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Sonntag, 8. Februar 2026

Als der Fußball wieder rollte in Kötzting - ein kleines Jubiläum

Nach weiteren 50 Jahren, nun,  fast auf den Tag genau vor 80 Jahren, am 6.2.1946 durfte der 1. FC Kötzting sein erstes Punktspiel nach der Wiederzulassung als Sportverein  austragen.
Hier ein Bericht über die schwierigen Umstände und Verhältnisse in dieser Nachkriegszeit.

Sammlung Richter: eine frühe Mannschaft des 1. FC Kötztings ca. um 1949 

Den Anfang der Berichterstattung machte eine kleine Notiz zum runden Jubiläum und so stand am 6.2.1976 in der Kötztinger Umschau ;

Heute vor 30 Jahren: Wieder Fußball nach Punkten

Die Kötztinger Siegesserie begann kurioserweise mit einer Niederlage in Spiegelau

WIR ERINNERN UNS: Am 6. Februar 1946 wurde der Bayerische Fußballverband, Bezirk Niederbayern, in Plattling gegründet. Am 10. Februar die ersten Punktspielfußballwunder, denn Trikots, Schuhe, Netze und Bälle mussten beschafft werden, Spielerpässe gefertigt und zugestellt werden. Motorisierung war ein Kapitel für sich. Einige Mannschaften reisten eben kurzerhand wieder mit Pferdefuhrwerken wie vor dem Krieg.

EIN BLICK in die Chronik des 1. FC Kötzting lohnt sich. Sie wurde vom damaligen Schriftführer und Organisator Franz Oexler vorgetragen und bis ins letzte Detail genau geführt. An Wert und Aussage nicht zu übertreffen. Am 10. Februar 1946 steht vermerkt:

BEGINN DER VERBANDSRUNDE: 1. FC Kötzting – 1. FC Spiegelau 1:3 (1:1); Spielort Kötzting. Laut Spielplanliste sollte dieses Treffen in Kötzting stattfinden. Ein plötzlich eingetretenes Hochwasser macht dies aber unmöglich, da beide Plätze gänzlich überschwemmt sind (Anmerkung der Redaktion: Der zweite Platz war der Ausweichplatz, der sich dort befand, wo in Kötzting die Fa. Winter in den Auwiesen gebaut hat.) Man beschließt lange hin und her, und am Schluss wird nach Spiegelau gefahren. Das Wetter in Kötzting ist trocken, doch in Bodenmais beginnt schon der Schnee und steigt bis nach Spiegelau bis zu einem halben Meter. Große Befürchtungen werden wach, die sich auch später bewahrheiten. Bei Schnee kann unsere Mannschaft nie spielen. Gödecke fällt dabei von vornherein aus. Böhm wurde anlässlich seines Platzverweises in Straubing, zu unrecht für die erste Runde gesperrt. Plötz soll dafür spielen. Alle diese Sachen sind kein gutes Omen für unser Spiel. Dann stirbt der Omnibus ein paarmal ab, die Fahrt dauert stundenlang. So ist es immer, wenn es schnell gehen soll. Zum Tanzabend des Fußballklubs sollten wir doch wieder zurück sein.

UND DER SPIELVERLAUF: Wie schon erwähnt, liegt tiefer Schnee. Der Ball rollt nicht. Spiegelau bringt gefährliche Situationen vors Tor, die ohne Graßl zum Verhängnis geworden wäre. Jackl, der gute Linksaußen der Platzherren, schießt Flanke auf Flanke zur Mitte, einige scharfe Lattenschüsse sind dabei. Die unsrigen stoßen zwar auch durch, aber ohne Erfolg. Greisinger hat sich inzwischen den Linksaußen vorgenommen und kann ihn stoppen. Gödecke dagegen fällt glatt aus. In diesem Schnee kann er nichts machen. Reith schlägt des Öfteren unsicher ab, Jackl ist wieder einmal durchgebrochen, schießt aber wunderbar zur Mitte, wo der Halblinke aus dem Lauf heraus einen Spannschuss unhaltbar ins Tor knallt. Das Verhängnis nimmt seinen Gang. Doch nach einigen Minuten kommt ein kleiner Lichtblick. Rauscher kann sich frei spielen, läuft mit dem Ball zur Mitte und kann ausgleichen. Das Gleichgewicht ist hergestellt und man kann beruhigt die zweite Halbzeit antreten.

