Ab Mitte August nun gab es also die neue - markteigene - Buslinie Kötzting-Bodenmais ..... und schon wenige Tage danach - am 18.8. - kam es schon zum ersten Unfall, durch dessen Bericht wir eine sehr gute Vorstellung davon bekommen wie - schlecht - die Straßenverhältnisse im Zellertal damals gewesen waren. Übrigens hatte auch der Schi-Stra-Bus - fast 30 Jahre später - mit eben diesen Verhältnissen zu kämpfen und verlor ebenso das eine oder andere Mal den Kampf mit den Unbilden der Elemente und des Gegenverkehrs.
Natürlich ging der Kampf um die Zellertalbahn weiter, verlor jedoch mit der Bauzusage für die Verbindung Blaibach-Viechtach an Schärfe, weil diese Zellertalbahn fast dann eine Parallelverbindung gewesen wäre.
Die neu geplante Anschlusslösung über Gumpenried wird von Kötzting aus nicht ohne Häme betrachtet bzw. begleitet: (KA vom November 1926)
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Das Gauturnfest in Kötzting
Angesichts der ansehnlichen Meldungen für das Gauturnfest, rief der Magistrat die Kötztinger auf, Quartiere zur Verfügung zu stellen.:
"Kötzting, 2. Juni. Am 12. und 13. Juni findet wie bekannt das Gauturnfest, an dem sich zirka 200 Mitturner beteiligen, in unserer schönen Markte statt. Da nun vom Gau die Vorschrift besteht, dass dem Preisturnen Freiquartiere mit Frühstück für eine Nacht unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden muss, hat natürlich der Turnverein die schwere Aufgabe, dieselben zu besorgen. Ganz Kötzting darf sich zur Ehre rechnen, den Turnern den Aufenthalt in unserem Markte möglichst gemütlich zu gestalten und hoffen wir, dass es sich jeder Haushalt zur Ehre schätzt, einen Turner beherbergen zu können. Die nächsten Tage werden Quartiermacher von Haus zu Haus gehen, um Quartiere zu sammeln. Möge dies von großem Erfolg gekrönt sein!"
Schon im Februar angekündigt und bei den Pfingstfeierlichkeiten beworben, kommt nun im Juni der große Tag des Kötztinger Turnvereins mit dem Gauturnfest verbunden mit der feierlichen Einweihung der neuen Turnhalle..
An Pfingsten - sicherlich 1926 - kann man die noch unverputzte Turnhalle im Hintergrund bei der Kranzlvergabe erkennen, wenige Wochen danach kam es zur offiziellen Eröffnung im Rahmen des "Donauwald Gauturnfestes."
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| DIA-Repro 3679 der Sportplatz - Bleichanger - vor der Jahnhalle gut zwei Wochen vor dem großen Turnfest..... leicht matschig, aber das Wetter besserte sich. |
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| DIA-Repro 3455 Plakette anlässlich der Eröffnung der neuerbauten Turnhalle |
Hier noch das Programm für das Festwochenende:
Zum 15. Turn-Fest
des Donau-Wald-Gaues in Kötzting
am 12. und 13. Juni 1926.
Eine schöne, erhebende Feier, in allen Teilen wohlgelungen, gut vorbereitet, nach klarem Richtlinien durchgeführt, aufgebaut auf den harten Mauern der einstlichen Turngemeinde, getragen von einer zahlreichen Zahl liebwerter Turngäste, umrahmt von der verhältnisvollen Teilnahme des ganzen Marktes, ein Fest, so ganz im Geiste der alten deutschen Turnerei, ernst und würdig und doch bewegt und lebendig, fröhlich und froh, das wird der bleibende Eindruck sein, den jeder mit nach Hause nahm, der das 15. Turnfest des Donau-Wald-Gaues in Kötzting miterlebte.
Dass dieses Fest mit der feierlichen Eröffnung der neuen Turnhalle in Kötzting verbunden werden konnte, erhöhte und verstärkte seinen örtlichen Widerhall
Hier nun ein Auszug aus dem Bericht über den Beginn des Gauturnfestes mit der Einweihung der neuen Jahnhalle:
Kötztinger Anzeiger vom Samstag, den 19.6.1926
...... Das Fest setzte ein mit der feierlichen Einholung der auswärtigen Turner, die am Bahnhof und an den Straßenmündungen mit klingendem Spiel empfangen und zu ihren Standquartieren geleitet wurden. Die Gäste waren sichtlich aufs angenehmste davon berührt, dass ihnen eröffnet werden konnte, dass für jeden derselben ein gutes Privatquartier bereit stehe, wo er für die Tage des Festes gastliche Aufnahme finde. Allgemein war die Anerkennung über dieses vorbildliche Verhalten der Markteinwohner, das die fröhliche Stimmung der fremden Turner so sehr erhöhte und vom ersten Augenblicke an jenes herzliche Einvernehmen schuf, durch das dieses Turnfest so viel Weite und Volkstümlichkeit gewann.
Mittlerweile hatte die neue Turnhalle die letzte Hand an ihr Festtagskleid gelegt und stand gewärtig, die zuströmenden Gäste und Freunde an ihrem Ehrentage würdig zu empfangen. Einfach und ohne Überladung, aber schmuck und gehaltvoll hatte sie sich herausgeputzt und jedem lachte das Herz im Leibe, der sie in ihrem bräutlichen Wesen vor sich prangen sah. Man erkannte sofort, dass hier feinsinnige Köpfe und kluge Hände vereint ein Werk geschaffen hatten, das Gestalt hatte und warmes Leben atmete.
Und in der Tat: Mit dieser schmucken Schöpfung hatte der Turnrat im Vereine mit Herrn Adlhoch und Frl. Obermeier und unterstützt von einem Stabe fleißiger Helfer und Helferinnen eine Leistung vollbracht, wie sie mit den gegebenen Mitteln nicht schöner zu vollbringen war.
Den eigentlichen Festakt eröffnete der 1. Vorstand des Turnvereins Kötzting, Herr Schlossermeister Joseph Liebl, mit einer Begrüßungsrede, in der er mit warmen Worten den Mitgliedern des Vereines, insbesondere aber den werten Gästen und Freunden desselben im Namen Kötztings ein herzliches „Gut Heil“ entgegenrief, der Gauleitung dankte, dass sie dem Turnverein Kötzting die Durchführung des Gauturnfestes anvertraut habe und mit der Versicherung schloss, dass der Verein alles daran setzen werde, sich dieser Ehre würdig zu erweisen und bei den bevorstehenden Wettkämpfen seinen Mann zu stellen.
