Manchmal fügen sich Jubiläumsjahr und Archivarbeit auf besonders schöne Weise zusammen. Ein solcher Glücksfall ergab sich nun bei der Durchsicht des Kretschmerarchivs: Im Jahr 1955, als die neu errichtete Matthäuskirche in Kötzting eingeweiht wurde und dabei noch im selben Jahr auch ihre Kirchenglocken in Kötzting ankamen, erhielt auch die katholische Stadtpfarrkirche ein neues Geläut – ein Ereignis, das in Kötzting nicht nur kirchlich, sondern auch öffentlich begangen wurde. Der feierliche Empfang der Glocken auf dem Kötztinger Marktplatz geriet zu einem großen Moment des gemeinsamen Erlebens.
Bislang waren von dieser Feier vor allem unscharfe Zeitungsaufnahmen bekannt. Im Firmenarchiv Kretschmer jedoch haben sich drei hochauflösende Fotografien erhalten, die diesen besonderen Tag eindrucksvoll dokumentieren. Sie erlauben einen sehr unmittelbaren Blick auf ein Ereignis, das wir alle gar nicht mehr in der Erinnerung haben (können).
Im Folgenden stehen zunächst die zeitgenössischen Berichte aus den beiden Kötztinger Lokalzeitungen über den feierlichen Empfang der vier Glocken, bevor anschließend die neu aufgefundenen Fotografien vorgestellt werden.
"Samstag 28. Mai/Sonntag 29. Mai 1955
"Die alten und die neuen Glocken läuten Pfingsten ein
ab. Kötzting. Erstmals wird das große vollständige Geläute unserer Pfarrkirche am morgigen Sonntag das Pfingstfest einläuten. Mit vielen Umständen verbunden, wurden die drei neuen Glocken am vergangenen Mittwoch in den Glockenstuhl hinaufgezogen. Selbst unser H. H. Dekan Dietl hat es sich nicht nehmen lassen, bei dieser so einmaligen Arbeit mitzufeiern. Wenn wir nun noch einmal einen Blick in die Geschichte der alten Glocken tun, so erfahren wir, daß die zweitgrößte, welche 1725 von Florido in Straubing gegossen wurde, im vergangenen Krieg heruntergeholt, jedoch nach Beendigung desselben wieder zurückgebracht wurde. Die größte Glocke, welche 1778 in Straubing von Sedlmeier gegossen wurde, zeigt das Bild des Gekreuzigten und ist eine Stiftung der Familie von Gehring, der ehemalige Besitzer des Schlosses von Reitenstein. Auch diese Glocke wurde im letzten Krieg heruntergeholt. Da man jedoch ihren eigentlichen Kunstwert erkannte, vermied man es, diese fortzuschicken. Die kleinste Glocke des bisherigen Geläutes soll in Zukunft ihren Dienst in der St.-Veits-Kirche versehen. Die größte von den neuen Glocken ist die „Marienglocke“ mit der Inschrift „Maria gedenke deiner Kinder“. „Hl. Michael verteidige uns im Kampfe“, sind die Worte am Rand der mittleren Glocke, welche dem hl. Erzengel Michael geweiht ist. Dem hl. Bruder Konrad ist die kleinste der neuen Glocken geweiht. Ihre Inschrift lautet: „Hl. Bruder Konrad nimm dich der Notleidenden an“. Dieses neue Geläute besteht aus fünf Glocken verschiedener Größe. Mögen diese Glocken eine neue Zeit einläuten, die erfüllt ist vom Heiligen Geiste. Aus dem Gutachten, das Herr Domkapellmeister Max Tremel aus Passau über die neuen Kötztinger Glocken abgegeben hat, sei Folgendes hervorgehoben: Die Glocke „Maria Königin“ besitzt prachtvollen Nachhall (122 Sekunden), die Glocke „St. Michael“ besitzt einen erstklassigen Aufbau der Innenharmonie (Nachklang 143 Sekunden). Die Glocke „St. Konrad“ hat eine absolut reine Oberoktav und fügt sich den anderen zwei Glocken in ihrem Klang sehr fein an (Nachhall 130 Sekunden). Das Gesamtgeläute ist von seltener Schönheit und Vielfalt, ein Glockenquintett, wie es nicht überall hängt. Kötzting besitzt nun ein Vollgeläute von erster Güte, zu dem man der Pfarrei herzlich gratulieren kann. Herr Domkapellmeister hat als Glockensachverständiger die beiden großen Glocken des alten Geläutes überprüft, so dass er auch über das Gesamtgeläute ein sachverständiges Urteil abgeben kann."
"Die neuen Glocken für die Stadtpfarrkirche wurden geweiht.
