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Montag, 10. Februar 2020

Der Lesestammtisch im Februar

Vorankündigung und Rückschau

 Dienstag 18.2.2020


Beginn ist wie immer um 18.30 Uhr im Kneippzimmer im Hotel zur Post


Seit vielen Monaten baue ich eine Wortdatenbank auf, die seltene, nicht mehr bekannte bzw. nicht mehr benutzte Wörter oder Ausdrücke enthält.
Diese Datenbank wird permanent alphabetisch erweitert.
Damit man aber nicht immer alles durchblättern muss, um auf ein paar neue Ausdrücke zu stoßen, stelle ich die "Neuzugänge" an den Anfang des Blogs. Diese Neuzugänge werden erst nach dem folgenden Lesestammtisch in die Hauptdatenbank einsortiert.

>>>>>>>>>>>>>hier gehts zur Datenbank:

Nun aber weiter zum nächsten Lesestammtisch:

Es geht weiter - das Thema wird uns noch viele Monate begleiten -  mit Einblicken in den Alltag einer adeligen Hofmark, der Herrschaft Runding
Wir sind im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts und in den Hofmarken Blaibach und Runding.
Der Hofmarksherr Freiherr Cajetan Nothafft von Weissenstein, verschuldet bis an "Oberkante Unterlippe",  hat Herrn Johann Dennerle als Gerichtspfleger eingesetzt. Dieser berichtet nun seinem Chef von allen wichtigen und unwichtigen Details, die so in seinem Pflegeralltag passiert sind - und auch, wie er versucht, Geld einzutreiben.









Hier zuerst ein Zitat aus der Homepage der "Nothafft"

Johann Josef Anton Kajetan Nothafft von
Weißenstein Bild aus der Homepage derNothafft
Zitatanfang: Der letzte Graf Nothafft von Wernberg auf Runding - gestorben 1734 - vermachte seine Besitzungen dem Deutschen Orden, mit der Bestimmung, daß seine Witwe die lebenslängliche Nutznießung haben solle. Bei deren Tod 1757 übernahm der Deutschordenskomtur Graf Wenzel von Clenowa die Hinterlassenschaft. Die verwandten Notthafft von Weißenstein ließen dieses Testament jedoch anfechten. Nach langjährigem Prozeß sprach 1759 das Reichskammergericht die Herrschaft Runding dem Freiherrn Johann Josef Anton Kajetan Nothafft von Weißenstein zu. Dieser scheint ein wahrhaftig seltsamer Zeitgenosse gewesen sein. Seine Großnichte Caroline Frfr. v. Künsberg berichtete um 1870 über ihn: „Er selbst legte bald nachdem er den Besitz von Runding angetretten , seine Stelle als Regierungsrath von Landshut nieder und lebte abwechselnd auf seinen Gütern und in Straubing, woselbst er noch das Notthafft'sche Haus ererbt hatte. Er gab sich ganz seinen Studien und gelehrten Arbeiten hin und bekümmerte sich nur wenig um die Verwaltung seiner vielen, schönen Besitzungen, auf welchen er seine Verwalter und Pfleger ganz willkürlich schalten und walten ließ. Verweilte Anton Notthafft in Runding, so bewohnte er nicht das Schloß, sondern das Pfleghaus, zahlte der Pflegerin Dennerl Kostgeld, um keine eigene Haushaltung führen zu müssen und saß fast den ganzen Tag unter Büchern und Papieren vergraben auf den Boden; Selten nur erhob er sich um zu Lichte zu gehen, gewöhnlich wurden einige Folianten aufeinander geschlichtet mit einer Serviette überbreitet und so speiste der gelehrte Herr, der in seinem ganzen Leben Thun und Treiben, wohl sehr sonderlich und ungewöhnlich war. Nur wenig schien sein Geist im wirklichen Leben einheimisch zu sein. Alles was ihn ihn seinen Studien hinderte oder störte, war ihm verhaßt und überließ er seinem Pfleger Dennerl zur Besorgung. Der langwierige Prozeß mit der streit- und zanksüchtigen Wittwe des letzten Grafen Notthafft von Wernberg, den er mit großem Eifer und vieler Klugheit geführt hatte, schien seine ganze Lust an Geschäften, seine ganze Thätigkeit absorbirt zu haben.“ Zitat Ende
Dies zur Vorgeschichte:

Von diesem Pfleger auf Runding (und auch Blaibach) Dennerl/Demmerl,Dennerle ist ein ganzer Stapel von Briefen an seinen "Chef" Cajetan Nothafft erhalten geblieben. In diesen ist Ernstes mit Klatsch und Tratsch vermischt und ergibt einen bunten Einblick in die Situation bei Hofe und in die Probleme einer verschuldeten Hofmark.
Staatsarchiv Landshut Hofmarken 4031 Hofmark Blaibach

ein X-beliebiges Blatt aus dem Konvolut von ca. 180 Seiten:
Zu Viechtach ist eine inqusitions-Commision wegen dem fleisch Aufschlag eingetroffen, wohin auch ich auf den negstkommenten Erchtag citirt bin, auf den 17ten hujus aber wegen Neuer anlegung einer strassen von Camb bis Waldtmünchen , zu Schönthall in der obern pfalz erscheinen muess. Wann wür zu diser Strassen auch Hand anlegen muessen, so wird es mit den armen Unterthann hartt genueg werden. Heunt habe ich mir zur Ader gelassen. Der zu beständig hochen Hulden und Gnaden underthänig gehorsambist mich empfehlen Runding den 8. May 1763
Euer hochfreyherrlichen Gnaden
P.S. des Koch sein brueder der Hans Georg Gareis ist heint abend als ein abgedankter kayserlicher Fousilier alhir ankommen. Ich habe ihme aber bisiezt nit zu mir gelassen. Mein bluet ware miserabl worüber sich H: Dr. verwundert
Underthenig gehorsambist Joh: Martin Demmel
Gerichtspfleger

