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Freitag, 28. August 2026

Erinnerungen an Altkötzting Nr. 69: vom Schweinemarkt zum Viktualienmarkt

  In der Bildersammlung des Stadtarchivs haben sich zahlreiche Momentaufnahmen erhalten, die einen „Blick zurück“ auf das Alltags- und Gesellschaftsleben früherer Jahrzehnte erlauben: auf Handel und Gewerbe ebenso wie auf Feste, Bälle und gesellige Abende, bei denen besonders der Fasching mit seinen Burschenbällen und Abschieden eine prägende Rolle spielte. Neben diesen unbeschwerten Szenen verweisen die Aufnahmen aber auch auf Herausforderungen, die das Leben in Kötzting lange begleiteten, allen voran die immer wiederkehrenden Hochwasser in den Auwiesen, die eine Nutzung dieses Bereichs über Jahrzehnte hinweg erschwerten. Erst die Hochwasserfreilegung schuf die Voraussetzungen für eine grundlegende Umgestaltung – und damit für die Entstehung des heutigen Kurparks - des größten Parks übrigens in der ganzen Oberpfalz.. Die folgenden Bilder führen zurück in ein Kötzting vor rund 50 Jahren und erinnern an das "Stadtbild" jener Zeit.

Im August 1978 endete die Zeit der Kötztinger Viehmärkte mit den letzten, nur noch spärlichen Resten eines Schweinemarktes. Gleichzeitig fruchteten die Bemühungen um die Einrichtung eines Viktualienmarktes: Im Pausenhof der Holzapfelschule entstand der erste Verkaufsstand.
In der Kötztinger Umschau wurde diese Entwicklung begleitet:

KU vom 8. Juli 1978
"Ferkel das einzige Handelsobjekt - Trotzdem noch etwas Tradition  - Samstag erster Viktualienmarkt"
Serwuschok U164 
Da "Schousta Sepp" am Marktplatz in Kötzting am 8.7.1978 als potentieller Käufer

Die Umschau berichtete auch über die "Entwicklung" des Kötztinger Marktgeschehens.

"Kötzting (kxa). Die Tradition der „Märkte“ in Kötzting lebt wieder auf. Die „Standmärkte“ konnten sich bis in unsere Tage erhalten, während die „Viehmärkte“ im Verhältnis zu früheren Zeiten zusehends an Bedeutung verloren haben. Um so erfreulicher ist die Tatsache, dass nach einem Beschluss des Stadtrates vom 11. April dieses Jahres die Einführung eines „Viktualienmarktes“ beschlossen und vom Landratsamt Cham am 6. Juli 1978 genehmigt wurde.

In diesem Zusammenhang einen Blick zurück: Der Markt Kötzting war vor fast 130 Jahren schon Mittelpunkt des Wirtschaftslebens in weitem Umkreis. Dies geht aus einer „Bekanntmachung“ des Magistrats vom 9. April 1850 hervor:

„Im Markt Kötzting werden alljährlich mit höchster Bewilligung der k. Kreis-Regierung sieben Jahrmärkte, und zwar der erste am letzten Sonntag im Monat Jänner, der zweite am fünften Sonntag in der Fastenzeit, der dritte am Christi-Himmelfahrts-Tag, der vierte am ersten Sonntag im August, der fünfte am Sonntag nach Maria Geburt, der sechste am letzten Sonntag im Oktober und der siebte am dritten Sonntag im Dezember, respektive am zweiten Advents-Sonntag abgehalten, und ist mit jedem Tag vorher die Abhaltung eines Viehmarktes verbunden.

Der Plötz´sche Viehanhänger vor dem Wirtshaus Miethaner am oberen Markt.


Indem man die Landwirte und sonstigen Vieh-Besitzer der diesseitigen Waldgegend hiervon geeignet in Kenntnis setzt, werden dieselben bei der vorteilhaften Lage des Marktes Kötzting diese Gelegenheit benützen, zur Belebung des Verkehrs im allgemeinen ihre zum Verkauf an den abzuhaltenden Viehmärkten behufs der Veräußerung wie anderwärts auch im Markte Kötzting zu lassen. Kötzting, den 9. April 1850, gez. Schrank und Graßl.“

Aus welchen Überlegungen auch immer, verlegte der Magistrat von Kötzting nach seiner „Bekanntmachung“ vom 10. März 1893 die vor dem bewilligten Viehmärkte auf den Montag der nach der Bekanntmachung von 1850 benannten Jahrmarkt-Sonntage. Die kgl. Regierung von Niederbayern, Kammer des Innern, erkannte damals schon: „Der günstigen Lage des Marktes Kötzting als Mittelpunkt eines großen Bezirkes mit bedeutendem Viehhandel kommt noch der Umsatz zugute, dass die Lokalbahn Cham–Kötzting einen Anschluß an die Hauptbahn ermöglicht.“

Weiter heißt es in dieser „Bekanntmachung“, die vom 1. Magistratsvorsitzenden Oesterer signiert wurde: „Den Marktbesuchern und Käufern ist die beste Auswahl geboten. Zu recht zahlreichen Besuch der Viehmärkte wird hiermit eingeladen.“ Nach einer Verfügung des Bezirksamtes Kötzting vom 27. August 1927 über den „Verkehr mit Vieh und Fleisch“ wurde dem Viehmarkt auch ein Schweinemarkt angeschlossen, der an jeden zweiten Freitag eines Monats und zwar von sieben bis zwölf Uhr stattfand.

 

Kötztinger Anzeiger vom 20.2.1931. 250 Stück Großvieh wurden angetrieben.

 „Annodazumal“ wurde auch auf die strengen ortspolizeilichen Vorschriften „zum Vollzug der Viehmarktordnung“ vom 2. Juli 1927 aufmerksam gemacht, wonach das Vieh höchstens in drei Koppeln aufgetrieben werden darf. Der Paragraph zwei besagte, dass das Wort „Viehtransporteur“ durch das deutsche Wort „Viehtreiber“ zu ersetzen sei.

Interessant ist auch das „Amtsdeutsch“ von damals hinsichtlich der Gebührenordnung: „Die Gefährdung der Viehmarktgebührenordnung durch Zuwiderhandlung gegen vorstehende ortspolizeiliche Vorschrift wird mit Geldstrafe bis zu 150 RM, die rechtswidrige Entziehung oder Verkürzung dieser Gebühren, sofern dieselben den Betrag von 4,50 RM nicht übersteigen, mit Geldstrafe von 150 RM, bei höheren Beträgen bis zum zehnfachen, im Rückfall bis zum 20fachen Betrag des entzogenen Gefälles, keinesfalls aber mit einer geringeren Geldstrafe als 1 RM bestraft.“

KU vom November 1948

„In der guten alten Zeit“, so jedenfalls erinnerte sich noch ein älterer Viehhändler an die Erzählungen seiner Vorfahren, „war an den Markttagen in Kötzting noch was los“. Die Bauern kamen in Scharen. Die „Handelsschaften“ spielten sich auf dem oberen Markt ab. Der Auftrieb der Rindviecher, Zuchtsauen und Ferkeln und vor allem der Rösser war groß und auswahlreich. Die Bauern trieben ihr Vieh bis vom Zellertal, vom Lamer Winkel, vom Hinterland des Hohen Bogens und zeitweise auch von „Drüben“ (Böhmen) zum Markt, die Sauen und Ferkel wurden mit dem Schubkarren oder Handwagerl transportiert. In unserer heutigen motorisierten Welt wäre das unvorstellbar.

KU ein Bild des monatlichen Schweinemarktes aus besseren Zeiten. August 1963
Die Viehhändlerin links mit dem Schweinchen auf dem Arm könnte/sollte Frau Plötz gewesen sein.

Mit einem Handschlag wurden die Geschäfte besiegelt, und für die Bauern bedeutete damals der Marktbesuch gewissermaßen ein Festtag. Die Handelsleute brachten Leben in den Markt und nahmen nicht nur Neuigkeiten, sondern auch „Mitbringsel“ mit nach Hause.

Ganz anders ist die Marktsituation in unseren Tagen. Der Besuch des gestrigen Ferkelmarktes vor der Veitskirche hatte alles andere, nur nicht das bewegte Bild früherer Zeiten. Ein ortsansässiger Viehhändler wartete seit sechs Uhr in seinem Pkw auf Kundschaft. Im Anhänger seines Autos aalten sich ganz friedlich sieben Ferkel. Kein Grunzen war zu hören, keine Anzeichen für einen „Saumarkt“ zu entdecken. Erst gegen sieben Uhr visitierte ein Bauer aus dem Umland die Viehhändlerin, dann kam noch ein Landwirtsehepaar aus der Stadt dazu. Es gab nicht viel Auswahl zum „Ausspielen“, was den Preis betrifft. Die Interessenten kauften kurzentschlossen das Stück für 110 Mark. „Das wird alleweil schlechter“, sagte der Viehhändler etwas verdrossen und meinte auch, „dass wird mit dem Saubilligsein heit an nimmer stimmt“. Vor einem Jahr kamen noch Händler aus der Oberpfalz und vom Gäuboden mit einem Angebot von etwa 200 Ferkeln. Heute fahren die meisten Bauern mit ihrem Pkw nach Straubing zu den großen Märkten oder sie lassen sich mit Nachwuchstieren vom „Schweinering“ versorgen. Die meisten Abnehmer sind inzwischen Privatleute, die zum Eigenverbrauch noch „saufüttern“. „Manchmal steh i da von sechse bis achte und na foahr i halt wieder heim, ohne a Stückl verkauft zu ham“, gesteht der Händler. Er beklagt, dass die Holländer den Ferkelmarkt bestimmen und wöchentlich bis zu zweitausend Tiere ausführen. „Do ist für uns nix mehr drin“, resigniert der Mann. „Früher war halt mehr los auf die Viehmarkt.“


Doch nun hat es den Anschein, als ob die alte Markttradition wieder aufleben würde. Nach einer Verlautbarung der Stadtverwaltung wird bereits am kommenden Samstag, 15. Juli, von 7 bis 12 Uhr in der Holzapfelsstraße vor dem neuen Parkplatz ein Viktualienmarkt gehalten, der den Hausfrauen die Möglichkeit geben soll, Gemüse, Obst, landwirtschaftliche Erzeugnisse und Blumen frisch von Feld und Garten am Stand zu kaufen. Mit dieser Einrichtung dürfte sich eine echte Verbraucherlücke schließen.

