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Montag, 27. August 2018

Was man so Alles finden kann...

auch wenn man nicht danach sucht....

Kellerfunde im Rathaus der Stadt Bad Kötzting

Lange schon fiel mir eine alte Pappschachtel auf, die einsam und alleine an einem Flureck - im städtischen Keller neben dem großen Aktenvernichter - ihr staubiges Dasein fristete und auf die Aktenvernichtung wartete. Kunterbunt steckten in ihr die verschiedensten, stark vergilbten und vor allem sehr stark zusammengerollten und gekrümmten, Pläne. Aber da nun eh ein städtische RAMMADAMMA im Keller angesagt ist, um für ein größeres Raumangebot für das Stadtarchiv zu sorgen, mußte nun auch für die - von wem auch immer- ausgesonderte Pappschachtel das letzte Stündlein schlagen. Auch wenn die große Masse der "Pläne" aus den verschiedensten Lageplänen des Kötztinger Umlandes bestand, die es digital und online seit Jahren in viel besserer Qualität im Internet gibt, so enthielt die "staubige Rollensammlung" doch ein paar Schmankerl, die ich hier in lockerer und nicht zusammehängender Folge vorstellen kann:

1. das "neue" Schulhaus in der Holzapfelstraße


Deckblatt des fragmentarischen Aktes über den Schulhausneubau in Kötzting
 Alle diese Pläne-Zeichnungen-Schnitte tragen die Unterschrift von Franz Heilmaier einem staatlichen "Architekten", vor allem den Besuchen seines Vaters bei ihm hier in Kötzting verdanken wir eine ganze Reihe hervorragender Aquarelle und auch Photos aus den Jahren 1899 bis 1904.


Fragment der Frontansicht des neuen Schulhauses

die Seitenansicht

 Viele liebevolle Details finden sich in den erhalten gebliebenen Fragmenten, links ein Beispiel der Fensterscharniere und rechts die Detailplanung einer Tür fürs Lehrerzimmer.










Ich, Jahrgang 53 und 1959 eingeschult, kann mich noch gut an sehr proper angefüllte Schulzimmer mit ungefähr 50 Kindern erinnern. Schaut man aber auf die Originalbaupläne, so sind die Schul"sääle" - schreibt man das eigentlich so?? -  eigentlich für jeweils 100 Schulkinder geplant gewesen.
Platz für 300 Kinder im Erdgeschoss und


Platz für 300 Kinder im ersten Stock
In dem, sicherlich impossanten, Schulgebäude konnten also gleichzeitig 600(!) Kinder beschult werden, alle Hochachtung vor der Leistung von Lehrern und Kindern.

Zum Abschluß noch der Plan für die Eingangstüre mit Werksplänen für die Kunststeingesimse.



derselbe Haupteingang bei der früheren Volksschule, hier bei einer Sammlung für das Winterhilfswerk im Dritten Reich, Mitte der dreissiger Jahre, Bild vermutlich vom früheren Hauptlehrer Josef Bock.

2. die Friedhofserweiterung von 1934/35

Detail der Antiquitätensammlung
Weininger Bild Arbeitskreis Heimatforschung
In den Jahren vor 1934 platzte der Kötztinger Friedhof aus allen Nähten und so entstand der Plan das Wohngebäude und die anschließende Wiese des Anwesens Hastreiter aufzukaufen und so das Friedhofsgrundstück zu arrondisieren und gleichzeitig kräftig zu vergrößern. Aus diesem Grunde war es nötig eine neue Friedhofsmauer zu errichten, die Mauer also, die seit dieser Zeit das Friedhofsgässchen seitlich begrenzt. Auch hier gibt es eine interessante Autorenschaft: Herr Weininger, ein Kötztinger "Baumeister" , der meines Wissens nach im Bereich der Holzapfelschule wohnte und gleichzeitig ein leidenschaftlicher Sammler von Antiquitäten war: (Lt Zeitungsartikel sollte aber in der Bahnhofstraße wohnen, vlt weiß jemand etwas Genaueres)





