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Montag, 10. Februar 2020

Der Lesestammtisch im März

Vorankündigung und Rückschau

 Dienstag 24.3.2020


Beginn ist wie immer um 18.30 Uhr im Kneippzimmer im Hotel zur Post


Seit vielen Monaten baue ich eine Wortdatenbank auf, die seltene, nicht mehr bekannte bzw. nicht mehr benutzte Wörter oder Ausdrücke enthält.
Diese Datenbank wird permanent alphabetisch erweitert.
Damit man aber nicht immer alles durchblättern muss, um auf ein paar neue Ausdrücke zu stoßen, stelle ich die "Neuzugänge" an den Anfang des Blogs. Diese Neuzugänge werden erst nach dem folgenden Lesestammtisch in die Hauptdatenbank einsortiert.

>>>>>>>>>>>>>hier gehts zur Datenbank:

Nun aber weiter zum nächsten Lesestammtisch:

Es geht weiter - das Thema wird uns noch viele Monate begleiten -  mit Einblicken in den Alltag einer adeligen Hofmark, der Herrschaft Runding
Wir sind im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts und in den Hofmarken Blaibach und Runding.
Der Hofmarksherr Freiherr Cajetan Nothafft von Weissenstein, verschuldet bis an "Oberkante Unterlippe",  hat Herrn Johann Dennerle als Gerichtspfleger eingesetzt. Dieser berichtet nun seinem Chef von allen wichtigen und unwichtigen Details, die so in seinem Pflegeralltag passiert sind - und auch, wie er versucht, Geld einzutreiben.









Hier zuerst ein Zitat aus der Homepage der "Nothafft"

Johann Josef Anton Kajetan Nothafft von
Weißenstein Bild aus der Homepage derNothafft
Zitatanfang: Der letzte Graf Nothafft von Wernberg auf Runding - gestorben 1734 - vermachte seine Besitzungen dem Deutschen Orden, mit der Bestimmung, daß seine Witwe die lebenslängliche Nutznießung haben solle. Bei deren Tod 1757 übernahm der Deutschordenskomtur Graf Wenzel von Clenowa die Hinterlassenschaft. Die verwandten Notthafft von Weißenstein ließen dieses Testament jedoch anfechten. Nach langjährigem Prozeß sprach 1759 das Reichskammergericht die Herrschaft Runding dem Freiherrn Johann Josef Anton Kajetan Nothafft von Weißenstein zu. Dieser scheint ein wahrhaftig seltsamer Zeitgenosse gewesen sein. Seine Großnichte Caroline Frfr. v. Künsberg berichtete um 1870 über ihn: „Er selbst legte bald nachdem er den Besitz von Runding angetretten , seine Stelle als Regierungsrath von Landshut nieder und lebte abwechselnd auf seinen Gütern und in Straubing, woselbst er noch das Notthafft'sche Haus ererbt hatte. Er gab sich ganz seinen Studien und gelehrten Arbeiten hin und bekümmerte sich nur wenig um die Verwaltung seiner vielen, schönen Besitzungen, auf welchen er seine Verwalter und Pfleger ganz willkürlich schalten und walten ließ. Verweilte Anton Notthafft in Runding, so bewohnte er nicht das Schloß, sondern das Pfleghaus, zahlte der Pflegerin Dennerl Kostgeld, um keine eigene Haushaltung führen zu müssen und saß fast den ganzen Tag unter Büchern und Papieren vergraben auf den Boden; Selten nur erhob er sich um zu Lichte zu gehen, gewöhnlich wurden einige Folianten aufeinander geschlichtet mit einer Serviette überbreitet und so speiste der gelehrte Herr, der in seinem ganzen Leben Thun und Treiben, wohl sehr sonderlich und ungewöhnlich war. Nur wenig schien sein Geist im wirklichen Leben einheimisch zu sein. Alles was ihn ihn seinen Studien hinderte oder störte, war ihm verhaßt und überließ er seinem Pfleger Dennerl zur Besorgung. Der langwierige Prozeß mit der streit- und zanksüchtigen Wittwe des letzten Grafen Notthafft von Wernberg, den er mit großem Eifer und vieler Klugheit geführt hatte, schien seine ganze Lust an Geschäften, seine ganze Thätigkeit absorbirt zu haben.“ Zitat Ende
Dies zur Vorgeschichte:

Von diesem Pfleger auf Runding (und auch Blaibach) Dennerl/Demmerl,Dennerle ist ein ganzer Stapel von Briefen an seinen "Chef" Cajetan Nothafft erhalten geblieben. In diesen ist Ernstes mit Klatsch und Tratsch vermischt und ergibt einen bunten Einblick in die Situation bei Hofe und in die Probleme einer verschuldeten Hofmark.
Staatsarchiv Landshut Hofmarken 4031 Hofmark Blaibach

ein X-beliebiges Blatt aus dem Konvolut von ca. 180 Seiten:
Zu Viechtach ist eine inqusitions-Commision wegen dem fleisch Aufschlag eingetroffen, wohin auch ich auf den negstkommenten Erchtag citirt bin, auf den 17ten hujus aber wegen Neuer anlegung einer strassen von Camb bis Waldtmünchen , zu Schönthall in der obern pfalz erscheinen muess. Wann wür zu diser Strassen auch Hand anlegen muessen, so wird es mit den armen Unterthann hartt genueg werden. Heunt habe ich mir zur Ader gelassen. Der zu beständig hochen Hulden und Gnaden underthänig gehorsambist mich empfehlen Runding den 8. May 1763
Euer hochfreyherrlichen Gnaden
P.S. des Koch sein brueder der Hans Georg Gareis ist heint abend als ein abgedankter kayserlicher Fousilier alhir ankommen. Ich habe ihme aber bisiezt nit zu mir gelassen. Mein bluet ware miserabl worüber sich H: Dr. verwundert
Underthenig gehorsambist Joh: Martin Demmel
Gerichtspfleger