„Mögen diese Glocken eine neue Zeit einläuten“
Kötzting. Schon länger als ein Jahrzehnt wünschten sich die Gläubigen der Stadtpfarrei Kötzting ein vollständiges Geläute. Nun ist es so weit. Unter großen Opfern und Mühen hat unsere Stadtpfarrkirche drei neue Glocken erhalten. Wie wir bereits berichteten, wurden sie am Sonntag geweiht. Um das alte schöne Geläut wieder zu vervollständigen, setzte die Pfarrei alles daran, vor dem Kriege hingen im Kirchturm fünf Glocken. Neue Schwierigkeiten tauchten auf. Der Glockenstuhl musste erneuert werden, weil die alte fünftrachtige Geläute nicht mehr aushielt. Die bisherige Messglocke aus dem Jahre 1415 bedarf der größten Schonung. Sie wird ihren Dienst in St. Veit weiter versehen. Die neuen Glocken, gegossen in der Gießerei Rudolf Perner, Passau, sind der Mutter-Gottes, dem hl. Erzengel Michael und dem hl. Bruder Konrad geweiht. Auf der Marienglocke steht „Maria gedenke deiner Kinder“, weil Kötzting Marienpfarrei ist. Die zweite Glocke trägt die Inschrift „Hl. Erzengel Michael — verteidige uns im Kampfe“. Auf der dritten Glocke ist eingeschrieben „Heiliger Bruder Konrad — nimm dich der Notleidenden an“. Mögen diese Glocken eine neue Zeit einläuten, die erfüllt ist vom hl. Geiste.
Auch die Kötztinger Zeitung beschrieb in einem Begleitartikel nicht nur die Geschichte und die Art der Kötztinger Kirchenglocken sondern widmet einen ganzen Absatz der Beschreibung der historischen Glocken des ehemaligen Kreisgebietes.
:"KÖTZTINGER ZEITUNG
Die neuen Glocken im Glockenstuhl
Festliches Geläut leitet Pfingsten ein
Glockenaufzug ohne Zwischenfall — Alte Messglocke kommt nach St. Veit
Kötzting. Die neuen Glocken der Kötztinger Stadtpfarrkirche, die aus der Gießerei Rudolf Pernauer, Passau, stammen und am vergangenen Sonntag von Dekan Josef Dietl bei einer Marienfeierstunde vor St. Veit geweiht worden sind, hängen seit Mittwoch im Glockenstuhl. Das fünffache Geläut, das sich die Pfarrei Kötzting unter großen Opfern erworben hat, wird erstmals an Pfingsten erklingen.
Die Arbeiten des Glockenaufzuges, die mit Hilfe einer Seilwinde vorgenommen wurden, verliefen ohne Zwischenfall in einer verhältnismäßig kurzen Zeit und konnten noch am Nachmittag des Mittwoch abgeschlossen werden. Im Zuge der Maßnahme wurde der bisherige Glockenstuhl erneuert und mit einer verbesserten Aufhängevorrichtung versehen. Die bisherige, aus dem 14. Jahrhundert stammende Messglocke, die größter Schonung bedarf, ist aus dem Geläut entfernt worden. Die am Samstag nach Kötzting überführten Passauer Glocken sind der Muttergottes, dem Erzengel Michael und dem hl. Bruder Konrad geweiht. Sie tragen folgende Inschriften: „Maria, gedenke Deiner Kinder“, „Hl. Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe“, „Heiliger Bruder Konrad, nimm Dich der Notleidenden an“. Das Geläut der Kötztinger Pfarrkirche bestand bereits vor dem Kriege aus fünf Glocken, die aus dem 15. Jahrhundert und aus den Jahren 1629, 1708, 1778 stammten.
Es ist in diesem Zusammenhang nicht uninteressant die Geschichte der Kirchenglocken in Kötzting und dem Landkreis zu verfolgen. Freilich, so manche von ihnen erklingt nicht mehr, weil sie in den Kriegsjahren wie vieles andere Opfer der „totalen Erfassung“ geworden ist. Noch heute aber können die Pfarreien Kötzting und Chamerau die ältesten Glocken des Kreisgebietes nachweisen, obgleich sich noch in drei Pfarreien des Kreisgebietes Glocken ohne Gießernamen aus der Spätgotik befinden. Von dem Regensburger Meister Hans Burkoph wurde eine Glocke zu Lam (1522) und eine zu Zenching (1533) gefertigt. 1599 schuf die herzogliche Hofgießerei in München Martin Frel eine Glocke für Neukirchen hl. Bl. Die bezeichneten Glocken des 17. Jahrhunderts kamen vornehmlich von Regensburg und Straubinger Gießereien. Aus der Bischofsstadt lieferte ein Georg Schelchshorn zwei Glocken von 1609 bzw. 1628 nach Zenching. Johann Gordan Schelchshorn zwei nach Neukirchen hl. Bl. (1681 und 1683) und 1688 eine nach Chamerau. Aus Straubing lieferten die Meister: Georg Lehner, 1607 nach Neukirchen hl. Bl.; Georg Degner 1636 nach Eschlkam; Paul Gleißnöck 1652 ebenfalls nach Eschlkam, Johann Gleißnöck 1689 nach Kötzting. Die Gussorte des 18. Jahrhunderts waren wohl ausschließlich Straubing und Stadtamhof, wenn auch über kleinere Glocken wie in Götzlhof, Haidstein und Bachmeierholzen (1791) diesbezügliche Angaben fehlen. Von Straubinger Meistern sind zu verzeichnen: Johann Georg Sedbauer 1708 in Kötzting, 1714 in Neukirchen, 1716 in Rittsteig, Paul Pernand Dietrich 1749 in Neukirchen, Johann Florido 1764 in Grafenwiesen, 1767 in Rimbach, 1773 in Rittsteig, 1778 in Kötzting, 1784 in Weißenregen, Joseph Spangl 1794 in Steinbühl, 1798 in Blaibach. Von den Gießereien Stadtamhof lieferten: Martin Neumair 1733 nach Rimbach, 1742 nach Eschlkam, Marton Neumair, 1752 nach Blaibach und Steinbühl (Joseph Neumair), Erhard Kilner 1755 nach Schönbuch, 1758 nach Weißenregen, 1760 nach Trailling, 1761 nach Großaign, 1762 nach Schöneich und 1765 nach Kötzting."
