Translate

Dienstag, 12. Mai 2026

Unser Pfingstritt im Jahre 1936

Der Pfingstritt im Jahre 1936

Das heute so große und abwechslungsreiche Volksfest über Pfingsten entstand erst im Jahre 1949. Nach diesem zunächst auf die eigentlichen Festtage beschränkten Probelauf wurde das Festprogramm bereits 1950 auf die gesamte Pfingstwoche ausgedehnt. Im Jahre 1936 hingegen feierten die Kötztinger mit ihren Gästen noch ausschließlich die Traditionen rund um den Pfingstritt.
Die folgenden Zeitungsausschnitte stammen alle vom "Kötztinger Anzeiger", die Dokumente stammen aus dem Bestand StadtA Kötzting 320/936


Pfingst-Sonntag:

Ab nachm. 3 Uhr Garten-Konzert im Dregerkeller (bei günstiger Witterung); ausgeführt von der verstärkten Musik=Kapelle Mühlbauer.
Abends 9 Uhr Zapfenstreich mit Lampionszug des Burschen-Wander-Vereins

Pfingst-Montag:

Früh 5 Uhr musikalischer Weckruf.
Vorm. 8 Uhr feierl. Ausritt der Bittprozession unter Teilnahme der Geistlichkeit und etwa 300 Teilnehmer in alter Tracht.
Vorm. 9 Uhr Aufstellung der Vereine in der Hindenburgstraße; halb 10 Uhr Festmesse St. Veit.
Mittag 11—12 Uhr Standmusik beim Rathaus; die Festmusik an den Aufzügen sowohl als auch für den Zapfenstreich und dem Weckruf stellt die Musikkapelle Mühlbauer-Kötzting, die auf 18 Mann verstärkt wird.
Nachm. 2 Uhr unter Ankündigung durch Glockengeläute und Böllerschießen Rückkunft der Bittprozession — gemeinsamer Festzug zum Festplatz — Ansprache des Offiziators — Ueberreichung des Jugendkränzchens an den auserwählten Bürgerssohn, heuer der Hausbesitzerssohn, Herr Hans Costa.
Auszeichnung langjähriger (mindestens 25 Jahre) Rittteilnehmer – Offizieller Abritt.
Nachm.: halb 4 Uhr Trachtenschau und Vorführungen alter Tänze und Bräuche beim Lebensbaum;
vorgeführt vom Trachtenverein Kötzting.
Nachm. 5 Uhr Burschenzug,
Nachm. 6 Uhr Brautzug.
Abends 8 Uhr Pfingsthochzeit im Januelsaale.

Pfingst-Dienstag:

5 Uhr Wiederholung des Brautzuges
6 Uhr Wiederholung des Brautzuges.

DIA-Repro 459 der Dregerkeller von der Biergartenseite

DIARepro 3237 der Dregerkeller in der heutigen Pfingstreiterstraße - nun der Kreisbauhof.

Auch der Burschen-Wanderer-Verein und der "Volks- und Gebirgs=Trachten=Erhaltungs Verein" bewarben ihre Veranstaltungen rund herum um die Pfingstfeierlichkeiten.

Am Pfingstsonntag abends 19.00 Uhr dann Treffen im Vereinslokal Decker, um sich auf den Fackelzug einzustimmen

Foto Rabl-Dachs der Decker am oberen Markt - Vereinslokal des Burschenvereins


Zusätzlich wandte sich die Vorstandschaft des BWV an ihre Mitglieder und bat um einen geordneten Verlauf der Umzüge in den vergangenen Tagen – eine Ordnung, auf die auch der Markt in einem gesonderten Schreiben an die Burschen ausdrücklich hinwies.
Zunächst sei hier der Aufruf an die Burschen wiedergegeben, den Josef Dullinger in Vertretung des Vorstands Hans Costa unterzeichnete, da dieser in jenem Jahr selbst das Amt des Pfingstbräutigams innehatte.

"Kötzting, 25. Mai. Vom Burschenverein.
In der stattgefundenen Besprechung des Ausschusses wurde nun beschlossen, dass heuer die letzten Reste der Missstände beim Burschenzug unter allen Umständen ausgemerzt werden müssen. Ferner findet heuer am Pfingstsonntag ab nachm. 3 Uhr (bei günstiger Witterung) bei unserem Altburschen Franz Zach Zusammenkunft mit Gartenkonzert, ausgeführt von der Kapelle Mühlbauer, statt. Beim Zapfenstreich abends beteiligt sich der Verein erstmals mit extra angefertigten Lampions. – Die Burschenvereinsmitglieder gratulieren an dieser Stelle ihrem lieben Vorstand zu dieser hohen Ehre. Wir werden ihm beim Burschenzug durch restloses Erscheinen die Treue zu ihm öffentlich bekunden. – Vereinsführer Costa teilt mit: Da mir heuer die Ehre zuteil wird, das Pfingstkränzchen zu empfangen, beauftrage ich den Kassier Sepp Dullinger sämtliche Vorstands­geschäfte an Pfingsten zu übernehmen. Anfragen usw. sind an denselben zu richten. Diesen gab der Burschen zur Kenntnis. (Nächste Ausgabe beachten, es kommen wichtige Mitteilungen und Anordnungen.)"

