Mit der sogenannten Uraufnahme und der beginnenden Landvermessung zählte Kötzting insgesamt 159 Anwesen. Die Geschichte dieser Bürgerhäuser und ihrer Bewohner nachzuzeichnen und möglichst genau zu dokumentieren, ist das Anliegen dieser Häuserchronik. Wer sich näher mit den frühen Entwicklungen unserer Heimatstadt beschäftigen möchte – von den ersten Urhöfen bis zur Erhebung Kötztings zum Landgerichtsort –, findet dazu ausführliche Informationen in einem einleitenden Blogbeitrag.
Eine grafische Übersicht über die bereits veröffentlichten Hauschroniken gibt auch die neue interaktive Karte.
Bei den nun folgenden zehn Anwesen ist allerdings eine Besonderheit zu beachten: Die Häuser mit den alten Hausnummern 113 bis 123 bestanden bereits lange vor dem großen Marktbrand von 1867, wurden nach der Katastrophe jedoch nicht mehr an ihren ursprünglichen Standorten errichtet. Mit der Neuordnung des unteren Marktes und dem Bau der unteren Marktstraße, des Pfeffergrabens sowie später der Holzapfelstraße entstand ein neuer Ortsteil, in den die bisherigen Hausnummern übertragen wurden.
Die Identifizierung dieser Anwesen ist deshalb heute nicht mehr über ihre frühere Lage möglich, sondern ausschließlich über die weitergeführten alten Hausnummern.
Ähnlich wie beim benachbarten Haus mit der alten Hausnummer 121 ist dieses kleine Häuschen auf dem Grund des Bürgerspitals errichtet worden in der Zeit nach 1811, als die Stiftungsadministration in Viechtach(!) diese Abspaltung erlaubte.
Alte Hausnummer 122
beim Zadler
Josef Zattler und Lintinger Theres
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| StA Landshut Rentamt Kötzting B 28 |
Aus der Hand des Kötztinger Maurermeisters Hummel stammt eins sehr früher Bauplan, der sich im Stadtarchiv erhalten hat, als der Schreiner Joseph Zadler im Jahr 1822 sein kleines Häuschen um ein Stockwerk erhöhen wollte.
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| StadtA Kötzting AA XI 72 |
Josef Haas und Haas Magdalena
Hausnummer 122 in Kötzting Joseph Haas
Hofraum 1/6 Antheil mit Hsnr 94,120,121 und 127
Wurzgarten beim alten Sptalstadl
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| StA Landshut Grundsteuerkataster Nr. 5045 |
II 1 Wohnzimmer, 1 Kammer, 1 Küche und Hausboden unterm Dach
I 1 Wohnzimmer, 1 Kammer und 1 Holzlege
Die Familie Haas
- Haas Josef gegen Anna Maria Henneberger ledig von K. wegen Beschimpfung
- 31. August 1843: Josef Auzinger Drechslerssohn v K stellt bei dem diesseitigen Vermittlungsamte gegen den Häusler Josef Haas v K deshalb Klage, weil ihm der letztere verflossenen Frauentage den ì
Das nächste, was wir von der Familie Haas aus den Archiven erfahren, sind die Folgen des verheerenden Marktbrandes vom Juni 1867
Der Marktbrand vom Juni 1867
Vor 45 Jahren, die Nacht vom 3. auf 4. Juni, Montag auf Dienstag, war für unsern Markt eine Schreckensnacht. Die Einwohnerschaft hatte sich eben zur Ruhe begeben und lag im tiefsten Schlaf. Nur auf dem Kollmaier-Keller unten weilte noch eine Hochzeits-Gesellschaft; Bräutigam war der Stockmüller Hermann (Vater der † Frau Kiesl.) Heimkehrende Festgäste bemerkten zuerst – es war gegen ½12 Uhr – die aufsteigende Feuersäule und machten Lärm: es brennt beim Voglbäck (jetzt Hahn). Allein bis die Gefahr nur gemeldet wurde, hatte das gefräßige Element schon um sich gegriffen und bis die Schläfer alle geweckt wurden, stand schon die ganze Häuserreihe links der Marktstraße hinauf in Flammen, so dass viele froh sein durften, nur das nackte Leben zu retten.
Zwar waren die vornehmeren Bürgerhäuser schon gemauert, trugen jedoch vorwiegend Legschindeldächer; zahlreiche kleinere Häuschen waren aber noch aus purem Holz gezimmert.