Man muss die alte Schrift eigentlich gar nicht lesen können, um mitzumachen. Die Texte werden von manchen Teilnehmern vorgelesen und der Inhalt dann gemeinsam besprochen. Es funktioniert aber auch ohne Vorkenntnisse bzw. Vorbereitung, denn es  erhalten neu hinzukommende Teilnehmer eine Kopie des Aktes und können den Text dann ganz einfach und stressfrei mitlesen.
Also wir treffen uns am Dienstag den 21.1.. im Kneippstüberl im Hotel zur Post


Was ist bisher passiert:
einschließlich Lesestammtisch vom Februar 2020



Wichtiges und Unwichtiges aus unserer Gegend


Wir schreiben das Jahr 1745 - die bayerischen Beamten nennen sich seit wenigen Jahren "kaiserlich", weil Bayern von den Österreich  im Zuge des österreichischen Erbfolgekriegs besetzt ist -  und  Johann Martin Dennerl/e  befindet sich auf "Rundreise" zu den Besitzungen derer von Nothafft, von Niederhatzkofen, nach Blaibach und Runding mit Zwischenstationen in München, Landshut und Straubing.  Als Verwalter und offensichtlich Vertrauter Cajetan Nothaffts versucht er seinem Chef aus dessen wirtschaftlichen Nöten zu helfen, klärt ihn über die Situation auf "seinen" Besitzungen auf und berichtet so auch über zeitgenössische Kleinigkeiten am Rande des Weges.
Graf Johann Nothafft, der letzte Abkömmling der Weißensteiner Linie und verstorben bereits 1734, hatte sein Erbe dem Deutschen Orden vermacht, seine Witwe - selber dann erst 1757 verstorben - solle zu Lebzeiten noch den Nießbrauch davon haben.  Cajetan beauftragte offensichtlich schon Jahre vor dem Absterben deiner adeligen Verwandten seinen Verwalter damit, mit den geeigneten Stellen über diesen Erbvertrag verhandeln zu können- zumeist, zumindest laut den Briefinhalten, vergeblich.
Im Staatsarchiv Nürnberg liegt eine Archivalie mit der Signatur: Deutscher Orden, Meistertum Mergentheim, Regierung 2362 unter der das "Testament des Grafen von Nothafft und die darin dem Deutschen Orden vermachte Herrschaft Runding (Teil I)" einzusehen ist.  Dieses Testament wurde von Cajetan Nothafft erfolgreich nach dem Absterben der Witwe Graf Johanns angefochten und er dann in den Besitz des Gutes Runding eingewiesen. Mit welchem Recht aber er noch zu Lebzeiten der Dame seinen Verwalter auf die Rundreise auch nach Runding schicken konnte, entzieht sich meiner Kenntnis. Möglicherweise berichtet er aber aus Runding nur vom Hörensagen von der Hofmark Blaibach aus.
Das Aktenmaterial besteht aus einem Konvolut von Briefen, welche einen Zeitraum von 1745 bis 1770 abdecken und zumeist sind es die Briefe des Verwalters, die überliefert sind. Nur wenige von Cajetan Nothafft sind vorhanden.


Hier sollen nun in lockerer Folge, aber dem zeitlichen Ablauf korrekt folgend, große und kleine, weltbewegende oder eher Klatsch und Tratsch betreffende Ereignisse kolportiert werden.


 
Zeitpfeil

Mai 1745: Die Ankunft: Eben dem Tage, wie ich in Playbach eingetroffen und da ich noch zu Creuzbach geritten, seint von Preumeister, Jäger und anderen mehr= dan 30 Freudenschuss gegen mir geschehen
 In Blaibach angekommen und alles in einem rechten Stand vorgefunden, außer  dass kein Heu und fast kein Getreide mehr vorhanden und eine Kuh gestorben sei.
Eine Abrechnung ist nicht möglich, weil der Blaibacher Verwalter Magerer (gleichzeitig auch Marktschreiber in  Kötzting) dieselbe noch nicht vorgelegt hat aber über diesen beschwerten sich die Untertanen tausendfach, auch wenn Magerer ihn  andauernd schmeicheln würde. Er müse aber doch anführen, dass  "alle und fast der ganze Markt Kötzting  ihm bereits zugeloffen und die Magerische Falschheit und ehrnutzlichen Nachredungen mit vielen Expressionen geoffenbart hätten, worunder der Luckhner mir das maiste erzehlet und gesagt formalia ich hätte offt vor sye mich zu Todt rauffen mögen, da hören miessen, wie schlecht und unverantwortlich von ienigen leuthen geredt worden, die von ihnen so viel Höflichkeit genossen, dieses und noch viel mehr miste ich vom ….berichten"
Der hiesige (Blaibach) Caplan hat den Magerer in meinem beysein öffentlich gesagt, er habe eine große Ungleichheit und schlechte Würtschafft geführt, und die beede hetten sovill als Rauffen mögen.
Österreichischer Erbfolgekrieg: Am Samstag wären im Pfgcht Kötzting  der Stab  und eine Kompanie vom Graf Fuggerschen Dragoner  Regiment eingetroffen: Blaibach musste 1 Herren Fähnrich 1 Veldscherr und 1 Gemainen unterhalten
Die Hofmark Lichtenegg: 8 Gemeine
Der Herr Beneficiat von Blaibach (Benefiziat (auch lat. Benefizium) ist ein ehemaliger Amtstitel der römisch-katholischen Kirche für einen Kleriker, der seinen Unterhalt vom Ertrag einer Pfründe erhielt.) , der sich zu Gnaden diemitthig empfehlet, hat mir bei meinem Eintritt eine hl. Messe offeriert, der Herr Pfarrer aber lasst von sich gar nichts merken.