Und die Anordnungen kommen und lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig:

"An die Burschen von Kötzting!
Pfingsten, das große Fest der Kötztinger mit seiner über 500 Jahre alten Tradition steht nun vor der Tür. Dieses Fest interessiert wohl ganz besonders uns Kötztinger Burschen besser als alle übrigen des Jahres. Die Vereinsführung des Burschen-Wander-Vereins hat in seiner letzten Ausschusssitzung im Interesse einer geregelten und pünktlichen Durchführung folgende Richtlinien herausgegeben, an die sich jeder Bursche zu halten hat. Bei sämtlichen Aufzügen, an denen sich der Verein beteiligt, haben sich die Mitglieder vollständig zu beteiligen, so wie beim Burschenzug. Der Missstand, dass sich Betrunkene am Burschenzug beteiligen, wurde zwar zum größten Teil in den letzten Jahren beseitigt; die letzten Reste dieses Übels müssen heuer restlos verschwinden, handelt es sich doch hauptsächlich um die Fremden, denen wir keinen Anlass zu schlechter Kritik geben wollen. Selbstverständlich ist es auch für den Bräutigam kein erfreuendes Gefühl, wenn in seinem Ehrenzuge ihn eine jodelnde Horde begleitet. Und gerade heuer wollen wir einen Burschenzug veranstalten wie er noch nie war, in strenger Disziplin und straffer Exaktheit. Ist doch heuer kein anderer als unser Vereinsführer Hans Costa selbst der Bräutigam. Wir wollen ihm auf keinen Fall eine Schande bereiten, sondern ihm durch vorbildliches Verhalten die Stunden verschönern helfen und ihm dadurch den Dank für sein ersprießliches Wirken im Verein abstatten. Ich appelliere ganz besonders an die älteren Burschen, sich am Burschenzug zu beteiligen, was in den letzten Jahren schwer vermisst wurde. Gebe hiermit bekannt, dass jeder Betrunkene vom Burschenzuge ohne Rücksicht auf Person und Stand ausgeschlossen wird. Beteiligungsberechtigt sind nur Kötztinger Burschen. An beiden Tagen freien Eintritt haben nur auf Grund der Vereinbarung mit dem Bräutigam nur Mitglieder des Burschenvereins. Ausweise werden noch ausgegeben. Ein weiterer Punkt ist die Bewirtung beim Bräutigam. Gewiss ist jedem das vom Herzen vergönnt, aber auch hier muss „Maß und Ziel“ beherzigt werden. Wir wollen die Gastfreundschaft des Bräutigams deshalb nicht ausnützen und ihn somit auch im finanziellen Teil unterstützen. Die es angeht, wissen was ich meine. Verhalte sich jeder so wie es sich für einen anständigen Burschen geziemt. Burschen, lasst diese gutgemeinten Worte nicht ungehört verhallen und stellt an Pfingsten Euren Mann; seid ganze Burschen um endlich Ordnung in der Sache zu schaffen. Wir sammeln uns ab halb 4 Uhr an beiden Tagen im Hause des Bräutigams. (Neuaufnahmen nimmt am Samstag bei der Kneipe der Schriftführer entgegen. Das Mahl beträgt am Montag 1, Mark
Näheres wie Lampionzug usw. am Samstag b. Decker.

Frisch auf! 

Burschen-Wander-Verein Kötzting e. V. gegr. 1840
Die Vereinsführung: J. B. Sepp Dullinger."


Hier dann das bearbeitete "Arbeitspapier" der Marktverwaltung an die Burschen:



Ebenfalls für den Pfingstmontag Nachmittag, also ziemlich zeitgleich mit der Bewirtung der Burschen beim Pfingstbräutigam lud der Trachtenverein die Gäste ein:







Nachdem der bisherige Kötztinger Bürgermeister Benno Hoiss im Februar 1936 nach München versetzt worden war, forderte sein Stellvertreter, der "1. Beigeordnete" Hans Kroher die Bevölkerung auf, die Häuser der Marktstraßen festlich zu beleuchten und Kötzting Straßen zu säubern und zu schmücken.






Zusätzlich veröffentlichte der Markt Kötzting Verhaltensregeln für die Pfingstreiter, deren ungewöhnlich deutliche Formulierung erkennen lässt, dass sie kaum ohne konkreten Anlass erlassen wurden.


Besonders bemerkenswert ist aus heutiger Sicht Punkt 4, der das Mitnehmen von Kindern untersagt. Offenbar maß man möglichen Gefahren große Bedeutung bei – war doch noch wenige Jahre zuvor sogar das Mitreiten auf Hengsten für die Teilnehmer untersagt gewesen.

Auch das Pfarramt sah sich, gewiss aus leidvoller Erfahrung früherer Jahre, zu einem öffentlichen Appell veranlasst, nachdem während der Feldmesse in der Vergangenheit bereits Gaststätten ausgeschenkt hatten und das Verhalten mancher Gäste den Gottesdienst störend beeinträchtigte. In ihrem Schreiben mussten die vier Wirte vom Marktplatz mit ihrer Unterschrift bestätigen, den Inhalt des Schreibens zu beherzigen und zu befolgen.

 



Die Bavaria-Tonwoche plante vom Pfingstritt 1936 einen Film zu drehen und schickte auch eine "Skizze für die Verfilmung", die sich im Pfingstakt befindet.
Auch wenn sich von diesem Film keinerlei Spuren mehr finden lassen, so ist doch dieses "Drehbuch" sehr genau aufgeschlüsselt, auch wenn man merkt, dass da einige Details ziemlich "schräg" wirken,  wie die Überreichung einer Urkunde über seine Ernennung als Pfingstbräutigam an den Auserwählten und den Pferdeschmuck mit Rosen und Bändern.





