann hatte einen Bruder, den späteren Bäckermeister Franz Xaver Hofmann - aus dem Hofmann-Bäcker wurde später der Liebl-Beck, alte Hausnummer 2 -  und dessen Sohn, wieder ein Franz-Xaver konnte das Anwesen von der Witwe Anna Hofmann erwerben und wurde nun der neue Seilermeister in Kötzting.

Als Frau Anna Hofmann im hohen Alter von 80 Jahren am 26.1.1918 in ihrem Haus verstarb, waren die einzigen leiblichen Erben ihre Nichten und Neffen in Nösswartling.

StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 61 Nr. 11  von 1918 Hanr 116 Hofmann Anna



StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 61 Nr. 11  von 1918 Hanr 116 Hofmann Anna


In dem Protokoll des Nachlassverfahrens ist von den drei Kindern des Paares die Rede. Die Tochter Anna war am 8.5.1891 mit gerade mal 22 Jahren und die beiden anderen Kinder bereits im frühen Kinderalter verstorben. 
StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 61 Nr. 11  von 1918 Hanr 116 Hofmann Anna



Im Jahre  1916 hatte die Seilerswitwe Hofmann ihr Testament verfasst und als Zeugen dieser Beurkundung dienten ihr der Kötztinger Kaufmann Simon Hahn und der Bürger Franz Graßl.
 
StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 61 Nr. 11  von 1918 Hanr 116 Hofmann Anna



Hofmann Franz Xaver und Wanninger Theresa


Am 5.5.1913 hatte der im Jahre 1880 geborene Bäckersohn und nunmehrige Seiler die Gehstorfer Häuslerstochter Theresia Wanninger geheiratet und vermutlich zu dieser Zeit dann auch das Anwesen übernommen.
Vom - neuen - Hofmann Seiler haben wir ein schönes Foto in unserer Bildersammlung, zusammen mit dem Ostmarkonkel Conrad Krämer d. A.

DIA-Repro 1454: links Conrad Krämer d.A. rechts der Hofmann Seiler

Und auch von seiner Tochter, Liese Hofmann, gibt es ein Bild zusammen mit dem Ostmarkonkel:

DIA-Repro 1864:
Kindergruppe ca. 1935
2. Reihe v. li.Wagerer (Borowitz) Fanny nur 1/2 zu sehen, Graßl Zenzerl, dahinter Scheuerlein Leni, Dattler Annelies (Heigl)mit Zöpfen vor Krämer, Hofmann (Seiler) Liese, Gruber (Bäck) Roserl (Lehmann).   
1. Reihe v. li. Bauer (Wagner) Gretl, dazwischen Kirschbauer Marianne (Sonnleitner), Schaffer Maria (Bottenhofer) , Kulzer Erika, Denninger Elisabeth Tochter von Tierarzt, Lickleder Rita, hinten klein dazwischen Feichtner Rosa mit Blick zum Ostmarkonkel
Hofmann Liese ist also das blonde Mädchen rechts vor Conrad Krämer

DIA-Repro: 3257 v. l. Oexler Paula, Mathilde Huber ,Olga und Erna Oexler, vorne Lise Hofmann (Seiler) Foto Pleier

Das Bild mit seiner nächsten Tochter - Marerl Hofmann, später verehelichte Großmann - ist auch noch in der direkten Nachbarschaft aufgenommen worden, auf der Schulhaustreppe und im Pausenhof des Alten Schulhauses.


DIA-Repro 49 : Dia Nr. 49  von links nach rechts 31 Mädchen

1. Reihe  Krämer Erna Tochter v. Ostmarkonkel, Weigold Marerl Frau Laggatz, Röhrl Gretl Tochter v. Michl Röhrl Gasth.Klosterschmiede  ?,?, Plötz Annerl, Brunnhofer Anne Brunnhoferschreiner, ?, ?, Heigl Käthl Schwiegerm v. Hans Graßl Bäcker
2. Reihe Kolbeck Dora Vater war am Finanzamt,  Weiß Maria Arndorf, ?, ?, Schreiner Tonerl Pingstbraut 1935
3. Reihe Seiderer Fanny Eltern hatten Bahnhofskiosk, ?, Sponfeldner Anne Mutter v. Günter Costa
4. Reihe Höcherl Roserl Sägewerk
5. Reihe ?, ?, ?,,Wühr Resi Wühr Wonga
6. Reihe ?,?,?
7. Reihe ?  Hottner Vera Vater war Bahnhofsvorstand, Hofmann Marerl Frau Großmann Hofmann Saler (Seiler), Kerscher Liese Bäckerei, Prischl Käthl Frau Hauser

 
Auch von der dritten Tochter, Anni Hofmann haben wir ein Bild in unserer Sammlung:

DIA-Repro 3155 Turnverein ca.  1932 hinten links oben Elisabeth Schödlbauer/Herre Pfingstbraut von 1931,  mittlere Reihe 2.v.links Hofmann Anni Tochter von Seiler,, ? , Kellnhofer Marerl, 
ganz rechts Pagany Lina ? (Huber)



DIA-Repro  191 Gehringstraße 1938 Hofmann Seiler Haus,
von links Frau Hilda Sperl, Kuchler Fannerl (Frau Praller) Kind Mali Sperl (Amalie Mannig), Frau Lautenschlager, Kind im Vordergrund Traudl Kroher, der  Mann ist Franz Bauer später Postbote, war damals Lagerarbeiter bei Kroher.
Detail aus DIA-Repro 1151

Heute unvorstellbar, bot die Gärtnerei + Seilerei  Hofmann ihren Kunden auch an, nur Blumen-Fexer, also bewurzelte Stecklinge zu kaufen.
KA vom 6.5.1922

