Fritz Kroher - Kötztings Mr. Germany
Am 13.4.1976 erschien in der Kötztinger Umschau die Meldung, dass der Kötztinger Kraftsportler Fritz Kroher den Titel des Mr. Germany errungen hatte.
Neben vielen Artikeln über seine Erfolge - und in Folge dessen auch die seiner Mitstreiter - haben wir von ihnen auch eine tolle Bilderserie aus dem Kretschmerarchiv.
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| KreA Nr. 160 Fritz Kroher |
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| KreA Nr. 160 Fritz Kroher |
Aus der Zeitungsausschnittssammlung des KH Krämer-Archives haben wir nun auch einige zusätzliche Informationen über Fritz Kroher und seine Mitstreiter:
Der Reporter der Umschau, Herr Kühn, berichtete am 10.9.1975 über Fritz Kroher und sein neues Sportstudio:
Kraft- und Muskeltraining auch für „Otto Normalverbraucher“
Sportstudio von Fritz Kroher bietet Möglichkeiten / Body-Building für Unverdrossene / Stärkerer Leistungswille
Kötzting (kü). Die Szene ist außergewöhnlich: Ein zartgrün gestrichener Raum, auf dem Teppichboden steht ein Wirrwarr von Sportgeräten, Hanteln dominieren. Dazwischen und darunter junge Männer, sie ächzen und prusten, wuchten und ziehen, dass ihnen der Schweiß den ganzen Körper herunterläuft. Hier werden Hochleistungen am laufenden Band erbracht. Der Effekt, den das „Sportstudio“ von Fritz Kroher in der Von-Schacky-Straße 20 allabendlich (nur sonntags nie) zu erzielen trachtet, ist vielfältig: spezifisches Kraft- und Muskeltraining für die verschiedensten Sportarten, „Body-Building“ für eine Handvoll Unverdrossener, und für jene, die schlichtweg etwas für ihre Gesundheit tun wollen. Fitness-Training. Eines wird jedoch schon nach wenigen Minuten Zuschauen deutlich: Faxenmacher haben hier keine Chance.
Die Idee, Körperbau-, Kraft- und Fitnesstraining zu einem Bestandteil des Alltagslebens zu machen, hatten schon die alten Griechen. Ihr Instrumentarium und das „know how“ unterschieden sich freilich von dem heutigen Usus: wo früher beispielsweise Steineheben lediglich die Armmuskulatur kräftigte, wird in unserer Neuzeit in festgelegten Bewegungsabläufen anhand der gesamten Körper durchtrainiert und dann mit stählernen Spezialgeräten wie Brust-, Bizeps- oder Beinmuskelmaschinen auf einen bestimmten Effekt hingearbeitet.
Fritz Kroher (29), von Beruf Ölheizungsmonteur, hatte sich 1968 dem Body-Building verschrieben, trainierte zuerst in München und führte derlei Schweißtreibendes schließlich 1972 in der Pfingstrittstadt ein. Zweieinhalb Jahre lang hatten vornehmlich Leistungssportler in einem Nebenraum der Brauerei Kolbeck Möglichkeit zu dem Spezialtraining. Nachdem das Lebensmittelgeschäft Greiner aufgelöst wurde, gab’s Platz für eine neue – und wesentlich komfortablere – Einrichtung. Fritz Kroher hat etliche Tausend Mark investiert. Sein Sportstudio soll nun auch allen Bürgern offenstehen, die „nur“ fit bleiben (oder es wieder werden) wollen.
Meisterschaften im Body-Building werden von vielen als Schau, als ein Herzeigen von übertrainierten unnatürlich ausgebildeten Muskelpaketen, die bestenfalls noch zum Schmunzeln reizen, verschrien. Doch man tut den Athleten – und das sind jene, die fünfmal in der Woche hart trainieren, auch anders – Unrecht. Fritz Kroher, allein im letzten Jahr deutscher Meister, dritter der Europameisterschaft, süddeutscher Meister, „Mister International“ und als erfolgreichster deutscher Kraftsportler und bestgebauter Athlet ausgezeichnet: „Ich bin nach den Wettkämpfen so fix und fertig, daß ich todmüde ins Bett falle.“ Wer’s nicht glaubt, möge doch einmal drei Minuten lang konzentriert beide Armmuskeln anspannen. Bei den Matadoren wird der ganze Körper gefordert.
