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Samstag, 15. August 2026

Das große Sängertreffen des Notzschen Chores in Lichtenegg von 1951

Das Sängerfest in Lichtenegg 

Der Notzsche Chor feiert in Rimbach

Ein Beitrag zur Kötztinger Jahreschronik von 1951

Josef Barth war für uns ein ganz wertvoller Chronist, von dem wir ganze Bilderserien einzelner Veranstaltungen bekommen haben.
Im Jahre 1951 – wenige Jahre zuvor war erst der Notz’sche Bayerwald-Chor gegründet worden – lud dieser zu einem Sängertreffen auf Burg Lichtenegg ein. Gleichzeitig verband der Chor dieses Treffen mit seiner Fahnenweihe, wozu Herr Notz die Kötztinger Chefin der Schmidtbrauerei und des Hotels zur Post, Frau Kathi Schmidt, als Fahnenmutter gewinnen konnte.
In dem Vorbericht für das Sängertreffen 1951 heißt es ausdrücklich: "Vor vier Jahren eröffneten Fanfaren das erste Spiel auf der Burg, das die Burggeschichte durch sieben Jahrhunderte aufzeigte."  Diese würde das Datum einer Spielstätte auf der Burgruine Lichtenegg auf das Jahr 1947 vorverlegen.

Ein vollständig erhaltener Kleinbildfilm dokumentiert die Aufstellung des Kirchenzugs und die Fahnenweihe selbst in vielen kleinen Schritten.
Auch wenn sich manche Bilder der Fotoreihe ähneln, so zeige ich hier doch den gesamten Bestand und bitte wie immer um Rückmeldungen, wenn einzelne Personen erkannt und benannt werden können.Ich denke, vor allem für die Rimbacher ist dies ein ganz besonderes Zeitdokument. Aber auch die Kötztinger waren – laut der Inschrift auf dem Taferl – stark vertreten und harren noch ihrer „Identifizierung“.

Zusätzlich haben wir aus dem "Kretschmerarchiv" eine Reihe von Aufnahmen aus dem Jahre 1960, die uns einen guten Eindruck der Burgruine Lichtenegg übermitteln

Kretschmerarchiv/Themenordner/Lichtenegg 1960


Wir blättern im Vereinsregister  (Die Vorstellung des Chores in der KU im Jahre 1951)

Notz’scher Bayerwald-Chor 1947 Rimbach

(aw) Wohl selten hat sich ein Verein oder eine Vereinigung so schnell emporgearbeitet, wie in diesem Falle der Notz’sche Bayerwaldchor. 1947, also vor 4 Jahren, wurde der Chor ins Leben gerufen. Auf die Einzelheiten näher einzugehen, wäre zu langweilig; es sei nur gesagt, dass es zunächst 8 Männer und 6 Mädchen waren, die es sich nicht nehmen ließen, bei dem erblindeten Oberschulmusiklehrer Bernhard Notz Chorgesang zu pflegen. Inzwischen ist der Chor auf rund 35 Personen angestiegen.

In unermüdlicher Kleinarbeit und mit großem Fleiß konnte Bernhard Notz binnen dieser kurzen Zeitspanne einen Chor erziehen, der sich mit Stolz zu den besten des Bayerwaldes zählen kann. Das Bemerkenswerte an diesem Chor ist die Tatsache und Eigenschaft, dass er unabhängig von Noten ist, also alle Chöre auswendig singt. Neben Männer- und Frauenchören wird der gemischte Chor gepflegt. Eine Vielzahl von Vortragsstücken kann diese Gemeinschaft zu ihrem Repertoire zählen.

Das Feingefühl und die Liebe zur Musik, für die Bernhard Notz seinen Sängern stets Vorbild ist, hat sich derart auf seine Sängerschar fortgepflanzt, dass der Chor zu einem harmonischen Ganzen zusammenwuchs und für eine weite Umwelt bereits zu einem Begriff geworden ist. In vielen Konzerten, die Bernhard Notz mit seiner Gattin, Frau Elfriede Notz, und dem nach ihm benannten Chor vereinigte, reihte sich Erfolg an Erfolg! Heuer, nachdem die Lichtenegger Festspiele aus technischen Gründen ausfallen müssen, wird ein Sängerfest und das 25jährige Chormeisterjubiläum Sänger und Chöre aus ganz Niederbayern auf Burg Lichtenegg zusammenführen.

