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Sonntag, 13. September 2026

Bilder fürs Kopfkino ....

Manchmal genügt ein einziges Foto.

Gesichter oder eine festgehaltene Szene  – und plötzlich ist sie wieder da, die halbe Welt von damals.
Beim Stöbern durch unsere Bildersammlung – oft in Verbindung mit alten Zeitungsartikeln – stoße ich immer wieder auf solche Einzelstücke. Bilder, die mehr erzählen, als man auf den ersten Blick sieht. Kaum betrachtet, tauchen im Kopf schon kleine Geschichten, Anekdoten und Bilder auf.
Ich bin mir sicher: Manchen meiner Zeitgenossen geht es dabei ähnlich. In lockerer Folge möchte ich hier solche – für mich besonderen – Funde vorstellen. Vielleicht blitzen auch bei Ihnen beim Betrachten ganz eigene Geschichten und Anekdoten auf.

Und weiter geht's mit diesen speziellen Erinnerungen:

Bild 3

 Seit vielen Monaten habe ich die Möglichkeit, das sogenannte Kretschmerarchiv zu digitalisieren. Dabei arbeite ich mich im Pfingstarchiv Jahr für Jahr ein Stück weiter in Richtung Gegenwart vor.
Meist sind es gut 500 Fotos, die Werner Kretschmer in den 1960er Jahren jedes Jahr aufgenommen, anschließend penibel sortiert und archiviert hat.
Beim Jahrgang 1961 ist mir eine besondere Bilderserie vom Kinderfestzug aufgefallen. Sie weckt nicht nur Erinnerungen, sondern gibt zugleich einen interessanten Einblick in die damaligen Schulverhältnisse. Denn in der Volksschule wurden in manchen Jahrgangsstufen zwei Klassen gleichzeitig in einem Klassenzimmer unterrichtet.
Ich selbst wurde 1959 bei Herrn Mieleithner eingeschult. Danach kam ich zu Herrn Ertl, der stets die Klassen 2 und 3 gemeinsam unterrichtete. In den Schuljahren 4 und 5 war dann Herr Zelzer mein Lehrer.
Pfingsten 1961 war ich also noch in der zweiten Klasse – und damit gemeinsam mit den älteren Buben der 3. Klasse unterwegs. Das spiegelt sich sehr schön in der „gemischten“ Burschenvereinsgruppe wider, die wir beim Kinderfestzug 1961 darstellen durften.

Alle damaligen Buben sind inzwischen längst Rentner und viele von ihnen Großväter. Ich denke, dass mir noch etliche der Gesichter bekannt vorkommen.
Trotzdem würde der Wert dieser Bildersammlung noch steigen, wenn wir auch manchem anderen Gesicht einen Namen geben könnten.

Hier also nun der Kötztinger Burschen- und Brautzug beim Kinderfestzug 1961.

🎬 Film ab!

Foto Kretschmer Pfingstarchiv Jahrgang 1961
v.l. vielleicht Lendl Franz - Braut unbekannt - Würkner Reinhold - Breu N.

Foto Kretschmer Pfingstarchiv Jahrgang 1961
links erkenne ich Franz Wanninger 

Foto Kretschmer Pfingstarchiv Jahrgang 1961
vorne Krupitschka Peter - weiter hinten dann Schmuderer? und Liebl Karl Heinz?
in der zweiten Reihe Mitte finde ich mich selber und hinter mir Griesbeck Schorsch

Foto Kretschmer Pfingstarchiv Jahrgang 1961


Foto Kretschmer Pfingstarchiv Jahrgang 1961
In der Bildmitte sollte Ludwig Wolfgang sein

Foto Kretschmer Pfingstarchiv Jahrgang 1961


Foto Kretschmer Pfingstarchiv Jahrgang 1961






Bild 2

Bei der Durchsicht der Kötztinger Burschenchronik - um einen Jahresbeitrag für das Jahr 1956 zu erarbeiten - bin ich auf ein tolles Bild von einer ganz besonderer Veranstaltung gestoßen, das wunderbar in diese Reihe passt. Es stammt von einem Auftritt einer ganz besonderen Band, den "Condios" 

Als die „Condios“ angekündigt wurden, klang das nach großer, weiter Welt – vielleicht nach einer fremden Spitzenkapelle, die im Januelsaal aufspielen sollte. Entsprechend groß war die Spannung, als sich der Saal füllte und alle auf den großen Moment warteten. Dann ging der Vorhang auf – und die Überraschung war perfekt: Keine auswärtige Sensationsband, sondern die eigene Vereinskapelle stand auf der Bühne.

