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Freitag, 5. Juni 2026

Kötztinger Häuserchronik - alte Hausnummer 113

 Das "alte Kötzting" bei der Uraufnahme bei der beginnenden Landvermessung hatte 159 Anwesen. Der Geschichte dieser Bürgerhäuser und ihrer Bewohner nachzuspüren und sie zu dokumentieren, ist das Ziel dieser Häuserchronik. Die Anfänge und die Entwicklung unserer Heimatstadt – von der Teilung der Urhöfe bis zur Ernennung Kötztings zum Landgerichtsort – lassen sich in einem einleitenden Blogbeitrag ausführlich nachlesen.

Für die nächsten zehn Häuser in der Liste gilt allerdings eine Besonderheit:Die Anwesen mit den alten Hausnummern 113 bis 123 lassen sich zwar weit in die Vergangenheit zurückverfolgen, wurden jedoch nach dem verheerenden Marktbrand von 1867 aufgrund des neuen Straßenzuschnitts im unteren Markt nicht mehr an ihrem ursprünglichen Standort errichtet.
Mit dem Bau der unteren Marktstraße, des Pfeffergrabens und später der Holzapfelstraße entstand vielmehr ein völlig neuer Ortsteil, in den die „alten“ Hausnummern übertragen wurden. Die eindeutige Identifizierung dieser Häuser ist deshalb heute nur noch über die übernommenen Hausnummern möglich.

Alte Hausnummer 113

beim  Drickl


Detail aus Vermessungsamt Cham: 5168-2100-LiquiP_Bad_Koetzting_1831_Beilage_M2500_1_1-01

Das „südliche Anhängsel“ an unserem rot markierten Haus Nr. 113 mit der Nummer 98 diente damals – die Karte stammt aus dem Jahr 1811 – als Stadel für landwirtschaftliche Fahrzeuge des heutigen Hotel zur Post. Später wurde das Gebäude als Nebengebäude der Firma Haas genutzt. 
Wegen des oben beschriebenen Zuordnungsproblems bildet das Häuser- und Rustikalsteuerkataster von 1811 für uns den ersten „Anker“, von dem aus wir weiter in die Vergangenheit vorzustoßen versuchen können.
Eine zusätzliche Schwierigkeit liegt darin, dass dieses Häuser- und Rustikalsteuerkataster die erst 1840 eingeführten endgültigen Hausnummern noch nicht kennt. Eine hilfreiche Hand hat jedoch wohl schon bei der Erstellung des Grundsteuerkatasters von 1840 diese „Entschlüsselung“ vorgenommen und die späteren Hausnummern mit Bleistift am Rand vermerkt.
StA Landshut Rentamt Kötzting Rep 300 B27
Markt Kötzting - Bro 107(!) Joseph Druckl - (in Blei: HN 113)
a:Das zum Theil gemauerte, zum Theil gezimmerte Haus mit Stall und Schupfe, dann 
b: einen Hausgarten
Nutzantheil an den noch unvertheilten Gemeindegründen
Gemeindsantheil im Kroith
( heute der Schinderbuckel) ao 1803 zu Acker cultiviert
Noch ein erkhaufter Gemeindeantheil in den Kroithhäng ao 1803 zu Acker und Wiese cultiviert
Das aus den Klosterpfarrgründen erkaufte Ackerl im Kroith

Diese Sucharbeit in Richtung der Vergangenheit endet mit dem Kötztinger Mesner Johann Georg Arendt, der bei einem Hausweiterverkauf im Jahre 1744 als der vorherige Besitzer angegeben ist.
Es ist leider fatal, dass es in der Reihe der Kötztinger Briefprotokolle eine ärgerliche Lücke zwischen 1742 und 1744 gibt, die es uns nicht erlaubt, den Hausbesitzer vor JG Arendt zu erfahren.
Somit haben wir als ersten belegbaren Hausbesitzer den Kötztinger Pfarrmesner Johann Georg Arent.

Johann Georg Arendt
mehr zu den Kötztinger Mesnern in der Häuserchronik des Mesnerhauses:


Josef Schaffner


 
StadtA Kötzting Verhörsprotokoll 1739ff vom 8.7.1744
Burgersaufnamb
Weillen Joseph Schafner gewester Preim: zu Eschlkamb, dem H: Johann Georgen Arent Pfarrmösnern alhier sein Bürgersgheusl aberkhaufft; als hat man deme auf seinBeschechen Gezimmentes Bitten, vor ainen Burger an: und aufgenommen, dergestalten, daß er zumm pactiwerten Burgerrecht 6 fl 50xr bonifizoieren: auch all Burgerli: gehorsamb laisten solle id est 6 fl 40 xr
In der Kammerrechnung fol. 12 verrechnet
.
Bereits im Jahre 1742 ist ein Brauer Joseph Schaffner in den Kötztinger Pfarrmatrikeln zu finden, als er - als Witwer und Brauer in Miltach bezeichnet - die Kötztinger Metzgerstochter Anna Maria Pirzer heiratete. (30.6.1742)

Am 30. März 1751 ist der Verkauf des Hauses durch Josef Schaffner an die verwitwete Küfnerin Maria Anna Dirnberger protokolliert. Im Verkaufsprotokoll wird dabei nochmals auf den vorherigen Erwerb durch J. G. Arent vom 8. Juli 1744 Bezug genommen.

Dirnberger Maria Anna 


Der Kaufpreis betrug 166 Gulden und bei der Lage des Hauses heißte es: "ufm Pfeffergraben und negst Wolf Haertl , Weber entlegen". 
Nachdem es in der Familie Dirnberger - deren Haus in der Nachbarschaft gelegen ist - zeitgleich einen Generationswechsel mit Hausübergabe gegeben hat, steht zu vermuten, dass die Witwe Dirnberger für sich und ihre noch ledige  Tochter - oder noch weiteren Kindern - das Haus gekauft hat, denn gerade mal 5 Jahre nach dem Kauf übergab Maria Anna Dirnberger das Haus an ihre Tochter Katharina und den "Tochtermann" Josef Bauer.
StA Landshut Markt Kötzting Briefprotokoll von 1757: Kopf der Verkaufsurkunde
Kaufsybergabs Beschreibung
per 150 fl
Anna Dirnbergerin verwittibt
burgerliche Kueffnerin alhir


Josef Bauer und Katharina Dirnberger


Maria Anna Dirnberger verkauft das am 30. März 1751 von Josef Schaffner erworbene Haus am Pfeffergraben, unweit des Schlossers Häusl gelegen, mitsamt Wurzgärtl und Gumpbrunnen um 150 Gulden an ihre Tochter Katharina Dirnberger. Dabei wird ausdrücklich vereinbart: "dieser Gumpbrunnen geht mit Benno Strasser - das ist der Schlosser - im gemainschaftlichen Genuss." Der Mutter wird zudem das "vorhandene Stibl" als Herberge zugesichert sowie "ain Orth im Stahl zu Haltung ainiges Schaaf aingeraumbt". 