Man muss die alte Schrift eigentlich gar nicht lesen können, um mitzumachen. Die Texte werden von manchen Teilnehmern vorgelesen und der Inhalt dann gemeinsam besprochen. Es funktioniert aber auch ohne Vorkenntnisse bzw. Vorbereitung, denn es  erhalten neu hinzukommende Teilnehmer eine Kopie des Aktes und können den Text dann ganz einfach und stressfrei mitlesen.
Also wir treffen uns am Dienstag den 21.1.. im Kneippstüberl im Hotel zur Post


Was ist bisher passiert:


Klatsch und Tratsch aus unserer Gegend
gelesen beim letzten Lesestammtisch am 17.12.2019


Wir schreiben das Jahr 1745 - die bayerischen Beamten nennen sich seit wenigen Jahren "kaiserlich", weil Bayern von den Österreich  im Zuge des österreichischen Erbfolgekriegs besetzt ist -  und  Johann Martin Dennerl/e  befindet sich auf "Rundreise" zu den Besitzungen derer von Nothafft, von Niederhatzkofen, nach Blaibach und Runding mit Zwischenstationen in München, Landshut und Straubing.  Als Verwalter und offensichtlich Vertrauter Cajetan  Nothaffts  versucht er  seinem Chef  aus dessen wirtschaftlichen Nöten zu helfen,  klärt ihn über die Situation auf "seinen" Besitzungen auf und berichtet so auch über zeitgenössische Kleinigkeiten am Rande des Weges.
Graf Johann Nothafft, der letzte Abkömmling der Weißensteiner Linie und verstorben bereits 1734, hatte sein Erbe dem Deutschen Orden  vermacht, seine Witwe  - selber dann erst 1757 verstorben - solle zu Lebzeiten noch den Nießbrauch davon haben.  Cajetan  beauftragte offensichtlich schon Jahre vor dem Absterben deiner adeligen Verwandten seinen Verwalter damit, mit den geeigneten Stellen über diesen Erbvertrag verhandeln zu können- zumeist, zumindest laut den Briefinhalten, vergeblich.
Im Staatsarchiv Nürnberg liegt eine Archivalie mit der Signatur : Deutscher Orden, Meistertum Mergentheim, Regierung 2362 unter der das "Testament des Grafen von Nothafft und die darin dem Deutschen Orden vermachte Herrschaft Runding (Teil I)" einzusehen ist.  Dieses Testament  wurde von Cajetan Nothafft erfolgreich nach dem Absterben der Witwe Graf Johanns angefochten und er dann in den Besitz des Gutes Runding eingewiesen. Mit welchem Recht aber er noch zu Lebzeiten der Dame seinen Verwalter auf die Rundreise auch nach Runding schicken konnte, entzieht sich meiner Kenntnis. Möglicherweise berichtet er aber aus Runding nur vom Hörensagen von der Hofmark Blaibach aus.
Das Aktenmaterial besteht aus einem Konvolut von Briefen, welche einen Zeitraum von 1745 bis XXX abdecken und zumeist sind es die Briefe des Verwalters, die überliefert sind. Nur wenige von Cajetan Nothafft sind vorhanden.

Hier sollen nun  in lockerer Folge, aber dem zeitlichen Ablauf korrekt folgend, große und kleine, weltbewegende oder eher Klatsch und Tratsch betreffende Ereignisse kolportiert werden.


Problemfeld: Deutscher Ritterorden:


Ins einem ersten erhaltenen Brief schreibt Dennerl vom vergeblichen Versuch einen Termin bei Baron von Roll (https://de.wikipedia.org/wiki/Ignaz_Felix_von_Roll_zu_Bernau) zu bekommen, für ihn wohl DIE Kontaktperson, um das leidige Thema des Deuschritterordens in den Griff zu bekommen. Ein Fräulein von Wunschwitz würde anlässlich des Besuches beim Kardinal, der nach seiner Genesung nun wieder Besuch empfangen würde, versuchen mit dem Baron Kontakt wegen eines Besuchstermins aufzunehmen.
Weiteres berichtet er kurz von dem Verwalter von Grabestatt wegen Marquartstein, dann von mehreren adeligen Personen bei der "Landschaft" (im damaligen Ständesystem, dem Parlament der Adelsfamilien) dem Grafen von Preysing, dem Herrn Baron von Lerchenfeld zu Ahamb und vom neuen Fürst von Portia, der wegen seiner Pflege Deggendorf  angekommen sei.
Der Pfleger von Aholming, ebenfalls im Besitz der Nothafft, auf den beide nicht gut zu sprechen sind, sei vor Ort, u sich für einen kurfürstlichen Dienst zu bewerben, aber er , der Verwalter, habe ihn  noch nicht zu Gesicht bekommen .
Ohne Orts und Zeitangabe  vermutlich geschrieben von Landshut aus
Januar 1751: erneuter Versuch über die Frau Wunschitz an den Herrn Baron von Roll heranzukommen, aber erneut ist keine Audienz möglich gewesen.
Einzelpersonen, bei denen offensichtlich Schulden bestehen, bzw. Zinsen bedient werden müssen.
 