Foto Vereinschronik BWV-Kötzting von 1956 - ist das nicht ein tolles Bild.
Die Condios: v.l. Hans -John - Mühlbauer - Wack Traurig - Stutz Traurig - Betz Erich
Gerade das macht dieses Bild heute so besonders. Es zeigt nicht nur einen pfiffig inszenierten Auftritt, sondern auch einen kleinen Generationswechsel in der Kötztinger Tanzmusik. Denn gespielt wurde hier ausnahmsweise einmal ohne den Senior der „Kapelle Traurig“. Später war bei Kötztinger Bällen längst bekannt: Wenn Michl Traurig sen. nach Hause gegangen war und die jüngere Generation die Musikauswahl übernahm, dann wurde es oft erst richtig interessant. Vielleicht lag also schon bei den „Condios“ ein Hauch von dem in der Luft, was Jahre später unter der Hand jeder wusste: Jetzt geht der Ball erst richtig los.
Und dazu noch dieses Foto aus der Vereinschronik von 1956 – allein das ist schon ein kleines Stück Kötztinger Musik- und Unterhaltungsgeschichte.
Hans - John - Mühlbauer, der Pfingstbräutigam des Vorjahres (1955) und Brautführer für seinen Freund Barth Schorsch dann in diesem - 1956 - Jahr. Er ging später für einige Jahrzehnte in die USA, was ihm seinen Zweitnamen - John - einbrachte, bevor er nach Kötzting dauerhaft zurückkehrte.
Die anderen Drei, Franz und Michael Traurig - also Stutz und Wack - und Betz Erich gehörten alle zur Familie Traurig, da Erich Betz später Annerl Traurig heiratete, die hier bereits als Solistin auftritt.
Was von Betz Erich sicherlich vielen noch in Erinnerung ist, ist sein Sängerauftritt mit "ONLY YOU", den er auch viele Jahrzehnte später noch auf der Bühne im Jahnsaal absolvierte, auch wenn er schon lange nicht mehr in einer Band spielte.
Viele unterhaltsame Stunden verdank(t)en wir diesen Kötztinger Musikerurgesteinen
 
In der Chronik heißt es zum Auftritt der Condios:
"und die Burschen machten viel Mundpropaganda. Gegen 8:00 Uhr war dann der Saal voll von lauter jungen Leuten. Dann kam der spannende Augenblick, der Vorhang der Bühne wurde geöffnet und ein herzlicher Beifall war der Lohn für die Arbeit. Zum Tanz spielte die Vereinsband,  Hans Mühlbauer, Wack Traurig, Erich Betz und Franz Traurig. Sie spielten wie die Götter. Kein Wunder, dass die Stimmung sofort auf Hochtouren kam. Nach einer kleinen Pause zog sich die Kapelle um. Wieder waren sie alle vier gleich gedresst. Dann ging’s aber erst richtig los. Jetzt lautete die Parole, heiße Musik. Man kann ruhig behaupten, dass auf manchen Faschingsball keine solche Stimmung aufkam. Eine Veranstaltung, mit der wir uns sehen lassen konnten. Als Solisten taten noch Annerl Traurig und Erwin Stelzl hervor."

Bild 1



Wenn da einem "Obermarktler" nicht das Herz aufgeht. Das Bild stammt von einer Generalversammlung der Kötztinger Feuerwehr und offensichtlich wurde eine ganze Garde vom oberen Markt für ihre Mitgliedschaft geehrt. Es war im Jahre 1976, als es noch die Regel war, in der Kötztinger Marktstraße zu wohnen, heutzutage sind wir nicht mehr Viele.