Auch eine Verpflichtungserklärung – ein für den Pfingstbräutigam übliches Prozedere – findet sich in unserem Pfingstakt. Besonders bemerkenswert erscheint mir dabei stets der hier an zweiter Stelle genannte Punkt: das Verbot für die Pfingstakteure, am Dreifaltigkeitstag, also am Sonntag nach dem Pfingstwochenende, einen gemeinsamen Ausflug zu unternehmen. 
Der Hintergrund dürfte im Kirta in Grafenwiesen zu suchen sein, der an diesem Sonntag gefeiert wurde – jenem Kirta also, bei dem nach altem Gerücht der Pfarrer von Grafenwiesen die Kirchturmfenster öffnet und damit die „Breehm“ hinauslässt.
Die damit verbundenen Vergnügungen der jungen Kötztinger scheinen dem Pfarramt offenkundig seit längerem ein Dorn im Auge gewesen zu sein. Freilich dürfte sich dieses Verbot in der Praxis leicht haben umgehen lassen: Verboten war lediglich der gemeinsame Ausflug – nicht jedoch, sich ganz zufällig auf dem Kirta in Grafenwiesen zu begegnen.



Anders als heutzutage wurden in Kötzting am Pfingstmontag auch "Kirtastände" zugelassen und aufgestellt, die man auch auf alten Aufnahmen am Straßenrand erkennen kann.

Kirtastandbelegung Pfingstmontag 1936

Dachs Anna - beim Hause Stadler - verkauft Brot und Zuckerwerk
Schlenger Maria - beim Hause Rackl - Brot und Zuckerwerk
Graßl Josef - beim Dietl - eigene Waren
Brennert Karl Hofmann Beck - Brot Zuckerwaren 
Brunner Anna beim Drunkenpolz 
Dattler Heinrich beim Stadlereck 
Dattler JOhann f Kremer-Juler (?)

Und so kam dann der Tag der Tage, von dem wir nur einen sehr ausführlichen Zeitungsbericht und das "übliche" Foto beim Atelier Pleier haben.

Pfingstbrautpaar 1936: v.l. Traurig Michl - Zenta Januel - Hans Costa - Plötz Michl


Nur ein einziges Bild vom Pfingstritt des Jahres 1936, das sich diesem Jahr eindeutig zuordnen lässt, befindet sich in unserer Sammlung:

DIA-Repro 1795  Franz Oexler zu Beginn seiner Laufbahn als Pfingstreiter im Jahre 1936, an der Zügelhaltung wird er noch üben müssen, bis er 1945 dann der Kötztinger Pfingstbräutigam werden wird. Da er 1956 seine Ehrenfahne erhalten wir, war dies sicherlich nicht seiner erster Pfingstritte.

m Jahr darauf, 1937, drehte der Kötztinger Lehrer Josef Bock einen Pfingstfilm, in dem in einem kurzen Abschnitt auch die Akteure des Vorjahres zu erkennen sind – allerdings nur in Form eines stark komprimierten und qualitativ schwachen Filmstills, der als Screenshot nur eine eingeschränkte Bildschärfe bietet.
Screenshot des Pfingstfilms von 1937 mitte Traurig Michl im Hintergrund links bereits die Akteure von 1937 im Frack und Zylinder vor dem Hause Dr. Angerer in der Marktstraße



Am Dienstag nach Pfingsten wurde der Pfingstritt nur ganz knapp erwähnt, aber gleichzeitig auf eine ausführliche Berichterstattung für die nächste Zeitungsausgabe verwiesen.