Am Samstag der drauffolgenden Woche war es dann soweit, der neu genehmigte Kötztinger  Viktualienmarkt nahm seinen Anfang und Frau Serwuschok berichtete:

KU vom 14.7.1978

Der erste und einzige Verkaufsstand beim neuen Kötztinger Viktualienmarkt des Riedersfurther Gärtners. KU vom 14.8.1978


Kötzting (na). Der erste Viktualienmarkt fand an einem Stand statt. Die Bemühungen der Stadt, Interessenten zu finden, die Obst, Gemüse und Blumen feilhalten, haben auf Anhieb wenig Erfolg gebracht. Die Wiederbelebung dieser Tradition, die noch Anfang der 50er Jahre ihre Verkaufsstände beim Alten Rathaus und vor den Häusern, in denen jetzt die beiden Apotheken etabliert sind, aufgeschlagen hatte, scheint zögernder anzulaufen als ursprünglich angenommen.

Mit einem gewissen Neid blicken die Kötztinger schon seit langem zum Beispiel hinüber nach Viechtach, wo der Wochenmarkt dem Verbraucher eine gern genützte Einkaufsquelle bietet. Der Initiative eines einheimischen Gartenbaubetriebes ist es zuzuschreiben, dass die Stadtverwaltung bei der zuständigen Aufsichtsbehörde die Genehmigung für die wöchentliche Abhaltung eines Viktualienmarktes eingeholt hat. Sie hat sich noch ein übriges und machte alle Geschäfte zu ortsansässigen Gärtnereien auf diese Möglichkeit aufmerksam.



Trotzdem sah sich der Riedersfurther mit seinem Stand allein auf weiter Flur, als er am vergangenen Samstag zum Markt brachte, was für diesen Zweck in seinem Betrieb gewachsen war. Die Hausfrauen griffen gerne zu. Schon kurz nach 10 Uhr waren gerade noch drei Stängel Blumen, ein Krautkopf und ein paar Stauden Salat zu haben und auch das ging noch reißend weg. Für nächsten Samstag hat sich ein zweiter Händler verbindlich angesagt.

Einheimische Geschäftsleute, auch solche, die früher den Markt geschickt haben, wollen zusätzlich keinen Stand aufschlagen. Sie bleiben lieber in ihren Verkaufsräumen. Die Stadt rechnet aber damit, daß vielleicht Bauern und Landwirte aus der Umgebung die Möglichkeit nutzen könnten, auf dem Viktualienmarkt ihre Erzeugnisse zu verkaufen. Interessenten sollten sich im Neuen Rathaus melden.

Übrigens wird der Markt künftig – also auch schon nächsten Samstag, nicht vor der Holzapfelschule gehalten, sondern vor dem provisorischen Parkplatz in der Holzapfelstraße auf der Fläche neben dem Anwesen Barth, die sonst auch für Parkzwecke zur Verfügung steht, am Markttag aber für die Verkaufsstände reserviert bleibt. 

Die Produktpalette würde ich als "übersichtlich" bezeichnen, trotzdem war der Start offensichtlich ein Erfolg und alle Seiten zufrieden.


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Kötztinger Allerlei  Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Kötztinger Allerlei im Bereich des Marktplatzes zu finden

 

Nicht jede Geschichte lässt sich einer festen Kategorie zuordnen. Die Markergruppe Kötztinger Allerlei versammelt besondere Fundstücke, kuriose Begebenheiten, interessante Entdeckungen und bemerkenswerte Episoden aus der Geschichte Bad Kötztings. Gerade diese Vielfalt macht oft den besonderen Reiz historischer Spurensuche aus.

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Mittwoch, 26. August 2026

Eine Schiffswerft inmitten des Bayerischen Waldes

 Die "Constellation" aus Thenried


Sammlung AKH Ordner Umland Rimbach - Thenried - Zenching

Viele werden sich sicher noch daran erinnern, dass gleich rechts an der Ortseinfahrt von Thenried in den 1970er Jahren ein Schiffsrumpf entstand – Stück für Stück. Für mich als unwissenden Autofahrer sah es allerdings immer so aus, als würde sich an diesem Schiffsrumpf überhaupt nichts verändern. Jahr für Jahr stand das gewaltige Ding dort auf seinem hölzernen Gerüst und schien einfach nicht fertig werden zu wollen.

Ein Zufallsfund in unserer losen Bildersammlung – zumeist aus der Sammlung Serwuschok – brachte dann diese beiden Bilder zutage. Das erste zeigt den noch im Bau befindlichen Rumpf, das zweite die fertige Yacht. Und plötzlich war auch die Erinnerung an das schon lange vergessene Schiff wieder da – und meine Neugier sowieso.



Denn nun stellte sich natürlich die Frage: Wer hat dieses Schiff gebaut? Was hatte eine Yacht ausgerechnet in Thenried zu suchen? Und was wurde schließlich aus ihr?

Wie immer, wenn es um Themen aus dem Gemeindebereich von Rimbach geht, ist Gwasch Silberbauer eine zuverlässige und reichlich sprudelnde Quelle. So also auch dieses Mal. Durch seine Zeitungsausschnitte kann ich nun die außergewöhnliche Geschichte dieses "Motorseglers" nachzeichnen. Im Jahre 1978 schrieb ein Redakteur der Kötztinger Umschau mit dem Redaktionskürzel (ab) über dieses "Trockendock":


"Kötzting/Thenried. (ab) Ein wunderliches Ding steht am Ortseingang von Thenried, so mancher hat sich sicherlich schon gefragt, was ein im Entstehen begriffenes Schiff mitten im Bayerischen Wald soll! Wenn allerdings die Hintergründe bekannt sind, ist die private Baumaßnahme ganz verständlich. Ein Hesse, den die Bundeswehr nach Bayern verschleppt hat, es gefällt ihm hier dennoch ganz gut, hat den Entwurf für seinen Motorsegler selber gefertigt und erbaut nun sein Schiff auch in eigener Regie. Herbert Schönfelder, so heißt der Oberfeldwebel, wird bei seiner Arbeit vom „stillen Teilhaber“ und Kameraden Manfred Dietl nach Kräften unterstützt.

Herbert Schönfelder hatte bereits von Kind an Interesse an solchen „Fahrzeugen“ und nun verwirklicht er eben seinen Traum. Allerdings ist er der Meinung, dass bei der Umsetzung in die Realität die Jugendträume zerstört werden. Man muss sich nach dem Marktangebot richten und die einzelnen Arbeitsschritte sind doch ziemlich langwierig. Bereits seit vier Jahren laufen die Vorbereitungen. Zuerst musste er sich mit der Fachliteratur vertraut machen, viele Ausstellungen besuchen und einschlägige Erfahrungen am Meer sammeln. Dann konnte er erst den Entwurf und den Schnitt anfertigen. Seit Mai dieses Jahres wird nun an dem 19,5 Meter langen, 4,95 Meter breiten und 4,60 Meter hohen Zweimaster gearbeitet. Über das Eisengerüst wird eine aus Stahlbeton gefertigte Außenhaut gezogen werden. Die aus Ferro-Zement, so wird das verwendete Material genannt, bestehenden Außenwände werden nur 2,5 cm dick und nicht mit Hilfe einer Schalung angetragen, sondern gespachtelt.

 


Ein besonderer Umstand, der das Gefährt einmalig macht, ist der, dass dies das erste Schiff in Deutschland sein wird, das in Stahlbetonbauweise errichtet und mit einem mittellangen Kiel von 7,5 Meter ausgestattet wird.

Ist dann das ganze Projekt abgeschlossen, 1982, wenn die beiden Oberfeldwebel aus der Bundeswehr entlassen werden, soll es soweit sein so weist der Motorsegler eine Wasserverdrängung von 37 Tonnen und eine Segelfläche von 170 Quadratmetern auf. Er wird mit zwei Masten, einem 22 Meter hohem Hauptmast und einem 17,5 Meter hohen weiteren Mast und mit einem Dieselmotor von 120 PS ausgerüstet. Die beiden „Schiffbauer“ wollen ihr „Boot“ ganz allein vollenden, vor allem die Inneneinrichtung (10 Gästekabinen für die Unterbringung von Tauchern – sollen installiert werden), die Arbeiten am Mast und die Holzarbeiten sind hier zu nennen. Das benötigte Material wird von den einheimischen Firmen gekauft. Nur der Maschinenbau und ähnliche Details werden den Fachmann überlassen. 


Der Aufwand für diesen Segler ist etwa vergleichbar mit dem eines Hausbaus. Aber die Strapazen sollen sich auch lohnen, denn hier wird die Grundlage für ein Sporttauchunternehmen geschaffen. Herbert Schönfelder, lässt sich noch während seiner Dienstzeit zum staatlich geprüften Tauchsportlehrer ausbilden und kann dann eine Taucherschule gründen. Da dies im Bayerischen Wald ein bisschen kompliziert werden dürfte, wird der fertige Zweimaster mit einem Tieflader nach Deggendorf gebracht und dort „gewässert“. Er fährt dann selber bzw. von einem Schlepper gezogen, auf der Donau dem sonnigen Süden entgegen. Die heutigen Oberfeldwebel, deren Familien, Frau und Kinder auch fleißig mitbauen, werden sich dann in Griechenland oder Jugoslawien niederlassen. Dort werden sie dann bestimmt dieses Problem mit dem schlechten Wetter nicht mehr haben, das die Bauarbeiten, die ja unter freiem Himmel erledigt werden müssen, beträchtlich verzögert hat. Es bleibt nur zu hoffen, dass der nächste Sommer viel Sonnenschein mit sich bringt, damit die Arbeiten leichter und schneller ausgeführt werden können. 