Dazu kamen noch die aufgespeicherten Holzvorräte. Genug ganze Reihen von hölzernen Hintergebäuden, zwischen denen nur ein ganz finsterer Steig vom Drunkenpolz zum Friedhof hinanführte, die sog. „Bollburg“ (d. i. Bollwerk, denn sie standen auf den Grundmauern der einstigen Marktbefestigung); lauter Nahrung für das gefräßige Feuer. So gewaltig war die Feuersbrunst, dass in Vilshofen und in Regensburg Leute auf den Brücken stehen blieben und ihre Vermutungen anstellten.
Vom Entstehungsplatze aus griff das Feuer mit Windeseile um sich, nach oben und nach unten, auch wieder Dächer überspringend. Die Oberen wussten nicht, dass es unten, die Unteren nicht, dass es oben brenne. Wasserleitung und Hydranten kannte man noch nicht; das Feuerlöschwesen war nur wenig entwickelt. Die Löscharbeiten konnten also nichts bedeuten, ratlos und hilflos stand man der verheerenden Feuersbrunst gegenüber. Es hatte auch jeder mit sich selber zu tun, um nur geschwind die Kinder und das Vieh herauszuholen; denn auch die rechte Marktseite war schon bedroht und ihre Bewohner mit dem Ausräumen beschäftigt.
Da war's nun rührend zu sehen, wie die verschont Gebliebenen ihren obdachlosen Mitbürgern Unterkunft und Herberge anboten; selbst im Pfarrhof war Einquartierung. Dennoch mussten Familien wochenlang in Städeln kochen, wohnen und schlafen.
Der Bräu von Blaibach brachte zuerst eine Fuhre Brot und weinend nahmen die Familienväter die Laibe in Empfang. Auch sonst kam Hilfe von überall her: ganze Wägen voll Lebensmittel, Getreide, Wäsche, Kleidung etc. kamen aus den Nachbarorten den ganzen Sommer hindurch und gelangten in der Landgerichts-Remise (jetzt Amtsgericht) täglich von 10–11 Uhr zur Verteilung. Es wurde ein Hilfskomitee gebildet, bestehend aus den Herren: Pfarrer Lehner, Notar Wittmann, Bürgermeister Haas, Süß, Österer, Lukas, Kraus.
Rasch ging es an den Wiederaufbau des Marktes. Versichert waren die meisten wohl, aber unzureichend. Dafür trug eine Landessammlung soviel ein, dass auf jeden Brandleider 500 Gulden entfielen. Die Bauern fuhren Bäume herbei und bis zum Winter waren viele Wohnungen zur Notdurft wieder hergerichtet; andere wurden erst im nächsten Jahre fertiggestellt.
Schöner ist der Markt ja geworden, aber die vom Unglück Heimgesuchten können uns Jüngeren erzählen, was sie durchgemacht haben. Auch die Marktgemeinde selber musste finanzielle Opfer bringen, an deren Folgen wir jetzt noch zu leiden haben. Feuerwehr und Wasserleitung tun es nicht allein; aber durch den Schutz des Himmels möge unser Markt vor solchem Brand-Unglück bewahrt bleiben!"
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| Detail aus StA Landshut Rep 164/8 Nr. 1570: der Marktbrand in Kötzting |
Bereits am Folgetag versuchte sich der damalige Bezirksamtmann Carl von Paur durch ein tabellarisches Protokoll ein Bild von der katastrophalen Lage und den Bauschäden in Kötzting zu machen..
Zuerst jedoch wurde versucht eine Beschreibung "pro ante" des jeweiligen Brandleiders zu erstellen:![]() |
| StA Landshut Rep 164-8 Nr. 1570 der Brand in Kötzting |
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| ... war vor dem Brande mit einem Legschindeldache versehen.... Unterschrift Josef Haas" |
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| StA Landshut Grundsteuerkataster 5047 |
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| Der Entscheidende Hinweis für das Fehlen eines "Nachfolgebaus" nach dem Brande, kann man hier im Umschreibeheft erkennen: "Erloschen" Während nahezu alle vom Marktbrand betroffenen Anwesen im unteren Markt nach der Neuordnung der Straßen wieder einen Bauplatz erhielten und später unter ihrer bisherigen Hausnummer neu aufgebaut wurden, blieb die frühere Hausnummer 120 die große Ausnahme: Sie wurde ersatzlos aufgegeben und verschwand aus der Häuserzählung. |
Aus diesem Grund endet auch dieser Beitrag der Kötztinger Häuserchronik so unvermittelt. Doch auch dieses bescheidene Häuschen war Teil der Geschichte Bad Kötztings. Die Menschen, die hier gelebt und gearbeitet haben, haben ihre Spuren hinterlassen – und allein deshalb lohnt es sich, auch ihre Geschichte zu erzählen.




















