Die Stadt Kötzting hatte sich wohl mit den beiden großen Umzügen 1971 - ein historischer Umzug - und 1972 - ein großer Faschingsumzug mit Paula Volkholz und ihrem juristischen Beamten Dr. Karl als die Hauptfiguren in einem Wetterhäuschen - etwas verausgabt. Im Jahre 1976 waren es jedenfalls vier Umlandgemeinden, die große Umzüge veranstalteten:
Arrach, Haibühl, Warzenried und Blaibach.
Hier nun die Bildreportagen dieser Veranstaltungen von vor 50 Jahren.
Beginnen wir mit der Faschingshochzeit in Arrach:
Die Arracher hatten ihre Wagen mit Narreteien vollgeladen
Faschingshochzeit mit viel Gaudi und noch mehr Geld / Alle Teilnehmer profitierten, die Sportler werden’s noch
Arrach (kdy). [so weit ich weiß, zeichnete Frau Fritz aus Hohenwarth mit diesem Kürzel] Das Wetter hatte es am Samstag mit den Veranstaltern der Faschingshochzeit gut gemeint. Die Sonne schien, als sich der farbenprächtige Gaudizug durch den Ort wälzte. Kind und Kegel waren auf den Beinen, groß und klein, jung und alt, und alle maskiert. Die „Dampfrösser“ tuckerten, als wollten sie die lange Fahrt, so schwer beladen, gar nicht schaffen, die Pferde hatten alle Mühe, die ihnen aufgebürdete Last über die Höhen zu bringen. Alles Volk schrie, jubelte. Alaaf und Helau klang es aus Hunderten von Kehlen. Es war „der“ Tag für die Arracher mit Trauung und Hochzeitsmahl, mit Ofenschüsselrennen und Brautstehlen.
Schon Wochen vorher hatten alle Vereine (FFW, SC, Trachtenverein, Wanderverein Grün-Schwarz, Wintersportverein, Schützenverein und der Stammtisch „Die stillen Zecher“ geplant und vorbereitet. Das war ein Wetteifern untereinander! Bürgermeister Alois Mühlbauer sprach von einer einmaligen Kameradschaft. In so enger Zusammenarbeit gelang, was man sich vorgenommen hatte. Es wurde herrlich, närrisch und ganz schön verrückt an einem Tag im Fasching 1976!
Nach der Formierung des langen Zuges, selbstverständlich mit sehr viel Fußvolk (die Wagen waren vollgeladen mit „Zweibeinern“, die man kaum erkannte) ging es bergauf und bergab, denn Arrach liegt ja angeschmiegt an den Fuß des Kaitersberges. In Rathausnähe fand dann die Trauung statt, die der Standesbeamte Reinhard Kieslinger, von Beruf Gemeindesekretär und in derlei Dingen „versiert“, vornahm. In Reimen sprach er seine „Hochzeitsrede“, die von der Braut Marlene Philomena Haarambau (Alois Brandl) mit einem lachenden und einem weinenden Auge verfolgt wurde. „Angerührt“ zeigten sich auch der Bräutigam Hieronymus Kaspar Hupfinshöh (Walter Mühlbauer) mit dem Ehrenvater Karolus Stoffmacher (Karl Weber), der Ehrenmutter Friedericke van der Siedlung (Friedrich Schmid), die Kranzjungfrauen Bernadette Ofenabfall (Bernhard Aschenbrenner) und Luise Lederhammer (Alois Mühlbauer), sowie die Trauzeugen Hanserl Schnupfenhandler (Karl Kieslinger) und Freddy Vawakal (Manfred Klingseisen).
Nach dieser „närrisch“ wichtigen Zeremonie auf dem Postament vor dem Rathaus begaben sich alle Gäste zum Hochzeitsmahl (Weißwurstessen) ins Gasthaus Ernst Aschenbrenner. Der Wirt hätte anbauen müssen, denn die Räumlichkeiten reichten bei weitem nicht aus, alle Gäste aufzunehmen. Tische und Stühle wurden noch aus der Nachbarschaft herbeigeholt und in jedes freie Eckerl gestellt. Die Braut, ins Café Rackl gestohlen, musste ausgelöst werden. Nach altem Bauernbrauch kam auch das Ofenschüsselrennen dran, das der Tormann des SC Arrach/Haibühl gewann. Als Letzte ins Ziel schleifte sich noch Josefine Achatz, die Schnupftabak für ihre „linken“ Füße bekam. Schließlich rief um 20 Uhr der Hochzeitslader zum Schenken. Das Schenkgeld kam in Scheinen, glitt raschelnd in den Behälter, wusste man doch, für welch einen guten Zweck es benötigt wurde. Alle Erwartungen wurden übertroffen, es ging ein ansehnlicher Betrag ein, der selbst Bürgermeister Mühlbauer überraschte. All die Mühe, die viele Kleinarbeit, die Großtaten, die wochenlangen Vorbereitungen im Wettstreit aller teilnehmenden Vereine und der Bevölkerung haben sich tausendfach gelohnt.
