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Mittwoch, 4. März 2026

Bilder fürs Kopfkino ....

Manchmal genügt ein einziges Foto.

Gesichter oder eine festgehaltene Szene  – und plötzlich ist sie wieder da, die halbe Welt von damals.
Beim Stöbern durch unsere Bildersammlung – oft in Verbindung mit alten Zeitungsartikeln – stoße ich immer wieder auf solche Einzelstücke. Bilder, die mehr erzählen, als man auf den ersten Blick sieht. Kaum betrachtet, tauchen im Kopf schon kleine Geschichten, Anekdoten und Bilder auf.
Ich bin mir sicher: Manchen meiner Zeitgenossen geht es dabei ähnlich. In lockerer Folge möchte ich hier solche – für mich besonderen – Funde vorstellen. Vielleicht blitzen auch bei Ihnen beim Betrachten ganz eigene Geschichten und Anekdoten auf.

Dann fangen wir mal an mit

Bild 1



Wenn da einem "Obermarktler" nicht das Herz aufgeht. Das Bild stammt von einer Generalversammlung der Kötztinger Feuerwehr und offensichtlich wurde eine ganze Garde vom oberen Markt für ihre Mitgliedschaft geehrt. Es war im Jahre 1976, als es noch die Regel war, in der Kötztinger Marktstraße zu wohnen, heutzutage sind wir nicht mehr Viele.


KU vom März 1976

Wen  haben wir denn da drauf...... lauter Helden meiner Kinder und Jugendzeit 

Den Wellisch Xaverl, Zögling vom Josefsheim, ganz aktiv beim Burschenverein, Pfingstreiter und immer für einen Spaß zu haben.
Herr Zimmerer aus der Rathausgasse, der Vater meines Mitschülers aus der Kötztinger Volksschule, ich erinnere mich noch gut an die Werkstatt in der Rathausgasse und an den Geruch des Fensterkittes.
Pongratz Heinerl  seines Zeichens ein Schreinermeister- schon an seinem Gesichtsausdruck kann man seine Lebensfreue erkennen. Er und seine Frau "Elis" waren begnadete - und vom Tanzstil auffallende - Tänzer auf den Kötztinger Faschingsbällen und hatten immer auch Kontakt mir uns Jugendlichen.
Pongratz Schorsch, Kötztings Mr. Konsum, unser Nachbar von gegenüber immer sportlich und auch ein guter Schütze.
Im Hintergrund Herr Fleischmann (Feuerwehrkommandant oder Vorstand aus Leidenschaft - was von den zwei Möglichkeiten zutrifft, bleibt für mich "ungedienten" für immer ein Buch mit sieben Siegeln) ein streitbarer Feuerwehrler für die Kötztinger Belange, vor allem, als es damals um die technische Ausrüstung (Stichwort Magirus contra Merzedes) ging.
Wagerer Franz: der Tauberer aus Berufung. Bei uns im Hof wurden die Reisebrieftauben beringt und später dann von großen Transport-LKWs abgeholt, weit weg gefahren und am Reiseziel "aufgelassen". Zuhause warteten dann die Tauberer in ihren Taubenschlägen auf  die Rückkehr ihrer Renntiere.
Der "Gams", "Schwarzanderl Gang" oder Wolfgang Kolbeck, ebenfalls ein Nachbar. Die Geschichten über, von und mit ihm sind fast ebenso legendär wie die vom Heijterl Karl. 
Der eine Hausname, "Gams“ kam von einem früheren Wirtshausausleger am Gebäude, der einen Gamsbock darstellte und der zweite Hausname, „Schwarzanderl“, stammte von einem schon  verstorbenen Hausbesitzer namens „Andreas Schwarz“, eigentlich ganz einfach. Der „Schwarzanderl“ Stall mit Garten am Ende der Metzstraße hatte jedenfalls hervorragende Zwetschgen…….


