Das "alte Kötzting" bei der Uraufnahme bei der beginnenden Landvermessung hatte 159 Anwesen. Der Geschichte dieser Bürgerhäuser und ihrer Bewohner nachzuspüren und sie zu dokumentieren, ist das Ziel dieser Häuserchronik. Die Anfänge und die Entwicklung unserer Heimatstadt – von der Teilung der Urhöfe bis zur Ernennung Kötztings zum Landgerichtsort – lassen sich in einem einleitenden Blogbeitrag ausführlich nachlesen.
Alte Hausnummer 108beim Schuhmacher
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| Detail aus: Vermessungsamt Cham 5168-2100-LiquiP_Bad_Koetzting_1831_Beilage_M2500_1_1-01 |
Da dieser Ortsteil des alten Kötztings in seiner früheren Form nicht mehr existiert – der verheerende Marktbrand vom Juni 1867 hat den gesamten Bereich grundlegend verändert – lässt sich die Lage des Hauses nur noch grob auf das heutige Straßenbild übertragen. Nach heutigem Zuschnitt lag es ungefähr dort, wo sich heute das Stadtcafé an der Kreuzung Marktstraße/Bahnhofstraße befindet – wie damals auch in unmittelbarer Nachbarschaft zum „Schmidtbräugarten“.
Auch bei diesem Haus in diesem Kötztinger Ortsteil ist der sichere Boden der Beweisführung, von dem aus versucht werden kann, rückwärts zu suchen, das Häuser - und Rustikalsteuerkataster von 1811, und dort lesen wir:
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| HsNro CIV, also 104 (darunter handschriftlich die Korrektur in Hinblick auf die spätere Hausnummer: " HsN 108" |
"Joseph Sporrer: das gezimmerte Haus mit seinem kleinen Wurzgartl"
1797 finden wir eine Heirat des Joseph Sporrer mit Franziska Waldherr, die ihm ihre Behausung als Gegengewicht zu seinem Heiratsgut widerlegt.
Von dieser Heirat aus, kann man rückwärtssuchend die Besitzerliste vervollständigen bis heran an den Beginn der Kötztinger Briefprotokolle, die um 1700 einsetzen. IN diesem Falle gibt es sogar den seltenen Fall, dass ein so kleines Haus sogar über diese Dokumentationsgrenze hinaus noch weiter verfolgt werden kann. Der Beweis kann mit einer Kreditaufnahme beim Markt geführt werden, bei dem sogar der Grund angegeben ist, nämlich ein Haus zu errichten:
Wir kennen also sogar das Baujahr, es war im Jahre 1669.
Juglreither Michael und Maria
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| StA Kötzting Marktrechnung von 1970 |
"Michaeln Jublreither, burger und Schuechmacher alda, ist wie verttige Rechnung - also 1669 - vermag, ain gemaines Grundt negst bey der Wuhn zu ainem Heisl, per 10 fl ausgezaigt und verkauftt worden und macht das Interesse auf diss 1670iste Jahr 30 xr."
In der Kirchentrachtliste von 1688 findet sich die "Juglreitherin" mit der Kirchentrachtzahlung für ein Haus.
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| HStA München GL_Fasz_1829_62 |
Freimuth Michael und Katharina
Am 29.11.1706 verkauft der Kötztinger Bürger Freymuth Michael sein "Häusl uf dem sogenannte Pfeffergraben entlegen, soviel selbes mit Scharr und Dach umpfangen" für 40 Gulden an den Bürger und Leineweber Andre Wurmb und dessen Frau Barbara, Weiter heißt es im Vertrag: " dem Verkäufer bleibt die Wohnung in seinem absonderlichen Wohnstiebl welches erst zu dem andern vom Verkhäuffer gericht und von denen am 29.11.1706 Erkhauffern hierzu mehrers nit als 5 fl gegeben werden mueß, sambt halber Schupfen und 2 Pötl im Garten gegen dem Haus linker Hand, das Brennholz in dem Garten und under der Tachung zuhalten auch das Prodt im Packofen zepachen und Krautvass im Keller zesetzen haben." Dieser Kaufpreis setzt sich zusammen aus einer Schuld von 30 Gulden bei der St. Nikolauskirche in Steinbühl und 10 Gulden beim Markt Kötzting. Dem Verkäufer bleibt also buchstäblich nichts übrig von seinem Hausverkauf, außer der freien Wohnung.....