Die Bauzeit dauerte dann doch noch "etwas" länger als ursprünglich angedacht. Am 11.6.1988 berichtete Frau Renate Serwuschok in der Kötztinger Umschau über den - Stapellauf kann man es ja wohl noch nicht nennen - aufwändigen Transport des Schiffsrumpfes von der Werft in Thenried an die Donau bei Straubing.



DIE 38 TONNEN SCHWERE BETON-JACHT „CONSTELLATION“ ist gestern am frühen Morgen in Sossau bei Straubing ausgelaufen. Vor seiner Jungfernfahrt musste das 19,5 Meter lange, fünf Meter breite und 4,70 Meter hohe Ungetüm aus Beton allerdings mit Hilfe eines Lasterkrans auf einen Tieflader verfrachtet werden und eine drei- bis vierstündige Nachtfahrt mit Polizeibegleitung überstehen. Viel Geduld mussten am Donnerstagabend und -abend die vielen Schaulustigen aufbringen, bis die Stahlseile des Krans für den Hebeakt exakt schön und die Jacht auf den Tieflader gehievt werden konnte. Zeitaufwendig gestaltete sich auch die Befestigung der „Constellation“ auf dem Tieflader. Von einer Polizei-Eskorte begleitet, wurde das in elf Jahren von Herbert Schönfelder nahezu im Alleingang konzipierte und erbaute Schiff über Lederdorn, Blaibach und Miltach auf der Staatsstraße nach Sossau gebracht, wo es gestern auslief. Die Donau abwärts steuern die Schönfelders zusammen mit dem Ehepaar Sitzmann zunächst das Mittelmeer an und werden an Bord ihres Schiffes eine Tauchschule gründen. – Unsere Aufnahme zeigt die Beton-Jacht, die per Kran auf den Tieflader gehievt wird.


Im Jahre 2015 blickte die Zeitung noch einmal zurück auf den "Paradiesvogel" von der grünen Wiese bei Thenried:

Die „Constellation“

Das Thenrieder Betonschiff schippert immer noch im Roten Meer

Thenried. (ev) Die Kiellegung eines seetüchtigen Bootes an der Kötztinger Straße in Thenried kam 1977 einer kleinen Sensation nahe. War schon der Standort der „Werft“ im Bayerischen Wald mehr als ungewöhnlich, sorgte die Bauweise für zusätzliches Erstaunen. Der Rumpf des Segelschiffes bestand nämlich nicht aus Holz oder Stahl sondern aus Beton.

Der Aufbau des Unterteiles geschah folgendermaßen: Auf ein starkes Edelstahlgerippe kam ein Geflecht aus feinem Maschendraht. Darauf wurde dann eine dünne Schicht Spezialbeton gespachtelt. Insgesamt sind so vier Lagen aufgebracht worden, bis es eine Wandstärke von etwa 40 Millimeter ergab.

Die Freizeit von elf Jahren investierte der Erbauer Herbert Schönfelder in die Fertigstellung des 19,50 Meter langen und fünf Meter breiten Objekts. Am 15. Mai 1988 hatte die Bevölkerung die Gelegenheit, bei einem „Tag der offenen Tür“ die Jacht mit dem Namen „Constellation“ zu besichtigen. Noch im gleichen Jahr war es dann so weit. Im Beisein vieler Schaulustiger wurde das 38 Tonnen schwere Stück mit einem Autokran auf einen Tieflader gehoben und mit Polizeibegleitung nach Sossau (bei Straubing) gebracht. Über die Donau ging es dann zu Wasser weiter in Richtung Mittelmeer. Seit mehr als 26 Jahren betreibt nun der ehemalige Zeitsoldat Herbert Schönfelder im Roten Meer eine Tauchschule. Die „Constellation“ hat sich in dieser Zeit bewährt und steht immer noch im Dienst.

Foto Serwuschok Die Besichtigung der fertiggestellten Yacht, vor dem Abtransport an die Donau


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⭐ Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Umland und dort genau bei südlichen Ortseinfahrt Thenrieds zu finden.


Nicht alle Geschichten spielen innerhalb der Marktgrenzen Kötztings. Die Markergruppe Umland führt zu historischen Orten, Ereignissen und Erinnerungen aus den umliegenden Dörfern und Gemeinden des Kötztinger Landes. Oft ergeben gerade diese Beiträge spannende Verbindungen zur Geschichte der Stadt.

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Sonntag, 23. August 2026

Wo ist das - Suchbilder 2026

Wo ist das?     Die Suchbildaufgaben von 2026      


Suchbild 11

Ein Zufallsfund führt zum nächsten Blogbeitrag – und gleichzeitig zu einem schönen Suchbild. Für mich war dieser Bilderfund sofort ein kleines Kopfkino. Vielleicht geht es manchem meiner Leser ebenso: Eine Schiffswerft mitten auf der sprichwörtlichen „Grünen Wiese“, irgendwo im Bayerischen Wald, Ende der 1970er Jahre.

Aber wo genau war das?


Wo stand diese ungewöhnliche Schiffswerft?
Wer erkennt den Ort wieder?

Die Auflösung: es stand in Thenried >>>>>>> hier der link für weitere Information





Suchbild 10


Dieses Mal suchen wir einen Ort aus dem Altlandkreis Kötzting. Mal schauen, wer diesen Ort anhand der Luftbildaufnahme erkennt.



Wo sind wir?



Suchbild 9


Ein Haus mit einer ganz tollen Fassade mittendrin in Kötzting. Dieses Haus gibt es schon lange nicht mehr aber vielleicht erinnert sich noch jemand daran:
Frage also: wo befinden wir uns bei dieser Aufnahme?


Foto Josef Bock


Lösung:

Es ist das Haus vom Hofmann Naze in der Holzapfelstraße, einem Lohnfuhrunternehmer. Heute stehen an dessen Stelle zwei Häuser.
DIA-Repro 1987 








Suchbild 8

 Heute geht es um eine Baustelle - mitten drin in Kötzting - vermutlich ist es zu einfach, aber trotzdem:
Wo ist diese Baustelle und was war da vorher?
Ich habe das Bild am oberen Rand stark beschnitten, sonst wäre es viel zu einfach gewesen



Lösung:

Ich hatte gedacht die Aufgabe wäre zu einfach.....

Es ist die Großbaustelle Penner mit dem Teilabbruch eines Nebengebäudes der Marktmühle.


Suchbild 7


🌉 Bleiben wir bei den Kötztinger Brücken:
Diese Brücke ist heute längst verschwunden – und doch dürfte sich mancher noch an dieses etwas eigenwillige Konstrukt erinnern. Der obere Teil des Fotos bleibt diesmal bewusst verborgen, denn sonst wäre die Auflösung wohl allzu schnell gefunden gewesen. 😉

Wer erkennt, wo sich diese Brücke einst befand – und warum sie später einfach nicht mehr gebraucht wurde?




Lösung:


Es war die Zufahrt zur "Ambergerinsel", also eine kleine Behelfsbrücke über den Dampfbach. Im Hintergrund der mittlerweile verschwundene Kötztinger Ortsteil: "im Anger"







Suchbild 6

Wo in Bad Kötzting  liegt diese Brücke?  Den oberen Bildrand habe ich abgeschnitten, sonst wäre die Lösung viel zu einfach gewesen.


Lösung: im entfernten oberen Teil des Bildes würde man das Restaurant "Route" erkennen. Die Brücke überquert also den Gruberbach zwischen den beiden "Kreiskehren".




Suchbild 5


Eine malerische Hütte auf einer beliebten Sonntagswanderstrecke in Kötzting mit vielen Erinnerungen.
Wo stand diese Hütte?


Die Lösung:

Natürlich auf dem Ludwigsberg - Kötztings traditionelles Sonntagsausflugsziel



Suchbild 4

Hinter dieser Suchaufgabe steckt nun tatsächlich auch für mich der Wunsch nach einer Lösung, denn ich kenne das abgebildete Haus nicht. Es stammt aus einem Artikel vom Januar 1976, als die Umschau mehrere Objekte in der Stadt abbildete, die nicht gerade "vorzeigbar" erschienen für die zukünftige Entwicklung der Stadt. Im Falle des Suchbildes hieß es, dass regelmäßige Einbrüche und unrechtmäßige Übernachtungen in diesem (Neben?-) Gebäude stattgefunden hätten und die Zustände daher untragbar seien. 
Mein eigener Tip:  Das Rückgebäude vom Fischer Peteranwesen (das war wohl ein Irrtum...)
Wo war das in Kötzting?

Lösung Suchbild 4:

Es ist der ehemalige "Lembergerkeller" in der Holzapfelstraße und das rechts angeschnittene Hauseck mit der Hausnummer 13 gehört zum ehemaligen Monokel.






Suchbild 3


Wo kommt das Auto auf diesem Bild her und zu welchem Anwesen gehörte das Gebäude auf der rechten Bilderseite?


Lösung:

Diese Suchaufgabe wurde sehr schnell und von sehr vielen richtig beantwortet: es ist die Einbiegung von der Müllerstraße rechts hin zur heutigen (Fußgänger-) Oberbergerbrücke, die damals noch - wenn auch nur eingeschränkt - befahrbar war.



Suchbild 2

vermutlich zu einfach, aber vielleicht kann ich mich auch täuschen: Wo in Kötzting stand denn diese Außenterrasse?  

Btw: die Bank gibt es heute noch, allerdings nicht an dieser Stelle.

 

Lösung:
Viele haben es gleich erkannt, das ist die ehemalige Steinterrasse vor dem Gasthaus Dreger in der Marktstraße, die der großen Marktstraßensanierung in den Jahren 1983/1984 weichen musste, um die Straße fußgängerfreundlicher zu machen. Die halbhohe Stützmauer dieses Freisitzes war übrigens jahrzehntelang der "Kirtasitzplatz" eines schwerbehinderten Akkordeonspielers, der sich hier mit Musik seinen Lebensunterhalt zu verdienen versuchte und mich in meinen Kinder - und Jugendjahren begleitete.