Am 23.1.1758 heirateten der Kötztinger Schneidersohn Joseph Bauer - Sohn des Kötztinger Ratsherren und Schneiders Andreas Bauer und seiner Ehefrau Anna - die Kötztinger Küferstochter Katharina Dirnberger - Tochter des Küfers Johann Georg Dirnberger und seiner Frau Anna, einer geborenen Schwarz.  Die Trauzeugen waren die beiden Bauern Michael Bauer aus Reckendorf und Vogl Johann aus Meinzing.

PfA Kötzting Band 14 Seite 161 Heiratseintrag 

Im Sommer des darauffolgenden Jahres schließt das Ehepaar einen eigenen Heiratsvertrag. Darin bringt der Schneidermeister die "von seiner Mutter gekaufte Schneidersgerechtigkeit" vertraglich in die Ehe ein, während seine Frau im Gegenzug das von ihrer Mutter erworbene Haus in die Verbindung einbringt.

Im Jahre 1760 muss der Schneider Joseph Bauer eine ganz besondere Strafe von 17 Kreuzern bezahlen. Sein Vergehen: das Alleinehüten.
Zu dieser Zeit wurden die Kötztinger Nutztiere noch in einer gemeinsamen Herde, angeführt vom Gemeindehirten, zum Weidegang auf die der Allgemeinheit zustehenden Flächen geführt.

StadtA Kötzting Marktrechnung von 1760 Seite 24
"Nitweniger
So ist gleichfahls Joseph Paur Burger  und Schneidermaister derorthen von dem Pfendter mit seinen 2 Schaafen in ainem Haaber SaammenVeldt ganz allein hierttend angetroffen und demnach, weillen es auch das erstemahl mit der Gewahrnung wie voriger angesehen, und mit der oerd: Straff vom Stuckh per 1 allen 2 also 2 ßpfennig beleget wordten thuet 17 xr 1 H
."
Wegen dieser Pflicht, seine Nutztiere mit der Herde grasen zu lassen, war das "Alleinehüten" unter Strafe gestellt worden und dafür gab es sogar - solange bis die Strafe bezahlt war - einen eigenen "Pfendterstall" im oberen Tor, dem Chamauer Tor. Die Tiere wurde also, wenn auf frischer Tat ertappt, gepfändet und im oberen Tor in einem Stall untergebracht.
Ebenfalls im Jahre 1760 wird es etwas kompliziert und - es hat den Anschein, als ob die Schreiber vor mehr als 250 Jahren auch nicht ohne Fehler gewesen wären.
Ein Schwager beziehungsweise Bruder der Ehefrau hatte der gemeinsamen Mutter, Anna Maria Dirnberger, 30 Gulden geliehen, damit diese im Jahr 1751 das kleine Haus kaufen konnte. Bemerkenswert ist dabei eine Unstimmigkeit in den Quellen: Die eigentlich als Katharina Dirnberger bekannte, inzwischen verheiratete Bauer, wird in diesem Zusammenhang als Anna Maria Bauer und als Ehefrau des Joseph Bauer bezeichnet. Um diese Schuld nun zurückzubezahlen, nimmt das Ehepaar ein Kapital von 30 Gulden bei der St. Sebastiani-Bruderschaft auf und lässt über diese Summe einen Schuldrevers ausstellen.
Drei Jahre später - nun heißt die Gattin wieder Katharina - steht die Frau des Kötztinger Schneidermeisters vor Gericht, hier dem Kötztinger Magistrat, der damals noch die niedere Gerichtsbarkeit hatte:

StadtA Kötzting Marktrechnung von 1766
"Catharina Paurin Schneiderin. und Rosina Kalbin Würthin alhier seint unter einem Gezänckh mit verschiedenen Schmäch Wortten gegen einander gerathen, welches ihnen Verwisen, und zur STraf 1 Pfund Pfennige angelegt worden id est 1 fl 8 xr 3 1/2 (eigentlich 4) He."
Im Bayerisches Hauptstaatsarchiv befinden sich einige Steuerlisten, die immer wieder wertvolle Hinweise darauf geben können, ob die Zuordnung einzelner Personen zu den jeweiligen Anwesen tatsächlich korrekt ist. 
Der große Vorteil mancher dieser Listen – vor allem aus der Zeit vor der endgültigen Festlegung der Hausnummern – liegt darin, dass ihre Reihenfolge häufig auch die tatsächliche Nachbarschaft der Häuser zueinander widerspiegelt.
HStA München Landshuter Abgabe Kl Rott B 5 1777-1800

Hier finden wir also in unmittelbarer Reihenfolge die Namen Leonhard Haas – Joseph Paur – Michael Härtl. Auffällig ist dabei, dass bei Joseph Paur der Name Paur durchgestrichen und durch Drückl ersetzt wurde. Zudem sind bei ihm – anders als bei den beiden Nachbarn – bei den Ernteabgaben einzelne Werte eingetragen. 
Dies deutet darauf hin, dass Josef Bauer und später auch sein Nachfolger Josef Drückl einen kleinen Feldbau betrieben und deshalb Naturalabgaben zu leisten hatten. Ihre beiden Nachbarn dagegen waren offenbar reine Häusler, ohne nennenswerten zusätzlichen Grundbesitz.
Eine weitere zusätzliche Bestätigung dieser nachbarlichen Abfolge ergibt sich aus den Kaufverträgen: Einmal wird als Nachbar der Schlosser Strasser genannt, ein anderes Mal ein Weber Härtl. Auch diese Hinweise fügen sich stimmig in das Bild der unmittelbaren Nachbarschaft ein.