KU vom März 1976

Wen  haben wir denn da drauf...... lauter Helden meiner Kinder und Jugendzeit 

Den Wellisch Xaverl, Zögling vom Josefsheim, ganz aktiv beim Burschenverein, Pfingstreiter und immer für einen Spaß zu haben.
Herr Zimmerer aus der Rathausgasse, der Vater meines Mitschülers aus der Kötztinger Volksschule, ich erinnere mich noch gut an die Werkstatt in der Rathausgasse und an den Geruch des Fensterkittes.
Pongratz Heinerl  seines Zeichens ein Schreinermeister- schon an seinem Gesichtsausdruck kann man seine Lebensfreue erkennen. Er und seine Frau "Elis" waren begnadete - und vom Tanzstil auffallende - Tänzer auf den Kötztinger Faschingsbällen und hatten immer auch Kontakt mir uns Jugendlichen.
Pongratz Schorsch, Kötztings Mr. Konsum, unser Nachbar von gegenüber immer sportlich und auch ein guter Schütze.
Im Hintergrund Herr Fleischmann (Feuerwehrkommandant oder Vorstand aus Leidenschaft - was von den zwei Möglichkeiten zutrifft, bleibt für mich "ungedienten" für immer ein Buch mit sieben Siegeln) ein streitbarer Feuerwehrler für die Kötztinger Belange, vor allem, als es damals um die technische Ausrüstung (Stichwort Magirus contra Merzedes) ging.
Wagerer Franz: der Tauberer aus Berufung. Bei uns im Hof wurden die Reisebrieftauben beringt und später dann von großen Transport-LKWs abgeholt, weit weg gefahren und am Reiseziel "aufgelassen". Zuhause warteten dann die Tauberer in ihren Taubenschlägen auf  die Rückkehr ihrer Renntiere.
Der "Gams", "Schwarzanderl Gang" oder Wolfgang Kolbeck, ebenfalls ein Nachbar. Die Geschichten über, von und mit ihm sind fast ebenso legendär wie die vom Heijterl Karl. 
Der eine Hausname, "Gams“ kam von einem früheren Wirtshausausleger am Gebäude, der einen Gamsbock darstellte und der zweite Hausname, „Schwarzanderl“, stammte von einem schon  verstorbenen Hausbesitzer namens „Andreas Schwarz“, eigentlich ganz einfach. Der „Schwarzanderl“ Stall mit Garten am Ende der Metzstraße hatte jedenfalls hervorragende Zwetschgen…….
Der Vollständigkeit halber: der Feuerwehrmann hinter Xaver Wellisch ist der KBI Georg Radlinger

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Freitag, 11. September 2026

Schulhaus - Parkplatz - oder Verkauf: harte Fronten vor 50 Jahren

   In der Bilder- und Zeitungssammlung des Stadtarchivs haben sich zahlreiche Momentaufnahmen erhalten, die einen „Blick zurück“ auf das Alltags- und Gesellschaftsleben früherer Jahrzehnte erlauben: auf Handel und Gewerbe ebenso wie auf Feste, Bälle und gesellige Abende.
Neben diesen unbeschwerten Szenen verweisen die Aufnahmen aber auch auf Herausforderungen, die das Leben in Kötzting lange begleiteten. Die folgenden Bilder und Berichte führen zurück in ein Kötzting vor rund 50 Jahren und erinnern an das "Stadtbild" jener Zeit und an eine heftige Auseinandersetzung, die auch in der Presse ausgefochten wurde.

Es ging um die Frage: Fortbestand des alten, historischen Schulhauses in der Stadtmitte oder Abriss und folgend der Bau eines modernen Parkhauses.

Detail aus KU109_032 ein markantes und stadtbildprägendes Gebäude war es schon, das alte Schulhaus mit seiner gro0en Hausfront in Richtung der Pfarrkirche.
Originalbildunterschrift: "Von der Wettzeller Straße oder vom Ludwigsberg wird deutlich, dass die alte Schule in das Ortsbild hineingewachsen ist, und dass ihr ersatzloser Abbruch ein Loch in das „Herz der Stadt“ reißen würde, wie es Kreisbaumeister a. D. Hermann Seller formuliert."

Titel der KU vom 13. August 1976

Kötzting (na). Die Spatzen pfeifen es vom Dach jenes Gebäudes um das es geht: die alte Schule zwischen Gehring- und Holzapfelstraße soll nun doch verkauft werden. Sie steht schon seit Monaten auf der Abbruchliste, um das Feld zu räumen für einen innerstädtischen Parkplatz. Von den Geschäftsleuten in der Nachbarschaft werden Befürchtungen geäußert, dass sie alle diesbezüglichen Hoffnungen wohl unter dem Schutt des alten Gebäudes werden begraben müssen. In der Tat gehen die Meinungen über den Verwendungszweck des Grundstücks auch im Stadtrat auseinander. Vor dem düsteren Hintergrund der Kötztinger Finanzmisere erhebt sich die Frage, ob es nicht besser wäre, die Fläche zu einem exklusiven Preis zu veräußern, denn die Errichtung eines Parkplatzes würde Geld kosten, ein Verkauf dagegen würde welches einbringen. In die Diskussion um das Für und Wider mischt sich auch Kreisbaumeister a. D. Hermann Seller, der davor warnt, durch einen Abbruch der alten Schule ohne Ersatzmaßnahme ein Loch in das städtebauliche Ensemble zu reißen, das der Ansicht Kötztings gar nicht gut stände.