Die Festrede selbst, die den Anlass und Inhalt der Feier darzulegen hatte, hielt ein berufener Meister des Wortes, Herr Bezirksamtmann Thoma, der 2. Vorstand des hiesigen Turnvereins.
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DIA-Repro 386: 386 Damenturnriege mit Vorturner Bezirksamtmann Ludwig Thoma zum Abschied März 1931 von oben links 1. Reihe 2.v.links Pagany Else, 2. Reihe Mitte Wühr Fanny, rechts Weingut, 3. Reihe Pagany Minna und Bergbauer Rosel, 4. Reihe Röhrl Linerl, Herre Rosel, Brunner Fanny, Praller Lina, Pagany Maria, ? 5. Reihe Pleier Gusti, Pagany Betty, Heigl ?, Herr Thoma, ?,?, 6. Reihe Hofmann |
Weiter mit der Berichterstattung der Rede des Bezirksamtmannes Thoma:
Er umriss einleitend in kurzen treffenden Worten die Geschichte des Turnvereins Kötzting, seine Fluten und Ebben und führte des Näheren aus, dass der Turnverein Kötzting 1863 gegründet wurde von turnbegeisterten Kötztinger Bürgern und Bürgersöhnen, als da waren: Decker, Kollmeier, Lukas, Hofbauer, Rabl u. a. m., deren Bestrebungen durch den damaligen Bezirksamtmann v. Paur aufs regeste gefördert wurden.
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| DIA-Repro 3456 Reckturnen seitlich neben der - äußerlich fast - fertiggestellten Turnhalle, sicherlich Teil des Gauturnfestes. |
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DIA-Repro 1578 Gauturnfest und Turnhalleneröffnungsfeier Juni 1926 Hinweis, es ist möglich, dass das Foto nicht vom Juni, also vom Gauturnfest, sondern vom August und damit vom Volksfest stammt, da auch dort ein Schauturnen im Programm stand.
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Nach der Einweihungsfeier der neuen Turnhalle kam es dann am Sonntag zu den Wettkämpfen:
"Ein strahlend schöner Sommertag, doppelt schön und vorher begrüßt nach wochenlangen Regenschauern, leuchtete am Sonntagmorgen über unsere Turner und Gäste hin, als sie, durch den Turnerweckruf aus den Herbergen geholt, der Turnhalle zueilten, um sich den Kampfrichtern zu stellen. Denn heute galt es, in ernstem, zähem, erwartungsspannendem Wettstreit sein Können zu erweisen und den schlichten, aber heißersehnten Siegeskranz zu erringen, der in der Ferne leuchtete, zu dem jedoch ein dornenvoller Weg voll harter Arbeit und Mühsal führte.
Dass halb Kötzting auf den Beinen war, damit es von dem ersten Schauspiel nichts versäume, war selbstverständlich.
Und in der Tat, niemand hatte zu bereuen, den Kämpfen beigewohnt zu haben, die nunmehr Zug um Zug einsetzen und die Turner wie die Zuschauer in gleicher Weise in Atem hielten."
Ein für heutige Verhältnisse unvorstellbarer Leserbriefwechsel mit persönlichen Beleidigungen entspannte sich im Nachgang des Turnerfestes.
Laut dem Programm des Turnerfestes, war ein Fußballmatch zwischen dem 1. FC Kötzting und dem 1. FC Zwiesel angesetzt und da gab es wohl ein Problem.
Der Torwart des FC Kötzting hatte seine Mannschaft in Stich gelassen - so die Sicht der Kritiker - bzw. konnte zum Spiel nicht antreten - so seine Verteidiger - , indem er ganz kurz vor Spielbeginn erklärte nicht spielen zu können oder zu wollen.
Nun wurde dieser Torwart Schmidl Ziel eines zornigen Leserbriefes des späteren "Stadtschreibers" Georg Rauscher. Dieser war der Berichterstatter des FC Kötzting und als solcher schrieb er sich seinen Zorn von der Seele mit Ausdrücken, die heute vermutlich justiziabel wären.
Hier ein Auszug aus dem Anfang seines längeren Leserbriefes im Kötztinger Anzeiger:
"Eingesandt
Dem Tormann ins Stammbuch.
„Man fühlt sich“ anscheinend schon als genügende Größe um dies in einem mehr als genügenden Maße von Laune zum Ausdruck zu bringen. Man kann diese Laune auch als Ungezogenheit identifizieren. Es gibt auch noch drastischere Bezeichnungen für diese Ausflüsse von Selbstherrlichkeit. Jedenfalls lässt eine derartige Eigenmächtigkeit, wie sie sich Herr Schmidl letzten Sonntag erlaubte, die Disziplin dieses Herrn in einem bezeichnenden Lichte erscheinen. Im letzten Momente kindisch zu bocken und die Pläne der Spielleitung über den Haufen zu werfen war bisher nur das Vorrecht einer verwöhnten grillenhaften Theaterdiva, der man solche Extravaganzien im Hinblick auf ihr wankelmütiges Geschlecht verzeihen konnte. Für einen Mann aber ziemt sich ein solch bubenhaftes Verhalten unter gar keinen Umständen. Oder fand es der „Preisgekrönte“ unter seiner Würde das Tor zu hüten?....
In diesem Stil ging es noch eine ganze Weile weiter
Kurz darauf erschien die "Gegendarstellung" des so heftig Gerügten mit Hinweis auf die bereits erfolgte Meldung beim Magistrat wegen eines Sühnetermins.
Nun kam die ganze Angelegenheit erst richtig ins rollen, weil Gg Rauscher nachhakte, sich genauer erkundigte und danach einen noch viel längeren Leserbrief im Kötztinger Anzeiger abdrucken lies.
Dabei blieb Gg Rauscher bei seinem süffisanten Schreibstil.
Auch hier erneut der Anfang seines "offenen Briefes" :
"Offener Brief
An
Herrn Georg Schmidl, hier
Es wäre zwar klüger, auf Ihre heutige flügellahme Erwiderung zu schweigen, aber da Sie selbst auf ein ordnungsgemäßes Darstellung Wert zu legen scheinen, gestatte ich mir, Ihre Ausführungen dahin zu berichtigen, dass Ihre Entschuldigungsgründe wohl geringe Bruchteile Wahrheit im sich bergen, zum größeren Teile jedoch auf – schwacher Grundlage beruhen. Es würde zu weit führen Ihre vorgebrachten Punkte aufzufrischen und sie zu widerlegen, ich greife nur ihre Abmeldung - die sie als Kronzeugnis anzubringen beliebten - heraus und werde ich so liebenswürdig sein, Ihrem Gedächtnis, das wohl noch infolge der damaligen Uebermüdung nicht ganz intakt sein dürfte, etwas zu Hilfe zu kommen."