Hofmark Blaibach


Mai 1745: Die Ankunft: Eben dem Tage, wie ich in Playbach eingetroffen und da ich noch zu Creuzbach geritten, seint von Preumeister, Jäger und anderen mehr= dan 30 Freudenschuss gegen mir geschehen
 In Blaibach angekommen und alles in einem rechten Stand vorgefunden, außer  dass kein Heu und fast kein Getreide mehr vorhanden und eine Kuh gestorben sei.
Eine Abrechnung ist nicht möglich, weil der Blaibacher Verwalter Magerer (gleichzeitig auch Marktschreiber in  Kötzting) dieselbe noch nicht vorgelegt hat aber über diesen beschwerten sich die Untertanen tausendfach, auch wenn Magerer ihn  andauernd schmeicheln würde. Er müse aber doch anführen, dass  "alle und fast der ganze Markt Kötzting  ihm bereits zugeloffen und die Magerische Falschheit und ehrnutzlichen Nachredungen mit vielen Expressionen geoffenbart hätten, worunder der Luckhner mir das maiste erzehlet und gesagt formalia ich hätte offt vor sye mich zu Todt rauffen mögen, da hören miessen, wie schlecht und unverantwortlich von ienigen leuthen geredt worden, die von ihnen so viel Höflichkeit genossen, dieses und noch viel mehr miste ich vom ….berichten"
Der hiesige (Blaibach) Caplan hat den Magerer in meinem beysein öffentlich gesagt, er habe eine große Ungleichheit und schlechte Würtschafft geführt, und die beede hetten sovill als Rauffen mögen.
Österreichischer Erbfolgekrieg: Am Samstag wären im Pfgcht Kötzting  der Stab  und eine Kompanie vom Graf Fuggerschen Dragoner  Regiment eingetroffen: Blaibach musste 1 Herren Fähnrich 1 Veldscherr und 1 Gemainen unterhalten
Die Hofmark Lichtenegg: 8 Gemeine
Der Herr Beneficiat von Blaibach (Benefiziat (auch lat. Benefizium) ist ein ehemaliger Amtstitel der römisch-katholischen Kirche für einen Kleriker, der seinen Unterhalt vom Ertrag einer Pfründe erhielt.) , der sich zu Gnaden diemitthig empfehlet, hat mir bei meinem Eintritt eine hl. Messe offeriert, der Herr Pfarrer aber lasst von sich gar nichts merken.

Hofmark Runding

Mai 1745: Bei meiner Ankunft (in Blaibach) erfahre ich dass Ihre Gnaden die Frau Gräfin von Nothafft indessen zu Runding (die Witwe, die den Nießbrauch hat) mit der gnädigen Frau von Schönstein gewesen seyen und sowohl den Herrn Pfleger (den Kötztinger Bürger Druckmüller), als den Ambtmann dem Dienst aufgesagt habe.
Um nun genaueres zu erfahren hat  Dennerle sich nach Runding begeben: und der Herr Drinkhmüller, der sich underthenigst empfiehlt erzehlt wan dass die Frau Gräfin nichts (Lücke) einer schlechten Würtschaft redet =ihne aber selbsten nit aufgesagt = doch zu andern Leithen in specie zu dessen Schreiber gemelt habe, Sye gebe ihm und dem Ambtman uf Jacobi wegg und sye werde eine andere Bestehlung machen, obscxhon der Herr Pfleger sein Stüfftzeit erst uff Jacobi ybers Jahr zu Endte gehet.
Hinweis:  Diese Behandlung lässt sich der Kötztinger Bürger Druckmüller nicht gefallen und strengt einen Prozess gegen die Gräfin Nothafft aus Straubing an.  Die dazu gehörige Archivale im Hauptstaatsarchiv im Nothafftarchiv.
Hinweis Ende
Weiters konnte er erfahren, dass
Es angedacht ist, dass er Oberschreiber von Mitterfels Petres Pfleger werden solle, wobei dieser zusätzlich das "Stubenmensch" der gnädigen Frau von Schönstein ehelichen solle. Dann wolle die Gnädige Frau von Schönstein an Jakobi in Runding aufziehen und die Oekonomie führen, sich hauptsächlich aber , wie die gnädige Frau zu einigen leuthen selbst gesagt, darumb in Runding festsezen, damit , was allenfahls die Frau Gräfin mit Tod abginge, Sye in der possession were und nit ehenter herausgehen würde, bis mit Eur Hochfreiherrlichen Gnaden, dero Herrn Bruders Gnaden eine hochschuldig große Geölt Summa bezahlt haben werde. Und dies ist der wahrhafte Anschlag von der Frau Gräfin und Schönstein.
Dennerle rät, unterstützt von Druckmüller, dass Cajetan Nothafft sich der Juristiction und Administration von Runding versichern solle.


1756 Dennerle sitzt in Niederhatzkofen und berichtet von Runding:
der Pfleger von Runding ist vor der churfürstlichen Regierung anbefolchen worden, dass Gutt solchergestalten zuverwalten, wie er sich es vor der Regierung und denen , so daran gelegen, sich es zuv erantworten getraut


Weltuntergang

München 24.1.1751
…sonst ist allhier in der Statt der größte Lärmen und eine solche Forcht, die nicht zu beschreiben ist, es sollte nemblich auf Donnerstag den 28. diss alhir etwas erfolgen, worüber die ganze Welt erstaunen werde. Einige halten es vor ain Erdtböben, die andere vor eine gravierende Überschwemmung vermittels ausgereissung des Waller See, andere, das es an diesen Tag Feuer regnen sollte und soforth.
Wenigstens ziehlt der Englische Wahrsager auf ein großes Übel, jedoch unwissent in was landt oder Ohrt. Man will schon behaubten, es wären bereits einige Herrschaften in der Still hier abgangen, ich will halt den Straich abwartten, zum Voraus aber glaube nichts.