■ Schon seit Jahr und Tag hat der Stadtrat einen Parkplatz auf dem Gelände der alten Schule vorgesehen. Die Abbruchgenehmigung ließ lange auf sich warten. Inzwischen liegt sie vor. Jetzt lässt sich wiederum die Stadt mit dem Abbruch Zeit. Bürgermeister Seidl, von der „Kötztinger Umschau“ zu diesem Problem befragt und auf die Gerüchte einer Veräußerung angesprochen, macht kein Geheimnis daraus, dass im Plenum die Front der Einigkeit hinsichtlich des Verwendungszweckes im Abbröckeln begriffen sei. Es würde auch schon einen ernsthaften Interessenten geben, ob er jedoch bereit wäre, die Summe zu zahlen, die man von ihm fordern müßte, um das Geschäft für die Stadt so lukrativ wie möglich abzuschließen, stehe im Zweifel. Seidl: „Ein Verkauf käme nämlich nur in Frage, wenn der Erlös unser Haus­haltsdefizit spürbar erleichtern könnte. Andern unter gar keinen Umständen.“

KU109 das "Alte Schulhaus", Ansicht von der Gehringstraße aus


■ Die angespannte Finanzlage würde aber in absehbarer Zeit auch nicht zulassen, den ursprünglichen Plan von einem Parkplatz zu realisieren. Der Abbruch allein ist mit 15 000 bis 20 000 Mark veranschlagt. Bei den enormen Erdbewegungen, die notwendig wären, wäre im Endeffekt unter 250 000 Mark überhaupt nichts drin. Der Bürgermeister gibt noch zu bedenken, ob die rund 1500 qm große Fläche einen solchen Aufwand rechtfertigen könne. Er verweist auf die Parkmöglichkeiten nur wenige Gehminuten von der Ortsmitte entfernt und darauf, dass auch dort, wo Parkuhren stehen, immer mal schnell eine Lücke frei sei.

■ Anders der Standpunkt, den die Geschäftsleute vertreten. Sie fordern diesen in naher Sichtweise. Parkplätze, weil sie in der Sorge leben, dass weitere Parkverbote und Einschränkungen in den engen Nebenstraßen den Handel und Wandel völlig zum Erliegen bringen könnten. Aus dem Rathaus verlautet
dazu, dass es in Kötzting noch lange keine akute Parknot gäbe. Bürgermeister Seidl erinnert an den Platz rund um die Holzapfelschule, den noch viel zu wenig genutzt werde, obwohl er nur einen Katzensprung vom Zentrum entfernt liegt. Im übrigen sei der wesentlich geräumiger als der, der nach Abbruch der alten Schule zur Verfügung stünde, ganz abgesehen von den technischen Schwierigkeiten, die er mit einer Zufahrt von der Gehringstraße verbunden wären.

  Kreisbaumeister a.D. Seiler warnt vor einem Schulabbruch.

■ Kreisbaumeister a. D. Hermann Seiler, in jüngster Zeit viel unterwegs in Sachen Ortsverschönerung und Mitglied des Gremiums, das die Prämierung der Häuser vorbereitet, beschäftigt in diesem  Zusammenhang noch ein anderes Problem. Er bezeichnet den ersatzlosen Abbruch der alten Schule als unverantwortlichen Einschnitt in das gewachsene Stadtbild. Wie hässlich die Lücke wäre,
die hier entstünde, sei am ehesten einzuschätzen bei einem Blick von der Wettzeller
Straße oder vom Ludwigsberg auf Kötzting. Aus dieser Perspektive sei die alte Schule ein
dominierendes Element. Nach dem Abbruch müsste an ihre Stelle eine neue Gebäudefront treten, wenn das Herz der Stadt durch das Loch nicht dauernd geschädigt werden soll.


In diesem Beitrag über die Einwände des Kreisbaumeisters Seiler ist auch die Rede von deinem Gremium, dass die Kötztinger Häuser und deren Fassaden prämieren wollte, eine Aktion, die maßgeblich von der damaligen Jungen Union angeschoben wurde und zu mehreren "farbigen" Kötztinger Hausfassaden führte. 

Als Folge dieses Berichtes äußert sich auch Philipp August Henneberger zu diesem Thema:

"

Ohne alte Schule „trostlose“ Hinterhausumgebung

Kunstmaler Aug. Phil. Henneberger warnt / Gibt ihm erst wieder die Vergangenheit recht?

Kötzting (na). In der Ausgabe vom 18. August stellte die „Kötztinger Umschau“ den Abbruch des alten Schulhauses und die Anlage eines Parkplatzes zur Diskussion. Kunstmaler Aug. Phil. Henneberger, Ehrenbürger der Stadt, spricht sich dafür aus, das Stadtbild auch in diesem Bereich möglichst unverändert zu lassen. Er hatte sich schon bei Errichtung der Handwerkerschule und später auch beim Kindergartenprojekt leidenschaftlich dafür eingesetzt, Burganlage und Pfarrkirche nicht zu „verbauen“.

