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Dienstag, 18. August 2026

Ein Bild und seine Geschichte ..... die Kötztinger Stadtwaage

 Im Jahre 1956 erhielt die Stadt Kötzting eine technische Errungenschaft, die

Stadtwaage

Nun konnten die vielen Schlachttiere – Kötzting hatte damals noch mindestens sechs aktive Metzgereien mit eigenen Schlachthöfen, ganz zu schweigen von den zahlreichen Privatschlachtungen bei einigen Gastwirtschaften – auch gewogen werden. Interessant ist allerdings die Frage, wo diese Tiere gewogen werden mussten, bevor es diese öffentliche Waage gab.

Die neue Einrichtung wurde jedenfalls gut angenommen. Ich kann mich noch daran erinnern, dass in späteren Jahren Frau Kolbeck (Gams) diese Waage bedient hat.

Das Gebäude - bzw. der Ort auf dem das heutige Gebäude errichtet ist und heutzutage eine Filiale des Chamer Finanzamtes - hat eine lange und wechselvolle Geschichte. Hier stand einmal das Pfarrwidtum und danach einmal das Kötztinger Gefängnis. Hier saß bereits der Räuber Heigl ein und hier gelang ihm in den Anfangsjahren sogar seine berühmte Flucht. (Es ist die Geschichte mit dem vergessenen Hut.).

Foto KU von 1956




KÖZ vom August 1957


In einem Beitrag der Umschau aus dem Jahre 1956 wird auch die Situation in Kötzting beschrieben, wo und wie in Kötzting die Schlachttiere gewogen wurden, bevor es die Stadtwaage gegeben hat. >>>> im Rathaus(!)

"na. Kötzting. Ein Jubiläum, das in der Öffentlichkeit kaum Beachtung finden kann, weil man einfach nicht daran denkt, kann die städtische Waage feiern. Vor 30 Jahren wurde das Wiegehäuschen beim Gefängnis erbaut und die erste damals schon gebrauchte Fuhrwerkswaage angeschafft, die bis 1956 treue Dienste geleistet hat. Vor 1928 wurde das Kleinvieh im Erdgeschoss des Rathauses gewogen. Diese Viehwaage bestand auch noch, als die Fuhrwerkswaage gekauft worden war. Sie wurde erst aus der historischen Umgebung verdrängt, als 1937 der Umbau des Rathauses erfolgte.

Viele Kötztinger werden sich an diese gemütlichen Zeiten noch erinnern können. Damals hatten also tatsächlich zum „Obersten Verwaltungsgebäude“ der Marktgemeinde Kötzting Schweinchen und kleinere Rindviecher Zutritt. Nach dem Erwerb der gebrauchten Fuhrwerkswaage von der Baywa wurde das Wiegehäuschen gebaut. Ein prachtvoller Kastanienbaum musste zu diesem Zweck fallen, und viele, die in diesem Baum, noch dazu dem Wappenbaum Kötztings, ein Schmuckstück für den ganzen Ort sahen, konnten sich nicht recht damit abfinden, dass er einem solchen Projekt weichen sollte. Heute kann man das Wiegehaus wirklich nicht als störend oder gar als einen Schandfleck bezeichnen. Es ist ein nettes kleines Gebäude, dessen große Fenster sich vor allem während der warmen Monate mit ihrem Blumenschmuck sehr gefällig ausnehmen.

Die im Haus selbst untergebrachte Viehwaage weist eine Traglast von 26 Zentnern auf. Die 1956 neu gekaufte Autowaage hat ein Tragvermögen von 20 Tonnen. Sie ist also auch für Lastwagen geeignet. Wir haben uns mit Herrn Rieger, dem seit fast zwei Jahren tätigen Wiegewart, ein wenig unterhalten und erfahren, dass er wöchentlich mindestens 40 und höchstens 80 bis 100 Wiegungen vorzunehmen hat. Für Kötzting eine sehr beachtliche Anzahl. Hochbetrieb herrscht vor allem am Schlachttag, also jeden Montag, wenn Händler und Metzger die Schlachttiere wiegen lassen. Im Wochendurchschnitt könne man mit 30 bis 40 Schweinen, fünf bis zehn Kälbern und fünf bis sieben Rindern rechnen.

Neben diesen Wiegegeschäften falle hauptsächlich noch das Wiegen von Brennmaterial, von Nutzholz, Stroh und Heu an. Im Herbst komme noch Tannenreisig hinzu. Nicht selten bringt auch die Polizei die „Kunden“. Dann müssen Lastzüge, bei denen eine Überladung vermutet wird, das Gewicht feststellen lassen. Meistens bestätige sich die Annahme der Polizei. Auf diese Weise ist die städtische Waage auch ab und zu ein ausführendes Organ der Hüter des Gesetzes, das keiner Täuschung unterliegt, sondern mit oft rücksichtsloser Genauigkeit anzeigt, wie „gewichtig“ die Schuld des ertappten Verkehrssünders ist. Wenn man die Lasten, die diese Waage im Laufe der Jahre zu tragen hat, addieren wollte und könnte, ergäbe sich bestimmt ein sehr respektables Gewicht.  "





Serwuschok516 1970-8-9-x Nr. 47 Interessant ist hier auch das längst abgerissene Rückgebäude des
Hotels zur Post. Bild vom August 1970
 

Obwohl die Straße an dieser Stelle – vor allem wegen der in Kötzting damals mitunter üblichen, unvernünftig schnellen Fahrweise seiner Bewohner – sehr unübersichtlich war, wurde dieser Platz aufgrund seiner zentralen Lage gern als Treffpunkt für Busreisen genutzt.
Serwuschok006 1973-10-30  Der Kötzting Waldverein trifft sich für einen Ausflug. 

KU Juli/August 1969  Abfahrt einer Kötztinger Reisegruppe 


🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:
Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken.

Kötztinger Allerlei  Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Kötztinger Allerlei zu finden. Das Marker steht in der Karte dort, wo früher die Marktwaage stand.

Nicht jede Geschichte lässt sich einer festen Kategorie zuordnen. Die Markergruppe Kötztinger Allerlei versammelt besondere Fundstücke, kuriose Begebenheiten, interessante Entdeckungen und bemerkenswerte Episoden aus der Geschichte Bad Kötztings. Gerade diese Vielfalt macht oft den besonderen Reiz historischer Spurensuche aus.