Aber nicht nur bei Konzerten hat der Chor mitgewirkt. Die Volkshochschule, kirchenmusikalische Feierstunden, wie z. B. das 50jährige Priesterjubiläum des H. H. Benefiziaten Mayer, die Primiz des H. H. Neupriesters Pielmeler, die Beerdigung des H. H. Dekan Dr. Menzinger, reihen sich an die Vielzahl von Konzerten. Daneben singt der Chor zur Hochzeit jedes einzelnen Chormitgliedes, sowie zu Geburtstagen der Mitglieder. Auch in Fürsorgeangelegenheiten ist der Chor vorbildlich; so wurde ein Fonds errichtet, der jedem Chormitglied bei der Geburt eines Kindes im Bedarfsfalle 10 DM zukommen läßt. Eine wahrhaft vorbildliche Tätigkeit.

Leider leidet der Chor durch die Abgelegenheit im Bayerischen Wald sehr. Viele Konzerte könnten dem Chor vermittelt werden, würde nicht alles an den schlechten Verkehrsverbindungen scheitern! Aber dadurch lässt sich der Chor nicht wankelmütig machen. Er strebt unentwegt seinem gesetzten Ziele zu: „Den Gesang zu pflegen und dem deutschen Volkslied zu dienen.“

 

KU im Jahre 1951

 
Kretschmerarchiv/Themenordner/Lichtenegg 1960


Sängerfest auf Burg Lichtenegg“ wird durchgeführt

(aw). Ein Jahr ist vergangen, seitdem die Fanfaren die Lichtenegger Festspiele eröffneten. Heuer, nachdem diese aus technischen Gründen ausfallen müssen, veranstaltet der Notz’sche Bayerwaldchor im Burghof der altehrwürdigen Burg Lichtenegg sein Sängerfest mit Fahnenweihe aus Anlass des 25jährigen Chormeisterjubiläums seines Dirigenten Bernhard Notz.

Ein Kleinod unseres Bayerwaldes wird Chöre des ganzen Donaugau-Sängerbezirkes in sich aufnehmen und davon künden, dass es berechtigt ist, sich als einem der schönsten Orte des Bayerischen Waldes anzusprechen. Wieviel Idealismus und fortschrittliche Willenskraft gehört dazu, Lichtenegg zu dem zu machen, was es heute ist: ein kultureller Ausgangspunkt der bayerischen Grenzmark. Und dies verdankt Lichtenegg zum Großteil dem Künstler-Ehepaar Bernhard und Elfriede Notz, die persönliche Interessen zurückstellten, um die Gemeinden Rimbach und Thenried durch die Lichtenegger Festspiele unterstützen zu können.

Zunächst reichten aber die Einkünfte aus den Spielen 1949/50 nicht aus, um die Arbeiten voll zu finanzieren. Die direkte Unterstützung wäre also erst aus den Überschüssen möglich gewesen. Die indirekte Unterstützung, an die das Ehepaar Notz immer noch glaubt, wäre allmählich durch das Verweben von Fremden und durch kulturelle Ereignisse auf der Burg erreichbar. Vor vier Jahren eröffneten Fanfaren das erste Spiel auf der Burg, das die Burggeschichte durch sieben Jahrhunderte aufzeigte. Am morgigen Sonntag eröffnen dieselben Fanfaren nun das erste Sängerfest, das je auf der Burg stattfand. Desgleichen erklang damals das Bläservorspiel zum ersten Male, das Notz durch die nachträgliche Textdichtung zur heutigen „Bayerischen Festhymne“ umgestaltet hat. Bilder der Gesang gerade einen besonderen Reiz in den Spielen, so könnte in diesem Jahr, in dem, wie gesagt, die Spiele ausfallen, in dem geheimer Wunsch Verwirklichung finden: das kommende Fest wird als reines Gesangsveranstaltung durchgeführt werden. Wie bekannt, ist mit dem Sängerfest die Fahnenweihe des Notz’schen Bayerwaldchores verbunden; es ist eine erfreuliche Tatsache, daß der MG und OV Kötzting durch die Übernahme der Patenschaft in enge Sängerkameradschaftliche Verbindung mit dem Bayerwaldchor getreten ist.