August Philipp Henneberger Selbstportrait


Aus der Distanz von einem Vierteljahrhundert drängt sich die Frage auf, ob ihm immer erst die Vergangenheit recht geben muss. Vor dem Hintergrund der jüngsten Bemühungen um die Sanierung der Altstadt gewinnt Hennebergers Beitrag zu diesem aktuellen Thema noch an Bedeutung. „Die Gretchenfrage ist immer wieder: soll man Altes abreißen oder erhalten. Ich bin für erhalten! Meines Erachtens hat man in Kötzting schon viel zu viel abgerissen, zu viel Altes. Die künstlerische Gestaltung, Strukturierung und Anpassung an das Örtliche, wird immer mehr zurücktreten müssen, wenn es sich nicht um ausgesprochenes Stadtkernkommunikationszentrum handelt. Die moderne Bautechnik ist in der Lage, erhaltungswürdige Gebäude durch entsprechenden inneren Ausbau allen nur denkbaren Ansprüchen anzupassen. In dem speziellen Fall des alten Schulhauses an der Holzapfelstraße ist es vom denkmalpflegerischen und städtebaulichen Gesichtspunkt her unbedingt erforderlich, für die Erhaltung der Fassade aus dem späten 19. Jahrhundert zu plädieren.

Jedem Bauherrn mit gutem Architekten ist es möglich, dieses alte Gebäude nach seinen Wünschen ausbauen zu lassen, ohne den Charakter dieses Hauses zu zerstören. Dazu sind noch Möglichkeiten gegeben, hinter der alten Schule weiter auszubauen. Ich könnte mir auch vorstellen, wie diese in ihrer architektonischen Gliederung ausgewogene Vorderfront farblich zu gestalten wäre. Auch den Treppenaufgang könnte man reizvoll machen, und Tiefgaragen wären möglich.
Es werden Überlegungen angestellt, die Schule abreißen und an ihrer Stelle einen Parkplatz errichten zu lassen. Man stelle sich dann das Stadtbild ‚ohne‘ dieses Gebäude vor, eine trostlose Hinterhausumgebung.
Jede fortschrittliche Gemeinde ist bestrebt, den Autoverkehr aus dem Stadtkern fern zu halten, Fußgängerzonen zum Vorteil der Geschäftsleute und der Kunden zu errichten und somit einem dringenden Bedürfnis, der überhandnehmenden Verkehrsdichte ein Ende zu machen.
Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als es noch kein Auto in Kötzting gab – sie war nicht so hektisch, aber dafür gemütlicher. Das Programm der „Jungen Union“ ist jedenfalls zu begrüßen und man sieht bereits einige erfreuliche Erfolge auf die „Aktion Stadtbild“ mit Unterstützung der Bevölkerung Kötztings ist auf dem richtigen Weg.“


Wie einleitend bereits im Bericht angedeutet, war die Abrissgenehmigung bereits erteilt und so schlug dann schnell das letzte Stündchen für das Alte Schulhaus.

Serwuschok Luftaufnahmen der frühere Kötztinger Schulberg

 
Parkplatz und Volksschule in einem 


Noch im Oktober 1976 entschied der Stadtrat zwar, dass das Schulhaus abgerissen werden solle, da der Verkauf des Areals sich zerschlagen hätte, stelle gleichzeitig aber fest, dass die Kötztinger Haushaltslage eine Ausgabe von 15-20 Tausend Mark nicht zulasse.
"Das Schicksal der alten Knabenschule der Holzapfelstraße ist endgültig besiegelt. Bürgermeister Seidl teilte auf Anfrage Stadtrat Wolfgang Schuierer mit, dass die rund 15 000 bis 20 000 Mark teure Maßnahme angesichts der angespannten Finanzlage der Stadt vorerst zurückgestellt werden musste. Im übrigen verwies Seidl auf einen Stadtratsbeschluss, wonach auf dem Gelände ein Parkplatz entstehen soll. Dies ist um so sicherer, als Bemühungen, das Rayon zu verkaufen, fehlschlugen. Die Stadträte Schwarz und Pritzl forderten die baldmögliche Ausschreibung der Abbrucharbeiten. Es sei durchaus denkbar, dass die eine oder andere Baufirma die Rechnung bis zum nächsten Jahr stunden würde. Apropos Geld: Stadtrat Michael Serwuschok verwies auf Möglichkeit, jene Beiträge einzuziehen, die Bauherren auferlegt werden, wenn sie keine Stellplätze errichten können. Bürgermeister Klaus Heiduk forderte einen entsprechenden Beschluss."