Stadtpfarrer und Dekan Josef Dietl spricht hier vor dem Lastwagen mit den Glocken
Nun aber zu den neuentdeckten Bildern aus dem Kretschmerarchiv:
Schön zu erkennen im Hintergrund, dass es beim "Fleischmann" noch eine "böhmische" Hofeinfahrt gegeben hatte.
Seit Herbst 2025 gibt es darüber hinaus eine besondere Neuerung: die Interaktive Karte Kötztings. Auf ihr sind alle bisherigen Beiträge zur Häuserchronik sowie zahlreiche weitere historische Themen direkt in einer Stadtkarte verortet. Jeder Marker führt mit einem einzigen Klick zu den passenden Blogbeiträgen – übersichtlich, schnell und jederzeit abrufbar. Die Karte funktioniert auf jedem PC und auch auf Mobilgeräten. Wer möchte, kann sie sogar als kleine App auf dem Smartphone speichern und wie ein eigenes Programm starten.
Wer neugierig geworden ist und sich auch manche Beiträge über andere Kötztinger Anwesen ansehen möchte, kann die Karte hier öffnen: 🗺️ Interaktive Karte Kötzting öffnen
was gibts diesmal: viele Bilder, viele Zeitungsausschnitte und drei Filmschnipsel und viel zu lesen
Dieses Bild habe ich vor Jahren zufällig in die Finger bekommen - es stammt vermutlich aus dem sogenannten Krämerarchiv - und ich erinnere mich noch als wäre es gerade erst gewesen.....
Eigentlich ist es ja ein Wimmelbild, bei dem sich üblicherweise Details erst nach längerem Betrachten erschließen.....trotzdem habe ich SOFORT beim ersten Blick auf das Bild gesagt, "das ist ja mein Vater in der Mitte". Erst danach habe ich mir das Bild genauer angesehen und damit war auch bald die Bedeutung klar: Es ist der Fackelzug des Burschen und Wanderervereins Pfingsten 1948 und Sonntag Abend gegen 22.30 Uhr. Zentral in der Mitte mein Vater mit einer unbeschrifteten Laterne. Er war der Brautführer in diesem Jahr. Seine Laterne verdeckt im Bild die Nase des Pfingstbräutigams, Hans (Buberl) Dattler. Grassl Wolfgang, der zweite Brautführer müsste die Person sein, die rechts von meinem Vater steht, Rücken zum Photographen, ebenfalls mit einer Laterne in der Hand. Laut den Unterlagen, die wir von dem Pfingstfest 1948 im Stadtarchiv haben, müsste es sich bei der Musikkapelle und die Kapelle Mühlbauer aus Hohenwarth handeln. Für die damalige Bildtechnik und angesichts der Tatsache, dass es finster und Alles in Bewegung war, eine tolle Aufnahme.
Dies nur zum Anfang, einfach ein ganz besonderes Bild aus dem Jahre 1948
Grundsätzlich ist das Jahr 1948 immer noch wesentlich bestimmt von den Folgen des Zweiten Weltkriegs mit all den Sorgen um Essen, Wohnraum, Heizmaterial. Veranstaltungen und Vergnügen waren noch sehr dünn gesäht, und mussten auch sehr umständlich, als "geschlossene Gesellschaft" mit "geladenen Gästen abgehalten werden und natürlich einzeln von der amerikanischen Militärregierung zur Genehmigung vorgelegt werden.
Im Juni 1948 kam es dann zur großen Währungsreform, die mit der tranchenweisen (ähnlich wie bei der Euro-DM Umstellung) Einführung der DM begann und als direkte Folge die schrittweise Reduktion der Lebensmittelkarten bei gleichzeitiger Steigerung der Inflation mit sich brachte. Die Gewinner dieser Reform waren die Besitzer von Waren und Gütern, die allermeisten Bewohner unserer Heimatstadt hatten zunächst einmal nur Nachteile, weshalb die Marktverwaltung ab Anfang August auch wöchentlich dem Landratsamt einen Zustandsbericht senden musste. Diese Berichte des zweiten Halbjahres geben einen guten Einblick in die Härten des Kötztinger Alltages. Doch dazu später im Jahresverlauf.
Aber nun der Reihe nach:
Kappenabende und Tanzveranstaltungen im Fasching waren noch nicht möglich, das Bier war auch noch "Dünnbier", die allgemeine Lage noch sehr trübe und die Aussichten zuerst einmal auch nicht besser:
Die "Kötztinger Umschau" sollte erst im September/Oktober 1948 als eigenständige Ausgabe erscheinen. Vorher - 1947- gab es in der MZ aus Regensburg eine Rubrik Bayerwald, wo manche/wenige Informationen über Kötzting zu finden waren. 1948 dann war die Informationsfülle schon dichter, es gab eine eigene Ausgabe für Cham und dort war Kötzting schon besser vertreten.