Georg Rauscher steigert sich von Satz zu Satz in seiner Erwiederungsschrift und endet mit
"Mit dieser Versicherung beehrt sich sie höflichst zu begrüßen
Kötzting, 26.6.26
Gg Rauscher
Berichterstatter des 1. FC Kötzting
PS. Dass gerade Sie auf dieses Wettspiel großen Wert legten und dann als Erster Ihre Spieler als Tormann im Stiche ließen, sei nur nebenbei bemerkt. - Ihrem mir indirekt übermittelten Wunsche, diesen Brief unveröffentlicht zu lassen, kann ich aus Gründen strenger Konsequenz zu meinem bedauern nicht entsprechen."
Was ist der - möglicherweise - erklärende Hintergrund dieses Rückziehers von Seiten des Kötztinger Tormanns. Im Bericht über die einzelnen Sportarten findet sich der beschuldigte "Herr Schmidl" gleich zwei mal, einmal beim Dreikampf 2. Stufe und einmal im 4 mal 100 Meter Staffellauf.
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Ausschnitt aus der Ergebnisliste des Gauturnfestes.
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Ein weiterer Punkt, der sicherlich auch später zur zeitweisen Einstellung des Sommer- Spielbetriebs gesorgt haben könnte, war der Mangel an einer Sportstätte, da ja der Bleichanger für das große Heimatfest im August gebraucht wurde und sicherlich für einige Zeit vor und nachher unbespielbar war.
Beim nächsten Fußballmatch Ende Juni (Kötzting gegen Cham 1:1) jedenfalls lobt der Berichterstatter - sicherlich erneut Gg Rauschner - ausdrücklich den jungen Kötztinger Torwart Huber.
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Der Kötztinger Heimat= und Königsbund
Im Laufe des Jahres 1926 folgte in Kötzting eine Großveranstaltung der nächsten. Gleichzeitig wurde die politische Stimmung im Deutschen Reich zunehmend unruhiger. Der verlorene Weltkrieg lag erst acht Jahre zurück – den Zusatz „Erster“ erhielt er bekanntlich erst nach 1939, denn damals ahnte kaum jemand, dass noch ein zweiter, noch verheerenderer Weltkrieg folgen würde.
Die junge Republik war innenpolitisch tief gespalten. Republikaner, Monarchisten und verschiedene nationale Gruppierungen rangen um die politische Zukunft Deutschlands. Hinzu kamen die ungelösten Fragen um das Ruhrgebiet, das Saargebiet und die deutschen Grenzregionen.
Auch im Bayerischen Wald wurden diese Spannungen spürbar. Immer wieder berichteten die Zeitungen über angebliche tschechische Einflussversuche im Grenzgebiet. Wandergruppen aus der Tschechoslowakei auf Osser oder Arber wurden teilweise mit großem Misstrauen beobachtet und ihre Ausflüge ausführlich kommentiert. Manche Berichte gingen sogar so weit, vor einer gewaltsamen Übernahme des Grenzgebietes zu warnen – Behauptungen, die aus heutiger Sicht eher als Ausdruck der damaligen politischen Ängste und nationalistischer Stimmungsmache denn als reale Gefahr zu bewerten sind.
Das folgende Zeitungsbeispiel zeigt eindrucksvoll, wie diese Stimmung im Jahr 1926 auch in der regionalen Presse ihren Niederschlag fand.
"Lam, 14. Juni. (Vom Grenzgebiet.) Es ist eigentlich schon oft gesagt worden – aber es kann nicht oft genug gesagt werden: Es ist unglaublich, wie sich die Tschechen um das Grenzgebiet bemühen. Es vergeht keine Woche, ohne dass nicht mehrere Schulen geschlossen auf den Osser kommen. Bis von Nordböhmen herunter führen die Lehrer ihre Klassen. Das Gipfelbuch könnte da unendlich viel erzählen! – Es scheint der deutsche Eisenbahnmichel hat in dieser Hinsicht noch die Zipfelhaube weit über den Augen.
Warum erhalten denn unsere bayerischen Schulen nicht die gleichen Fahrpreisermäßigungen wie die in Böhmen? Wie leicht könnten die Schulen von Cham, Straubing und Regensburg in das gefährdete Grenzgebiet gebracht werden? Hier müsste eine kleine Geschichtsstunde gehalten werden. Sicher würde sie den Schülern ein unvergessliches Erlebnis sein. Und sicherlich würde dadurch an nationaler und heimatlicher Erziehung mehr erreicht werden, als in einer langatmigen Darbietung im Schulsaal. Ein solcher Besuch hätte aber auch ohne Zweifel Einfluss auf die geheimen Gedanken der Tschechen. Sie müssten sehen, dass das Gegengewicht vorhanden ist. Und das währe not."
In diesem Kontext sehe ich auch die rührige Arbeit des Kötztinger Ablegers des bayerischen Heimat= und Königsbundes, der eigentlich erst in diesem Jahr sich so massiv in den Vordergrund drängt.
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| AKH Kötzting DIA-Repro 0351 Mitgliedkarte des Michl Röhrl |
Im Juni lud die Ortsgruppe beim "Grillergang" - heute das griechische Restaurant beim Kollmaier am Bahnhof - zum Treffen mit einer Vorstandswahl.
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| Der Wirt Wolfgang Pongratz im Bahnhofsrestaurant hatte den "Hausnamen" "Grillergang" |
Leider weist das erhaltene Zeitungsexemplar ausgerechnet im Bericht über diese Versammlung eine Beschädigung auf. Ein Riss im Papier wurde vermutlich bereits vor 100 Jahren überklebt, wodurch mehrere Namen und einzelne Textstellen heute nicht mehr lesbar sind. Die überlieferten Angaben erlauben deshalb nur eine teilweise Rekonstruktion der damals gewählten Funktionäre.
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| KA vom 8.6.1926 |
Aus dem Bericht geht hervor, dass Herr Windisch zum stellvertretenden Ortsleiter, Schlossermeister Haas zum Kassier, Pfarrmessner Obermayer zum Schriftführer sowie Kooperator Bugl und Fräulein Anna Drunkenpolz zu Beisitzern gewählt wurden.
Aus der Einladung zu einer öffentlichen Versammlung geht hervor, dass der - unleserliche - 1. Ortsleiter der Tierarzt Kirschner gewesen ist.