Viel Freude beim Entdecken!

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Montag, 17. August 2026

Das Ende des Zweiten Weltkriegs und seine Folgen - die Elendsquartiere

Die Zahl der Bewohner im ehemaligen Landkreis Kötzting hatte sich nach dem Kriegsende mit den Geflüchteten und Vertriebenen um fast 50 Prozent erhöht und diese Menschen konnten unseren Grenzraum  bis zum Jahre 1947 auch nicht verlassen, da selbst die innerdeutschen Sektorengrenzen für sie idR verschlossen geblieben waren.

StA Kötzting Flüchtlingskartei des ehemaligen Landkreises Kötzting mit über 11000 Namen.

 Der folgende Ausschnitt dokumentiert die Entwicklung der registrierten Flüchtlingszahlen von Januar bis März 1947. Trotz des deutlichen Rückgangs gegenüber dem Sommer 1945 – die Gesamtzahl hatte sich inzwischen etwa halbiert – verzeichneten alle Gemeinden in diesem Zeitraum nochmals einen Anstieg. Der längerfristige Rückgang war vor allem darauf zurückzuführen, dass die Zonengrenzen zur französischen und britischen Besatzungszone inzwischen geöffnet worden waren. Dies ermöglichte zahlreichen Flüchtlingen, zu Angehörigen in anderen Teilen Deutschlands weiterzuziehen.

Welche gewaltige Herausforderung die Versorgung der Flüchtlinge und Vertriebenen auch zwei Jahre nach Kriegsende noch darstellte, zeigt der Jahresbericht 1946/47 an den Kreistag Kötzting. Allein im Altlandkreis Kötzting lebten damals noch 10.791 Menschen, die vielfach unter schwierigen und prekären Verhältnissen existierten und auf öffentliche Unterstützung angewiesen waren.
 
StA Landshut Rep 164-8 Nr. 1830_0005

Trotz einer allmählichen Verbesserung der Verhältnisse blieb die Wohnungsnot noch über Jahre ein drängendes Problem. So ist selbst im Jahr 1950 in amtlichen Unterlagen noch von „Elendsquartieren“ die Rede, die sich, wie es dort heißt, „landauf, landab im Landkreis Kötzting“ finden ließen.

Foto: Zeitungsausschnitt Krämerarchiv Nr. 54
In der Kötztinger Zeitung konnte man 1951 noch in einem Rückblick auf die "Erfolge" der Wohnraumbeschaffung folgendes nachlesen:

"In einer Denkschrift an den Bayerischen Landtag kennzeichnete Landrat ORR. Scholz die katastrophale Wohnraumlage im Landkreis Kötzting mit dem Hinweis, dass noch 3500 Flüchtlinge in Elendsquartieren und gefährlich überfüllten Wohnungen untergebracht seien. Noch Ende 1948 lebten 450 Personen in Wohnraumlagern. Als im Herbst des Jahres 1949 die Wohnraumkommission der Regierung den Landkreis Kötzting durchkämmte, wurden noch 331 Elendsquartiere festgestellt. Durch die steten Bemühungen der zuständigen Stellen konnten bis zum 30. Oktober 1950 125 Elendswohnungen beseitigt werden. 43 weitere Elendsquartiere wurden in den letzten fünf Monaten aufgelöst. Noch immer aber sind 163 solcher Unterkünfte im Landkreis Kötzting vorhanden. Mit der endgültigen Beseitigung der Elendsquartiere wird im Laufe des nächsten Haushaltsjahres zu rechnen sein. Es ist immerhin bemerkenswert, dass einzelne kleinere Gemeinden des Landkreises heute schon ohne Flüchtlingsbelegung sind. Auch auf dem Gebiete der Wohnraumlager konnten ständig Verbesserungen und Auflockerungen vorgenommen werden. Wohnraumlager bestehen gegenwärtig noch in Arrach, Blaibach, Kötzting, Miltach, Oberndorf und Steinbach. Die Belegung hat sich in den letzten zwei Jahren von 478 auf 391 Personen vermindert. Der größte Rückgang trat in der Zeit vom 1.1.1949 bis zum 1.1.1950 ein. In dieser Zeit wurden die sechs Wohnraumlager im Landkreis Kötzting um 63 Personen entlastet. Sie waren am 1.4.1950 mit 120 Familien (408 Personen) und am 30. November 1950 mit 113 Familien (392 Personen) belegt. Für den Ausbau der Unterkünfte wurden im vergangenen Jahre durch das Kreisflüchtlingsamt insgesamt 24.290 DM aufgebracht. Es ist nicht zu leugnen, dass auch im Landkreis Kötzting zur Beseitigung der Notstandswohnungen und Elendsquartiere das Menschenmöglichste geleistet wurde. Trotz sozialem Wohnungsbau aber hausen immer noch Menschen abseits der Straßen in jämmerlichen Holzhütten."


Chroniken  Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Chroniken und der Jahreszahl 1951 zu finden.


Die Chroniken bewahren Erinnerungen an Menschen, Ereignisse und den Wandel der Stadt über viele Generationen hinweg. Oft sind es gerade diese zeitgenössischen Berichte, die Geschichte besonders lebendig werden lassen.

Viel Freude beim Entdecken!

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Freitag, 14. August 2026

Therese Pritzl - Michael Heigls unerschütterliche Geliebte

 Therese Pritzl

Ich möchte hier gleich vorausschicken, dass ich einige der persönlichen Dokumente, auf denen dieser Beitrag über Therese Pritzl beruht, von Alfred Silberbauer („Gwasch“) aus Rimbach erhalten habe. Er hat insbesondere die Hohenwarther Kirchenbücher intensiv ausgewertet, schon vor Jahren den genauen Geburtsort Michael Heigls ermittelt und mir darüber hinaus eine Fülle weiterer Unterlagen zur Verfügung gestellt. Dafür gebührt ihm mein herzlicher Dank.
Hier zunächst der Link auf die bisher von mir veröffentlichten Beiträge zum Thema Michael Heigl aka der Räuber Heigl.

Nach einem fulminanten Abend auf der Burgruine Runding mit der Band Woidbluad und ihrem Song von der "Roudn Res" hier noch ein kleiner link zum Lied als Einstieg in den Beitrag über die junge Frau.