MZ vom Februar 1948
Über die ungarischen Einheiten, deren Pferde hier behandelt wurden wurde an anderer Stelle bereits kurz berichtet. Bepp Fischer erinnert sich, wie er mit den Panjewagen nach Cham zur Schule gefahren war.
MZ vom März 1948
Kötzting sah in diesem Jahr 3 Direktoren bei der Militärregierung, am 15. März, wie im obigen Zeitungsausschnitt erwähnt, übernahm Lt. 2nd Glenn E. Breeland die Leitung in Kötzting von seinem Vorgänger und dieser wiederum wurde im Oktober 1948 von Major M.P. Kroposky abgelöst, der als erstes versuchte die Landkreisverwaltung kennenzulernen und auch den einen oder anderen Besuch bei örtlichen Betrieben ankündigte. Eine Einrichtung, die es in Regensburg bis weit hinein in die 80er und 90er Jahre begeben hatte, ein AMERIKAHAUS, wurde angekündigt, und wenig später auch mit einer Anfangsbücherei von 300 Büchern eröffnet, dieses "Amerikahaus" war im Hause der Militärregierung in der Marktstraße, heute die Volksbank an der Ecke Schirnstraße.
Theateraufführung der Kolpingfamilie beim "Leboid"
nicht zu vergessen, wir sind noch 10 Jahre davon entfernt, dass die Fernsehapparate einigermaßen erschwinglich wurden, fast jeder Verein hatte seine eigene Theatergruppe und vor allem die Kolpingsfamilie konnte da auf eine jahrzehntelange Tradition verweisen. Anfang Mai wurde im Vereinslokal Januel, der ja ungefähr seit der Jahrhundertwende einen eigenen Saal mit Bühne hatte wieder eine Komödie gegeben: "Die schöne Postmeisterin". Ich hab mal im Internet nachgesehen, was das für ein Stück war: "Ein Singspiel mit 4 Akten unter Benutzung von einigen bekannten Volksliedern", sagt zumindest Mr. Google
Von dieser Aufführung, bzw. vom Ensemble haben wir ein paar tolle Aufnahmen im Arbeitskreis
Repro 1314 Theater Kolpingsfamilie, Die
Personen von links sind Ramsauer, unbekannt, Zeinz Hilde /Liebl, Dattler
Karl-Heinz, Hofer Adolf, Greß Schorsch, Imhoff Karl, verdeckt Frau Hauser,
Kerscher Bepp, Hauser Jakl, Karl. B. Krämer, Pfarrer Dietl, vordere Reihe Liebl
Rosmarie/ Schubert, Kunstmann Ernst, Wieser Heinerl, Reil
Milla/Lerach.
Bild Arbeitskreis Heimatforschung: Theatergruppe 1948 Kolpingsfamilie "die schöne Postmeisterin" 2,3,4,5. Mai 1948 im Januelsaal . Von links:
Mitte des Jahres wurde auch der Bürgermeister neu gewählt.
Altbürgermeister Schödlbauer - der sich bereits 1919 den "Kötztinger
Revolutionären" in den Weg gestellt hatte - und dabei verprügelt worden war -,
1933 von den Nazis zum Rücktritt gezwungen und von der Militärregierung
im Mai 1945 wieder eingesetzt worden war, trat nicht mehr an. Der
neue Kötztinger Bürgermeister war ein alter Bekannter, der Kaufmann Hans
Kroher der im Dritten Reich, Mitte der dreißiger Jahre, die
Nachfolge, des in Kötzting aus privaten Gründen nicht mehr haltbaren
NSDAP Bürgermeisters Hoiss angetreten hatte
Dass
sich Hans Kroher zur Wahl stellte war übrigens bei dieser, seiner ersten,
Wahl der Nachkriegszeit nicht unstrittig, ich habe - mittlerer weile in
das Stadtarchiv Kötzting überführt - ein anonymes Flugblatt, das die
Kontinuität Hans Krohers vom Dritten Reich direkt hinein in die
Nachkriegsdemokratie sehr polemisch kommentiert.
Repro 0007 Herr und Frau Liebl, Lebzelter, der
stellvertretende Bürgermeister von 1948
Repro 535 eines Bildes von Walter Demme
das mittlere Haus auf der rechten Seite war der
"Lebzelter". Hinweis: auch der große Kastanienbaum
und der schräge Kellerabgang auf der linken Seite gehörten zum
Straßenbild und zum Bauernhaus des Heinrich Rabl - später ausgesiedelt in die Schattenau. Im Hintergrund als Straßenabschluss der "Wieser Girgl" bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts Kötztings Gefängnis
MZ vom Mai 1948 Michael Liebl, der "Le(b)zelter" aus der Schirnstraße,
meine einzige Bezugsquelle als Kind von sonntäglichem Speiseeis, wurde
der stellvertretende Bürgermeister. Anstelle des Cafes ist jetzt der
Parkplatz unterhalb des Kaufhauses Wanninger.