Ernst Großmann und Maria Hofmann


Am 1.10.1965 war die Seilerswitwe Therese Hofmann, geborene Wanninger, gestorben.
KU vom Oktober 1965 
rs. Kötzting. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde gestern auf dem hiesigen Gottesacker Frau Therese Hofmann, Seilermeisters- und Gärtnereibesitzerswitwe, zur letzten Ruhe geleitet. In Anlehnung an den 21. Psalm, der mit den Worten beginnt: „Wie freute ich mich, als man mir sagte; zum Hause des Herrn wollen wir wallen“ schilderte Stadtpfarrer Josef Augustin in seiner Grabrede das Leben der Verewigten als eine große Wallfahrt, deren Höhepunkte ihre Gänge zum Wallfahrtsheiligtum Weißenregen waren. Der Geistliche sprach aber auch von der liebevollen Hingabe, mit der Therese Hofmann ihren Gatten, dem sie 1914 Lebensgefährtin wurde, und den fünf Töchtern Frau und Mutter war. Geprägt war ihr Wesen von einer Frohnatur, die immer nach Wegen suchte, anderen Freude zu machen. Der Verein christlicher Mütter geleitete Therese Hofmann auf ihrem letzten Weg. Unter der Leitung von Chordirigent Georg Krämer sang der Stadtpfarrkirchenchor am Grabe: „Gute Mutter, ruh in Frieden!“
Die Gärtnerei Großmann:

Mit seiner Herkunft als Gartengestalter, konnte Ernst Großmann auch den Auftrag übenehmen, Kötztings neuen Stadtpark zu gestalten: KU vom Mai 1953:

Stadtgarten bis Pfingsten sicher fertig

Die „Kinder“-Treppe wird im Frühjahr verbreitert

Kötzting. Die Arbeiten am Stadtgarten in der Bahnhofstraße wurden wegen der nicht mehr günstigen Witterung in diesen Tagen eingestellt. Mit dem Abbruch des Zaunes am ehemaligen „Gefängnisgarten“ – temperamentvoll als der „Schandfleck“ bezeichnet – mit der Errichtung der neuen, gefälligen Quadermauer und der wesentlich verbesserten Verbreiterung des Gehsteiges wurde bereits jetzt eine erfreuliche Verbesserung des Stadtbildes erreicht. Die weitere Ausgestaltung des Stadtgartens hat der Stadtrat bis zum kommenden Frühjahr zurückgestellt. Neuerdings wurde erwogen, an Stelle von Hohenbogenplatten mehr Schmuckstrauchwerk als Blumen für die Pergola, das Schmuckstück der künftigen Gartenanlage, Ziegel zu verwenden.
Die Eingangstreppe wird im Zuge der Frühjahrsarbeiten verbreitert. Stadtgartenverwalter Str. Henneberger erklärt, gelangt keine Gefahr, dass die Anlage nicht bis Pfingsten 1954 fertiggestellt werden könnte. Es soll nach seiner Meinung in erster Linie mit Schmuckstrauchwerk, wenngleich mit Blumen bepflanzt werden. Die gärtnerische Betreuung der Stadtgartenanlage wurde bereits in der vorletzten Sitzung des Stadtrates dem Gärtner Großmann übertragen.


Völlig überraschend verstarb Ernst Großmann mit 47 Jahren inmitten der Aufbauphase seiner Gärtnerei.

KÖZ vom Dezember 1954

Hier der Bericht über die Beerdigung in der Kötztinger Zeitung:
"

Am Grabe von Ernst Großmann

Kötzting. Wie wir in der Mittwochnummer schon berichteten, löste der so plötzliche Tod des Gärtnermeisters Ernst Großmann bei der Bevölkerung tiefe Trauer aus. So war es nur selbstverständlich, dass schon bei der Aussegnung eine große Trauergemeinde dem Sarge folgte und in den folgenden Tagen dem im Leichenhaus aufgebahrten teuren Toten der Besuch vieler stiller Trauernder galt. Wer aber Zeuge der Beerdigungsfeierlichkeiten am Freitag vormittag war, der wurde sich erst bewusst, welcher Beliebtheit und Wertschätzung sich Herr Großmann trotz seines verhältnismäßig kurzen Hierseins erfreuen durfte. Nicht nur die Bewohner Kötztings, sondern der ganzen Umgebung folgten in großer Zahl dem Sarge. Die Spitze des Trauerzuges bildete die Stadtkapelle Menacher sowie die Freiw. Feuerwehr, die Kolpingsfamilie und eine Abordnung der Obstverwertungsgenossenschaft.

H. H. Kooperator Haltrich, der die Einsegnung vornahm, streifte kurz den Lebensweg des Heimgegangenen, der im Städtchen Hohenelbe das Licht der Welt erblickte. Eine zweijährige Gefangenschaft warf in der er sich wahrscheinlich den Keim zu seinem Leiden holte, war für ihn nicht das Ende seines Leides, er musste auch noch die Heimat verlassen. Durch seine Tüchtigkeit fand er hier nicht nur eine 2. Heimat, sondern auch das Eheglück, das leider nur wenige Jahre währte, denn nach kaum 5 Jahren wurde er nun von der Seite seiner Gattin und den 2 Töchterchen gerissen, denen seine ganze Sorge und Liebe galt. Die schönen Blumen, die unter seiner Hand gediehen und so oft unsere Pfarrkirche und das Josefskrankenhaus schmückten, liegen nun als letzter Gruß an seinem Grabe. Neben der Witwe und den Waisen verloren in ihm viel einen wirklichen Wohltäter, die Vereine einen treuen Kameraden. Dies brachten auch die Herren Traurig, Sonnleitner und Gläßl bei ihrer Kranzniederlegung zum Ausdruck. Der verstärkte Kirchenchor sang das Lied „Näher mein Gott zu Dir“ und das Lied vom guten Kameraden. Intoniert von der Stadtkapelle, bildete den Schluss der erhebenden Trauerfeier.


