Mit der sogenannten Uraufnahme und der beginnenden Landvermessung zählte Kötzting insgesamt 159 Anwesen. Die Geschichte dieser Bürgerhäuser und ihrer Bewohner nachzuzeichnen und möglichst genau zu dokumentieren, ist das Anliegen dieser Häuserchronik. Wer sich näher mit den frühen Entwicklungen unserer Heimatstadt beschäftigen möchte – von den ersten Urhöfen bis zur Erhebung Kötztings zum Landgerichtsort –, findet dazu ausführliche Informationen in einem einleitenden Blogbeitrag.
Eine grafische Übersicht über die bereits veröffentlichten Hauschroniken gibt auch die neue interaktive Karte.
Bei den nun folgenden zehn Anwesen ist allerdings eine Besonderheit zu beachten: Die Häuser mit den alten Hausnummern 113 bis 123 bestanden bereits lange vor dem großen Marktbrand von 1867, wurden nach der Katastrophe jedoch nicht mehr an ihren ursprünglichen Standorten errichtet. Mit der Neuordnung des unteren Marktes und dem Bau der unteren Marktstraße, des Pfeffergrabens sowie später der Holzapfelstraße entstand ein neuer Ortsteil, in den die bisherigen Hausnummern übertragen wurden.
Die Identifizierung dieser Anwesen ist deshalb heute nicht mehr über ihre frühere Lage möglich, sondern ausschließlich über die weitergeführten alten Hausnummern.
Alte Hausnummer 121
beim Hartl
![]() |
| StA Landshut LGäO Kötzting Nr. 793 Magistratswahlen von 1806 Wahlzettel und Bürgerliste |
Achtung: die hier aufgeführte Hausnummerierung wurde später abgeändert, nur die Reihung blieb bestehen.
Hausnummer 99 Anton Mack (=spätere alte Hausnummer 119)
Hausnummer 100 Ander Brebeck (=spätere alte Hausnummer 120)
Hausnummer 101 Johann Drunkenpolz ((=spätere alte Hausnummer 124)
Die "übersprungenen" beiden späteren alten Hausnummern 121 und 122 existierten im Jahre 1806 noch nicht. Die Nummer steht für das Bürgerspital, das natürlich nicht in der Wählerliste stehen konnte.
![]() |
| StA Landshut Rentamt Kötzting B27 |
Auf Ander Brebeck (120) folgt direkt der Schmied Drunkenpolz (124)
Die nächste vollständige Hauserliste, die uns weiterhelfen könnte, ist der Grundsteuerkataster des Jahres 1840/41 und hier werden wir fündig und erfahren auch das genaue Datum, an dem dieses Haus neu erbaut worden ist.
![]() |
| StA Landshut Grundsteuerkataster 5039 |
Hofraum 1/6 Antheil gemeinschaftlich mit Hausnr. 97,101,120,122 und 127
Gärtl
Wir haben damit als den Erbauer des Hauses und den ersten Besitzer:
Johann Hartl und Barbara Lanzinger
Magdalena Haas befolgt offensichtlich den guten Ratschlag nicht, denn schon 4 Jahre später kommt es zur erneuten Verhandlung in derselben Angelegenheit:
Verglichen weil die Beklagte ohnehin nur eine Mitwisserschaft vermuthet hat . Beklagte muss 3 fl in Zukunft zahlen, wenn sie weiter entehrende Äußerungen und Vorwürfe sich schuldig macht.
![]() |
| StA Landshut Grundsteuerkataster 5045 |
Hauptgebäude:
![]() |
| StadtA Kötzting AA XI 72 |
Hartl Josef und Kalb Theresia
![]() |
| StA Landshut Grundsteuerkataster von 1860 |
Laut Anmeldeprotokoll Nro 332 und Briefs vom 20. März 1858 von den Johann Hartlschen Relikten übernommen."