DOCH BEI BEGINN fällt Dattler in diesem harten Kampf auch noch aus. Eine Muskelverletzung. Er scheint aber heute nicht den nötigen Kampfgeist zu haben. Als Statist hätte er noch wirken können. Er ging aber ganz ohne Bescheid zu sagen vom Platz. Graßl, als Linksaußen, muss zurückgenommen werden und spielt jetzt Läufer. Damit wächst der gegnerische Druck. Wensauer gibt sein Bestes, aber es ist nichts mehr zu ändern. Zweimal kommt der Gegner noch zum Zug. Mit 3:1 müssen wir das Spielfeld verlassen.

DIE AUFSTELLUNG: Graßl Hans, Raith Hans, Wensauer Max, Greisinger Toni, Röhrl Karl, Dattler Hans, Rauscher Schorsch, Gödecke Otto, Rösch Hans, Plötz Fritz, Graßl Fritz.

Soweit der Chronist. Der FC Kötzting aber, der schon in den Vorbereitungsspielen, während der Bayerwaldmeisterschaft und bei den Pokalspielen hatte aufhorchen lassen, eilte später dann auch von Sieg zu Sieg. Die Fußballer der ersten Stunde setzten Maßstäbe, die Gültigkeit behalten haben. Von diesen Spielern spricht man heute noch nach genau 30 Jahren.

Nur zehn Tage danach rief Haymo Richter die früheren Spieler und viele Wegbegleiter des niederbayerischen Fußballs nach Kötzting – und zahlreiche kamen, um gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen und alte Freundschaften aufzufrischen und Frau Renate Serwuschok selber berichtete von dem unterhaltsamen Treffen.


 

 Gastgeber und Gäste

Die Idee war gut. Haymo Richter darf zufrieden sein. Der Einsatz hat sich gelohnt. Die „Ehemaligen“ aus der Nachkriegsgeschichte des Kötztinger und Niederbayerischen Fußballs trafen sich mit den derzeit Verantwortlichen zu einem gemeinsamen Rückblick. Die Teilnehmer und ihre Funktionen:

Schorsch Huber, Bezirksspielwart und Geschäftsführer des Bayerischen Fußballverbandes, Bezirk Niederbayern, aus Dingolfing. Fritz Costa, Fritz Graßl und Karl Bergbauer, Schiedsrichterobmänner. Sepp Schwarz und Josef Held, Gruppenspielleiter. Karl Früchtl, Schriftführer im BLSV. Jugendgruppenspielleiter und Kreisjugendleiter Otto Wiener.

Franz Oexler, Max Kellner, Willy Pagany und Schorsch Barth (für seinen verstorbenen Vater Josef Barth), sämtliche Mitglieder der ersten Vorstandschaft des FC Kötzting nach dem Kriege. Wolfgang Ludwig, Karl Röhrl und Hans Rösch, Spieler der Mannschaft aus dem Jahre 1946, die am 10. Februar das erste Punktspiel nach dem Kriege austrug.

Max Vielberth, Schriftführer des FC Viechtach seit 25 Jahren, 2. Vorsitzender Baumgartner und Spieler Paukner.

 


Ein Gruppenbild (wenn auch ohne Dame) von historischem Wert in Rückschau und Ausblick: v. r.: Haymo Richter, Schorsch Huber, Sepp Held, Fritz Graßl, Fritz Costa, Karl Bergbauer, Sepp Schwarz, Karl Früchtl und Otto Wiener.


30 Jahre danach noch immer 1:0 für die alte Fußballgarde

„Blick zurück ohne Zorn“ mit einem lachenden und einem weinenden Auge / Geschichten, die Geschichte machten

Kötzting (na). Dreißig Jahre Fußball nach dem Kriege. Am Freitag saßen im Hotel „Zur Post“ beisammen, die dieser Zeit begründet und geprägt haben. Männer der ersten Stunde, personifizierter Idealismus, lebende Geschichte und Geschichten. Nostalgie vor realem Hintergrund, dankbares Erinnern, Rückblick mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ein großes „Weißt Du noch“, das die Vergangenheit beschwor, in die Gegenwart hineinwirkte und von dem auch noch die Zukunft profitieren wird. Die Maßstäbe, die damals gesetzt wurden, haben unvermindert Gültigkeit, obwohl zwischen 1946 und 1976 Fußballwelten liegen. Aber das runde Leder rollt wie eh und je. Und die Gruppen, die zu Beginn am Ball waren, stehen auch jetzt noch nicht im Abseits. Gruppenspieler Haymo Richter hatte sie zusammengerufen, und alle, alle kamen, sogar der Spielwart und Geschäftsführer des Bayerischen Fußballverbandes, Bezirksniederbayern, Georg Huber aus Dingolfing mit seiner Frau Emmi, von deren Kochkünsten und dem leckeren „Lüngerl“ die Kötztinger Kicker-Veteranen heute noch genüsslich schwärmen!

v.l. Bezirksspielwart Huber - Richter Haymo - Pagany Willi


Es wurde ein Abend ohne strenges Element, ohne starres Protokoll. Der Initiator Haymo Richter war ein aufmerksamer Gastgeber. Er begrüßte die Gleichgesinnten in der Herzlichkeit, die unter alten Freunden selbstverständlich ist, und hieß sie in dieser Runde mit einem Danke für ihr jahrzehntelanges Verständnis im fußballsportlichen Alltag willkommen. Geschenke wurden getauscht.