Detail der Antiquitätensammlung
Weininger Bild Arbeitskreis Heimatforschung













Detail der Antiquitätensammlung
Weininger Bild Arbeitskreis Heimatforschung










Kötztinger Umschau vom September 1962 für diese Reportage
wurden offensichtlich die Bilder geschossen,
die wir nun im Arbeitskreis verwalten





Es ist mir bekannt, dass Herrn Weininger auch einen Ofen aus dem Nachlaß vom Maximilian Schmidt, genannt Waldschmidt, besaß.  Ob es sich allerdings um den hier Abgebildeten handelt, kann ich nicht beurteilen. Auch Herr Haymo Richter erzählte mir von einer Heiligenfigur, die er sich lecihtfertig von Herrn Weininger hatte abhandeln lassen.  Dieser Herr hatte wohl zu Lebzeiten ein sehr überzeugendes Wesen.
Liest man den Zeitungsartikel genau durch - letzter Absatz- dann spricht vieles dafür, dass genau der abgebildete "Zimmerofen" der des Maximilian Schmidt gewesen ist. Interessantes Detail am Rande:
Im Veranstaltungskalender unten rechts steht beim Reisetaubenverein, also bei "de Tauberer" , dass die Tauben für einen Flug nach Kitzingen bei uns "eingesetzt" wurden. Ich erinnere mich noch gut an dieses muntere Treiben der "Tauberer" bei uns in der Hofeinfahrt   ....wäre auch mal vielleicht einen Beitrag wert.

hier der "alte" Alte Friedhof, vor der Erweiterung in den dreissiger Jahren, das Friedhofsgässchen existierte noch nicht.

Detail der neuen Außenmauer mit dem neuen seitlichen Zugang (mittlererweile zugemauert)

Detail der durch die Erweiterung notwendigen neuen Innenmauer innerhalb des Friedhofes

die neue Raumaufteilung zu Anfang der dreissiger Jahre, das alte Leichenschauhaus orientierte sich mit seiner Lage an den "Alten" Grundstücksgrenzen, nun, mit der neuen Raumaufteilung steht es etwas "schepps" im Friedhof.

 3. der Entwurf für die neue Landfahne von 1971

Rückseite des Fahnenentwurfs von Herrn Heisig 1971
hier dann die tatsächliche Ausführung


Entwurf für die Vorderseite Heisig 1971
auch hier wieder das Original, so wie es alljährlich an Pfingsten mitgetragen wird.

genaue Beschreibung des neuen Fahnenblattes von Herrn Heisig




Was sagt uns das: es rentiert sich offensichtlich im Rathaus immer von Zeit zu Zeit aufzuräumen, mal schauen, was in den restlichen Kellerräumen noch an Kleinigkeiten schlummert, von denen ich heute noch nichts weiß



Mittwoch, 15. August 2018

Glossar



Glossar



hier sollen im Laufe der Zeit Begriffe erklärt werden, die in den einzelnen Artikeln benutzt werden und die für das Verständniss der Bedingungen in früherer Zeit wichtig bzw. notwendig sind. Diese Liste wird im Laufe der Zeit immer fortgesetzt

Plan der alten Turnhalle in Kötzting um 1930






Alleinehüten
Das sogenannte Alleinehüten der eigenen Tiere war von Staats wegen für alle Bewohner des Landes Bayern unter strenge Strafe gestellt und dieses Vergehen wurde auch regelmäßig geahndet und bestraft. Da die Amtspersonen, dem Brauch der Zeit entsprechend, von den Gerichtsstrafen und Gebühren einen persönlichen Anteil erhielten, wurden die Feldfluren auch sehr intensiv beobachtet. 