Lokale Nachrichten. Pfingstritt Kötzting 1936. Kötzting, 3. Juni.
Nicht gerade günstiges Pfingstwetter bescherte der Wettergott an den beiden Feiertagen. Kalt und trübe waren die Pfingsttage und für einen Pfingstausflug gar nicht geeignet. Und doch dieser „unfreundlichen“ Witterung hatte Kötzting für seinen Festtag ein festliches Gewand übergezogen, um den traditionellen Pfingstritt festlich zu begehen. Girlanden und Kränze aus frischem Tannengrün, sowie Fahnen und Wimpel, gaben dem Markt den Stempel des festlichen Gepräges.
Schon in den Vortagen brachte die Bahn und Kraftfahrzeuge eine unheimliche Anzahl von Fremden sowie in der Fremde lebende Kötztinger, für die es Herzenssache ist an Pfingsten zu Hause zu sein, in unseren schönen freundlichen Markt, in die Perle des bayer. Waldes. Wenn auch das Wetter nicht gerade das günstigste war, so waren für viele am Pfingstsonntag die umliegenden Berge das Ziel. Die meisten Kraftfahrzeuge und Omnibusse lenkten dem Brennes und Arbersee zu, das ja in wunderschönes Fleckchen Erde ist, um gegen Abend zurückzukehren in den gastgebenden Markt.
Der Auftakt zu den Kötztinger Pfingstfeierlichkeiten sollte ein Gartenkonzert der verstärkten Musikkapelle Mühlbauer im Dregerkeller sein, das es aber zum Missfallen der Kötztinger Bürger und Burschen gründlich verregnete. So musste eben der übliche Zapfenstreich mit Illuminierung des Marktes und Feuerwerkes mit einem Lampionszug des Burschenvereins den Auftakt bilden. Eine dichte Menschenmenge umsäumte die Straßen die der Lampionszug unter schmetternder Marschmusik durchzog. Leider fiel die Illuminierung, wegen des schlechten Wetters fast gänzlich aus.
Am Pfingstmontag der Hauptfesttag selbst, brachte der musikalischen Weckruf, geleitet von Böllerschüssen der die Schläfer soweit sie nicht schon aus den Federn waren, munter machte und bald konnte man in den Straßen ein bewegtes Leben und Treiben sehen, das sich immer mehr steigerte, je näher man dem Höhepunkte des Austrittes kam und noch immer strebten Besucher per Rad, Auto, Omnibus usw. dem Markte zu um den Pfingstritt zu sehen und mitzufeiern. 
Das Krachen der Böllerschüsse, das Geläute der Kirchenglocken und Trommelwirbel kündeten den Austritt an. Wie schon so oft ritten sie die Marktstraße hinunter, voran der Kreuzträger sowie die beiden Laternenträger in alter Tracht, ihnen folgend die Chorknaben, Ministranten, der Priester im Chorrock, das schimmernde Tugendkränzchen an der Brust,  und diesem, nach 50 Jahren wieder zum erstenmale, folgend der Bezirkssturmstand, Herr Regierungsrat Dr. Fiesenig, ihm folgen nun die übrigen Reiter, Pfingstbräutigam und Brautführer, alles die Pferde prächtig geschmückt und so zogen sie getreu dem Gelübde laut betend hinein ins liebliche Zellertal, zum Kirchlein der St. Nikolaus in Steinbühl. Alle Jahre das gleiche religiöse Schauspiel und alle Jahre erweckt es erneut das tiefe religiöse Empfinden und verschafft sich Eindruck.
Während die Rittteilnehmer laut betend und unter Absingung der 4 hl. Evangelien nach Steinbühl wallfahrten, stellten sich in Kötzting in der Adolf Hitlerstraße der Gemeindeart, die titl. Beamtenschaft sowie sämtliche Vereine zum Kirchenzuge auf. Gegen halb 10 Uhr zogen sie unter Musikklängen zum St. Veitskirchenplatz, wo H. H. Pfarrer Rosenheimer die herkömmliche hl. Feldmesse zelebrierte, der eine ungeheure Menschenmenge beiwohnte. Nach Beendigung derselben zogen die Teilnehmer wieder mit Musik zurück zum Pfarrhof, wo die Auflösung erfolgte. 
Bei sämtlichen Aufzügen marschierten an der Spitze 2 Feuerwehrmänner in der neuen Uniform voran, die einen ganz mächtigen Eindruck machte.
Um halb 2 Uhr brachten die Böller und kündigten die Ankunft der Pfingstreiter aus Steinbühl. In der Adolf Hitlerstraße sammelten sich die Vertreter des Pfingstausschusses und Vereine und warteten hier die Rückkehr der Reiter ab. Nach Ankunft des Kreuzträgers setzte sich der Festzug in Bewegung um zum Jahnplatz zu marschieren, wo die Überreichung des Tuugendkränzchens an den auserwählten Träger des Pfingstkränzchens stattfand. Während des Einrittes in den Jahnplatz intonierte die Musikkapelle das Niederländische Dankgebet. Nach einer Ansprache des Geistlichen, Hochw. Herr Coop. Thoma über Sinn und Zweck des Pfingstkränzchens, überreichte er die zierliche Filigranarbeit dem Bürgers- und Hausbesitzerssohn Hans Costa, der es mit Freude und schlichten Dankesworten entgegennahm. Für 25 jährige Teilnahme am Ritt wurde mit seidener Fahne Franz Kral, Karl Gerstl, Wolfgang Kolbeck sämtlich aus Kötzting und Zitzelsberger von Viechtach ausgezeichnet.

Eine auffallende Figur ist und bleibt ohne Beispiel unser bekannter und mit zäher Ausdauer am Pfingstritt hängender Grubmüller Franz (Zitzelsberger), der heuer zum 59. Male den Ritt mitmachte und in seinem Alter von 76 Jahren seine Vorbeterstimme im Zuge ertönen ließ.  Die schon lange sichtbare schwarze Wolke über dem Sonntagmorgen war in der Zwischenzeit auch näher gekommen und sandte ihr Nass auf die Versammelten.
Eine unheimliche Anzahl und kaum übersehbare Menschenmenge bezog die Plätze die der Ritt passierte. Nach Beendigung der Übergabe endete der religiöse Teil. Hierauf setzte sich der Zug wieder in Bewegung zum oberen Markt und noch einmal ging die Prozession unter Glockengeläute unter Glockengeläute und Böllerschießen durch den Markt um sich bei der Pfarrkirche aufzulösen. Die Aufführungen des Trachtenvereins am Maibaum fielen „ins Wasser“. Nun begann die Arbeit für den Pfingstbräutigam und seine beiden Brautführer Michl Traurig und Michl Pilz in Begleitung zweier Signalisten zu Pferde um die Einladungs- und Danksagungsvisite bei Hochw. Herrn Pfarrer, beim Bürgermeister, Bezirksamtsvorstand und Braut abzustatten.




DIA-Repro 894: Bewirtung im Garten in der Schattenau mit Kooperator, Hans Costa, Josef Dullinger

Währenddem fanden sich beim Bräutigam die Burschen ein, die gastlich mit Speise und Trank bewirtet wurden, während die Musik flotte Weisen zum Besten gab. Der wegen des anhaltenden Regens um halb 6 Uhr stattgefundene Burschenzug unter Beteiligung des Bräutigams und der Brautführer in schwarzer Wichs, sowie der Burschenfahne, nahm einen verkürzten Weg zum Hochzeitslokal Januel.