 Fritz Costa war erst wenige Tage vor dem Termin 65 Jahre alt und gefeiert worden.



Costa Fritz

 

Amtsrat Fritz Costa nur vom Titel her „in Ruhe“

Morgen feiert er seinen 65. Geburtstag / Dem Sport immer noch aktiv verbunden


Kötzting (na). Die Zeit vergeht. An seinem 60. Geburtstag stand Amtsrat Fritz Costa noch im Stress des Berufslebens, seinen 65. am morgigen Sonntag kann er bereits als Pensionist begehen. Die obligatorische Bezeichnung „in Ruhe“ dürfte bei ihm allerdings nur Bestandteil des Titels, nicht geübte Realität sein, denn der erfahrene Kommunalbeamte ist noch weit entfernt vom Lehnstuhl als dem sprichwörtlichen Alterssitz. Seine Erfahrung und sein Rat blieben gefragt, von seinen Kenntnissen profitiert jetzt auch das katholische Pfarrbüro, in dem er wertvolle Dienste leistet.

In Kötzting geboren, hielt er seiner Vaterstadt bis heute die Treue, ohne sich und seine Entwicklung durch die Verbundenheit mit der Heimat irgendwelche Grenzen setzen zu lassen. Weltoffen meisterte er die Aufgaben, die er sich selber und die ihm das Leben stellte. Seine Verwaltungslaufbahn nahm im hiesigen Rathaus ihren Anfang und führte ihn auch wieder hierher zurück. Und als sich der Kreis schloss, durfte er die Früchte seiner Arbeit ernten, war ihm Erfolg beschieden, wurde sein Einsatz zuletzt mit der Ernennung zum Amtsrat gewürdigt. Lohn für eine Pflichterfüllung über das Mittelmaß hinaus, Dank für Fleiß und Verlässlichkeit, Anerkennung für Wissen und Können.

Trotz seines beruflichen Engagements fand Fritz Costa immer wieder Zeit, als begabter Laienspieler und Regisseur bei Theateraufführungen mitzuwirken, die Besucherrekorde zu verzeichnen hatten und an die sich die älteren Kötztinger ebenso gern wie wehmütig erinnern. „Das gab’s nur einmal, das kommt nicht wieder …“ Das Kötztinger Pfingstfestspiel hatte in dem erfahrenen Akteur durch zwei Jahrzehnte einen erfolgreichen Spielleiter.

Der Freund und Gönner der Kötztinger Vereine verschrieb sich in besonderer Weise solchen mit sportlichen Ambitionen. Der Bezirks-Schiedsrichterverein hat sich längst schon bei seinem langjährigen „Finanzminister“ mit der Ernennung zum Ehrenkassier bedankt. Die Auszeichnung als Ehrenschiedsrichterobmann macht deutlich, wie eng Fritz Costa auch dem runden Leder verbunden war und ist, wenn er beispielsweise als Schiedsrichterbeobachter auf eigene Kosten während der Fußballsaison jeden zweiten Sonntag nach Viechtach reist, um dort den Unparteiischen von der Bezirksliga aufwärts „auf die Pfeife“ zu schauen, sie zu testen und zu beurteilen. Er dürfte dafür wie kaum ein anderer prädestiniert sein, war er doch selber einmal Spielgruppenleiter, hochqualifizierter Schiedsrichter und Mitglied der Regelkommission des Bayerischen Fußballverbandes.

Was also kann da schon näher liegen, als Fritz Costa zu seinem 65. Geburtstag das zu wünschen, was sicherlich auch seine Frau, seine drei Söhne und deren Familien für ihn erhoffen: dass er weiterhin und in jeder Beziehung „am Ball“ und gesund bleiben möge. Ad multos annos!