Joseph Drickl und Genoveva Bauer



Am 4.10.1793 übergibt die - mittlerweile verwitwete - Katharina Bauer ihr Haus "am Pfeffergraben mitsamt Schneidersgerechtigkeit, nebst Wurzgartl und neuerrichtetem Gumpenbrunnen" an die Tochter Genoveva. Es sind 50 Gulden Grundschuld bei der St. Sebastiani Bruderschaft und 15 Gulden bei der Bruderschaft in Weißenregen vermerkt. Der Kaufpreis wurde mit 400 Gulden vereinbart.
Am selben Tag noch schließt die neue Hausbesitzerin einen Heiratsvertrag mit dem den Regener Schneidermeisterssohn Joseph Drückl, der mit 60 Gulden Mitgift das von ihr eingebrachte Haus "widerlegt".
Sieben Kinder werden die beiden Schneidersleute in Kötzting bekommen, von denen nur 3 das Erwachsenenalter erreichen, Josef,  Lorenz und Anna. Die anderen Geschwister versterben alle in jungen Jahren: Therese mit 3 Wochen, Anna Maria mit 4 Jahren, Joseph - an Stickhkatarrh - mit 1 Jahr, Appolonia - an Darmentzündung -  mit 12 Jahren 

Ende August 1797 trennt sich Joseph Drückl/Drickl von einem kleinen Acker in der "Scheiblwiese". Nur wenige Wiesengrundstücke in Kötzting besitzen eine eigene Bezeichnung.

Vermessungsamt Cham Detail aus: 5168-2100-LiquiP_Bad_Koetzting_2_1-01

Die Plannummer 359 des obigen Planes bezeichnet die sogenannte "Scheiblwiese", um deren Bewässerung es in Kötzting damals viele Streitverfahren gab. Ganze 143 Gulden erhielt der Schneidermeister für dieses kleine Grundstück.
Im Jahre 1805 kann sich der Schneidermeister 150 Gulden von der Marktkasse leihen und hinterlegt dafür seine "Bürgerbehausung", die zugleich mit 400 Gulden feuerversichert ist.
Durch einen unbekannten Zufall haben sich die Wahlzettel der Kötztinger "Kommunalwahl" von 1806 komplett erhalten: Hier zunächst die Übertragung des Wahlzettels in die Gesamtliste. Damals gab es keine Wahlvorschläge sondern Jedermann konnte seine Lieblingskandidaten für die drei Ämter: Bürgermeister. Gemeinderat und Bürgerausschuss frei bestimmen.


StA Landshut LGäO Kötzting Nr. 793 Magistratswahlen von 1806
Hausnummer 93 : Josef Drickl
Für den Bürgermeister: Windorfer
Für den Rat: Anton Mack - Leszkier - Schepperl - Gernhuber
Für den Ausschuss: Math. Pfeffer - L: Mühlbauer - Baptist Lanzl und Jos. Reitmair

Hier nun sein handschriftlicher Wahlzettel:



Haus Nro 93
Vor Joseph Drickl Schneitermeister die Kammer
und Rhat wall wie auch die vor Ausschuß

Vor dem Herrn Kammer ist meine Stimme Herr
Johann Georg Windorfer alls Kammerer

Zu die Vier Ratt Herrn ist meine Stime der Erste an den Mag Naglschmitt, der 2. Herr Lesger Goltarbeiter
der dritte Herr Schebl Bater der 4 Gasper Giergenhueber Hafner

Der Ausschuß otter Gemeins Vertr. der erste Matias
Pfefer schneitermeister der 2. Lorenz Mielbauer Lein und Zeug
weber der 3. Papist Länzl Schneuter Meister der 4. Joseoph
Reitmair Kuefner vor der Brug"

Im selben Jahr kommt es zu einem Grundstückstausch: der Bäckermeister Georg Seiderer gibt an den Schneidermeiter seinen "Wiesengrund auf dem sogenannten Richtanger per 3/4 Tagwerk" und erhält dafür den Dricklschen "Laubberganteil am Watzlhof". Da das Wiesengrundstück einen viel höheren Wert hatte, muss Drückl noch 200 Gulden als Ausgleich draufgeben.
Lange behält Joseph Drückl die eingetauscht wiese nicht, sondern verkauft diese im Jahr drauf an den damaligen Müller auf der Sagmühle Johann Weber. Da er nun aber nur 200 Gulden für dieses Grundstück erzielen kann, hat er wohl einen finanziellen Verlust hinnehmen müssen. 

Es kommt das Jahr 1811 und un Kötzting werden zum ersten Male Hausnummern vergeben - auch wenn diese 30 Jahre später bei der endgültigen Festlegung - noch einmal leicht verschoben werden mussten, weil bei der Erstaufnahme Gebäude in kommunalem oder kirchlichen Besitz übergangen wurden.
Hier nochmal - mit diesem Häuser- und Rustikalsteuerkataster haben wir ja diesen Beitrag begonnen - 
der Eintrag:
Eine zusätzliche Schwierigkeit liegt darin, dass dieses Häuser- und Rustikalsteuerkataster die erst 1840 eingeführten endgültigen Hausnummern noch nicht kennt. Eine hilfreiche Hand hat jedoch wohl schon bei der Erstellung des Grundsteuerkatasters von 1840 diese „Entschlüsselung“ vorgenommen und die späteren Hausnummern mit Bleistift am Rand vermerkt.
StA Landshut Rentamt Kötzting Rep 300 B27
Markt Kötzting - Hro 107(!) Joseph Druckl - (in Blei: HN 113)
a:Das zum Theil gemauerte, zum Theil gezimmerte Haus mit Stall und Schupfe, dann 
b: einen Hausgarten
Nutzantheil an den noch unvertheilten Gemeindegründen
Gemeindsantheil im Kroith
( heute der Schinderbuckel) ao 1803 zu Acker cultiviert
Noch ein erkhaufter Gemeindeantheil in den Kroithhäng ao 1803 zu Acker und Wiese cultiviert
Das aus den Klosterpfarrgründen erkaufte Ackerl im Kroith



Nun folgt der nächste Besitzerwechsel:


Lorenz Drickl und Obermaier Katharina






Bei der oben bereits angeführten Schuldverschreibung des Dricklschen Ehepaares bei der Marktkasse ist es nicht geblieben; vielmehr häuften sich Rückstände über Rückstände an. Um sein Anwesen vor der Zertrümmerung zu retten, versuchte Johann Drickl, dieses auf seinen Sohn Lorenz zu übertragen. (StadtA Kötzting AA X/55)
Im Jahre 1824 stellte er zudem ein Gesuch um die „Verleihung einer Schneidergerechtsame“. Drickl wollte dabei nicht nur einen Teil seines Anwesens, sondern auch seine Schneiderkonzession an den Sohn weitergeben. Die Gesamtschulden bezifferte Drickl sen. auf 896 Gulden. Sein Sohn Lorenz übernahm davon zunächst 200 Gulden, um wenigstens die dringendsten Rückstände zu begleichen. Mit all diesen Manövern versuchte der Vater, die endgültige Zertrümmerung des Anwesens abzuwenden.