Hofmark Runding

Mit dem Problemfeld des Deutschritterordens:
Der Hintergrund das Streites mit dem Deutschritterorden ist das Problem, dass der letzte, Kinderlos verstorbene Graf Nothafft seinen Besitz dem Deutschritterorden vermacht hat unter Missachtung, dass das Adelsgeschlecht der Nothafft einen Fideikommiss bereits vor Generationen vereinbart hatte, welche die Besitznachfolge in diesem Falle regeln sollte. Cajetan Nothafft konnte sich nach längerem – und teuren – Streit in die Besitznachfolge einklagen und den Deutschritterorden erfolgreich verdrängen, aber dies bedeutete auch ganz genau zu beobachten, ob und wenn wann die den Niesbrauch genie0ende Witwe, die Gräfin Nothafft, versterben würde, um sich danach sofort in den zumindest formellen Besitz des Gutes Runding zu bringen.  Dieses schielen auf die Gesundheit und dem sich nähernden Tod der Frau Gräfin bestimmte einen guten Teil der Korrespondenz in der Anfangszeit des Schriftverkehrs.
17.Mai 1745: Bei meiner Ankunft (in Blaibach) erfahre ich dass Ihre Gnaden die Frau Gräfin von Nothafft indessen zu Runding (die Witwe, die den Nießbrauch hat) mit der gnädigen Frau von Schönstein gewesen seyen und sowohl den Herrn Pfleger (den Kötztinger Bürger Druckmüller), als den Ambtmann dem Dienst aufgesagt habe.
Um nun genaueres zu erfahren hat  Dennerle sich nach Runding begeben: und der Herr Drinkhmüller, der sich underthenigst empfiehlt erzehlt wan dass die Frau Gräfin nichts (Lücke) einer schlechten Würtschaft redet =ihne aber selbsten nit aufgesagt = doch zu andern Leithen in specie zu dessen Schreiber gemelt habe, Sye gebe ihm und dem Ambtman uf Jacobi wegg und sye werde eine andere Bestehlung machen, obscxhon der Herr Pfleger sein Stüfftzeit erst uff Jacobi ybers Jahr zu Endte gehet.
Hinweis:  Diese Behandlung lässt sich der Kötztinger Bürger Druckmüller nicht gefallen und strengt einen Prozess gegen die Gräfin Nothafft aus Straubing an.  Die dazu gehörige Archivale im Hauptstaatsarchiv im Nothafftarchiv.
Hinweis Ende
Weiters konnte er erfahren, dass
Es angedacht ist, dass er Oberschreiber von Mitterfels Petres Pfleger werden solle, wobei dieser zusätzlich das "Stubenmensch" der gnädigen Frau von Schönstein ehelichen solle. Dann wolle die Gnädige Frau von Schönstein an Jakobi in Runding aufziehen und die Oekonomie führen, sich hauptsächlich aber , wie die gnädige Frau zu einigen leuthen selbst gesagt, darumb in Runding festsezen, damit , was allenfahls die Frau Gräfin mit Tod abginge, Sye in der possession were und nit ehenter herausgehen würde, bis mit Eur Hochfreiherrlichen Gnaden, dero Herrn Bruders Gnaden eine hochschuldig große Gelt Summa bezahlt haben werde. Und dies ist der wahrhafte Anschlag von der Frau Gräfin und Schönstein.
Dennerle rät, unterstützt von Druckmüller, dass Cajetan Nothafft sich der Juristiction und Administration von Runding versichern solle.

In diesem ersten erhaltenen Brief schreibt Dennerl vom vergeblichen Versuch einen Termin bei Baron von Roll (https://de.wikipedia.org/wiki/Ignaz_Felix_von_Roll_zu_Bernau) zu bekommen, für ihn wohl DIE Kontaktperson, um das leidige Thema des Deutschritterordens in den Griff zu bekommen. Ein Fräulein von Wunschwitz würde anlässlich des Besuches beim Kardinal, der nach seiner Genesung nun wieder Besuch empfangen würde, versuchen mit dem Baron Kontakt wegen eines Besuchstermins aufzunehmen.
Weiteres berichtet er kurz von dem Verwalter von Grabestatt wegen Marquartstein, dann von mehreren adeligen Personen bei der "Landschaft" (im damaligen Ständesystem, dem Parlament der Adelsfamilien) dem Grafen von Preysing, dem Herrn Baron von Lerchenfeld zu Ahamb und vom neuen Fürst von Portia, der wegen seiner Pflege Deggendorf  angekommen sei.
Der Pfleger von Aholming, ebenfalls im Besitz der Nothafft, auf den beide nicht gut zu sprechen sind, sei vor Ort, u sich für einen kurfürstlichen Dienst zu bewerben, aber er, der Verwalter, habe ihn  noch nicht zu Gesicht bekommen .