 

Zeitpfeil


Dennerl in München, seine Familie in Blaibach und Nothafft in  Landshut  24. Januar 1751
Nothafft schreibt er habe erst von dem schlechten gesundheitlichen Zustand  von Dennerls Frau, welche drei Wochen vorher entbunden hatte,  erfahren, gleich den Hl Sebastian angerufen und in der Vorstadt auf dessen (Sebastian) Altar eine Messe lesen lassen und nach der Besserung (=erhaltener Hilfe) sofort wiederdort  eine Dankmesse verlobt.
Ansonsten aber kommt er zur Sache und will wissen ob es in der Sache des Deutschen Ordens mit dem Baron von Roll weitergekommen ist:
Dennerl: wieder nur eine Absage und keine Audienz möglich.
Seiner Frau geht’s besser und der Arzt gibt ihm Hoffnung sie bis Lichtmessen wieder auf die Fuess zu bekommen.
Frage und Antwort nach Gerichtsverhandlung und ob es passend ist mit den Antwortschreiben etwas Zeit zu gewinnen.
Nothafft: Noch söhnlicher aber wünsche zu wissen. Ob was oder nichts mit dem teutschen orden zu machen ist.  Sein (Dennerle) lengeres in München sein und mein hier sizen, mues uns endlich so aufzöhren, das wür am endt nicht mehr wissen, woher einen bissen broth nemmen sollen
Dennerl:  Mein verlangen von hier wegzukhommen wünsche m, kann ich nicht beschreiben, genug,  Ich würde neu geboren seyn, dann in solch Umbstenden als ich bin,  lenger alhir zusein ist unerträglich
Nothafft: … Habe gestern augenblickhlich vom Nachtessen aufspringen miessen, und ich habe wirklich geglaubt, mein Endt sey verhanden ….. mit einem worth, höchste Zeit ist, ein Endt zusechen, wie es immer seyn mag, den es will wedet die gesundtheit , noch die Lebensmittel mehr dauern und von meiner Unerträglichen Einsamkeit will gar nit reden. Wie steht es um den vertrösten churfürstlichen consens?
…Bin selbst curios, w<as der Pfleger vom Aholming zu Ihm (Dennerl) sprechen wird. Er hat mir nit einmal das Neue Jahr gewunschen. Diese Missachtung tut doch wehe. Er hat doch zur Stund noch das Brodt geniesset, so ihme geben habe.
Dennerl:  Vom Pfleger von Aholming habe noch nichts zusehen bekommen, ich eiß auch nicht einmal wo selber logiert, doch höre, dass er churfürstlichen Dienst sucht. Sollte mit ihme zu sprechen kommen, so werde ihm seinen Geringen respect nicht wenig vor die Nasen ruckhen.
Der gestrige Donnerstag ist Gott lob auch vorbey, ohne dass ein mindesten etwas verwunderliches gesechen wurde.


Hatzkofen  25.3.1756
Es geht um Forderungen des Barons von Stingelheim (lt Google ist eine Tochter des Barons von Stingelheim eine Frau von Schönberg >>>>siehe "Besetzung Burg Runding") von 600 fl. Auf/von Hatzkofen.  Kloster Niedermünster ist als Geldgeber genannt und Nothafft hat wohl Schuldscheine von Niedermünster in Händen (uU der Satz ist sehr ungenau, wenn man nicht alle Informationen hat).  Gleichzeitig muss Nothafft wohl innerhalb von 8 Wochen 600 fl. An Graf Morawizky zahlen.
"Nun ist guter Rat teuer, ich besinne mich hin und her, so wais der Sache nicht zu helfen."
Er (Nothafft) habe einen jährlichen Anspruch von Hatzkofen von 600 fl., wovon dieoselben mit dene Ihrigenleben und sich auch zugleich begleyden (Bekleiden) sollen. Wan nun hochdieselbe gleich auf einmal für dero Herrn Neven (Neffen)= 600 fl. Bezahlen sollen, so ist die weittere frag unverantwortlich, von woher eur Gnaden hinach ein ganzes iahr leben khönnen.
Hatzkofen bringe zar mehr als die 600 fl. Im jahr aber:
auf den Sommerkeller sind noch vieles gersten schuldig, die erst mit dem zu verkaufenden Bier abbezahlt werden.
Vorschlag: 100 fl. Für den Neffen und seine Dienstbeförderung, mehr ist schier unmöglich.
über die Köchin: das die jetzige Köchin ein Schauer (Unglück) im Haus ist, gar gewiss……wird wohl gut sein wan diese Zäfer aus dem haus kombt
Gestrigen Mittwoch hat des Wirtts Peterls Mensch, die Euphrosina, ihr Kind bey sehr ungestimmen Wetter hirher ins Würthshaus gechickht und wie höre, hat Herr Verwalter Baader denen Eltern aufgetragen das Kind zu behalten, die es auch weill der Sohn nicht zu Haus ware, zum Fröschl ins Haus gethan, die Mutter aber befindet sich hierbei nicht. Wie es hierbei weiter gehen wird, weiß ich nicht.
Mein liebstes Näntscherl, die Eur Gnaden vielle tausend mal die Hand kiesst, hat inzwischen ihren Cartar noch sehr stark und bringet viel Auswurff heraus.  Ich hoffe aber zu Gott, dass es sich mit ihr zur Besserung anschicken werde, ob woe schon aller Anfang wegen ihren schweren starkhen Hizen geglaubt haben er mechten die Blader erfolgen. Es haben aber die Hizen wider abgenommen.

Der Mesner hat 7 Sauerprunnen Flaschen zu yberbringen
Die Briefe vom März 1756 aus Niederhatzkofen berichten - ausser von Kleinigkeiten am Rande -  ausschließlich von der Krankheit der Tochter und dem Wochenbettzustand der Frau und dann davon, Geld aufzutreiben und die schlimmsten Forderungen zumindest teilweise bedienen zu können.

Familie der Nothafft

Der Neffe Baron Cajetan von Nothafft sitzt in Amberg und braucht dringen Geld zu seinem Lebensunterhalt. 200 Gulden hätte er gerne, die Summe ist aber jenseits von Gut und böse für den Verwalter Dennerle und so schlägt dieser vor, 1 ist ihn im Staatsdienst unterzubringen und vorher für ihn in Landshut einen Kredit zu besorgen. Offensichtlich möchte/muss er nach Ingolstadt fahren und schon die Fahrtkosten aufzubringen macht Dennerle Schwierigkeiten, geschweige denn für eine "Equipage", also eine standesgemäße Ausrüstung zu sorgen.