Pfingsten 1948
Nun wurde es tatsächlich Mai und Pfingsten tauchte am Horizont auf:
die Pfingstakteure 1948 von links: Graßl Gangerl - Oberberger Maria -
Dattler Buberl - Clemens Pongratz, mein Vater, als GAANZ junger Mann
Die Pfingstfestakten passen im Jahre 1948 - in späteren Jahren umfangen diese 4-5 übervolle Aktenordner - noch in einen sehr dünnen Aktendeckel. Trotzdem findet sich darin ein sehr interessanter Schriftwechsel zwischen dem Pfarrer Dietl und dem Kötztinger Magistrat.
Der Pfarrer beschwert sich ausdrücklich über Durchstechereien bei den märktischen Vorschlagslisten und beharrt auf SEINER freien Auswahlmöglichkeit und weigert sich einem, wie auch immer gearteten, Zeitdruck nachzugeben.
Stadtarchiv 320/948 Pfingstakten von 1948 Streit zwischen Pfarrer und Magistrat
Stadtarchiv Kötzting 320/948 stark verblasstes Beschwerdeschreiben des Kötztinger Pfarrers Dietl, der Streit geht weiter.
Repro 1389 von links Ludwig Barth Sattlermeister,
Bürgermeister Schödlbauer, Pfarrer Dietl.
nach all dem Hin und Her, endlich haben wir ein Brautpaar mit seinen beiden Begleitern Stadtarchiv Kötzting 320/948
Nun gehts an die Einladungen und ans Programmmachen, wobei diese Punkte idR immer von den Vorjahresdaten übernommen und nur neu angeglichen wurden.
Pfingstprogramm 1948, zum letzten Male ist die Kranzlübergabe auf dem Bleichanger (Jahnplatz) bereits 1949
steht dort das erste Kötztinger Pfingstvolksfest.
der Brautzug 1948 - damals noch getrennt vom Burschenzug
Die Verhandlungen für die Musikkapelle führten zu einem Auftrag für die Kapelle Mühlbauer aus Hohenwarth. Ein kleiner vermerk am Rande rechts führt auch die Kapelle Traurig auf (vermutlich für den zweiten Tag der Pfingsthochzeit), die Währung ist noch in Reichsmark, 2 Monate später haben wir die DM und andere Preise.
Karikatur zum Wirtschaftsamt MZ vom Februar 1948
Die Einladungen gingen raus und sind ein WHo-isWho der Kötztinger Behörden. EA ist das Ernährungsamt, zuständig für die Verwaltung des Mangels an Nahrung, Kleidung, Heiz- und Baumaterialien.
Spruka ist die Spruchkammer, ein juristisches Organ, das für die Entnazifizierung zuständig war und im Bereich des Landkreises Kötzting mehr als 2000 Verfahren durchzuführen hatte.
WA dürfte das Wirtschaftsamt sein, eine Behörde die zu versuchen hatte die lokale Wirtschaft anzukurbeln
Jetzt wird's Ernst, Pfingsten kommt näher und das Marktgemeinderat lädt die Mitglieder des Pfingstkommitees zur Sitzung: Der Mesner Karl ist dabei, Karl Gerstl, der Zugordner Wolfgang Kolbeck (Gams, ein sehr kleiner aber auch sehr energischer Mann, unser Nachbar, der sich immer zu Pfingsten für den Ritt bei uns die Breechesreithosen ausgeliehen hat), der Schlosser Heigl, der Braumeister Hastreiter, dann Herr Früchtl und Max Zahorik.
Foto Archiv Kretschmer, Pause in Steinbühl, rechts der Gams, Zugordner und Mitglied des Pfingstkommitees mit "unseren" Breecheshosen, ich hab die Jahre später mal im Fasching angezogen ;-)
Themen der Kommiteesitzung
Organigramm für die Traidersdorfer
Wie immer wurden auch die Traidersdorfer gebraucht um die Ordnung im Zug aufrechtzuerhalten, die Zahl der Teilnehmer festzustellen. Hier das Schreiben an die Gemeindeverwaltung und die Feuerwehr von Traidersdorf.
Am Schluss musste noch bei der Preisüberwachungsstelle und bei der
Militärregierung um Erlaubnis nachgefragt werden und dann konnte, nach der Genehmigung am 7.5.1948 dann der
Pfingstmontag kommen.
Bei uns im Stadtarchiv haben wir die unterschiedlichsten Sammlungen und Nachlässe integriert, eines davon ist das sogenannte "Krämerarchiv", bzw. die Teile, die von der früher sicherlich noch wesentlich umfangreicheren Sammlung ans Stadtarchiv abgegeben wurden. Auch K.B. Krämer hatte Pfingstordner für einzelne Jahre abgelegt und dort fanden sich einige Originale aus dem Jahre 1948, die nicht (mehr) im Stadtarchiv selbst zu finden sind.
So kennen wir von ihm einen Vergleich der Kosten von Seiten des Marktes für den Pfingstritt vom Jahre 1931 mit dem Jahre 1948:
Krämer Archiv Bad Kötzting aus dem Ordner Pfingsten 1949 (!)
Der Vermerk (abgew) rechts neben dem Pfingstkränzchen von 1948 KÖNNTE bedeuten, dass der Markt seine Rechnung für das Kränzchen erst NACH der Währungsreform bezahlt hatte und damit der Preis mit einem Faktor abgewertet werden konnte/musste.