Möge das Sängerfest zu einem Bekenntnis des deutschen Liedes werden und seine befruchtende Wirkung auf die Sangesfreudigkeit unseres Gebietes nicht verfehlen! Gauchorleiter Fischer wird aus diesem Anlass u. a. ebenfalls das Wort ergreifen.

Die Festfolge: 8.30 Massenchorprobe für die beteiligten Chöre, 9.15 Aufstellung zum Festzug, 9.30 Festgottesdienst mit Fahnenweihe und Bänderverteilung, 11.15 Massenchöre der beteiligten Chöre auf dem Dorfplatz, 12.00 bis 14.00 Mittagessen, 14.45 Festveranstaltung im Burghof. Nach der Festveranstaltung im Burghof kameradschaftliches Beisammensein mit freiem Singen auf der Burgwiese, abends Tanz in Rimbach.


Kretschmerarchiv/Themenordner/Lichtenegg 1960


Das Sängerfest auf Burg Lichtenegg war ein voller Erfolg

aw. Von strahlendem Sonnenschein war dieses Fest auf der Burg begleitet, zu dem sich namhafte Chöre des ganzen Donauwaldsängerbezirkes in Rimbach eingefunden hatten.

Schon in aller Frühe waren Chor und die Blaskapelle darum bemüht, allen Chören ihren Willkommensgruß darzubringen. Nach der stattgefundenen Massenchorprobe und der Begrüßung der Fahnenmutter Frau Kathi Schmidt, Kötzting, erklangen die Fanfaren, die alle Vereine zur Aufstellung zum Festzug zusammenriefen. H. H. Neupriester K. Pielmeier hielt ein feierliches Hochamt und die Festpredigt, in welcher er die Bedeutung des Liedes treffend schilderte. Nach der Fahnenweihe durch H. H. Pielmeier, der selbst Ehrenmitglied des Chores ist, wurde die Missa brevis von B. Notz wiederaufgeführt. Besonderes Lob fand hier das humoristische Zusammenwirken aller Klangkörper, wie Solostimme (Sopransolo Frau Elfriede Notz), Chor und Orgel (Dekan J. Dietl), unter der Stabführung von Bernhard Notz. Als Erinnerung überreichte Bernhard Notz H. H. Dekan Dietl eine Ehrenurkunde des Chores und dankte ihm für sein meisterliches Orgelspiel.

Einschub
Dekan J. Dietl war der Kötztinger (spätere Stadt-) Pfarrer Josef  Dietl
Einschub Ende

Nach dem gemeinsamen Mittagessen aller Vereine im Gasthaus Kollmer, wo inzwischen noch weitere Vereine eingetroffen waren, marschierte der Festzug durch die Straßen Rimbachs zur Burg, wo der offizielle Teil des Sängerfestes seinen Ablauf nahm.

Nach der Begrüßungsansprache von Bernhard Notz ergriff Landrat ORR Scholz das Wort, um die Glückwünsche des ganzen Landkreises zu übermitteln. Er bat den Chorherren, noch lange Zeit mit seinem Chor der Kultur des Grenzkreises zu dienen.