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Montag, 2. März 2026

Anfänge des Biathlon im Lamer Winkel

 Der Biathlonsport kann im Lamer Winkel - genauer im Bereich Brennes-Scheibe - auf 50 Jahre zurückblicken.

Ganz klein nur im Nachrichtenteil "Lamer Winkel" stand am 7.März die Ankündigung in der Kötztinger Umschau:

Biathlon in Lohberg

Lamer Winkel (red). Die Langlaufloipe im Gebiet Brennes-Scheibe steht morgen, Sonntag, im Mittelpunkt einer großen Veranstaltung. Die Vereinigte Schützengesellschaft richtet die ersten Biathlonwettkämpfe im Lamer Winkel aus. Der Start erfolgt um 10 Uhr. Nach 3,5 km hat jeder Teilnehmer eine Schießübung zu absolvieren. Jeder Fehlschuss wird mit einer Strafzeit von zwei Minuten geahndet. Die Siegerehrung findet eine Stunde nach Beendigung im Gasthof Huber-Frisch in Lohberg statt.


Die Idee zu dieser Veranstaltung kam dem Lohberger Schützenverein offensichtlich beim Betrachten der Biathlonwettbewerbe bei den kurz zuvor stattgefundenen Olympischen Winterspielen in Innsbruck

Erstmals in der Sportgeschichte des gesamten Lamer Winkels:
Biathlon-Wettkämpfe der Schützen im Bereich Brennes-Scheibe


Gold-, Silber- und Bronzemedaillen - Hervorragende Organisation - Disziplin, die in Zukunft zum Tragen kommt


So titelte die "Umschau" und die Kötztinger Zeitung schrieb:




Sammlung Serwuschok Umschlag März 1976
Rennleiter und Schützenmeister Karl Späth, Lohbergs Ehrenbürger und Bereitschaftsarzt Dr.  med. G. Wolf und der Kampfrichter Schorsch Koller


Lamer Winkel (kin). Biathlonwettbewerb der Vereinigten Schützengesellschaft „Osserwarte – Braustüberl“ Lohberg, im Bereich Brennes-Scheibe:
Eine Disziplin, die, wenn auch im kleinen Rahmen an die Olympischen Spiele 1976 in Innsbruck erinnerte. Geprägt durch diese sportlichen Ereignisse vor vier Wochen, reifte bei den Verantwortlichen die Idee, einen Biathlonwettkampf durchzuführen. Der Gedanke war gut und der Aufruf fand ein weites Echo. 65 Teilnehmer aus dem Lamer Winkel und darüber hinaus, kämpften mit Elan und Ausdauer um die beste Zeit und „übten“ sich im Umgang mit Kimme und Korn. Die Organisation klappte hervorragend und das Gelände hätte sich nicht besser anbieten können. Gold, Silber und Bronze „regnete“ es für die erfolgreichen Sportler Xaver Penzkofer, Steinbühl, Josef Liebl, Sommerau und Xaver Kirschenbauer, Lam. Dazu gab es noch viele Pokale und Ehrenpreise.

Und danach folgte der Bericht über das erste Biathlonrennen im Lamer Winkel:

Bewölkter Himmel, leichtes Schneetreiben und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt bestimmten das sportliche Geschehen. Die Loipe war hervorragend präpariert, als pünktlich um 10 Uhr der Start erfolgte. Nach etwa 3,5 km hieß es für die Langläufer ihre Skier abzuschnallen und am Schießstand ihr Glück zu probieren. Die Büchsen krachten und nicht jeder Schuss war ein Treffer. So gab es denn schließlich für den einen oder anderen Strafminuten, wenn sie nicht ins Schwarze trafen. Die Anlage, in einer windgeschützten Lichtung angebracht, entsprach allen Anforderungen. Durch den unermüdlichen Einsatz der vielen freiwilligen Helfer konnte die Veranstaltung reibungslos über die Bühne gebracht werden. Am Ziel waren Karl Späth und Georg Koller zusammen mit ihrem Team tätig. Decken und heißer Tee wurden den Sportlern bei Ankunft verabreicht. Die Bergwachtkameradschaft Lam und Dr. Gerhard Wolf hatten die ärztliche Versorgung übernommen, die zum Glück nicht beansprucht zu werden brauchte. Die Veranstaltung in Lohberg war für alle ein großes Ereignis und die Disziplin Biathlon wird sicherlich auch in den nächsten Jahren zur Durchführung kommen: 1977 ganz bestimmt.