Entweder fanden sich noch die paar Tausend Mark in der Stadtkasse oder aber die Baufirma ging auf den Vorschlag der Stadträte Schwarz und Pritzl ein und verschoben den Bezahltermin für die Abbruchrechnung auf das nächste Jahr. Wie auch immer, im November 1976 begann der Abriss und die Kötztinger Zeitung war vor Ort und Dieter Reithner schrieb unter das Foto:

DAS ALTE SCHULHAUS an der Holzapfelstraße wird nun endgültig abgerissen. Gestern begannen Mitarbeiter der Fa. Xaver Costa mit dem Abbruch. Nachdem die Fenster bereits entfernt worden waren, befasste man sich gestern mit dem Blechdach. Noch kurze Zeit, und an der Stelle, wo mehrere Generationen von Kötztingern das Einmaleins eingetrichtert bekamen, entstehen Parkplätze.:


KÖZ vom November 1976

Und schon eine Woche später gings an die Bausubstanz:

EIN STÜCK ALT-KÖTZTING UNTER DER SPITZHACKE. Nachdem Arbeiter des Bauunternehmens Sonnleitner in der vergangenen Woche damit beschäftigt waren, von der alten Schule an der Holzapfelstraße das Dach abzunehmen, geht es in diesen Tagen dem altehrwürdigen Schulhaus an die Fundamente. Schon jetzt gleicht das Gebäude einer Ruine. Noch wenige Tage, dann werden Raupen eingesetzt, bald wird das Schulhaus ganz verschwunden sein.

 
Foto Reithner Dieter Kötztinger Zeitung im November 1976

Das folgende Bild erschien zusammen mit dem Beitrag von Frau Renate Serwuschok am Freitag den 3.Dezember 1976:

Das Ende einer 100jährigen Schulzeit: Die alten Mauern stehen nicht mehr. Der Schuttberg wird langsam abgetragen.

"Ein Stück Schulgeschichte nur noch Trümmerhaufen

Der Veteran im Kötztinger Bildungswesen existiert nicht mehr / Bald schon Parkplätze?

Kötzting (na). Sie hat ihre Pflicht getan, sie hat ausgedient. Wer weint der alten Schule zwischen Holzapfel- und Gehringstraße eine Träne nach? Selbst nostalgische Gefühle werden jene Kötztinger, die in diesem Gebäude irgend wann einmal die Schulbank gedrückt haben, kaum in Trauer versetzen können. Der Veteran des Bildungswesens fiel sang- und klanglos in sich zusammen. Ein Stück Schulgeschichte ist nur noch Trümmerhaufen.

Vor gut hundert Jahren war das anders. Damals verfolgten die Kötztinger ganz gewiß mit berechtigtem Stolz, wie ihre neue Schule wuchs. Das 1560 qm große Grundstück ist am 10. September 1862 um 1900 Gulden erworben worden. Es bot für die damaligen Verhältnisse hinreichend Platz, das Gebäude zu errichten, das in der Folgezeit von Lehrern und Schülern ebenso geliebt oder gehaßt wurde wie alle Schulen in dieser Welt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte das Schulhaus zunächst einmal invasionsartige Zustände, obwohl es längst zu kränkeln begonnen hatte. Gebrechen, die das Alter mit sich bringt, hinterließen deutliche Spuren.
Rektor Bock wandte sich damals in einer illustrierten Dokumentation an die Stadtverwaltung. Die Bilder, die er 1961 vorlegte, sprachen für sich. In seiner Eingabe stand zu lesen:
 --- Der Türstock löst sich in Fasern und Späne auf.
 — Der Sockel ist verwahrlost.
 — Die Beleuchtungseinrichtung erinnert an die in einer Flüchtlingsbaracke um das Jahr 1945.
— Der Blitzableiter ist schadhaft.
— Im Interesse der Sicherheit der Kinder der Stadt und des Schulsprengels wird um endliche Reparatur gebeten“.

Die Sanierung blieb aus, weil sich bereits deutlich die neue Ära im schulischen Bereich abzeichnete. Trotzdem dauerte es noch eine geraume Weile, ehe das Schicksal der „Hundertjährigen“ besiegelt war. Vorübergehend fanden bei ihr Jugendgruppen einen Unterschlupf. Sogar die Stadträte saßen eine Zeitlang hier am Ratstisch, bis ihnen buchstäblich die Decke auf den Kopf fiel.