Namen
von Luger - im Zusammenhang mit Runding
Graf von Closen - im Zusammenhang mit Schuldzahlungen
Freifrau von Stinglheimb (Barbara Rosa von Stingelheim eine geborene Nothafft) - zusammen mit der Gräfin Susanna Nothafft auf der Burg Runding welche den Niesbrauch als Witwe des Grafen Nothafft hat.
Frau Jaquemodin - bekommt Geld
Graf Norawitzky in Ingolstadt(!), war Hofgerichtsrat sowie Direktor und Vizestatthalter in Ingolstadt, zu ihm sollte wohl der Baron Cajetan, der Neffe, geschickt werden.

Kleinigkeiten

1745: Zu Kötzting bin ich Gott Lob noch nie gewesen, habe auch die Schulmeister Tochter noch nie sehen können.
Der Lärnbecher Müller zu Gmünd ist auch gestorben

Eine tolle Schießscheibenbeschreibung: - hier übertragen in moderne Sprache

Am Montag ist alhir Schießen, und eine schöner Schafbock (Schafwidder) als Preis.
Die Scheibe aber , genauer besehen, zeigt in oberen Teil einen Kirchturm mit einer heraushängenden Kirchweihfahne, das offensichtlich in Wolken sich zeigt. Unter diesem befindet sich eine Wiese, worauf eine Wildsau weidet, von beiden Seiten von Hunden umgeben. Von der Seite kommt eine Hand bzw. ein schewarz gekleideter Arm, der die Sau am Schwanz hält und darunter steht:


Wo sonst der Hunden zwölf
die Sau nit könnten fällen

da tuets ein Wunderhand
zum Fang gerecht herstellen



 






Sonntag, 9. Februar 2020

Der Schi-Stra-Bus - ein Beruhigungspflaster für den Bayerischen Wald


Der Schi-Stra-Bus und die Zellertalbahn

Bild von Michael Bauer vom DGEG Museum in Westerwald Schi-Stra-Bus bei einer Museumsfahrt 2002
Der folgende Beitrag über den Schi-Stra-Bus stammt bereits aus dem Jahre 2016, aber ein Überaschungsfund im Winter 2020 bringt mich dazu, den Beitrag noch einmal zu überarbeiten. Was ist der Hintergrund:
Schon seit vielen, vielen Jahren bin ich auf der Suche nach einem Dokumentarfilm mit dem Titel  "Der große Wald", den die Firma Leckebusch aus München in den Jahren 1955 und 1956 im Bayerischen Wald gedreht hatte.
Ich kenne Zeitungsberichte sowohl über die Dreharbeiten in Kötzting als auch aus späteren Zeiten  von den Filmvorführungen. Auch in der "Filmographie" der Firma Leckebusch, die schon lange in Konkurs gegangen ist, ist der Film aufgeführt, ohne allerdings auf einen Link oder Hinweis zu verweisen, wo noch eine Kopie des Films stecken könnte. Vom Bundesfilmarchiv in Berlin, in den einschlägigen Filmarchiven in Bayer, ja sogar bei der Nationalparkverwaltung im unteren bayerischen Wald, überall habe ich nach dem Film gesucht und in der letzten Januarwoche 2020 dann hat ihn mir Sepp Barth aus der Bad Kötztinger Kurverwaltung per USB-Stick präsentiert. Der Tourismusverband Ostbayern e.v. hatte diesen Film wohl schon lange/immer in Besitz und ihn auch digitalisieren lassen.
Über Sepp Barth habe ich dann auch die Erlaubnis erhalten den Film bzw. Teile davon zu verarbeiten.
Der Film ist solch ein tolles Zeitdokument, dass die Veröffentlichung nicht durch mich erfolgen wird, das ist eher einer Aufführung im Rahmen des Kötztinger Waldvereins passend. Später einmal kann ich dann Teile davon - zumindest was die Kötztinger Filmsequenzen betrifft - besprechen.
Übrigens, es gibt noch einen Film mit/über Kötzting, den es zu entdecken gilt, nur kenne ich von diesem nur einige wenige - so sagt man wohl heutzutage - Screenshots. Es geht um einen "Pseudopfingstfilm", nach einem Roman von Maximilian Schmidt. Wenn ich richtig informiert bin spielt Herr Henneberger den Pfingstbräutigam und das Pfingstbrautpaar fährt in einer Kutsche.
Nun aber zurück zum Grund, weshalb ich den Schi-Stra-Bus Beitrag nocheinmal in die Gegenwart vorhole:
Im Film, der große Wald, ist der sprichwörtliche Rote Faden eine Fahrt mit dem Schi-stra-bus sowohl auf der Schiene als auch auf der Straße vom Norden bis hinunter in den Süden des bayerischen Waldes, eben des "Großen Waldes". Zwei dieser Sequenzen, einmal eine Fahrtstrecke und einmal das Wechseln von der Schiene auf die Straße, habe ich herausgeschnitten und darf ich hiermit - mit Erlaubnis des Tourismusverbandes Ostabayern e.v. präsentieren
Die Landschaftsaufnahme KÖNNTE der Bereich nach dem Bahnhof Blaibach in Richtung Kötzting sein....


Der Umbau und der Wechsel von der Schine zur Straße..... im Film heißt es es wäre im Bahnhof Kötzting geschehen, ich glaube es aber nicht, der Hintergrund passt einfach nicht. Es ist die Technik, die hier so besonders ist.