Darüber hinaus enthält der Akt von 1949 auch noch eine Teilnehmerliste des Pfingstrittes von 1948, hier eine Seite mit vielen bekannten Namen
Wie Eingangs bereits beschrieben gab es im Mai 1948 noch keine Kötztinger Umschau, daher war der Ritt nur in der Mittelbayerischen Zeitung Ausgabe M = Chamer Ausgabe vertreten und dort auch nur eher allgemein gehalten.
Diarepro Arbeitskreis Heimatforschung, Danke an Frau Rabl Dachs und Frau Kretschmer, die mich immer schnell mit passendem Bildmaterial versorgen. Rechts oben, der Priester mit dem exakten Haarscheitel, ist Pater Augustin Böttcher, ein großer Förderer der Kötztinger Jugend, ein Kooperator, der sich standhaft geweigert hatte - so wurde mir berichtet - am Pfingstritt teilzunehmen. von links: Graßl Richard, Dattler Buberl, Pongratz Clemens, Frau Dattler, Herr
Dattler, Pater Augustin, Pfarrer Dietl, Kooperator ?, Winter Hans
betrachtet man die Personen, die Form der Fenster, dann sollte/müsste das vorherige Bild innerhalb in diesem Haus Müllerstraße 10
gemacht worden sein, rechts am Rande sieht einen abgesperrten Bereich für die Bewirtung der Burschen
Der Filmausschnitt stammt aus dem Pfingstfilm von Siegfried Ehemann, der Filmaufnahmen von mehreren Pfingstfesten zu einem Film vereint hat
Bericht über den Pfingstritt 1948 in der Mittelbayerischen Zeitung Mai 1948
Wie schon im Vorjahr, haben wir auch hier einen Filmausschnitt des Pfingstgeschehens, Ehemann Siegfried, dessen Schwester im Vorjahr die Pfingstbraut gewesen war, hatte in diesem Jahr begonnen das Pfingstgeschehen auch mit bewegten Bildern festzuhalten.
Der Burschenzug
von 1948 im Film von Siegfried Ehemann
die Braut erscheint.....
Brautzug hinüber über die alte Oberbergerbrücke
Fronleichnam 1948
Repro 609 Fronleichnam 1948 An Fronleichnam wurde die "schwarze Gehstorfer Madonna" von
Mädchen (trgende Jungfrauen) mitgetragen. v. li.gerti Fischer, Gertrud
Gruber/Schnabel, Helga Kroher, Kroher Traudl, Marianne Greß/Kretschmer,
Kinder vornr v.li. Feßmann Rosemarie, Pleier Muckerl.
auch von diesem alten Brauch haben wir einen kleinen Filmschnipsel von 1948
der neue Landrat
MZ vom Mai 1948 zur Wahl des Landrats
Im Mai gab es auch noch einen Wechsel im Landratsamt, der vorherige Landrat Pfarrer Josef Pongratz leitete die Sitzung in der der Chamer Oberregierungsrat Josef Scholz als Hauptamtlicher Landrat von der Mehrheit der Kreistagsabgeordneten gewählt wurde. Interessant ist in diesem Zusammenhang der Kreisausschuss: hier taucht zum ersten Male (für mich) der Name eines Politikers auf, der in unserem Raum über Jahrzehnte für, ich nenn´s mal, jede Menge an Vorschlägen und Überraschungen gut war: der Jager Wiggerl, Ludwig Volkholz, damals für die Bayernpartei tätig
Es wurde September und die Kötztinger Umschau erblickte das Licht der Welt:
Kötztinger Umschau vom September 1948
Vitus Oexler jun. dessen Vater wie den 1939 eingestellten Kötztinger Anzeiger verdanken, war der erste Geschäftsstellenleiter der "Kötztinger Umschau". Die Kötztinger Zeitung musste noch gut ein Jahr warten, bis das Straubinger Tagblatt und damit die "Kötztinger Zeitung" dann seine Lizenz von der Militärregierung bekommen hatte.
Nun gab es in Kötzting eine eigene Geschäftstelle und eine eigene mehrseitige Lokalausgabe: schlagartig wurden die Berichte umfangreicher und zahlreicher:
Repro 1514 Vitus Oexler jun. an seinem Arbeitsplatz
Zum Geleit der Kötztinger Umschau:
Das Amerikahaus
Repro 1373 Archiv Heimatforschung links das Gebäude Ecke Marktstraße und Schirnstraße wurde für mehrere Jahre der Sitz der amerikanischen Militärregierung und ab 1948 auch das "Amerikahaus"
die Kultur in Kötzting eine Demokratie soll entstehen durch Druck von außen
Das Amerikahaus in der Marktstraße sollte ein Treffpunkt und ein Kulturzentrum in Kötzting werden KU9/48
die Bildung einer Kulturgemeinde KU 11/1948
Gleich mit den ersten Artikeln der Lokalausgabe im September geht es Schlag auf Schlag:
Im Herbst 1948, Monate nach der Währungsreform, setzt in Kötzting tatsächlich eine rege Bautätigkeit ein, trotzdem wird es im Dezember notwendig sein, an die Abgehängten und Verlierer dieser Reform zu denken. Im Archiv findet sich ein Akt dieser großen Hilfemaßnahme zu Weihnachten, dies ist ein solch besonderes und herzerwärmendes Vorhaben der Kötztinger Bürger für ärmere Schichten, dass ich dies zu meinem Weihnachtsblog für 2018 machen werde.
im September 1948 starb eine Kötztinger
Instutition, der Photograph Franz Pleier, zwei
Generationen von Kötztingern wurden in seinem
Atelier vor den immer gleichen Hintergründen
abgebildet.