Alte und Neue Hausnummern in Kötzting

Kötztinger Zeitung vom Juni 1950





Amtsgefängnis

Zitat aus dem Buch Kötzting 1085-1985 Seite 148 Beitrag von Wolfgang Kerscher:
Schon 1817-1820 war ein Gefängnis als "Fronfeste" auf einem ehemaligen Klostergrundstück in der damaligen von-Schacky-Str, heute Krankenhausstraße erbaut worden. Es enthielt neben Wohnungen 10 Zellen im 1. Obergeschoß mit immerhin 7 - 15 qm Fläche. Zum 1.1.1949 wurde das Gefängnis geschlossen und an Justizbedienstete vermietet. Seit Frühjahr 1961 dient das umgebaute Gebäude dem Staatlichen Gesundheitsamt. 
Eine kleine Korrektur: ich meine, dass die Fronfeste als Ersatzbau für das alte Amtshaus auf dem Gelände des ehemaligen Widtums erbaut worden ist, das sollte damit aber ein Grundstück der Pfarrei Kötztings gewesen sein. das Widtum in Kötzting war der bauernhof des Kötztinger Pfarrers. Der Widtumbauer war kein Bürger Kötztings und das Widtum lag auch ausserhalb der Marktbefestigung.
Näheres zum Vorläuferbau der Fronfeste, dem sogenannten Amtshaus, siehe Beiträge zur Geschichte im Landkreis Cham Band 19 von 2002

Birkenberg
ein Fom des Niederwaldes, meistens dem Hochwald (=Schwarzwald) vorgelagert. Diente zumeiste als Waldweide und Fläche um daraus das EInstreu für das Vieh im Stall einzubringen. Durch regelmäßigen Schnitt hinunter auf den Stock einem idR 6-7 jährigen Turmus wurde diese Fläche als Lichtwald dauerhaft erhalten.

Braurecht:
nur die (männlichen) Besitzer der Kötztinger Marktlehen hatten lt. Freiheitsbrief das uneingeschränkte Recht zu Brauen und auszuschenken. Die Söldner hatten diese Recht nur eingeschränkt, das heißt sie durften nur das brauen lassen, was sie zum eigenen Verzehr benötigten. Die Häusler durften gar nicht brauen lassen.

CSU in Kötzting

Christlich soziale Union, wohl im Spätherbst 1945 in Kötzting gegründet, da noch im Dezember 1945 die Wahllisten eingereicht worden waren. Nannte sich damals noch Christlich Soziale Vereinigung. Ein genauen Gründungsdatum ist nicht bekannt. Nach der von den Besatzungsmächten initiierten Kommunalwahl kam es dann zum Parteizusammenschluss auf Landesebene.

 Freiheitsbrief
Im Marktrechtsprivileg Kaiser Ludwig des Bayern vom 11. November 1344 heißt es unter anderem: Von erst wan der Markt getheilt ist von dreu Höfen zu 36 Burglehen und in 12 Sölden, wollen wür, wer der Lehen eines mer oder minder inn hat, der soll arbeiten all die Arbeit, die den Markt angehört mit Fludern, Fleischwerken, mit Pachen, mit Schenken, mit Gastung und mit anderer Arbeit und Handwerken. [1]
 Weiter heißt es dann:
So ist ein Hof getheilt in 20 Theil in dem Markt, und derselben Theill einen oder mer soll kein Man nit haben, er habe dan ein Burglehen.


ganzer Bauer

die Bauernhöfe in den Dörfern wurden nach einem sogenannten Huffuß versteuert. Es gab somit einen - auich im Sprachgebrauch und innerhalb von Dokumenten - ganzen, halben und Viertelbauern. Der ganze Bauer (1/1) und der halbe Bauer (1/2) wurde umganssprachlich auch normal als Bauern un deren Kinder als Bauernsöhne und Bauerntöchter angesprochen. Mit dem Viertelbauern begann der Bereich der Söldner, 1/4 und 1/8 Höfe und auch Söldnerssohn, Söldnerstochter.
Nach den Söldnern kamen in der Steuereinteilung dann die Häusler (1/16 und 1/32)
Im Markt Kötzting entsprach die Einteilung Marktlehner - Söldner - Häusler.
Nur der Hoffuß war für die Höhe der (staatlichen) Steuer ausschlaggebend, es war egal, ob der Besitzer gut oder schlecht wirtschaftete.
Anders war dies beim Zehent, hier wurde der steuerliche Anteil an der Höhe der Ernte gemessen.