 
Dennerl in München, seine Familie in Blaibach und Nothafft in  Landshut  24. Januar 1751
Nothafft schreibt er habe erst von dem schlechten gesundheitlichen Zustand  von Dennerls Frau, welche drei Wochen vorher entbunden hatte,  erfahren, gleich den Hl Sebastian angerufen und in der Vorstadt auf dessen (Sebastian) Altar eine Messe lesen lassen und nach der Besserung (=erhaltener Hilfe) sofort wiederdort  eine Dankmesse verlobt.
Ansonsten aber kommt er zur Sache und will wissen ob es in der Sache des Deutschen Ordens mit dem Baron von Roll weitergekommen ist:
Dennerl: wieder nur eine Absage und keine Audienz möglich.
Seiner Frau geht’s besser und der Arzt gibt ihm Hoffnung sie bis Lichtmessen wieder auf die Fuess zu bekommen.
Frage und Antwort nach Gerichtsverhandlung und ob es passend ist mit den Antwortschreiben etwas Zeit zu gewinnen.
Nothafft: Noch söhnlicher aber wünsche zu wissen. Ob was oder nichts mit dem teutschen orden zu machen ist.  Sein (Dennerle) lengeres in München sein und mein hier sizen, mues uns endlich so aufzöhren, das wür am endt nicht mehr wissen, woher einen bissen broth nemmen sollen
Dennerl:  Mein verlangen von hier wegzukhommen wünsche m, kann ich nicht beschreiben, genug,  Ich würde neu geboren seyn, dann in solch Umbstenden als ich bin,  lenger alhir zusein ist unerträglich
Nothafft: … Habe gestern augenblickhlich vom Nachtessen aufspringen miessen, und ich habe wirklich geglaubt, mein Endt sey verhanden ….. mit einem worth, höchste Zeit ist, ein Endt zusechen, wie es immer seyn mag, den es will wedet die gesundtheit , noch die Lebensmittel mehr dauern und von meiner Unerträglichen Einsamkeit will gar nit reden. Wie steht es um den vertrösten churfürstlichen consens?
…Bin selbst curios, w<as der Pfleger vom Aholming zu Ihm (Dennerl) sprechen wird. Er hat mir nit einmal das Neue Jahr gewunschen. Diese Missachtung tut doch wehe. Er hat doch zur Stund noch das Brodt geniesset, so ihme geben habe.
Dennerl:  Vom Pfleger von Aholming habe noch nichts zusehen bekommen, ich eiß auch nicht einmal wo selber logiert, doch höre, dass er churfürstlichen Dienst sucht. Sollte mit ihme zu sprechen kommen, so werde ihm seinen Geringen respect nicht wenig vor die Nasen ruckhen.
Der gestrige Donnerstag ist Gott lob auch vorbey, ohne dass ein mindesten etwas verwunderliches gesechen wurde.



Hatzkofen  25.3.1756
Es geht um Forderungen des Barons von Stingelheim (lt Google ist eine Tochter des Barons von Stingelheim eine Frau von Schönberg >>>>siehe "Besetzung Burg Runding") von 600 fl. Auf/von Hatzkofen.  Kloster Niedermünster ist als Geldgeber genannt und Nothafft hat wohl Schuldscheine von Niedermünster in Händen (uU der Satz ist sehr ungenau, wenn man nicht alle Informationen hat).  Gleichzeitig muss Nothafft wohl innerhalb von 8 Wochen 600 fl. An Graf Morawizky zahlen.
"Nun ist guter Rat teuer, ich besinne mich hin und her, so wais der Sache nicht zu helfen."
Er (Nothafft) habe einen jährlichen Anspruch von Hatzkofen von 600 fl., wovon dieoselben mit dene Ihrigenleben und sich auch zugleich begleyden (Bekleiden) sollen. Wan nun hochdieselbe gleich auf einmal für dero Herrn Neven (Neffen)= 600 fl. Bezahlen sollen, so ist die weittere frag unverantwortlich, von woher eur Gnaden hinach ein ganzes iahr leben khönnen.
Hatzkofen bringe zar mehr als die 600 fl. Im jahr aber:
auf den Sommerkeller sind noch vieles gersten schuldig, die erst mit dem zu verkaufenden Bier abbezahlt werden.
Vorschlag: 100 fl. Für den Neffen und seine Dienstbeförderung, mehr ist schier unmöglich.
über die Köchin: das die jetzige Köchin ein Schauer (Unglück) im Haus ist, gar gewiss……wird wohl gut sein wan diese Zäfer aus dem haus kombt
Gestrigen Mittwoch hat des Wirtts Peterls Mensch, die Euphrosina, ihr Kind bey sehr ungestimmen Wetter hirher ins Würthshaus gechickht und wie höre, hat Herr Verwalter Baader denen Eltern aufgetragen das Kind zu behalten, die es auch weill der Sohn nicht zu Haus ware, zum Fröschl ins Haus gethan, die Mutter aber befindet sich hierbei nicht. Wie es hierbei weiter gehen wird, weiß ich nicht.
Mein liebstes Näntscherl, die Eur Gnaden vielle tausend mal die Hand kiesst, hat inzwischen ihren Cartar noch sehr stark und bringet viel Auswurff heraus.  Ich hoffe aber zu Gott, dass es sich mit ihr zur Besserung anschicken werde, ob woe schon aller Anfang wegen ihren schweren starkhen Hizen geglaubt haben er mechten die Blader erfolgen. Es haben aber die Hizen wider abgenommen.

Der Mesner hat 7 Sauerprunnen Flaschen zu yberbringen
Die Briefe vom März 1756 aus Niederhatzkofen berichten - ausser von Kleinigkeiten am Rande - ausschließlich von der Krankheit der Tochter und dem Wochenbettzustand der Frau und dann davon, Geld aufzutreiben und die schlimmsten Forderungen zumindest teilweise bedienen zu können.