Der 2. Vorsitzende des Patenvereins MGOV Kötzting, H. Liebl, Kötzting, übermittelte die Wünsche und Grüße des Patenvereins und seines Vorstandes Dr. Dittrich, der leider verhindert war, selbst zu erscheinen. Er gab in seiner Ansprache der Freude und der Ehre Ausdruck, die dem Patenverein zuteil wurde. Anschließend ergriff Gauchormeister Flischer, Zwiesel, das Wort. „Durch die Melodie der Landschaft kam ich heute zur Melodie des Liedes“, sagte Flischer. „Es ist für mich eine besondere Ehre, an diesem Fest teilnehmen zu dürfen.“ Er übermittelte dem Chor und seinem Leiter die Grüße der Präsidenten des Bayerischen und Deutschen Sängerbundes und verlieh Bernhard Notz in Anerkennung seiner Verdienste die silberne Ehrennadel des Sängerbundes. Bürgermeister Silberbauer überreichte sodann den Ehrenbürgerbrief der Gemeinde an das Künstlerchepaar Notz, dem die Ehrung des Chores selbst folgte. Als Sprecher des Chores wurde jedem Chor, der sich am Treffen/Singen beteiligt hatte, durch den 2. Vorstand des Bayerwaldchores, Xaver Bachl, eine Urkunde überreicht und die Fahnenbänder verliehen. Der Chor ehrte auch sein Ehrenmitglied durch eine Ehrenurkunde, die H. H. K. Pielmeier von Xaver Bachl überreicht wurde. Bernhard Notz dankte allen für die Ehrungen, und mit dem gemeinsamen Abslngen des Chores „Die Himmel rühmen“ schloss der offizielle Teil im Burghof.

Nach einem geselligen Beisammensein auf der Burgwiese, mit Chören und Musikstücken verschönt, trafen sich die tanzlustigen Sangesbrüder von nah und fern im Gasthaus Kollmer wieder, um bei den flotten Weisen der Kapelle Franz Bablick noch lange Zeit das Tanzbein zu schwingen. Diese Veranstaltung zeugte davon, wie sehr Sängerkameradschaft und Sangesfreude dazu beitragen, Kultur und Gemeinschaft unter das Volk zu tragen.





Herr und Frau Notz mit der Fahnenmutter Frau Kathie Schmidt



 

Bei allen folgenden Bildern wäre es interessant die abgebildeten Personen zu benennen, vom "Taferlsbuam" bis zu den Ehrengästen und Vereinsmitgliedern.






Ich vermute hier in der Bildmitte den Rimbacher Gemeinderat mit dem Bürgermeister
In den weißen Hemden der Bayerwald-Chor


Die Festjungfrauen mit den Ehrenbädnern




Die ersten Gastvereine







Der Kötztinger MGOV







Der Festgottesdienst mit der Fahnenweihe:












Herr Notz bei seiner Ansprache

 

Kretschmerarchiv/Themenordner/Lichtenegg 1960


Am Schluss noch ein Leserbrief von Herrn Notz, der sich als Pächter und gewissermaßen als Wächter über die Burg Lichtenegg sehr zurückhaltend, aber dennoch deutlich zu den Wünschen der Kötztinger Jäger nach einem „Volksfest“ auf der Ruine Lichtenegg äußert.
Interessant ist dabei vor allem, dass er sich – immerhin bereits im Jahr 1951 – im Namen des „Lichtenegger Bundes e. V.“ zu Wort meldet. Das lässt darauf schließen, dass dieser Bund zu diesem Zeitpunkt bereits bestand und offenbar auch über die Nutzung und den Schutz der Burg wachte.

Unsere Leser schreiben:

„Lichtenegger Bund gegen Jägertreffen“

Bernhard Notz, Konzertsänger, schreibt uns:

In Nr. 62 dieses Blattes vom 28. Mai befindet sich unter obigem Titel ein Artikel, über dessen Inhalt man sich doch etwas erstaunt fragen muss, wer denn nun eigentlich der Streitbringer ist. Ich kann dazu im Namen des Lichtenegger Bundes e. V. offiziell erklären, dass er es gewiss nicht ist. Der Lichtenegger Bund ist einer der friedlichsten Vereine, die es gibt; denn er verfolgt rein kulturelle Zwecke und ist Träger der Natur- und Denkmalschutzidee, wie seine Statuten sowie der ihm von der Regierung verliehene Anerkennungsbescheid, in dem der „volksbildende und volkserzieherische Charakter“ ausdrücklich hervorgehoben wird, eindeutig bezeugen. „Auch ein gewisser Kreis“, wie sich der Schreiber des Artikels ausdrückt, ist es nicht; denn es handelt sich hierbei um einen ganz bestimmten Kreis von Personen, die außer dem leider verstorbenen Geistl. Rat Dr. Otto Menzinger zu den Begründern des neuen Lichtenegger Bundes gehörten und Verfasser seiner Satzungen sind, die von der Gründungsversammlung einstimmig bestätigt wurden. Gerade dieser Kreis ist es, der durch beträchtliche Opfer an Geld, Zeit und Kraft bewiesen hat, dass es ihm mit der Verwirklichung der Lichtenegger Ideen durchaus ernst ist, und der sich jederzeit für ihre Reinerhaltung einsetzen wird. Der Bund, resp. der „Kreis“, will also nicht streiten, sondern nur das verteidigen, was er mit vieler Mühe aufgebaut hat, und wovon der Zustand der Burg ein beredtes Zeugnis ablegt.