Gschwandhof

der Gschwandhof in Kötzting lag ausserhalb der Marktbefestigung und zählt zu einem der vier Kötztinger Urhöfen. Der Gschwandhof war ein Marktlehen und hatte im Zellertal selbst zwei Afterlehen, Bauernhöfe also, die dem Besitzer des Gschwandhofes abgabenpflichtig waren.
In früheren Zeiten oft in Händen von adeligen Besitzern, wurde es um 1700 vom Stiefgroßvater Luckners zum Gesamtkomplex der Familienfolge  Billich - Krieger -  Luckner - Poschinger - Schrank, nun Haus des Gastes hinzugekauft. Er blieb bis zum Ende des 19. Jahrhundert im Familienbesitz und wurde danach Krankenhaus und Josephsheim und ist nun Heimat der ersten Klinik für traditionelle chinesische Medizin in Kötzting, kurz TCM.


Besitzer auf dem Gschwandhof in Kötzting


Der Gschwandhof war einer der vier Urhöfe Kötztings. Bei der Aufteilung des Gschwandhofes bei der Marktgründung entstanden aus dem Besitz des Gutshofes all die Marktlehen, die aufwärts gesehen an der linken Marktstrassenseite standen[1]. Die dem Hof verbliebenen Gründe wurden dann 1505 weitestgehend abgetrennt. Heute beherbergt das Gebäude die sogenannte TCM- Klinik, die Klinik für traditionelle chinesische Medizin




1462                 Gschwandhof  1/2 oed Lehen und 2 Thaile        KL Rott 111      
1505                 Wirt Jakob Bürger  verkauft an den Staat           BL 94                                    
1505                 Zöhelen Jakob als Lehen vom Landesherrn[2]
1584                 Yettinger Hans                                                            KL Rott 110
1630                 Rosenhammer  Mathias                                              KL Rott R1
1638                 Rosenhammer Mathias Erben                                       KL Rott R1
1647                 Sinzl Hans Georg                                                         Reg SR A 4211
1661                 Perr Hans                                                                    KR Kötzting 1661
1650                 Poxhorn Georg, Bürger                                    KL Rott B1
1650                 Prantl Ander Hammerschmied Stifter
1667                 Dengscherz Georg                                                       KL Rott R2
1706                 Dengscherz Hans                                                        BP Kötzting 3
1706                 Hofmann Martin
1710                 Krieger Hans                                                               BP Kötzting 5
1711                 Raab Jakob Stifter                                                      Rechnungen K
1737                 Schall Johann Stifter                                                    Rechnungen K
1737                 Luckner Samuel                                                           BP Kötzting 13
1738                 Widtmann Hans Adam ehem Marktmüller Stifter BP Kötzting 13
1750                 Rössler Kaspar, Stiftwirt                                              BP Kötzting 16
1750                 Kollmeier Michael Stifter
1784                 Wöhrl Ander Stifter
1811                 Schrank Johann Georg           
1828                 Schrank Ignaz


[1] BayHStA Landshuter Abgabe 1982 KL Rott B2  von 1654 Seite 58 : Georg Poxhorn hat den Gschwandhof, von welchem der dritte Thaill deß Marckhts genommen worden, ligt die Behausung Stadl und Stallungen negst dem Churfüstl: Schloß und Zehentstädeln.
[2] BayHStA Ausw. Staaten Böhmen Lit. 94  die zum Gschwandhof gehörenden Grundstücke wurden abgetrennt und der Kirche Kötzting als Besitz zugeschlagen, so zum Beispiel die großen Wiesen in der oberen Au, im Genskragen und in der Angerwiese. Beim Gschwandhof verblieben nur das „Haws, hoffstat und ein stadel mit sambt ainem Lehen, das in die drew velld drey äcker hat, die gelegen sein im Marktfeld, auch ainen Krautgarten bey dem Weg gen Grueb und ain Wissfleckel“ .
 