Der Marktbrand vom Juni 1867
Vor 45 Jahren, die Nacht vom 3. auf 4. Juni, Montag auf Dienstag, war für unsern Markt eine Schreckensnacht. Die Einwohnerschaft hatte sich eben zur Ruhe begeben und lag im tiefsten Schlaf. Nur auf dem Kollmaier-Keller unten weilte noch eine Hochzeits-Gesellschaft; Bräutigam war der Stockmüller Hermann (Vater der † Frau Kiesl.) Heimkehrende Festgäste bemerkten zuerst – es war gegen ½12 Uhr – die aufsteigende Feuersäule und machten Lärm: es brennt beim Voglbäck (jetzt Hahn). Allein bis die Gefahr nur gemeldet wurde, hatte das gefräßige Element schon um sich gegriffen und bis die Schläfer alle geweckt wurden, stand schon die ganze Häuserreihe links der Marktstraße hinauf in Flammen, so daß viele froh sein durften, nur das nackte Leben zu retten.
Zwar waren die vornehmeren Bürgerhäuser schon gemauert, trugen jedoch vorwiegend Legschindeldächer; zahlreiche kleinere Häuschen waren aber noch aus purem Holz gezimmert.
Dazu kamen noch die aufgespeicherten Holzvorräte. Genug ganze Reihen von hölzernen Hintergebäuden, zwischen denen nur ein ganz finsterer Steig vom Drunkenpolz zum Friedhof hinanführte, die sog. „Bollburg“ (d. i. Bollwerk, denn sie standen auf den Grundmauern der einstigen Marktbefestigung); lauter Nahrung für das gefräßige Feuer. So gewaltig war die Feuersbrunst, dass in Vilshofen und in Regensburg Leute auf den Brücken stehen blieben und ihre Vermutungen anstellten.
Vom Entstehungsplatze aus griff das Feuer mit Windeseile um sich, nach oben und nach unten, auch wieder Dächer überspringend. Die Oberen wußten nicht, daß es unten, die Unteren nicht, daß es oben brenne. Wasserleitung und Hydranten kannte man noch nicht; das Feuerlöschwesen war nur wenig entwickelt. Die Löscharbeiten konnten also nichts bedeuten, ratlos und hilflos stand man der verheerenden Feuersbrunst gegenüber. Es hatte auch jeder mit sich selber zu tun, um nur geschwind die Kinder und das Vieh herauszuholen; denn auch die rechte Marktseite war schon bedroht und ihre Bewohner mit dem Ausräumen beschäftigt.
Da war's nun rührend zu sehen, wie die verschont Gebliebenen ihren obdachlosen Mitbürgern Unterkunft und Herberge anboten; selbst im Pfarrhof war Einquartierung. Dennoch mussten Familien wochenlang in Städeln kochen, wohnen und schlafen.
Der Bräu von Blaibach brachte zuerst eine Fuhre Brot und weinend nahmen die Familienväter die Laibe in Empfang. Auch sonst kam Hilfe von überall her: ganze Wägen voll Lebensmittel, Getreide, Wäsche, Kleidung etc. kamen aus den Nachbarorten den ganzen Sommer hindurch und gelangten in der Landgerichts-Remise (jetzt Amtsgericht) täglich von 10–11 Uhr zur Verteilung. Es wurde ein Hilfskomitee gebildet, bestehend aus den Herren: Pfarrer Lehner, Notar Wittmann, Bürgermeister Haas, Süß, Österer, Lukas, Kraus.
Rasch ging es an den Wiederaufbau des Marktes. Versichert waren die meisten wohl, aber unzureichend. Dafür trug eine Landessammlung soviel ein, dass auf jeden Brandleider 500 Gulden entfielen. Die Bauern fuhren Bäume herbei und bis zum Winter waren viele Wohnungen zur Notdurft wieder hergerichtet; andere wurden erst im nächsten Jahre fertiggestellt.
Schöner ist der Markt ja geworden, aber die vom Unglück Heimgesuchten können uns Jüngeren erzählen, was sie durchgemacht haben. Auch die Marktgemeinde selber musste finanzielle Opfer bringen, an deren Folgen wir jetzt noch zu leiden haben. Feuerwehr und Wasserleitung tun es nicht allein; aber durch den Schutz des Himmels möge unser Markt vor solchem Brand-Unglück bewahrt bleiben!"
![]() |
| Detail aus StA Landshut Rep 164/8 Nr. 1570: der Marktbrand in Kötzting |
Bereits am Folgetag versuchte sich der damalige Bezirksamtmann Carl von Paur durch ein tabellarisches Protokoll ein Bild von der katastrophalen Lage und den Bauschäden in Kötzting zu machen..