Zur Siegerehrung im Gasthof Huber in Lohberg konnte Karl Späth viele Wintersportfreunde und Schützenkameraden begrüßen. Er dankte insbesondere dem Starter und Zielgericht mit Alois Stiegler, Engelbert Berlinger, Georg Koller, Bernd Plötz, Georg Weber (denn so erzählte es der Zeitmessung) für ihre Tätigkeit, sei es bei der Zeitmessung oder bei der Sicherung. Sie alle, so Späth, waren uns sehr behilflich. Karl Späth vergaß jedoch auch nicht die vielen Geld- und Sachspender und seine Schützenkameraden und -brüder, die in verhältnismäßig kurzer Zeit das ganze Geschehen vorbereitet haben.








Am Schießstand:




Die Preisverleihung


Xaver Penzkofer aus Steinbühl errang die Goldmedaille, die Nahfolgenden waren Josef Liebl (Sommerau) und Xaver Kirschenbauer (Lam)

Die jeweiligen Klassenbesten erhielten zusätzlich Pokale. 


Das Resumee


Biathlon hat gute Aussichten

Die Vereinigte Schützengesellschaft in Lohberg hat diese Sportart in das Vereinsprogramm aufgenommen

Lohberg. Mit berechtigtem Stolz konnte Schützenmeister Karl Späth vor wenigen Tagen seinen ersten Situationsbericht über die ausgerichteten Biathlon-Wettkämpfe der Vereinigten Schützengesellschaft Lohberg geben. Von seinen Ausführungen waren die Schützenbrüder und -schwestern der Lohberger „Osserwarte“ überzeugt und geschlossen war die Meinung, diese winterliche Sportart in das Winterprogramm der Schützengesellschaft fest einzubauen.
Nochmals rekapitulierte Karl Späth all die Einzelheiten einer umfangreichen Vorbereitung, die Verhandlungen mit der Fürstlichen Forstverwaltung und deren großzügiges Entgegenkommen. Aufrichtig waren seine Dankesworte an alle Freunde, die um eine so vortreffliche Ausrichtung besorgt waren und mit ihrem Beitrag diesen glänzenden und fehlerfreien Ablauf garantierten. Der Sprecher konnte es sich in der Tat ersparen, diese und jene Gönner und Förderer namentlich zu nennen. Seiner Meinung nach hier der sportliche Gemeinsinn dafür gesorgt, dem Vereinsgeschehen der Vereinigten Schützengesellschaft von Lohberg einen neuen Meilenstein seiner rührigen Arbeit zu setzen.
Der Wettbewerb musste bekanntlich am vergangenen ersten Märzsonntag wegen der ungünstigen Schneelage im Tal nach der Scheibe und dem Brennesgebiet verlegt werden. Das Wintersportjahr 1976/77 soll jedoch zeitlich so genützt werden, dass die Wettkämpfe im Nahbereich von Lohberg ausgetragen werden können und man dafür auch die entsprechenden Zuschauer hat. Dafür sind vom Gelände her gesehen ideale Voraussetzungen gegeben. Biathlon hat somit in Lohberg eine Geburtsstunde erlebt und die kommenden Jahre werden es weisen, mit welchem Recht sich dieser Sport einer zunehmenden Beliebtheit erfreuen wird. Zunächst dürfte aber die große Freude bei den Lohberger Schützen sein, die begeistert von der olympischen Idee angesteckt, ihre Gedanken so hervorragend zur Tat werden ließen.