Der Vorsitzende des SC Arrach/Haibühl, Bürgermeister Alois Mühlbauer, dankte allen, die in Geschlossenheit und echter Kameradschaft etwas auf die Beine stellten, was Arrach noch nicht gesehen hatte. Es war ja die erste Faschingshochzeit, es soll aber nicht die letzte gewesen sein. Maskiert, mit einem Sombrero auf dem bürgermeisterlichen Haupt, war der „Chef“ inmitten der Faschingsgaudi „ernstlich“ überrascht, als er den Betrag erfuhr, den die Hochzeitsgäste gespendet hatten. Er wird gut angelegt und findet Verwendung als „Zugabe“ für den Bau neuer Sportanlagen.
Die Faschingshochzeit 1976 in Haibühl
In Haibühl wurde die „Ehe auf Zeit“ zur „Hochzeit des Jahres“
Alles war echt, nur Braut und Bräutigam nicht! / Und in sämtlichen Auktionen des Festes war der Faschingswurm drin
Haibühl (kul). Zu einem großartigen Erfolg für Veranstalter, Mitwirkende und Zuschauer wurde die „Hochzeit des Jahres“ am Samstag. Der Petrus hat es ganz besonders gut mit den Narren gemeint, denn den ganzen Tag über war strahlender Sonnenschein. Während des Umzuges bot sich ein farbenprächtiges Bild und Luftschlangen, Konfetti und Süßigkeiten wirbelten durch die Luft. Aus der ganzen Umgebung waren die Zuschauer gekommen und alle Straßen und Plätze waren dicht besetzt.
Ein wichtiges Amt bekleidete der Hochzeitslader Franz Mutterer, der neben 1. Vorstand Josef Huber vom Heimat- und Volkstrachtenverein „Tanneckler“ wirklich die Hände voll hatte, damit die Faschingshochzeit perfekt durchgeführt werden konnte. Leicht aber hatte es auch der Standesbeamte Josef Rainer nicht, er musste ja die eigentliche Zeremonie am Dorfplatz vollziehen und es gab großes Gelächter, als die Trauung vorgenommen wurde und aus dem närrischen Paar Johanna (Hans Weber) und Zentio (Zenta Rainer) ein „Ehepaar“ wurde.
Die „Hochzeitsfeierlichkeiten“ begannen schon am Vortag mit dem Polterabend, der zuerst beim Bräutigam und anschließend bei der Braut gefeiert wurde. Am „Hochzeitstag“ bewegte sich ein stattlicher Zug unter Vorantritt der Musikkapelle schon am Vormittag durch die Kirchenstraße, um die Braut Johanna abzuholen. Die „Gaglhenn“ wurde im Gasthaus Xaver Meindl gefeiert. Das traditionelle „Ofenschüsselrennen“ wurde durchgeführt. Den ganzen Vormittag über waren schon ständig Maskierte und Kostümierte unterwegs, um mit dem Brautpaar diesen denkwürdigen Tag zu feiern. Der Umzug am Nachmittag bot ein herrliches Bild. Er wurde angeführt von einer Gruppe des Reit- und Fahrvereins Hohenwarth. Sämtliche Vereine des Gemeindebereiches und erfreulicherweise auch ein Verein aus Lam mit einem stattlichen Wagen hatten ihr Möglichstes getan. Das Brautpaar und sein närrisches Gefolge wurden selbstverständlich in einer geschniegelt herausgeputzten Kutsche gefahren. Dann kam der „Kammerwagen“, von einem Kuhgespann gezogen. Der Fremdenverkehrsverein hatte mit seinem „Verpflegungswagen“ – es gab Kaffee und Krapfen – ebenfalls einen großen Einfall. Nach der Trauung folgten das Brautstehlen, die Brauttänze und nach altem Brauch und Sitt auch das Schenken. Bis auf den allerletzten Platz war der Saal des Gasthofes Meindl besetzt und die Hochzeitsgäste gaben sich fröhlich und ungezwungen. Die „Tanneckler“ hatten ihre wochenlange Arbeit ihren verdienten Lohn.