Erfreulich sind auch die Nebenwirkungen des Krafttrainings: der Einzelne ist gezwungen, durchzuhalten, steigert damit seine Konzentrationsfähigkeit und Willenskraft. Kroher: „Ich glaube, ich bin aufgrund des Trainings schon oft mit Situationen fertig geworden, in denen andere resigniert haben.“ Wer zu- oder abnehmen will, dem wird der Erfolg garantiert.
Das neue Sportstudio soll erst in einigen Wochen offiziell eröffnet werden. Die Mitgliedsbeiträge sind gering, machen täglich nicht einmal den Preis einer halben Schachtel Zigaretten aus. Aber das wird man sowieso abgewöhnen …


Und Fritz Kroher fand auch einen weiteren Mitstreiter, der bei Wettbewerben Erfolge erringen konnte, den Kötztinger Karl Oexler. Auch er erscheint in den Bildern des Kretschmerarchives:
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| KreA Nr. 160 Karl Oexler |
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| KreA Nr. 160 Karl Oexler |
Beim Sommerlichen Fischerfest traten die beiden Kötztinger Champions im Bierzelt auf und wurden stürmisch gefeiert:
Frau Renate Serwuschok würdigte den Welt- und Europameister Fritz Kroher in einem ihrer "Scheinwerfer" Ausgaben.
Für eine sicherlich große Überraschung sorgte der Auftritt Fritz Krohers beim Burschenball im Jahre 1987 - zunächst als verkleideter Rategast beim "heiteren Beruferaten" und danach mit der Vorführung seiner Kür, mit der er im Vorjahr Weltmeister im Bodybuilding geworden war.
Hier nun ein Auszug aus dem Bericht vom Burschenball das Jahres 1987:
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Vom „Sound Sextett“ dazu ununterbrochen animiert, wurde der
Tanzreigen mit einer Vielzahl von Melodien und bei raffiniert arbeitenden
Lichtorgeln fortgesetzt. Ab 22.30 Uhr wurde dann eine Einlage, deren
Einstudierung Brigitte Ertl vorgenommen hatte, geboten, die in ihrer Perfektion
und Modalität bislang in Kötzting bei einem Faschingsball wohl noch nicht
dagewesen sein dürfte. In dieser Einlage zog man das von einer beliebten
ARD-Serie bekannte „Was bin ich?“ heran und „schlachtete“ dieses, auf die Karnevalszeit
und örtliche Verhältnisse zugeschnitten, entsprechend aus. Perücken und Kostüme
sorgten für eine verblüffende Personenähnlichkeit, auf der anderen Seite bot
die „Regie“ eine ausgezeichnete Bühnenarbeit. Dem Quizmaster Robert Lembke
(Heinrich Kuchler) und seinen Gästen „im Studio“ saßen an einem weiteren Tisch
die vier Mitglieder des „Rate-Teams“ gegenüber. Diesem gehörten Marianne
Spangla (Theo Heigl), Hans vom Bahnhof Zoo (Richard Richter), Annette von Sperl
(Walter Sperl) und der besonders scharf kombinierende Guido Dampfbach (Philip
Maimer) an. Als Gäste im Studio erschienen zunächst Josef Karg, dann Heinz
Kolbeck (imitiert und parodiert von 1. BWV-Vorsitzenden Josef Barth) und
zuletzt – wenn auch etwas verspätet – der Stargast dieses Abends, Bodybuilding-Weltmeister
Fritz Kroher. Wie im echten Studio von Robert Lembke im ARD-Fernsehen mussten
auf einer Tafel der Name, zusätzlich aber noch der Familienstand sowie ein
Hinweis, ob die Arbeit selbstständig oder in einer Anstellung bei einem
Arbeitgeber ausgeübt wird, und natürlich durfte zuletzt auch die obligatorische
Handbewegung nicht fehlen. Es wurde eine Handbewegung verlangt, die für den
ausgeübten Beruf typisch ist und dem Rateteam eine Hilfestellung geben sollte.