Suchbild 1

Am Rand des Stadtgebiets von Bad Kötzting, fast ein wenig verborgen, liegt dieser stille, idyllische See.
Kennen Sie seinen Namen – und wissen Sie, wo er zu finden ist?


Lösung: Es ist der Steinbachsee rund herum um das Jahr 1960. Foto Kretschmer

Foto Kretschmer: aus diesem See wurde, den starken Höhenunterschied ausnutzend, eine Druckwasserleitung heruntergeführt zum heutigen Hotel Steinbachtal.



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Er verbirgt sich in der Markergruppe Suchaufgaben

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Donnerstag, 20. August 2026

Die Wuhn

  Mit der sogenannten Uraufnahme und der beginnenden Landvermessung zählte Kötzting insgesamt 159 Anwesen. Die Geschichte dieser Bürgerhäuser und ihrer Bewohner nachzuzeichnen und möglichst genau zu dokumentieren, ist das Anliegen dieser Häuserchronik. Wer sich näher mit den frühen Entwicklungen unserer Heimatstadt beschäftigen möchte – von den ersten Urhöfen bis zur Erhebung Kötztings zum Landgerichtsort –, findet dazu ausführliche Informationen in einem einleitenden Blogbeitrag. 

Eine grafische Übersicht über die bereits veröffentlichten Hauschroniken gibt auch die neue interaktive Karte.

Bei den nun folgenden zehn Anwesen ist allerdings eine Besonderheit zu beachten: Die Häuser mit den alten Hausnummern 113 bis 123 bestanden bereits lange vor dem großen Marktbrand von 1867, wurden nach der Katastrophe jedoch nicht mehr an ihren ursprünglichen Standorten errichtet. Mit der Neuordnung des unteren Marktes und dem Bau der unteren Marktstraße, des Pfeffergrabens sowie später der Holzapfelstraße entstand ein neuer Ortsteil, in den die bisherigen Hausnummern übertragen wurden.

Die Identifizierung dieser Anwesen ist deshalb bei diesen Anwesen nicht mehr nur über ihre frühere Lage möglich, sondern ausschließlich über die identisch weitergeführten alten Hausnummern.
Es hat aber den Anschein, als ob nur dieses Haus beim Neuzuschnitt des Pfeffergrabens annähernd auf seinem alten Bauplatz wieder errichtet worden ist.

Alte Hausnummer 119

Die Wuhn



Am 3. Juni 1867 brach um 11 Uhr nachts im Hintergebäude des Kötztinger bräuenden Bürgers Joseph Amberger Feuer aus (heutzutage Gasthaus Dreger in der Marktstraße, Details nachzulesen in dem eigenen Blogeintrag: Der große Marktbrand von 1867). Aus diesem anfänglichen Kleinfeuer, vermutlich ausgelöst durch eine offene Kerzenflamme, entstand ein verheerender Marktbrand, der eine komplette Häuserfront der Markstraße vom oberen Tor bis in den unteren Markt erfasste und in Schutt und Asche legte. „In sechs Stunden war ein großer Teil des Marktes, darunter das Bürgerspital und theilweise auch die St. Veithskirche, die Gottesackerkapelle nebst 90 Nebengebäuden ein glühender Schutt- und Aschehaufen“[1].

Staatsarchiv Landshut: Rep 164-8 Nr_ 1570. rot, die abgebrannten Anwesen


Als Folge dieser Brandkatastrophe wurde der Verlauf der Straßen, zumindest im Brandgebiet, neu durchdacht und so zugeschnitten, dass den Regeln des passiven Brandschutzes eher entsprochen werden konnte und im Wesentlichen der Straßenverlauf entstand, den wir heute kennen.



Neuprojektierung des Straßenverlaufs in der "heutigen" unteren Marktstraße, mit der Wuhn, erkennbar mitten in der neu anzulegenden Straße


 
Während früher die Marktstraße, bergabführend, beim Spitalbrunnen endete und die Fuhrleute entweder über die enge Müllerstraße oder die stark abknickende Herrenstraße und dann über die schmale Regenbrücke aus dem Markt hinaus fahren mussten, konnte nach der neuen Straßenführung der Durchgangsverkehr in Kötzting um vieles leichter abgewickelt werden. Die Engstelle beim Krankenhaus blieb aber bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts bestehen.

Um all diese Veränderungen des Straßenverlaufs durchsetzen zu können waren langjährige Grundstücksverhandlungen nötig. Einige Anwesen mussten zugunsten von Brandschneisen ersatzlos gestrichen werden, andere konnten an benachbarter Stelle wiederaufgebaut werden. Der Straßenverlängerung im unteren Markt fielen neben mehreren Städeln und anderen Nebengebäuden auch Teile des Spitals und einige Wohngebäude zum Opfer. Eines dieser Anwesen führte den sonderbaren  Eigennamen „Wuhn“ und hatte eine wechselvolle Geschichte.

Lage der Wuhn


Würde man die Wuhn heute an ihrem Originalplatz errichten wollen, müsste man das Haus mit Erd- und Obergeschoss mitten auf der unteren Marktstraße vor dem Anwesen Schötz platzieren.



Da sich die Anwesen im Markt Kötzting in das Schema Marktlehen-Sölde-Leerhaus einfügten, ist zunächst zu klären wo die Wuhn einzuordnen ist. Dem Besitz an Grund und Boden entsprechend und damit abgestuft in den Rechten und Pflichten galten Kötztings Marktbewohner als Marktlehner, Söldner, Häusler und Inwohner.
Schon im niederbayrischen Herzogsurbar (kurz nach 1301) ist Kötzting als Markt bezeichnet und aufgeführt mit 36 Lehen und 10 Sölden.[2] Im Marktrechtsprivileg Kaiser Ludwig des Bayern vom 11. November 1344 heißt es unter anderem: „Von erst wan der Markt getheilt ist von dreu Höfen zu 36 Burglehen und in 12 Sölden, wollen wür, wer der Lehen eines mer oder minder inn hat, der soll arbeiten all die Arbeit, die den Markt angehört mit Fludern, Fleischwerken, mit Pachen, mit Schenken, mit Gastung und mit anderer Arbeit und Handwerken.“[3]

Bereits aus der ersten Gründungszeit Kötztings stammt also die Aufteilung des Ortes in 36 Marktlehen, 10 (an anderer Stelle 12) Sölden und 20 Teilen. Hinter diesen „Teile“ genannten Anwesen verstecken sich die Leerhäuser.
Was war das Besondere an diesen unterschiedlichen Anwesen?
Die Marktlehner waren gewissermaßen die Oberschicht in Kötzting, ausgestattet mit allen Rechten, die das Marktprivileg erlaubte, einschließlich des uneingeschränkten Brau- und Schankrechtes. In Kötzting hatten also nur die Besitzer der 36 Marktlehen die Erlaubnis, im Kommunbräuhaus brauen zu lassen und ein Wirtshaus zu betreiben. Und sie nutzten dies auch weidlich. Die Söldner hatten dieses Braurecht nur eingeschränkt, das heißt, sie durften nur festgelegte Mengen brauen (1 Sud pro Jahr) und dieses Bier auch nicht ausschenken. Die (Leer)Häusler, am unteren Ende der Rechteskala der besitzenden Bürger, hatten weder Brau- noch Schankrecht, und nur wenn einer der „Häusler“ eine Handwerksgerechtigkeit besaß, durfte er seinen Beruf in seinem Anwesen ausüben. Ein weiteres Merkmal der „Leerhäuser“ war, dass beim Haus kein weiterer Grundbesitz vorhanden war.