Vom Verkäuferehepaar ist nur bekannt, dass sie im Jahr 1685 in den Kötztinger Geburtsmatrikeln auftauchen.
Wurmb Andreas und Sticker Barbara
In den Kötztinger Marktrechnungen findet sich dann auch folgender Eintrag, wobei nicht klar wird, ob es sich beim Familiennamen des ursprünglichen Schuldners „Juglreither“ nicht um einen Schreibfehler handelt.
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| StA Kötzting Marktrechnung von 1710 Seite 4 |
"Andre Wurmb burger und Leineweber alhir, hat ienige 10 fl Capüithal in erkhauffung seines Heusl ufm Graben zu bezallen ybernomben, welche Michael Juglreither in Handen gehebt, welche er Wurmb auch underm 14. Aprill 1710 mit Verschreibung ermelt seines Heusls besambt aller zugehör zugeniegen versichert und raicht davon zur St. Weihnachten an Züns 30 xr."
Einschub:
Was hier interessant ist, ist die Lagebeschreibung des Hauses.Das - freie - Grundstück auf dem das Haus errichtet werden durfte wird beschrieben als "negst an der Wuhn" gelegen.Beim Haus heißt es später, dass dieses am "Pfeffergraben" oder "uffm Graben" liege.Nun ist eben der "historische" Pfeffergraben nicht identisch mit der heutigen Straße gleichen Namens. Es hat den Anschein, dass früher die lange Gasse vom Schmidtbräugarten bis hinauf zum Schlossgarten den Namen Pfeffergraben trug, was könnte man sich auch dadurch erklären, weil die spätere Holzapfelstraße auf dieser Linie in ihren Anfängen eher einer Hohlgasse als einer Straße glich.
Einschub Ende
In all den Folgejahren findet sich - ähnlich wie vorher Michael Juglreither und nach ihm Michael Freimuth - nun auch Andreas Wurmb in den Marktrechnungen mit der Zahlung von jährlich 30 Kreuzern an die Marktkasse.
1721 verklagt der Leinweber AW die Gärtnerstochter Anna Maria Peyr.
Einschub
Ein interessantes Detail verbirgt sich in diesem Rechnungseintrag:
"exofficio aufhebung bedeither iniurj"
Die Ausgesprochene Beleidigung wurde nicht nur einfach bestraft, sondern durch den Kötztinger Rat ausdrücklich "aufgehoben" und damit unwirksam gemacht. Es lag also künftig kein Schatten mehr auf der Ehre des Kötztinger Bürgers und Leinewebers.
Einschub Ende
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| HStA München Landshuter Abgabe KL Rott B4 1727-1736 |
Im Jahre 1731 steht der Bürger und Leinweber in der Rubrik der Feuerstrafen, weil "in dessen hülzernen Heusl negst an der Wändt stehenter Pachofen Feur auskhommen das man hat Larmen machen müssen. So hat man deme nit allein aufgetragen , das er diesen Pachofen abbrechen und heraus sezen sollte dieser Unachtsamkeit willen aber ist derselbe intacita paupertatis umb 1/2 Pfundt punctiert worden."
Sein Backofen hatte Feuergefangen und dieser war noch dazu zu nahe an seinem aus Holz gebauten Haus gestanden, weshalb in Kötzting Feueralarm gegeben wurde.1733 steht er zum letzten Male mit der Bezahlung des Jahreszinses in den Marktrechnungen, denn am 1.6.1734 verkauft er sein "Bürgershäusl uffm Pfeffergraben und behält sich für 2 Jahre die freie Herberge, in der vordern Stuben , die er jetzt bereits bewohnt" an den Schuhmacher Lanzinger Benedikt um 150 Gulden.