StA Landshut Rentamt Kötzting B 28 

"Joseph Drickl übergibt am 24ten July 1828 seine Bürgersbehausung mit Gemeinde Nutzen dann Ackerl und Wiese in der Kroitt an seinen Sohn Lorenz Drückl um 675 fl sonst ohne Änderung"

Joseph Drickl arbeitete inzwischen gemeinsam mit seiner Frau sogar als Polizeidiener in Altrandsberg. Für die beantragte Übergabe legte Drickl Lorenz sowohl seinen Lehrbrief als auch sein Wanderbuch vor. Anschließend heiratete er Katharina Obermaier aus Wolfersdorf. Das Gesuch wurde schließlich genehmigt.




Josef Probst und Drickhl Anna


Im Jahre 1826 erhält der Häusler Joseph Probst das Kötztinger Bürgerrecht und heiratet, als Küfnermeister, die Schneiderstochter Anna Maria Drickhl.
Im Jahre 1827 stellt er auch einen Antrag auf die Binderkonzession:
StadtA Kötzting AA X61: "Gesuch um Verleihung einer realen Kufnerkonzession. Hat die Wohnung von Reitmaier Joseph gekauft und das erforderliche Vermögen und das Bürgerrecht erworben. Muss sich  zusätzlich durch gerichtliche Zeugnisse ausweisen. Antrag wurde Genehmigt."


Am 15. Januar 1828 erwirbt er das Haus von seinem Schwager:

StA Landshut Rentamt Kötzting B 28 
"Dem 15. Jänner 1828 hat Lorenz Drükl bürgerlicher Schneidermeister in Kötzting sein ludweigenes Bürgersanwesen von allda an seinen Schwager Joseph Probst KüfnerM: derorten um 675 fl verkauft, sonst ohne Änderung"

Einschub: ein Sprung zurück auf den Vor-Vorbesitzer, den Schwiegervater des Joseph Probst:

Auch in Altrandsberg war die Verschuldung Josef Drickls weiter angestiegen, wie aus einer Vergleichsverhandlung vor dem Kötztinger Marktmagistrat aus dem Jahre 1836 hervorgeht. JD war zu dieser Zeit aber bereits Amtsdiener in Kötzting geworden.
StadtA Kötzting AA VIII/12 Nr. 60
am 20. Okt. 1836
Auf Klage der Anna Zobner led. Häuslerin v. Randsberg gegen Joseph  Drickl Marktdiener in Kötzting wegen einer Schuld ad 90 fl und 8 fl Leichenkosten für ein außerehelich erzeugtes Kind, konnte ein Vergleich nicht erzielt werden, daher der Klägerin das Zeugnis ertheilt wird.,
Klägerin unterschreibt sich njicht
Drickl Amtsdiener
Dieses "Zeugnis" war der Beleg dafür, dass vor einer Klageeinreichung das Mittel eines Vergleich versucht worden war und war obligatorisch, um vor dem Amtsgericht überhaupt klagen zu können.

Auch Josef Drickl bemühte das Kötztinger Vergleichsamt, so zitierte er seinen Schwiegersohn vor das Amt, weil dieser seinen Austragszins, den er ursprünglich mit seinem Sohn Lorenz abgeschlossen hatte, nicht einhalte:
"22. Dezember 1842: Der vormalige Polizeidiener Josef Drickl v K stellt gegen Josef Probst, Binder von K.,  wegen  Verabreichung des ihm nach dem  Beherbergsabvertrage  vom 24. Juli 1824 stipulierten jährlichen Herbergszins zu 1 fl Klage. Es kommt kein Vergleich zustande.
Es geht aber auch umgekehrt: nun geht's um das eigentlich vertraglich versprochene Heiratsgut der Tochter, welches der Schwiegersohn gerne haben würde:
 
 16. Februar 1843: Der Häusler Josef Probst v K belangt den vormaligen Polizeidiener Josef Drickl v K auf den Grund des Eheverlangens vom 28. Juli 1827 um ein rückständiges Heiratsgut für sein Eheweib -   Anna Maria Probst geborene Drickl - im Betrage von 100 fl. Der Beklagte widerspricht der Forderung durchaus und der Kläger bittet um Klageausfertigung. 

Am 22.12.1853 verstirb der - nun als Polizeisoldat bezeichnete - Joseph Drickl hochbetagt mit 86 Jahren an Altersschwäche. Auch seine Frau Genoveva Drickl wurde für damalige Verhältnisse sehr alt. Sie starb am 11.10.1843 mit 82 Jahren an Altersschwäche.
Der Sohn Lorenz Drickl - Schneider - war am 20.6.1849,  mit 55 Jahren der Brustwassersucht erlegen. 
Die Schwiegertochter Katharina Drückl starb mit 59 Jahren an Phthisis abdominalis (=Bauchschwindsucht, wohl extreme Entkräftigung) am 13.8.1846.

Von Lorenz Drückl gibt es noch ein kleines Detail in den Akten: in den Marktrechnungen von 1843 wird er mit einer Ausgabe von 18 Gulden 36 Kreuzern (!) angeführt: für die " Errichtung der Triumphbögen" für den Bischofsbesuch.

Einschub Ende

Im Jahre 1840/1 wird das erste Grundsteuerkataster Kötztings zusammengestellt und im Jahr drauf auch ein sogenanntes Mieterkataster. Beide zusammen lassen uns einen Blick auf den Grundbesitz und auf die innere Struktur des Gebäudes werfen.