Hier noch der link auf den Instagrambeitrag mit einem Teil des Liedes von Woidbluad über Therese Pritzl

Der Name „roude Res“ – mir bis heute ein Rätsel

Schon seit Langem beschäftigt mich die Frage, woher die Bezeichnung „roude Res“ eigentlich stammt – und vor allem, wann diese erstmals für Therese Pritzl verwendet wurde. Trotz intensiver Recherchen konnte ich in den zeitgenössischen Quellen keinerlei Hinweis darauf finden, dass die junge Mutter zu ihren Lebzeiten oder auch nur kurz danach unter diesem Beinamen bekannt gewesen wäre.

Deshalb neige ich inzwischen zu der Vermutung, dass dieser „Kampfname“ überhaupt nicht aus der Zeit Michael Heigls stammt. Vieles spricht vielmehr dafür, dass die Bezeichnung erst Anfang des 20. Jahrhunderts – aus welchem Anlass auch immer – aufgekommen ist.
Der erste Hinweis auf diesen Namen, den ich kenne,  stammt aus dem bekannten Räuber Heigl Lied "Der Heigl war kein böser Mann", das dem "Waldbua Franz Schwarz" zugeschrieben wird, bzw. ihn als den Entdecker dieser Moritat bezeichnet.  Dieser war mit seinen Liedern und Gstanzln in den 20er und 30er Jahren in Kötzting und drum herum sehr erfolgreich und sicherlich in der Lage gewesen solch einen Namen auf diesem Wege in den Kötztinger Sprachgebrauch einzuführen und dann auch zu verankern.

Noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war es wohl durchaus noch ein Reflex, nicht auffindbare Gegenstände dem Räuber Heigl zuzuordnen, und sei es nur aus Spaß und Fopperei.
Und so bleibt am Ende nur noch das Lied vom Heigl, der danach nur ein braver Mann gewesen sein soll.
Der Autor war mit hoher Wahrscheinlichkeit der "Waldbua" Franz Schwarz, der gleich bei Kriegsbeginn des Zweiten Weltkriegs in Holland einem Verkehrsunfall zum Opfer gefallen war.

Ein "Beitrag für unsere Feriengäste" in der Kötztinger Zeitung von KB Krämer aus dem Krämerarchiv.
KB Krämer schreibt darin, das Franz Schwarz das Lied in einem Moritatenbüchlein in Grafenwiesen gefunden habe.


Arbeitskreis Heimatforschung: links Franz Schwarz, der Waldbua.
Hier in der Kötztinger Metzstraße. 

 Trotzdem bleibt das Ganze für mich eigentlich ein bis heute ungelöstes Rätsel der Heigl-Überlieferung vor allem vor dem Hintergrund der historischen Personenbeschreibung Therese Pritzls aus den Prozessakten, die so gar nicht auf eine "Roude" passen will.

Fangen wir zunächst an mit der Suche nach ihrer Geburt:

Die beim Strafprozess im Juni 1854 als 22 bis 23 Jahre alte Angeklagte bezeichnete Inwohnerstochter Therese Pritzl aus Gotzendorf müsste demnach um das Jahr 1831 geboren worden sein.
In den Geburtsmatrikeln von Hohenwarth lassen sich im fraglichen Zeitraum gleich 2 Geburten einer Therese Pritzl belegen. Bei einer Geburt heißt der Vater Michael P. und bei der anderen Josef.
Wir kennen aus den Polizeiakten den Vornamen des Vaters - Josef - , daher können wir mit Sicherheit eine der beiden Mädchen ausschließen,

Sammlung Silberbauer: Geburtsmatrikel Hohenwarth 

 handschriftlicher Zusatz: "legitimata per subsequens matrimonium 26ten Februar 1840" also: "durch nachträgliche Verehelichung legitimiert".


Die Taufpatin war Walburga Achatz, eine Inwohnerstochter von Hudlach.

Durch diesen Hinweis auf die spätere Eheschließung der beiden, kann auch dieser Eintrag gefunden werden.

Sammlung Silberbauer: 

Am 23. Februar 1840 heirateten der auf Hausnummer 30 in Gotzendorf wohnende Inwohner Joseph Pritzl, Sohn des Gotzendorfer Inwohners Michael Pritzl und dessen Ehefrau Anna Maria, geborene Spindl aus Unterzettling, sowie die Inwohnerstochter Theresia Herlich aus Arrach. Sie war die unehelich geborene Tochter der Anna Gotz aus Arrach und des Dienstknechts und Soldaten Stephan Herrlich aus Döschernitz.

Als Trauzeugen fungierten Andrä Geiger aus Gotzendorf und Benedikt Armansberger.

Das Haus mit der Hausnummer 30 in Gotzendorf ist der sogenannte "Bergpritzl" und als solcher auch bereits im Jahre 1830 in der ältesten Karte eingetragen.

Detail aus Bayernatlas historisch

Oben links ist übrigens das Laumerhäusl zu erkennen, das bekannte, bis heute erhaltene kleine Haus direkt an der Straße. Dort wohnte nachweislich auch Josef Pritzl, der wegen seiner nachgewiesenen Verwicklungen in Heigls Machenschaften immer wieder auf behördlichen Druck aus dem Haus verwiesen wurde. Das Laumerhäusl (Hausnummer 29½) war ein sogenanntes Inhaus, das zum Bauernhof mit der Hausnummer 29 mitten in Gotzendorf gehörte.



Schaut man in den Grundsteuerkataster so findet sich dort als Besitzer des Hauses ein Josef Geiger.
Der Bauer - eher Söldner, da das Anwesen eher von kleinerer Natur war - Josef Geiger hatte also die Pritzlfamilie als Inwohner bei sich auf dem Hof.

