Das "alte Kötzting" bei der Uraufnahme bei der beginnenden Landvermessung hatte 159 Anwesen. Der Geschichte dieser Bürgerhäuser und ihrer Bewohner nachzuspüren und sie zu dokumentieren, ist das Ziel dieser Häuserchronik. Die Anfänge und die Entwicklung unserer Heimatstadt – von der Teilung der Urhöfe bis zur Ernennung Kötztings zum Landgerichtsort – lassen sich in einem einleitenden Blogbeitrag ausführlich nachlesen.
Für die nächsten zehn Häuser in der Liste gilt allerdings eine Besonderheit:Die Anwesen mit den alten Hausnummern 113 bis 123 lassen sich zwar weit in die Vergangenheit zurückverfolgen, wurden jedoch nach dem verheerenden Marktbrand von 1867 aufgrund des neuen Straßenzuschnitts im unteren Markt nicht mehr an ihrem ursprünglichen Standort errichtet.
Mit dem Bau der unteren Marktstraße, des Pfeffergrabens und später der Holzapfelstraße entstand vielmehr ein völlig neuer Ortsteil, in den die „alten“ Hausnummern übertragen wurden. Die eindeutige Identifizierung dieser Häuser ist deshalb heute nur noch über die übernommenen Hausnummern möglich.
Alte Hausnummer 113
beim Drickl
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| Detail aus Vermessungsamt Cham: 5168-2100-LiquiP_Bad_Koetzting_1831_Beilage_M2500_1_1-01 |
Das „südliche Anhängsel“ an unserem rot markierten Haus Nr. 113 mit der Nummer 98 diente damals – die Karte stammt aus dem Jahr 1811 – als Stadel für landwirtschaftliche Fahrzeuge des heutigen Hotel zur Post. Später wurde das Gebäude als Nebengebäude der Firma Haas genutzt.
Wegen des oben beschriebenen Zuordnungsproblems bildet das Häuser- und Rustikalsteuerkataster von 1811 für uns den ersten „Anker“, von dem aus wir weiter in die Vergangenheit vorzustoßen versuchen können.
Eine zusätzliche Schwierigkeit liegt darin, dass dieses Häuser- und Rustikalsteuerkataster die erst 1840 eingeführten endgültigen Hausnummern noch nicht kennt. Eine hilfreiche Hand hat jedoch wohl schon bei der Erstellung des Grundsteuerkatasters von 1840 diese „Entschlüsselung“ vorgenommen und die späteren Hausnummern mit Bleistift am Rand vermerkt.
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| StA Landshut Rentamt Kötzting Rep 300 B27 |
Markt Kötzting - Bro 107(!) Joseph Druckl - (in Blei: HN 113)
a:Das zum Theil gemauerte, zum Theil gezimmerte Haus mit Stall und Schupfe, dann b: einen Hausgarten
Nutzantheil an den noch unvertheilten Gemeindegründen
Gemeindsantheil im Kroith ( heute der Schinderbuckel) ao 1803 zu Acker cultiviert
Noch ein erkhaufter Gemeindeantheil in den Kroithhäng ao 1803 zu Acker und Wiese cultiviert
Das aus den Klosterpfarrgründen erkaufte Ackerl im Kroith
Diese Sucharbeit in Richtung der Vergangenheit endet mit dem Kötztinger Mesner Johann Georg Arendt, der bei einem Hausweiterverkauf im Jahre 1744 als der vorherige Besitzer angegeben ist.
Es ist leider fatal, dass es in der Reihe der Kötztinger Briefprotokolle eine ärgerliche Lücke zwischen 1742 und 1744 gibt, die es uns nicht erlaubt, den Hausbesitzer vor JG Arendt zu erfahren.
Somit haben wir als ersten belegbaren Hausbesitzer den Kötztinger Pfarrmesner Johann Georg Arent.
Josef Schaffner
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| StadtA Kötzting Verhörsprotokoll 1739ff vom 8.7.1744 |
Burgersaufnamb Weillen Joseph Schafner gewester Preim: zu Eschlkamb, dem H: Johann Georgen Arent Pfarrmösnern alhier sein Bürgersgheusl aberkhaufft; als hat man deme auf seinBeschechen Gezimmentes Bitten, vor ainen Burger an: und aufgenommen, dergestalten, daß er zumm pactiwerten Burgerrecht 6 fl 50xr bonifizoieren: auch all Burgerli: gehorsamb laisten solle id est 6 fl 40 xr
In der Kammerrechnung fol. 12 verrechnet.