Besonders bemerkenswert erscheint aus heutiger Sicht die Ankündigung eines „weiß-blauen Heimattages“, der im Rahmen des für den 21. und 22. August geplanten Volksfestes stattfinden sollte. Die Veranstaltung war offenbar von erheblicher Bedeutung, denn für diesen Termin hatte bereits "S. Königl. Hoheit Kronprinz Rupprecht von Bayern" sein Erscheinen zugesagt. Dies zeigt, welchen Stellenwert die Organisatoren ihrem Fest beimaßen und welche Aufmerksamkeit man sich weit über die Grenzen Kötztings hinaus erhoffte.

Der Aufruf oben zeigt, dass die Niederlage des Ersten Weltkriegs im Jahr 1926 für viele Zeitgenossen noch keineswegs überwunden war. Zwischen den Zeilen wird der Wunsch nach einer Rückbesinnung auf die Verhältnisse der Vorkriegszeit deutlich, wie er in monarchistischen und nationalkonservativen Kreisen jener Jahre häufig anzutreffen war.
Zum 4. Juli lud dieser Königsbund zu einer großen Versammlung in den Graßl-Saal


In derselben Zeitungausgabe, die dieses Treffen ankündigte, ließ der Kötztinger Krieger- und Veteranenverein mitteilen, dass er seine zeitgleich geplante Versammlung verschieben wolle.
Vieles spricht dafür, dass es sich bei dem angekündigten ‚Grafen Arco‘ um Anton Graf von Arco auf Valley handelte, den Attentäter auf den bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner.“ Eisner wurde am 21. Februar 1919 von Anton Graf von Arco auf Valley auf dem Weg zum Bayerischen Landtag durch zwei Schüsse ermordet.
Arco wurde zunächst zum Tode verurteilt. Bereits einen Tag nach der Urteilsverkündung wandelte die Bayerische Regierung die Strafe jedoch in lebenslange Festungshaft um. Seine Haft verbüßte er in Landsberg am Lech, wo später auch Adolf Hitler einsaß. Die sogenannte Festungshaft war eine privilegierte Form des Strafvollzugs für politische Straftäter mit angeblich „ehrenhaften Motiven“. Die Häftlinge mussten keine Zwangsarbeit leisten, konnten Besuch empfangen und verfügten über vergleichsweise komfortable Haftbedingungen.
Dass es sich bei dem für Kötzting angekündigten Redner tatsächlich um Anton Graf von Arco auf Valley handelte, lässt sich aus der Ankündigung allein zwar nicht mit letzter Sicherheit beweisen. Es spricht jedoch vieles dafür. Der Vortrag sollte unter dem Titel „Republik oder Monarchie?“ stattfinden und wurde vom Bayerischen Heimat- und Königsbund veranstaltet. Zudem hieß es im späteren Zeitungsbericht ausdrücklich: „Anstelle des unliebsam verhinderten Grafen Arco ...“
Sollte tatsächlich Anton Graf von Arco auf Valley als Redner vorgesehen gewesen sein, so hätte die Ortsgruppe einen Mann eingeladen, der durch das Attentat auf Kurt Eisner bayernweit bekannt geworden war und bei dem Anschlag selbst schwer verletzt worden war.
Die Kötztinger hätten also möglicherweise einen verurteilten politischen Attentäter als Festredner eingeladen.
Und so war der Graßl-Saal bis auf den letzten Platz gefüllt und die Schlagworte bzw. Zitate, die in der nächsten Zeitungsausgabe abgedruckt waren sprechen eine eindeutige Sprache:
Die Rede war vom "verhängnisvollen 7.11.1918 (erzwungene Abdankung König Ludwigs III). der Frage, ob Bayern monarchisch oder republikanisch regiert werden solle. Aus einer ganzen Liste an Vorwürfen gegen das reich und die Behandlung Bayerns entstand angeblich dann das das Ziel dieses Bundes; ein "freies und unabhängiges königliches Bayern in den Vereinigten Staaten von Großdeutschland. Es ist dies die Reaktion auf die sozialistische Revolution, republikanische Korruption und Missregierung und auf die Vormachtstellung Preußens, die durch die Wilhelminische Ära das Unglück des verlorenen Krieges auf dem Gewissen hat."
Diese Kampfansage an die Republik sollte später dann im Besuch des Kronprinzen Rupprecht gipfeln und zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen der Kötztinger und den Chamer Zeitung führen, in der vor allem von Seiten der Kötztinger - meiner Meinung nach - alle Grenzen des politischen Anstands überschritten wurden.
Dieser Teil wird aber erst im Zusammenhang mit dem großen Volksfest und dem Heimattag bearbeitet.
Hier noch ein kleines Detail zum - geplanten und dann doch abgesagten - Vortrag des Grafen Arco:
Sein vermutlich geplanter feuriger Apell zugunsten der Monarchie und gegen die Republik im, wie berichtet - übervollen Graßlsaal steht im starken Kontrast zu den in der Woche zuvor veröffentlichten Ergebnissen der Volksabstimmung zur "Fürstenfrage"
Eindrucksvoll zeigten 96 Prozent der abgegebenen Stimmen, dass sie auch für die Einziehung der Vermögenswerte der Fürsten stimmten, wie auch die Zahlen für Kötzting und den Bezirk zeigten:
ABER: die Gesetzesvorlage schrieb ein Quorum von 50 Prozent der Abstimmungsberechtigten vor und dieses Quorum wurde nicht erreicht und so blieb eben alles beim Alten.
Und noch eine Neuigkeit bahnte sich an: Michl Miethaner lud zu einer Einstandfeier für seine neu errichtete Kegelbahn:
Und noch ein weitere Veranstaltung kündigte sich mit großen Versprechungen an .... die Kötztinger waren wohl etwas reserviert, wie man zwischen den Zeilen herauslesen kann. Was allerdings "Zahnakrobaten" waren, würde mich schon interessieren....
"
Kötzting, 13. Juli. (Varieté-Schau Globus in Kötzting.)
Die Varieté-Schau Globus gastiert vom 10.–16. Juli in Kötzting und liefert wahrhaft Unglaubliches. Damen und Herren treten in abwechslungsreichem Programm auf. Künstler auf Stühlen und Leitern, Zahnakrobaten halten die Zuschauer in höchster Spannung. Clowns sorgen in urkomischen Possen für den nötigen Humor. Theaterstücke und Pantomimen wahrhaft zum Tränenlachen.
Nachdem die Eintrittspreise auf die Grenze des Möglichen gesetzt sind, ist jedermann in der Lage, sich diese erstklassigen Vorstellungen anzusehen. Es ist klar, dass diese Leute auch verdienen müssen und nicht von der Luft leben können, nachdem die Reisen schon mit großen Unkosten verbunden sind und das Leben so teuer ist. Leider sind die zahlenden Zuschauer in den ersten Vorstellungen sehr wenig gewesen. Hoffentlich tritt da in den nächsten Vorstellungen eine Besserung ein.