1756 Dennerle sitzt in Niederhatzkofen und berichtet von Runding:
der Pfleger von Runding ist vor der churfürstlichen Regierung anbefolchen worden, dass Gutt solchergestalten zuverwalten, wie er sich es vor der Regierung und denen , so daran gelegen, sich es zuverantworten getraut




ohne Datum offensichtlich aus Runding oder Runding:
der Gerichtsschreiber aus Kötzting hat ihm seinen eigenen Schreiber ausgeliehen, um die viele anfallende Arbeiten erledigen zu können.
Mit der Fischerei hätten sie an die 9 Zentner Karpfen zu verkaufen und in Blaibach würden sie morgen anfangen, man würde sehen, „wie die Fisch daselbst gewachsen sind.“.
Mit einem Herrn Daumann steht er in schriftlichem Kontakt, persönlich habe man sich noch nicht gesehen, dessen Antwortschreiben bestünde „hauptsächlich darin, dass niemand gröber als ich seye, und dass seine Lebensarth besser als die Meinige , folglich wür aneinand nit vill aufzugeben hätten, in der Hauptsach aber was die Lisl angeht, widerspricht er alles und sagt dass diese Sach am Ersten von meinem Weib gehört…..mit einem Wort, der Herr Daumann ist halt ein rechter wüschwasch und schlechter Priester dem es sehr an Vernunfft als guetter Lebensarth nit wenig felt, Indessen mag mich mit ihm nit aufhalten, münder selben beym Consistorio schaden, weill doch ainigermassen seine schlechte Aufführungd briehren miesste, und sollte es auch der Elisabethen tag in Playbach sein.
6.4.1756 Hatzkofen :
Berichtet von Problemen mit seinem Vetter Hans Georg, den er aufgefordert hatte sich aus dem Dorf zu entfernen, dieser ist der Aufforderung aber nicht nachgekommen, worauf er ihm schriftlich zukommen lies: wann er sich nicht sofort aus dem Dorf weckhmachen werde, ich ihm ohne all weitters aufsuechen und selbst von hier weckh carbätschen werde…. Welches ich ihme auch sogleich, als vernommen, dass er auch den ganzen abend unter villen seufzern und lamentiern beym Jäger zuegebracht ganz gewiss in der Thatt bewisen hätte, wan nit mein weib, und andere umb einen mir höchstschädlichen allzuhefftigen Zorn auszuweichen, hiervon abgehalten. Indessen vernommen, dass er heint Nacht beim Pündter herberg aufgeschlagen, habe deme hirmiet auch sogleich die fernere Ybernachtung unter cominierter Stockstraff ernstlich inhiberet.
Sein Vergehen ist offensichtlich eine Art von Kartell zwischen Bayern und der Oberpfalz, welches Schande und Spott auf die Familie gebracht hätte.
Der Rest sind Baumaßnahmen, Dachschindeln und Zimmerbäume.

September 1756 Hatzkofen
Es geht um die Lieferung von Fleisch und Wein nach Landshut und um Bierlieferungen an fremde Wirte, was er abgelehnt hatte.

6.6.1757 Hatzkofen
Es geht um Apotheker- und Arztrechnungen und um die Frage, wie die Kosten für die Münchner Reise (des Herrn Nothafft) aufgebracht werden könnten. 2 Eimer Wein stünden zum Verkauf, nur hätte man in Hatzkofen keine Eimerfässer zur Verfügung.

8.6.1757 Hatzkofen
Das liebe Geld: die Hoffnung vom Grafen von Closen einige Untertanen abgetreten zu bekommen, welche man dann sofort für einen weiteren Kredit hinterlegen können, „denn jeder Creditor würde gerne Closnerische Unterthanen statt paar gelt annehmen.“
Die Kosten für eine Reise nach München – vermutlich wg Deutschherrenorden – sind noch lange nicht gedeckt. >Eine Wirtshausverpachtung brächte 600 fl an Kaution, das wäre es….
Dann die Frage, ob der Herr Baron anlässlich seines Namenstages kommen würde/möchte: so miessen mir es >Eur Gnaden schon bey dem Kuchelmenschen schon gewiss schreiben auch darbei melden, ob an Herrn Gilbert deshalb Nachricht geben und ob hierzue H. Beneficiaten  von Püdendorf und nit etwas auch Herrn Baron Saur vorläuffig einladen und auf wievil Speisen den antrag machen solle. Allenfalls muss Mons. Gador schon 4 Pfund schwarzes, oder roths Wiltbräth darzue auftreiben.
Den Bothen schickt er mit einem Carolin zum Herrn Baron, den er selber (hat einen Wert von ca. 11 Gulden) mangels Masse in der Kasse nicht wechseln könne.
Gerücht, dass Herr Philipp, Pfarrer zu Laaberberg,  im Kloster Dechant geworden sei, Herr Bruno sei dabei „glatterdingen durchgefallen.“
Neues gibt es alhir gar nichts, wenigist in ansehung Preussen und Bayern nit vill guetes (?)
Das Kuchelmensch hat zur Procession begehrt, so ich ihr auch erlaubt hab (wohl Frauentag)

Freitag 12.8.1757 Hatzkofen

Es wird ernst, Frau Gräfin soll in Straubing im Sterben liegen. Ein Doktor Zinnal aus Straubing schickte einen eigenen Boten mit der „guten“ Nachricht. Sie würde keine 24 Stunden mehr leben. Bereits am Vortag, Donnerstag den 11.8. wäre sie durch den Stadtpfarrer „mit aller Heiligkeit versehen worden“. Er, Demmerle, rät aber ab vor dem eingetretenen Tod nach Straubing zu reisen, habe aber bereits einen reitenden Boten nach Straubing geschickt, der dort warten solle, da es besser sei „dass wir allzeit einen aigenen Pothen yber die Sicherheit des Todtfahls erwartten miessen. Es ist nur die Frage, woher Gelt genommen werden kann, diese Reisen, und was sondten erforderlich sein mechte, zubestreitten.“
Gleichzeitig gibt er Nachricht an Dr. Zinnal, dass auch dieser sofort nachricht vom Tode senden solle, nach dem Tode auch sogleich in Straubing sicherzustellen, „dass alles im hause sogleich obsigniert werde.“
Dann wird er sarkastisch: „Vor Freud über die Barmherzigkeit Gottes, bin in der größten Conbassion, wie das auch mein Schreiben also abgefasst ist. Es kann sein, dass wür noch vor dem Frauentag verreisen miessen. Aber um Gottes willen, wie wird es mit dem Gelt aussehen, ich hab nichts mehr zum Versezen. Wann Sye gestorben ist, so hoffe noch bis morgen aignen Pothen“
Sobald der Tod gewiss ist, würde er Pferde nach Landshut schicken, damit sich beide vorher in Hatzkofen besprechen könnten.