Bereits im Jahre 1742 ist ein Brauer Joseph Schaffner in den Kötztinger Pfarrmatrikeln zu finden, als er - als Witwer und Brauer in Miltach bezeichnet - die Kötztinger Metzgerstochter Anna Maria Pirzer heiratete. (30.6.1742)
Am 30. März 1751 ist der Verkauf des Hauses durch Josef Schaffner an die verwitwete Küfnerin Maria Anna Dirnberger protokolliert. Im Verkaufsprotokoll wird dabei nochmals auf den vorherigen Erwerb durch J. G. Arent vom 8. Juli 1744 Bezug genommen.
Dirnberger Maria Anna
Der Kaufpreis betrug 166 Gulden und bei der Lage des Hauses heißte es: "ufm Pfeffergraben und negst Wolf Haertl , Weber entlegen".
Nachdem es in der Familie Dirnberger - deren Haus in der Nachbarschaft gelegen ist - zeitgleich einen Generationswechsel mit Hausübergabe gegeben hat, steht zu vermuten, dass die Witwe Dirnberger für sich und ihre noch ledige Tochter - oder noch weiteren Kindern - das Haus gekauft hat, denn gerade mal 5 Jahre nach dem Kauf übergab Maria Anna Dirnberger das Haus an ihre Tochter Katharina und den "Tochtermann" Josef Bauer.
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StA Landshut Markt Kötzting Briefprotokoll von 1757: Kopf der Verkaufsurkunde Kaufsybergabs Beschreibung per 150 fl Anna Dirnbergerin verwittibt burgerliche Kueffnerin alhir |
Josef Bauer und Katharina Dirnberger
Maria Anna Dirnberger verkauft das am 30. März 1751 von Josef Schaffner erworbene Haus am Pfeffergraben, unweit des Schlossers Häusl gelegen, mitsamt Wurzgärtl und Gumpbrunnen um 150 Gulden an ihre Tochter Katharina Dirnberger. Dabei wird ausdrücklich vereinbart: "dieser Gumpbrunnen geht mit Benno Strasser - das ist der Schlosser - im gemainschaftlichen Genuss." Der Mutter wird zudem das "vorhandene Stibl" als Herberge zugesichert sowie "ain Orth im Stahl zu Haltung ainiges Schaaf aingeraumbt".
Am 23.1.1758 heirateten der Kötztinger Schneidersohn Joseph Bauer - Sohn des Kötztinger Ratsherren und Schneiders Andreas Bauer und seiner Ehefrau Anna - die Kötztinger Küferstochter Katharina Dirnberger - Tochter des Küfers Johann Georg Dirnberger und seiner Frau Anna, einer geborenen Schwarz. Die Trauzeugen waren die beiden Bauern Michael Bauer aus Reckendorf und Vogl Johann aus Meinzing.
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| PfA Kötzting Band 14 Seite 161 Heiratseintrag |
Im Sommer des darauffolgenden Jahres schließt das Ehepaar einen eigenen Heiratsvertrag. Darin bringt der Schneidermeister die "von seiner Mutter gekaufte Schneidersgerechtigkeit" vertraglich in die Ehe ein, während seine Frau im Gegenzug das von ihrer Mutter erworbene Haus in die Verbindung einbringt.
Im Jahre 1760 muss der Schneider Joseph Bauer eine ganz besondere Strafe von 17 Kreuzern bezahlen. Sein Vergehen: das Alleinehüten.
Zu dieser Zeit wurden die Kötztinger Nutztiere noch in einer gemeinsamen Herde, angeführt vom Gemeindehirten, zum Weidegang auf die der Allgemeinheit zustehenden Flächen geführt.