StA Landshut Grundsteuerkataster 8-14-1 Gotzendorf mit Reitenstein und Arndorf

Die Familie Pritzl hatte mehrere Kinder:
1. Therese, geboren am  11.12.1831
2. Katharina, geboren am 27.2.1834  (die Mutter wird als Ehrlich, nicht Herrlich bezeichnet)
3. Barbara, geboren am 11.4.1838 (die Mutter wird als Ehrlich, nicht Herrlich bezeichnet)
4. Franz, geboren 6.2.1841
5. Franzisca, geboren am 18.1.1843
6. Josef, geboren am  16.3.1845  
7. Anna, geboren am 5.1.1847 und
8. Andreas, geboren am 23.12.1849

Schon im Sommer 1843 – die Resl ist damals gerade einmal zwölf Jahre alt – hält sich Michael Heigl, zu dieser Zeit ein 27-jähriger junger Mann, nachweislich zusammen mit seiner damaligen Freundin Anna Maria Gruber beim „Bergpritzl“ auf. Beide können sich einer drohenden Verhaftung nur durch eine schnelle Flucht entziehen.
Daraus lässt sich zumindest schließen, dass die junge Resl den großen und kräftigen Michael bereits seit einigen Jahren gekannt haben dürfte. Ob sie ihn damals heimlich bewunderte, wird sich zwar kaum jemals beweisen lassen, erscheint aber durchaus nicht ausgeschlossen.

Foto Pongratz: der "Bergpritzl"


Wie lange diese „Annäherungsphase“ gedauert hat, wissen wir nicht. Spätestens ab dem Jahr 1847 scheint es jedoch zwischen den beiden „gefunkt“ zu haben. Denn nachweislich beginnt in diesem Jahr die Beziehung zwischen Michael Heigl und der jungen Pritzl-Tochter, wie die polizeilichen Akten eindeutig belegen:


15.3.1847    Brigadier Haas: Heigl ist oft im Laumerhaus, dessen Besitzer Josef Pritzl heißt.
20.4.1847    Im Protokoll des Landrichters Carl von Paur unter Punkt
4:  Das Laumerhäusl zu Gotzendorf, Eigentum das Gemeindevorstehers von dort ist von den gegenwärtigen Bewohnern Resch und Pritzl, als bekannte Diensthehler, der beiden gemeinen Verbrecher augenblicklich zu räumen und in dasselbe Inhaus sind künftig nur Inleute von gutem Leumund mit landgerichtischer Bewilligung einzunehmen.

Foto Pongratz: das "Laumerhäusl"


April 1847: Fund von Gegenständen (Laumerhaus in Gotzendorf) aus dem Raub bei den Schäfferischen Eheleuten in Amesberg, bei Resch Alois >>>> die Vernehmung bestätigte dieses.
1.5.1847: Josef Resch, lediger Inwohnerssohn im Laumerhaus, wird verhaftet
6.5.1847: Eine gewisse Theres Pritzl Inwohnerstochter des schon erwähnten Josef Pritzl wird beschuldigt, mit Heigl öfters zusammenzukommen
Mai 1847: Anzeige, dass die Inwohnerseheleute Resch und Pritzl dem Befehle, das Laumerhaus zu verlassen, nicht gefolgt seien >>>> wurden mit Zwang aus dem Hause entfernt.
Mai 1847:  Die Verhaftung des Josef Pritzl aus dem Laumerhaus und des Georg Pongratz von Kager wird beschlossen.
6.6.1847: Nach Gendarmerieberichten soll die Inwohnerstochter Theres Pritzl von Gotzendorf mit Heigl in Verbindung stehen: Hausdurchsuchung angeordnet: man fand: Seidenzeug, und Geld. >>> verhaftet und vernommen, sie gestand ein Liebesverhältnis mit Michael Heigl und den Empfang dieser Gegenstände durch ihn, insbesondere ein Herzl von Filigran. Wurde sofort verhaftet und die ganze Familie unter Polizeiaufsicht gestellt.
19.6.1847: Auszug aus dem Protokoll des Carl von Paur: Lt. Aktenlage Inwohner Joseph Pritzl von Laumerhäusl bei Gotzendorf war wohl der Hehler und Unterschlupfgeber des Heigl und mehrere Gegenstände und Geld, die der Tochter Theres Pritzl im Himmelreich abgenommen worden waren, hatte ihr, nach ihrem Geständnis, Michael Heigl zur Aufbewahrung übergeben und stammten von dem Raube bei Pirka.

Bereits seit Monatsanfang war die ganze Familie Pritzl in Gotzendorf unter Polizeiaufsicht gestellt worden, und nun diese peinliche Situation:
"13/14 Juli 1847  Anzeige der Gemeinde Gotzendorf, dass Theres Pritzl aus dem elterlichen Hause sich entfernt habe."

Nach der Therese Pritzl wurde nun ebenfalls gefahndet und wenige Tage vorher waren bereits bei der Anna Maria Gruber von Reitenstein "verschiedene Effekten" gefunden worden. A.M. Gruber wurde nun verhaftet und vernommen, doch nach einigen Tagen wieder auf freien Fuß gesetzt. 
MH hielt wohl zu der Zeit noch Kontakt zu beiden Frauen; auf seine Flucht nahm er aber wohl nur die junge Therese Pritzl mit; A.M. Gruber hatte ja auch noch Kinder zu versorgen.
Mit dieser Nachricht, dass Therese Pritzl von Zuhause verschwunden sei, enden zunächst die Nachrichten im Gendarmerie-Report im Juli des Jahres 1847. 
Es kehrt Ruhe ein im Landgericht Kötzting , bis zum nächsten  - vermuteten - Auftauchen Heigls im Sommer des drauffolgenden Jahres.

 

Einschub:
Die Kinder Michael Heigls

Die "gesicherten" Kinder des Michael Heigl mit Anna Maria Gruber und Therese Pritzl:
"Auszüge aus dem Taufregister (PfA Bad Kötzting, Mikrofiche)

MF 697/98:

Heigl Michael, illeg., geb. 16.11.1836 (Taufmatrikel S. 84)
    Vater: Michael Heigl, Inwohnerssohn, Beckendorf (d. Z. in der Fronfeste zu Kötzting)
    Mutter: Anna Maria Gruber, eine uneheliche Einwohnerstochter, Reitenstein

Heigl Christoph, illeg., geb. 3.5.1839 (S. 110)
    Vater: Michael Heigl, Inwohnerssohn, d. Z. in Reitenstein
    Mutter: Anna Maria Gruber, eine uneheliche Einwohnerstochter, wieder unehl.
        Einwohnerstochter, von Reitenstein – 2. Mal