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Sonntag, 1. März 2026

Erdäpfelboussa gegen Roumstutzn

 Die Lederdorner geben sich ein neues Gemeindewappen

Es gibt Zufallsfunde, die sind fast zu schön, um wahr zu sein. Ein solcher Fund ist ein Artikel über die Fassadengestaltung des 1976 neu errichteten Lederdorner Gemeinschaftshauses. Der beauftragte Künstler brachte an der Fassade ein von ihm entworfenes Gemeindewappen an, dessen zentrales Symbol – man staune – eine Kartoffelblüte ist.
Ausgerechnet eine Kartoffelblüte zu wählen und diese auch als Wappenmotiv zu akzeptieren, zeigt, dass sich die Lederdorner inzwischen mit ihrem „Hausnamen“ arrangiert hatten – vielleicht sogar begonnen hatten, ihn als eigenes, unverwechselbares Merkmal zu begreifen.
In dem leider nicht näher gekennzeichneten Artikel (KU, Juni 1976) wird auf die bewegte Vergangenheit Lederdorns verwiesen, die mit dem früher als Spottnamen gebrauchten Ausdruck „Erdäpfelboussa“ verbunden ist. Da zu der Zeit zumeist ein Herr Wiener die Artikel für Lederdorn und Umgebung geschrieben hat, vermute ich, dass es auch in diesem Falle so gewesen ist.

Das Lederdorner Gemeindewappen, entworfen und Gestaltet von Hans Höcherl

Hier nun ein Auszug des Zeitungsberichtes:

Im „Gemeindewappen“ eine Kartoffelblüte

Inoffizielle Wappenschöpfung – Inhalt ein Stück Heimatgeschichte

Es ändern sich die Zeiten“, sagte uns ein alter Bürger der Gemeinde Lederdorn, als er vor dem Gemeinschaftshaus am Sportplatz stand und mit der neuen Hausinschrift das Wappen betrachtete. Was er meinte, ist nur dem Kenner der Dorf- und Heimatgeschichte klar. Die Kartoffelblüte im inoffiziellen Gemeindewappen war’s, die seinen Ausspruch herausforderte. Wer etwa mit einer solchen Blüte „dekoriert“ zu Zeiten, als er jung war, sich in Lederdorn hätte sehen lassen, wäre wahrscheinlich nicht ungeschoren aus dem Ort gekommen.

Alles, was in Gegenwart von Lederdornern mit „Erdäpfeln“ in Verbindung gebracht wurde, konnte zum Zündstoff für handfeste Auseinandersetzungen werden. Nicht nur einmal gab es bei Festen und Tanzveranstaltungen, zum Teil sogar gefährliche Prügeleien und Raufereien, wenn unbedacht jemand das Wort „Erdäpfelboussa“ entschlüpft war. Mit diesem Wort soll es eine geschichtliche Bewandtnis haben. Ob sie Wahrheit ist oder den Lederdornern nur als Anekdote „angedichtet wurde“, ist nie nachgewiesen worden. Die Geschichte aber ist geradezu zum ortsgeschichtlichen Bestandteil geworden, und es würde nicht wundern nehmen, wenn sie irgendwo einmal in einer Chronik ihren Niederschlag gefunden hätte.

Vor Jahrzehnten, als die Lederdorner noch kein eigenes Gotteshaus hatten und zur Messe an Sonn- und Feiertagen in die Pfarrkirche nach Runding gingen, soll es geschehen sein. Man erzählt, dass an einem kalten Sonntagmorgen sich ein Büblein aus Lederdorn auf den Weg zur Pfarrmesse in Runding begab. Zugefrorene Fensterscheiben und der Schnee, der unter den Schuhen der vorbeigehenden Messeesuchers knirschte, verrieten die herrschenden Temperaturen. Die Mutter, um das leibliche Wohl ihres Sprösslings ebenso besorgt wie um das seelische, steckte in Ermangelung von Handschuhen, die damals noch als Luxus galten, dem Buben ein paar gekochte, warme Kartoffeln in den Hosensack, an denen er sich beim Gang zur Kirche die Finger wärmen sollte. Gesagt, getan!