Wer ein wenig Nächstenliebe hat, der komme zu den Vorstellungen und er wird zufriedenstellend den Platz verlassen, denn diese Leute müssen sich durch ihre halsbrecherischen Vorführungen ihr Geld wirklich verdienen. Darum auf zur Varieté-Schau heute Abend auf dem Marktplatz. – Täglich neues Programm –
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Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
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Nicht alle Geschichten spielen innerhalb der Marktgrenzen Kötztings. Die Markergruppe Umland führt zu historischen Orten, Ereignissen und Erinnerungen aus den umliegenden Dörfern und Gemeinden des Kötztinger Landes. Oft ergeben gerade diese Beiträge spannende Verbindungen zur Geschichte der Stadt.
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Das Schützenhaus wird gebaut und eingeweiht
Der Kötztinger Schützenverein - damals noch die Feuerschützengesellschaft - hatte sich verpflichtet, zum Kötztinger Heimattag einen Schießstand in der Nähe des Festplatzes zu erbauen.
Lange Zeit sah es nicht danach aus, dass dieses Gebäude errichtet werden würde, da die Feuerschützengesellschaft nicht rechtzeitig aktiv geworden war.
"Kötzting, 16. Juni. (Volksfest 1926.)
Die eingesetzten Ausschüsse sind mit den Vorarbeiten für das Volksfest tätig. Vermisst wird aber die Tätigkeit der Feuerschützengesellschaft. Hier scheint nicht viel Interesse zu bestehen. Soviel aber bekannt, ist die Gemeinde bereit, einen Schießstand in der Nähe des Festplatzes zu errichten. Es liegt sonach in der Hand der Vorstandschaft der Schützengesellschaft auch das Übrige zur Erreichung dieses Zieles zu tun.
Soviel man hört, soll die Errichtung des Schießstandes an der Platzfrage scheitern. Man soll doch nicht annehmen dürfen, dass das Festschießen wegen ein paar Quadratmeter Grund zu scheitern kommt, denn kleine Hindernisse, falls solche bestehen sollten, dürften doch überbrückt werden können.
Den größten Teil der männlichen Festbesucher, welche doch größtenteils den Weltkrieg mitgemacht haben, dürfte es Freude bereiten wenn es auf dem Festplatz kracht. Auch ein Schützenzug ist eine Zierde für den Markt.
Außerdem sind die Schützen doch diejenigen Brüder, die Leben in das Fest bringen und Geld im Orte liegen lassen. Darum auf Ihr Schützenbrüder, trachtet im Benehmen mit der Gemeinde, dass das Gauschießen in Kötzting stattfinden kann.
Es ist höchste Zeit, weil das Programm fertiggestellt werden muss, um in den Druck gegeben zu werden."
Der Apell des Magistrats zeigte Wirkung, denn mit dem Datum des Juli 1926 wird ein Bauplan eingereicht.
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| Sammlung Auzinger |
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| Sammlung Auzinger |
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| Sammlung Auzinger Dieser Plan für den großen Schießstand trägt das Datum des 11.8.1926, also gerade mal 10 Tage vor dem Beginn des Volksfestes. |
Im - äußerst umfangreichen - Zeitungsbericht über das Gaufestschießen ist davon die Rede, dass noch am Freitag vor dem Start die letzten Vorbereitungen an der neu errichteten Schießstätte durchgeführt wurden.
Weiter heißt es in dem Bericht:
"....Hochgeehrt fühlte sich die Feuerschützengesellschaft durch den Besuch Seiner Kgl. Hoheit
Kronprinz Rupprecht am Sonntagmittag. Der hohe Gast verweilte längere Zeit unter den Schützen und drückte sich ebenfalls anerkennend über die herrliche Schießstätte aus.
Donnernde Hochrufe aus Schützenkehlen ertönten, als Seine Kgl. Hoheit die Schießstätte verließ...."
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| Sammlung Auzinger: Kronprinz Rupprecht vor dem Kötztinger Schützenheim |
Weiter wird über das Schützenheim berichtet:
".... Zwölf Jahre sind vergangen, seit der letzte Schuss auf der alten Kollmaier-Schießstätte gefallen ist. Die Feuerschützengesellschaft Kötzting war mangels einer Schießstätte zur Passivität verurteilt. Nun hat sie wieder ein Schützenheim, eine Schießstätte, um die sie viele auswärtige Schützen beneidet haben. Es ist bei Verdienst des 1. Schützenmeister Herrn Karl Obermayer und seines treuen Mitarbeiters Franz Heigl jun. Ihnen sei hiermit für ihre unermüdliche Tätigkeit Dank und Anerkennung
ausgesprochen.
Die Kötztinger Schützen haben nun wieder eine Schießstätte, mögen sie die Gelegenheit benützen und sich fleißig üben Schützenheil!...."
Das Schützenheim war also zunächst von der Kötztinger privilegierten Feuerschützengesellschaft gebaut worden. Parallel dazu führten auch die "Zimmerbüchsler der 1. Zimmerstutzenschützen=Gesellschaft" ihr Volksfestschießen ab.
Einschub Zitat aus einem Manuskript über die Geschichte der Zimmerstutzengesellschaft
1932 wurde die bis dahin eigenständige kgl. priv. Feuerschützengesellschaft Kötzting wegen der hohen Schuldenlast aufgelöst. Das Erbe fiel zunächst an den Markt Kötzting, der es später im Jahre 1959 offiziell mit einem Erbbaurechtsvertrag an die 1. Zimmerstutzen-Schützen-Gesellschaft weitergab: Die Schützenhalle am Bleichanger. Seit dieser Zeit wurde die Schützenhalle immer wieder saniert und bis zum heutigen Stand ausgebaut.
Einschub Ende
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| Sammlung Auzinger - Schießstand |
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DIA-Repro 7440 Feuerwehrführer Kurs des Bezirks Kötzting vom 23. - 25.4.1928
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sitzend 1. Reihe:
Heigl Franz, 3. Krämer Julius, 5. Januel Leopold, 8. Obermeier Karl 11. Thoma Bezirksamtmann, ;
12. Weingut Franz, 15. Lemberger Hans Lam, 16. Geiger Posthalter Lam, 22. Stücker Hans.
stehend 2, Reihe:
4, Eiberger Reitenstein, 7, Hafensteiner Beckendorf, 8, Brandl Sepp Thenried, 11. Baumann Josef Eschlkan,
3, Reihe unbekannt
4. Reihe 1. Mühlbauer Mich Gehstorf.
5, Hastreiter Großaigen,
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| U33- das Schützenheim |
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Das gesellschaftliche Leben prägte Bad Kötzting über Generationen hinweg. Vereine, Feste, Feiern, Theateraufführungen, Turnveranstaltungen und viele weitere Ereignisse hinterließen ihre Spuren in der Stadtgeschichte.

