Das "alte Kötzting" bei der Uraufnahme bei der beginnenden Landvermessung hatte 159 Anwesen. Der Geschichte dieser Bürgerhäuser und ihrer Bewohner nachzuspüren und sie zu dokumentieren, ist das Ziel dieser Häuserchronik. Die Anfänge und die Entwicklung unserer Heimatstadt – von der Teilung der Urhöfe bis zur Ernennung Kötztings zum Landgerichtsort – lassen sich in einem einleitenden Blogbeitrag ausführlich nachlesen.
Für die nächsten zehn Häuser in der Liste gilt allerdings eine Besonderheit:Die Anwesen mit den alten Hausnummern 113 bis 123 lassen sich zwar weit in die Vergangenheit zurückverfolgen, wurden jedoch nach dem verheerenden Marktbrand von 1867 aufgrund des neuen Straßenzuschnitts im unteren Markt nicht mehr an ihrem ursprünglichen Standort errichtet.
Mit dem Bau der unteren Marktstraße, des Pfeffergrabens und später der Holzapfelstraße entstand vielmehr ein völlig neuer Ortsteil, in den die „alten“ Hausnummern übertragen wurden. Die eindeutige Identifizierung dieser Häuser ist deshalb heute nur noch über die übernommenen Hausnummern möglich.
Alte Hausnummer 113
beim Drickl
![]() |
| Detail aus Vermessungsamt Cham: 5168-2100-LiquiP_Bad_Koetzting_1831_Beilage_M2500_1_1-01 |
Das „südliche Anhängsel“ an unserem rot markierten Haus Nr. 113 mit der Nummer 98 diente damals – die Karte stammt aus dem Jahr 1811 – als Stadel für landwirtschaftliche Fahrzeuge des heutigen Hotel zur Post. Später wurde das Gebäude als Nebengebäude der Firma Haas genutzt.
Eine zusätzliche Schwierigkeit liegt darin, dass dieses Häuser- und Rustikalsteuerkataster die erst 1840 eingeführten endgültigen Hausnummern noch nicht kennt. Eine hilfreiche Hand hat jedoch wohl schon bei der Erstellung des Grundsteuerkatasters von 1840 diese „Entschlüsselung“ vorgenommen und die späteren Hausnummern mit Bleistift am Rand vermerkt.
![]() |
| StA Landshut Rentamt Kötzting Rep 300 B27 |
a:Das zum Theil gemauerte, zum Theil gezimmerte Haus mit Stall und Schupfe, dann
Gemeindsantheil im Kroith ( heute der Schinderbuckel) ao 1803 zu Acker cultiviert
Noch ein erkhaufter Gemeindeantheil in den Kroithhäng ao 1803 zu Acker und Wiese cultiviert
Das aus den Klosterpfarrgründen erkaufte Ackerl im Kroith
Es ist leider fatal, dass es in der Reihe der Kötztinger Briefprotokolle eine ärgerliche Lücke zwischen 1742 und 1744 gibt, die es uns nicht erlaubt, den Hausbesitzer vor JG Arendt zu erfahren.
Johann Georg Arendt
mehr zu den Kötztinger Mesnern in der Häuserchronik des Mesnerhauses:
Josef Schaffner
In der Kammerrechnung fol. 12 verrechnet.
Bereits im Jahre 1742 ist ein Brauer Joseph Schaffner in den Kötztinger Pfarrmatrikeln zu finden, als er - als Witwer und Brauer in Miltach bezeichnet - die Kötztinger Metzgerstochter Anna Maria Pirzer heiratete. (30.6.1742)
Dirnberger Maria Anna
![]() |
| StA Landshut Markt Kötzting Briefprotokoll von 1757: Kopf der Verkaufsurkunde Kaufsybergabs Beschreibung per 150 fl Anna Dirnbergerin verwittibt burgerliche Kueffnerin alhir |
Josef Bauer und Katharina Dirnberger
Maria Anna Dirnberger verkauft das am 30. März 1751 von Josef Schaffner erworbene Haus am Pfeffergraben, unweit des Schlossers Häusl gelegen, mitsamt Wurzgärtl und Gumpbrunnen um 150 Gulden an ihre Tochter Katharina Dirnberger. Dabei wird ausdrücklich vereinbart: "dieser Gumpbrunnen geht mit Benno Strasser - das ist der Schlosser - im gemainschaftlichen Genuss." Der Mutter wird zudem das "vorhandene Stibl" als Herberge zugesichert sowie "ain Orth im Stahl zu Haltung ainiges Schaaf aingeraumbt".