Jetzt werden vielleicht die Jäger wieder über mich herfallen, wenn ich sage, dass sie sogar selber die „Streiter“ sind; nicht etwa, weil sie Gewehre haben, sondern weil sie sich untereinander noch nicht ganz einig zu sein scheinen. „Was?“, werden sie sagen. Aber einen Moment bitte, meine Herren! Vergleichen Sie doch mal die Nachricht auf Seite 4 aus Nr. 3 der Kötztinger Zeitung vom 21. 4., die dort unter dem gleichen Titel, also „Jägertreffen auf Lichtenegg“, veröffentlicht worden ist.
Da steht wörtlich:
„Lichtenegg. Wie wir von unserem MdB Volkholz erfahren, beabsichtigt er, im Juni ein großes Jägertreffen auf der Burgruine zu veranstalten, zu dem alle Jäger der Umgebung eingeladen sind. Sogar aus anderen Teilen Deutschlands erwartet man Besucher. In erster Linie soll dieses Fest zu einem schönen Tage für die gesamte Rimbacher Bevölkerung werden, an dem ein Festessen im Burghof der Ruine steigen soll. Neben dem nicht wegzudenkenden Bier will Volkholz auch zwei Rehböcke zur Verfügung stellen.“

Die darauf im gleichen Blatt erschienene ablehnende Nachricht entsprach wohl einer Äußerung, geschah jedoch nicht in meinem Auftrag. Hier muss ich aber fragen: Was ist nun wirklich geplant, ein Volksfest oder ein Jägertreffen? MdB Volkholz, der, ich darf wohl sagen, der Jäger aller Jäger des Landkreises ist, spricht von einer Art Volksfest, Herr Oexler, von dem offenbar der letzte Artikel ist, von einem „Harmlosen Jägertreffen“. Für die Auffassung des Lichtenegger Bundes ist diese Unterscheidung jedoch von größter Wichtigkeit. Volksfeste in Ehren! Aber nicht im Burghof, sondern da, wo sie nicht im Widerspruch zu Natur- und Denkmalschutzideen stehen. Wäre der Bund mit einem Volksfest im Burghof einverstanden, dann hätte er seinen inneren Sinn und damit seine Daseinsberechtigung verloren, abgesehen davon, dass es dann jedem beliebigen Verein aus Gründen der Billigkeit nicht versagt werden könnte, ebenfalls da droben Feste abzuhalten.

Ich bin mit Herrn Oexler vollkommen einer Meinung, wenn er schreibt, dass es doch besser wäre, sich gegenseitiges Verständnis entgegenzubringen, statt einen Streit vom Zaun zu brechen. Er möge es mir nicht verübeln, wenn ich dazu sage, dass die Schuld nicht bei uns liegt, und nicht nur aus dem oben ausgeführten Grunde.
Der Lichtenegger Bund e. V. ist Pächter des Burggeländes einschließlich des Wallgrabens. Er hat daher Pflichten und Rechte. Es ist doch überall so, dass man Verträge respektiert und den Besitzer oder Pächter angeht, wenn man etwas auf seinem Grund möchte. Warum setzt man sich mit der Bundesleitung nicht erst ins Benehmen, um die Möglichkeiten zu prüfen, statt den viel unbequemeren und unsicheren Weg über die Presse und Öffentlichkeit zu wählen, wo Meinungsverschiedenheiten unnötig viel Staub machen, bis man sich dann vielleicht auf vielen Umwegen endlich wieder zusammengerauft hat. Wahre Demokratie kann nur in gegenseitiger Achtung und in der Respektierung der Verträge gedeihen.