Im Besitz des Marktes

Unter Führung des bayerischen Ministers Graf Montgelas wurden die Gemeinden durch die Edikte
von 1806 und 1808 unter „staatliche Kuratel“ gestellt und die gemeindliche Selbstverwaltung beseitigt. Bereits ein paar Jahre vorher kam aus München die zwingende Aufforderung an alle Gemeinden, ihre im Eigenbesitz befindlichen Immobilien öffentlich zu versteigern. Damit sollten Einnahmen für die Magistratskasse erzielt und Folgekosten entscheidend reduziert werden. So konnte im Jahr 1803 der Kötztinger Magistrat unter anderem die Marktschneidmühle (heute Brauerei Lindner) und die Wuhnbehausung versteigern.[4]   
Bis zu dieser Zeit war also die Wuhn im Besitz des Marktes Kötzting. Ein Blick in die ersten Marktrechnungen zeigt bereits für das Jahr 1647 Pachteinnahmen für kleine Grundstücke, welche der Wuhn. zugeordnet waren[5] Im Einzelnen waren es zwei kleine Äcker und ein Wurzgartl.
1683 zahlte der Kötztinger Ratsbürger Wolfgang Seiderer für die zwei Wuhnäcker, die vorher Georg Denscherz (1647) gepachtet hatte, 30 Kreuzer im Jahr und der Kötztinger Kammerer Jakob Passauer für den Wuhngarten 1 Gulden und 30 Kreuzer.
Damit kann festgehalten werden, dass die Wuhn ursprünglich eigene, eigentlich unveräußerliche, Grundstücke hatte, sogenannte Pertinenzien. Zählte die Wuhn also früher zu den Marktlehen oder war sie nur eine Sölde?
Trotz des geringen Grundbesitzes ist sie im Liquidationsprotokoll vom Jahre 1831 als Marktlehen vorgetragen.[6] Im Häuser- und Rustikalsteuer-Kataster von 1811 ist das Gebäude beschrieben als ein gemauertes Haus mit einem hölzernen Stallerl. Der Wert des Anwesens wird mit 600 Gulden angegeben, der Besitzer war 1811 der Nagelschmied Anton Magg.[7]
Für die Einordnung als Marktlehen spricht zum anderen auch die klare Aussage des Kötztinger Priors und Pfarrvikars P. Gregor Mack, der sich mit dem damaligen Kammerer (=Bürgermeister) Samuel Luckner einen heftigen Streit unter anderem um Kirchengrundstücke lieferte. Da Luckner vermutete, dass dem Mesnerhaus, welches die Pfarrei Kötzting nach dem 30-jährigen Krieg von einem Privatmann angekauft hatte, früher ebenfalls Grundstücke fest zugeordnet gewesen waren, warf er der Kirche vor, dieses nunmehrige Mesneranwesen zertrümmert zu haben. Pfarrer Mack konterte mit dem Hinweis, dass die Wuhn, früher auch einmal ein Marktlehen gewesen sei, und fragte, wo denn deren Grundstücke geblieben wären.[8]
Was steckte hinter diesem Streit um früher vorhandene Grundstücke? Die Einteilung des Grundbesitzes im Markt Kötzting in die drei Anwesensgrößen (Marktlehen,Sölden und Häuser) entsprach der Regelung auf den Dörfern mit "Ganzen, Halben, Viertelbauernhöfen und weiter abgestuft mit den Söldnern und Häuslern). der Zweck dieser Regelung war eine Finanztechnische. Jede dieser Einheiten hatte den gleichen Steuersatz zu bezahlen,. unabhängig ob der Besitzer gut oder schlecht wirtschaftete. Somit konnte der Grundherr (hier der Markt Kötzting), unabhängig von einer möglichen Wirtschaftsflaute oder sonstigen Beeinflussungen, von genau bezifferten Einnahmen ausgehen. Allerdings behinderte diese Wirtschaftsform auch den Aufstieg von einzelnen Bewohnern, da ein Wachstum eines Anwesens nicht möglich war, da Grundstücke eben von einem Besitzer zu einem anderen verkauft - und damit vom Hauptanwesen abgetrennt, werden durften.
Ein weiterer Beleg für die Wuhn als Marktlehen: Es gint Hinweise, dass die Wuhn früher wohl eine Brauerei gewesen war, sogar in Privatbesitz. Anschließend, als sie dann zum Besitz des Marktes gehörte, wurde im Erdgeschoß noch lange Zeit ein Wirtshaus betrieben. Solch ein Bierausschank war aber in Kötzting ausschließlich den Marktlehnern vorbehalten, weder Söldnern noch Häuslern wurde dieses Recht zugestanden. In Pachtverträgen nach dem 30-jährigen Krieg finden wir manchmal noch die Verpflichtung für den Pächter der Wuhn, dass er das Bier im Kommunbräuhaus zu beziehen habe.
Andererseits aber lag die Wuhn in einem Ortsteil, in dem sonst nur Leerhäuser angelegt waren. Ausnahme: das benachbarte Spitalgebäude, das vor der Umwandlung in ein Spital ebenfalls ein Marktlehen war.
Vor 1830, als es noch keine Vermessungspläne und damit auch keine Plannummern gab, wurden die Besitztümer, Häuser und Anwesen mithilfe von markanten Ortsteilen oder Nachbarn beschrieben. Unter Kötztings Häusern gibt es nur wenige, die in Schriftstücken (z.B.Briefproto­kollen) als Ortsangaben, sozusagen als "Anker" zur räumlichen Zuordnung der Nachbarshäuser, dienten. Zu diesen festen Bezugsgrößen zählten die Fleischbank, das Rathaus, das Spital, die Veitskirche, der Pfarrhof und eben auch die Wuhn.
Der Bereich zwischen Wuhn und Pfeffergraben war Ende des 17. Jahrhunderts das aktuelle Neubaugebiet Kötztings. Der Neubürger und Schuhmacher Michael Juglreiter etwa ersteht im Jahre 1672 um 66 Gulden „ein Grundstück zunegst der Wuhn fuer ein Heusl.“[9]  

Stadtarchiv Kötzting: Beilage zum Bauantrag des brauenden Bürgers Hofbauer (später Wirtshaus
Greiner, nun der Blumenladen Alchemila) Das "Haus der Elisabeth Dreger" ist heutzutage das
Schuhhaus Liebl. Der Besitzer der Wuhn ist Anton Magg






Als Marktlehen war die Wuhn früher sicherlich im Privatbesitz. Später wurde sie aus unbekannten Gründen vom Markt übernommen. Und dieser versuchte erfolgreich diesen Kostentverursacher wieder loszuwerden. Wie ein Bumerang kam diese Immobilie wieder in den Marktbesitz zurück, und erst die Verwaltungsreform im 19. Jahrhundert brachte mit den angeordneten Zwangsversteigerungen ein Ende der kommunalen Aufsicht über das alte Gebäude.      

Die Bewohner der Wuhn


Die Entstehung der Wuhn ist wie die der meisten Anwesen Kötztings unbekannt. Erstmals um 1620 bekommen wir Kenntnis von ihrer Existenz.
Wolf Paulus der Jüngere, Ratsbürger und Bürgermeister von Neukirchen b. Hl. Blut, klagt 1626 gegen Kötztings Kammerer und Rat wegen 1000 Gulden ausständiger Schuld im Zusammenhang mit dem Verkauf der Wuhn. Dabei legt er einen Kaufbrief vom 19.11.1621 vor, den der Markt Kötzting ausgestellt hatte, als er, Wolf Paulus, die Wuhn „mit aller Ein- und Zuegehör, sambt der Preustath und darzue gehörigem Preugeschier, vermög alter Brief und Sigl um 2400 Gulden und 20 Reichstaler Leykauf“ an Adam Mayr zu Simpering verkauft hatte. Mit dem Brief waren alle Zahlungsfristen geregelt. 400 Gulden waren sogleich zu entrichten, 1000 im Jahre 1622 und die restlichen 1000 Gulden sollten 1623 beglichen werden.[10] Obwohl der Käufer Adam Mayr aus Simpering kam und der Verkäufer Paulus aus Neukirchen, liefen die Geldströme nicht direkt zwischen den beiden. Adam Mayr zahlte an die Kötztinger, und diese verpflichteten sich zu den oben angegebenen Zahlungszielen. Soweit so gut. Nun setzte aber zu Beginn des dreißigjährigen Krieges eine Währungsinflation ein. Zwischen 1621, dem Verkaufsdatum, und 1623, dem Zeitpunkt der letzten Zahlungsfrist, fand in Bayern eine hohe Geldentwertung statt. Die Entwertung geschah zu den damaligen Zeiten einfach dadurch, dass die Münzprägeanstalten schlicht den Goldgehalt der Münzen reduzierten. Wolfgang Paulus wollte die, vom Nennwert her, 1000 Gulden betragende Restsumme von den Kötztingern nicht annehmen. Um formal keinen Fehler zu machen, deponierten die Kötztinger die Summe zuerst beim Landrichter, hoben sie aber später wieder ab und legten das Geld gewinnbringend an. Der Streit wurde vor dem Landgericht in Kötzting ausgetragen, und am 2.Mai 1626 kam es zur Verhandlung, bei der Wolf Paulus erklärte, dass die erste Tranche „mit Münz im hechsten Wert erlegt“ worden war. Dann allerdings seien „die Münz abgeschlagen“ worden, und er begehre jetzt von den Kötztingern entweder 1100 Gulden der schlechten Münzen oder aber sie, die Kötztinger, sollten die ausgemachten 1000 Gulden in der alten Währung bezahlen. Lieber wolle er die Wuhn wieder zurücknehmen, als sie um einen schlechten Betrag abgeben. Im Übrigen hätte er schon einen anderen Käufer gehabt, den Gerichtsschreiber Eustachius Landauer, der sogar 3000 Gulden geboten hatte. Diesen aber hätten die Kötztinger abgelehnt.

Der Magistrat trat in voller Besetzung auf. Vier Innere und vier Äußere Räte machten ihre Aussage. Sie bestätigten die Grundaussagen des Neukirchener Bürgermeisters. Und alles sei genauso durchgeführt worden, wie es mit Wolf Paulus und Adam Mayr vereinbart worden war. Wolf Paulus habe die ersten 1000 Gulden bereits angenommen und mit diesen gewirtschaftet. Die zweite Summe hätten sie noch vor der Abwertung bezahlt und sie hofften stark, nicht schuldig zu sein und nicht von dem Gut weichen zu müssen.
Mit dem Geldverdienen aus den ersten 1000 Gulden sei es nicht so weit her, meinte Wolf Paulus. Lieber würde er sich mit der geringen Einnahme aus den erhaltenen Kaufsgeldern mit den Kötztingern vergleichen und die Wuhn zurückbekommen, als sich mit den schlechten Münzen zufrieden geben. Dies umso mehr, als die Kötztinger den Landauer, der schließlich viel mehr geboten hatte, gehindert und abgeschreckt hätten. Und am St. Georgi Tag, als die Kötztinger ihm das Geld nach Neukirchen geschickt hätten, seien die Münzen in München bereits abgewertet worden und das Mandat dazu bereits geschrieben gewesen.
Die Räte gaben nicht auf. Er habe mit dem Geld trotzdem bereits gewirtschaftet und Grund und Boden damit gehandelt. Sie aber hätten die Wuhn vor Jahren um 600 Gulden gekauft und später wieder verkauft und all die Jahre hätten sie sich nur um Baufälle kümmern müssen.

Nun kam es zu einem Gerichtsentscheid betreffend die Behausung und Bräustatt Wuhn:
Obwohl viel Mühe von Seiten des Pfleggerichts verwendet worden ist, einen Vergleich zu erzielen, sei man in dieser Richtung nicht erfolgreich gewesen. Die erste Tranche der Kaufsumme sei korrekt und ohne Schaden für den Neukirchener bezahlt worden.
Da aber, als der zweite Termin näher gerückt war, „gleich das Geschrey gangen, es werde das Geld abgeschlagen“, solle weder Wolf Paulus allein den Schaden tragen, noch könne er den Kötztingern angelastet werden, die korrekt, dem Termin gemäß, gezahlt hätten. Da die Kötztinger die zweite Summe gewinnbringend angelegt hätten – es waren ja inzwischen ein paar Jahre vergangen – sollten sie dem Neukirchener die 1000 Gulden zusammen mit den angefallenen Zinsen von 65 Gulden bezahlen. Die Verfahrenskosten sollten aufgehoben und die Kosten der protokollierten Verhandlung allein von den Kötztingern getragen werden. Ansonsten erklärte man beide Parteien zu guten Freunden und Nachbarn, verwies auf das Recht der Revision und verblieb mit freundlichen Grüßen.