Pfingsten im Hause Großmann  - Pfingstbrautpaar 1964 


Pfingstbildersammlung Stadt Bad Kötzting 

Bräutigam:  Gunther Veit, Angestellter, Gartenstraße
Braut:  Emmi Götz, Verkäuferin, Gehringstraße, verh. Haimerl,
Brautführer:  Josef Schödlbauer jun., Kaufmann, und Michael Herre, Kaufmann, Bahnhofsweg, 



Als Maria Grossmann und ihre Tochter Emmi Haimerl ihren Blumenladen und die Gärtnerei im Jahre 1968 dann umfassend erneuerten, schrieb Frau Renate Serwuschok auch über die Geschichte der Kötztinger Gärtnerei inmitten de Marktes in ihrem Werbebeitrag zur Geschäftseröffnung

Zwischen Tradition und Fortschritt: Blumenfachgeschäft Ernst Großmann, Kötzting 
Bad Kötzting. Man schrieb das Jahr 1888, als die Landwirtin Anna Hofmann inmitten des Marktes Kötzting daran ging, ein bisher nur ackerbaulich genütztes Grundstück mit Gemüse zu bepflanzen. Sie legte damit gleichsam den Samen für einen Gartenbaubetrieb, der heute als Blumengeschäft Ernst Großmann zwischen Tradition und Fortschritt sein 80jähriges Jubiläum feiern kann. Der Unternehmungsgeist seiner Gründerin schlug im wahrsten Sinne des Wortes Wurzeln. Ein zielstrebiger Aufbauwille und die Tüchtigkeit der Erben bereiteten den Boden, auf dem schon seit acht Jahrzehnten alles das wächst, blüht und gedeiht, was den Menschen im Lebensalltag Freude bringen will nach dem von dieser Branche geprägten Wort: „Lasst Blumen sprechen!“

Kurz nach der Jahrhundertwende übernahm der Schreinermeister Xaver Hofmann das Anwesen. Den bescheidenen Verhältnissen wurde nun neben der Landwirtschaft und dem Gemüseanbau auch eine Seilerei betrieben. Das Geschäft behauptete sich aber seinen eigentlichen Aufschwung erlebte es jedoch erst, als die Tochter Maria 1949 zusammen mit ihrem Mann Ernst Großmann den Betrieb pachtete, der ihr dann zehn Jahre später als Erbe zufiel.

Die Nachkriegsjahre waren vorbei und die Währungsreform überstanden. Ernst Großmann, den es aus Schlesien in den Bayerischen Wald verschlagen hatte, konnte nicht viel mehr als seine fachlichen Qualitäten als Gärtnermeister retten. Die aber genügten, um in tatkräftiger Auf- und Ausbauarbeit den Grundstock für die geschäftliche Aufwärtsentwicklung zu legen. Spezialisiert auf Gartenbau und Landschaftsgestaltung, ergänzte Ernst Großmann mit seiner Frau Maria, die eine gute Fachausbildung in einer Blumenbinderei und eine vierjährige Gehilfenzeit in größeren Blumengeschäften nachweisen konnte, geradezu ideal. Aber schon 1954 nahm ihm der Tod das Handwerkszeug aus der Hand, mit dem er so trefflich umzugehen verstand. Nun musste seine Witwe das Unternehmen weiterführen, das in der Tochter Emmi bald eine neue Kraft erhielt. Die gelernte Floristin erwarb sich nach ihren Lehrjahren im elterlichen Betrieb noch viele zusätzliche Kenntnisse in führenden Fachgeschäften der Landeshauptstadt, ehe sie heimkehrte und zusammen mit ihrer Mutter die Blumen- und Kranzbinderei, den Blumenanbau und -handel schwerpunktmäßig ausbaute.

Das 80jährige Geschäftsjubiläum war Anlass genug, mehr Platz für Blumen und Zierpflanzen zu schaffen. Der Umbau gibt Zeugnis von moderner Gestaltungskunst, die sich in der individuellen Auswertung des neuen Verkaufsraumes zeigt. Der Platz lässt für alle speziellen Erfordernisse und ständig neue Ideen und der schon auf den ersten Blick die Vorliebe für verkaufsfördernde Besonderheiten erkennen lässt. Es war ein glücklicher Einfall, im Stil einer Boutique das Angebot auch auf geschmackvolle Neuheiten aus dem Kunstgewerbe auszudehnen. In dieser mit kundiger Hand geschaffenen neuen Umgebung kommt das blühende und grünende Arrangement erst richtig zur Geltung. Es bietet sich für alle Gelegenheiten an, für festliche Anlässe ebenso wie für kleine Freuden und Aufmerksamkeiten inmitten des grauen Alltags. Die Fleurop, jene weltweite Organisation, die es ermöglicht, Blumen in alle Welt, jetzt auch in die CSSR zu schicken, hat das Blumenfachgeschäft Großmann schon lange unter Vertrag genommen.

Zu den fachlichen Qualitäten kommt die Fülle des Angebotes, das vom kleinen bunten Sträußchen über saisonbedingte und zeitlose Blüten, über Blatt- und Zierpflanzen bis zur kostbaren Orchidee reicht. Dem Wunsche des Kunden scheinen keine Grenzen gesetzt bei den vielen immer neuen Varianten, mit denen Sträuße gebunden, Schalen gepflanzt und Gestecke apart arrangiert werden. Das Blumenfachgeschäft Ernst Großmann lässt Blumen sprechen …



Foto Serwuschok

Foto Serwuschok
Foto Serwuschok

Emmi Großmann und Peter Haimerl

Mit dem nächsten Generationswechsel kommt dann auch wieder das Thema Pfingsten ins Spiel.
Steffi Haimerl und Wilfried Oexler waren das Pfingstbrautpaar des Jahres 1982. Ihnen zur Seite standen Georg Graf und Sepp Aschenbrenner.