Auf dem Schmidmartier wurden inzwischen große, moderne Bildungsstätten gebaut. Die alte Schule im Herzen der Stadt hatte ihre Bedeutung verloren. Bald wurde über sie das „Todesurteil“ gesprochen. Trotzdem dauerte es noch Jahre bis zur Vollstreckung. In dieser Phase versuchten Kreisbaumeister a. D. Hermann Sailer und Ehrenbürger, Kunstmaler August Philipp Henneberger, durch zündende Appelle und mit Begründungen aus städteplanerischer Sicht den Abbruch zu verhindern. Ihre Argumente fanden jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht mehr die notwendige Mehrheit.

Ungewiss bleibt, was mit der Fläche passieren soll. Zunächst war immer nur von einem Parkplatz die Rede. Jetzt möchte Bürgermeister Seidl auch eine Wiederbebauung oder eine kombinierte Lösung nicht ganz ausschließen. Bleibt nur zu hoffen, dass das Provisorium eines „wilden“ Parkplatzes nicht Dauerzustand bleibt, eine Befürchtung, die sich in Anbetracht der katastrophalen Finanzlage der Stadt förmlich aufdrängt. Einziger Trost: Die alte Schule war auch keine Zierde mehr.

Frau Serwuschok berichtete in ihrem Artikel von einer Eingabe des Kötztinger Hauptlehrers Josef Bock.
Aus dessen Bildersammlung haben wir tatsächlich einige Bilder von den Zuständen:

Foto Josef Bock: bei dem Bild könnte es sich auch im eine Innenaufnahme der Holzapfelschule handeln.

Foto Josef Bock:ein Lehrerschreibtisch

Foto Josef Bock: Selbst ist der Mann....




Die Park- und Verkehrssituation in Kötzting im Jahre 1976




Auch wenn in den Äußerungen der Beteiligten die angebliche Parkplatznot in Kötzting von allen Seiten eher relativiert wurde, so zeichnet eine Bilderserie zu diesem Thema doch ein etwas anderes Bild.

Der Artikel vom 19. August 1976 war überschrieben mit: „Kötztinger Verkehrsprobleme“.



Die Kötztinger Marktstraße noch im Gegenverkehr. Die Einbahnstraßen-Regelung war noch viele Jahre entfernt.

Originalbildunterschrift: Hochbetrieb im Straßenverkehr von heute, "Stoßzeiten", weil eine Stoßstange an der anderen "klebt"

Und wie gings dann weiter?
Kein Verkauf und auch kein Parkplatz wurde angestrebt, sondern Kötztings erstes Parkhaus 


Sammlung Stadt Kötzting Parkhaus von der Gehringstraße

Sammlung Stadt Kötzting Parkhaus: das obere Parkdeck

Foto Siegi Wild: das neue Parkhaus

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Nicht jede Geschichte lässt sich einer festen Kategorie zuordnen. Die Markergruppe Kötztinger Allerlei versammelt besondere Fundstücke, kuriose Begebenheiten, interessante Entdeckungen und bemerkenswerte Episoden aus der Geschichte Bad Kötztings. Gerade diese Vielfalt macht oft den besonderen Reiz historischer Spurensuche aus.

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Dienstag, 8. September 2026

Historische Einkehr - Rund herum um den Dampfbach

 

Historische Einkehr am 17. Oktober

Am 17. Oktober geht’s weiter mit unserer Historischen Einkehr.

Wir treffen uns um 17.00 Uhr vor der Kötztinger Jahnhalle zur Einstimmung und gehen anschließend gemeinsam zum „Truck Stop“. Dort erwartet uns ein gemütlicher Abend mit einem Drei-Gänge-Menü sowie vielen Bildern, Geschichten und Erinnerungen rund um unseren Dampfbach.

Unsere historische Reise beginnt bei der Hauser Mühle und führt uns bis zum Baumweiher der Kötztinger Marktmühle. Dazwischen liegen viele Geschichten, Erinnerungen und Geschichte – von den früheren Fluren und Anlagen entlang des Baches bis zu den Orten, die heute ganz anders aussehen.

Ein Abend für alle, die Kötzting ein Stück besser kennenlernen – und sich vielleicht auch an das eine oder andere selbst noch erinnern können.

Beginnend mit einer etwas „schrägen“ Überlieferung des Hauser Gemeindevorstehers Brunner Michael aus dem Jahr 1839, wie denn der Name Dampfbach entstanden sei, geht die Reise über die Hauser Mühle und verschiedene Flurnamen in diesem Bereich bis zum heutigen Dampfbachsee und zur Siedlung in der Schattenau.

DIA-Repro 0896 der "Costa-Bader" in der Schattenau


Auf der linken Seite lassen sich Kötztings Schrebergartenkolonie, Bierkeller, Sandgruben und schließlich unser Schulberg nachweisen. Rechts finden wir den früheren Rabl-Stadel – und ansonsten einfach nur eine nasse Wiese.