Wie aus den Gerichtsakten hervorgeht, war die Wuhn also vor dieser Zeit bereits im Besitz des Marktes. Möglicherweise war sie der Vorgänger des Kommunbrauhauses. Ein „Verzeichnis der Weißen Pierpreuheußer in dem Rennt Ambt Straubing“ listet in Kötzting drei Weißbierbrauereien auf. Eines davon ist im Besitz des Marktes. Von diesem Brauhaus heißt es, dass es von zwei Kötztinger Bürgern ca. 1550 gegründet und um das Jahr 1580 vom Markt angekauft worden war. Dem Bericht nach soll in diesem Brauhaus aber mehr Braun- als Weißbier gebraut worden sein.[11]
Dieses kleine hölzerne Gebäude war also Brauerei, Wirtshaus und Wohnhaus.

In der kartographischen Uraufnahme Kötztings aus dem Jahre 1831 ist die Wuhn (Hausnummer 119) als langgezogenes Rechteck eingezeichnet.[12]

Obwohl der Markt Kötzting versuchte den Nutzwert des Gebäudes zu steigern, dürfte die Wuhn dem Magistrat in vielen Jahren wie ein Mühlstein um den Hals gehangen haben.
Die Einnahmen waren reduziert auf niedrige Pachtzahlungen aus dem Gebäude und den wenigen Grundstücken. Die regelmäßig wiederkehrenden Umbau- und Unterhaltungsmaßnahmen aber nahmen kein Ende. Darüber hinaus waren an das Kloster Rott alljährlich Giltzahlungen für das Anwesen fällig. Der Markt wurde vom Kloster nicht anders behandelt als jeder Privatbesitzer.
Zuerst einmal versuchte der Magistrat die Nutzungsmöglichkeiten der Wuhn zu erhöhen. Und als sich Mitte 1666 die Möglichkeit ergab, eine Werkstatteinrichtung zu erstehen, kaufte sie der Markt mitsamt dem Recht auf Handwerksausübung und transferierte beides, Werkstatt und Recht, auf die Wuhn.

Der Rechnungsführer notierte, dass die „dem Markt gehoerige alte Wuhnbehausung umb mehr und besonders Nuzen willens ain Schlosser werkstatt als vorhero solcher Gerechtigkeit von Ander Lehners Behausung zu versagt gemainer Markts verkhaufft worden. Hat der eingestueffte Schlosser Arnold Paar mit allem was er selbst wegen verreichter Schlosser Arbeit verdient.“

Von Andreas Lehner, einem Schlosser, wurde diese Werkstatt für die Summe einer späteren Jahrespacht angekauft. Und im Jahre 1682 zahlte der Schlosser Arnold Paar für zwei Jahre 9 Gulden an den Markt, noch etwas behindert wegen der Umbaumaßnahmen. Aber immerhin konnte er, wenn auch eingeschränkt, seine Werkstatt nutzen.[13]

Im Gegensatz zu dem Mieter Wolfgang Schwarz, der wenige Jahre vorher, 1672, bei einem Nachbarn Martin Rädlinger, Bürger und Gerichtsbote (heute Blumengeschäft Riedl) auf Marktskosten von Georgii bis Michaeli einquartiert werden musste, weil „er in der Wuhn Wohnung der grossen paufehligkeit und der darbey besorgten Gefährlichkeit nit mehr wohnen koennen.“[14]

Die Wuhn war also im Jahre 1672 buchstäblich am Einfallen und so häufen sich in den Folgejahren auch die Reparaturen, die sich bis ins Jahr 1682 ziehen.

Auch 1681 bestand wieder die große Gefahr, dass das Haus zerfiel, denn nach der Marktrechnung desselben Jahres verkaufte der Kalkofener Kalkmeister Georg Spagerer 46 Tragen Kalk an den Markt wegen der „gross vor Augen gestandten Gefahr die zu dem zum gemainen Markht gehoerigen behausung, die Wuhn genannt, Paufelligkeit und der Oelter halber wegen Ueberneigen Hoehe abgetragen und widerumben was die Notturft erfordert zugericht und zum Theil sonderbar an ainem herforden Eckh von der grundvest auss von Neuem erpauth werden muessen.“    

In der damaligen Zeit, bei den schlechten Baumaterialien, war es vor allem wichtig das Dach dicht zu bekommen und so wurde ein völlig neuer Dachstuhl errichtet und die Wuhn meistenteils mit Legschindeln aber auch mit Ziegeln (Preiss und Häcken) gedeckt. Teile der Wände wurden repariert. Benötigt wurden 1500 Ziegel und 11000 Schindeln, die zum größten Teil aus dem markteigenen Watzlholz bei Grafenwiesen stammten.[15]

Außerdem wurde die Küche neu aufgemauert, und die Öfen wurden neu gesetzt.

1685, als es schon wieder nötig war Schäden auszubessern, erschien die Ausführung dem Magistrat zu teuer, vor allem die Abrechnung des Schlossers und Schreiners Paar, der die Arbeiten selbst am Haus vorgenommen hatte, wurden angezweifelt, und eine Kommission sollte gleich alle Abrechnungen Paars überprüfen. Und so ist auf Befelchs Cammerer und Rat Anthony Praendl Schmied und Wolf Immerl Schreiner aufgetragen worden, dass sie des Schlossers Arbeith bei der Wuhnbehausung und dem Rathaus besichtigen und erleitterung geben sollen ob er nit zuviel in seiner Spezifikation einkhommen lassen“.[16] Der Schreiner Hans Lehner, der Sohn des Andreas Lehner, von dem der Markt die Werkstatt angekauft hatte, war für die Erneuerung der Stuben und Kammertüren zuständig.

1693 war der nächste größere Umbau fällig. Und durch die Art der vergebenen Arbeiten wird die Bausubstanz des Hauses deutlich.

Nachdem zuerst die Fensterstöcke ausgebessert waren, wurde alles für den neuen Fußboden hergerichtet: „… und so hat man zur obbedeitten Stuben oeffterer Laimbstain zum Fusspoden  beschnitten, Sandt graben und fuehren lassen, so dann an 26 Fuhren Laimb ab iede Fuhr 1 kr, von 6 Fuhrn Sand iedem 2 ½ kr Grabelohn item von 32 Fuhren ab iedem 3 kr Fuhrlohn und absonderlich von Fuehrung 5 Bolsterhoelzer“ bezalt“

Der Kötztinger Mauerer Hans Poll lieferte einen Nachweis ab wegen Arbeit auf dem obern Stubenpoden und Aufmauerung eines Mäuerls item  Ausweissung der Stuben und ander darbey verrichter Arbeit.“   

Der Hafner Hans Koller verrechnete 2 Gulden 51 Kreuzer für das Setzen des Ofens in der Wuhnbehausung und die dafür hergegebenen Ofenkacheln. 
Auch der obere Stubenboden wurde mit Brettern verschlagen, Ofenstangen wurden errichtet und eine Ofenbank. Verarbeitet hatte all die Materialien der Zimmermann Ander Müller.
Die Schlosserstube war ebenfalls heizbar mit einen eigenen Ofen. Denn Koller Hans besserte nicht nur den Ofen aus, sondern lieferte auch die Kacheln neben einer Rehrn“.
Die Wuhn, die zehn Jahre zuvor ein neues Dach erhalten hatte, um weiteren Schaden zu verhindern, wurde nun von innen heraus renoviert. Der Fußboden, mit Lehm und Sand fest gestampft und mit darauf ausgerichteten Polsterhölzern versehen, konnte mit aufgenagelten Falzbrettern neu belegt werden.
Sowohl der erste Stock, der als Wohnung vermietet war, als auch die Schlosserei waren mit einem Kachelofen beheizbar.
In den folgenden Jahren kam dann der Keller dran, der unbedingt entwässert werden musste. Dies ist ein altes Übel in manchen Kötztinger Kellern, vor allem im unteren Markt, wo Grundwasser unaufhaltsam in die Keller eindringt. Wo solch ein Grundwasser gelegen kam, konnte man Schöpfbrunnen anlegen (z. B. den Spitalbrunnen). Im Haus jedoch war es unerwünscht. So musste der Maurer Poll mit einem ausgemauerten Kanalgraben Abhilfe schaffen. Wie feucht dieses Areal war, sieht man daran, dass gleich neben der Wuhn ein Brunnen lag, der im Jahre 1678 mit Aufwand gereinigt wurde.[17] Auf einem Plan von 1826 sind sogar zwei Brunnen neben dem Garten des Wuhnbesitzers Magg deutlich zu sehen.

Um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert zieht ein neuer Schlosser in die Wuhn. Von seinem Pachtvertrag kennen wir den genauen Text:

„Stifftbeschreibung

Von Cammerer und Raths wegen alhier würdet Johann Stahl bürgern alda, die zu gemainer Markht gehörig sogenannte Wuhnbehausung hirmit dergestalten auf ain Jahrlang so sich zu Hl: Georgy ao 1703 anfangt und zu solcher Zeit H: Georgy 1704 widerumben endet, gegen Erlag 18 fl pactierten Stüfftgeldts verstüfftet, dass er hierinnen die Würthschaft mit Weiss und Praunpier so er von der Bürgerschaft und nit Herrn Khrieger viertlweis Zenemmen auszäpfeln neben ander berechtigtem Zweck betreiben möge. Den darin befindlichen Schlosser zur beihilf zuegeniessen, entgegen aber allen Schaden welche durch sein oder die seinigen Vahrlessigkheit sich bey solcher Behausung eraignen würde auf seinen Säckl zubessern haben solle. Actum 21.12. Anno 1702“[18]

Die Laufzeit des Vertrags beträgt also gerade mal ein Jahr.[19] Dafür darf er sowohl die Schlosserei ausüben oder untervermieten und er darf, und das dürfte die Haupteinnahmequelle gewesen sein, ein Wirtshaus betreiben. Die einzige Einschränkung war, er musste das Bier in der Kommunebrauerei beziehen und durfte sich nicht bei seinem Nachbarn dem Herrn Johann Krieger, Privatbrauer (heute Gasthof zur Post), bedienen.

