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Freitag, 1. Mai 2026

Die Pfingstreitermesse

 Eine Anregung zur Diskussion im Jahre 1976:

Die Pfingstreitermesse einmal als Feldmesse?

Am Pfingstmontag stehen Tausende vor der Pforte der überfüllten Nikloauskirche in Steinbühl

Mit dieser Überschrift stellte Dieter Reithner mit einen umfangreichen Artikel den "Platz"  Pfingstreitermesse in Steinbühl zur Diskussion und ging dabei auch auf ein paar jener Weichenstellungen und Streitpunkte ein, die vor allem in den 1960er Jahren in Kötzting für Empörung  und Debatten gesorgt hatten.


"Eines vorweg, um Missverständnissen vor
zubeugen: Der Verfasser dieses Beitrages will keinem jener „Reformer“ das Wort reden, die in jedem Jahr etwas anderes ändern wollen, um den Pfingstritt "attraktiver zu machen.
So muss etwa auch der Vorschlag einer anonymen Reiseleiterin, die im Viechtacher Bayerwaldboten in einem Leserbrief zum Pfingstritt Stellung nahm, als wahrer Krampf bezeichnet werden: „Geschlossen und zügig an- und wieder abreiten, mit deutlicher Spitze (durch Fahne oder anderem gekennzeichnet), um die sich alles scharen kann." Soweit das wörtliche Zitat. Bei einem Gelöbnisritt dürfte das Kreuz wohl als „deutliche Spitze“ gut genug sein. Dies nur ein Beispiel dafür, wie unsinnig Verbesserungsvorschläge sein können.
Fest steht auch, dass der Kern des Pfingstfestgeschehens unangetastet bleiben muss. Zu diesem Kern zählt in jedem Fall auch der Pfingstreitergottesdienst in Steinbühl. Es sollte aber erlaubt sein, über das „Wo“ zu diskutieren. Zumal dieses „Wo“ auch von Bedeutung für das „Warum“ sein kann.
Zunächst einige Feststellungen zur Reitermesse in Steinbühl:

Die Reitermesse in Steinbühl 

Der nach der Überlieferung als Reitermesse bestehende Gottesdienst in der Filialkirche in Steinbühl ist ein Bestandteil des Pfingstrittes als Bittprozession. Die Gestaltung der Reitermesse obliegt dem Geistlichen Offiziator. Weil die Umstände beim Pfingstritt für eine hochliturgische Gottesdienstfeier keinen Raum lassen, soll die Reitermesse in einfacher und schlichter Form abgehalten werden.
(Feststellungen des Pfingstrittkomitees vom 7.6, 1968).

Aus dem Bericht des Kötztinger Magistrates an die königliche Kreisregierung Passau 1821, „Mit entblößtem Haupte bethet die andächtige Schar berittener Wallfahrer bis zur Kirche des Hl. St. Nikolaus in Steinbühel, woselbst ein des Verlöbnisses anständiger Gottesdienst abgehalten wird, von wo sonach der Rückzug auf die ähnliche Art beginnt“.

Seit 1945 war es Brauch, dass während der Reitermesse Pfingstbräutigam und Brautführer am Speisgitter der Pfingstreiterkirche laut vorbeteten. Erst mit der Liturgiereform nach dem II. Vatikanischen Konzil gibt es keine bindenden Vorschriften mehr.

1968 Aufführung der „Pfarrkirchener Messe“, die jedoch von den Pfingstreitern und vom Pfingstrittkomitee im Gegensatz zum veranstaltenden Expositus Albert Melchner von Steinbühl als „Tradition- und Stilbruch“ sowie als „deplatziert" bezeichnet und unter schärfstem Protest abgelehnt wurde.
Jazzmesse in der Kötztinger Pfarrkirche mit Expositus Albert Melchner



1969 schreibt Georg Rauscher, Würzburg, auf Anregung von Karl B. Krämer eine „Pfingstreitermesse“, die von Oberlehrer Josef Ramsauer, Weißenregen, vertont worden ist. Diese Messe ist in den letzten Jahren zum festen Bestandteil der Reitermesse in Steinbühl geworden.

Drinnen oder draußen?