Heigl Theres, illeg., geb. 20.11.1840 (S. 130)
    Vater: Michael Heigl, Inwohnerssohn, d. Z. in Reitenstein
    Mutter: Anna Maria Gruber, eine uneheliche Einwohnerstochter, wieder unehl.
        Einwohnerstochter (Abdeckerstochter), von Reitenstein – zum 3. Mal

Heigl Georg, illeg., geb. 15.1.1842 (S. 149)
    Vater: Michael Heigl, Inwohnerssohn, d. Z. in Reitenstein
    Mutter: Anna Maria Gruber, eine uneheliche Einwohnerstochter, wieder unehl.
        Inwohners (Abdecker) Tochter – zum 4. Male

MF 714:

Heigl Georg, illeg., geb. 5.1.1853 (S. 39)
    Vater: Inwohnerssohn, Beckendorf
    Mutter: Theres Pritzl, Einwohnerstochter, Gotzendorf

Therese Pritzl scheint jedoch schon Jahre zuvor Kinder auf die Welt gebracht zu haben, auch wenn sich dies in den Pfarrmatrikeln nur "in Klammern" nachweisen lässt.
Im März 1849 wird in der Pfarrei Rimbach ein Findelkind getauft, bei dem eine Zusatz (Heigl?) schon mal den Verdacht in eine Richtung lenkt.

Sammlung Silberbauer:  Pfarrmatrikel Rimbach

"Franziska * 17. März 1849

Dieses Kind ist Nachts 7 Uhr  13. März bei Franz Stoiber mit einer tiefen Wunde am Kopf heimlich gelegt worden in HUndzell
Der wirkliche Vater und die wirkliche Mutter fehlern
(Heigl?)

Gut ein Jahr später - am 18. April 1850 - ist in der Pfarrei Rimbach erneut eine Geburt eines Findelkindes vermerkt, und auch hier trägt der Pfarrer - oder ein nachträglicher Schreiber - bereits seine Vermutung, dass Michael Heigl der Vater sein müsste/könnte dem Eintrag hinzu.
Sammlung Silberbauer: Pfarrmatrikel Rimbach 

 Kind; Carolina, illeg
unbekannt der Vater: handschriftlicher Zusatz: Heigl - Räuber - Kaitersberg
Mutter: Therese Pritzl

Inwohnerstochter Gotzendorf
24.4.1850
Patin: Theres Schmatz, Inwohnerin von Gotzendorf
wurde in der Nacht v. 23. und 24. April im Hause Nr. 27 zu Gotzendorf eingelegt und war etwa bis zur Taufe 5 bis 6 Tag alt.
Einschub Ende

Im Mai 1850 begann dann – nach zwei Jahren relativer Ruhe im Landgerichtsbezirk – erneut die Suche nach Michael Heigl und Therese Pritzl. Dieses Wiederauftauchen des Paares fügt sich zeitlich gut zu dem im März desselben Jahres dokumentierten Findelkind. Zwar lässt sich ein unmittelbarer Zusammenhang nicht belegen, doch spricht die Chronologie durchaus dafür, dass Therese Pritzl für ihre Niederkunft – und die spätere Aussetzung des Kindes – bewusst ihre heimatliche Umgebung aufsuchte.

Therese Pritzl taucht dann erst wieder im September 1851 in den Akten auf, als das Paar mit einer Gendarmenpatrouille zusammenstieß, die für Heigl mit einer Verwundung am Arm endete, so dass er sein Gewehr verlor, welches ihm aber seine Therese retten konnte.
Im Protokoll des Zusammentreffens ist auch TP erwähnt:

Seitlich am Rande ist auch die Beteiligung der Therese Pritzl erwähnt:

"Die Geliebte des Heigl entkam mit dessen Gewehr, das er, an den Armen verwundet, fallen ließ"


 Trotz seiner Liaison mit Therese Pritzl scheint MH seine frühere Freundin und die Mutter einiger seiner Kinder, Anna Maria Gruber, nicht ganz aus den Augen lassen zu wollen, denn am 4. September 1852 stattete er ihr einen besonderen Besuch ab, der nicht ohne Folgen geblieben war, sowohl bei Frau Gruber als auch in seinem eigenen Strafregister.

7.9.1852 Körperverletzung zum Schaden der Anna Maria Gruber seiner früheren Concubine am 7. September 1852
Unter Eid vernommen benennt sie als Thaeter den Michael Heigl, der ihr aus Rache diese Mißhandlung zugefügt habe.  Arbeitsunfähigkeit 16 Tage
Beruht auf Vernehmung des Heigl.

Es hat aber den Anschein, als ob MH seine Resl immer wieder auch bei ihren Eltern im Hause Bergpritzl abgeliefert hat, denn im 26. Oktober 1852 heißt es:

 26. Oktbr 1852: Durch Gendarmerierapport v. 26. Okt wurde der Häusler Pritzl v. Rosenau, der Bruder Wolfgang Heigl, der Häusler Pritzl, beim Bergpritzl genannt, der Häusler Paul Pritzl, beim Pritzl Pauli genannt, der Bierwirth Joseph Hastreiter zu Kötzting, Theres Pritzl led. v. Gotzendorf, der Verbindung mit Heigl angeschuldigt.
Aufgrund der daraufhin eingeleiteten Strafmaßnahmen und der Ausschreibung Therese Pritzls liegt die Vermutung nahe, dass sie sich – zu diesem Zeitpunkt bereits wieder hochschwanger – unmittelbar nach der Hausdurchsuchung und der damit verbundenen Gefahr einer Gefängnisstrafe wieder zu Michael Heigl begeben hat. Vieles spricht dafür, dass das Paar von da an nahezu ununterbrochen zusammenblieb – bis zu seinem bitteren Ende.