Lanzinger Benedikt und Weber Anna Barbara
Wolfgang Waldherr und Barbara Görgenhuber
Waldherr Wolfgang und Häckl Johanna
Sporrer Joseph und Franziska Waldherr
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| Hier der Wahlschein von Joseph Sporer aus dem Jahre 1806 |
Und so sind wir nun beim eingangs erwähnten Eintrag im H+R Steuerkataster, von dem aus ja die Suche rückwärts begonnen.
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| "HsNro CIV", also 104 (darunter handschriftlich die Korrektur in Hinblick auf die spätere Hausnummer: "HsN 108" |
"Joseph Sporrer: das gezimmerte Haus mit seinem kleinen Wurzgartl"
Am 18.5.1818 war es dann soweit, die "Sporrer Josephschen" Kreditoren verkauften das kleine Haus, ein Zwangsverkauf also.
Das Sporrersche Ehepaar fiel nun vom Status einer Kötztinger Bürgersfamilie zurück auf den von Insassen.
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| StA Kötzting AA II/19 "Verzeichnis der Inwohner, welche zwar keine Gemeindeglieder sind, iedoch ihr Heimatrecht begründet haben im Markte Koetzting" |
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| "Franziska Sporrer, Inwohnerin, verehelicht" |
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| "Joseph Sporrer, Inwohner, verehelicht" |
Müller Georg und Katharina
Am 10. August 1833 reicht die Witwe Katharina Müller das kleine Haus an den Sohn Joseph, einem Schuhmachermeister weiter. Der Übergabepreis war 1200 Gulden.
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| StA Landshut Grundsteuerkataster 5039 |
Müller Joseph und Schwimmer Katharina
Am 24.9.1831 erhält Josef Müller vom Kötztinger Magistrat die Heiratserlaubnis mit der Anna Maria Schwimmer, einer ledigen Häuslertochter aus Grub. und zwei Jahre später, am 10.8.1833 dann noch das Haus von seiner Mutter, der Witwe Katharina Müller. für 1200 übertragen.
Noch zu Zeiten als die Mutter - Katharina Müller - noch die Besitzerin gewesen war, hatte der Nachbar Ignaz Schrank - Hotel zur Post - einen Antrag gestellt, um ein kleines Gässchen, das hinter seinem Anwesen entlang führte, kassieren zu dürfen.
Später wurde im Laufe dieses Vorgangs dann auch noch ein Lageplan erstellt, weshalb wir in dem Plan nun Joseph Müller als den Besitzer vorfinden.
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| StA Kötzting AA VI 9 Straßenerweiterung durch Ignaz Schrank 1833 |
Der dem Akt beiliegende Lageplan zeigt uns erneut, wie ungeordnet, ja teilweise chaotisch die Flächenaufteilung in diesem Ortsteil Kötzting bis zum Marktbrand gewesen war.
Durch die Auflistung im Mieterkataster des Jahres 1841 kennen wir sogar die innere Aufteilung des Hauses:
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| StA Landshut Grundsteuerkataster 5045 Mieterkataster |
Unter der Erde: 1 Keller
I: 1 Wohnzimmer und Kammer, dann 1 Stallung und 1 Küche
Unterschrift Joseph Müller
2. Christoph Rückl Schreiner /Miether:/
I 2 Wohnzimmer und 1 Kammer, dann Antheil am Hausboden unterm Dach
Unterschrift Christoph Rückl
3. Franz Fink, Inwohner
II 1 Wohnzimmer, 1 Kammer und Antheil am hausboden unterm Dach
Handzeichen des Franz Fink
4. Johann Reininger Maurer /:Miether:/
II 1 Wohnzimmer und 1 Kammer Hz des Johann Reininger
5. Joseph Müller EIgenthümer
1 Schweinestallung
1 kleine Scheine >>> vertauscht"
Die Haltung des "Gailviehs" war in Kötzting immer wieder ein Thema, nachdem es amtlicherseits endlich erreicht worden war, diese lästige Pflichtaufgabe nicht mehr einfach dem Bürgerspital aufzuhalsen.
Einzelne Bürger konnten sich für diese undankbare Aufgabe bewerben, es gab jedoch immer wieder Klagen über die Ausübung dieser für die Viehhaltung im Markt so wichtigen Einrichtung.