Die Frage, ob die Reitermesse nicht als Feldmesse gehalten werden könnte, wird seit
Jahren immer wieder angesprochen. Zu einer ernsthaften Diskusslon, in der man die Nachteile der einen oder anderen Form handelt hätte, gab es allerdings nicht. Es haben nach dem Pfingstritt von heuer Kaplan Johannes Gschlößl, dem Geistlichen Offiziator, und „Hausherr" Expositus Albert Melchner über die Möglichkelt, die Pfingstreitermesse messe als Feldmesse zu hallen, gesprochen.
Trotz aller organisatorischen Schwierigkeiten, die eine Feldmesse mit sich brächte, würden sie eine Feldmesse befürworten. Der Hauptgrund: Mehr Menschen könnten und würden in die Fürbitten und Dankgebet einstimmen. Schließlich kommen nicht alle Besucher nach Steinbühl, um nur zu schauen, nur Pferde und Reiter zu bewundern.
Eine Feldmesse (als Standort des Altars wäre der Platz unter einer der mächtigen Linden neben der Kirche denkbar) würde auch den Nur-Schaulustigen zeigen, worum es beim Pfingstritt geht und
Bekommt der Gast nur Ein- und Ausritt,  Würstlbraterei und Durstlöschen mit, so sieht er im Pfingstritt nicht viel als Volksfest oder „Folklore“. Er ist ja verschlossen vom Gebet. Zu bedenken ist, dass viele Besucher aus nah oder fern nicht um einer Schau willen kommen. Sie kommen,  um mit den Reitern den Gottesdienst zu feiern, um mit den Pfingstreitern Fürbitte und Dankgebet zum Himmel zu schicken

Und die Pfingstreiter selbst: Wer von den weit über 400 Reitern hat überhaupt Chance, nach der Ankunft und nachdem die Pferde untergebracht und versorgt sind, in das Gotteshaus zu gelangen? Die Eingänge sind verstopft, die Kirchenbänke schon kurz nach dem Einritt voll besetzt. Ein Umstand der manchem auch nur allzu leicht als Ausrede für sein Fernbleiben vom Gottesdienst dient. Würde man nicht wieder mehr Pfingstreiter vor dem Tisch des Herrn in Fürbitte und Dank antreffen, wenn dieser Tisch des Herrn leichter zugänglich wäre?

Pfingstreitermesse 1973 v.l. Wolfgang Ludwig - Hans Wolfgang Dittrich - Held Bepp

Kirche Steinbühl: Pfingstreitermesse 1973
links OL Ramsauer beim Dirigieren des Chores
erste Reihe v.l. Hans Kuglmeier - Sepp Zahorik - Schwarz Sepp - Dr. Stefan Dittrich
zweite Reihe v.l. Alexander Schubert - Barth Schorsch  - Pagany Willi - Graßl Franz
dritte Reihe ganz rechts Siegfried Mark
An der Kirchenwand v.l. Michael Hastreiter -  Otto Gerstl - Adolf Schwarz - Franz Kirschbauer
Ich bin mir sicher, dass die Kinder zwischen den Erwachsenen zu diesen gehörten und benannt werden können.


Manches Hindernis....

Selbstverständlich spricht manches gegen die Verlegung der Reitermesse aus der Kirche vor oder neben die Kirche. Da ist einmal die Frage der Platzwahl. Wie bereits wähnt, der Altar könnte auf dem erhöhten Platz neben der Kirche errichtet werden unter den schattenspendenden Linden.
Gläubigen hätten auf der großen Fläche zwischen Kirche, dem ehemaligen Gemeindehaus und dem Gasthaus Graf genügend Platz. Am Rande dieser Fläche jedoch würden sich vermutlich Andacht und Gebet in Trubel der Unterhaltung der weniger am Gottesdienst interessierten Besucher verlieren. Außerdem : Wo sollen die zuletzt eintreffenden Pfingstreiter hin, wenn der Platz bereits gefüllt ist. 
Probleme, die sich gewiss lösen lassen.
Doch das Hauptproblem:
Ist der Eingriff in das 
Brauchtum nicht zu groß, wenn man die Messe nach draußen verlegt?
Bei allen Überlegungen, zu denen Pfarramt, Pfingstrittkomitee und Stadtrat aufgerufen sind, sollte man jedoch eines nicht unberücksichtigt lassen: Pfingstritt und Reitermesse bedeuten nicht nur den Reitern Gottesdienst. Nicht alle, doch viele Besucher und Gäste wollen mitbeten, wollen mithören wollen mitfeiern.  


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