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Fritz Costa, nach seiner aktiven Zeit Ehrenschiedsrichterobmann und Schiedsrichterbeobachter, erhielt aus Anlass seines 65. Geburtstages einen Bierkrug überreicht, Georg Huber das Kötztinger Wappen in Wachs, und eingedenk des beliebten Tauschobjektes in den Nachkriegsjahren einen Eimer Marmelade aus der hiesigen Konservenfabrik. Der Bezirksspielwart revanchierte sich mit einer Krawatte des Fußballverbandes, von der er hofft, dass sie bei Haymo Richter den um den Hals geschlagenen Binder im Rautenmuster wenigstens auf den zweiten Platz verdrängen wird. Die Damen durften sich über ein mundgeblasenes Glasschweinchen mit einem Glückspfennig im Bauch freuen. Der 2. Vorsitzende des FC Viechtach, Baumgärtner, hatte dem „Stammgast“ auf unserem Fußballplatz Fritz Costa einen alten Stich mitgebracht und die Bitte geäußert, dass die alte Sportfreundschaft zwischen beiden Städten wieder aufleben möge. Haymo Richter beschwor dann die Stunde Null. Er nannte die Namen derer, die  schuld daran waren, dass es im Januar 1946 wieder losgegangen ist mit dem Fußball, führte zurück zum ersten Punktspiel am 10. Februar vor 30 Jahren in Spiegelau. Improvisation war Trumpf, Kameradschaft das alles entscheidende Fundament für künftige Erfolge. Gemeinsames Schwelgen in der Erinnerung. Jubiläumsstimmung unter Verzicht auf äußeren Aufwand. Fußballerglück weit entfernt von den Millionen der Profis, den Bestechungsskandalen und dem Fehlverhalten der Zuschauer. Es war einmal — eine heile Fußballwelt und Kötzting ihr „Nabel“, nicht zuletzt auch deshalb, „weil’s bei uns immer noch was zu essen gegeben hat!“ Und Holz und Benzin!


Die Damen bekamen als Dank für ihr Verständnis im fußballsportlichen Alltag ein mundgeblasenes Schweinchen mit einem Pfennig im Bauch überreicht.


Marmelade für Marmelade oder 10 000 Plastiklöffel

Davon wusste Franz Oexler ein selbstgereimtes Gedicht zu singen. Es ließ die Schwierigkeiten wach werden und zeigte auf, wie man sich zu helfen wusste durch Tauschgeschäfte, riskante Transaktionen, gewagte Einsätze und blitzgescheite Taktiken in jenen Tagen, in denen es nichts gab als „alte, von der Wehrmacht übriggebliebene Fetzen“. Das Sagen hatte die Militärregierung. Zwei Spieler wurden nur deshalb verhaftet, weil sie den amerikanischen Captain wegen seiner körperlichen Fülle zu belächeln wagten. Später waren sie die besten Freunde! Das waren die Zeiten, „als die Kötztinger noch im ‚Mekka des Fußballs‘ in Dingolfing, um ‚Pässe und milde Gerichtsurteile betteln gingen‘ und in München auf Bezugsscheine, die für die Jugend ergattert worden waren, dann doch ‚bis Schuhgröße 46 eingekauft wurde, weil solche Maße unsere Besonderheit sind‘“. Mit Franz Oexler dachten alle an den „großen Ringtausch“, bei dem alles gegen alles verschoben wurde — Marmelade meistens als Ausgangspunkt — und an die Überraschung, als am Ende wieder Marmelade im Karton oder 10 000 Plastiklöffel!



In der „Mottenkiste des Fußballs“ kramte schließlich auch Georg Huber, ebenso gründlich wie amüsant. Dabei wurden noch einmal die wichtigsten Anlaufstellen markiert, so vor allem die „Benzinquelle“ Sepp Held, die Marmeladenstation in der Kötztinger Konservenfabrik, die Weißwurstküche beim Barth-Metzger, die Bleistift- und Papierausgabe vom Oexler Franz. Eine Episode so köstlich wie die andere, vornehmlich angesiedelt in den damaligen Hochburgen des runden Leders, in Kötzting, Viechtach, Zwiesel und Dingolfing, wo Georg Huber in seinem Gasthaus einmal die Uhr zurückgestellt hatte und — um später seine Gäste vor Verletzung der Sperrstunde zu bewahren (so streng war sie damals während der Besatzungszeit!) — im Saal behielt und ihnen die Langeweile zum Morgen damit vertrieb, dass er sie 5000 Fußballpässe ausstellen ließ. Die Schreibmaschinen fehlten hier überall, auch vom Pfarr- und aus dem Rathaus, ausgeliehen!



Sagenhafte, aber wahre Geschichten, die ein ganzes Buch füllen könnten. Vielleicht sollte sie wirklich einmal geschrieben werden, um sie der Nachwelt zu erhalten als Ergänzung zu den optischen Dokumenten aus dieser Zeit, die nach Hubers, Oexlers und Richters Erzählungen „auf die Leinwand geworfen wurden“. Bilder, die beweisen, dass 600 bis 800 Zuschauer keine Seltenheit waren, die ein Wiedersehen mit alten Freunden und Bekannten bescherten und Verstorbene Kameraden in der Erinnerung noch einmal lebendig werden ließen. Dankbares Gedenken auch an Hans Huber und Schorsch Eckl.