Eine Petition der Witwe Stahls um Pachtnachlass, wirft ein Licht auf die Lebensbedingungen in Kötzting während des Spanischen Erbfolgekriegs.

Johann Stahl, dem die Wuhn mit Schlosserwerkstatt, Wirtshaus und Wohnung verstiftet worden war, ist in den Kriegswirren von den österreichischen Husaren getötet worden. Seine Witwe bittet nun beim Magistrat um einen Nachlass der üblichen 18 Gulden Jahrespacht und erhält ihn auch gewährt. Darüber hinaus wird ihr die Wuhn für drei Jahre verpachtet. Die Schlosserei könnte sie ja untervermieten. Auch ihr wird verboten, das benötigte Bier beim Krieger zu beziehen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der Kötztinger Bildhauer Johann Paul Hager mit einer Tochter des Johann Stahl verheiratet war. Es darf angenommen werden, dass er in der Schlosserwerkstatt des verstorbenen Schwiegervaters seine Bildhauerwerkstatt einrichtete.   

Aus dem Jahr 1709 kennen wir einen Rechnungseintrag, der ein Licht auf die damaligen Gewohnheiten wirft. Die den Markt durchfahrenden Fuhrleute mussten einen Pflasterzoll zahlen. Der Zöllner wohnte in der Herrenstraße (jetzt Blumenladen Riedl). Die Fuhrleute aber versuchten den Markt ungesehen über einen Verbindungsweg von der Wuhn nach dem Pfeffergraben zu verlassen. Der Markt musste reagieren und verbaute die Notausfahrt: „Von dem sogenannten Pfeffergraben hat man zu der Wuhn 2 Grenzstain zum eingraben herauf geführt umb dadurch zemachen daß die Pflasterzohl durch die frembten Fuhrleit nit umbfahren werden und deswegen denen darzu gebrauchten so stark zeheben und aufzulegen gehebt.“ Als Absperrung wurden also einfach zwei große Steine mitten auf dem Weg platziert. 

Dass die Wuhn während der ganzen Zeit immer noch als Wirtschaft genutzt wurde, ergibt sich aus mehreren Einträgen in den Rechnungsbüchern. In den Bänden des Pfleggerichts Kötzting von 1706 wird eine Gerichtsstrafe notiert, weil Kötztinger Saliterknechte (der Saliter wohnte gleich neben der Wuhn) sich am Pfingstmontag eine Rauferei mit einem Arndorfer Knecht lieferten. Valentin Völkl, Salliterknecht aus Kötzting, und Thürmeier, dann Oswaldt Völckhl sammentlich 3 Salliterknecht, haben Georgen Penzkofer ledigen bauernknecht zu Ärndorf verwichenen heyl. Pfingstmontag bey dem sogenannten alten wunwürth ufm Berge, da Penzkofer weillen es schon ziemblich nacht worden nicht ufm weege nacher Haus zugehen, begriffen wahr ohne Ursach angefallen und mit Schrägenffiessen dergestalten geschlagen, dass er an der Stürn ober des lünckhen Augs bluetig gewesen.[20] Alle drei wurden mit 3 Gulden 25 Kreuzern abgestraft, eine respektable Summe, wenn man bedenkt, dass die Jahrespacht für eine Wuhnhälfte nur zwischen 7 und 9 Gulden ausmachte.

Im Spanischen Erbfolgekrieg, es waren Soldaten einquartiert, musste der Wuhnwirt Martin Hofmann gleich 18 Rekruten bewirten und stellte den Aufwand dann dem Markt Kötzting in Rechnung.[21] Dieser Hofmann erhält in seinem Stiftsvertrag etwas genauere Vorschriften, wie er seine Wirtschaft zu führen hat. Neben der Vorgabe, das Bier bei der Bürgerschaft und nicht beim Krieger zu kaufen, wird auch die Auflage erläutert, das Bier viertlweise zu kaufen. Er dürfe nämlich das Bier nicht einlagern – wohl um keine zu große Konkurrenz den anderen Bürgern zu machen –, sondern dürfe gerade mal zwei (Viertl-)Fass Bier vorrätig haben (1 Viertl = 100 Maß). Er darf weder schlachten noch Fleisch verkaufen. Schweine dürfe er sich aber halten, soviel er für seine Wirtschaft benötigt.[22]

Nachweislich wurde in der Wuhn zumindest bis 1721 Bier ausgeschenkt und eine Wirtschaft betrieben.

Wie man sich die räumliche Aufteilung der Wuhn mit den zwei Parteien vorstellen muss, verdeutlichen zwei Einträge im 18. Jahrhundert.

Nach einer Rechnungsrevision wird sie neu verstiftet und zwar „ist vermög der vom  
churfürstlich wohlloblichen Rentamt Straubing ausgeförtigt  hochgdigen Resolution so der 1760ten Marktkammerrechnung mit Nr. 9 anliget die hünter Stuben besamt der Nagelschmiedgerechtigkeit in der sogenannten Wuhn Behausung  bewilligt worden.Dahero man ihme Fischer lauth Rhatsprotokoll de ao 1766 fol. 49 solche hüntere Stuben und Nagelschmiedengerechtigkeit umb 6 und der Katharina Härtlin  verwittibte Leineweberin alda, die vordere Stuben ingleichen vor 6 fl verstifftet.“[23]

Im Jahre 1785 wird die bürgerliche Wuhnbehausung samt der Nagelschmiede  Antoni Fisher nunmaliger Nagelschmied dann Johann Mossmüller bürgerlicher Inwohner und zwar dem Fischer die hintere Stuben samt  der Nagelschmied per 8 fl dem Mossmüller aber die vordere Stuben ab 6 fl unteinander verstift. Dieser Nagelschmied aber zu keiner Zahlung fähig.“

Im Jahre 1793 wird der Antrag gestellt, in Kötzting eine Freibank zu errichten. Und der Magistrat sieht eine neue Einnahmequelle und lässt das neue Gebäude neben der Wuhn errichten, genauer gesagt: „Die große Freibank ließ man zur Wuhnbehausung hinzu schraufen und für eine Kammer zu recht richten.[24] An die Wuhn wurde also ein hölzernes Nebengebäude angelehnt und man hoffte auf große Einnahmen. Allein, der Freibankmetzger schickte zwar seine Familie, selber aber nahm er den Betrieb nie auf, und der Markt blieb auf all seinen Schulden sitzen.
Wie eingangs erwähnt, zwang die Regierung in München zu Anfang des 19. Jahrhunderts die bayerischen Kommunen sich von kommunalen Immobilien zu trennen. So rief der Kötztinger Magistrat zur öffentlichen Versteigerung auf und Anton Mack, ein Kötztinger Marktlehner und Nagelschmied, ersteigerte 1803 die Wuhn für 1215 Gulden.[25] Anschließend beantragte er für sich beim Landgericht eine Konzession, um eine Nagelschmiede zu betreiben und erhielt diese auch mit der Auflage, den vorher eingestifteten alten Nagelschmied Fischer als Meistergeselle zu übernehmen. Von 1832 bis 1836 war Anton Mack dann auch noch Kammerer (Bürgermeister) in Kötzting. Am 12.5.1834 heiratete der Neubürger Anton Schreil – er stammte aus Hohenwarth – Barbara, die Tochter des Nagelschmieds Mack und „erheiratete“ sich mit seiner Braut auch die Nagelschmiedsgerechtigkeit und die Wuhn.


Ein Spottgedicht

Dr. Carl Müller, genannt Saumüller
Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist er auch der Nagelschmied mit Vornamen Anton, auf den der Kötztinger Bezirksarzt und Dichter Dr. C. Müller, genannt Saumüller, ein Spottgedicht schrieb.[26]
Sollte der geneigte Leser bei der Textzeile: "und schau ma hinten nein" spontan denken: "er wird doch nicht etwa DAS gemeint haben"?` Doch genau um diese Körperöffnung geht es bei dem Spottgedicht.









Wirkliche Begebenheit


wie ein bürgerlicher Nagelschmied zu Kötzting einen großen Bretternagel verschluckt haben thäte und derselbe, obwohl unter unsäglichen Schmerzen und nachdem ihm sein Eheweib in Silber gefasst nach Weißenregen verlobt, durch den ganzen Leib gegangen, im Jahre des Heils, als man schrieb 1853. Personen: Antoni der Nagelschmied, Waberl sein Weib.



Geh Waberl zünd a Kerzn an

Und schau ma hinten nein.

Es sticht mich etwas mordian

Dös muß a Nagel sein.

Z´erst is er mir im Magen drin gleg´n

Ich hab´n deutli g´spürt.

Doch wie ich druck, hat sich der Lump

Auf einmal hint postiert.

Waberl: Geh Toni, schau bist du denn toll

Was fällt dir net als ein.

Ich koch doch in die Knödl wohl

Koan Bretternagl nei.

Toni: Oh Mordian, auweh, auweh,

Geh sei net so bequem

Wie schlagt sich glei der Brand dazu,

bei mir woaßt ohnedem

O Mordion, oh weh oh, weh!

Wirst sehn i stirb jetzt glei.

Wer nimmt sich nun der Kinder an,

Wer kriegt mei kreuzbravs Weib,

Waberl: Geh Toni, mach mirs Herz net schwer

Sonst fang is Flehna an

Ziehn lieber auseinand,

Damit ich nein schaun kann.

Toni: Oh Mordion, herzliebstes Weib

Wahr ists das glaub mir g´wiß

I g´spürn jetzt scho im ganzen Leib

A Bretternagel is.

(Waberl guckt nein)

O Toni, wenn ich´n glückli krieg

I moa i hab´n g´segn

In Silber laß i´n faß´n glei

Und tragn auf Weißenregn.