13.8.1757 Hatzkofen in größter Eile geschrieben

Demmerle sendet Zeitungen und Grüße vom Herrn von Kürn und Itlhofen aus.
Gleichzeitig kommt ein Brief vom Pfleger aus Runding an über dessen Inhalt sich Dennerle empört. Der Kötztinger Bote berichtet von Dennerles Schwägerin der Mater Monica, welche berichtet habe, „das Sye (wohl Frau Gräfin) unmöglich mehr als 8 Tage zu leben habe, und auch diese kündigt einen eigenen Boten an, wenn der Tod eingetreten sei.
…… es werden zur gleichen Zeit wohl mehrer Pothen alhir eintreffen. Izt kombt es nur auf das Gelt an.“
Dennerle empfiehlt, dass der Her Barons selber auch an den Dr. Zinnall schreiben solle um bereits im Vorfeld beim Regierungskanzler und einigen Herren Räten Kontakt anzuknüpfen…..“ärgert mich nur der (Rundinger) Pfleger mit seiner Immissionsrichterin“
Dennerle hält 10 Pferde für die Blitzreise bereit.
Nur es fehlt das Rundingische Testament:

Das Rundingische Testament muss zu Landshut in dem Zimmer, wo ich sonst logiere, und gluablich auf dem Tischl, wo ich geschrieben oder gleich in de, daran stehenden zu finden sein, wenigstens habe ich es in dem Zimmer richtig gelesen. Vorleuffig yberschicke ich heint 3 fl, beym Paumaister werde schon eins nachschicken können. Heint habe ich es nit.


13.8.1757 Hatzkofen mit mehr Ruhe geschrieben am selben Tag

Geld ist keines da, ob Herr Baron nicht beim Dr. Dallhofer nachfragen könne, dass Herr Verwalter Baader von dessen Wirtskasse, die 200 fl an Ausständen habe, 80 – 100 fl für die Reise vorschießen könne. Gleichzeitig informiert er Herrn Nothafft, dass er DR. Zinnall gebeten habe dem Boten – mit der Todesnachricht – diese schriftlich dem Bothen zu erteilen, da es „langweilig und vertriesslich ist, einen Pothen, in so wichtiger Angelegenheit, nur mit mündlicher Ausrichtung“ zu schicken.

15.8.1757 Hatzkofen

Den Kötztinger Boten habe er mit entsprechender Nachricht an den Herrn Pfleger (zu Runding) wieder zurück nach Hause geschickt. Dessen Vorschlag einer Immission weist er zurück, denn „der neue Codex gestattet nicht ein ganzes Guet mit der Immission zu belegen.“ 
Hinweis: Eine Immission bedeutete eine gerichtliche Einweisung in ein Gut, also eine Art Zwangsverwaltung. Solch eine Zwangsverwaltung war angesichts der ungeklärten Verhältnisse was mehr zählte, das Testament oder der uralte Fideikommiss vermutlich nicht auszuchließen undd er Vorschlag des Pflegers – vor Ort – für die hilflos Wartenden – in Hatzkofen und Landshut – sehr ärgerlich und auf keinen fall zielführend
Die Unordnung in dem Zimmer in Landshut – wo das Testament vermutet wurde – sei von ihm nicht zu verantworten, er sei schon 2 Jahre nicht mehr dort gewesen, das Fenster zerbrochen oder was auch immer. Es sei jedenfalls gut, dass das Testament gefunden wurde.
Die Ernte steht an und es werden wohl bis zu 10 Scheffl an Korn eingebracht werden, welches derzeit 6 fl. 20 xr erbringt, wovon der Gadon seine Bezahlung erhalten wird.

23.8.1757 Straubing

Dr. Zunnagl und Dennerle habe sich offensichtlich besprochen, was Nothafft machen solle:
Er solle Straubing gar nicht betreten, sondern seine nur der Begräbnisfeier in Runding beiwohnen und versuchen über die „Gewinnung“des Pflegers den Besitz von Runding zu erreichen, er selber aber solle gleich wieder aus der Stadt (Straubing) abeisen und sich von niemand sehen lassen. Er habe darüber nachgedacht und ist zuerst zu Herrn von Luger gegangen und habe dort 2 Stunden mit diesem gesprochen und soviel in Erfahrung gebracht, dass Nothafft unbedingt nach Straubing kommen sollten, weil sonst sich zu viel ereignen würde. Er solle versuchen den Besitz von Runding über die Räte der Regierung zu erreichen.
So viel könne er sagen, dass hier (Straubing) jeder den Besitz von Runding für den Herrn Nothafft wünschen würde. Diese Entscheidung habe er nun auch mit Dr. Zinnall besprochen und dieser sei nun auch umgeschwenkt und es gut fände, wenn Cajetan Nothafft nach Straubing käme. Dr. Zinnal offeriere das Rathaus, in dem dieser logieren würde, als Quartier auch für Herrn Nothafft, würde ihm ein schönes Zimmer und Kost anbieten. Die bediensteten könnten in einem nahen Breuhaus unterkommen, auch er könne bei Dr. Zinnall logieren.
Offensichtlich war Nothafft noch nie in Straubing, denn Dennerle beschreibt es ausdrücklich für den Fahrer: ….so wird er Lechenassler das Rathaus leicht sechen können, den es stehet auf der Seithen, wo der Kattenböckh wohnt, und zwar gleich neben dem Stattthumr, ist ein großen Eckhhaus am Kaas Markht.
Heint ist die Frau Gräfin begraben worden, aber mit einem solch schlechten Condukt, dass es nit schlechter hätte sein können. Hauptkläger waren die Frau v. Nothafft v.Schönstein, Gräfin v. Leiblfing, Gräfin v. Closen, Graf Klenau, Baron Pellkofen, Baron von Asch, übrogens aber alles sehr schlecht..
Eur Gnaden brauchen nur ein Gleyd (Kleidung) mit herabzunemmen, weill mein Sommergleyd zimblich durch meinen gestrigen fahl ruiniert worden. Als welchen Fahl ich heint in all meinen Gliedern empfinde…..
Ich bin bisher noch nit bei der gdg Frau v. Schönstein gewesen, zweifle auch , ob vor Eur Gnaden ankunfft zu ihr gehen werde.
Herr von Garr und der junge Herr von Luegen haben in Runding obsigniert

