Es geht weiter mit Bildern aus der Zeitungsredaktion der Kötztinger Umschau, welche alle über eine private Sammlung von Frau Renate Serwuschok dem Arbeitskreis Heimatforschung übereignet wurden und nun im Stadtarchiv Kötzting verwahrt werden.
Da wir zusätzlich auch eine fast vollständige Sammlung von Zeitungsausgaben aus den Nachkriegsjahren in unserem Bestand haben, können viele der Bilder dann auch einzelnen Zeitungsartikeln zugeordnet werden.
Nachdem der Arbeitskreis Heimatforschung schon eine umfangreiche Datenbank an personenbezogenen Bildern hat wäre es für uns schön, wenn wir bei einigen der folgenden Bildern, vor allem bei den Personengruppen, Hinweise und Namenslisten erhalten könnten, die wir dann anschließend in unsere Datenbanken einpflegen könnten. Manche allerdings auch nicht und so wäre es schön, wenn wir bei dem einen oder anderen Bild auch eine Rückmeldung erhalten würden.
Zur Orientierung, wir befinden uns im Februar 1973 und die Weißenregener rüsten sich für eine große Veranstaltung kurz nach einem Schneesturm
Am 15. Februar erschienen zwei Herren im Kötztinger Rathaus und luden ein:
Faschingshochzeit in Weißenregen
Die Weißenregener Lader erwarten „sich’re Gäst“
Der Hochzeitslader der FFW sagte gestern im Rathaus sein Sprüchlein auf
Kötzting. „Ich mach mich g’fasst auf einen sich’ren Hochzeitsgast“ ließ gestern der Lader der Weißenregener FFW im Kötztinger Rathaus sein brav hergesagtes Sprüchlein enden. Einer der sicheren Gäste nämlich soll Bürgermeister Karl Seidl sein, wenn die Weißenregener Feuerwehr am 25. Februar ihre Faschingshochzeit steigen lässt. Wolfgang Neuberger, Kommandant der FFW in Weißenregen, und der Vereinsdiener Josef Raab waren gestern auf ihrer Drei-Tage-Tour durch alle Orte der Umgebung in Kötzting angekommen und malten den Hochzeitsstrauß an die Tür des Dienstzimmers von Bürgermeister Seidl.
Der erste Mann im Kötztinger Rathaus ist nur einer der nahezu 100 Gäste, die von den beiden Weißenregener Ladern persönlich aufgesucht werden. Und wenn es am Sonntag, 25. Februar, so weit ist, wollen die Weißenregener ihren Gästen auch etwas bieten, wenn sie sie schon zur Kasse bitten. Die Faschingshochzeit wird nach altem Brauch in aller Form über die Bühne gehen. Standesamtliche und kirchliche Trauung gehen dem einen großen Faschingstreiben im Gasthaus Klause voraus.
Das wichtigste, das „Schenken“, lassen die Weißenregener natürlich nicht aus. Mehrere hundert Gäste werden vom Hochzeitslader aufgerufen und werden ihre Brieftasche zücken müssen. Denn die Weißenregener haben in diesem Jahr viel vor.
Unter anderem mit den Fünfzgerln, Markln, Zehnern und Zwanzgern wollen sie ein Feuerwehrhaus bauen und einen neuen Löschwagen anschaffen. Das „Schenken“, die Hochzeit und der Faschingsball aber sind nicht alles, was sich die Weißenregener vorgenommen haben. Sie veranstalten am selben Tag ab 13 Uhr einen Faschingszug unter dem Motto „Weißenregen, wie es singt und lacht“. Zum Ball am Abend erwarten die Feuerwehrleute vor allem maskierte Gäste, um die Stimmung besser in Schwung zu bekommen, wie die beiden Hochzeitslader gestern bei ihrem offiziellen Besuch im Kötztinger Rathaus äußerten. Gestern waren die beiden Weißenregener „Abgesandten“ bereits den zweiten Tag unterwegs. Denn ihre Liste umfasst etwa 100 Namen. Und sie machen die Mammutstrecke per Auto. Zu Fuß wären sie ein paar Wochen unterwegs, wie sie versicherten.
Der Bürgermeister erhielt das Datum an seine Tür geschrieben, damit er es ja nicht vergaß...
Und dann kam der große Tag
Am 25. Februar 1973 gings hoch her in Weißenregen:Ein Redakteur mit dem Kürzel "rm" berichtete dann Tags darauf in der Umschau:
Das war das Brautpaar des Jahres: Antonius Trauerbock und
Therese Reitter gelobten zur närrischen Zeit die ewige Treue !
Eine Hochzeit wie im Märchen und trotzdem alles nur Gaudi / Eine echte Schnapsidee der Weißenregener Feuerwehr
rm. Weißenregen. Wer echte, traditionelle Faschingsgaudi erleben will, der muss schon aufs Land ziehen. Zwar hatte man sich in der Stadt Kötzting voriges Jahr auch ein Herz gefasst und einen Faschingszug zusammengestellt, doch weiß bisher niemand, ob es das erste — und gleichzeitig auch das letzte Mal gewesen ist. Nun konnten einmal die Weißenregener nach ihrer Eingemeindung beweisen, dass ihnen die Stadt in puncto Gaudi nichts vormachen kann: Nach über fünf Jahren trumpften sie wieder einmal richtig auf, und Bürgermeister Karl Seidl staunte Bauklötze, denn was er in diesem kleinen, feuerwehrbewussten Ort zu sehen bekam, war die „Hochzeit des Jahres“.