Als es in der Kirche zu Runding gerade auf die Wandlung zuging und es so mäuschenstill war, dass selbst ein Räuspern schon als laut empfunden wurde, wollte das Büblein sein „Sacktüchlein“ aus dem Hosensack ziehen, um das Nasentröpfchen aufzufangen. Dabei wurde ein „Warmhalter“, eine Kartoffel, die die Mutter ihm in die Hosentasche gesteckt hatte, aus dem „Versteck“ gerissen und polferte, „boußte“ auf den Kirchenboden. In diesem Augenblick soll den Lederdornern der Spottname „Erdäpfelboussa“ geboren worden sein.

Von diesem Tag an hat es, und das ist nun nicht mehr Legende, sondern Geschichte, viele Prügeleien und Raufereien zwischen Lederdornern und Bewohnern anderer Dörfer gegeben, zum Beispiel schon dann, wenn ein Bursch etwa aus einem anderen Ort an einem Sonntag mit einer Kartoffelblüte am Hut durch Lederdorn ging. Die heftigsten Auseinandersetzungen aber lieferten sich die Lederdorner mit den „Roumstuzn“, den Rundingern. Gelegenheiten dazu gab es ja mehr als heute, denn neben dem Gottesdienst war in Runding die Feiertagsschule zu absolvieren, und natürlich blieben die Gefechte auf dem Tanzboden nicht aus, wobei man sich von Messerstechereien erzählt, die ihren Ausgangspunkt in Frotzeleien mit den Erdäpfeln genommen hatten.

Die Zeit hat sich tatsächlich geändert, wie uns der Alte sagte; denn niemand rauft heute mehr wegen eines „Erdäpfelboussers“ einer Kartoffelblüte. Man hat sie vielmehr zu Wappenehren erhoben und sie neben die weiß-blaue Bayernraute gesetzt, zu einem Dorfsymbol gemacht, das übrigens die Fußballer schon längere Zeit in ihrem Vereinswappen tragen.


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Freitag, 27. Februar 2026

Die Faschingsumzüge und Faschingshochzeiten im Jahre 1976

 Die Stadt Kötzting hatte sich wohl mit den beiden großen Umzügen 1971 - ein historischer Umzug - und 1972 - ein großer Faschingsumzug mit Paula Volkholz und ihrem juristischen Beamten Dr. Karl als die Hauptfiguren in einem Wetterhäuschen - etwas verausgabt. Im Jahre 1976 waren es jedenfalls vier Umlandgemeinden, die große Umzüge veranstalteten:
Arrach, Haibühl, Warzenried und Blaibach.

Hier nun die Bildreportagen dieser Veranstaltungen von vor 50 Jahren.



Beginnen wir mit der Faschingshochzeit in Arrach: 























Über diese Veranstaltung schrieb die  Berichterstatterin 

Die Arracher hatten ihre Wagen mit Narreteien vollgeladen

Faschingshochzeit mit viel Gaudi und noch mehr Geld / Alle Teilnehmer profitierten, die Sportler werden’s noch

Arrach (kdy). [so weit ich weiß, zeichnete Frau Fritz aus Hohenwarth mit diesem Kürzel] Das Wetter hatte es am Samstag mit den Veranstaltern der Faschingshochzeit gut gemeint. Die Sonne schien, als sich der farbenprächtige Gaudizug durch den Ort wälzte. Kind und Kegel waren auf den Beinen, groß und klein, jung und alt, und alle maskiert. Die „Dampfrösser“ tuckerten, als wollten sie die lange Fahrt, so schwer beladen, gar nicht schaffen, die Pferde hatten alle Mühe, die ihnen aufgebürdete Last über die Höhen zu bringen. Alles Volk schrie, jubelte. Alaaf und Helau klang es aus Hunderten von Kehlen. Es war „der“ Tag für die Arracher mit Trauung und Hochzeitsmahl, mit Ofenschüsselrennen und Brautstehlen.