Zuerst jedoch wurde versucht eine Beschreibung "pro ante" des jeweiligen Brandleiders zu erstellen:![]() |
| StA Landshut Rep 164-8 Nr. 1570 Der Marktbrand in Kötzting |
Unterschrift Jos. Hartl"
![]() |
| StA Landshut Rep 164-8 Nr. 1570 Der Marktbrand in Kötzting |
Höhe des Hauses: 20 Schuh, (also ca. 5,50 m)
Amann Johann und Röckl Leokardia
im selben Jahre hatte der Spengler auch das Kötztinger Bürgerrecht erwerben können, wofür er 25 Gulden an die Marktkasse zu bezahlen hatte.
Das "Spenglerrecht", das er zur Gewerbeanmeldung benötigte, konnte er von Margaretha Höchstetter erwerben.
![]() |
| StA Landshut Grundsteuerkataster 5055 |
Im Jahr 1882 reichte Johann Amann einen Bauplan ein, weil er an der Rückseite seines Hauses ein Toilettenhäuschen errichten wollte. Der dazugehörige Lageplan zeigt anschaulich, wie sich der untere Markt damals schrittweise entwickelte.
![]() |
| StA Landshut Rep 162-8 Sch. 22 Nr. 3272 Aman Leokantia 1896 |
![]() |
| StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 48 Nr. 88 Amann Leokardia bei Rothbauer 1908 |
![]() |
| Mit 65 Jahren verstarb Leokardia Amann im Hause der Kinder im Pfeffergraben |
![]() |
| Die eigenhändigen Unterschriften der im Nachlassakt berücksichtigten Kinder |
Rothbauer Joseph und Franziska Amann
![]() |
| DIA-Repro 1786 Anwesen Rothbauer später Rückgebäude Oexler Wilhelm |
![]() |
| DIA-Repro 1436 das Rothbauerhaus im Hintergrund |
![]() |
| StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 57 von 1915 Nr. 9 Hanr 121 Rothbauer Josef Maler |
![]() |
| Das zweite Haus der Rothbauers in der heutigen Holzapfelstraße: StA Landshut Rep 162-8 Sch. 23 Nr. 3427 Rothbauer Hnr 116a 1-2 Wohnhaus |
(StA LandshutRep 166N-12 Schachtel 57 von 1915 Nr. 9 Hanr 121 Rothbauer Josef Maler)
![]() |
| (StA LandshutRep 166N-12 Schachtel 57 von 1915 Nr. 9 Hanr 121 Rothbauer Josef Maler) |
Oexler Wilhelm und Monika Mauerer
Am 25. Oktober 1916 erwarb Wilhelm Oexler, Sohn des Kötztinger Buchdruckers Vitus Oexler, das Haus von der Witwe Rothbauer. Am 22. Oktober 1917 heiratete er die verwitwete Monika Vogl, eine Tochter des Fabrikbesitzers Franz Mauerer von der Irlmühle und dessen Ehefrau, einer geborenen Seidl vom Schneiderberg.
![]() |
| DIA-Repro 0125 Haus Weissenbach später Wilhelm Oexler |
![]() |
| StA Landshut Grundsteuerkataster 5055 für das Hus Marktstraße 3 (=alte Hausnummer 108a) |
![]() |
| DIA-Repro 313 Familie unter Christbaum ca. 1932 Familie Oexler, Monika Oexler, Ella Oexler, Liesi Oexler, Wilhelm Oexler, Franz Oexler |
![]() |
| Foto Josef Bock - Wilhelm Oexler ca. 1930 |
![]() |
| DIA-Repro 3412 |
Und zum Abschluss noch einige Aufnahmen der Situation im Jahre 2026
![]() |
| Foto Pongratz: Pfeffergraben |
![]() |
| Foto Pongratz: das "Oexlergasserl" - früher Lucknergasse oder Schulhausgasserl |
![]() |
| Foto Pongratz: Nach der umfangreichen Renovierung, das frühere Haus Oexler in der Marktstraße |
Er verbirgt sich in der Markergruppe Kötztinger Häuserchronik im PfeffergrabenViel Freude beim Entdecken!















