Kötztinger Umschau von 1955

Der Kampf um die Zellertalbahn reicht zurück bis weit in das 19. Jahrhundert, schon die erste Industrieansiedlung Kötztings im Regenstein durch den in Eschlkam geborenen Schriftsteller Maximilian Schmidt, genannt Waldschmidt, gründete auf der Phantasie, dass mit dieser Bahn der Rohstoff Holz und die Papier- und Pappe- Fertigprodukte preiswert zu den Kunden und Abnehmern gefahren werden könnten. Aus dem großen Projekt wurde ein Pleiteunternehmen, weil die Bayerwald Eisenbahn Linie nicht über Kötzting sondern über Viechtach und Teisnach hinaus nach Deggendorf und Plattling geführt worden war.
Viele Jahrzehnte später wurde dann Kötzting selber an das deutsche Eisenbahnnetz angeschlossen. Anschließend kam die Strecke Lam Kötzting-Zellertal zur Ausführung - vorerst noch ohne eine direkte Verbindung der beiden Teilstrecken, weil der damalige Kötztinger Bürgermeister Kollmeier die Abgabe des dazu notwendigen Wiesengrundes verweigerte. Diese Weigerung erbrachte als, eigentlich provisorisches, Ergebnis einen Kötztinger Nebenbahnhof, den Bahnhof Zellertal, so dass unser eigentlicher Bahnhof  - und im Internet bei Buchungen ist er auch so vermerkt- Kötzting Hauptbahnhof heißen müsste.

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgte dann der Lückenschluss über Miltach nach Straubing.
In den zwanziger Jahren kam dann wieder die Idee der Zellertalbahn auf und viele interessierte Kräfte versuchten diese Idee zu realisieren aber erneut war es die Waldbahn, die sich als Regentalbahn durchsetzte und den Streckenschluss von Viechtach nach Blaibach folglich realisieren konnte.

Bei vielen Entscheidungen gegen die Zellertalbahn waren es durchaus wirtschaftlich Gründe, die in den schweren Zeiten gegen den Bau sprachen  aber manchmal auch der nachgewiesene Einfluss der Regentalbahn in Viechtach der in München als Bremser wirkte.

Kötztinger Umschau Februar 1950
Dieser Einfluss wird vor allen dann ab 1949 deutlich, als diese Bahn von vielen Bürgermeistern (von Cham bis Zwiesel) und vor allem von den vielen tausenden Arbeitslosen als der große Heilbringer angesehen wurde.
















Kötztinger Umschau Dezember 1949, die Kräfte werden gebündelt







 Liest man die vielen Zeitungsberichte und die Protokolle der Politikerreisen aus den Jahren 1949 bis 1953 so ist der Ablauf ein beredtes Zeichen für unterschiedliche Einflussnahmen auf die verschiedenen Entscheidungsträger.





Ganz grob kann man sagen, dass, angeschoben zuerst vom Bundestagsabgeordneten Ludwig Volkholz, sich ein Zellertalbahnkomitee gegründet hatte, in welchem sich die Bürgermeister der interessierten Städte und Gemeinden zusammenschlossen (in der Zeitung heißt es: natürlich ohne Viechtach). Der Bundesverkehrsminister wurde eingeladen und befürwortete die Strecken, die Bundesbahn befürwortete die zellertalbahn ebenfalls, stellte aber klar, dass angesichts der leeren Kassen ein Neubau auf ihre Kosten nicht in Frage käme. München sollte nach der Vorstellung der Bundesbahn den Neubau finanzieren und dort wollte der Bundesverkehrsminister auch vorstellig werden. Aber bei der Abstimmung im Landtag in München berichtet die Presse nachträglich von einer entscheidenden Einflussnahme der Regentalbahn auf die Abgeordneten.

Also ganz grundsätzlich zwei Lager: die Zellertalanlieger und der Bund dafür, München, die Post mit ihrem Bussystem und Viechtach mit der Regentalbahn AG waren dagegen.













Wie das Kaninchen aus dem Zylinder zog nun die Deutsche Bundesbahn den Schi-Stra-Bus, den Schienen Straßen Bus hervor. Ein, heutzutage würde man sagen, Hybridantrieb ermöglichte es dem Fahrzeug sowohl auf der Schiene als auch auf der Landstraße im Zellertal zu fahren. Der Zug kam in Kötzting von Cham kommend an, wurde dort hydraulisch angehoben und von dem Drehkranz der Schienen herunter auf seine Räder gehoben. anschließend fuhr der Bus auf der - sehr maroden - Zellertalstraße bis nach Bodenmais, wo er wiederum auf die Schienen der Bundesbahn wechselte.

Im Detail war der Einsatz, lt Wikipedia auf der Strecke Passau Cham geregelt:

Einsatz


Passau–Cham

Die ersten drei Serienfahrzeuge wurden mit Beginn des Sommerfahrplans ab dem 8. Juni 1953 auf der Strecke von Passau nach Cham eingesetzt:

Von den 140,7 Kilometern Gesamtstrecke wurden somit 63,8 auf Schienen zurückgelegt. Für das Umsetzen von der Schiene auf die Straße und umgekehrt wurden jeweils zehn Minuten eingeplant. Zusätzlich erfolgte ein Fahrtrichtungswechsel im Bahnhof Zwiesel. Die gesamte Reisezeit betrug fünfeinhalb Stunden. Die Verbindung wurde einmal täglich angeboten. Weil es in Cham keine Unterstellmöglichkeit gab, verlängerte man sie später unter Nutzung der Bahnstrecke Schwandorf–Furth im Wald um 19,2 Kilometer bis Furth im Wald. Hierzu war ein weiterer Fahrtrichtungswechsel in Cham erforderlich.
Die Verbindung im Bayrischen Wald bestand bis zum Ende des Sommerfahrplans 1956 und wurde vor allem wegen der im Winter auftretenden Traktionsprobleme aufgegeben. Als einzige der Verbindungen mit dem Schienen-Straßen-Omnibus erhielt sie unter der Nummer 426h eine eigene Fahrplantabelle im Kursbuch der Deutschen Bundesbahn und war deshalb auch in der beiliegenden Karte mit einer besonderen Signatur eingezeichnet.

Lt den Berichten in der Kötztinger Umschau wurde allerdings zuerst einmal im Februar 1957 für ein paar wenige Tage der Betrieb eingestellt, im darauf folgenden Sommer allerdings tauscht das Fahrzeug nicht mehr auf.