Am 12. Dezember 1852 ereignete sich in Pirka der verhängnisvolle Zusammenstoß zwischen Michael Heigl und dem Brigadier Sommer, den dieser nur schwer verletzt überlebte. Die anschließenden Ermittlungen brachten ans Licht, dass sich auch Therese Pritzl am Tatort befunden hatte. Für den Kötztinger Landrichter Carl von Paur war dies Anlass, die junge Frau künftig nicht mehr lediglich als Begleiterin Heigls zu betrachten. In seinem mehrere Punkte umfassenden Programm zur Verbesserung der Sicherheitslage im Landgerichtsbezirk widmete er ihr daher einen eigenen Abschnitt:

"2. Über die Theresa Pritzl von Gotzendorf: .... so wurden alle ergriffenen Verfolgungsmaßregeln auch auf diese Person derselben in der umfassendsten Weise ausgedehnt, wie eine hohe Kreisstelle aus dem Berichte des zur Organisierung der Streifen dahier längere Zeit anwesenden Gendarmerieleutnants Fürst von Deggendorf mittlerweile gnädigst entnommen haben wird. Ihrer speziell in den bisherigen Berichten zu erwähnen, hielt man nicht für nötig, da sie bisher für minder gefährlich gehalten wurde, und sie erst bei der jüngsten stattgefundenen Verletzung des Brigadier Sommer von Viechtach ihre Verwegenheit und hohe Gefährlichkeit an den Tag gelegt hat.

 Nachdem die Aussetzung des 6 Tage alten Säuglings am 11.1.1853 (errechneter Geburtstermin war dann der 5.1.1853) passierte, war Therese Pritzl bei der Schießerei in Pirka im Dachgeschoss des Bauernhauses wohl bereits im 9. Monat schwanger gewesen.

Aus den Akten ergibt sich ein interessantes Detail über die sechs Tage zwischen der Geburt des Kindes am 5. Januar 1853 und seiner Aussetzung am 11. Januar 1853. Die Kötztinger Gendarmen hatten sich wegen ihrer erfolglosen Jagd auf Michael Heigl den Spott der Bevölkerung gefallen lassen müssen. Als einige von ihnen daraufhin ihren Unmut in Übergriffen entluden, leitete die Behörde eine Untersuchung ein. Im Zuge dieser Ermittlungen wurde eine Zeugenaussage protokolliert, die überraschende Einblicke in die dramatischen Geschehnisse jener Januartage gewährt, kurz vor und nach der Entbindung
.
"Generalia: 34 Jahre alt, Schachtelmacher aus Ansdorf, welcher vereidigt wird.

Ich kam am fraglichen Sonntag 9ten Jänner nachts von Neukirchen nach Hause nach Hohenwarth und erfuhr von meinem Weibe, daß sich die Theres Pritzl bei ihren Eltern im Zuhaus beim Hauserbauern Pöschl in Gotzendorf aufhalte und daß sie der Heigl dort abholen werde. Ich habe mich entschlossen noch abends den 2 Gehstunden weiten Weg hierher zu nehmen, bekam dann auf meine Anzeige vom Landgericht sogleich Gendarmen mit und ging mit diesen und mit dem Marktdiener, im Ganzen 9 Mann, nach Gotzendorf; ich habe den Brigadier genau instruiert, allein statt nach meiner Weisung beim Zuhäusl anzufangen, haben sie zuerst beim Bauer Pöschl selbst visitiert und die ganze Sache war dann fruchtlos. Nach den späteren Zugeständnissen meiner Schwiegermutter war Heigl damals wirklich gekommen und mit der Pritzl entwichen, während die Gendarmerie ungeschickter weis vorn beim Bauern umherwirtschaftete.
Ich muß noch beifügen, daß mir meine Schwiegermutter Theres Ruprecht, Inwohnerin von Gotzendorf erzählte, daß die Pritzl mit dem Heigl schon an Hl Dreikönigtage zu ihr kam und ins Häusel hinein wollte, um wiederzukommen, weil ihre Geburtswehen schon begannen, daß sie aber die Pritzl nicht hineingelassen hätte."







Therese Pritzl ist wieder Zuhause.

Ganz besonders interessant ist eine Meldung in dieser Polizeistatistik - undatiert, aber nach einem Eintrag vom 17.2. - noch unter "Februar" - eingeschrieben - über Therese Pritzl.


"Um diese Zeit wurde Theres Pritzl, Hüterstochter von Gotzendorf /:Gem. v.d.:/ der Verbindung mit Heigl dringend verdächtig, arretiert, vorgeführt.
Wurde vernommen, detiniert, ihre Einweisung ins Arbeitshaus beschlossen, die aber nicht beschäftigt werden kann, da sie mittlerweile erkrankte.   
Akte bei der k. Regierung"

Therese Pritzl war also offensichtlich nach ihrer Niederkunft wieder nach Hause heimgegangen oder gebracht worden; das Baby hatte Michael Heigl dann beim Weidenhofbauer ausgesetzt.
Bei der damalig noch sehr schlechten (Nach-) Behandlung von Müttern nach der Geburt, die in ihrem Falle ja ihr Kind auch noch auf der Flucht zur Welt zu bringen hatte, war es kein Wunder, dass sie anschließend noch für lange Zeit als "arbeitsunfähig" krank eingestuft wurde.

Michael Heigl  und Therese Pritzl werden gefasst


Am 17.Juni 1853 ist es vorbei mit der großen Freiheit, Michael Heigl und Therese Pritzl werden bei einem heimlichen Flussübergang gesehen und dann beginnt die letzte große Jagd auf den Heigl. 

Mit dem folgenden Telegramm - es wird rest am 19.6. weitergeleitet -  wird München über den Aufgriff informiert. Es dauerte also ganze zwei Tage, bis die Nachricht von der Verhaftung Heigls von Kötzting bis an die höchste Stelle in München gelangt war.



Tele. Dep. dz Landshut den 19/6 7 Uhr 30 M vorm.
                      München den 19/6 7 Uhr 40 M

Hpt. Frays beehrt sich mitzutheilen
daß Heigel in Ktz arret. wurde

Note ad acta
/: wurde die telegr. Dep. mittelst Remisse

dem k. St, Mst. d. I. vorgelegt :/


Brigadier Suffas Bericht ist in dieser Hinsicht sehr nüchtern und so berichtet er ganz knapp aus der Station Hohenwarth:

17.6.1853 Gendarmeriebrigade Kötzting in Hohenwarth an das kgl Corps Commando

Kötzting den 17ten Juni 1853
Die Arretierung des flüchtigen Verbrechers Michl Heigl und dessen Zuhälterin Theres Pritzl von Gotzendorf betreffend:

Der Unterzeichnete   meldet gehorsamst das derselbe unterm heutigen früh beim Anbruch des Tages mittels Beiziehung der Bewohner der Umgegend eine große Streife auf den Kaitersberg vornahm, wobei er den flüchtigen Verbrecher Michl Heigl von Beckendorf, und dessen Zuhälterin Theres Pritzl von Gotzendorf, beide Landgerichts Kötzting, in der Nähe von Hudlach in der Kaitersberger Waldung arretiert und dem kgl Landgerichte Kötzting nach kräftiger Gegenwehr mit einem Doppelstutzen einer Pistoln nebst mehreren Schussapparaten eingeliefert worden.