 Häusler, siehe Freiheitsbrief, siehe ganzer Bauer
Die (Leer)Häusler im Markt Kötzting  hatten weder Brau- noch Schankrecht, und nur wenn einer dieser Bewohner eine Handwerksgerechtigkeit besaß, so durfte er seinen Beruf in diesem Haus ausüben. Sogar die Viehhaltung war bei den Häuslern stark eingeschränkt, teilweise ausdrücklich verboten. Dies hatte seinen Grund vor allem in den sehr stark begrenzten Weideflächen, die den Kötztingern zu Verfügung standen. Da es ja die Eigenheit deines Hausanwesens war, eben keinen Grund und Boden zu besitzen, hätte ja ein Häusler sein Tierfutter nur illegal besorgen können, unter die Gemeindeherde auszutreiben war ihm ebenfalls untersagt.
Auf den Dörfern war ein Häusler ebenfalls eine steuerliche Größe.
Hier begann der Häusler bei einem Hoffuß von 1/16 bis 1/32. Auf vielen Dörfern war es Häuslern allerdings erlaubt - anders als im Markt Kötzting, wo die Marktlehner ein Vorkaufsrecht hatten und es auch ausübten - ein frei verkaufbares Grundstücke zu erwerben.







  Innerer Rat
der Innere Rat im Magistrat Kötzting bestand aus 4 Mitgliedern. Die inneren Räte 
stellten abwechselnd den Amtskammerer.
  
Inwohner
Schlechter gestellt als die Bürger  waren die sogenannten Inwohner, die am besten als Mieter zu verstehen sind. Zu diesen Inwohnern waren auch die  Alteigentümer der Anwesen nach der Übergabe zu rechnen. Der sogenannte Leibtümer, vorher möglicherweise ein stolzer Kötztinger Marktlehner, verlor also alle seine Bürgerrechte im Moment der Übergabe an den Übernehmer oder Käufer und fand sich am unteren Ende der Sozialleiter wieder.
Auch die Be3amten des Pfleggerichtes waren in Bezug auf den Markt Kötzting, so sie nicht zufällig auch ein Anwesen besaßen, nur Inwohner und hatten kein Bürgerrecht, auch der Pfarrer übrigens nicht.

Italiener in Kötzting

bedingt durch den sogenannten "Schwedeneinfall" 1633 beginnen viele Kötztinger Archivalien erst nach dieser Zäsur. Aber auch in den wenigen Akten, die wir aus anderen Archiven aus der Zeit vor diesem verheerenden Stadtbrandt haben, tauchen bereits Hinweise auf italienische Mitbürger auf,  also nicht Mitbewohner sondern volle Bürger mit Hausbesitz und Bürgerrecht. So kennen wir aus dem Ende des 16. Jahrhundert einen Maurermeister, der in den Rechnungsbänden des Pfleggerichtes wahlweise als "welscher Mauerer" bzw. "Maister Christian" benannt wird.
Ende des 17. Jahrhunderts erhält ein italienischer Kramhändler mit Namen Türanck das Kötztinger Bürgerrecht, ein Zweig dieser Familie ist auch in Neukirchen beim hl. Blut ansässig. Eine langjährige Tradition italienischer Kaufleute finden wir auf dem heutigen Anwesen Voithenleithner.  Ganzini und Fabrici sind die überlieferten Namen dieser italienischen Familien.
Eine Erinnerung an Johann Baptist Fabrici  ist die Marienstatue, die heutzutage vor der St. Anna Kapelle in der Kirchenburg steht.