Mit diesen Bildern endet die Häuserchronik des Schlossgärtneranwesens (alte Hausnummer 116)  und wir springen zurück um zwei Generationen und wechseln zur Hausnummer 116a, Hausname "Hofmann Naze".




Alte Hausnummer 116a 

Mittermayer Franz 
an
Ueberreiter Sebastian und Therese Altmann

Mittermeier Franz verkauft am 17.10.1862 das Wohnhaus der Plannummer 253 (Wohnhaus mit Holzlege, HHausgärtl und Hof) um 1000 Gulden an den ehemaligen Schuhmacher und nunmehrigen Polizeidiener Sebastian Überreither. Sebsatin Überreither hatte zuvor das Haus mit der alten Hausnummer 151 besessen, das an der Straße nach Gehstorf liegt. 

StA Landshut Grundsteuerkataster 5041 Umschreibeheft 1843-1863
mit den eigenhändigen Unterschriften des Mittermaier und des Ueberreiter.
Noch aus demselben Jahr erfahren wir, dass Therese Ueberreiter vom Kötztinger Magistrat eine "Lizenz zum Küchelbacken" erwerben konnte.



Aus dem Umschreibeheft können wir die nächsten Besitzer herauslesen:

1865 erwarb Andreas Fink das Haus. In den Nachlassakten des Staatsarchivs Landshut befindet sich zudem ein Nachlassakt der Flößersgattin Anna Fink, die im Haus mit der Nummer 116 verstorben ist.

Beim Eintrag für Michael Brunner vom 18.11.1885 heißt es, dass er das Anwesen ersteigert hatte. Bereits ein Jahr später, am 7.11.1886, wird Therese Heigl als Käuferin des Hauses genannt.

Noch nicht einmal ein Jahr später, am 5.8.1887, erscheinen schließlich Josef und Therese Irlbeck als neues Besitzerpaar. Aus dem Kötztinger Heiratsmatrikel geht hervor, dass der Hausknecht Josef Irlbeck aus Kötzting die Weißenregener Söldnerstochter Therese Hofmann geheiratet hatte.

Mit dem Verkauf des Hauses an Ignaz Hofmann am 23.7.1890 erhält das Anwesen den Hausnamen, der es für viele Jahrzehnte prägen sollte: „Hofmann Naze“.

Hofmann Ignatz und Weiss Maria


Am 24.1.1893 hatte der Kötztinger Ignatz Hofmann - Sohn des Kötztinger Bauern Michael Hofmann und der Beer Anna aus Walting - die Unterzettlinger Holzhauerstochter Maria Weiss geheiratet.
In der Folge bekam das Paar insgesamt 9 Kinder:
Mathilde, geboren am   15.11.1893 
Maria, geboren am 22.2.1895
Michael, geboren am 22.6.1897
Ignatz, geboren am 17.3.1899
Franziska, geboren am 30.3.1900
Anna, geboren am 17.8.1902
Karl, geboren am 7.3.1905
Heinrich, geboren am 24.4.1907 und
Franz Xaver, geboren am 5.12.1913

Hier einige Bilder der Hofmannfamilie und der Kinder kinder aus unserer Sammlung:


DIA-Repro 1989
Familie Hofmann ca. 1917
hintere Reihe von links : Fanny, davor Karl, Mich, Naz, Sepp, Heiner, Anne,
vordere Reihe: Maria, Maria Hofmann (Mutter) ,Wolfgang, Josef  Hofmann (Vater) Mathilde (Mutter von Wagerer Franz). Kind in der Mitte Franz.
Auf dem Fotolegende - Abgabe an unsere Sammlung von Wagerer Franz - sind noch zusätzliche Kinder der Familie Hofmann aufgeführt, die ich aber in den - Kötztinger - Pfarrmatrikeln nicht belegen habe können. zum Beispiel den späteren Pfingstbräutigam Josef Hofmann.

Franz Hofmann 


DIA-Repro 1988 Franz Hofmann  Foto Urban Straubing, uU anlässlich seines Schulabschlusses

Filmrolle Ehemann Siegi Filmnummer 4 Hofmann Franz (Brautführer 1938  bei Willy Fischer, ebenfalls Holzapfelstraße, später verheiratet mit Schötz ( Kriege) Traudl. ( Pfingstbraut 1945 von Franz Oexler, jedoch  ohne weltliche Feier )

Karl Hofmann als Schulbub und als Jubilar

Josef Bock Glasplatten 9-2019-00090 Hofmann Karl 



Serwuschok 936 im Jahre 1971: "Karl Hofmann, ein alter Kötztinger 

Serwusachok331 vom 7.3.1975

Ein Kötztinger, der die Welt kennt.