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| StadtA Kötzting Marktrechnung von 1760 Seite 24 |
"
Nitweniger
So ist gleichfahls Joseph Paur Burger und Schneidermaister derorthen von dem Pfendter mit seinen 2 Schaafen in ainem Haaber SaammenVeldt ganz allein hierttend angetroffen und demnach, weillen es auch das erstemahl mit der Gewahrnung wie voriger angesehen, und mit der oerd: Straff vom Stuckh per 1 allen 2 also 2 ßpfennig beleget wordten thuet 17 xr 1 H."
Wegen dieser Pflicht, seine Nutztiere mit der Herde grasen zu lassen, war das "Alleinehüten" unter Strafe gestellt worden und dafür gab es sogar - solange bis die Strafe bezahlt war - einen eigenen "Pfendterstall"
im oberen Tor, dem Chamauer Tor. Die Tiere wurde also, wenn auf frischer Tat ertappt, gepfändet und im oberen Tor in einem Stall untergebracht.
Ebenfalls im Jahre 1760 wird es etwas kompliziert und - es hat den Anschein, als ob die Schreiber vor mehr als 250 Jahren auch nicht ohne Fehler gewesen wären.
Ein Schwager beziehungsweise Bruder der Ehefrau hatte der gemeinsamen Mutter, Anna Maria Dirnberger, 30 Gulden geliehen, damit diese im Jahr 1751 das kleine Haus kaufen konnte. Bemerkenswert ist dabei eine Unstimmigkeit in den Quellen: Die eigentlich als Katharina Dirnberger bekannte, inzwischen verheiratete Bauer, wird in diesem Zusammenhang als Anna Maria Bauer und als Ehefrau des Joseph Bauer bezeichnet. Um diese Schuld nun zurückzubezahlen, nimmt das Ehepaar ein Kapital von 30 Gulden bei der St. Sebastiani-Bruderschaft auf und lässt über diese Summe einen Schuldrevers ausstellen.
Drei Jahre später - nun heißt die Gattin wieder Katharina - steht die Frau des Kötztinger Schneidermeisters vor Gericht, hier dem Kötztinger Magistrat, der damals noch die niedere Gerichtsbarkeit hatte:
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StadtA Kötzting Marktrechnung von 1766 "Catharina Paurin Schneiderin. und Rosina Kalbin Würthin alhier seint unter einem Gezänckh mit verschiedenen Schmäch Wortten gegen einander gerathen, welches ihnen Verwisen, und zur STraf 1 Pfund Pfennige angelegt worden id est 1 fl 8 xr 3 1/2 (eigentlich 4) He." |
Im Bayerisches Hauptstaatsarchiv befinden sich einige Steuerlisten, die immer wieder wertvolle Hinweise darauf geben können, ob die Zuordnung einzelner Personen zu den jeweiligen Anwesen tatsächlich korrekt ist.
Der große Vorteil mancher dieser Listen – vor allem aus der Zeit vor der endgültigen Festlegung der Hausnummern – liegt darin, dass ihre Reihenfolge häufig auch die tatsächliche Nachbarschaft der Häuser zueinander widerspiegelt.
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| HStA München Landshuter Abgabe Kl Rott B 5 1777-1800 |
Hier finden wir also in unmittelbarer Reihenfolge die Namen Leonhard Haas – Joseph Paur – Michael Härtl. Auffällig ist dabei, dass bei Joseph Paur der Name Paur durchgestrichen und durch Drückl ersetzt wurde. Zudem sind bei ihm – anders als bei den beiden Nachbarn – bei den Ernteabgaben einzelne Werte eingetragen.
Dies deutet darauf hin, dass Josef Bauer und später auch sein Nachfolger Josef Drückl einen kleinen Feldbau betrieben und deshalb Naturalabgaben zu leisten hatten. Ihre beiden Nachbarn dagegen waren offenbar reine Häusler, ohne nennenswerten zusätzlichen Grundbesitz.
Eine weitere zusätzliche Bestätigung dieser nachbarlichen Abfolge ergibt sich aus den Kaufverträgen: Einmal wird als Nachbar der Schlosser Strasser genannt, ein anderes Mal ein Weber Härtl. Auch diese Hinweise fügen sich stimmig in das Bild der unmittelbaren Nachbarschaft ein.