Am 23.1.1758 heirateten der Kötztinger Schneidersohn Joseph Bauer - Sohn des Kötztinger Ratsherren und Schneiders Andreas Bauer und seiner Ehefrau Anna - die Kötztinger Küferstochter Katharina Dirnberger - Tochter des Küfers Johann Georg Dirnberger und seiner Frau Anna, einer geborenen Schwarz. Die Trauzeugen waren die beiden Bauern Michael Bauer aus Reckendorf und Vogl Johann aus Meinzing.
![]() |
| PfA Kötzting Band 14 Seite 161 Heiratseintrag |
Im Sommer des darauffolgenden Jahres schließt das Ehepaar einen eigenen Heiratsvertrag. Darin bringt der Schneidermeister die "von seiner Mutter gekaufte Schneidersgerechtigkeit" vertraglich in die Ehe ein, während seine Frau im Gegenzug das von ihrer Mutter erworbene Haus in die Verbindung einbringt.
Im Jahre 1760 muss der Schneider Joseph Bauer eine ganz besondere Strafe von 17 Kreuzern bezahlen. Sein Vergehen: das Alleinehüten.
Zu dieser Zeit wurden die Kötztinger Nutztiere noch in einer gemeinsamen Herde, angeführt vom Gemeindehirten, zum Weidegang auf die der Allgemeinheit zustehenden Flächen geführt.
![]() |
| StadtA Kötzting Marktrechnung von 1760 Seite 24 |
So ist gleichfahls Joseph Paur Burger und Schneidermaister derorthen von dem Pfendter mit seinen 2 Schaafen in ainem Haaber SaammenVeldt ganz allein hierttend angetroffen und demnach, weillen es auch das erstemahl mit der Gewahrnung wie voriger angesehen, und mit der oerd: Straff vom Stuckh per 1 allen 2 also 2 ßpfennig beleget wordten thuet 17 xr 1 H."
![]() |
| HStA München Landshuter Abgabe Kl Rott B 5 1777-1800 |
Joseph Drickl und Genoveva Bauer
![]() |
| Vermessungsamt Cham Detail aus: 5168-2100-LiquiP_Bad_Koetzting_2_1-01 |
Durch einen unbekannten Zufall haben sich die Wahlzettel der Kötztinger "Kommunalwahl" von 1806 komplett erhalten: Hier zunächst die Übertragung des Wahlzettels in die Gesamtliste. Damals gab es keine Wahlvorschläge sondern Jedermann konnte seine Lieblingskandidaten für die drei Ämter: Bürgermeister. Gemeinderat und Bürgerausschuss frei bestimmen.
![]() |
| StA Landshut LGäO Kötzting Nr. 793 Magistratswahlen von 1806 |
Für den Bürgermeister: Windorfer
Für den Rat: Anton Mack - Leszkier - Schepperl - Gernhuber
Für den Ausschuss: Math. Pfeffer - L: Mühlbauer - Baptist Lanzl und Jos. Reitmair
Der Ausschuß otter Gemeins Vertr. der erste Matias
Pfefer schneitermeister der 2. Lorenz Mielbauer Lein und Zeug
weber der 3. Papist Länzl Schneuter Meister der 4. Joseoph
Lange behält Joseph Drückl die eingetauscht wiese nicht, sondern verkauft diese im Jahr drauf an den damaligen Müller auf der Sagmühle Johann Weber. Da er nun aber nur 200 Gulden für dieses Grundstück erzielen kann, hat er wohl einen finanziellen Verlust hinnehmen müssen.