Am Ende das Aufgebot des Pfingstbräutigams
des Vorjahres Franz Rabl
Doch zurück zu den Neubauten im Herbst 1948: das Krankenhaus wird vom Seraphischen Liebeswerk komplett neugebaut, Dr. Leis baut an der Lamer Straße, Hafnermeister Schwarz stellt sein Haus in der Schattenau fertig und an der Blaibacher Straße sind es die Häuser von Richter Richard jun. und Wensauer Gottfried die neu gebaut werden. An der Umgehungsstraße Haus-Blaibach (heute Westumgehung)ist es der Transformatorenbau mit angeschlossenem Wohnhaus.
Max Meidinger in der Müllerstraße errichtete einen neuen Holzanbau und die Bäckerei Liebl bekam einen neuen Backofen. Herr Gress renovierte sein Wohnhaus und läßt nun auch noch an der Mühle bauliche Veränderungen vornehmen.
der Photograph Pleier Repro 3174
Gleichzeitig erfahren wir, dass im Gasthaus Mühlbauer (Godl) ein Posterholungsheim für die Angestellten, Beamten und Arbeiter der Deutschen Bundespost errichtet wird. Der Turnbetrieb des Kötztinger Turnvereins wird wegen des Ausbruchs der spinalen Kinderlähmung im Landkreis Kötzting bis auf weiteres eingestellt.
Das Bild des - ganz am Anfang - für Oktober neu eingeführten Direktors der Militärregierung stammte noch aus der Hand Franz Pleiers, der die Veröffentlichung seiner Portraitaufnahme nicht mehr erlebte.
im Dritten Reich wurde sehr schnell nach der systematischen Ausschaltung der Opposition und der danach folgenden totalen Machtübernahme im März 1933 (die Kanzlerschaft ab Januar war ja erst der Einstieg zur totalen Kontrolle) auch auf allen nachgeordneten Ebenen des politischen und zivilen Lebens das sogenannte Führerprinzip eingeführt. Auch bei vereinen wurde nicht mehr, wie vorher und nachher üblich, eine Vorstandschaft gewählt, sondern 1(!) Vorstand, der sich danach seine Mannschaft zusammenstellte. In diesem "Kadavergehorsam" - staatlich gelenkt durch Institutionen wie, Jungschar, BdM (Bund deutscher Mädchen) und HJ (die Hitlerjugend)- wuchs somit eine ganze Generation junger Deutscher heran. Der Wille der Bürger bzw. der Mitglieder zu Einzelfragen war nicht mehr relevant. Nun sollte auf Druck der Siegermächte in Deutschland die "verlorene" Generation aber auch die älteren Deutschen von den Vorteilen einer Basisdemokratie überzeugt werden. Die Kommunen wurden verpflichtet regelmäßig Bürgerversammlungen und -befragungen durchzuführen. Themen, die den Bürgern unter den Nägeln brannte gab es natürlich genügend, schließlich war der Altlandkreis Kötzting noch überfüllt mit Flüchtlingen, die Arbeitslosigkeit war extrem hoch, die Wirtschaft begann nach der Währungsreform erst langsam wieder durchzustarten, der vergangene Winter war hart und der nächste stand vor der Tür. Die Teilnahme an den ersten "Abenden" lies wohl zu wünschen übrig, denn schon im Oktober stellte sich die Frage: "was sollen die bringen"?
gefordert und gefördert durch die Militärregierung bildeten sich Interessengruppen, um quasi mit Druck von unten die Politiker und die Politik im allgemeinen auf ihre Probleme aufmerksam zu machen und Lösungen zu fordern KU9/48
eine andere Zielgruppe der Militärregierung war die Förderung der Jugendlichen, diese Theateraufführung war bereits einmal Thema eines Blogs, da die hier angesprochene "katholische Jugend" - die Fahne dieser Vereinigung war übrigens bis vor wenigen Jahren in Besitz von Ludwig - Wigg - Brandl - Diese Gruppierung war der Kristallisationskern der Kötztinger Pfadfinder, angeschoben durch Pater Augustin Böttcher - nicht zu verwechseln mit dem späteren Stadtpfarrer Augustin - , der auf einigen Bildern der 1948er Pfingstakteure auch zu sehen ist,.
Wie klamm es nach der Währungsreform auch in den Gemeindekassen zuging zeigt eine kleine Nachricht aus der Gemeinderatssitzung von Rimbach: ganze 12.99 DM waren noch flüssig vorhanden bei offenen Rechnungen von 844.39 DM.
Alte Traditionen lebten auch wieder auf, das traditionelle Pferderennen von Großaign zum Kirta im Oktober 1948
KU 10/1948
Wie eingangs bereits angemerkt, kam im Oktober ein neuer Direktor der Militärregierung nach Kötzting und bat die Bürgermeister zu einem Antrittsbesuch. Die im Artikel angesprochene Zusammenarbeit der einheimischen Bevölkerung mit den Flüchtlingen führte zu einer tollen Weihnachtsaktion 1948, die aber in einem eigenen Blog zu Weihnachten 2018 beschrieben werden wird. Schön zu sehen in diesem Artikel ist auch eine Liste von älteren Geburtstagskindern, Namen die vielen Kötztinger bekannt sein dürften.