Joseph Drickl und Genoveva Bauer
Am 4.10.1793 übergibt die - mittlerweile verwitwete - Katharina Bauer ihr Haus "am Pfeffergraben mitsamt Schneidersgerechtigkeit, nebst Wurzgartl und neuerrichtetem Gumpenbrunnen" an die Tochter Genoveva. Es sind 50 Gulden Grundschuld bei der St. Sebastiani Bruderschaft und 15 Gulden bei der Bruderschaft in Weißenregen vermerkt. Der Kaufpreis wurde mit 400 Gulden vereinbart.
Am selben Tag noch schließt die neue Hausbesitzerin einen Heiratsvertrag mit dem den Regener Schneidermeisterssohn Joseph Drückl, der mit 60 Gulden Mitgift das von ihr eingebrachte Haus "widerlegt".
Sieben Kinder werden die beiden Schneidersleute in Kötzting bekommen, von denen nur 3 das Erwachsenenalter erreichen, Josef, Lorenz und Anna. Die anderen Geschwister versterben alle in jungen Jahren: Therese mit 3 Wochen, Anna Maria mit 4 Jahren, Joseph - an Stickhkatarrh - mit 1 Jahr, Appolonia - an Darmentzündung - mit 12 Jahren
Ende August 1797 trennt sich Joseph Drückl/Drickl von einem kleinen Acker in der "Scheiblwiese". Nur wenige Wiesengrundstücke in Kötzting besitzen eine eigene Bezeichnung.
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| Vermessungsamt Cham Detail aus: 5168-2100-LiquiP_Bad_Koetzting_2_1-01 |
Die Plannummer 359 des obigen Planes bezeichnet die sogenannte "Scheiblwiese", um deren Bewässerung es in Kötzting damals viele Streitverfahren gab. Ganze 143 Gulden erhielt der Schneidermeister für dieses kleine Grundstück.
Im Jahre 1805 kann sich der Schneidermeister 150 Gulden von der Marktkasse leihen und hinterlegt dafür seine "Bürgerbehausung", die zugleich mit 400 Gulden feuerversichert ist.
Durch einen unbekannten Zufall haben sich die Wahlzettel der Kötztinger "Kommunalwahl" von 1806 komplett erhalten: Hier zunächst die Übertragung des Wahlzettels in die Gesamtliste. Damals gab es keine Wahlvorschläge sondern Jedermann konnte seine Lieblingskandidaten für die drei Ämter: Bürgermeister. Gemeinderat und Bürgerausschuss frei bestimmen.
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| StA Landshut LGäO Kötzting Nr. 793 Magistratswahlen von 1806 |
Hausnummer 93 : Josef Drickl
Für den Bürgermeister: Windorfer
Für den Rat: Anton Mack - Leszkier - Schepperl - Gernhuber
Für den Ausschuss: Math. Pfeffer - L: Mühlbauer - Baptist Lanzl und Jos. Reitmair
Hier nun sein handschriftlicher Wahlzettel:
Haus Nro 93
Vor Joseph Drickl Schneitermeister die Kammer
und Rhat wall wie auch die vor Ausschuß
Vor dem Herrn Kammer ist meine Stimme Herr
Johann Georg Windorfer alls Kammerer
Zu die Vier Ratt Herrn ist meine Stime der Erste an den Mag Naglschmitt, der 2. Herr Lesger Goltarbeiter
der dritte Herr Schebl Bater der 4 Gasper Giergenhueber Hafner
Der Ausschuß otter Gemeins Vertr. der erste Matias
Pfefer schneitermeister der 2. Lorenz Mielbauer Lein und Zeug
weber der 3. Papist Länzl Schneuter Meister der 4. Joseoph
Reitmair Kuefner vor der Brug"
Im selben Jahr kommt es zu einem Grundstückstausch: der Bäckermeister Georg Seiderer gibt an den Schneidermeiter seinen "Wiesengrund auf dem sogenannten Richtanger per 3/4 Tagwerk" und erhält dafür den Dricklschen "Laubberganteil am Watzlhof". Da das Wiesengrundstück einen viel höheren Wert hatte, muss Drückl noch 200 Gulden als Ausgleich draufgeben.
Lange behält Joseph Drückl die eingetauscht wiese nicht, sondern verkauft diese im Jahr drauf an den damaligen Müller auf der Sagmühle Johann Weber. Da er nun aber nur 200 Gulden für dieses Grundstück erzielen kann, hat er wohl einen finanziellen Verlust hinnehmen müssen.