AA XV/49: "Fest Franz hatte gekündigt und im Jahre 1859 bewarb sich Weiß Kaspar auf 3 Jahre auf diese Stelle. Die Vorwürfe kommen laufend herein: er ließe in der Au die Wiese verkommen, zöge keine Gräben. Die Wiesenbesitzer rundherum beschweren sich. Weiß kündigt auf und bringt Graßl Anton, Bäckermeister in Vorschlag, der auch übernehmen will. Der Magistrat ist dagegen und der Wechsel wird nicht gestattet. Eine Kommission begutachtet Tiere und stellt vollkommene Verwahrlosung fest. Müller Joseph, Schuhmacher, war danach von 1862 bis 1865 der einziger Bewerber.
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| StA Landshut Grundsteuerkataster 5047 |
Müller Hermann und Schödlbauer Katharina
Am 3.6.1867 heiratete Hermann Müller, Sohn des Joseph Müller und der Schwimmer Anna Maria die Allmannsdorfer Bauerstochter Katharina Schödlbauer.
Schon im April desselben Jahres hatte er das Haus von seinem Vater übernehmen können und am Tage seiner Heirat kam das große Unglück über Kötzting und auch über den neugebackenen Ehemann und Hausbesitzer, denn in der Nacht vom 3. auf den 4. Juni brach ein Marktbrand aus, der eine komplette Häuserreihe der Marktstraße auslöschte, vom Oberen Friedhof bis hinunter zur heutigen Kreuzung Bahnhofstraße/Marktstraße.
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| StA Landshut Grundsteuerkataster 5050 |
Über diesen Brand und seine Schäden gibt es einen ausführlichen Akt im Staatsarchiv Landshut und darin ist auch eine Beschreibung der Häuser der einzelnen Brandleider.
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| StA Landshut Rep 164/8 Nr. 1570 Der Brand in Kötzting 1867 |
"Hausnummer 108:
Müller Hermann Hausbesitzer und Maurer
Der Beschrieb der Gebäude vide Protokoll sub Nro XXXII
Befund:
ad 1: Das aus Blockwänden und Ziegelgemäuer bestandene Wohnhaus ist bis auf den Grunde niedergebrannt. (Größe des Hauses 46 x 31 Schuh und 23 Schuh hoch.)
Das durch Abbruch genommene Ziegelmaterial hat wegen seiner Beschaffenheit einen erheblichen Werth nicht, deckt auch die Abbruchs und w. Abfuhrkosten nicht. Schaden total
ad 2. Das Stadelgebäude ist bis auf den Grund niedergebrannt, nur ragen die 4 Eckpfeiler, welche aus Ziegeln bestanden empor; deren Abbruch aus feuergefährlichen Rücksichten bedingt wurde.
Schaden Total (Die Größe des Stadels: 30 x 31 Schuh und 35 Schuh Hoch)
Das Ziegelmaterial, welches vom Abbruch genommen wird, übersteigt keineswegs die Abbruchskosten."
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| StA Landshut Rep 164/8 Nr. 1570 Der Brand in Kötzting 1867 |
Müller Hermann
2. Der neuerbaute Stadel von gemischter Umfassung und von gemischter Bedachung versehen gewesen.
Das Resultat der Besichtigung des Schadenserhebung
Unterschrift:
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| StA Landshut Rep 164/8 Nr. 1570 Der Brand in Kötzting 1867 |
Müller Martin Maurer : Hausgeräthe, Schuhwerk, Werkzeug, Kleider, Küchen und B>Indergeschirr im Wert von 41 Gulden."
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| StA Kötzting 021-1 |
Der "Ersatzbau" wird in dem sich anschließenden "Schmidtbräugarten" errichtet werden und befindet sich bis heran an die Gegenwart in Familienbesitz aller Nachfolger auf dem Hotel zur Post.
Aus diesem Grunde wird dieses "ersatzgebäude" in den Grundsteuerkataster auch nicht unter der alten Hausnummer 108 geführt sondern als 107e.
🗺️ Ein Tipp zum Schluss:
Seit Herbst 2025 gibt es außerdem die interaktive Karte Kötztings.
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Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Haus zu finden.
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