Kammerer
Was in anderen Märkten und Städten der Bürgermeister war, wurde in Kötzting "Kammerer"
genannt. Die vier inneren Räte vergaben untereindnder wechselnd  im Halbjahresturnus das Amt des "amtierenden Kammerers" und das des "Vicekammerers". Anders als heutzutage war ein Kammerer bzw. Bürgermeister allerdings nicht nur Chef einer Verwaltung sondern auch, um mit heutigen Worten zu sprechen, Polizeichef, Bauleiter, Richter und Steuereinnehmer.

Leikauf
Sogenanntes Drangeld, Aufgeld auf den eigentlichen Kaufpreis eines Objektes, oder beim Viehkauf. Erst die Bezahlung des Drangeldes machte einen Verkauf rechtsgültig. Sehr häufig wurde der Leikauf dann anschließend bei einer Einkehr verzehrt, wobei der Käufer die Zeche zu bezahlen hatte.

Marktlehner siehe Freiheitsbrief
 Im Freiheitsbrief wird die Aufteilung des Marktes bei seiner Entstehung dokumentiert.  Aus dieser Anfangszeit stammt also die Aufteilung in 36 Marktlehen, 10 (an anderer Stelle 12) Sölden und 20 Teilen.  Die Marktlehner waren gewissermaßen die Oberschicht in Kötzting. Ausgestattet mit allen Rechten, die das Marktprivileg erlaubte, einschließlich des uneingeschränkten Brau- und Schankrechtes. Das heißt in Kötzting hatten Besitzer von 36 Marktlehen, und nur  diese, die Erlaubnis im Kommunbrauhaus brauen zu lassen, ein Wirtshaus zu betreiben und sie nutzen dies auch weidlich. Über 700 Jahre lang stand der Begriff Marktlehner für eine privilegierte Bürgerschicht in Kötzting. Ursprünglich hatten wohl auch nur die Marktlehner das Recht der freien Handwerksausübung. Um hier keinen Wildwuchs aufkommen zu lassen und um ein einträgliches Miteinander im Markt zu ermöglichen, ist es wohl dann im Verlauf der Jahrhunderte zu Einschränkungen der Handwerksausübung gekommen, so dass eine genau festgelegt Anzahl z. B. der Bäcker und Metzger niemanden zu sehr belastete.
Die Marktlehner (und Söldner) konnten Grundstücksverkäufe an Inwohner und Häusler verhindern oder einen bereits erfolgten, auch bereits verbrieften, Verkauf nachträglich zu ihren Gunsten rückgängig machen. Sie hatten ein Einstands- bzw. Vorkaufsrecht und übten dieses auch regelmäßig aus.
Nachdem die persönliche wirtschaftliche Stellung auch den Sitz im Magistrat und in den Ausschüssen beeinflusste, waren  die Marktlehner dort  sehr stark überrepräsentiert.




reverendo, manchmal auch s.v.
mit Verlaub, dieser Ausdruck wird in Schriftsätzen benutzt wenn von unanständigen oder stinkenden Dingen die Rede ist, also wenn es um Tiere, Schmutz, Kot, Unterwäsche oder um Nacktheit geht


Söldner, allgemein siehe Marktlehner und ganzer Bauer
Die Söldner im Markt Kötzting dagegen hatten das Braurecht der Marktlehner nur eingeschränkt, das heißt, Söldner durften nur festgelegte Mengen brauen (1 Sud pro Jahr), das Schankrecht besaßen die Söldner überhaupt nicht.
Die Hofgröße war in der Regel auch kleiner als bei den Marktlehnern
Für Söldner auf den Dörfern siehe: ganzer Bauer