Schon Wochen vorher hatten alle Vereine (FFW, SC, Trachtenverein, Wanderverein Grün-Schwarz, Wintersportverein, Schützenverein und der Stammtisch „Die stillen Zecher“ geplant und vorbereitet. Das war ein Wetteifern untereinander! Bürgermeister Alois Mühlbauer sprach von einer einmaligen Kameradschaft. In so enger Zusammenarbeit gelang, was man sich vorgenommen hatte. Es wurde herrlich, närrisch und ganz schön verrückt an einem Tag im Fasching 1976!

Nach der Formierung des langen Zuges, selbstverständlich mit sehr viel Fußvolk (die Wagen waren vollgeladen mit „Zweibeinern“, die man kaum erkannte) ging es bergauf und bergab, denn Arrach liegt ja angeschmiegt an den Fuß des Kaitersberges. In Rathausnähe fand dann die Trauung statt, die der Standesbeamte Reinhard Kieslinger, von Beruf Gemeindesekretär und in derlei Dingen „versiert“, vornahm. In Reimen sprach er seine „Hochzeitsrede“, die von der Braut Marlene Philomena Haarambau (Alois Brandl) mit einem lachenden und einem weinenden Auge verfolgt wurde. „Angerührt“ zeigten sich auch der Bräutigam Hieronymus Kaspar Hupfinshöh (Walter Mühlbauer) mit dem Ehrenvater Karolus Stoffmacher (Karl Weber), der Ehrenmutter Friedericke van der Siedlung (Friedrich Schmid), die Kranzjungfrauen Bernadette Ofenabfall (Bernhard Aschenbrenner) und Luise Lederhammer (Alois Mühlbauer), sowie die Trauzeugen Hanserl Schnupfenhandler (Karl Kieslinger) und Freddy Vawakal (Manfred Klingseisen).

Nach dieser „närrisch“ wichtigen Zeremonie auf dem Postament vor dem Rathaus begaben sich alle Gäste zum Hochzeitsmahl (Weißwurstessen) ins Gasthaus Ernst Aschenbrenner. Der Wirt hätte anbauen müssen, denn die Räumlichkeiten reichten bei weitem nicht aus, alle Gäste aufzunehmen. Tische und Stühle wurden noch aus der Nachbarschaft herbeigeholt und in jedes freie Eckerl gestellt. Die Braut, ins Café Rackl gestohlen, musste ausgelöst werden. Nach altem Bauernbrauch kam auch das Ofenschüsselrennen dran, das der Tormann des SC Arrach/Haibühl gewann. Als Letzte ins Ziel schleifte sich noch Josefine Achatz, die Schnupftabak für ihre „linken“ Füße bekam. Schließlich rief um 20 Uhr der Hochzeitslader zum Schenken. Das Schenkgeld kam in Scheinen, glitt raschelnd in den Behälter, wusste man doch, für welch einen guten Zweck es benötigt wurde. Alle Erwartungen wurden übertroffen, es ging ein ansehnlicher Betrag ein, der selbst Bürgermeister Mühlbauer überraschte. All die Mühe, die viele Kleinarbeit, die Großtaten, die wochenlangen Vorbereitungen im Wettstreit aller teilnehmenden Vereine und der Bevölkerung haben sich tausendfach gelohnt.

Der Vorsitzende des SC Arrach/Haibühl, Bürgermeister Alois Mühlbauer, dankte allen, die in Geschlossenheit und echter Kameradschaft etwas auf die Beine stellten, was Arrach noch nicht gesehen hatte. Es war ja die erste Faschingshochzeit, es soll aber nicht die letzte gewesen sein. Maskiert, mit einem Sombrero auf dem bürgermeisterlichen Haupt, war der „Chef“ inmitten der Faschingsgaudi „ernstlich“ überrascht, als er den Betrag erfuhr, den die Hochzeitsgäste gespendet hatten. Er wird gut angelegt und findet Verwendung als „Zugabe“ für den Bau neuer Sportanlagen.