StA Landshut Grundsteuerkataster 5039
"Hausnummer 113 in Kötzting - Kufner - Joseph Probst
Ein Haus
Gebäude: Wohnhaus mit Stall aneinander, besonderer Stadl, dann Hofraum
Garten: Gras und Baumgarten, das Hausgartl
Gemeinderecht: zu ganzem Nutzantheil an den noch unvertheilten Gemeindebsitzungen"

StA Landshut Grundsteuerkataster 5039

Gemeindetheile vom Jahre 1803
Acker: 
Plnr. 1046b an der Kroith
Plnr 1049 im Kroith mit Wiese, die Auwand genannt
Plnr 1108 im Kroit
sämtliche kultiviert im Jahre 1803

Wiese: 
Plnr 1046b im Kroith

StA Landshut Grundsteuerkataster 5045 Mieterkataster

Hausnummer 113
1.) Joseph Probst, Küfner /:Hauseigenthümer 
1.. Hauptgebäude
I 1 Wohnzimmer, 1 Verschlag, 1 Gewölbe und 1 Stallung
Unterschrift Joseph Probst

2.) Paul Hatzmaier, Taglöhner /:Mieter
I 1 Wohnzimmer und Verschlag, Antheil am Hausboden unterm Dach
Unterschrift Paul Hatzmayr

3.) Theres Hatzmaier, Arbeiterin /:Miether
II 1 Wohnzimmer, 1 Kammer und Antheil am Hausboden unterm Dach 
Unterschrift X =Handzeichen der Theres Hatzmaier

2. Nebengäbäude:
4.) Joseph Pfobst, EIgenthümer

Eine kleine Scheune mit der Thenne, dann Stall
Unterschrift Joseph Probst"


Im ersten revidierten des Grundsteuerkataster von 1860 findet sich am Anfang des Bandes bereits eine Fortschreibung der Besitzverhältnisse:

StA Landshut Grundsteuerkataster 5047

Auf den Küfner Probst Joseph folgen hier zunächst sein Sohn Johann und danach folgt bereits der nächste Josef Probst.

 Probst Joseph und Waldherr Theresia


Am 19. September 1865 heiratete der Bindermeister Joseph Probst, Sohn des Binders Joseph Probst und dessen Ehefrau Anna Maria, die Söldnerstochter Theresia Waldherr aus Blaibach. Noch im selben Jahr stellte er beim Magistrat den Antrag auf Erteilung einer Konzession als Binder.
Solch eine Betriebsübergabe musste jedoch auch von amtlicher Seite genehmigt werden: 
StadtA Kötzting AA X/122: "Gesuch des Probst Joseph Bindersohn um Verleihung einer persönlichen Binderkonzession nach K und Ansässigmachung auf dem elterlichen Anwesen. Seine Verehelichung mit  Waldherrr Theresia Söldnerstochter von Blaibach. Der Vater verzichtet zu Gunsten des Sohnes. Der Antrag wurde genehmigt, auch die Heirat."

Als er im Jahre 1865 das Haus seines Vaters übernommen hatte, konnte er sich sicherlich nicht vorstellen, dass er bereits weniger als 2 Jahre später vor den Trümmern seiner Existenz stehen würde.
Eine Woche vor dem Pfingstfest im Jahre 1867 zerstörte eine Großbrand fast eine Hälfte der Kötztinger Anwesen, darunter auch das mit der Hausnummer 113..... oder genauer, bei der Häuserreihe, zu der auch unser Anwesen gehört, kam der Brand dann zum stehen.

Detail aus StA Landshut Rep 164/8 Nr. 1570: der Marktbrand in Kötzting

Bereits am Folgetag versuchte sich der damalige Bezirksamtmann Carl von Paur durch ein tabellarisches Protokoll ein Bild von der katastrophalen Lage und den Bauschäden in Kötzting zu machen..

"Protokoll
aufgenommen bei der Brandschadensbesichtigung und Schadens Erhebung bezüglich des stattgefundenen Brandes in Kötzting
Am 11. Juni 1867 und die folgenden Tage
Praes: Kgl Bezirks=Amtmann
Regierungsrath  v. Paur und der
kgl Brandversicherungs Inspektor Habler
"

"Probst Josef Häusler und Binder
Das zweistöckige Wohnhaus am Pfeffergraben von Holz erbaut und mit Schneidschindelbedachung versehen gewesen.
"

"Das Resultat der Besichtigung und Schadenserhebung vide Tabelle I Nro 8 
Weiters besitzt  derselbe :

2. den einstöckigen Stadel von Bretterumfassung construiert, u mit Schneidschindelbedachung versehen gewesen
Unterschrift Joseph Probst.

Dann also weiter zur Tabelle I mit der Nummer 8:

Nro 8 Hsnr 113 Probst Josef Binder
Beschreibung der Gebäude vor dem Brande vide Protokoll sub Nro XXXIV
Befund:
ad 1.) Das Gebäude nist bis auf den Grund niedergebrant, Schaden total
ad 2.) Das Gebäude ist bis auf den Grund niedergebrannt, daher gleichfalls totaler Schaden.

Die Schadensversicherung beträgt für beide Gebäude zusammen 350 Gulden.


Nachdem es im Markt Kötzting nun bereits der zweite Marktbrand  - der erste war im Jahre 1717 - gewesen war, der seinen Ausgang in der Mitte der Marktstraße und, mit seinen verheerenden Auswirkungen fast gleichartig, vom Friedhof bis in den unteren Markt reichte, schritt man von der Planungsseite zu einem vorbeugenden Brandschutz und bildete durch die neu anzulegenden Straßen regelrechte Brandschneisen. So wurde die Verlängerung der Metz- und der Schirnstraße hinüber zur  - heutigen - Gehringstraße erst im Nachgang dieses Brandes durchgesetzt, was den Verlust von zwei Marktlehen bedeutete, die auf dem Platz dieser neuen Verbindungstraßen gestanden hatte. In gleicher Weise wurde die Torstraße leicht gedreht - Verlust ein Haus gegenüber dem vorherigen Zustand und auch die heutige untere Marktstraße erhielt erst durch die neuen Planungen ihre heutige Gestalt, zumindest was die Verkehrswege angeht.