Zu einer Polemik besteht also nicht die geringste Ursache. Ich hoffe im Gegenteil, mit meiner Erklärung die Luft bereinigt und die Möglichkeit zu einer friedlichen Lösung gegeben zu haben.

Bernhard Notz, 2. Vorsitzender,
Rimbach, Post: Grafenwiesen.



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Sonntag, 9. März 2025

Der Holledauer Fidel

 In der Bildersammlung des Stadtarchives befinden sich viele Beispiele von damals tagesaktuellen Veranstaltungen oder Berichten über Handel und Gewerbe, die uns einen kleinen "Blick zurück" erlauben; zurück auf Menschen, die schon lange verstorben sind oder Orte und Plätze, die es ebenfalls schon lange nicht mehr gibt. Mit dieser Reihe an Blogbeiträgen soll diese Erinnerungskultur ermöglicht werden; eine Erinnerung an ein Kötzting mit viel Handel, Handwerk, Vereinsleben und Gasthäusern, mit Jahrtagen,  Bällen, und vor allem mit Menschen.

Unsere Bildersammlung ist die eine wichtige Quelle für diesen Blog, eine andere sind die Tageszeitungen Kötzting, seit 1900 der Kötztinger Anzeiger und seit 1928 die Kötztinger Zeitung. Die Erste überlebte das Dritte Reich nicht und die Zweite erschien nach einer kurzen Pause nach dem Krieg wieder in unveränderter Form. Als zweite Zeitung kam dann sogar etwas früher die Lokalausgabe der Mittelbayerischen Zeitung, die Kötztinger Umschau hinzu.

Bei der Erarbeitung des Materials für die Jahreschroniken 1925 und 1975, also kurz für Kötzting vor 100 bzw. vor 50 Jahren fielen mit zwei Artikel auf, die nicht nur im Abstand von 50 Jahren das gleiche Thema bearbeiteten, sondern sogar aufeinander Bezug nahmen. Dies stellt für mich einen bisher einzigartigen Fund dar, von dem ich hier berichten möchte.

Den Anfang dieses besonderen Fundes war ein Zeitungsbericht - geschrieben von der Chefin selber, Frau Renate Serwuschok - in der Umschau vom April 1975, der auf die bevorstehende Aufführung des Singstückes "Der Holleduaer Fidel" durch das Südostbayerische Städtetheater in der Jahnhalle verwies und auch in dem Vorbericht bereits hervorhob, dass es die Kötztinger selber gewesen waren, die dieses Stück vor gut 50 Jahren aufgeführt hatte.


In ihrer Titelzeile schrieb Frau Serwuschok, dass es zwar nur "spärliche Dokumente", jedoch viele "lebhafte Erinnerungen" an die Aufführung des MGOV gäbe. Eine Aussage zur Dokumentenlage, die sicherlich für 1975 korrekt ist. Sie konnte aber noch Zeitzeugen befragen, die uns heute nicht mehr zur Verfügung stehen. Und einer davon - der früher sogar Teil des Kötztinger Orchesters gewesen war - war Franz Wensauer, der zusammen mit dem Bader August Hofner viel zu erzählen wusste.

So konnte Frau Serwuschok viele Details von den Zeitzeugen erfahren:





Was mit hier besonders gefällt. ist die "Reaktion" des Publikums, die ähnlich wie heutzutage bei der "Rocky Horror Picture Show", Teil der Aufführung geworden waren.

Nun aber zurück zu meinen Recherchen. Franz Wensauer war sich nicht mehr ganz sicher, ob es 1923 oder 1924 gewesen sei, als er Teil der Aufführung gewesen war. Beide Jahresausgaben des Kötztinger Anzeigers haben sich in München erhalten, weshalb es nicht schwer gewesen war, das richtige Datum herauszufinden.
Zunächst jedoch gilt es die Entwicklung des Kötztinger MGOVs vorzustellen, die sich damals von Aufgabe zu Aufgabe steigern konnten und deren damaliger künstlerische Aufschwung eben mit diesem Singspiel begonnen hatte, der sich bis zur Aufführung einer kompletten Operette im Jahre 1925 dann steigern noch weiter konnte. 
Aus diesem Grund hier zunächst die Rezension einer Operette, in der der Reporter 1925 den Bogen vom Holledauer Fidel des Jahres 1923  bis zu dieser Operette schlug.