Die Faschingshochzeit 1976 in Haibühl










In Haibühl wurde die „Ehe auf Zeit“ zur „Hochzeit des Jahres“

Alles war echt, nur Braut und Bräutigam nicht! / Und in sämtlichen Auktionen des Festes war der Faschingswurm drin

Haibühl (kul). Zu einem großartigen Erfolg für Veranstalter, Mitwirkende und Zuschauer wurde die „Hochzeit des Jahres“ am Samstag. Der Petrus hat es ganz besonders gut mit den Narren gemeint, denn den ganzen Tag über war strahlender Sonnenschein. Während des Umzuges bot sich ein farbenprächtiges Bild und Luftschlangen, Konfetti und Süßigkeiten wirbelten durch die Luft. Aus der ganzen Umgebung waren die Zuschauer gekommen und alle Straßen und Plätze waren dicht besetzt.

Ein wichtiges Amt bekleidete der Hochzeitslader Franz Mutterer, der neben 1. Vorstand Josef Huber vom Heimat- und Volkstrachtenverein „Tanneckler“ wirklich die Hände voll hatte, damit die Faschingshochzeit perfekt durchgeführt werden konnte. Leicht aber hatte es auch der Standesbeamte Josef Rainer nicht, er musste ja die eigentliche Zeremonie am Dorfplatz vollziehen und es gab großes Gelächter, als die Trauung vorgenommen wurde und aus dem närrischen Paar Johanna (Hans Weber) und Zentio (Zenta Rainer) ein „Ehepaar“ wurde.

Die „Hochzeitsfeierlichkeiten“ begannen schon am Vortag mit dem Polterabend, der zuerst beim Bräutigam und anschließend bei der Braut gefeiert wurde. Am „Hochzeitstag“ bewegte sich ein stattlicher Zug unter Vorantritt der Musikkapelle schon am Vormittag durch die Kirchenstraße, um die Braut Johanna abzuholen. Die „Gaglhenn“ wurde im Gasthaus Xaver Meindl gefeiert. Das traditionelle „Ofenschüsselrennen“ wurde durchgeführt. Den ganzen Vormittag über waren schon ständig Maskierte und Kostümierte unterwegs, um mit dem Brautpaar diesen denkwürdigen Tag zu feiern. Der Umzug am Nachmittag bot ein herrliches Bild. Er wurde angeführt von einer Gruppe des Reit- und Fahrvereins Hohenwarth. Sämtliche Vereine des Gemeindebereiches und erfreulicherweise auch ein Verein aus Lam mit einem stattlichen Wagen hatten ihr Möglichstes getan. Das Brautpaar und sein närrisches Gefolge wurden selbstverständlich in einer geschniegelt herausgeputzten Kutsche gefahren. Dann kam der „Kammerwagen“, von einem Kuhgespann gezogen. Der Fremdenverkehrsverein hatte mit seinem „Verpflegungswagen“ – es gab Kaffee und Krapfen – ebenfalls einen großen Einfall. Nach der Trauung folgten das Brautstehlen, die Brauttänze und nach altem Brauch und Sitt auch das Schenken. Bis auf den allerletzten Platz war der Saal des Gasthofes Meindl besetzt und die Hochzeitsgäste gaben sich fröhlich und ungezwungen. Die „Tanneckler“ hatten ihre wochenlange Arbeit ihren verdienten Lohn.