StA Kötzting 021-1

Wie man an dem Bild gut erkennen kann, liegt der Platz unseres Hauses etwas abseits des projektierten Pfeffergrabens. In den späteren Grundsteuerkatastern ist inzwischen von einer Hausnummer 113a und 113 b die Rede, das Anwesen wurde wohl beim Neuaufbau an die Südgrenze des Grundstücks gerückt, so dass Platz wurde für ein weiteres Gebäude entlang der heutigen Holzapfelstraße. 
Hier noch einmal zum besseren Verständnis und Vergleich der Schadensplan von vorhin:

Detail aus StA Landshut Rep 164/8 Nr. 1570: der Marktbrand in Kötzting

Im Jahre 1872, also nach dem Neuzuschnitt der Kötztinger Straßen v.a. in dem Bereich des Pfeffergraben und der heutigen Holzapfelstraße  kommt es zu einem Nachbarschaftsstreit um bzw. wegen einer Wasserableitung.

Hier zur Erläuterung des Streits die jeweiligen Hausbesitzer zu der Zeit
Probst auf der 113(b)
Dirscherl auf 114
Fink auf 115


20. Dezember 1872: Erscheint der Flößer Josef Fink und erklärt: Wegen der Fahrt von meinem Hause hinter dem meines Nachbarn Dimpfl weg, welche mir letzterer verwehrt verlange ich Augenschein durch eine magistratische Commission, um sodann eventuell Klage stellen zu können.
Augenschein Protokoll: Der vorgenommene Augenschein ergab folgendes. Hinter dem Hause des Fink und Dimpfl zieht sich gegen das Anwesen des Probst zu ein schmaler, ferner an die Straße angrenzenden Platz hin, welcher jeder der genannten Anwesen als Ab- bzw. Zufahrt dient.
Dimpfl hat auf seinen Platz einen Düngerhaufen aufgelegt, welche die Ab- und Zufahrt zu Fink hindert. Die Frage, ob diese Düngelagerung gestattet werden kann, soll im Vergleichswege gelöst werden und soll deshalb  ein Sühneversuch anberaumt werden. 

16. Jänner 1873: Erscheint Herr Anton Dimpfl, Hutmacher dahier und erklärt: zwischen meinem und dem Hause des Probst läuft das Wasser von oben herab durch und über meinen Grund der abhängige Lage gemäß auf jenen des Probst. Letzterer vermacht nun den Abfluss des Wassers, so dass Letzteres auf meinem Grund stehen bleiben muss. Aber nicht genug damit, wirft er einen förmlichen Wall auf, unterminiert meinen Zaun,  schlägt Pfeiler u dgl ein , kurz geriert sich, als ob ich gerade mit mir tun müsste lassen was er wollte.
Ich bitte nun dringend um Augenscheinnahme, da ich , wenn heute Regenwetter eintritt, vom Wasser geradezu überschwemmt werde. Ich bemerke hierbei, dass das Ganze lediglich nur aus Bosheit drüben geschieht,  weil ich mit seinem Schwager Fink wegen einer Fahrt in Differenzen bin. Es kam trotz großer Bemühungen kein Vergleich zustande. 

2. Juni 1874: Erscheint Binder Probst und erklärt: Beim Vergleiche am 20. Januar 1873 wurde bestimmt, dass Dimpfl einen Kanal zum Abfluss seines Wassers herstellen lassen muss. Dieses ist bis jetzt noch nicht geschehen und ich habe immer das Wasser im Hofe, auch läuft dasselbe in den Brunnen. Ich ersuche nun, den Dimpfl nochmal aufzufordern, ob er den Kanal herstellen will oder nicht. Außerdem bin ich gezwungen die Sache weiter zu verfolgen. -

9. Juni 1874: Herr Dimpfl erklärt: Nach dem schriftlich am 20. 1. 73 vor dem Vermittlungsamte abgeschlossenen Vergleiche habe ich lediglich mein Hauswasser abzuleiten, was auch geschehen ist. Ich habe eine Rinne anbringen lassen, nun läuft das Wasser neben meinem Hause vorüber rückwärts in den Straßengraben.
Dagegen kommt vom Schulhause her bei starken Regen viel Wasser, weil die Schulgemeinde den Kanal noch nicht hergestellt hat, wie dieses im Protokoll vom 20. 1. 73 bestimmt ist. Dieses Wasser läuft natürlich hin wo es will und kann ich nicht dafür, wenn  dieses Wasser zum Probst läuft, er muss Klage gegen den Magistrat als Schulverwaltung einreichen.  


Es war schwierig......

Lageplan aus einem Bauantrag des Anton Haas mit dem neuen Straßenzuschnitt des Pfeffergrabens und der heutigen Holzapfelstraße

Von beiden Eheleuten hat sich im Staatsarchiv Landshut ein Nachlassakt erhalten:

StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 35 Nr. 61 von 1892 Hanr 113 Probst Theres
Therese Probst
54 Jahre 4 Monate
Bindersehefrau
verheirathet
4. September 1892 vormittags 8 3/4 Uhr
Kötzting HsNro 113

Bei den Erben bzw. den hinterlassenen Familienmitgliedern wurde vermerkt:
1. der Witwer Joseph Probst Bindermeister

2. die Kinder:
Josef Probst Binder unbekannter Aufenthalt
Heinrich Probst z.Z. Soldat im k II Inf. Regiment in Regensburg
Kathi Probst in Kötzting   sämtlich volljährig.

Der Witwer Joseph Probst lebte noch viele Jahre lang, allerdings verstarb er nicht in Kötzting sondern in einer Pflegeanstalt in Deggendorf.
StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 47 Nr. 72 Probst Josef Hanr 113 von 1907

Probst Josef - 76 Jahre - Bindermeister - verheiratet - 
Todestag: 6.8.1911 in Deggendorf 477 1/2 Heil- und Pflöegeanstalt.
Die Armenpflege Kötzting bezahlte die Verpflegungskosten
2 Kinder vorhanden, Name, Stand, Alter und Wohnort unbekannt.


Die nächste Übergabe erfolgte wohl nach dem Tode der Mutter und Ehefrau:
Am 17.1.1892 heiratete Josef Probst, Sohn des Josef und der Therese Waldherr, die Viechtacher Braumeisterstochter Anna Köppl.


Probst Josef und Köppl Anna



Sechs Kindergeburten sind für das junge Paar in den Kötztinger Geburtsmatrikeln vermerkt, wobei nur 3 überlebten. Bei einem von der Hebamme notgetauften Baby hieß es, es hätte nur ganze 5 Minuten gelebt.
Josef Probst der junge Bindermeister in der dritten Generation wurde nicht alt. Er starb bereits mit 40 Jahren und hinterließ seine Frau mit drei Kindern.

StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 47 Nr. 72 Probst Josef Hanr 113 von 1907
Josef Probst - 40 Jahre - Binder - verheiratet - 25. Oktober 1907 - Kötzting HsNro 113
Seine Hinterbliebenen waren seine Witwe Anna, geb. Köppl und seine drei Kinder Katharina - Alois und Anna.

Es wird kompliziert...



Das Haus mit der alten Hausnummer - respektive das Grundstück des Anwesens - wurde nun einerseits aufgeteilt und zusätzlich durch zwei Neubauten erweitert.
Das "alte" Anwesen erhielt die Hausnummer 113 b und wurde an August Hofner veräußert.
Auf dem östlich gelegenen Grundstück - also in Richtung Pfeffergraben - nun unter der Hausnummer 113a entstand nach dem neuen Straßenzuschnitt das Haus der Familie Feßmann und auf dem nördlichen Teilgrundstück errichtete Anna Probst einen Neubau.

StA Landshut Grundsteuerkataster 5052 Hausnummer 113 a in Kötzting nun Pfeffergraben 8


Anna Probst verkaufte nach dem Tode ihres Ehemannes ihr ursprüngliches Anwesen an August Hofner und erbaute in der Lücke zwischen ihrem früheren Haus und dem nördlichen Nachbarn ein kleines, schmales aber schmuckes Häuschen, das der Kötztinger Architekt Herre entworfen hatte.

StA Landshut Rep 162-8  Sch. 24 Nr. 3475 Probst Anna 1910


Auf dem Lageplan kann man sehr schön erkennen, wie aus einem haus nun drei Anwesen sich das Grundstück teilten. Als Nachbarn unterschrieben August Hofner, Joseph Ellmann und Franziska Vogl


Die weiteren/späteren Hausbesitzer waren in der Reihenfolge:
Heizer Eduard - Forster Josef - Dirscherl Wolfgang und Maria - Dirscherl Wolfgang

Fotosammlung Stadt Bad Kötzting Situation ca. 1982


August Hofner und Mühlbauer Katharina


Am 10.2.1896 hatte der aus Rimbach stammende Bader August Hofner die Grafenwiesener Söldnerstochter Katharina Mühlbauer geheiratet,  sich in Kötzting niedergelassen und im Jahre 1910 das Eckgebäude Holzapfelstraß0e/Pfeffergraben erworben.
Im Jahr drauf reichte er einen Bauantrag ein, um den Hauszugang durch eine Ladentüre und ein Schaufenster zu erweitern.

Am 10. Februar 1896 hatte der aus Rimbach stammende Bader August Hofner die Grafenwiesener Söldnerstochter Katharina Mühlbauer geheiratet, sich anschließend in Kötzting niedergelassen und im Jahre 1910 das Eckgebäude an der Holzapfelstraße/Pfeffergraben erworben.

Bereits im darauffolgenden Jahr reichte er einen Bauantrag ein, um den Hauszugang durch den Einbau einer Ladentüre und eines Schaufensters zu erweitern.


Der Bader Hofner August verstarb bereits mit 42 Jahren am 10.7.1914 und hinterlies nur sein Haus für seine Witwe Katharina. 
Im Nachlassakt des jungen Baders finden sich - solche Quittungen finden sich nur sehr selten in den Nachlassakten - eine Reihe von Abrechnungen von der Beerdigung des August Hofners, die uns einen Einblick gewähren über die damaligen Ausgaben:
StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 56 von 1914 Nr. 65  Hanr 113 Hofner August
Beerdigungskosten von der Friedhofsverwaltung
Quittung über 6 Mark
für Dienstleistung bei der Leiche und Einsagen des Herrn August Hofner
dankend erhalten Leichenfrau Cäcilie Fischer

1 Leichentuch - 1 Sargkissen - 1 Kreuzflor -  1 Flor für Träger - 1 m seid. Band - 1 Servitur

300 Stk Todesanzeigen - 250 Stk Sterbebilder - Danksagung im Anzeiger

Die Rechnung des Schreinermeisters August Hofner vom oberen Markt - heute die Raiffeisenbank Bad Kötzting - über einen Sarg

Die Rechnung des Pfarramtes für 2 Ämter und die Aussegnung - Unterschrift Pfarrer Nagler

.

Quittung
über 14 M 10 Pf
... welchen Betrag ich Unterzeichneter für Transport Tragen Grabmachen
Opfergeld u. Dekoration im Leichenhaus für den verstorbenen Herrn August Hofner Bader von hier richtig erhalten habe. quittiert Johann Kalb
 

Nun musste die Witwe alleine für das Fortkommen der Familie sorgen – und moderne Zeiten verlangten nach modernen Mitteln. So ging Katharina Hofner, nunmehr Inhaberin eines Friseurgeschäfts, auch neue Wege und machte mit Werbung auf ihr Geschäft aufmerksam:




DIA-Repro 1682 eine tolle Aufnahme mit vielen Details:

Im Hintergrund erkennt man die Zufahrt hinter dem Schmidtbräukeller zur Werkstatt und zum Materiallager des Kötztinger Bildhauers Eberhard Schaefer. Rechts am Gebäude ist – ebenfalls im Hintergrund – der Erker des Neubaus der Anna Probst (siehe weiter oben) zu sehen. Im Vordergrund posiert vermutlich die Familie Rumpf der Katharina Hofner.


Von Katharina Hofner, einer Nachfolgerin auf dem haus und eine Schneiderin, gibt es sogar von Frau Christa Rabl ein Foto bei ihrem Haus.


Foto Rabl-Dachs Katharina Hofner



Das Haus, das auf diesem Bild bereits einen heruntergekommenen Eindruck macht, verfällt in den kommenden Jahrzehnten immer mehr und gilt in den 70er Jahren als einer der Schandflecke Kötztings.

DIA-Repro 2142 




Foto Christa Rabl-Dachs

Sammlung Stadt Kötzting - Holzapfelstraße

Was hier so als Ruine erscheint, erblühte Jahre später durch einen Neubau der Familie Kolbeck




Doch nun noch ein Blick auf das dritte Gebäude, das auf dem historischen Grundstück HsNro 113 errichtet wurde.


Josef Fessmann und Walburga Ellmann

Am 4.2.1895 heiratete der Kötztinger Uhrmacher Joseph Fessmann - seine Eltern waren der Weissenregener Söldner Joseph Fessmann und dessen Frau Anna Maria Rabl - die Kötztinger Häuslertochter Walburga Ellmann.