Erster Studiogast war ein Mann namens Josef Karg, der natürlich – wie der
„echte“ Josef Karg, auch hier wieder etwas zu spät kam. Nach dem Grund befragt,
antwortete dieser, dass er gerade vom Kartenspielen komme. Die Handbewegung,
die der Quizmaster von ihm verlangte und die typisch für seinen Advokatenberuf
sein sollte, war ein kräftiger Schlag mit der geballten Hand auf den Tisch. Das
Rateteam im Studio brauchte nur ein paar Fragen zu stellen, und schon konnte
man Kargs Beruf herausfinden: „Man könnte auch Rechtsverdreher sagen“, wie der
Quizmaster hinzufügte. Auf die Frage nach der Bedeutung der symbolischen
Handbewegung, meinte der Gefragte: „Damit verdiene ich mir mein Geld!“ Josef
Karg wurde übrigens von Gerhard Richter dargestellt.Der zweite Gast im Studio von „Robert Lembke“ war Heinz
Kolbeck, auch der „Lindner Heinz“ genannt. Dieser wurde von Josef Barth so
treffend parodiert, dass man fast glaubte, den „echten“ Heinz Kolbeck vor sich
zu haben. Auf die jeweiligen Fragen des Rateteams antwortete dieser in seiner
typischen Art und Weise, wobei der tüchtige Geschäftsmann und Bierbrauer
herauszuhören war. Seine Handbewegung, die er später erläuterte, bedeutete in
etwa das Absetzen des Bierglases unter dem Bierfass, nachdem es gefüllt war.
Wir dürfen es gleich verraten: Heinz Kolbeck, alias Josef Barth, blieb dem
Rateteam als Bierbrauer unerkannt. Dabei deutete er in seinen Antworten so viel
auf das „stärkende Mittel“ für Männer hin. „Kemmt’s hoit aussa zu mir, dann
segt’s es scho, wia guad des is, wos i moch“; so ähnlich war eine seiner
Antworten. Das Schweinchen wurde voll, 50 Mark waren beisammen und damit, so
meinte der „Lindner Heinz“ später, könnte er das nächste Pfingsten wieder gut
überstehen. Bei Josef Karg hingegen fielen nur zwei Fünf-Mark-Stücke ins
Sparschwein, dann war das Berufsgeheimnis des „schwarzen Bruders von 1.
Bürgermeister Karl Seidl“ bereits gelüftet.

Für den Ehrengast, der noch „hinter der Maske saß“, gab in
bekannter Weise der Quizmaster selbst die Antworten, wobei dieser für jede
Frage, die mit „Nein“ zu beantworten war, eine Hantel auf den Tisch legte. Es
bedurfte weniger als der maximal zehn Fragen, bis der Weltmeister im
Bodybuilding, Fritz Kroher, erraten wurde. Der Auftritt Krohers verzögerte sich
etwas, weil sich der Champion in seinem Studio erst noch warm machen musste.
Dann aber ging der Vorhang auf, und im grellen Scheinwerferlicht zog Fritz
Kroher, von allen sichtbar bewundert, seine Weltmeisterschaftskür ab. Ein
stürmischer, kaum enden wollender Applaus kam auf, und in diesen Beifall hinein
mischten sich die auffordernden Rufe „Zugabe, Zugabe …“ – und nochmals ließ der
Weltmeister seine prachtvollen Muskeln „spielen“. Spontan brachen die Burschen
und übrigen Besucher in ein dreifaches „Frisch auf!“ für den
Bodybuilding-Weltmeister aus. Danach folgte das altbekannte Burschenlied „O
alte Burschenherrlichkeit, wohin bist du entschwunden …“. Ein Dank des 1.
Burschenvereinsvorsitzenden ging noch an Brigitte Ertl dafür, dass sie mit
allen Beteiligten den Sketch einstudiert hatte.
Das Tanzkarussell wurde dann unter den Klängen der
„Sound-Maschine“ behend fortgesetzt, die Stimmung stieg immer mehr,
Luftschlangen und Geschosse, aus Blasröhrchen „abgefeuert“, schwirrten durch
den Saal. Nach Mitternacht wurden durch einen von der Diskothek „Flash“
unentgeltlich zur Verfügung gestellten Moonflower schemenhafte Licht- und
Nebeleffekte im Tanzsaal erzeugt. Plötzlich war der Burschenball von einer
echten Disco-Atmosphäre erfasst, wovon vor allem die jüngeren Besucher entzückt
waren. Erst im Morgengrauen fand die Veranstaltung als ein gesellschaftliches
Ereignis ersten Ranges langsam sein Ende.
🗺️ Ein Tipp zum Schluss:
Seit Herbst 2025 gibt es außerdem die interaktive Karte Kötztings.
Dort sind Beiträge zur Häuserchronik und viele weitere historische Themen direkt im Stadtplan verortet – jeder Marker führt per Klick zum passenden Blogbeitrag.
Die Karte funktioniert am PC ebenso wie auf dem Smartphone und kann sogar als kleine App gespeichert werden.
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