Der Faschingsumzug 1976 in Warzenried











Mehr als 2000 Zuschauer beim Faschingszug in Warzenried


Warzenried stand Kopf: Über 2000 Besucher säumten die Straßen, als sich der Gaudiwurm durch den Ort schlängelte. Der Faschingszug erwies sich als rundum gelungene Veranstaltung, bei der zahlreiche Gruppen Ereignisse aus Warzenried und seiner Umgebung mit viel Einfallsreichtum aufs Korn nahmen.
Natürlich durfte auch die große Politik nicht fehlen. So verabschiedete sich ein „Landtagsabgeordneter“ in einer augenzwinkernden Rede vom „Muster-Dorf“ Warzenried – ein Seitenhieb auf die Gebietsreform. Für Heiterkeit sorgten auch die beiden „Kampfhähne“ des Sportvereins, die vorsichtshalber in einem Käfig untergebracht waren.
Als besondere Sensation des Umzuges galt die „Alt-Weibermühle“, die unter dem Motto „Aus alt wird wieder neu“ dargestellt wurde. Auch der Bau der Reithalle in Warzenried und weitere örtliche Themen wurden in humorvoller Parodie verarbeitet.
Den Abschluss bildete vor dem Gasthaus Neumeier eine Szene rund um den in Warzenried gleich dreimal angesetzten Pferdemarkt – samt weiterem „Getier“. Mit dieser gelungenen Mischung aus Lokalbezug, Satire und närrischem Einfallsreichtum endete ein Faschingszug, der den Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben dürfte.

Aufnahme: kel



Der Faschingsumzug 1976 in Blaibach 




Unter 50 Gruppen auch die „Olympia-Anwärterinnen


„Ehepaar für die närrischen Tage“ mit großem Anhang 

An Ideen mangelte es den Veranstaltern nicht. Aufnahmen: khu

s



„Fasching total“: Gaudiwurm wälzte sich durch die Straßen

Mit Blaibach standen 2000 Zuschauer auf dem Kopf / Preis für viel Fleiß: der schönste Faschingszug

 

Blaibach (khu). Alle Jahre wieder muß man den Ideenreichtum, die Mühen und Arbeit der Vereine bewundern. Sie scheuen nicht einmal Kosten, damit die Tradition des Blaibacher Faschingszuges erhalten bleibt. Bei strahlendem Sonnenschein fanden sich mehr als zweitausend Schaulustige zum großartigen Treiben ein. Ganz Blaibach stand Kopf. Fazit: Es war der bisher schönste Faschingszug.

Schon beim Standkonzert am Kirchplatz sammelte sich eine Menschenmenge. Der Gaudiwurm setzte sich von den Parkplätzen des Freibades in Bewegung. Bunt war der Spielmannszug. Das letzte Bayerwaldbockerl am Anfang, dann folgte Wagen auf Wagen; dazwischen das Fußvolk. Da gab es Flieger, Katastrophenschutz, Märchen, Raubatoler, Jagdschutz, Kneipphaus, Rennfahrer, TSV mit Damenmannschaft — ein langersehnter Wunsch, Damenkegelclub einsame Herzen — „s’ Betterl ist bereit“, Geld spielt keine Rolle am Schusterberg, Damengymnastikgruppe Olympiareif, Ponys und vieles mehr. 50 Gruppen und Wagen. Das hat es noch nicht gegeben.

Erfreulich heuer viel Fußvolk und im besonderen viele Kinder. Hier hat sich das Wirken der Lehrerschaft großartig ausgewirkt, desgleichen beim Kindergarten. So gab es Kinderwagen, Pillenknick, Pfingstbrautpaar, viele Einzelfiguren. Als krönender Abschluß der Wagen: die Prinzengarde.

Allen Teilnehmern des Faschingszuges gehört Anerkennung. Sie haben Tausenden Zuschauern viel Freude vermittelt und sicher aus eigener Überzeugung, weil auch sie (die Mitwirkenden) Spaß an der Gaudi haben.

Der grandiose Faschingszug löste sich beim Jugendheim auf. Hier kam noch für die Kinder die große Stunde. Sie wurden heuer für ihr Mitwirken beschenkt. Die Vereine ließen das Werfen der Bonbons nicht unterlassen und so wurden die Geldmittel für die Kinder aufgewendet. Dank, weil sie den Gaudizug so begeistert haben. Dann war diese große Schau auf Blaibachs Straßen beendet. Konfetti und Papierschlangen gaben Zeugnis.


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