Burschenchronik: Bewirtung im Elternhauses des Pfingstbräutigams in der Schattenau

Burschenchronik Burschenzug herauf von der Schattenau

DIA-Repro 855 Burschenzug in der Herrenstraße



Bei dem gegen 7 Uhr erfolgten Brautzug hatte der Wettermacher wenigstens soviel Einsicht, wenigstens in der Zeit des Umzuges die Himmelsschleusen zu schließen; diesem Umzug wurde besonders großes Interesse entgegengebracht und schneidig durchzog die liebreizende Braut, heuer Frl. Berta Januel, begleitet von den beiden Brautführern und umgeben vieler schmucker weißgekleideter Mädchen, den Schleier tragend, freundlich grüßend nach allen Seiten, die Straßen des Marktes. Die Braut gefiel allgemein.

Nach Ankunft im Hochzeitslokale wurde das übliche Burschenmahl eingenommen und die Pfingsthochzeit der weltliche Teil, eröffnet. Die Pfingsthochzeit bildete die Krönung der ganzen Feierlichkeiten, die so harmonisch und ohne jeden Misston bei sehr zahlreicher Beteiligung der Gesamtwohnbevölkerung und der anwesenden Fremden verlaufen ist.

Am Pfingstdienstag, der großartiges Sommerwetter mitbrachte, wiederholten sich heuer sehr pünktlich  Burschen- und Brautzug sowie Pfingsthochzeit, wo überwiegend die Bürger- und Beamtenschaft Kötztings vertreten war. Erwähnt sei noch, dass der Burschen- und auch der Brautzug am Friedhof einige Minuten Halt machten und während dem Intonieren eines Trauermarsches gedachten Bräutigam und Braut durch ein stilles Gebet ihrer leider schon verstorbenen Väter. Als Ehrengast konnte man am Brauttisch bemerken Frl. Maria Lukas, die genau vor 50 Jahren die Pfingstbraut des Herrn Andr. Costa ein Onkel des heurigen Bräutigams, war.

Pfingsten, der Kötztinger Pfingstritt 1936 ist wieder vorüber, doch unser Ort hat sich wieder um eine freundliche Erinnerung bereichert, die es anspornen soll, dem Ausbau des nächsten Pfingstrittes die gleiche Aufmerksamkeit wie bisher zu schenken, damit die Besucher auch weiterhin gerne nach Kötzting eilen, das nicht umsonst die Perle des Bayerischen Waldes genannt wird.

Monate nach dem Pfingstfest - aber immer noch in den Pfingstakten des Jahrs 1936 - kommt es zu einer Vereinbarung zwischen dem Markt Kötzting und dem Trachtenverein.

Im August 1936 schlägt der Trachtenverein vor, dem Markt Kötzting deren Trachtenjacken abzukaufen, um diese zukünftig kostenlos abzugeben und somit den Rittteilnehmern Kosten zu ersparen.



Bei der nächsten Gemeinderatssitzung entschied der Kötztinger Bürgermeister - nach Beratung, nicht Entscheidung mit/durch die Ratsherren, denn es herrschte damals das sogenannte "Führerprinzip" -, dass die Pfingstreiterjoppen an den Trachtenverein verkauft werden sollten.


 Und so kam es dann im November des Jahres 1936 zur folgenden Vereinbarung:



Zum Abschluss des Berichtes über die Pfingstfeierlichkeiten des Jahres 1936 noch ein Zufallsfund.


Zur Zeit (2026) gibt es große Planungen über die Zukunft des Anwesens Schoierer in der Herrenstraße. Vor 90 Jahren kam die Familie Haushofer auf das Anwesen und begründete diesen "Hausnamen"

🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken.

 ⭐ Pfingstritt Pfingstritt Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Pfingsten in Bad Kötzting. 



Viel Freude beim Entdecken!

                                              🗺️ Interaktive Karte Kötzting öffnen

 


Montag, 11. Mai 2026

Das Kötztinger Gymnasium erhält seinen Namen

Es war eine schwere Geburt im April vor 50 Jahren: Noch drei Monate vor der feierlichen Einweihung hatte der Neubau des Kötztinger Gymnasiums immer noch keinen „richtigen“ Namen. Noch am 9. April 1976 schrieb die Kötztinger Umschau in einem ironisch gehaltenen Artikel über die Misere der Namenssuche und verwies sogar auf den Vorschlag, das Gymnasium notfalls nach dem „Räuber Heigl“ zu benennen, sollte sich partout kein würdiger Namenspatron finden lassen.

Bleibt das Gymnasium eine Penne ohne Namen?

So titelte die Kötztinger Umschau Anfang April 1976 und berichtete dann:

Kötzting (zn). Das Kötztinger Gymnasium bleibt weiterhin ohne Namen. Hatte man sich nach langem Gerangel schließlich auf den Namen des Nobelpreisträgers Werner Heisenberg geeinigt, so fiel die Taufe jetzt ins Wasser. Und es hätte alles so schön gepasst. Am 25. Juni sollte nämlich die Namensgebung mit der Einweihung des Gymnasiums und der Verabschiedung der „ersten“ 31 Abiturienten über die Bühne gehen. Doch Physiker Werner Heisenberg „verlieh“ seinen Namen schon an das Garchinger Gymnasium.