Gesagt getan, mit großem Pomp wurde die Betriebsaufnahme in Kötzting und die erste Ankunft in Arnbruck gefeiert. Kurz zuvor war die Deutsche Post mit einem Einspruch gescheitert.

Kötztinger Umschau 1953


Kötztinger Umschau 1953

die Fahrplanmässige verbindung von Passau nach Cham beginnt, Kötztinger Umschau von 1953
 Hier und folgend einige Aufnahmen, die ich von unserem Schi-Stra-Bus aus einem Film des Bundesfilmarchivs als Standbilder herauskopiert habe:

Der Film beginnt in Cham, dann folgt die geschlossene Schranke in Chamerau mit dem Stocker Haus im Hintergrund und dann der Fahrwerkswechsel auf dem Kötztinger Bahnhof.















Ein großes Hindernis - oder zumindest eine große Schwierigkeit für das Fahrzeug - aber war der Zustand der Zellertalstraße - ein anderes Projekt, dass schon seit Jahrzehnten in der Schublade gelegen war -  der für den doch relativ großen Schi-Stra-Bus einige gefährliche Begegnungen mit anderen Kraftfahrzeugen brachte.
Noch 1957 zeigt ein Bild der Ausbesserungsarbeiten dieser Straße in welch katastrophalem Zustand der Straßenbelag war und es ist ein Wunder, dass die Bundesbahn sich auf dieses Experiment überhaupt einließ.

Zellertalstraße kurz vor Traidersdorf im Jahre 1957 - auf dieser Straße mußte der Schi-Stra-Bus täglich fahren....und das auch im Begegnungsverkehr mit diversen Lastwägen,was auch häufiger zu Unfällen führte..

Wie in Wikipedia nachzulesen, wurde der Betrieb des Schi-Stra-Busses nach Ablauf des Sommerfahrplanes 1956 eingestellt, weil es in den Wintermonaten auf den Straßen des Bayerischen Waldes unüberwindliche Schwierigkeiten gegeben hatte.


Laut dem Bericht in der Kötztinger Umschau aber wurde der Betrieb zumindest noch bis Februar 1957 fortgesetzt, dann erlaubte der Straßenzustand keine Weiterführung mehr und im Sommerfahrplan 1957 gab es dann keinen Schi-Stra-Bus in Kötzting mehr


Am Ende nun ein link auf den Film in Bundesarchiv, im Laufe der Wochenschau des Jahres 1953 taucht auch unser Schi-Stra-Bus auf, aber auch der Rest des Filmes ist interessant
Die Zeitungsauschnitte stammen alle von der Kötztinger Umschau, die in der UNI Bibliothek in Regensburg archiviert ist.


Eine Zufallsbegegnung brachte noch einen schönen Fund für diese Straßen- Schienenverbindung und auch den Beweis wie klein und vernetzt diese Welt mittlerer weile ist.
Letzten Mittwoch, Anfang September kommt eine mail aus dem Stadtarchiv Amberg, weil der dortige Archivdirektor in einem meiner Beiträge die Familie Hubrich gefunden hatte - Google machts möglich - und er über Eugen Hubrich, einen unserer Ehrenbürger, einen Bericht zusammenstellt, den wir übrigens nach der Veröffentlichung erhalten werden. Ein Wort gab im Gespräch das andere und ich konnte ihm einiges an Material aus unserem Archiv zusammenstellen. In diesem Zusammenhang sah ich in den Unterlagen, die der Arbeitskreis Heimatfoschung Kötzting von Hubrich gesammelt hatte das Manuslript eines Theaterstücks von Hubrich, der genau diese Verkehrsverbindung in einem Einakter als Komödie thematisiert.
Er entwirft ein Szenario, dass die Einweihung genau am Pfingstmontag stattfinden sollte und sich im Zellertal der Schi-Stra-Bus und der gerade stattfindende Pfingstritt begegnen würden, was dann natürlich angesichts der Straßenbreite und der Zuggröße nur in einer Katastropühe enden kann.
Hier nun ein paar Seiten aus dem Originalmanuskript mit dem Höhepunkt und ein paar Pfingstszenen:

Fahr ma oder fahrma net?
Schwank in 1 Akt vond er Eröffnung der Zellertalbahn Bodenmais Kötzting
von Eugen Hubrich


erste Seite







Beschreibung der Kötztinger schweren Pferderassen, die "Auwosserer Langschwoifler"

der Zusammenstoss in der Pfingstreiterstraße bei der Konservenfabrik







Freitag, 31. Januar 2020

Geschichte(n) - Wandern - Speisen

Die Historische Einkehr - eine Gemeinschaftsaktion vom Stadtarchiv Bad Kötzting und Stadtmarketing Kötzting e.V. geht nun ins 8. Jahr. Höchste Zeit also - trotz der bisher immer ausverkauften Veranstaltungen -  sich Gedanken zu machen, ob das Konzept denn noch trägt oder ob es nötig ist, ein paar Stellschrauben nachzujustieren. Und so haben wir es uns vorgestellt:




Im kommenden Frühjahr wird die Historische Einkehr zum ersten Mal den Bereich der Stadt Bad Kötzting (aber nur ganz knapp) verlassen und beim "Fischer Naz" in Pulling gastieren.
Unabhängig davon, trage ich mich schon seit langer Zeit mit der Idee, eine Art von kulturgeschichtlicher Wanderung, die ich vor vielen Jahren bei Karl Perfler in Südtirol genießen durfte, auf Kötztinger Verhältnisse und eben auf unsere kulinarischen und kulturellen Bedingungen anzubieten.
Kennzeichnend für Perflers Wanderungen war es - ohne dafür viele Höhenmeter überwinden zu müssen  - auf den Walwegen Südtirols zu wandern, während er, ähnlich, wie ich es bei der Historischen Einkehr zwischen den einzelnen Gänge mache, uns Teilnehmern die Geschichte der Gegend, der Häuser, der Mühlen u.s.w. erzählte. Nun ist natürlich Karl Perfler eigentlich so etwas wie ein Philosoph und ein Energiebündel sondergleichen, es ist also eigentlich schon etwas vermessen seine Idee auf den Bayerwald zu übertragen ABER, wie schon Monaco Franze gesagt hat: "Ein Bisserl was geht immer....."
Nun also ganz konkret, was soll, was kann werden:

Zur Vorbereitung auf die Einkehr in Pulling habe ich bei meiner Stoffsammlung bemerkt, dass, ähnlich wie letztes Frühjahr in Liebenstein beim Wirts Sepp, der "Rote Faden" meiner Vorträge auf den "Dörfern" eigentlich eine Wanderroute darstellt, die in diesem Falle in Kötzting beginnt und in Pulling endet. Damit ist nun ist die Wanderroute ganz von selbst:


Wir treffen uns am "Roten Steg"     (hier geschah 1699 ein blutiger Mordfall)

Roter Steg und Fußballstadion
 wechseln hinüber auf den Spatiliweg 
Der Spatiliweg (Photo Serwuschok Großumschlagsammlung)
 hören von der Entstehung der Magdalenenkapelle 
Magdalenenkapelle und Grotte Aufnahme von Mathias Heilmeier um 1900

die Magdalenenkapelle und die Kötztinger Naturfreunde, nun "Freunde der Natur" bei der Restaurierung
(Photo Serwuschok Großumschlagsammlung)



weiter gehts dann zum Waldschmidthaus,
dessen Entstehung mit der Hoffnung auf einen Eisenbahnanschluss fest verbunden ist.
REPRO Arbeitskreis Heimatforschung


dann sind wir schon in seiner Firma in Regenstein - nun in Besitz der Familie Wanninger

Steinbach


 Wir blicken auf hinüber auf die andere Seite des Weißen Regens:
dort war einmal ein RAD Lager für Mädchen
RAD-Lager am Gehsberg Photo Josef Bock

gleich daneben im Steinbachtal geht die Kötztinger Industriegeschichte weiter
Holzschleifanlage im Steinbachtal Photo Josef Bock


und dann taucht auch schon Harras auf,
in den Anfängen ein Eisenwerk des beginnenden 19. Jahrhunderts, später spezialisiert auf Pappen und Holz
Photo von Alexandra Hartinger Frühjahr 2019

Gleich hinter Harras liegt eine malerische Flußlandschaft mit meandierenden Flußarmen , Brücken und Wöhrden, eine Landschaft, die ihr Gepräge durch die Lärnbechermühle erhalten hat.
Bild von Josef Barth sen.
 Der Besitzer der Lärnbechermühle hat sich einen langen und intensiven Rechtsstreit mit Windorfer Xaver von Harras über die Brückenbenutzung geliefert.


 Dann natürlich der  Blaibacher See, dessen Entstehung,mit  Namensstreit und der Umweltproblematik, ausgehend von der Papierfabrik in Teisnach

(Photo Serwuschok Großumschlagsammlung)

Am anderen Ufer erkennt man die Pullinger Mühle




und am Ende dann die Familie Höcherl und deren Fischrechte auf dem Regen

Pulling

 Und dann ist auch noch der Eisenbahnbau Cham- Kötzting
Aquarell von Mathias Heilmeier entstanden um 1900


 Beim "Fischer Naz" werden wir uns dann mit einem Drei-Gänge-Menue verwöhnen lassen. Zwischen den einzelnen Gängen kann ich dann meinen Geschichten während der Wanderung die dazugehörigen Bildern nachliefern.
Wie man sieht, steckt in den Häusern auf dem Weg nach Pulling eine Menge an geschichte und Geschichten und was man sich erwandert, kann man sich auch besser merken.




Die Rückfahrt könnte/würde dann mit den Fahrern ermöglicht, die vorher ihre Fahrzeuge nach Pulling umgesetzt haben. Dies ist ohne Probleme angesichts der Teilnehmerzahl dann vor Ort lösbar.

Dies wäre also dann ein Einstieg in eine "Historische Wanderung", die dann immer im Frühjahr - wegen der längeren Nachmittags- und Abendstunden - in dieser Form stattfinden kann/soll.


Wie könnte dies dann noch ausgebaut werden? 

  1.  mit anderen Wanderstrecken


geschichtliche Wanderung Zellertal :  über Ludwigsberg - Galgenberg - Dachsenbühl - Weißenholz - Stockmühle - Kaitersbacher Mühle - Leckern (Töpferei Zaborsky)
optional Picknick beim Reimwirt
Grub - Gruber Mühle - Strohhof - Schlossbereich - letztes Gefecht der US-Armee -
Menue z.B. beim Fechter : mit Bildmaterial zwischen den einzelnen Gängen des Menues

geschichtliche Wanderung Regental: wir fahren mit der Bahn bis nach Watzlsteg  am Bahnhof Watzlsteg (egal ob mit der Bahn von Kötzting oder Lam) dann Watzlhof (früher in Besitz des Marktes Kötzting)  - Engelmühle - Zittenhof - Fessmannsdorf - Sperlhammer
optional Picknick im Gut Sperlhammer
weiter gehts zur Wiesmühle - Sagmühle - Hammermühle
Menue z.B. im Spielekasino mit Bildmaterial zwischen den einzelnen Gängen des Menues

geschichtliche Wanderung Haidstein: Treffpunkt Urtlbachplatz (historisch Kroith) - Gehstorf - Gasdorf - Ried - Haidstein -
Menue z.B. im Hotel Bayerwald in Liebenstein mit Bildmaterial zwischen den einzelnen Gängen des Menues
- Bachmeierholz - Zeltendorf -

       2. Zusatzmodule



Musikanten erwarten uns an besonderen Orten.
Picknick mit ausgesuchten lokalen Lebensmitteln: Bier - Käse - Gselchtes - Gemüse aus lokaler Erzeugung und an Orten, zu denen man normalerweise keinen einfachen Zutritt hat..