Dann aber wieder fröhliche Reminiszenzen, manche überraschend, eben „Selbsterkenntnis“ („Heut ham ma eben a ganz a andere Figur) und ein „Blick zurück ohne Zorn. ".

Dazwischen Dank und Komplimente, Zufriedenheit bei Bezirksspielleiter Huber, das "der Landkreis    Kötzting zwar nun in der Oberpfalz gekommen, aber im niederbayerischen Fußballbezirk geblieben ist", war einer von vielen Gründen, die Gläser zu erhoben, den weiteren Abend in gelöster Stimmung zu verbringen,  den weiteren Abend in gelöster Stimmung zu verbringen, zu Gottlieb Wensauers  unübertrefflicher Musik ein Tänzchen zu wagen und dabei die Kondition nochmals unter Beweis zu stellen. Alles in Allem ein 1:0. für Haymo Richter und die alte Fußballgarde!


🗺️ Ein Tipp zum Schluss:
Seit Herbst 2025 gibt es außerdem die interaktive Karte Kötztings.
Dort sind Beiträge zur Häuserchronik und viele weitere historische Themen direkt im Stadtplan verortet – jeder Marker führt per Klick zum passenden Blogbeitrag.
Die Karte funktioniert am PC ebenso wie auf dem Smartphone und kann sogar als kleine App gespeichert werden.
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Mittwoch, 24. Dezember 2025

EIne Weihnachtsgeschichte - von Haymo Richter

 Der Christbaum vom Amerika

Erinnerungen an den Heiligen Abend  – von Haymo Richter

Foto Pongratz: das Kreuz am Herrenweiher


Der Großvater schlüpfte in seinen warmen Überrock und zog sich die Zipfelmütze über die Ohren. „I geh jetz ins Amerika nauf und hoi a kloans Bauml, i kimm boid wieda.“ „Bring ma aa ja ned wieda a so a greisliche Staun wia feadn“, rief ihm die Großmutter nach.
Das „Amerika“ war ein Anflug entlang am Weißen Regen zwischen der Fessmannsdorfer Mühle und Sperlhammer.
Sammlung Serwuschok: die Fessmannsdorfer Mühle

Foto Pongratz: Sperlhammer


Das Lohwasser war zugewachsen und auf dem Anflug mit Stauden und Dornengebüsch machten sich auch kleine rote Fichten breit. So ein Bäumchen wollte der Großvater am Nachmittag des Heiligen Abends holen. „Kimm Bua, geh mit!“ Ich ließ mich nicht zweimal bitten, weil der Großvater war immer für eine Geschichte gut, er wusste sehr viel.
Wir gingen über die gefrorenen Wiesen hinauf, am Weißen Regen entlang. Gleich hatte er ein Bäumchen im Auge gefasst und mit der kleinen Säge abgeschnitten. „Der wiad ehr scho taun´g“, befand er. Wir machten noch einen kleinen Spaziergang über die Wiesen hinauf zum Riegel, ehe wir dann in die warme Stube zurückkehrten und das Bäumchen ablieferten.
In der Früh hatte alles wie gewohnt begonnen. Der große gemauerte Küchenofen wurde angeschürt, der gusseiserne Kessel mit Wasser für die Viehtränke aufgestellt und Kartoffeln wurden in einem riesigen Topf gekocht. Für den Fastentag gab es a gstandene Milchsuppn.
Für mehr als eine Stunde war nun alles in Haus und Hof und im Stall beschäftigt. Um sechs Uhr läuteten die Glocken den Tag an und zum Rorate. Es war noch dunkel, als sich dann die Großfamilie um den großen Tisch in der Stube versammelte. Jedes der vierzehn Familienmitglieder hatte seinen Platz eingenommen. Der Großvater sprach ein Gebet, wünschte einen guten Morgen und zeichnete drei Kreuze auf den Brotlaib. Schweigend wurde die Milchsuppe aus zwei großen Schüsseln gelöffelt.
Jeder ging nun seiner Arbeit nach. Nichts deutete darauf hin, dass Heiliger Abend war. Das kleine „rote Bäuml“, von dem eingangs die Rede war, wurde erst am Nachmittag auf die Anrichte gestellt und mit Lamettafäden, roten Kerzen, einigen bunten Kugeln und etwas Watte geschmückt.
Das Mittagsmahl war bescheiden, der Heilige Abend war ein Fastentag. Es gab „an Ritschi und a gstandene Mil“.