Donnerstag 22.9.1757 München

An diesem Tage wurde die Herrschaft Runding als ein Allodium ernannt. (also Freieigen).
Gleichzeitig wurde die Zwangsverwaltung aufgehoben und Cajetan Nothafft in den Besitz eingesetzt. Da die schriftliche Ausfertigung aber erst am Freitag oder sogar am Samstag erfolgen könne, wird es bis Samstag oder Sonntag dauern, bis er (und die Schriftstücke) in Landshut eintreffen könnten.
Schriftwechsel mit Zahlungsaufforderung von seiner churfürstlichen Durchlaucht zu Kölln
Dennerle speist täglich mit dem Herrn Prälaten von Neumarkt, dieser und der Herr Bürgermeister Pettenkofer gratulieren beide von Herzen.
Die mitgenommene 100 Gulden werden täglich weniger und die „Geheime Kanzlei Tax“ wird nit gering gefordert. (Für die Ausfertigung der Dokumente), also das zweifle, ob hier ganz werde zahlen können.

17.5.1762 Runding, zurück von einer Reise aus Hatzkofen

Nothafft hat Katarrh
Dr. Halser (aus Kötzting) und er Dennerle und beschwert sich über eine unglaublich staubige und beschwerliche Reise von Hatzkofen nach Straubing. Wo immer sie hingekommen waren, regiert der Katarrh sehr stark und ist bei Menschen sehr gefährlich.
Auch in seinem Hause sei alles krank, sein Schwiegervater auch  (Lehrer Daller in Kötzting, stirbt auch wenige Tage später), der Beneficiat von Blaibach liegt beständig in einem ser heftigen Stöckh Katarrh und so fast der ganze Pfarrhof zu Playbach.
„Die Nedl zeigt zu Kötzting, was sie für eine Bestie sein müsse- 3 mall hat sye das Gericht schon auf Playbach herabgesprengt und das Kündt balt in ihres Vatters Haus, bald auf den grossen Weiher, bald in einem Graben neben dem Regen begraben zuhaben vorgegeben…….glaublich aber wird es ihr auf eine scharfe tortur ankommen.:

Morgen und übermorgen wird der erste Kalch ausgeben und gestert haben wür das erste Mall den hiesigen Sommerkeller angegriffen.
Während deme das zu Häzkofen gewesen ist die alhiesige Schmidtin auch gestorben, vorgestern waren hier 3 provisionen (Aussegnungen) gestert in der fruhe aber 2 auf Lederdorn.


22.5.1762 von Runding nach Straubing

Es wird immer schlimmer mit den Krankheitsfällen, seit 8-10 Tagen gäbe es fast täglich 2-3 Versehgänge und auch 1-2 Beeerdigungen. Zwar meist ältere und kranke Menschen. In der Hofmark Lichtenegg habe es aber sogar zwei junge Söldner erwischt und innerhalb weniger Tage habe sie das „Seithenstechen“ geschlagen. Selbst sein Schwiegervater wird in wenigen tagen vor Gott erscheinen müssen.
Letzen Mittwoch habe man ihm alle Heiligkeiten gereicht und gestern habe ihm der H:P. Prior die general absolution ertheilt. Sein Zsutand ist halt auch ein Stikcrthar undd er wenige Auswurf, so gehet ist, ganz roth, deswegen mir eben der Dr. Halser gesagt hat, das kein Hofnung eines aufkommens mehr vorhanden. Ich bin also über diesen laydigen zuefahl aus mehrern Ursachen recht consterniert und erwartte alle minuten die nachricht von dem würckhlich erfolgten Todtfahl welcher meinen Schwiegervatter noch immer zu frühe sein will, obschon ihm die Schwigermutter beständig von denen himmlischen Freuden so auf ihn wartten, beständig was vorsagt und sonderbahr zuespricht, dass er sich umb die böse Welt nicht mehr scheren oder längers in selber zubleiben verlangen solle, so den Kranken Man villen vertruss macht, weil er gar gerne noch lenger leben mechte.
Noch etwas macht Probleme, der Getreidepreis: es wird sich wohl eine Hungersnoth ereignen, weil as 2 jährig zerfressene Schäffl Korn tatsächlich 8 Gulden kostet und da er welches an die Untertanen abgibt, hat er nun 100 Dukaten für seinen herrn erzielt.
Er selber wolle am Quatember Mittwoch nach Straubing reisen und rate dem herrn Baron nicht zu früh an die Lufft und in den Staub zu gehen. Der Balibacher Beneficiat ist immer noch bettlägrig und Herr Frischisen kann keine Messe mehr lesen und mit der Nedl wird es allen Ansechen nach auf die Tortur ankommen.
P.S. in abgewichener Nacht ist die alte Carl Schneiderin alhir gestorben und die Garttner Miedl ligt  auf dem Peth