Bis zum Einweihungstag wird sich so schnell keine geeignete Persönlichkeit finden, die das Kötztinger Gymnasium aus dem namenlosen Schlamassel herauszuleiten vermag, betont Oberstudiendirektor Aribo. Meindl, „irgendwas an den Haaren vorbei wird sich nicht herbeiziehen, da bleiben wir dann schon lieber einfach beim Gymnasium Kötzting.“ Trotzdem hat man noch nicht alle Hoffnung aufgegeben. Durch einen Appell an die Ortsansässigen soll nun zu guter Letzt eine „wissenschaftliche, kulturelle und politische Eminenz“ aufgespürt werden. Auch deutsche Politiker, die sich um den Europagedanken verdient gemacht haben, sind erwünscht — vielleicht Gustav Stresemann, obwohl man hierbei vorsichtig sein muss, mit den „Linken“ und den „Schwarzen“ - meint Studiendirektor Meindl. Böse Zungen hätte sogar schon vorgeschlagen, das Gymnasium auf den fast legendären Namen von Räuber Heigl zu taufen! Es wird nicht leicht sein, besonders im Hinblick auf den nahen Termin dem namenlosen Zustand ein Ende zu bereiten. Also Kötztinger — jetzt wird mal scharf nachgedacht!

Dem Aufruf an die Kötztinger, SCHARF nachzudenken  wurde Folge geleistet, denn schon einen Tag später meldete dieselbe Zeitung durch Frau Renate Serwuschok bereits Vollzug.


Es war wohl ursprünglich der Kötztinger Rektor Karl-Heinz Krämer gewesen, der in einem anderen Zusammenhang - nämlich bei seiner Rede zur Einweihung der Kötztinger Zentralschule -  bereits auf einen ganz besonderen früheren Kötztinger verwiesen hatte und nun durch seine fundierten Vorarbeiten bereits ein Fundament für die Namensgebung liefern konnte.  

"Kötzting (na). „Warum denn in die Ferne schweifen . . .“ Es gibt auch berühmte Kötztinger, in Lexika vermerkt. Bürgermeister Seidl war „nicht sehr glücklich“, als er in dem vorbereitenden Papier zur gestrigen Kreistagssitzung im Zusammenhang mit der Namensgebung für das Gymnasium Kötzting lesen musste, dass zwar in erster Linie an Persönlichkeiten der näheren Umgebung gedacht war, alle Überlegungen und Nachforschungen in dieser Richtung aber leider erfolglos geblieben sind. Bei dem gebotenen Respekt vor den ganz Großen des Geistes: Welcher Bürgermeister würde sich nicht freuen, auf eine Koryphäe aus seiner eigenen Stadt hinweisen zu können. Karl Seidl erinnert sich einer Passage aus der Festansprache, die Rektor Karl Heinrich Krämer bei der Einweihung des Schulzentrums auf der Schmidmarter gehalten hat. Damals war von einem bedeutenden Kötztinger die Rede, von dem Freund und Lehrer Bischof Sailers, dem Beichtvater des Landesherrn, dem Professor, Prokanzler und Pfarrer an der Universität Ingolstadt, von dem Jesuiten Benedikt Stattler. Er soll nun Oberstudiendirektor Meindl, dem Lehrerkollegium und dem Elternbeirat vorgeschlagen werden, in der Hoffnung, dass er für würdig befunden wird, dem Gymnasium seinen Namen zu geben.

Der Mann, von dem der Philosoph Immanuel Kant mit Hochachtung sprach und dem der Regensburger Bischof Sailer nachrühmte, er habe „das schlafende Nach- und Selberdenken in Bayern und in ganz Deutschland aufgeweckt und den Studien einen neuen Schwung und eine neue Gestalt gegeben“, dieser Mann wurde am 30. Januar 1728 in Kötzting geboren. Er erlernte zu Niederaltaich die lateinische Sprache, wurde wegen seines Talents als Zögling im Seminar St. Georg in München aufgenommen, trat 1745 in den Jesuitenorden ein und wurde 1759 zum Priester geweiht. Die Ewige Profess legte er 1763 ab. Seine Studien hatten sich aber zunächst nicht nur auf Theologie beschränkt. Er hörte in Ingolstadt philosophische Vorlesungen und auch mathematische, unterrichtete drei Jahre lang als Magister die Grammatik in Straubing und Landshut und ein Jahr lang die Poesie in Neuburg a. d. D., ehe er in Solothurn und Innsbruck Philosophie lehrte und 1770 an die Ingolstädter Universität als Doktor und Professor der Theologie berufen wurde.

Der Kötztinger wurde Mitglied der königlichen Akademie der Wissenschaften in München. Er betreute die Stadtpfarrei St. Moritz in Ingolstadt neben seiner Professur an der dortigen Universität, deren Prokanzler er später noch war. 1782 übernahm er die Stadtpfarrei Kemnath, resignierte schließlich, ging wieder nach München, wurde Beichtvater des Landesherrn und bekam 1794 endlich die von ihm selbst erbetene Entlassung. Benedikt Stattler starb am 21. August 1797.  Der Jesuitenpater hat sich auch und vor allem schriftstellerisch betätigt. In seinem zweibändigen "Anti=Kant" bekämpfte er den Königsberger Philosophen. Der reagierte überraschend: "Der Doktor Stattler ist einer meiner konsequenten und lieben Gegner. Er bleibt sich vom Anfang bis zum Ende gleich. Er hat mich und ich ihn verstanden." Karl-Heinrich Krämer hatte seinerzeit auch Bischof Sailer zitiert, der Benedikt Stattler zu einem der hervorragendsten Lehrer zählte, als den Mann „der das Pflügen seiner Vernunft ganz persönlich zu schärfen wusste, um den ganzen Acker der scholastischen Philosophie und Theologie gründlich umzuackern und wieder frisch zu besäen.“