"Kötzting (krs). „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen!“ Unser heutiges Geburtstagsjubilar, Ing. Karl Hofmann in der Metzstraße 12 kann das bestimmt. War doch sein Leben eine einzige große Reise.
Ihren Anfang nahm sie am 7. März 1905 in der Holzapfelstraße, wo Karl als Sohn der Landwirts- und Fuhrunternehmer-Eheleute Ignaz und Maria Hofmann geboren wurde. Die Kötztinger Knabenvolksschule hat wohl kaum einen besseren Schüler gehabt: In dem Entlassungszeugnis, das noch von dem damaligen Bezirksschulrat Ranzinger unterschrieben ist, stehen vornehmlich Einser, ebenso wie im Zeugnis, das er für den Besuch der Volks-Fortbildungsschule, an der damals Lehrer Stuckenberger tätig war, erhielt.
An die Schulzeit schloss sich eine Schlosserlehre bei der Firma Anton Haas an, bei dem er auch noch ein Jahr als Geselle blieb. In Harras, wo heute das Cafe Metropol ist, war früher eine Maschinenfabrik Wenger. Hier arbeitete der junge Geselle zwei Jahre lang, bis ihn das Fernweh packte und er sich auf die Reise nach Köln machte.
Bei der Baufirma Grün und Bilfinger fand er Arbeit und musste ganz klein als Arbeiter anfangen, avancierte aber bald zum Heizer und später zum Maschinisten auf einem Eimerbagger, von wo er in den Maschinenpark übernommen wurde.
Wegen seiner guten Leistungen versetzte ihn diese Firma in ihre Berliner Niederlassung. Es war gerade zur Zeit der großen Arbeitslosigkeit und des wirtschaftlichen Rückschrittes und es konnte sich nur der behaupten, der außergewöhnliche Leistungen erbrachte.
Zur Erweiterung seines Fachwissens besuchte er zwei Jahre lang die Abendklasse der Maschinenbauschule, bis ihn 1931 ein ihm bekannter Bauführer nach Lobito in Portugiesisch-Angola holte, wo ein Hafen mit allen nötigenEinrichtungen gebaut wurde.
Hofmann kann stundenlang über die drei Jahre, die er dort erlebt hat, berichten und die Bilder, die er dabei gemacht hat, füllen ganze Bände. Vor seinem Afrikatrip hatte er sich in Berlin mit Hella Kümpfel verlobt und 1935, nach seiner Rückkehr aus dem „Schwarzen Erdteil“, trat er mit ihr in Berlin-Falkensee an den Traualtar.
Nun war der Wahlberliner wieder im Inland auf verschiedenen Baustellen zu finden; unter anderem auch auf denen des Westwalls. Während des Zweiten Weltkrieges wurde er im Dienst der OT und der Deutschen Reichsbahn beim Brückenbau in Rußland eingesetzt, wovon eine ganze Reihe von Auszeichnungen kündet. Nach Kriegsende konnte er nicht mehr nach Berlin-Falkensee zurückkehren. Er ging mit seiner Frau zunächst nach Hannover. Dort wurde er 1950 für die 25jährige Treue zu seiner Firma ausgezeichnet, nachdem er 1947 noch seinen Maschinenbau-Meister gemacht hatte. Die Jahre 1956 und 57 sahen ihn mit seiner Frau auf der alten Baustelle in Lobito, wo der seinerzeit angelegte Hafen erweitert und ausgebaut wurde. Von dort schickte ihn sein Unternehmen nach Uruguay in Südamerika zu einem Kraftwerk am Rio Negro, 300 Kilometer von Montevideo entfernt. Auch dorthin begleitete ihn die Gemahlin.
Seine großen Leistungen bei all diesen Vorhaben brachten ihm dann den Titel eines Maschineningenieurs ein. Nach verschiedenen Aufträgen des Zweigbetriebes Hannover weilte Ing. Karl Hofmann noch drei Jahre im Stammhaus in Mannheim, bis er 1970 pensioniert wurde. Doch jetzt hielt ihn nichts mehr in der Fremde: Er kehrte in die Heimatstadt zurück und verbringt nun gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin hier einen friedlichen Lebensabend, für den ihm auch die „Kötztinger Umschau“ gemeinsam mit seinen Freunden und Bekannten alle guten Wünsche ausspricht. Als erster Glückwunsch kam ein Brief aus Libyen, von dem einzigen Sohn, der im Dienst der gleichen Firma wie sein Vater tätig ist.

Hier noch weitere Geschwister - und damit sind wir auch gleich beim

Thema Pfingsten im Hause Hofmann:

Im Jahre 1920 war der älteste der Hofmannsöhne, Josef Hofmann,  der Kötztinger Pfingstbräutigam

Sammlung Pfingstbilder Stadt Bad Kötzting 



Bräutigam:  Josef Hofmann, Fuhrwerksbesitzerssohn, Holzapfelstraße
Braut: Maria Bauer, Schneidermeisterstochter, Schattenau
Brautführer: Franz Mühlbauer, Gastwirtssohn, Marktstraße und Franz Liebl, Bankierssohn, Marktstraße

Im Jahre 1930 fungierte sein Bruder Heinrich als einer  der Brautführer

Sammlung Pfingstbilder Stadt Bad Kötzting
Bräutigam: Johann Kuglmeier, Schmiedemeister, Torstraße
Braut: Babette Hastreiter, verh. Ellmann
Brautführer: Josef Schödlbauer, Schuhmachermeisterssohn, Müllerstraße und Heinrich Hofmann, Fuhrmannssohn, Holzapfelstraße,

Sein anderer Bruder Franz war dann Brautführer im Jahre 1938:

Foto Kretschmer

Bräutigam: Willy Fischer, Hausbesitzerssohn, Holzapfelstraße, Student (gefallen)
Braut: Ella Oexler, Marktstraße, verh. Zigan, 
Brautführer: Franz Hofmann, Fuhrmannssohn, Holzapfelstraße und Karl Mühlbauer (Dimpfl), Gastwirtssohn, Metzstraße

Natürlich waren die "Hofmann-Buben" auch beim Burschenverein aktiv:


DIA-Repro 603

Burschen-Wander-Verein 3.11.1929  
1. Reihe von oben, v.links  
Costa Xaver, Kolbeck Wolfgang (Gams) Liebl Alfons, Menacher Alois, Wirnshofer Eduard, Plötz Michl, Zahorik Max, Walz Georg, Pongratz Heinrich, Winter Hans, Weber Josef, ?.  
2. Reihe von oben  
Wanninger Rudolf, Decker Karl, Graßl Josef, Kollmaier Karl, Weingut Michl, Höll Karl, Fischer Otto, Hösl Josef, Mühlbauer Karl, Lukas Hans, Irlbeck Josef, Lindner Josef, Herre Fritz, Dachs Max (Weißenregen)  
3. Reihe von oben  
Bäckergeselle Bäckerei Pongratz , Richter Schorsch, Brunner Heinz, Barth Karl, Forster Georg(Marktschreiber), "Schmiedl Schorsch, Schödlbauer Hans, Waldmann Karl, Sperl Schorsch (Buchbinder), Dullinger Josef, Hofner August, Liebl Ferdl, Hofmann Josef (Naze), Aigner Ignaz Riedersfurth, Lindner Karl, Zach Wolfgang(Zaubauer) , Vogl Michl  
4. Reihe von oben  
Zankl Alfons, Costa Xaver sen., Ellmann Richard. Hofmann Franz, Schödlbauer Josef, Traurig Michl, Schwarz Franz (Waldbua), Costa Alois (Bums), Oexler Willi, Röhrl Michl, Sperl Schorsch (oder Leopold), Costa Hans  


 


Doch nun weiter mit dem Elternpaar Ignaz und Maria Hofmann und ihrem Anwesen:


Ignatz Hofmann (Hofmann Naze) war ein Kötztinger Fuhrwerksbesitzer und konkurrierte bei Ausschreibungen mit Graßl Franz um die "Vergebung des gemeindlichen Fuhrwerks und gemeindliche Arbeiten", die beide wechselweise den Zuschlag für diese Leistungen erhielten (StadtA Kötzting 631/53).

Was hatte man sich unter einem Lohnfuhrunternehmer zu dieser Zeit vorzustellen? Hier ein Bild von einer Baustelle in der Gehringstraße, als die Stützmauer zum Schulhaus erneuert werden musste.



DIA-Repro 1710

Gehringstraße um 1920 Zeitungsausschnitt .
Bildunterschrift: Sanierungsarbeiten in der Gehringstraße. Dieses Bild, aufgenommen in den frühen 20 er Jahren, entstand vor dem Anwesen Oexler (früher Druckerei, heute Friseursalon). Zwischen diesem Gebäude und der Seilerei Hofmann (heute Blumengeschäft Haimerl) wurden eine Mauer und eine große Treppenanlage errichtet. Damit wurde der damalige große Schulgarten (früher Schlossgarten) abgegrenzt. Hier steht heute das Parkhaus. Das abgelichtete Fuhrwerk gehörte Ignaz Hofmann, der eine Lohnkutscherei betrieb, die sein Sohn Josef bis nach dem 2. Weltkrieg weiterführte. Ignaz Hofmann (Hausname "Naze" steht auf dem Fuhrwerk. Von den Arbeitern ist Franz Berzl aus Grafenwiesen (3.v.l.) bekannt.





DIA-Repro 1987 das mächtige Anwesen des Hofmann Naze in der heutigen Holzapfelstraße

DIA-Repro 1986 Pfingstreiter im Hof des Hofmann-Anwesens
Pfingstreiter 1927 + Wagerer Franz Im Hof  vom Hofmann Naze, Holzapfelstraße, v. links Franz, Josef und Karl Hofmann

DIA-Repro 408 Hofmann Naze mit Schulhaus

  Auf den folgenden Lageplänen kann man die Entwicklung des Hofmann-Ensembles recht gut erkennen:

Im Jahre 1882 entstand das erste landwirtschaftliche Nebengebäude:
Die Legende dazu:
a: Bauplatz
b: Wohnhaus des Bauherren
c: Hofraum mit Backofen
d: Schulhausgebäude
e: Remise zu demselben (= Abstellnebengebäude)
f: Hofraum und Garten zum Schulhause
g: Gebäulichkeiten des Vitus Oexler
h: Garten desselben
i: Wohnhaus mit Stadel der Barbara Schötz

Dieses letzte Gebäude müsste an der Stelle gestanden haben, an der später die Holzapfelschule errichtet wurde.

StA Landshut  Rep 162-8  Sch. 21 Nr.  3125 Hofmann Anna 1882


DIA-Repro 3451 

Als nächstes wurde der Stadel angebaut und in dem Plan erkennt man auch die Details des Hauptgebäudes, das ja aus Holz gebaut war.

 
StA Landshut Rep 162-8  Sch. 22 Nr.  3273 Hofmann Ignaz 1897




DIA-Repro 1987

DIA-Repro 3269 der "Dampf" beim Hofmann Naze


Foto Josef Bock 

Hofmann Josef 


Von Hofmann Ignatz ging dann das Anwesen auf Hofmann Josef über, der Hausname "Naze" aber blieb.
Im Jahre 1956 war das Holzhaus in der Holzapfelstraße bereits bemerkenswert, wie es der später Stadtschreiber genannte Georg Rauscher in einem Artikel in der Umschau beschrieb.
"...Heute sind in unserer Stadt sämtliche Häuser aus Stein, und die wenigen, aus jenen Tagen noch stehengebliebenen Holzhäuser haben musealen Charakter. So finden sich nur mehr in der Holzapfelstraße (Hofmann Josef = Naze) und in der Torstraße (Meidinger = Kittlmacherhäuschen) aus Holz gezimmerte und mit Schindeln verkleidete Häuser. Unser Bild zeigt das alte Kittlmacher Haus, das mit seinem blockhausartigen Gebälk und den kleinen Fenstern wie ein Zeuge aus längst entschwundenen Tagen dasteht, ein Idyll seltener Art und ein Stück behäbiger Romantik in unserer rastlosen, furchtbar nüchtern gewordenen Zeit!