Er, der Herr Bräutigam, klein, schmächtig, blass im Gesicht, „Sie“ dagegen konnte schon etwas mehr vorweisen. Antonius Trauerbock und Theres Reitter — so hieß das närrische Paar — gaben sich nach eindringlicher Befragung und längerem Zögern das Jawort und gelobten sich Treue, wenn auch nur für die Zeit der närrischen Tage. Überhaupt war am Sonntagnachmittag in Weißenregen alles närrisch. Das Hochzeitsgefolge, ob verkleidet oder nicht, machte einfach jeden Ulk mit. Es war nicht zu übersehen: Theres Reitter (mit „bürgerlichem“ Namen Alfons Weber) musste den Herren ihrer (oder besser seiner?) Wahl manchmal regelrecht mitziehen. Aber der Schritt zum Standesbeamten ist ja auch sonst für die Herren der Schöpfung mitunter einer der unerquicklichsten und für viele der folgenden schwerste. Antonius Trauerbock erschien vielen als der typische Ehemann, eine Jammergestalt, wie sich der Hochzeitslader Wolfgang Neuberger während der Zeremonie später auch ausdrückte. Mit „Rumtata“ und Dudelsmusik machte sich nach 13 Uhr der Zug zum Hause der Brautleute auf. Das Gefolge wurde immer größer, und die beiden Rösser vor der Hochzeitskutsche ließen genügend „Äpfel“ in den weißen Schnee fallen und sorgten dafür, dass die Menschenmenge keine kalten Füße bekam.
Kalte Füße hingegen schien nach einiger Zeit der zukünftige Ehemann zu bekommen, denn sein Gesichtsausdruck wurde während des Festmarsches immer länger. Und schließlich, nach einigen Ehrenrunden, war der große Augenblick gekommen. Hochzeitslader und „Standesbeamter“ Wolfgang Neuberger trat nach einem Tusch der Musikanten (Radlinger Chor) vor und setzte Beamtenmiene auf. „Ich habe die närrische Pflicht, diese Trauung vorzunehmen. Als Standesbeamter der Großgemeinde Weißenregen. Ich frage Sie (den Bräutigam): Ist es Ihr freiwilliger, aufgezwungener Wille, mit dieser heiratslustigen Jungfrau den Bund der Ehe zu schließen?“ Das „Ja“ kam erst nach einiger Zeit und klang auch nicht besonders überzeugend. Dann fuhr der Neuberger Wolfgang fort: „Versprechen Sie, künftig alkoholischen Getränken treu bleiben, dem Kartenspiel zu huldigen und vor 12 Uhr nie nach Hause zu kommen? Versprechen Sie außerdem, alle vorehelichen Beziehungen aufrechtzuerhalten?“
Dies „Ja“ kam schneller, lauter, überzeugter und verriet Freude.
Und an die „Braut“: „Und nun, mein liebes nettes, holdes Bräutchen: Geloben Sie, den Bräutigam als Pantoffelhelden zu betrachten und außerdem als Haus- und Kindermädchen? Geloben Sie, ihm sein ganzes Geld restlos abzunehmen?“
Zustimmend schüttelte sie mit dem Kopf.
Noch ein Tusch der Kapelle, dann trat der „Pfarrer“ mit Schnapsnase und Käppchen „verkleidet“ zu den frischgebackenen Faschings-Eheleuten: „Sehr verehrte Schafherde, äh, Herrschaften. Ich als Schafhirte, der nicht unterzukriegenden Gemeinde Weißenregen stehe nun vor Dir, Antonius Trauerbock, und vor Dir, meine liebliche Braut Theres Reitter. Dir, ein lieber Antonius, schlottern ja schon die Knie, und Du, meine liebe Theres, zitterst auch schon vor Ungeduld.“
Damit nicht gleich die „Hochzeitsnacht“ folgenschwere Nachwehen hat, überreichte der Offiziator der Braut eine Schachtel Pillen mit dem Vermerk, diese ja nicht zu missbrauchen oder zu verkaufen. Und der Bräutigam bekam ein Stärkemehl.
Und nun kam für die meisten das freudigste Ereignis: Der ganze Zug bewegte sich in Richtung Gasthaus „Klause“, wo ein waschechtes Hochzeitsmahl bereitstand. Während die meisten schon begannen, ihre Portionen zu verschlingen, ging es draußen im Schnee noch einmal um die Wurst. Eine Handvoll Jugendlicher kämpfte beim Ofenschüssellernen um ein kostenloses Hochzeitsmahl. Der Sieger stand bald fest: Freudestrahlend konnte Michl Stolber auch ins Gasthaus gehen und Messer und Gabel schwingen.“
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| Viel Volk strömte herbei, neugierig und gespannt, wer hier wohl gegen wen heiraten würde und was die Freiwillige Feuerwehr Weißenregen sonst noch „in der Gaudispritze“ haben könnte. |
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| Es war keine weiße Hochzeitskutsche, aber es war ja auch kein echtes Brautpaar. Und gefallen hat diese Fuhre allen zusammen. |
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| Schneidige Hochzeitsgäste, die einen schöner als die anderen und alle ganz toll in Stimmung. links Breu Karl |
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| Der große Augenblick ist gekommen: Hier beginnt die Faschingshochzeit mit allem Drum und Dran. |
🗺️ Ein Tipp zum Schluss:
Es gibt eine interaktive Karte von Kötzting.
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Die Karte funktioniert am PC ebenso wie auf dem Smartphone und kann sogar als kleine App gespeichert werden.
Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Umland zu finden. 