Wenn sich die Verantwortlichen des Gymnasiums für Benedikt Stattler entscheiden sollten, dann dürfte es noch einiges zu tun geben, um weitere Details über Leben und Werk dieses großen Kötztingers aus den Staatsarchiven und Universitätsbibliotheken zu erfahren. Insgesamt soll er 46 Schriften verfasst haben. Viele davon kamen auf den Index. Ihm selber soll sogar die Exkommunizierung gedroht haben. In der Rückschau lassen sich diese Repressalien nicht anders als so deuten, dass der Gelehrte seiner Zeit weit voraus gewesen ist, dass er von seinen Zeitgenossen verkannt und missverstanden wurde. Was ihm in seinem Leben sicherlich nicht in Fülle zuteil geworden ist, könnte ihm nun seine Vaterstadt zollen: Ehre und Anerkennung, wie er sie verdient hat.

  Einschub 

Bereits im Mai 1976 hatte die Kötztinger Umschau ein Bild Benedikt Stattlers veröffentlicht – die lediglich 7 x 9 cm große Fotografie einer Gedenktafel in der Pfarrkirche St. Moritz. Diese unscheinbare Aufnahme wurde im Frühjahr 1977 für den Kötztinger Maler August Philipp Henneberger zur Vorlage für jenes Ölportrait, das bis heute unsere Vorstellung vom Aussehen des Namensgebers prägt.


 



Herr Kühn berichtete davon im März 1977:

Der Kreisausschuss (Bauträger der Bildungshalle(!) ist der Landkreis) hatte der Idee von Oberstudiendirektor Aribo Meindl und Heimatdichter, Rektor Karl-Heinz Krämer, zugestimmt und das Porträt bei Kötztings Ehrenbürger, Kunstmaler Aug. Phil. Henneberger in Auftrag gegeben. Die Entscheidung fiel um so leichter, da sich die Kreissparkasse Kötzting mit einer Spende in Höhe von 1000 DM an den Unkosten beteiligte. Henneberger sah sich mit einer schwierigen Aufgabe konfrontiert; als Vorlage hatte er lediglich eine sieben mal neun Zentimeter große Photographie der in St. Moritz in Ingolstadt aufbewahrten Gedenktafel. Die Ablichtung war erstmals in der „Kötztinger Umschau" veröffentlicht worden.
Der Kunstmaler arbeitete drei Wochen an dem Portrait. „Im Stil der alten Meister" (so Henneberger) trug er mehrere Ölfarbschichten auf. So wurde Benedikt Stattler „ein bisserl idealisiert". Außerdem gestaltete Henneberger den Hintergrund nicht originalgetreu. Aber darauf kommt es schließlich nicht an. Das gelungene Werk soll übrigens beim nächsten Konzert-Abend in der Aula des Gymnasiums der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Einschub Ende

Bevor wir nun zur Einweihungsfeier kommen, noch ein schneller Blick zurück auf die schwierigen Anfangsjahre und die Hürden, die zu nehmen waren, angefangen bei der Skepsis der Kötztinger Eltern über die Notwendigkeit eines Gymnasiumsbesuches bis hin zu den Gefahren der Landkreisgebietsreform, da das Gymnasium in Cham sich als Gegner des Kötztinger Schulprojektes stark machte.


Die schwierigen Anfangsjahre:

Zunächst also ein Blick zurück auf die Anfänge des Schulprojekts "Gymnasium für Kötzting", dessen Start mehr als holprig verlief – wie schon einige Überschriften jener Zeit zeigen. Zwar war bereits im Oktober 1965 in Kötzting die Entscheidung gefallen, dass die Stadt ein eigenes Gymnasium - damals hieß es noch "Oberschule" - erhalten sollte, und mit dem Schuljahr 1967/68 konnten auch die ersten Schülerinnen und Schüler das Kötztinger Gymnasium besuchen – zunächst noch in den Schulgebäuden auf der Platte. Es folgten Gutachten auf Gutachten, und auch aus Sicht der Schulstadt Cham war es keineswegs unumstritten, dass die Schülerinnen und Schüler des Landkreises Kötzting künftig nicht mehr auf den Chamer Schulberg fahren sollten. Die endgültige politische Weichenstellung erfolgte jedoch erst im März 1967, als der Kötztinger Kreistag die Entscheidung „pro Gymnasium“ traf.

Einschub

Hierzu erreichte mich eine Zuschrift:

„Kleine Anmerkung zu den „Anfangsjahren“: die beiden Gründungsklassen starteten 1967/68 in der ehemaligen Landwirtschaftsschule (heute Grossparklatz). Erst im Anschluss ging es auf die „Platte“, teilweise mit Zwischenstation Holzapfelschule….😊“

Einschub Ende


Überschrift in der Kötztinger Umschau im April 1968


wo. Kötzting. Es liegt Tragik für den einen Teil, Sorge um die Existenz für den anderen darin, wenn das Kötztinger Gymnasium bei weitem noch nicht auf die Resonanz unter der Bevölkerung stößt, die man dieser Bildungsanstalt wünschen möchte. Nun hat man zwar hierzulande nicht über Begabungsreserven zu klagen; wie viele Kinder aber werden auf Grund der haarsträubendsten Einwände der Eltern gegen das Gymnasium an einer Weiterbildung gehindert? Zieht dann nicht auch eine Gefahr für den Bestand des Gymnasiums herauf? Diese Frage muss sich Oberstudienrat Aribo Meindl gestellt haben.