Hier die komplette Besetzung beim Singspiel von der "Winzerliesl", der Kötztinger MGOV also in seiner Großbesetzung. Schön zu sehen und ein weiterer Beweis für seine gute Integration im bürgerlichen Kötzting ist die Mitgliedschaft der Julius Kirschner im Orchester.
Im Zeitungsartikel befindet sich eine bessere Personenbeschreibung der dargestellten Personen, als wir sie selber in unserer Sammlung haben. Wir haben das bessere Bild aber Frau Serwuschok hatte eine bessere Beschreibung. 
1. Reihe v.l. N.N., Michael Herre, Kooperator , Franz Liebl,Lehrer Weiß, Hermannsdorfer, Franz Wensauer, Andreas Krämer
2. Reihe v.l. Sperl Schorsch, Albin Klingseisen, Rösch, Fuchs, Siertle, Georg Schmidl, Frl Lukas, Alfons Liebl, August Hofner, Julius Kirschner, Franz Kulzer, Franz Heigl
3. Reihe: Zenta Zeuner, Gretl Lesßzkeur (verh. Lautenschlager), Käthe Schmidl, Frau Forster, N.N., Maria Praller, Rudi Michl, Klara Tethbauer, F. Kaffka, Greisinger, Elise Waldmann, N.N., Gretl Hofner
4. Reihe: Pleyer, Bindl Franz, Amalie Heigl (verh. Mehringer, Gendarm, Lina Hörauf verh Wolf, Fritz, N.N., Mädchen mit Kranz, Josef Dittrich, N.N., N.N., dahinter Amor Tochter des Marktschreibers Forster.
Die Winzerliesl war die Großproduktion des Jahres 1924 und aufgeführt wurde sie vom 1. FC Kötzting, was ebenfalls wieder den Bogen zu Julius Kirschner schließt, den man mit Fug und Recht als den damaligen "Mr. FC Kötzting" bezeichnen könnte.


Nun aber zu dem historischen "Dokumenten", die sich von der Kötztinger Aufführung des Holledauer Fidels erhalten haben:
Im Februar, noch unter den Spätwirkungen der Hyperinflation leidend und aus Solidarität mit den Bewohnern des Ruhrgebietes, lud die "Deutsche Wacht", eine patriotische überparteiliche Vereinigung, in den Januelsaal, zur Vorführung des Singspiels von der Holledauer Fidel.
Der Eintrittspreis - ganz war die Inflation noch nicht abgeklungen - betrug stolze 500 Mark. Das Zeitungspapier war teuer und die Druckerschwärze ebenfalls, was man der Druckqualität der damaligen Tageszeitung auch ansah.



Und dann der Bericht über die Premiere:



Wie sich Franz Wensauer richtig erinnerte, musste die Aufführung mehrfach wiederholt werden und, wie im einleitenden Bericht erwähnt wurde, war es für das Publikum und die Darsteller ein Vergnügen gewesen, da sich sogar aufeinander reagierten.



Und nun noch einmal zurück zum Anfang und zum Bericht der redaktionsleiterin Frau Serwuschok, die ihre Rezension der 1975er Aufführung fast im Stile ihres Scheinwerfers entwarf und am Ende es erneut schaffte den Bogen von 1925 nach 1975 zu schließen.
Die gebundenen Tagenszeitungsbände lassen leider ein verlustfreies Kopieren von Inhalten, die nahe der Buchbindung sich befinden nicht zu.
KU von 1975
Das NB - Nota Bene - hier nun ganz groß.

 Nicht nur für Haymo Richter gab es ein überraschendes Treffen, sondern die Ehefrau des erwähnten Kreisbaumeisters Hermann Seilers war Ida, die Schwester Julius Kirschners, die anders als die Familie ihres Bruders die Naziherrschaft überleben konnte.
Ich schließe mit den Worten von Frau Serwuschok: "Man möchts wirklich nicht glauben!!!!