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Das Volksfest im Jahre 1926 sprengte jeden Rahmen, den man in Kötzting von solchen festen gewohnt war und kann erst wieder mit den Volksfesten in der Mitte der 50er Jahre verglichen werden, als sich rund herum um die Festwiese auch ein großes Rahmenprogramm entwickelte.
Allerdings wussten unsere Kötztinger Vorfahren nicht, dass es mehr als 2 Jahrzehnte dauern würde, bis es zum ersten Male wieder ein - wenn auch viel kleineres und kürzeres - Volksfest in Kötzting geben sollte.
Nicht nur das oben gezeigte Plakat warb einst für das Fest – darüber hinaus ließ man sogar einen eigenen Werbeprospekt drucken. Mit seinen vielen Einzelheiten zum Programm und den zahlreichen besonderen Anzeigen ist er weit mehr als nur eine Ankündigung: Er ist ein Stück gelebter Zeitgeschichte. Deshalb möchte ich ihn hier vollständig vorstellen – als eine kleine Zeitreise in die Zwischenkriegszeit in Kötzting.
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| StadtA Kötzting 320/926 |
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| Es scheinen hier viele Bier- und Festzelte aufgestellt worden zu sein..... |
Bezirksfest Kötzting!
Kötztinger Heimatwoche vom 14. bis 22. August. Die Vorbereitungen für das Fest werden mit regstem Eifer betrieben. Vor allem wurde die Festfolge beschlossen. Die Heimatausstellung ist während der ganzen Volksfestdauer geöffnet. Sie umfasst die Abschnitte:
heimatliche Natur, das tägliche Leben im Waldler- und Bürgerhaus, die Entwicklung des gewerblichen und industriellen Lebens, die Heimat in der künstlerischen Darstellung, die Heimatgeschichte, das Bergwandern und die heimatliche Literatur.
Besondere Betonung erfahren die weltlichen und religiösen Volksgebräuche.
Außer einer Reihe von Einzelgegenständen wurden bereits ganze Sammlungen gewonnen, so die Mineraliensammlung von Herrn Forstmeister Hubrich, dann eine prächtige Schmetterlingssammlung mit Darstellungen der Entwicklung der Schmetterlinge und eine große Zahl von Ölgemälden und Aquarellen über unsere Heimatlandschaft.
Am 21. August findet von 1 bis 3 Uhr im Graßlsaal die Heimattagung statt, zu der der Männergesangverein Kötzting seine Mitwirkung zugesagt hat. Nach dem Begrüßungsgedicht, vorgetragen von einem Mädchen in alter Tracht, spricht Studienrat Hubrich über die Entstehung des Waldgebirges; darauf folgt ein Bericht über Kötztings Geschichte von einem auswärtigen Historiker von Ruf und schließlich der Vortrag eines Böhmerwäldler Schriftstellers.
Punkt 3 Uhr setzt sich der Festzug in Bewegung. Als Hauptgruppen sind dafür in Aussicht genommen und teilweise auch schon gewonnen:
Feld- und Waldwirtschaft mit Holzgewerbe und Holzindustrie,
die Waldlerheimarbeit
die Waldfrüchteverwertung
die Steinbearbeitung und Glasmacherkunst
Jagd und Fischerei;
Wasserkraft in alter und neuer Zeit,
Als zweites Thema kommen die Oster- und Pfingstgebräuche zur Darstellung mit einer
Pfingstreiterehrengruppe. Außerdem wird ein bäuerlicher Hochzeitszug die Beschauer erfreuen.
Bei allen Gruppen ist der heimatliche Charakter betont, darum ist auch der Waldlertracht und der früheren bürgerlichen Tracht die Vorherrschaft im Festzug eingeräumt.
Auf dem Festplatz, der mit einer geräumigen Tribüne versehen wird, kommt das Volksleben in seinen mannigfachen Gebräuchen zur Darstellung. Es sei nur erwähnt, das Pfingstuschen, das Maibaumsteigen, die Bauernhochzeit und die alten Waldlertänze.
Den Beschluss des Heimattages wird das Abbrennen von zahlreichen Höhenfeuern bilden.
Am Ende des langen Werbeartikels wendet sich der Magistrat an seine Kötztinger Bürger:
"Der Heimatausschuss richtet an alle Bewohner des Bezirkes die Bitte, allen alten, volkskundlich bedeutsamen Hausrat, jedes Trachtenstück, jedes schöne alte Bild, alte Urkunden, schöne Gläser, sogar Firmtaler und Wachsstöcke, kurz, all das, was sich aus einer schöneren und originelleren Zeit erhalten hat, mündlich oder schriftlich möglich sofort dem Herrn Bankdirektor Würz bekannt zu geben. Besonders dankbar wäre der Ausschuss, wenn sich von jedem Ort eine geeignete Persönlichkeit als Werber- und Sammler melden wollte."
In einer Marktgemeinderatsitzung im Sommer finden sich einige Beschlüsse, die den Erfolg des Volksfestes garantieren sollten:
"Punkt 13: Zur vorläufigen Deckung für das Volksfest wird ein Darlehen von 5000 M bei der Wasserleitungskasse, rückzahlbar nach dem Volksfest aufgenommen.
Punkt 14: Zur Errichtung des Feuerschützenstandes neben dem Festplatz wird ein Zuschuss bewilligt, wenn der Schützenstand so rechtzeitig fertig wird, dass während des Volksfestes ein Festschießen veranstaltet werden kann.
Punkt 15: Zur Veranstaltung eines Zimmerstutzenfestschießens während des Volksfestes wird ein Zuschuss bewilligt."
Mitte Juli werden dann die "Kirtastände" für den Volksfestplatz öffentlich versteigert:
Ähnlich wie heutzutage die "Pfingstbeilage", versuchte auch der Kötztinger Anzeiger eine Sonderausgabe herauszubringen und bat um Anzeigen und Beiträge
Und dann war der große Tag gekommen, das Volksfest konnte beginnen:  |
| Das Lagerhaus gegenüber dem Gasthaus Decker war der "Gruber" in der Metzstraße |
Das Programm der ersten Woche:
Zwei große Umzüge sind geplant, der Festzug am Sonntag und der Kinderfestzug am Dienstag, hier die "Zug=ordnung"
Obwohl das Programmheft bereits gedruckt war, gelang es dem Festausschuss in letzter Minute, noch eine zusätzliche Attraktion auf die Beine zu stellen. Am Festdonnerstag sollte erstmals ein großer Korso mit Fahrrädern, Motorrädern und Automobilen durch den Markt ziehen – für Kötzting damals eine echte Neuheit.