![]() |
| StA Landshut Rentamt Kötzting Rep 300 B27 |
a:Das zum Theil gemauerte, zum Theil gezimmerte Haus mit Stall und Schupfe, dann
Gemeindsantheil im Kroith ( heute der Schinderbuckel) ao 1803 zu Acker cultiviert
Noch ein erkhaufter Gemeindeantheil in den Kroithhäng ao 1803 zu Acker und Wiese cultiviert
Das aus den Klosterpfarrgründen erkaufte Ackerl im Kroith
Lorenz Drickl und Obermaier Katharina
Bei der oben bereits angeführten Schuldverschreibung des Dricklschen Ehepaares bei der Marktkasse ist es nicht geblieben; vielmehr häuften sich Rückstände über Rückstände an. Um sein Anwesen vor der Zertrümmerung zu retten, versuchte Johann Drickl, dieses auf seinen Sohn Lorenz zu übertragen. (StadtA Kötzting AA X/55)
Im Jahre 1824 stellte er zudem ein Gesuch um die „Verleihung einer Schneidergerechtsame“. Drickl wollte dabei nicht nur einen Teil seines Anwesens, sondern auch seine Schneiderkonzession an den Sohn weitergeben. Die Gesamtschulden bezifferte Drickl sen. auf 896 Gulden. Sein Sohn Lorenz übernahm davon zunächst 200 Gulden, um wenigstens die dringendsten Rückstände zu begleichen. Mit all diesen Manövern versuchte der Vater, die endgültige Zertrümmerung des Anwesens abzuwenden.
![]() |
| StA Landshut Rentamt Kötzting B 28 |
"Joseph Drickl übergibt am 24ten July 1828 seine Bürgersbehausung mit Gemeinde Nutzen dann Ackerl und Wiese in der Kroitt an seinen Sohn Lorenz Drückl um 675 fl sonst ohne Änderung"
Joseph Drickl arbeitete inzwischen gemeinsam mit seiner Frau sogar als Polizeidiener in Altrandsberg. Für die beantragte Übergabe legte Drickl Lorenz sowohl seinen Lehrbrief als auch sein Wanderbuch vor. Anschließend heiratete er Katharina Obermaier aus Wolfersdorf. Das Gesuch wurde schließlich genehmigt.
Josef Probst und Drickhl Anna
StadtA Kötzting AA X61: "Gesuch um Verleihung einer realen Kufnerkonzession. Hat die Wohnung von Reitmaier Joseph gekauft und das erforderliche Vermögen und das Bürgerrecht erworben. Muss sich zusätzlich durch gerichtliche Zeugnisse ausweisen. Antrag wurde Genehmigt."
![]() |
| StA Landshut Rentamt Kötzting B 28 |
Auch in Altrandsberg war die Verschuldung Josef Drickls weiter angestiegen, wie aus einer Vergleichsverhandlung vor dem Kötztinger Marktmagistrat aus dem Jahre 1836 hervorgeht. JD war zu dieser Zeit aber bereits Amtsdiener in Kötzting geworden.
Auch Josef Drickl bemühte das Kötztinger Vergleichsamt, so zitierte er seinen Schwiegersohn vor das Amt, weil dieser seinen Austragszins, den er ursprünglich mit seinem Sohn Lorenz abgeschlossen hatte, nicht einhalte:
"22. Dezember 1842: Der vormalige Polizeidiener Josef Drickl v K stellt gegen Josef Probst, Binder von K., wegen Verabreichung des ihm nach dem Beherbergsabvertrage vom 24. Juli 1824 stipulierten jährlichen Herbergszins zu 1 fl Klage. Es kommt kein Vergleich zustande.
Es geht aber auch umgekehrt: nun geht's um das eigentlich vertraglich versprochene Heiratsgut der Tochter, welches der Schwiegersohn gerne haben würde:
Der Sohn Lorenz Drickl - Schneider - war am 20.6.1849, mit 55 Jahren der Brustwassersucht erlegen.
Die Schwiegertochter Katharina Drückl starb mit 59 Jahren an Phthisis abdominalis (=Bauchschwindsucht, wohl extreme Entkräftigung) am 13.8.1846.