Es kommt das Jahr 1811 und un Kötzting werden zum ersten Male Hausnummern vergeben - auch wenn diese 30 Jahre später bei der endgültigen Festlegung - noch einmal leicht verschoben werden mussten, weil bei der Erstaufnahme Gebäude in kommunalem oder kirchlichen Besitz übergangen wurden.
Hier nochmal - mit diesem Häuser- und Rustikalsteuerkataster haben wir ja diesen Beitrag begonnen -
der Eintrag:
Eine zusätzliche Schwierigkeit liegt darin, dass dieses Häuser- und Rustikalsteuerkataster die erst 1840 eingeführten endgültigen Hausnummern noch nicht kennt. Eine hilfreiche Hand hat jedoch wohl schon bei der Erstellung des Grundsteuerkatasters von 1840 diese „Entschlüsselung“ vorgenommen und die späteren Hausnummern mit Bleistift am Rand vermerkt.
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| StA Landshut Rentamt Kötzting Rep 300 B27 |
Markt Kötzting - Hro 107(!) Joseph Druckl - (in Blei: HN 113)
a:Das zum Theil gemauerte, zum Theil gezimmerte Haus mit Stall und Schupfe, dann b: einen Hausgarten
Nutzantheil an den noch unvertheilten Gemeindegründen
Gemeindsantheil im Kroith ( heute der Schinderbuckel) ao 1803 zu Acker cultiviert
Noch ein erkhaufter Gemeindeantheil in den Kroithhäng ao 1803 zu Acker und Wiese cultiviert
Das aus den Klosterpfarrgründen erkaufte Ackerl im Kroith
Nun folgt der nächste Besitzerwechsel:
Lorenz Drickl und Obermaier Katharina
Bei der oben bereits angeführten Schuldverschreibung des Dricklschen Ehepaares bei der Marktkasse ist es nicht geblieben; vielmehr häuften sich Rückstände über Rückstände an. Um sein Anwesen vor der Zertrümmerung zu retten, versuchte Johann Drickl, dieses auf seinen Sohn Lorenz zu übertragen. (StadtA Kötzting AA X/55)
Im Jahre 1824 stellte er zudem ein Gesuch um die „Verleihung einer Schneidergerechtsame“. Drickl wollte dabei nicht nur einen Teil seines Anwesens, sondern auch seine Schneiderkonzession an den Sohn weitergeben. Die Gesamtschulden bezifferte Drickl sen. auf 896 Gulden. Sein Sohn Lorenz übernahm davon zunächst 200 Gulden, um wenigstens die dringendsten Rückstände zu begleichen. Mit all diesen Manövern versuchte der Vater, die endgültige Zertrümmerung des Anwesens abzuwenden.
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| StA Landshut Rentamt Kötzting B 28 |
"Joseph Drickl übergibt am 24ten July 1828 seine Bürgersbehausung mit Gemeinde Nutzen dann Ackerl und Wiese in der Kroitt an seinen Sohn Lorenz Drückl um 675 fl sonst ohne Änderung"
Joseph Drickl arbeitete inzwischen gemeinsam mit seiner Frau sogar als Polizeidiener in Altrandsberg. Für die beantragte Übergabe legte Drickl Lorenz sowohl seinen Lehrbrief als auch sein Wanderbuch vor. Anschließend heiratete er Katharina Obermaier aus Wolfersdorf. Das Gesuch wurde schließlich genehmigt.
Josef Probst und Drickhl Anna
Im Jahre 1826 erhält der Häusler Joseph Probst das Kötztinger Bürgerrecht und heiratet, als Küfnermeister, die Schneiderstochter Anna Maria Drickhl.
Im Jahre 1827 stellt er auch einen Antrag auf die Binderkonzession:
StadtA Kötzting AA X61: "Gesuch um Verleihung einer realen Kufnerkonzession. Hat die Wohnung von Reitmaier Joseph gekauft und das erforderliche Vermögen und das Bürgerrecht erworben. Muss sich zusätzlich durch gerichtliche Zeugnisse ausweisen. Antrag wurde Genehmigt."