Als es dunkel wurde, trat der Großvater wieder in Aktion. „Muadda, dua af Kiraschaufe a weng a Gloud und an Weihrauch affe und gib ma’s Weihwasser.“ Alle versammelten sich wieder in der Stube zum „Engel des Herrn“. Dann begann der Rundgang mit Weihwasser und Weihrauch durch Haus, Hof und Stall. Im Stall wurde ein „Vaterunser“ gebetet. Anschließend versammelte man sich in der großen Stube, die Kerzen am Christbaum vom „Amerika“ wurden angezündet und ich musste aus dem Gebetbüchl das Evangelium von der Botschaft der Engel verlesen. Man wünschte sich einen guten Abend und frohe Weihnachten. Es gab sogar einige Kleinigkeiten: für die Großmutter ein neues Kopftüchl, für den Großvater ein Packl Schnupftabak, wir Kinder bekamen Gebäck, Äpfel, neu besetzte Socken für die Holzschuhe und eine warme Zipfelmütze.
Die Stimmung in der großen Stube war gelöst und heiter, grad schön war’s und gemütlich. Der Großvater war in seinem Element, er schilderte eigenartige Begegnungen mit dem Mann ohne Kopf und erzählte schaurige Weizgeschichten von der Rieselhöhe, vom Gänskragen und vom Hohenbogen. Zur Feier des Tages durfte sogar der Hund in der Stube bleiben und suchte sich einen warmen Platz in Ofennähe.

Plötzlich klopfte es am Fenster. „Zeit wird’s in d’ Mett’n!“ Wir waren gleich fertig und schlossen uns der Gruppe von Mettengängern aus den fünf Anwesen am Herrenweiher an. Die Großeltern blieben zurück und hüteten das Haus, wie es Brauch war. Der halbstündige Weg zur Pfarrkirche war sehr romantisch, denn einige hatten Laternen mitgebracht.

Foto Pongratz: der Grafenwiesener Kirchenweg m Regenfluss (Gänskragen) entlang, der zweite ging über die Rieselhöhe


Die Mitternachtsmesse wurde als ein levitiertes Hochamt gefeiert. Dem hochwürdigen Herrn Pfarrer, Dekan Josef Dietl, assistierten die Kooperatoren Max Dobmeier und Pater Augustin Böttcher. 

Der Kötztinger Stadtpfarrer und Dekan Josef Dietl

Sammlung Arbeitskreis: Pater Augustin Boettcher und links neben ihm mein Vater als Brautführer 1948 im Elternhause des Pfingstbräutigams Dattler Buberl.

Der Chor lief zur Hochform auf, der Mesner Karl Obermeier war in seinem Element und der Staudinger Pfarrer, bei dem wir so gerne beichteten, weil er schlecht hörte, schlief trotz der Feierlichkeit im Chorstuhl ein.

Schnell machten wir uns über die Schmidmarter und über die Rieselhöhe auf den Heimweg. In der hellen klaren Mondnacht sah man schon von weitem die Höfe in der Herrenweiherau.
Es war eisig kalt und der böhmische Wind blies uns ins Gesicht, so waren wir dann froh um die wacherlwarme Stube. Da war der heiße Tee eine Wohltat. Der Großvater löschte die Petroleumlampe aus und mit den im Ofen vorgewärmten Ziegelsteinen suchten wir unsere Betten unter dem Dach auf. Der Mond blinkte durch die Dachluken.

– Schön und unvergesslich war der Heilige Abend vor 70 Jahren.


Samstag, 13. Dezember 2025

Weihnachten am Herrenweiher

 

Weißt du noch, wie’s damals war: Weihnacht am Herrenweiher

 Eine Weihnachtsgeschichte von Haymo Richter

Damit zu Hause das Christkindl „hampern“ kann und nicht versprengt wird, müssen viele Väter am Nachmittag des 24. Dezember mit ihren Kindern einen Spaziergang machen.

Meine beiden Buben und ich hatten uns allerhand zu erzählen auf dem Weg hinaus vor die Stadt, am Kötztinger Bildungshügel vorbei hinauf zur Rieselshöh. Unten, in einer weiten Au, liegt der Herrenweiher. Fünf kleine Anwesen ducken sich vor dem Böhmischen Wind, der aus der Ecke des Hohen Bogen gnadenlos pfeift. Erinnerungen werden wach ....