Toni: O liebs Weib, plag di net so sehr,

Du kannst ihn ja kaum krieg´n

Geh hol mir´n Dr. Seidl her,

Der muß mir´n außa ziehn.

Der Doktor kommt, nimmt Perspektiv

Und schaut ins Loch hinein.

Sagt: lieber Toni da hats g´fehlt

Dös muss a Nagl sein.

Jetzt gehts nur Gselln und halts man fest

Sonst halt er’s uns net aus.

Und i nimm mei Geburtszang her

Und zieh den Teufel raus.

Der Toni schreit: Auweh ös Schwanz,

dös is koa Narrethei.

Der Doktor sagt: Jetzt holt di stad

Ich hab den Nagl glei!

Der Doktor zieht aus Leibeskraft

Der Krank schreit, was er kann

Bringt endlich raus an Ochsenfuß

Mitsamt den Boana dran.

Der Toni sagt! Jetzt ist mir leicht

Jetzt ist der Schmerz vorbei.

I´ glaubs scho sagt der Dr. drauf,

da schau die Sauerei.

Und s´Waberl sagt: Gott Lob und Dank,

Jetzt leg di Toni und rast.

I geh damit zum Goldschmied hin,

damit er´s Boandl fasst!

Doch du mein lieber Nagelschmied

Wennst wieder frisst an Fuß,

So friß doch net de Boana mit

Dass man´s hint raus ziehgan muß“.


Anton Schreil besaß die Wuhn noch, als im Juni 1867 wieder einmal eine Brandkatastrophe über Kötzting hereinbrach und eine Markthälfte abbrannte. Wie in der Einleitung bereits erwähnt, wurden beim Neuaufbau feuerpolizeiliche Auflagen berücksichtigt und neben der Anlage von Brandschneisen auch der Straßenverlauf im unteren Markt neu gestaltet. Die Altbesitzer der Brandgrundstücke wurden entschädigt und nach dem Neuaufbau verschwand hier ein Stück Altkötzting unter dem Straßenpflaster. Wenige Jahrzehnte später konnte sich kaum jemand vorstellen, dass es einst anders gewesen sein könnte. Erst bei der aufwändigen Sanierung der Kötztinger Straßen in den Jahren nach 1983 kam der eine oder andere Keller für die ausführenden Baufirmen überraschenderweise unter dem damaligen Straßenpflaster zutage.

Betreiber der Wuhnwerkstatt


1672    Wolf Schwarz

1682    Arnold Paar, Bürger und Schlosser  

1686    Christoph Khamp, Schlosser

1693    Gotthard Gnadenpaur, Schlosser    

1694    Georg  Billich

1703    Johann Stahl

1708    Paulus Maier

1716    Hans Georg Pachmayr, muss einen Schlosser hinzunehmen

1730    Kaspar Lobner, Nagelschmied

1747    Hans Fischer, Nagelschmied

1785    Anton Fischer, Nagelschmied

Bewohner der Wuhn


1672    Wolf Schwarz

1694    Georg Billich

1703    Johann Stahl

1708    Paulus Meier

1710    Martin Hofmann, führt die Wirtschaft

1716    Hans Georg Pachmayr

1719    Georg Zilker

1721    Georg Zilker

1730    Kaspar Lobmayer

1741    Johann Baptist Eller

1745    Johann Gulder, Hüter, die vordere Wuhnstube

1753    Ander Wurmb Zeug- und Leineweber

1766    Katharina Härtl, Witwe

1785    Johann Moosmüller, Inwohner, die hintere Stuben

1788    Johann Mossmüller, die obere Wohnung, neu gemacht

1788    Wolfgang Preu, Wagner, die untere Wohnung

1794    Johann Moosmüllers Witwe, die obere Wohnung

1794    Ander Prebeck, die untere Wohnung



Besitzer der Wuhn

Herkunft privat

vor 1620             Markt Kötzting
1621                   Wolf Paulus
1621                   Adam Mayr
1650 bis 1803 Markt Kötzting
1803                   Anton Mack, Nagelschmied
1837                   Anton Schreil
1860                   Anton Schreil, Hausname beim Nagelschmied
1867                   abgebrannt






[1] CARL VON PAUR: Gedenkblätter zur Ortsgeschichte des Marktes Kötzting von 1800 bis 1871, Manuskript im    Panzerschrank des Bürgermeisters, S. 367.
[2] MAX PIENDL: Kötzting in seiner geschichtlichen Entwicklung, in: Kötzting 1085-1985, Regensburg 1985, S. 27.
[3] Zitiert nach Piendl, wie Anm. 2, S. 29.
[4] Stadtarchiv (im Folgenden Stadt A) Kötzting, AA V/23.
[5] Stadt Kötzting, Archiv Arbeitskreis Heimatforschung (im Folgenden AAH), Marktrechnung Kötzting 1647.
[6] Vermessungsamt Cham, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Kötzting. III. Band, Haus-Nr. 119.
[7] Staatsarchiv Landshut (im Folgenden StA La), Häuser- und Rustikalsteuerkataster Kötzting 1811, Nr. 389.
[8] Bayerisches Hauptstaatsarchiv München (im Folgenden BayHStA), KL Rott 80.
[9] StadtA Kötzting, Marktrechnungen Band 1, S. 37.
[10]  StA La, Rep 97e Nr. 189.
[11] StA La, Rentkastenamt Straubing A 1166.
[12] Abgedruckt in: Kötzting 1085-1985, wie Anm. 2, S. 85.
[13] StadtA Kötzting, Marktrechnungen Band 10, S. 8.
[14] StadtA Kötzting, Marktrechnungen Band 1, S. 39.
[15] StadtA Kötzting, Marktrechnungen Band 10, S. 28.
[16] StadtA Kötzting, Marktrechnungen Band 13, S. 31.
[17] StadtA Kötzting, Marktrechnungen Band 7, S. 41.
[18] StA Landshut,Pfleggericht Kötzting P2, S. 21.
[19] Ohne Genehmigung durch die Regierung durften die Kommunen solche Verträge immer nur mit einer Laufzeit     von einem Jahr abschließen. Protokollierten sie längere Laufzeiten, so kassierte die Regierung anschließend die     Verträge wieder, so geschehen im Jahre 1700 als der Rentmeister aus Straubing in seinem Umrittsprotokoll solche     Vorgehensweise monierte und gegen die Verpachtung der Wuhn auf drei Jahre Einspruch erhob.
[20] StA Landshut, Rentkastenamt Straubing R 2392, S. 2.
[21] StadtA Kötzting, Marktrechnung von 1710, S. 38.
[22] StA Landshut, Pfleggericht Kötzting P5, S. 14.
[23] StadtA Kötzting, Marktrechnung von 1767, S. 15.
[24] #######
[25] StadtA Kötzting, AA X/15.
[26] CARL MÜLLER:  Gedichte aus seiner letzten Zeit in Kötzting, Druck von J. Jakob in Kötzting, 1855, S. 33.



Der obige Beitrag stammt aus den "Gelben Bänden" den Beiträgen zur Geschichte im Landkreis Cham.

Weitere Forschungen haben nun zusätzliche Einzelheiten zu Tage treten lassen:


Aus dem Jahre 1842 stammt der Kötztinger Mieterkataster, der uns einen Einblick ins Innere der Wuhn gewährt.

StA Landshut Grundsteuerkataser Nr. 5045

"Anton Schreil, Nagelschmied /:Eigenthümer:/

Hauptgebäude;
Unter der Erde: 2 Keller

I. 1 Wohnzimmer, 4 Kammer, 1 Küche, 1 Gewölb und 1 Werkstätte, 1 Stallung
II. 2 Wohnzimmer und 2 Kammern dann der Hausboden unterm Dach

2. Nebengebäude
Eine Scheune mit Dreschtenne

3. Nebengebäude
1 Bierkeller   (unter Plannummer 1092)"
Unterschrift Anton Schreil 

Einschub
Es könnte sein, dass dieser Zusatz mit der Plannummer ein Schreibfehler ist, denn die Plannummer 1092 ist in Kötzting in der unteren Au (ca. der Platz an dem heute die Spielbank steht) und daher sicherlich für jeglichen Keller ungeeignet während auf der Plannummer  1062 bereits 1840 ein Bierkeller nachzuweisen ist. (Heute ein Mehrfamilienhaus und vorher der Sitz der Kötztinger Landpolizei)
Einschub Ende



Nach dem Nagelschmied Anton Schreil ging das Anwesen an dessen Tochter Kreszenz und den Schwiegersohn, den Brauer Wolfgang Neumaier über.
Durch den - eingangs erwähnten Marktbrand - erfahren wir aus den umfangreichen Akten über diese Brandkatastrophe auch Einzelheiten über das Aussehen der Wuhn vor und nach dem Brand:
STA Landshut Rep 164/8 Nr. 1570

Neumaier Wolfgang, Brauer  (der kurzzeitige Betreiber des Hotels zur Post)
Ad 1: Von dem Gebäude bestehen noch die Umfassungsmauer 20 Schuh hoch, welche unter der Last des später aus Stein aufgeführten Stockwerks mehrfache Ausbauchungen und von ihrer lothrechten Richtung gewichen sind. Das Gemäuer im Erdgeschoss ist, wie schon erwähnt von solcher Beschaffenheit, dass es zu einer weiteren Benutzung untauglich ist. Der nothwendige Abbruch wird die Kosten des Materialwerthes kaun decken. Die brauchbaren Baubestandteile sind entweder vom Feuer verzehrt oder vernichtet worden, dass sie werthlos oder mindestens einen erheblichen Merth nicht mehr haben. Schaden total.

Ad 2: Von dem Stallgebäude bestehen nur noch völlig werthlose Bruchsteine und Mauertheile, denen keine Tragfähigkeit mehr zuzutrauen ist. Alles Brennbare ist vernichtet und Schaden total

Ad 3: Das Gebäude ist bis auf den Grund niedergebrannt.

Das Kellergebäude mit Brauhaus am Pfeffergraben wurde vom Feuer nicht beschädigt.





🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

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