Am 15. Januar 1828 erwirbt er das Haus von seinem Schwager:
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| StA Landshut Rentamt Kötzting B 28 |
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Dem 15. Jänner 1828 hat Lorenz Drükl bürgerlicher Schneidermeister in Kötzting sein ludweigenes Bürgersanwesen von allda an seinen Schwager Joseph Probst KüfnerM: derorten um 675 fl verkauft, sonst ohne Änderung"
Einschub: ein Sprung zurück auf den Vor-Vorbesitzer, den Schwiegervater des Joseph Probst:
Auch in Altrandsberg war die Verschuldung Josef Drickls weiter angestiegen, wie aus einer Vergleichsverhandlung vor dem Kötztinger Marktmagistrat aus dem Jahre 1836 hervorgeht. JD war zu dieser Zeit aber bereits Amtsdiener in Kötzting geworden.
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StadtA Kötzting AA VIII/12 Nr. 60 am 20. Okt. 1836 Auf Klage der Anna Zobner led. Häuslerin v. Randsberg gegen Joseph Drickl Marktdiener in Kötzting wegen einer Schuld ad 90 fl und 8 fl Leichenkosten für ein außerehelich erzeugtes Kind, konnte ein Vergleich nicht erzielt werden, daher der Klägerin das Zeugnis ertheilt wird., Klägerin unterschreibt sich njicht Drickl Amtsdiener |
Dieses "Zeugnis" war der Beleg dafür, dass vor einer Klageeinreichung das Mittel eines Vergleich versucht worden war und war obligatorisch, um vor dem Amtsgericht überhaupt klagen zu können.
Auch Josef Drickl bemühte das Kötztinger Vergleichsamt, so zitierte er seinen Schwiegersohn vor das Amt, weil dieser seinen Austragszins, den er ursprünglich mit seinem Sohn Lorenz abgeschlossen hatte, nicht einhalte:
"22. Dezember 1842: Der vormalige Polizeidiener Josef Drickl v K stellt gegen Josef Probst, Binder von K., wegen Verabreichung des ihm nach dem Beherbergsabvertrage vom 24. Juli 1824 stipulierten jährlichen Herbergszins zu 1 fl Klage. Es kommt kein Vergleich zustande.
Es geht aber auch umgekehrt: nun geht's um das eigentlich vertraglich versprochene Heiratsgut der Tochter, welches der Schwiegersohn gerne haben würde:
16. Februar 1843: Der Häusler Josef Probst v K belangt den vormaligen Polizeidiener Josef Drickl v K auf den Grund des Eheverlangens vom 28. Juli 1827 um ein rückständiges Heiratsgut für sein Eheweib - Anna Maria Probst geborene Drickl - im Betrage von 100 fl. Der Beklagte widerspricht der Forderung durchaus und der Kläger bittet um Klageausfertigung.
Am 22.12.1853 verstirb der - nun als Polizeisoldat bezeichnete - Joseph Drickl hochbetagt mit 86 Jahren an Altersschwäche. Auch seine Frau Genoveva Drickl wurde für damalige Verhältnisse sehr alt. Sie starb am 11.10.1843 mit 82 Jahren an Altersschwäche.
Der Sohn Lorenz Drickl - Schneider - war am 20.6.1849, mit 55 Jahren der Brustwassersucht erlegen.
Die Schwiegertochter Katharina Drückl starb mit 59 Jahren an Phthisis abdominalis (=Bauchschwindsucht, wohl extreme Entkräftigung) am 13.8.1846.
Von Lorenz Drückl gibt es noch ein kleines Detail in den Akten: in den Marktrechnungen von 1843 wird er mit einer Ausgabe von 18 Gulden 36 Kreuzern (!) angeführt: für die " Errichtung der Triumphbögen" für den Bischofsbesuch.
Einschub Ende
Im Jahre 1840/1 wird das erste Grundsteuerkataster Kötztings zusammengestellt und im Jahr drauf auch ein sogenanntes Mieterkataster. Beide zusammen lassen uns einen Blick auf den Grundbesitz und auf die innere Struktur des Gebäudes werfen.