Das neue Kötzting ensteht

Foto Josef Bock: der Rabl-Stadel im Hintergrund


Weiter geht es zur Jahnhalle auf dem Bleichanger mit ihrer interessanten Geschichte. Doch der Bleichanger allein könnte mit seiner Geschichte schon einen ganzen Abend füllen.

 

DIA-Repro 439 Kranzlübergabe auf dem Bleichanger als ein Höhepunkt im Jahresreigen in Kötzting

"Camp" von Angehörigen der 11. PD auf dem Jahnplatz zum als Deutschland auf dem Boden lag.


Dann geht es auch schon in Richtung Jahnstraße und Ambergerinsel, verbunden mit zahlreichen Veranstaltungen und Aufmärschen.

SABOR V, der Star der Kötztinger Messe auf der Ambergerinsel Pfingsten 1962


An der früheren Mündung des Dampfbaches in den Weißen Regen befand sich der Baumweiher der Marktmühle – ein Materialreservoir und zugleich ein Abenteuerspielplatz für die Kötztinger Kinder.

 

Als der Dampfbach und der Weiße Regen eins geworden sind: Hochwasser im Jahre 1954

Den Abschluss bildet das „traurige“ Schicksal des Dampfbaches bei der Hochwasserfreilegung. Zusammen mit dem Ausbau des Schulsportplatzes wurde der Bach in eine Röhre gezwungen, sodass er seine letzten Meter heute unterirdisch fließen muss.


Serwuschok332 die letzten traurigen Reste des Dampfbaches - ein Opfer der Hochwasserfreilegung

Also, das ist die "Marschroute" für den 174. Oktober im Truck Stop, vielleicht sehen wir uns dort bei einem vergnüglichen Abend.


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Sonntag, 6. September 2026

Kötztings Dächerlandschaft - Bilder mit der Drehleiter

Es geht weiter mit Bildern aus der Zeitungsredaktion der Kötztinger Umschau, welche alle über eine private Sammlung von Frau Renate Serwuschok dem Arbeitskreis Heimatforschung übereignet wurden und nun im Stadtarchiv Kötzting verwahrt werden.
Da wir zusätzlich auch eine fast vollständige Sammlung von Zeitungsausgaben aus den Nachkriegsjahren in unserem Bestand haben, können viele der Bilder dann auch einzelnen Zeitungsartikeln zugeordnet werden.
Nachdem der Arbeitskreis Heimatforschung schon eine umfangreiche Datenbank an personenbezogenen Bildern hat wäre es für uns schön, wenn wir bei einigen der folgenden Bildern,
vor allem bei den Personengruppen, Hinweise und Namenslisten erhalten könnten, die wir dann anschließend in unsere Datenbanken einpflegen könnten. Manche allerdings auch nicht und so wäre es schön, wenn wir bei dem einen oder anderen Bild auch eine Rückmeldung erhalten würden.


 Kötzting aus dem Korb einer Feuerwehrdrehleiter


Kötzting "von oben" beim Bürgerfest

Ein Blick herab von einer Drehleiter eröffnet ganz neue Perspektiven und ein Bürgerfest - und Kirta - ist auch eine gute Gelegenheit für die Feuerwehr sein Material und seine Möglichkeiten vorzuführen.
In der Herrenstraße war auch ausreichend Platz und so entstand eine schöne Bilderserie von Kötzting - nicht aus der Luft - aus einer etwas luftigeren Perspektive.
Feuerwehr und Rotes Kreuz zeigten ihren Fuhrpark beim Bürgerfest.


Hier der Innenhof/Parkplatz beim Rathaus noch ohne den Brunnen des hl. Benedikts.


Der Ausblick weitet sich...
Das neu renovierte Hotel zur Post - Haus des Gastes mit dem Gesundheitsamt im Hintergrund, die Stadtwaage ist bereits Geschichte



Unser altes Krankenhaus, nun TCM-Klinik - die Auwiese ist noch nicht zum größten Stadtpark der Oberpfalz ausgebaut worden, dafür steht noch der Industriebau der Fa. Winter im Überschwemmungsgebiet.  

Der Weiße Regen und der Spitalplatz mitten in der beginnenden Hochwasserfreilegung. Die Marktmühle ist hier bereits Geschichte, die Appartementanlage gibt es noch nicht. .

Kötztings Dächerlandschaft 1

Kötztings Dächerlandschaft 2 nach dem Schwenk Richtung Holzapfelstraße

Pfarrkirche mit der Kirchenburg



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Kötztinger Allerlei  Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Kötztinger Allerlei im Bereich des Kötztinger Rathauses, wo die große Drehleiter aufgestellt worden war 

 

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