Bevor es nun in dieser Dokumentation mit dem Schwurgerichtsprozess in Straubing weitergehen kann, stellt sich für mich abschließend die Frage: wo bei diesem ganzen Aufgriff ist eigentlich die Therese Pritzl abgeblieben?

Nur noch kurz zur Rückschau:

Die beiden wurden an Mitternacht gesehen, wie sie den Regen überquerten, in Hohenwarth angezeigt und danach begann die große Einkesselungsjagd, und bei all den Schilderungen - von der ersten Sichtung am Grat des Kaitersberg, seiner Flucht und dem endgültigen Zusammenstoß ist immer nur von Michael Heigl die Rede. 
Erst bei der Ablieferung der Gefangenen - nachmittags um 3 Uhr nach der einen und Ende Vormittag nach der anderen Version - ist Therese Pritzl wieder erwähnt.
Zwischen dem Überschreiten des Regens und dem Aufgriff um 7.30 morgens ist genügend Zeit, so dass Michl Heigl u.U. seine Freundin bei den Eltern in Gotzendorf vorbeigebracht haben könnte, bevor er dann alleine auf den Kaitersberggipfel zusteuerte.
Die Frage wäre halt, ob sie ihrem Michl, als Mühlbauer verletzt und außer Gefecht gesetzt am Boden lag, im Kampfe gegen den Hund und den Bauern Vogl nicht zur Seite gestanden hätte, wäre sie vor Ort gewesen.

Im nächsten Teil geht es um alles, was mit dem Prozess zusammenhängt

Im Rahmen der Prozessberichterstattung findet sich auch ein umfangreicher Beitrag eines Rechtsanwaltes Steinles, der in der "Allgemeinen Schwurgerichtszeitung" auch die Vorgeschichte des Falles beleuchtet und dieser nennt auch Details über die Gefangennahme der Therese Pritzl:

"Nach der - bekannten - Schilderung der Gefangennahme Heigls, berichtet Steinle - anders als der Kötztinger Gendarm Suffa in seinem Bericht - auch von er Gefangennahme der Therese Pritzls:

"Auch seine Zuhälterin Therese Pritzl, die jedoch ohne Jemand zu treffen, eine Pistole auf ihre Verfolger abgefeuert hatte, wurde mit ihm gefangen. Die Gefangenen wurden in die Fronfeste nach Straubing gebracht, um dort vor das niederbayerische Schwurgericht gestellt zu werden."
Diese Darstellung des Ablaufes ist definitiv falsch, denn die Fronfeste Straubing war damals hoffnungslos überfüllt und deren Leitung weigerte sich kategorisch, MH überstellt zu bekommen, was Carl von Paur in Kötzting in der Folge sicherlich viele schlaflose Nächte bereitetet hatte.

Und von Steinle haben wir auch eine Personenbeschreibung der Therese Pritzl:
Von dieser bis hin zu den Eigenschaften, die man der "Rout´n Res" mittlerweile angedichtet hat, ist jedenfalls ein sehr, sehr weiter Weg.

Staatsanwalt Steinle in seinem Prozessbericht
 
Therese Pritzl, 22 bis 23 Jahre alt und seit ihrem 15. Jahr die Geliebte des Heigl, ist von kleinem gedrungenen Wuchs und voller Büste, hat dunkle feurige Augen, braune Haare und ein angenehmes Äußere. Sie kannte keinen anderen Willen als den ihres Geliebten, dem sie mit aufopfernder Zärtlichkeit ergeben ist. .....

Auch in der, den Prozess begleitenden, Landshuter Zeitung steht eine kleine Beschreibung der TP:
 Hier die Einschätzung der Landshuter Zeitung zum Auftreten der Therese Pritzl.

Beilage zu Nro. 145 der Landshuter Zeitung



Die Verteidigung der Therese Pritzl:

Landshuter Zeitung

""Es sey wohl richtig, dass die Pritzl mit der größten Liebe an Heigl hing, dass sie zärtlich für ihn sorgte, als er bei seiner Habhaftmachung verschiedene Verletzungen erhalten hatte, allein daraus folge noch nicht, dass sie, gleich ihm, wenn er ja solche Absicht hatte, den Tod der Gendarmen gewollt hätte. Auch Heigl wollte nur schrecken, und deshalb können die Pritzl nur als Begünstigerin zum Verbrechen der Körperverletzung II. Grades betrachtet werden."

Therese Pritzl wurde in diesem ersten Prozess zunächst 10 Monaten Gefängnis verurteilt.
Bei der Überprüfung dieses Prozesses nach einer Nichtigkeitsklage wurde die Strafe verkürzt.
Therese Pritzls wurde nun zu "siebenmonatlicher in einer Strafanstalt zu erstehenden Gefängnsistrafe" verurteilt und selbst dies Strafe versuchten ihre Verteidiger noch zu reduzieren und  noch ihre Zeit in der Untersuchungshaft auf diese Frist angerechnet zu bekommen.
Wie auch immer, wir können davon ausgehen, dass Therese Pritzl sicherlich sehr schnell wieder in ihrem gewohnten Umfeld zuhause in Gotzendorf angekommen ist.

Maximilian Schmidt, genannt Waldtschmidt, schreibt in seinem Roman(!) Brigitta oder der Räuber vom Kaitersberg über Therese Pritzl:
"Therese P. befindet sich, nachdem sie einige Monate Strafarbeitsbaus erstanden, wieder in ihrer Heimat Hohenwarth und hat sich mit ihren zwei noch lebenden Kindern einen guten, das üble Andenken Heigls mildernden Ruf erworben."