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| StA Landshut Grundsteuerkataster 5039 |
"
Hausnummer 113 in Kötzting - Kufner - Joseph ProbstEin Haus
Gebäude: Wohnhaus mit Stall aneinander, besonderer Stadl, dann Hofraum
Garten: Gras und Baumgarten, das Hausgartl
Gemeinderecht: zu ganzem Nutzantheil an den noch unvertheilten Gemeindebsitzungen"
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| StA Landshut Grundsteuerkataster 5039 |
Gemeindetheile vom Jahre 1803
Acker:
Plnr. 1046b an der Kroith
Plnr 1049 im Kroith mit Wiese, die Auwand genanntPlnr 1108 im Kroit
sämtliche kultiviert im Jahre 1803
Wiese:
Plnr 1046b im Kroith
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| StA Landshut Grundsteuerkataster 5045 Mieterkataster |
Hausnummer 113
1.) Joseph Probst, Küfner /:Hauseigenthümer
1.. Hauptgebäude
I 1 Wohnzimmer, 1 Verschlag, 1 Gewölbe und 1 Stallung
Unterschrift Joseph Probst
2.) Paul Hatzmaier, Taglöhner /:Mieter
I 1 Wohnzimmer und Verschlag, Antheil am Hausboden unterm Dach
Unterschrift Paul Hatzmayr
3.) Theres Hatzmaier, Arbeiterin /:Miether
II 1 Wohnzimmer, 1 Kammer und Antheil am Hausboden unterm Dach
Unterschrift X =Handzeichen der Theres Hatzmaier
2. Nebengäbäude:
4.) Joseph Pfobst, EIgenthümer
Eine kleine Scheune mit der Thenne, dann Stall
Unterschrift Joseph Probst"
Im ersten revidierten des Grundsteuerkataster von 1860 findet sich am Anfang des Bandes bereits eine Fortschreibung der Besitzverhältnisse:
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| StA Landshut Grundsteuerkataster 5047 |
Auf den Küfner Probst Joseph folgen hier zunächst sein Sohn Johann und danach folgt bereits der nächste Josef Probst.
Probst Joseph und Waldherr Theresia
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| Foto Pongratz das "Team" von 2024 zusammen mit dem Kötztinger Bürgermeister Markus Hofmann |
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Foto Homepage des Burschen- und Wanderervereins Bad Kötzting v.l. Felix Pfeffer - Eva Maria Schreiner - Andreas Kolbeck - Andreas Oexler Pfingstdienstag 2024
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Im drauffolgenden Jahr -2025 - zeigte sich die "alte" Pfingstbraut den Burschen am Alten Rathaus am Pfingstmontag - im Zusammenhang mit dem Ehrentrunk des "neuen" Pfingstbrautpaares - und trug dabei ihr "Pfingstdienstagskleid", kam also in Farbe.
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| Foto Pongratz: Pfingstmontag 2025 |
Am Folgetag war die Pfingstbraut des Vorjahres dann in "Weiß" zu bewundern, während die "neue" Pfingstbraut in Farbe ging.
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| Foto Pongratz: Pfingstdienstag 2025 |
Das war aber noch nicht der Abschluss ihrer Aufgaben. Seit wenigen Jahren ist es die Pfingstbraut des jeweiligen Vor-Vorjahres, die beim Ehrentrunk die Zinnbecher den Gästen anbietet. Hier also der abschließende Einsatz der Pfingstbraut Eva-Maria Schreiner am heurigen Pfingstmontag:
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Foto Pongratz: Pfingstmontag 2026: Eva Maria Schreiner und die Mutter der Pfingstbraut von 2026 Romy Weindl. |
Da es in heurigen Jahr (2026) den zweiten Teil der Kötztinger "Pfingstbrautkleidausstellung" gab, kann ich hier das tolle goldfarbige Brautkleid Eva-Maria Schreiners vom Pfingstdienstag 2024 - einschließlich der langen Schleppe - noch anfügen:
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| Foto Pongratz 2026 |
🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:
Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken. Wer es noch nicht weiß, um was es sich bei diesem Programm handelt, kann sich gut im folgenden Blogbeitrag informieren: Die interaktive Karte und ihre Möglichkeiten :
🔎 Wer diesen Beitrag dort wiederfinden möchte, muss ein wenig suchen:
Er verbirgt sich in der Markergruppe
Kötztinger Häuserchronik 
Viel Freude beim Entdecken!