Einschub Ende
Gebäude: Wohnhaus mit Stall aneinander, besonderer Stadl, dann Hofraum
Garten: Gras und Baumgarten, das Hausgartl
![]() |
| StA Landshut Grundsteuerkataster 5039 |
Gemeindetheile vom Jahre 1803
Acker:
Plnr. 1046b an der Kroith
Plnr 1049 im Kroith mit Wiese, die Auwand genannt
Plnr 1046b im Kroith
![]() |
| StA Landshut Grundsteuerkataster 5045 Mieterkataster |
1.) Joseph Probst, Küfner /:Hauseigenthümer
1.. Hauptgebäude
I 1 Wohnzimmer, 1 Verschlag, 1 Gewölbe und 1 Stallung
Unterschrift Joseph Probst
I 1 Wohnzimmer und Verschlag, Antheil am Hausboden unterm Dach
Unterschrift Paul Hatzmayr
II 1 Wohnzimmer, 1 Kammer und Antheil am Hausboden unterm Dach
4.) Joseph Pfobst, EIgenthümer
Im ersten revidierten des Grundsteuerkataster von 1860 findet sich am Anfang des Bandes bereits eine Fortschreibung der Besitzverhältnisse:
![]() |
| StA Landshut Grundsteuerkataster 5047 |
Auf den Küfner Probst Joseph folgen hier zunächst sein Sohn Johann und danach folgt bereits der nächste Josef Probst.
Probst Joseph und Waldherr Theresia
![]() |
| DIA-Repro 1915 Ludwig Barth mit Tochter Käthe (verh. Schreiner) und Sohn Josef Pfeffergraben Handwerk |
Der Sattlerbetrieb Barth
![]() |
| DIA-Repro 2036: Beim Barthsattler 1950 Geiger Thomas in der Werkstatt, Bursch Willi aus dem Zellertal, mit Locken aus Miltach mit Sessel |
![]() |
| DIA-Repro 2035: Beim Barthsattler 1950 Geiger Thomas in der Werkstatt, Bursch Willi aus dem Zellertal, mit Locken aus Miltach mit Sessel |
![]() |
| DIA-Repro 1389 v. li. Ludwig Barth,Sattlermeister, Franz Kurz, Josef Kufner (Simon Weißenregen) Johann Mühlbauer Kettersdorf |
![]() |
| DIA-Repro 1389 Pfingsten vor 1950 bei der Kranzlüberreichung am Bleichanger, v. li Ludwig Barth, Bürgermeister Johann Schödlbauer, Pfarrer Dietl |
Die Pfingstakteure
Gleich aus zwei nachfolgenden Generationen – einmal ein Pfingstbräutigam und einmal eine Pfingstbraut – lassen sich Pfingstakteure auf dieses Anwesen zurückführen.
Frau Käthe Schreiner konnte ihren Sohn Rudi im Jahre 1990 als Pfingstbräutigam bewundern und unterstützen. Dieser wiederum war später der stolze Vater der Pfingstbraut des Jahres 2024.

![]() |
| Foto Homepage des Burschen und Wanderervereins Bad Kötzting V.l. Siegfried Martinitz - Angelika Casaretto - Rudi Schreiner - Harry Holzer Bild vom Pfingstmontag 1990 |
![]() |
| Foto Homepage des Burschen und Wanderervereins Bad Kötzting V.l. Siegfried Martinitz - Angelika Casaretto - Rudi Schreiner - Harry Holzer Bild vom Pfingstdienstag 1990 |

![]() |
| Foto Pongratz: Burschen- und Brautzug 2024 Pfingstmontag |
![]() | |
|
![]() |
| Foto Pongratz: Ehrentrunk vor dem Alten Rathaus Pfingstmontag 2024 v.l. Felix Pfeffer - Eva Maria Schreiner - Andreas Kolbeck - Andreas Oexler
|
![]() |
| Foto Pongratz das "Team" von 2024 zusammen mit dem Kötztinger Bürgermeister Markus Hofmann |
![]() |
| Foto Homepage des Burschen- und Wanderervereins Bad Kötzting v.l. Felix Pfeffer - Eva Maria Schreiner - Andreas Kolbeck - Andreas Oexler Pfingstdienstag 2024 |
![]() |
| Foto Pongratz: Pfingstmontag 2025 |
![]() |
| Foto Pongratz: Pfingstdienstag 2025 |
![]() |
| Foto Pongratz: Pfingstmontag 2026: Eva Maria Schreiner und die Mutter der Pfingstbraut von 2026 Romy Weindl. |
![]() |
| Foto Pongratz 2026 |
















































