Treffen der Bürgermeister mit dem Landrat:
Das Treffen der Bürgermeister des Landkreises Kötzting bietet ein Bild des Zustandes in
unserer Heimat. KU von 1948
Alternative Baufinanzierung in Gehstorf
Der Bau des Feuerwehrhauses stockte gewaltig, die Kasse war leer...... was tun. Der Ostmarkonkel konnte helfen, eine Bauernhochzeit wurde organisiert und die Einnahmen sprudelten zumindest so gut, dass der Bau fertiggestellt werden konnte. Von der Bauernhochzeit haben wir im Arbeitskreis ein Bild und an dieser Stelle ein Dank an Frau Rabl Christa, die mir dieses tolle Stück passend zu den Zeitungsartikeln geschickt hat.
Repro 251 Arbeitkreis Heimatforschung Bauernhochzeit in Gehstorf, der zweite von links ist der Ostmarkonkel Conrad Krämer selber.
Und so wurde es November in Kötzting 1948 und der Bau wurde endlich fertig
KU 11/48 interessant, dass bis dahin die Gehstorfer Gemeindekanzlei
offensichtlich im Kötztinger Rathaus integriert war, das war mir bisher
neu, nun eben im Feuerwehrhaus.
72 Teilnehmer beim Martiniritt 1948 in Miltach KU 11/1948
Auch ein Großunternehmen fängt einmal klein an......
Und schon geht das Jahr zuende, es wird Dezember in Kötzting 1948
Das schon seit dem Frühjahr angekündigte Projekt "Amerikahaus" wird Wirklichkeit, eine Bücherei mit zunächst 600 englischsprachigen Büchern wird im Haus der Militärregierung eröffnet. 200 deutschsprachige sollen noch hinzukommen und die verschiedensten Zeitschriften stehen zur freien Verfügung.
Im Prinzip ist die Gründung einre Volkshochschule in Kötzting auch nur eine andere Seite der Förderungsmedaille durch die Amerikaner. Kultur nicht von oben sonder direkt aus der Mitte der Bevölkerung.
Während es heutzutage bei der Volkshochschule ein sehr breit gemischtes Angebot aus den verschiedensten, auch anwendungsbetonten, Bereichen gibt, lag der damalige Schwerpunkt vor allem in der Vermittlung von kulturellen Inhalten. So war es nicht verwunderlich, dass die weiter oben berichtete Kulturvereinigung als erstes Angebot und Vorbild galt.
das Jahr 1948 endete für mich mit zwei kleinen Artikeln, deren Inhalte man vlt einmal genauer untersuchen könnte. Zum einen stellte der Ostmarkonkel einen Lamer/Grafenwiesener Volksliedersänger Aschenbrenner vor und in einer Kleinanzeige wird eine kleine Bilderausstellung beworben: Im Schaufenster der Fa. Kriege (=Schötz in der unteren Marktstraße) stellt ein Wettzeller Maler mit dem Namen M E Y E R Aquarelle mit Kötztinger Motiven aus. Ich habe von beiden Personen noch nie etwas gehört, was aber nicht viel zu sagen hat, weil diese Bereiche nicht zu meinen großen Interessen gehören, aber das wären Bereiche in denen vlt einer meiner Leser firm ist. Hinweise UND Mitarbeit werden gerne entgegengenommen.
Repro 2072 einer Zeichnung resp. Aquarell von Josef Meier mit seinem Bruder aus Rothenbaum abstammend
Am Schluss nur noch ein Bild, das ich, so wie das eingangs Gezeigte vom Fackelzug, einfach nur toll finde:
Die Kötztinger Feuerwehr bei einer überregionalen Feuerschutzwoche:
Repro 0692 Arbeitskreis Heimatforschung Kötzting
Feuerwehr 1948 Brandschutzwoche
Tannenegg, Gruppe vor Feuerwehrauto von rechts:Huber Xaver, Januel Max,
Rabl Heiner, Kerscher Josef, dahinter ?, Pfeffer(Achtler) Franz, Greß
Georg, Mühlbauer Georg(Dimpfl Dagg), Holzer Josef, ?, Pleier
Franz(Trapper).
Das also war die Jahreschronik von 1948......1949 bringt vor Allem viele
Neuerungen rund um unser Pfingstfest, das Volksfest, das Pfingstfestspiel, Eugen
Hubrich und sein wieder enger werdender Kontakt zu Kötzting und,und,und
aber das kommt erst zum Pfingstbeitrag 2019.
erster ;-) Nachtrag:
in einem Stapel privater Unterlagen, die immer wieder - ich kann nur immer wieder meine Leser auffordern zuhause so ab und zu mal nachzuschauen, was so alles auf dem Speicher oder in Schränken befindet - fand sich in dieser Woche tatsächlich ein Programmheft für Pfingsten 1948, ich wußte gar nicht dass es dieses gab:
Schuat man sich die Mannschaftsaufstellung aber an, so stehen da unter Anderem auch Dattler und Ludwig, es steht zu vermuten, dass der Pfingstbräutigam am Pfingstmontag nachmittag eher NICHT am Fussballspiel teilgenommen hat, sage ich mal....