Die beiden ersten Lehrkräfte des Gymnasiums Kötzting waren OStR Aribo Meindl für Mathematik und Physik und OStR Hans Geith für Latein, Deutsch und Geschichte.

Am Freitag den 8.9.1967 konnte die Kötztinger Lokalpresse dann berichten:
 


KU vom September 1967



Kötztinger Zeitung vom 8.9.1967


Überschrift in der Kötztinger Umschau Ende April 1968, gegen Ende des ersten Schuljahrs

rs. Kötzting. Sieben Monate Gymnasium Kötzting — das war für den Leiter dieser Schule, Oberstudienrat Aribo Meindl, ein guter Anlass, die Eltern seiner Schüler zu einer Versammlung in die Kreisberufsschule zu laden. Und trotz des schönen Frühlingswetters, das der Samstagnachmittag bot, war dieser Einladung in großer Zahl Folge geleistet worden. Mit stolzer Freude konnte der Schulleiter mitteilen, dass fast alle Schüler ihre Anfangshemmungen überwunden und ihre Schüchternheit weitgehend abgelegt haben. Täglich könne man beobachten, wie das Zutrauen zu den Lehrern wächst.

Für den Mai 1969 wurde dann ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben 



Sammlung Serwuschok: Der Schulhausbau im Mai 1971. Das Richtfest wurde dann bereits im September 1971 gefeiert.

Während auf dem Schulberg der Neubau Gestalt annahm, stellte die Zeitung – ebenfalls im September 1971 – die „Gründerklasse“ vor: jene Jungen und Mädchen, die fünf Jahre später als erster Abiturjahrgang das Gymnasium verlassen sollten.
Gleichzeitig gab es die Befürchtung, das Kötztinger Gymnasium in seiner Endausbaustufe könnte ein Opfer der Landkreisgebietsreform werden.

Überschrift im Jahre 1971, zum Höhepunkt der Landkreisdebatten


Die Gründerklasse des Schuljahres 1967/68 nun bereits vier Jahre später im Jahre 1971


Die Großbaustelle im Winter 1972


Im Herbst 1973 war dann bereits der erste Anbau fällig


Bürgermeister Karl Seidl, Landrat Ernst Girmindl und Kötztinger Stadträte bei der Hebefeier des Anbaues im September 1973

Die große Einweihungsfeier

Und dann kam der große Tag; Direktor Aribo Meindl selber schrieb für die Kötztinger Umschau  und Reithner Dieter für die Kötztinger Zeitung die jeweiligen Artikel zur Einweihung des Neusprachlichen Gymnasiums in Kötzting am 25. Juni 1976. 
Leider haben sich gerade von dieser Veranstaltung keine Negative erhalten, so dass uns nur die relativ unscharfen Zeitungsbilder zur Verfügung stehen. Die Einweihungsfeier markierte – gemeinsam mit der Entlassung der ersten Abiturklasse – den feierlichen Schlusspunkt unter Bauarbeiten, die sich über mehrere Jahre erstreckt hatten.



Hier die Namensliste von Kötztings erstem Abiturjahrgang:

Kötztinger Zeitung vom 26.6.1976

Am Ende der Veranstaltung kam es dann zur großen Überraschung, die Entscheidung für die Namensgebung wurde verkündet, die tatsächlich  erst 4 Tage vor dem Einweihungstermin getroffen worden war.



Aus dem Kretschmerarchiv und der Negativsammlung von Frau Serwuschok stammen mehrere Aufnahmen aus dieser frühen Zeit, die den Abschluss dieses Beitrags bilden und zugleich noch einmal einen anschaulichen Blick auf die Anfänge ermöglichen.

Im Juli 1974 demonstrierte das Kötztinger Gymnasium im Rahmen ihrer Schulabschlussfeier für den Frieden in der Welt: (Die Bildunterschriften stammen aus der Kötztinger Umschau vom 31.7.1974)


Sie fragten: was ist Frieden nun wirklich? Ein Wechselgespräch

Der Direktor Aribo Meindl

Direktor Meindl bei der Verleihung der Ehrenpreise an die Schüler, die sie sich verdient hatten.

Aus dem Kretschmerarchiv stammen die folgenden Bilder der Abschlussfeier des Jahres 1976:

 Johannes Reitmeier ganz rechts, rot-weiß mit Korb Sabine Früchtl (verh. Norgall – Schwester der Pfingstbraut 1974), links mit Kopftuch Marlene Kroher, daneben Monika Schreiner (weiße Bluse, rotes Dirndl), daneben grünes Dirndl Carolin Eckert, daneben Susi Weigl (blau-rotes Dirndl, dunkle Haare), in der Mitte hintere Reihe blond Barbara Vogl)

 rechts Leopold Henneberger, daneben klatschend Birgit Starflinger, links vom Notenständer Klavier in grün Johannes Reitmeier

Am Klavier Johannes Reitmeier, daneben Margarete Hermann 




Mitte Anton Staudinger










Und zum Ende des Beitrags eine gefüllte Aula beim Schulabschluss des Jahres 1977

KU vom 28.7.1977 


🗺️ Ein Tipp zum Schluss:
Auch dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte Kötztings eingetragen.
Dort werden Beitrag um Beitrag aus der Häuserchronik und die vielen anderen  historischen Themen dieses Geschichtsblogs direkt im Stadtplan verortet – jeder Marker führt per Klick zum passenden Blogbeitrag.
Die Karte funktioniert am PC ebenso wie auf dem Smartphone und kann sogar als kleine App gespeichert werden.

 Reserve weiß Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Kötztinger Allerlei zu finden.