Am Ende dieses Berichtes über Therese Pritzl nun noch ein Blick nach vorne:

Die oben bereits als Findelkind angeführte und am 24.4.1850 getaufte Carolina Pritzl (formal war der Vater unbekannt) heiratete am 26.7.1894 den Witwer Josef Resch
Carolina Pritzl wohnte/lebte damals als Inwohnerin im Haus Nummer 27 (früher Gasthof Reimer) in Gotzendorf und die Resch besaßen in Gotzendorf die Häuser mit den Nummern 23 und 24. 
Ob es aus dieser Ehe Nachklommen gibt, ist nicht bekannt, allerdings hatte der Ehemann Nachkommen aus dessen erster Ehe.



Räuber Heigl

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Dienstag, 11. August 2026

Wo ist das - Suchbilder 2026

Wo ist das?     Die Suchbildaufgaben von 2026      


Suchbild 10


Dieses Mal suchen wir einen Ort aus dem Altlandkreis Kötzting. Mal schauen, wer diesen Ort anhand der Luftbildaufnahme erkennt.



Wo sind wir?



Suchbild 9


Ein Haus mit einer ganz tollen Fassade mittendrin in Kötzting. Dieses Haus gibt es schon lange nicht mehr aber vielleicht erinnert sich noch jemand daran:
Frage also: wo befinden wir uns bei dieser Aufnahme?


Foto Josef Bock


Lösung:

Es ist das Haus vom Hofmann Naze in der Holzapfelstraße, einem Lohnfuhrunternehmer. Heute stehen an dessen Stelle zwei Häuser.
DIA-Repro 1987 








Suchbild 8

 Heute geht es um eine Baustelle - mitten drin in Kötzting - vermutlich ist es zu einfach, aber trotzdem:
Wo ist diese Baustelle und was war da vorher?
Ich habe das Bild am oberen Rand stark beschnitten, sonst wäre es viel zu einfach gewesen



Lösung:

Ich hatte gedacht die Aufgabe wäre zu einfach.....

Es ist die Großbaustelle Penner mit dem Teilabbruch eines Nebengebäudes der Marktmühle.


Suchbild 7


🌉 Bleiben wir bei den Kötztinger Brücken:
Diese Brücke ist heute längst verschwunden – und doch dürfte sich mancher noch an dieses etwas eigenwillige Konstrukt erinnern. Der obere Teil des Fotos bleibt diesmal bewusst verborgen, denn sonst wäre die Auflösung wohl allzu schnell gefunden gewesen. 😉

Wer erkennt, wo sich diese Brücke einst befand – und warum sie später einfach nicht mehr gebraucht wurde?




Lösung:


Es war die Zufahrt zur "Ambergerinsel", also eine kleine Behelfsbrücke über den Dampfbach. Im Hintergrund der mittlerweile verschwundene Kötztinger Ortsteil: "im Anger"







Suchbild 6

Wo in Bad Kötzting  liegt diese Brücke?  Den oberen Bildrand habe ich abgeschnitten, sonst wäre die Lösung viel zu einfach gewesen.


Lösung: im entfernten oberen Teil des Bildes würde man das Restaurant "Route" erkennen. Die Brücke überquert also den Gruberbach zwischen den beiden "Kreiskehren".




Suchbild 5


Eine malerische Hütte auf einer beliebten Sonntagswanderstrecke in Kötzting mit vielen Erinnerungen.
Wo stand diese Hütte?


Die Lösung:

Natürlich auf dem Ludwigsberg - Kötztings traditionelles Sonntagsausflugsziel



Suchbild 4

Hinter dieser Suchaufgabe steckt nun tatsächlich auch für mich der Wunsch nach einer Lösung, denn ich kenne das abgebildete Haus nicht. Es stammt aus einem Artikel vom Januar 1976, als die Umschau mehrere Objekte in der Stadt abbildete, die nicht gerade "vorzeigbar" erschienen für die zukünftige Entwicklung der Stadt. Im Falle des Suchbildes hieß es, dass regelmäßige Einbrüche und unrechtmäßige Übernachtungen in diesem (Neben?-) Gebäude stattgefunden hätten und die Zustände daher untragbar seien. 
Mein eigener Tip:  Das Rückgebäude vom Fischer Peteranwesen (das war wohl ein Irrtum...)
Wo war das in Kötzting?

Lösung Suchbild 4:

Es ist der ehemalige "Lembergerkeller" in der Holzapfelstraße und das rechts angeschnittene Hauseck mit der Hausnummer 13 gehört zum ehemaligen Monokel.






Suchbild 3


Wo kommt das Auto auf diesem Bild her und zu welchem Anwesen gehörte das Gebäude auf der rechten Bilderseite?


Lösung:

Diese Suchaufgabe wurde sehr schnell und von sehr vielen richtig beantwortet: es ist die Einbiegung von der Müllerstraße rechts hin zur heutigen (Fußgänger-) Oberbergerbrücke, die damals noch - wenn auch nur eingeschränkt - befahrbar war.



Suchbild 2

vermutlich zu einfach, aber vielleicht kann ich mich auch täuschen: Wo in Kötzting stand denn diese Außenterrasse?  

Btw: die Bank gibt es heute noch, allerdings nicht an dieser Stelle.

 

Lösung:
Viele haben es gleich erkannt, das ist die ehemalige Steinterrasse vor dem Gasthaus Dreger in der Marktstraße, die der großen Marktstraßensanierung in den Jahren 1983/1984 weichen musste, um die Straße fußgängerfreundlicher zu machen. Die halbhohe Stützmauer dieses Freisitzes war übrigens jahrzehntelang der "Kirtasitzplatz" eines schwerbehinderten Akkordeonspielers, der sich hier mit Musik seinen Lebensunterhalt zu verdienen versuchte und mich in meinen Kinder - und Jugendjahren begleitete.

Suchbild 1

Am Rand des Stadtgebiets von Bad Kötzting, fast ein wenig verborgen, liegt dieser stille, idyllische See.
Kennen Sie seinen Namen – und wissen Sie, wo er zu finden ist?


Lösung: Es ist der Steinbachsee rund herum um das Jahr 1960. Foto Kretschmer

Foto Kretschmer: aus diesem See wurde, den starken Höhenunterschied ausnutzend, eine Druckwasserleitung heruntergeführt zum heutigen Hotel Steinbachtal.



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🔎 Wer diesen Beitrag dort wiederfinden möchte, muss ein wenig suchen:
Er verbirgt sich in der Markergruppe Suchaufgaben

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