"Radfahrerblumenkorso
"Nur mehr einige Stunden trennen uns vor Beginn des frohen Tun und Treibens draußen auf der Festwiese, den Bleichanger. Für alle, Groß und Klein, Jung und Alt bietet die Festordnung Dinge, woran sich Herz und Auge erfreut. Möge uns Kötztingern „Petrus“ hold sein.
Der Festausschuss macht nun noch in letzter Stunde die Bevölkerung von nah und fern auf eine Glanznummer aufmerksam, die verschiedener Umstände halber nicht in der Festordnung enthalten ist, die aber Dank der Arbeiten des betreffenden Festkomitees als sicher bestehend gelten kann.
Am Donnerstag, den 19. August nachmittags 3 Uhr bewegt sich durch die Straßen unseres Marktes ein Festzug zu Rad und — was für Kötzting neu ist, — zu Motorrad und Auto. An alle Radfahrer(innen) von Kötzting ergeht an dieser Stelle aus nochmals die freundliche Einladung durch zahlreiche Beteiligung der Festtag verschönern zu helfen. Besonders an die Kraftrad- und Kraftwageneigentümer von nah und fern ergeht nochmals der dringende Appell, das an Sie ergangene Einladungsschreiben zur Beteiligung nicht achtlos beiseite zu legen, damit die Korsofahrt die Erwartungen übertrifft und der Donnerstag nicht den übrigen Festtagen nachsteht. Männlein und Weiblein aus allen Himmelsgegenden dankt den Bemühungen des Festausschusses indem Ihr als Festbummler Euch diesen Genuss nicht entgehen lasst.
Aufstellung erfolgt Donnerstag nachm. Zweieinhalb Uhr in der unteren Bahnhofstraße. Beginn des Korsos Punkt 3 Uhr. Weitere Auskünfte erteilen die Herren: Schreinermeister Pongratz, Dentist Rudolf Michl, u. Carl Gschaider."
Wenig ist bisher über die Festwiese bekannt und noch weniger über mögliche Schausteller, aber aus einem Vorbericht erfahren wir dann doch noch einige Details darüber, was die Besucher des Volksfestes erwartet:
"Bezirks-Tierschau Kötzting
Für die auszustellenden Tiere stehen am Donnerstag, den 19. August 1926 zu den Frühzügen sowohl in Lam wie in Furth i. W. Wagen bereit.
— Wer die Wahl, hat die Qual! Dieses Sprichwort lässt sich auch auf die Besucher der Festwiese trefflich anwenden, zumal in der Frage der „Stoff“-Beschaffung.
Gar mancher Bierkenner, der mit dürstender Kehle die Reihen der Zelte abschreitet, wird sich wohl nicht so rasch zur Wahl einer Bude entschließen können. In jedem Zelt winkt ein guter Tropfen edlen Gerstensaftes, aus jeder Küche brodelt und strömt es mit appetitlichen Düften, in der Post-Bierhalle locken die Klänge der Landauer-Bauernkapelle, beim Graßl konzertiert Kötztings Musik, im Thomasbräuzelt ertönen schneidige Weisen der kostümierten Kapelle Kammen und endlich im urgemütlichen Röhrlbau gastiert der weltbekannte Komiker Toni Mauser mit seinen Getreuen, die mit humoristischen und musikalischen Vorträgen die Sorgen des Alltags verscheuchen.
Was die Schaustellungen anbetrifft, so ist daran kein Mangel. Karussel, Schiffschaukel, Rutschbahn, Berg- und Talbahn .... alles ist erstklassig vertreten, so dass Jung und Alt auf seine Rechnung kommt. Besonders sei das Raubtier-Variete Rupperty erwähnt, das ebenfalls auf dem Festplatz sein Lager aufgeschlagen hat. Eine reichhaltige Schau von exotischen Tieren fast jeder Gattung ist dort in den Vorstellungen, die ein großes Programm versprechen, zu sehen und sollte daher niemand versäumen, die Schau zu besuchen. Näheres ist dem heutigen Inserat zu entnehmen.
Was in den Kräften der Menschen gestanden hat, ist geschehen. Möge nun St. Peter ein Einsehen haben und uns ein gnädiges, sonnenstrahlendes Wetter bescheren, auf dass eine wirkliche Festesfreude herrsche!"

Aus dem Zeitungsbericht über das erste Volksfestwochenende erfahren wir auch einige interessante Details über die Festwiese auf dem Bleichanger selbst. Zuvor noch ein bemerkenswertes Detail zum Festzug: Als besonders originell wurde der Wagen der Brauerei Schmid beschrieben, der den Bierkönig Gambrinus auf einem riesigen Bierfass darstellte. Dieses Motiv kennen wir von zahlreichen Fotos des nächsten Kötztinger Volksfesteinzugs wieder – allerdings erst 23 Jahre später im Jahr 1949.
Die Beschreibung der Festwiese:
"....Höchst originell und einzigartig war der Wagen der Brauerei Schmid, Gambrinus auf einem riesigen Bierfaß darstellend, von einer Schar Schäffler in ihrer schmucken Tracht begleitet. Interesse erweckte auch die Kapelle Kammern, die in ihrer historisch getreuen Uniform der alten Bürgermiliz sich am Zuge beteiligte.
Draußen vor der Eingangspforte, die in gefälliger Obeliskenform und mit Grün geschmückt von unserem Baukünstler M. Herre entworfen und ausgeführt, drängte sich die Menge Kopf an Kopf um Einlass zu den vielerlei Herrlichkeiten zu erlangen, die hinter den Torgittern lockten. Und wem es endlich gelungen, seinen Fuß über die Schwelle zu setzen, der staunte ob der Fülle von Schaustellungen und Buden, die sich seinen Augen bot.
Neben einigen reizenden Verkaufsständen sticht, alles weithin überragend, die Rutschbahn, einladend zu fröhlicher Fahrt aus luftiger Höhe. Gleich oberhalb, über der Straße steht das Bierzelt der Brauerei Schmid, aus der die schneidigen Klänge der Landauer Bauernkapelle ertönen und das stets belebt, von Neugierigen umlagert wird. Daran schließt sich, mit einem Verkaufsstand dazwischen, Ruppert's berühmte Raubtier-Menagerie, das durch seine erstklassigen und gediegenen Leistungen stets ein vollbesetztes Haus aufweisen kann. Nicht weit davon winkt die gemütliche Festdiele M. Röhrls, wo man bei prima Weinen, Weißbier und delikaten Bissen sich Toni Mausers urkomische Vorträge anhören kann oder die musikalischen Feinheiten eines einschmeichelnden Streich-Orchesters genießt.