29.6.1762


Offensichtlich gab es ein sehr kräftiges Gewitter nördlich von Straubing.
Auch in Runding hat es wohl stark geregnet.
Ernte, das Rhaindorfer Feld wurde abgeerntet, das Getreiderost (Reiff) habe fast die Hälfte vernichtet, was man erst gemerkt habe, als man in der Mitte des Felds angekommen war. 
Ansonsten wird das gesamte Korn von Rhaindorf und Vierau noch heute in die Scheuer kommen, und wenn es bis Samstag so bliebe dann auch der Weizen.
Für die meisten Untertanen ist es ein wahres und unaussprechliches Ellent. Da schon die wenigsten einen Samen auf das Velt haben, ia selben umb das gelt nit auftreiben können.
Dem Herrn Baron von Tiernig auf Arnschwang gehe es gut und dieser vergnüge sich in Stachesried noch täglich, wie vorher der Herr Baron von Poissl und seine Gemahlin von Hochenwarth, denen ich m Anna Tag zu Grafenwiesen aufgewarttet, lassen sich zu Gnaden empfehlen und hoffen Eur Gnaden werde selbe doch einmal in Hochenwarth besuchen.
Der Herr P: Heinrich ist nit nach Kötzting kommen, sondern statt dessen der P: Vilgili, obschon der Herr Praelath es dem Herrn P. Prior anfänglich selbst geschrieben und man dahero glauben will, daß es der Herr Paelath blos zum Schrecken dess Herrn P: Prior gethan habe.

Der Chorherr Ruederer muess wahrhaftig ein sehr schlechter Christ sein
Wann der Herr Kammerdirektor emerit declarirt und der Herr Baron von Berchem als Gesandter auf Regensburg kommen sollte, so wollte wahrhaftig selbst ein grosses guettes Werkh verrichten, dan diese 2 Herrn seint wahre Geiseln der Beambten…..
Schriftwechsel mit Herrn von Schönstein, welcher von einem consens  aber sonst hinten und vorna gar nichts schreiben würde. Er – Dennerle – aber glaube, dass aus der Sache nichts werden würde.
Ansonsten hätte er alles versucht, um Geld einzutreiben um den herrn Nothafft in Stand zu setzen und die Zinsen von 1500 Gulden für Hatzkofen bestreiten zu können, was er auch geschafft habe. Dieses Geld würde er mit einer Münzenliste durch den Hiesigen Häusler Doll nach Landshut bringen lassen.









Familie der Nothafft


Der Neffe Baron Cajetan von Nothafft sitzt in Amberg und braucht dringen Geld zu seinem Lebensunterhalt. 200 Gulden hätte er gerne, die Summe ist aber jenseits von Gut und böse für den Verwalter Dennerle und so schlägt dieser vor, 1 ist ihn im Staatsdienst unterzubringen und vorher für ihn in Landshut einen Kredit zu besorgen. Offensichtlich möchte/muss er nach Ingolstadt fahren und schon die Fahrtkosten aufzubringen macht Dennerle Schwierigkeiten, geschweige denn für eine "Equipage", also eine standesgemäße Ausrüstung zu sorgen.

Namen
von Luger - im Zusammenhang mit Runding
Graf von Closen - im Zusammenhang mit Schuldzahlungen
Freifrau von Stinglheimb (Barbara Rosa von Stingelheim eine geborene Nothafft) - zusammen mit der Gräfin Susanna Nothafft auf der Burg Runding welche den Niesbrauch als Witwe des Grafen Nothafft hat.
Frau Jaquemodin - bekommt Geld
Graf Norawitzky in Ingolstadt(!), war Hofgerichtsrat sowie Direktor und Vizestatthalter in Ingolstadt, zu ihm sollte wohl der Baron Cajetan, der Neffe, geschickt werden.

Kleinigkeiten
1745: Zu Kötzting bin ich Gott Lob noch nie gewesen, habe auch die Schulmeister Tochter noch nie sehen können.
Der Lärnbecher Müller zu Gmünd ist auch gestorben
Eine tolle Schießscheibenbeschreibung: - hier übertragen in moderne Sprache


Am Montag ist alhir Schießen, und eine schöner Schafbock (Schafwidder) als Preis.
Die Scheibe aber, genauer besehen, zeigt in oberen Teil einen Kirchturm mit einer heraushängenden Kirchweihfahne, das offensichtlich in Wolken sich zeigt. Unter diesem befindet sich eine Wiese, worauf eine Wildsau weidet, von beiden Seiten von Hunden umgeben. Von der Seite kommt eine Hand bzw. ein schwarz gekleideter Arm, der die Sau am Schwanz hält und darunter steht:


Wo sonst der Hunden zwölf
die Sau nit könnten fällen

da tuets ein Wunderhand
zum Fang gerecht herstellen

Weltuntergang
München 24.1.1751
…sonst ist allhier in der Statt der größte Lärmen und eine solche Forcht, die nicht zu beschreiben ist, es sollte nemblich auf Donnerstag den 28. diss alhir etwas erfolgen, worüber die ganze Welt erstaunen werde. Einige halten es vor ain Erdtböben, die andere vor eine gravierende Überschwemmung vermittels ausgereissung des Waller See, andere, das es an diesen Tag Feuer regnen sollte und soforth.
Wenigstens ziehlt der Englische Wahrsager auf ein großes Übel, jedoch unwissent in was landt oder Ohrt. Man will schon behaubten, es wären bereits einige Herrschaften in der Still hier abgangen, ich will halt den Straich abwartten, zum Voraus aber glaube nichts.


17.5.1762

die Litanei bei dem heyl. Joh: v. Nepomuk auf der pruckhen werde würklich die ganze Octav alle täg halten und iedesmal hierbei schiessen umb eur Gnaden völlig gesundheit wider zuehalten.