Herrenweiher zur Weihnacht 1974: Noch immer einsam, noch immer schön



Heiliger Abend am Herrenweiher! Die Obstbäume rahmen den kleinen Hof schützend ein, der Wind hat wieder mal seinen Tag; er treibt den Schnee vor sich her und baut vor allen Hindernissen Schneewehen auf. Der Stall und die „Strahschupfa“ heben sich aus der lichten Schneewüste dunkel ab. Im weißen kleinen Bauernhaus mit dem hölzernen „Schrot“ brennt schon zur frühen Morgenstunde Licht. Still ist es rundherum, ein paar Hühner gackern, der Hund kläfft sinnlos die Katze an, die auf dem Apfelbaum sitzt, Morgenwäsche macht und sich die Pfoten leckt. Nur zögernd will der Tag anbrechen, die Sonne glüht dunkelrot im Zellertal und vom „Gstirzel“ her drohen dunkle Wolken, „da Schnee­wind wahd“.

Die Petroleumlampe brennt

Es ist Heilig Abend — vom Markt her hört man die Glocken zur dritten Messe, das Rorate ist längst aus. In der Kuchl drin sitzt um den alten Tisch herum die ganze Familie, nachdem das Vieh schon versorgt ist, um die Morgensuppe zu sich zu nehmen. Es wird dabei nicht viel gesprochen. Die Milchsuppe, die der Großvater vorher vom Brotlaib gekonnt mit dem Messer eingebrockt hat, wird gemeinsam aus einer Schüssel gelöffelt. Nichts deutet darauf hin, dass heute vor nahezu 2000 Jahren Christus auf die Welt gekommen ist. Die Petroleumlampe brennt wie an jedem langen Wintermorgen und wird erst nach dem Morgenmahl von der Mutter ausgeblasen.  Der Großvater zog den Überrock an und die Zipfelmütze über die Ohren. Dann ging er über den knirschenden Schnee, dem Wald zu, um ein kleines rotes Bäumlein zu holen, so wie alle Jahre am Heiligen Abend. Der Sepp verzog sich in die Werkstatt, um an der „Hoanzlbenk“ letzte Hand am „Wachl“ anzulegen, das sollte sein Geschenk an den Vater sein.

Ich stolperte in meine Holzschuhe mit den an der Sohle eingeschlagenen Eisen und ging in den Hof. Vom „Bamweiher“ hörte ich die Eisstöcke klingen, da gab’s kein zurück. Im Laufschritt war ich in wenigen Minuten drüben und stellte meinen „Stock“ beiseite, um zu warten, bis das „Bod aus is“ und man mich aufforderte, mitzumachen. Kein Gespräch um Geschenke, um Bescherung und Weihnachtsfeier. Während der „sechs, neune, aus“ — nur die Frage: „Gehds a ind Meddn, ha? — ja freila! Sist war o ned Weihnachdn“. Auch beim kargen aber deftigen Mittagsmahl deutet noch nicht viel auf das hohe Fest hin, es gibt eine Fastenspeise „an Ritschiund a gstondane Milch“.

 A weng a Glout und a Weihwasser

Erst im Laufe des Nachmittags, als die Großmutter immer wieder in die Kammer ging, um zu kramen, der Sepp so verstohlen umherschlich und der Großvater das kleine Bäuml in den hölzernen Christbaumständer einmachte, merkte man, daß heute ein besonderer Tag ist. Der Baum wurde auf den „Komodkasten“ gestellt, ein paar Kerzen und silberne Fäden hingen bald daran und unter den Baum stellte die Mutter eine kleine Krippe. „Heid ist de höchst Rauhnacht!“ — ließ der Großvater vernehmen. „Muadda doa af Kiraschaufe a weng a Glout und gib ma’s Weihwossa.“ — Ich durfte mitgehen, zuerst in den Stall, dann in die Scheune, in jeden Schuppen und auf den Boden. Kein Wort verlor dabei mein Großvater. Zu fragen traute ich mich nicht, doch als die beinahe feierliche Handlung zu Ende war, erklärte er mir den Sinn seines Tuns, das alles Böse vom Hof fernhalten soll ein ganzes Jahr und am Festtag der Heiligen Drei Könige werde er wieder mit Weihrauch und Weihwasser durch den Hof gehen und bitten, dass der Herrgott Unheil abwenden möge.
Heilig Abend: In da Kuchl steht vor dem Herrgottswinkel die Familie, der Großvater betet vor: „Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft...“ Dann holt die Großmutter aus der Kammer das Brot; der Großvater segnet mit drei Kreuzen den Laib, um dann die Anschnitte an die am Tisch sitzende Familie zu verteilen. Heiliger Abend, die Mutter zündet nun die paar Kerzen am Christbaum an und die bescheidenen Geschenke werden ausgetauscht. Da „Vadda“ bekommt seinen „Wachl“, die Großmutter ein neues Kopftuch, der Sepp ein Paar schafwollene Socken und ich neue Schienen für die Holzschuhe. Alsbald nimmt der „Vadda“ seinen Lieblingsplatz ein, er setzt sich auf das „Grantl“ des gemauerten Küchenofens. Der Hund ist heut auch in der Stubn und die Katze striegelt im Reisig herum, das vor dem Ofen liegt. Grad schön ist’s; da „Vadda“ erzählt aus früheren Zeiten, als es drüben am „Hammer noch weitzte“, als er als Fuhrmann mit den Pferdegespannen noch nach Amberg fuhr, um Eisen zu holen und als der Zaun des kleinen Wurzgartens vor dem Haus immer wieder von den langen Holzfuhrwerken umgefahren wurde. Er zwirbelt seinen Schnurrbart, die Großmutter war eingenickt...