Der Faschingsumzug 1976 in Warzenried
Mehr als 2000 Zuschauer beim Faschingszug in Warzenried
Natürlich durfte auch die große Politik nicht fehlen. So verabschiedete sich ein „Landtagsabgeordneter“ in einer augenzwinkernden Rede vom „Muster-Dorf“ Warzenried – ein Seitenhieb auf die Gebietsreform. Für Heiterkeit sorgten auch die beiden „Kampfhähne“ des Sportvereins, die vorsichtshalber in einem Käfig untergebracht waren.
Als besondere Sensation des Umzuges galt die „Alt-Weibermühle“, die unter dem Motto „Aus alt wird wieder neu“ dargestellt wurde. Auch der Bau der Reithalle in Warzenried und weitere örtliche Themen wurden in humorvoller Parodie verarbeitet.
Den Abschluss bildete vor dem Gasthaus Neumeier eine Szene rund um den in Warzenried gleich dreimal angesetzten Pferdemarkt – samt weiterem „Getier“. Mit dieser gelungenen Mischung aus Lokalbezug, Satire und närrischem Einfallsreichtum endete ein Faschingszug, der den Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben dürfte.
Aufnahme: kel
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| Unter 50 Gruppen auch die „Olympia-Anwärterinnen “ |
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| „Ehepaar für die närrischen Tage“ mit großem Anhang |
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| An Ideen mangelte es den Veranstaltern nicht. Aufnahmen: khu |
„Fasching total“: Gaudiwurm wälzte sich durch die Straßen
Mit Blaibach standen 2000 Zuschauer auf dem Kopf / Preis für viel Fleiß: der schönste Faschingszug
Blaibach (khu). Alle Jahre wieder muß man den Ideenreichtum, die Mühen und Arbeit der Vereine bewundern. Sie scheuen nicht einmal Kosten, damit die Tradition des Blaibacher Faschingszuges erhalten bleibt. Bei strahlendem Sonnenschein fanden sich mehr als zweitausend Schaulustige zum großartigen Treiben ein. Ganz Blaibach stand Kopf. Fazit: Es war der bisher schönste Faschingszug.
Schon beim Standkonzert am Kirchplatz sammelte sich eine Menschenmenge. Der Gaudiwurm setzte sich von den Parkplätzen des Freibades in Bewegung. Bunt war der Spielmannszug. Das letzte Bayerwaldbockerl am Anfang, dann folgte Wagen auf Wagen; dazwischen das Fußvolk. Da gab es Flieger, Katastrophenschutz, Märchen, Raubatoler, Jagdschutz, Kneipphaus, Rennfahrer, TSV mit Damenmannschaft — ein langersehnter Wunsch, Damenkegelclub einsame Herzen — „s’ Betterl ist bereit“, Geld spielt keine Rolle am Schusterberg, Damengymnastikgruppe Olympiareif, Ponys und vieles mehr. 50 Gruppen und Wagen. Das hat es noch nicht gegeben.
Erfreulich heuer viel Fußvolk und im besonderen viele Kinder. Hier hat sich das Wirken der Lehrerschaft großartig ausgewirkt, desgleichen beim Kindergarten. So gab es Kinderwagen, Pillenknick, Pfingstbrautpaar, viele Einzelfiguren. Als krönender Abschluß der Wagen: die Prinzengarde.
Allen Teilnehmern des Faschingszuges gehört Anerkennung. Sie haben Tausenden Zuschauern viel Freude vermittelt und sicher aus eigener Überzeugung, weil auch sie (die Mitwirkenden) Spaß an der Gaudi haben.
Der grandiose Faschingszug löste sich beim Jugendheim auf. Hier kam noch für die Kinder die große Stunde. Sie wurden heuer für ihr Mitwirken beschenkt. Die Vereine ließen das Werfen der Bonbons nicht unterlassen und so wurden die Geldmittel für die Kinder aufgewendet. Dank, weil sie den Gaudizug so begeistert haben. Dann war diese große Schau auf Blaibachs Straßen beendet. Konfetti und Papierschlangen gaben Zeugnis.




