Im Jahre 1898 reichte der Uhrmacher einen Bauantrag ein und erweiterte sein - zur Straßenfron hin - schmales Häuschen.



StA Landshut Rep 162-8  Sch. 22 Nr.  3302 Fessmann Josef Wohnhaus 1898 Pfeffergraben 1898



Im Jahre 1907 erweiterte er seinen Bau:

StA Landshut Rep 162-8  Sch. 23 Nr. 3431 Fessmann Josef Hanr 113a




Aus dem Umschreibeheft des Grundsteuerkatasters können wir die nächsten Besitzer entnehmen:
Nach der Familie Fessmann kommt Barth Ludwig, der Barth Sattler und mit ihm dann  - endlich - wieder Kötztinger Pfingstakteure.




Eine tolle Bilderserie haben wir vom "Barth Sodla" Ludwig Barth in unserer Sammlung.

Foto Sammlung Serwuschok: der Pfeffergraben als Kötztings erste Einbahnstraße im Jahre 1974

Sammlung Serwuschok: der Pfeffergraben angedacht als Spielstraße, vorne rechts der "Barth Sattler".





DIA-Repro 1385 das Haus des Barth Sattlers

DIA-Repro 1914 Ludwig Barth 1928 Sattlermeister ,mit Sohn Josef 



DIA-Repro 1915 Ludwig Barth mit Tochter Käthe (verh. Schreiner) und Sohn Josef    Pfeffergraben Handwerk



Der Sattlerbetrieb Barth



DIA-Repro 2036: Beim Barthsattler 1950 Geiger Thomas in der Werkstatt, Bursch  Willi aus dem Zellertal, mit Locken aus Miltach mit Sessel

DIA-Repro 2035: Beim Barthsattler 1950 Geiger Thomas in der Werkstatt, Bursch  Willi aus dem Zellertal, mit Locken aus Miltach mit Sessel



DIA-Repro 1389  v. li. Ludwig Barth,Sattlermeister, Franz Kurz, Josef Kufner (Simon Weißenregen) Johann Mühlbauer Kettersdorf





DIA-Repro 1389 Pfingsten  vor 1950 bei der Kranzlüberreichung am Bleichanger, v. li Ludwig Barth, Bürgermeister Johann Schödlbauer, Pfarrer Dietl

Die Pfingstakteure


Gleich aus zwei nachfolgenden Generationen – einmal ein Pfingstbräutigam und einmal eine Pfingstbraut – lassen sich Pfingstakteure auf dieses Anwesen zurückführen.

Frau Käthe Schreiner konnte ihren Sohn Rudi im Jahre 1990 als Pfingstbräutigam bewundern und unterstützen. Dieser wiederum war später der stolze Vater der Pfingstbraut des Jahres 2024.


Foto Homepage des Burschen und Wanderervereins Bad Kötzting
V.l. Siegfried Martinitz - Angelika Casaretto - Rudi Schreiner - Harry Holzer
Bild vom Pfingstmontag 1990


Foto Homepage des Burschen und Wanderervereins Bad Kötzting
V.l. Siegfried Martinitz - Angelika Casaretto - Rudi Schreiner - Harry Holzer
Bild vom Pfingstdienstag 1990
Foto Homepage des Burschen und Wanderervereins Bad Kötzting
V.l. Siegfried Martinitz - Angelika Casaretto - Rudi Schreiner - Harry Holzer
Bild vom Pfingstmontag 1990
links vor ihrem Anwesen am Straßenrand der Pfingstbräutigam von 1963 Hans Kuglmeier und seine Tochter Andrea, die Pfingstbraut des Jahres 1985.







Foto Pongratz: Burschen- und Brautzug 2024 Pfingstmontag

Foto Pongratz: Ehrentrunk vor dem Alten Rathaus Pfingstmontag 2024

Foto Pongratz: Ehrentrunk vor dem Alten Rathaus Pfingstmontag 2024
v.l. Felix Pfeffer - Eva Maria Schreiner - Andreas Kolbeck - Andreas Oexler 

 




Foto Pongratz das "Team" von 2024 zusammen mit dem Kötztinger Bürgermeister Markus Hofmann





Foto Homepage des Burschen- und Wanderervereins Bad Kötzting
v.l. Felix Pfeffer - Eva Maria Schreiner - Andreas Kolbeck - Andreas Oexler 
Pfingstdienstag 2024

Im drauffolgenden Jahr -2025 - zeigte sich die "alte" Pfingstbraut den Burschen am Alten Rathaus am Pfingstmontag  - im Zusammenhang mit dem Ehrentrunk des "neuen" Pfingstbrautpaares - und trug dabei ihr "Pfingstdienstagskleid", kam also in Farbe.

Foto Pongratz: Pfingstmontag 2025

Am Folgetag war die Pfingstbraut des Vorjahres dann in "Weiß" zu bewundern, während die "neue" Pfingstbraut in Farbe ging.

Foto Pongratz: Pfingstdienstag 2025

Das war aber noch nicht der Abschluss ihrer Aufgaben. Seit wenigen Jahren ist es die Pfingstbraut des jeweiligen Vor-Vorjahres, die beim Ehrentrunk die Zinnbecher den Gästen anbietet. Hier also der abschließende Einsatz der Pfingstbraut Eva-Maria Schreiner am heurigen Pfingstmontag:


Foto Pongratz: Pfingstmontag 2026:  Eva Maria Schreiner  und die Mutter der Pfingstbraut
 von 2026 Romy Weindl.



Da es in heurigen Jahr (2026) den zweiten Teil der Kötztinger "Pfingstbrautkleidausstellung" gab, kann ich hier das tolle goldfarbige Brautkleid Eva-Maria Schreiners vom Pfingstdienstag 2024 - einschließlich der langen Schleppe -  noch anfügen:

Foto Pongratz 2026

🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken. Wer es noch nicht weiß, um was es sich bei diesem Programm handelt, kann sich gut im folgenden Blogbeitrag informieren: Die interaktive Karte und ihre Möglichkeiten :

🔎 Wer diesen Beitrag dort wiederfinden möchte, muss ein wenig suchen:
Er verbirgt sich in der Markergruppe Kötztinger Häuserchronik 

Viel Freude beim Entdecken!

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