Der gemeinsame Mettengang
Da gegen 10 Uhr, ein Klopfen an der Tür — „wos is lous?“ „Mochts af, da Nachba bin i.“ — „Ja so, gei no eina, und wiam de af.“ Bis es 11 Uhr wird, ist die Stube voll; alles sammelt sich aus der Nachbarschaft zum gemeinsamen Mettengang. Die Großmutter wird wieder wach und drängt uns, aufzubrechen, damit wir in die Metten nicht zu spät kommen. Die Laternen werden angezündet und die Großmutter geht zum Weihwasserkessel. Sie verabschiedet uns. Die beiden alten Leute bleiben zurück bei Haus und Hof. Über die Rieselshöh erreichen wir in einer kleinen halben Stunde den Markt. Dort und da knallt ein Schuß — das Christkindl wird angeschossen. Hinter den Vorhängen der Bürgerhäuser sieht man die Leut’ stehen. „Boa, heid hams wieda umannandpranxt und da Pfoara hod bereits a hoibe Stund predigt!“ — „Am Chor om hams ned amoi batzt!“ — „Da Mesner Karl — hatsn gseng? A mou a Kudn hom wie a Pfoara. Und g’schaut hod a wies Christkindl sejbai!“ — „Oba da Staudinger Pfoara hod wieder eign’afazt!“ So läuft das Gespräch nach dem nächtlichen Gottesdienst. Die Leute sind fröhlich. Man wünscht sich „guade Feierdog“ und ein „gouds hoamkemma.

Dann wurde die Lampe gelöscht
Drunt am Bräuhaus zünden wie wieder unsere Laternen an und schnell sind wir aus dem Betriebe des Marktes in der Stille des Herrenweihers. Wir gingen über den „Gänsgraben“ unmittelbar am Regen zurück. Schon von weitem, als wir die alte Brücke über den einstigen Ablaß des Herrenweihers überschreiten, leuchtet uns gleichsam als Wegweiser über die in der Mondnacht glitzernde weite Fläche das Licht aus dem Hof entgegen.

Die heutige Jahnstraße war Teil des Grafenwiesener Kirchenwegs
Ganz links am Bildrand erkennt man noch den Kanin des früheren Kommunbrauhauses, das im Text erwähnt ist.

Warm ist’s drin in der Stubn, das tut wohl, nachdem wir auf dem Rückweg von der Metten dem Wind aus dem Böhmischen grad ins Gesicht schauen mussten. Die Ohren und die Nasenspitzen sind klamm. Die Großmutter hat einen Tee hergerichtet, dazu einen Keil Brot.

Dann wünscht der Großvater eine gute Nacht. Er geht mit den Nachbarn noch vor die Haustür, bevor er die Petroleumlampe auslöscht.
Das war der Heilige Abend, ohne Schallplatten, ohne Radio und ohne Hast. Schön war’s damals...
Haymo Richter

Hinweis Wachl, das Geschenk für den Großvater: Soweit ich weiß ist eine "Wachl"  eine  hölzerne Vorrichtung an der Sense - ähnlich einem ausgestreckten Arm - die hilft beim Getreide mähen.

 Seit Herbst 2025 gibt es darüber hinaus eine „interaktive Karte Kötztings“ Auf ihr sind alle bisherigen Beiträge zur Häuserchronik sowie zahlreiche weitere historische Themen direkt in einer Stadtkarte verortet. Jeder Marker führt mit einem einzigen Klick zu den passenden Blogbeiträgen – übersichtlich, schnell und jederzeit abrufbar.

Die Karte funktioniert auf jedem PC und auch auf Mobilgeräten. Wer möchte, kann sie sogar als kleine App auf dem Smartphone speichern und wie ein eigenes Programm starten.

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