Das Kittelmacherhaus des Meidinger 


Die Druckqualität der Kötztinger Umschau - vor allem was die Abbildungen betrifft - war in den ersten Nachkriegsjahren unterirdisch, weshalb es auch einer KI nicht möglich war, das unscharfe Bild des Kittelmacherhauses aus der Torstraße wesentlich zu verbessern.
Vom Nachfolger auf dem Anwesen, Josef Hofmann, und dem Pfingstbräutigam des Jahres 1920 gibt es auch einen Bericht  von seiner Beerdigung.

Am Grabe von Josef Hofmann  1.6.1966

rs. Kötzting. Groß war die Anteilnahme, als am gestrigen Vormittag auf dem hiesigen Gottesacker der Landwirt Josef Hofmann zu seiner letzten Ruhestatt geleitet wurde. Als am Montag die Pfingstreiter sich auf den Weg nach Steinbühl begaben, machten sie vor dem Friedhof halt, um ihren Kameraden, der so lange mit ihnen geritten war und nun zum letzten Ausrasten auf dem Totenbette lag, noch einmal zu grüßen. Auch Kaplan Karl Götz sprach in seiner Grabrede davon, dass der Pfingstbräutigam von 1920 nunmehr zur ewigen Hochzeitsfeier abgerufen worden sei. Den Grabchoral sang das Männerquartett der Stadtpfarrkirche. Den trauernden Angehörigen unsere aufrichtige Anteilnahme!


Foto Pongratz im Juli 2026



Sattlerei Josef Piendl


Nach dem Tode des letzten "Hofmann Naze" kam es zum Verkauf des Anwesens und nun stehen an dessen Stelle zwei Wohn und Geschäftshäuser.
In einem davon (Holzapfelstraße 16 a) wohnt und arbeitet die Sattlerfamilie Josef Piendl und aus der Firmenchronik dieser Sattlerei geht auch der zeitlich - fast - nahtlose Übergang hervor.

Ausschnitt aus der Firmenchronik der Sattlerei Josef Piendl: 

"Nach dem Schulabschluss begann mein Vater ( Jahrgang 1939 ) eine Lehre beim überörtlich bekannten Sattlermeister Ludwig Barth in Kötzting. Zu damaliger Zeit wurde der Ausbildungsberuf als Sattler, Polsterer und Tapezierer genannt, und diese Tätigkeiten auch ausgeübt, da zu damaliger Zeit in Kötzting 4 Sattlereien, sowie in nahezu jeder der etwas größeren Umlandgemeinden weitere Sattlereien bestanden haben.
Nach Beendigung der Lehrzeit arbeitete mein Vater bis zum Tod des Betriebsleiters im Jahr 1964 als Geselle im Ausbildungsbetrieb.1964 legte mein Vater die Meisterprüfung ab und übernahm den Betrieb des Lehrherrn im Pfeffergraben, wo er bis zum Jahr 1969 die Werkstatt mieten konnte. Zu damaliger Zeit wurden von Ihm durch die etwas weniger werdenden Pferde für den Arbeitseinsatz in der Land - und Forstwirtschaft neben den bekannten Sattlerarbeiten auch Polsterer-, Tapezierer- und Bodenlegerarbeiten ausgeführt......


Foto Pongratz

Foto Pongratz 

 


Hausnummer 116 1/2 a


Rothbauer Josef und Franziska Amann


Am 19.11.1894 hatte der aus Simbach stammende - nunmehrig Kötztinger Maler - Joseph Rothbauer die Kötztinger Spanglerstochter Franziska Amann geheiratet. 
In seinem späteren Nachlassakt werden unter der Rubrik "Vermögen" seine beiden Häuser 121 (Pfeffergraben)  und 116 a 1/2 (Holzapfelstraße) aufgelistet.
Im Kötztinger Stadtarchiv befindet sich ein Gemeinderatsbeschluss (StadtA Kötzting 912/54) über eine Grundstücksveränderung und -verkauf auf der Plannummer 290.
Der Maler Josef Rothbauer hatte dort sich ein Baugrundstück aus der "Miethanerwiese" und dem "Schlossgartenareal"  sichern können, dieses anscheinend arrondiert und darauf dann ein Wohnhaus errichtet.
Die Plannummer 290 gehörte zum Anwesen 141 - Gasthaus Miethaner am Marktplatz - heute AB Schnabel bzw. das Redaktionsbüro der Kötztinger Umschau. Plannummer 253 gehörte zum Schlossgartenareal, weshalb das neue Haus die Hausnummer 116a 1/2 erhielt.


Die Plannummer 290 war die große Wiese, die sich damals noch im oberen Bereich der heutigen Gehringstraße linksseitig hinüberzog bis zum heutigen Monokel.
In einem Bericht des "Stadtschreibers" Georg Rauscher aus dem Jahre 1969 über den Ausbau der oberen Gehringstraße beschreibt dieser die Situation:

"Kötzting. Lang, lang ist es her, seit es in der heutigen oberen Gehringstraße nur einen Trampelpfad gab, über den die „Ebracher“, die Bewohner rund um den Torfplatz und den Friedhof, dem unteren Markt zustrebten, weil er eine Abkürzung des Weges bedeutete. Daß sie durch einen Bretterzaun schlüpfen musten, der sich von dem Wirtschaftsgebäude (Miethamer) bis zu dem ehemaligen Obstgeschäft Dreger (Schindler) zog, machte ihnen wenig aus. Und es störte sie auch nicht, wenn der alte Miethaner, der Großvater des Gastwirtsbesitzers Miethamer, es nicht gerne sah, dass man seine Wiese zweckentfremdete.