Stadtbrand von 1867

in der Nacht vom 3. auf den 4. Juni ca gegen 23.oo Uhr brach in einem Hintergebäude des brauenden Bürgers Amberger (heutzutage die Gastwirtschaft Dreger) Feuer aus. In kürzester Zeit fraß sich das Feuer über zahlreiche Feuerbrücken bis hinauf zum Torplatz und bis hinunter zu dem Bereich der heutigen unteren Marktstraße, dort wo jetzt die Firma Oexler ist. Allerdings hat es damals diese Straße nicht gegeben. In diesem Ortsteil stand unter anderem die Wuhn und das Bürgerspital, beide wurden ein Opfer der Flammen. Als Lehre aus dem erneuten verheerenden Brand wurden beim Wiederaufbau Brandschneisen gelassen, d.h. mehrere Anwesen wurden nicht wieder aufgebaut und der Straßenverlauf wurde an manchen Stellen geändert.


[1] KÖTZTING 1085-1985 Herausgegeben von der Stadt Kötzting anlässlich der 900-Jahr Feier S.29

Sonntag, 12. August 2018

Suchspiel 2. Teil

Ferienspaß 2. Teil

es haben sich zwar über die Kommentarfunktionen nur Wenige gemeldet, per Email dann auch noch ein Paar, aber die Zugriffsstatistik zeigt mir, dass die paar Bilder des Suchspiels glatt doppelt so viele Interessenten bekommen haben als wie der vorhergehende lange Artikel über den Gschwandhof.....
Daher in den heissen Urlaubszeiten nun schnell noch der zweite Bilderblock, den ich vor wenigen Wochen beim Spazierengehen aufgenommen habe.
Ich denke "Kötztinger Haustüren" wäre auch einmal eine interessante Variante, aber nächstes Jahr brauchen wir ja auch noch ein paar Suchspiele.
Los gehts:
Bild 1: ganz zentral gelegen

Bild 2 auch nicht zu übersehen
Bild 3 Teil der Kötztinger Wirtshaus und Handwerksschilder
Bild 4 wieder ein wenig unfair

Bild 5 müßte ein Nepomuk sein, frisch renoviert in den 70er Jahren


Bild 6 ein Ladekran für ein Handelshaus


Bild 7 ist vermutlich zu einfach
mal schauen, wies diesmal ausgeht mit dem Raten



Sonntag, 5. August 2018

Urlaubsspaß für die (noch oder wieder) Daheimgebliebenen

ein Versuch......
es passierte dieses Jahr an Pfingsten beim Bierzelteinzug - ohne Auto sondern zu Fuß unterwegs in Kötzting - dass mir ein paar wenige Details an den Kötztinger Häuserfronten aufgefallen sind. Da dachte ich mir, das wäre doch eine Art Schnitzeljagd online, für jede Altersgruppe.
Also nun mal einen Versuch, ob so etwas überhaupt auf Interesse stößt. Natürlich gibt es viele weiter kleine Details an Kötztinger Häusern auch wenn dieses SPiel grundsätzlich dann doch sehr endlich ist.
Langer Rede - kurzer Sinn es geht los, die Kommentarfunktion sowohl bei FB wie auch hier im Blog ist kann ja leicht benutzt werden. 
 1. Teil, mal schauen


ein Relikt aus alter Zeit: alter Spital im Pfeffergraben

Fensterschmuck : Schuhhaus Mühlbauer/Liebl Marktstraße

fast zu einfach: Dampfbäckerei "C". Pongratz Marktplatz

fast eine Unverschämtheit, aber Insider erkennen den Blechvorhang sofort: Kachelofen im Flur Rathaus im 2. Stock
klein aber fein: Fensterschmuck Hasenberg Schirnstraße

sollte eigentlich klar sein: Apotheke am Marktplatz

hat jeder schon mal gesehen: Markstraße 30

für Menschen, die mit FRAKTUR Schrift nichts anfangen können: das ist ein "G": Schriftzug am Hotel zur Post