Das Bierzelt der Thomas-Brauerei Münchens bildet den Schluss zur Linken und wenn man die Ausstellung in der Turnhalle, die überaus wertvolle Dinge in sich birgt und ein Kapitel für sich bildet, übergehen will, gelangt man nach rechts zum Klein-Karussell, wo sich die Jüngsten auf Pferdchen und anderem Getier tummeln mögen. Nachdem man noch eine Schiffschaukel passiert, führt einen der Weg in die Weinstube Liebl, die wirklich gemütlich und volkstümlich, zu längerem Bleiben gerne einlädt. Nebenan verführt die Musikkapelle Kötzting, die in altgewohnter Präzision im Bierzelt Franz Graßl konzertiert, zur Einkehr, zumal der verschänkte Stoff des Trinkens gewiss wert ist.
Eine Schießbude versucht Zielsichere zum Glücksschuss, daneben winkt die Berg- und Talbahn zu rasender Fahrt. In der nächsten Schaustellung produziert sich die „Eiserne Dame“ mit unverwüstlichen Muskeln, ein Schnellphotomann knipst jeden und jede für nur 50 Pfg., wer Glück hat, holt sich aus dem nachfolgenden Stande durch Ringewerfen eine Flasche Wein oder irgendeinen Gegenstand. Zuguterletzt mag man sich noch an den urwüchsigen Späßen des Kasperl ergötzen, der nahe der Eingangspforte sein ulkiges Lager aufgeschlagen hat. In der Mitte steht der Glückshafen und besonders Glückliche tragen schöne Treffer davon.
Dazwischen hinein verstreut Verkaufsstände mannigfacher Art, die den Bedürfnissen in Süßigkeiten, Ess- und Rauchwaren aller Wiesenbesucher gerecht zu werden vermögen. In der Ambergerwiese stehen eine landw. Maschinenschau von M. Vogl sowie schöne Arbeiten der Schmiedemeister Stöberl und Hofmann, sämtliche Aussteller von hier. Ferner haben noch ausgestellt Baumaterialiengeschäft M. Herre, Kötzting und Sägewerk Greil, Großmühle. Die Budenstadt kann sich sehen lassen!"
Alleine 4 Bierhallen werden auf dem Festplatz errichtet, die von Michl Röhrl, Franz Graßl und der Familie Schmidt, also dem Hotel zur Post und noch die Wagnerhalle.
4 Bierzelte - 4 Musikkapellen - 4 Biersorten

Der neugeschaffene Radfahrkorso:
Aus dem Zeitung erfahren wir einige Details von dieser Neuerung:"... Der gestrige Donnerstag schien wenig günstig und verheißungsvoll für den angelegten Blumen-Korso zu werden, denn am Vormittag regnete es in Strömen. Aber St. Peter wollte kein Spielverderber sein und so ließ er lachenden Sonnenschein auf die Erde fallen, als nachmittags 3 Uhr der Radfahr-Korso sich in Bewegung setzte.
An der Spitze Herr Sattlermeister Mühlbauer mit dem Veloziped, dem Vorläufer des heutigen Fahrrades, nach der flott spielenden Musikkapelle Landau die Kötztinger Radfahrer-Standarte und in einem langen farbenfrohen Zuge die Radfahrerinnen und Fahrer mit ihren blumen- und bändergeschmückten Vehikeln.
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| Foto Pongratz: die Standarte des Kötztinger Fahrradvereins |
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| Foto Pongratz: die Standarte des Kötztinger Fahrradvereins |
Als zweite Gruppe folgten Krafträder, die ebenfalls sinnig geschmückt, Leben in den Zug brachten. Als höchst originell konnte die Kostümierung zweier Kraftfahrer als Affen aufgefasst werden, die durch ihr Erscheinen und ihr „natürliches“ Benehmen allgemeine Heiterkeit erregten.
Den Schluss bildeten die Kraftwagen und es war nur zu bedauern, dass ihrer nicht mehrere gewesen. Vornehm und elegant ein Wagen wie der andere und es fiel schwer, nur einen den schönsten zu nennen.
Erheblicher Dank gebührt daher den Herren, die die Mühe des Arrangements übernommen, ebenso wie Aller hervorhebend gedacht sei, die durch ihre Teilnahme zum Gelingen beigetragen"
Die Ausstellung in der Jahnhalle:
Hier ist für mich besonders bemerkenswert, weil der Kötztinger Künstler August Philipp Henneberger hier mit einem Frühwerk herausgehoben wird:
"... Aus der Fülle des Gebotenen seien nur herausgegriffen die höchst interessante Gesteinssammlung unseres verehrten Herrn Forstmeisters a. D. Hubrich, die sehr geschmackvoll und vornehm aufgemachte Ausstellung der Konservenfabrik Kötzting, sowie neben anderen Bildern einheimischer Künstler wie Stoiber= Kötzting, Hamsa=Landshut das Kolossal=Gemälde des hl. Sebastian, das ein junger Kötztinger, Herr Gustl Henneberger ausgestellt hat.
Als Prunkstück darf die einzigartige Sammlung des Herrn Konrad Krämer gelten, die ihresgleichen sucht. Münzen, Briefmarken, Urkunden, Notgeld, Waffen, Uhren, Porzellan, kurz alles, was eines Sammlers Herz erfreuen kann, ist dort in den seltensten Arten vertreten. Prominente Persönlichkeiten haben deshalb nur rühmend darüber geurteilt und ihre Anerkennung ist auch in vollem Maße verdient. Versäume daher niemand den Besuch."
Der Kinderfestzug erfreute sich offenbar großer Beliebtheit. Auf vielfachen Wunsch hin erhielten die Kötztinger Kinder sogar ein zweites Mal die Gelegenheit, festlich geschmückt durch den Markt zu ziehen. Der Festausschuss setzte den Kinderfestzug daher für Sonntag, den 22. August 1926, erneut auf das Programm.
Und dann kam das zweite Wochenende und mit ihm dann der Heimattag und nach ihm der sogenannte "weiß-blaue" Tag.
.... wird fortgesetzt
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Diese Jahreschronik wird noch mehrmals ergänzt werden, siehe Inhaltsverzeichnis am Bloganfang.