Das erwähnte Grundstück war tatsächlich eine große Wiese und erstreckte sich von Norden abwärts zur Buchdruckerei Oexler und westwärts bis zur Holzapfelstraße, die zur damaligen Zeit mehr einer Hohlgasse glich, weil an der Stelle, an der heute die Häuser Parzinger, Graßl-Schwarz und Zahorik stehen, sich ein mit Eichenbäumen bestandener hoher Rain in der gleichen Höhe wie der Dregergarten erhob, bevor dieser dem Lager- und Ausstellungsraum der Fa. Oexler weichen mußte.

Vom Frühjahr bis zum Herbst wurde auf dieser Wiese das Kuhgras gemäht, wuchs es doch sozusagen vor der Stalltüre. Und im Herbst, wenn es nichts mehr zu mähen gab, ließ man die Kühe weiden – es war eine ländliche Idylle mitten im Markt.

Der erste Einbruch in dieses romantische Fleckchen Land erfolgte um das Jahr 1906/07, als der Schuhmachermeister Ludwig Karl ein Stück der Wiese als Baugrund erwarb. Zuerst begnügte er sich mit einem halben Haus, bevor er es vollständig ausbauen ließ. Es befindet sich heute im Besitz des Oberinspektors R. Max Holzer. Mehrere Jahre bestand zwischen dem erwähnten Hause Karl und dem Obstgarten Oexler ein Durchgang, der dann zwischen den Anwesen Rothbauer und Hofmann (Naze) in die Holzapfelstraße mündete. Für uns Schulkinder des oberen Marktes war dies eine willkommene Abkürzung zum neuen Schulhaus (jetzt Holzapfelschule)......


StA Landshut Grundsteuerkataster Umschreibeheft 5050

 Rothbauer Josef und seine Frau hatten danach nach dem Kauf des Grundstücks im Jahre 1908 das Wohnhaus errichtet. Blickt man jedoch auf den Lageplan des nachbarlichen Bauaktes, so scheint es aber so zu sein, als ob das neu Anwesen 116 a 1/2 ganz auf der Fläche der Miethanerwiese gebaut worden wäre und es eigentlich die Hausnummer 141a hätte erhalten müssen.


Wie bzw. warum auch immer: im Dezember 1907 jedenfalls stellte der Maler Josef Rothbauer seinen Bauantrag und dies ist einer der schönsten Baupläne, die wir in unserer Bauplansammlung haben, gezeichnet - fast gemalt - vom Baumeister Joh. Braedl.:

StA Landshut Rep 162/8 
Wie es sich gehört, wurden auch seine Anlieger aufgefordert, ihre Zustimmung zum Bauvorhaben zu erteilen und dort findet sich auch die Unterschrift des Herrn Karl, der eigentlich fast im Alleingang die - heutige - obere Gehringstraße bebaut hat; siehe der Text von Georg Rauscher.

Die Unterschriften der Nachbarn:
Vitus Oexler - Michl Miethaner - Wolfgang Lemberger - Ludwig Karl - Ignaz Hofmann

StA Landshut Rep 162-8  Sch. 23 Nr. 3427 Kothbauer Hnr 116a 1-2 Wohnhaus

Foto Pongratz






Im Bauakt enthalten ist auch ein Detail der "Abortanlage", da ziemlich sicher die Holzapfelstraße noch keinen Kanal hatte.





In manchen Bilderserien aus "Altkötzting"  werden schlittenfahrende Kinder in der Holzapfelstraße abgebildet und bei vielen ist dieses Haus im Hintergrund zu erkennen, auch wenn es nur über den Balkon im ersten Stock mit den ganz besonderen Fenstern eindeutig zu erkennen ist, denn der auffällige Erker ist im Bauplan - noch - nicht erhalten.

DIA-Repro 3042

DIA-Repro 3043



Auch auf dem Bild mit dem "Dampf" kann man das Nachbarhaus gut erkennen.

Offensichtlich haben die Rothbauerschen Eheleute die Mutter der Ehefrau zu sich genommen, denn in einem Nachlassakt für Leokardia Ammann (Franziska Rothbauer war ja eine geborene Amann und Spanglerstochter), einer Spanglerswitwe heißt es, dass sie in Kötzting bei Rothbauer verstorben ist.
 
StA Landshut: Rep 166N-12 Schachtel 48 Nr. 88 Amann Leokardia bei Rothbauer 1908
Am Ende des Protokolls findet sich die Unterschrift der Fanny Rothbauer:



Am 31.1.1915 verstarb in Kötzting der Malermeister Josef Rothbauer in seinem Haus mit der Nummer 121.
Ins einem Nachlassverfahren sind auch seine Beerdigungskosten aufgelistet:
(StA LandshutRep 166N-12 Schachtel 57 von 1915 Nr. 9 Hanr 121 Rothbauer Josef Maler)
(StA LandshutRep 166N-12 Schachtel 57 von 1915 Nr. 9 Hanr 121 Rothbauer Josef Maler)



Im Akt ist auch detailliert sein Vermögen aufgelistet:











Als Abschluss nun noch das Haus mit der Nummer 121 im Pfeffergraben, in dem wohl später das Geschäftshaus des Malerbetriebes untergebracht war.

DIA-Repro 1435 das Haus im Hintergrund mit dem Schaufenster ist das "Rothbauer"- Haus

DIA-Repro 1756 Stoffe Scheichengruber und Rothbauer im Hause Georg Krämer im Pfeffergraben




🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken. Wer es noch nicht weiß, um was es sich bei diesem Programm handelt, kann sich gut im folgenden Blogbeitrag informieren: Die interaktive Karte und ihre Möglichkeiten :

🔎 Wer diesen Beitrag dort wiederfinden möchte, muss ein wenig suchen:
Er verbirgt sich in der Markergruppe Kötztinger Häuserchronik 

Viel Freude beim Entdecken!

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