In unserer Zeitungs- und Bildersammlung steckt ein ganzes Kötzting vergangener Jahrzehnte – Geschäftsleute hinter ihren Ladentheken, Tanzflächen voller Paare, Bälle, Burschenabschiede und lange, gesellige Nächte. Man sieht nicht nur Gesichter – man spürt die Stimmung. Zeitung und Foto wirken dabei wie zwei Stimmen eines Chors: Die eine berichtet, die andere zeigt. Zusammen erzählen sie vom „Stadtbild“ und von Ereignissen in Kötzting vor Jahrzehnten – und von einer Zeit, die uns näher ist, als man denkt.
Im März 1976 richtete sich der Blick plötzlich auf einen Ort der Stille: den Alten Friedhof. Erneut wurde über seine Zukunft diskutiert – und nun offen ausgesprochen, dass aus dem Gelände eine Parkanlage entstehen solle. Der Artikel zeichnet zugleich den Übergang vom Alten zum Neuen Friedhof nach und macht deutlich, wie sehr sich das Stadtbild damals im Wandel befand.
Doch noch im selben Monat berichten die Zeitungen von Schwierigkeiten am Neuen Friedhof. Ein Problem, für das es langfristig eine Lösung geben sollte – das in unserer Familie jedoch eine ganz konkrete, kurzfristige Entscheidung auslöste. Mehr dazu am Ende des Beitrags.
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| Im Jahre 1976 existierte die südliche Umfassungsmauer noch, bzw, war der Mauerring mit seinen prächtigen Grabdenkmälern noch unzerstört und der Friedhof noch umschlossen. |
Aus dem Alten Friedhof soll eines Tages ein Park werden
Gottesacker am Torplatz wird 1992 aufgelöst / Baumgruppen, Ziersträucher und Ruhebänke zwischen kleinen Denkmälern?
Kötzting (kü). Der Alte Friedhof — das ist seit Mitte der sechziger Jahre eine beschlossene Sache — soll 1992 aufgelöst werden.
Eine nicht alltägliche Maßnahme, doch im Gegensatz zu vielen anderen Gemeinden hatte sich der Stadtrat von Kötzting entschieden, die Bevölkerung nicht von heute auf morgen vor vollendete Tatsachen zu stellen, sondern das Überwechseln zum Neuen Friedhof an der Straße nach Haus über ein Vierteljahrhundert hinauszuziehen. Zeit genug, sich an den im November 1966 eingeweihten Gottesacker zu gewöhnen, Zeit genug auch, sich Gedanken zu machen, was mit dem Alten Friedhof geschehen soll. Zum diskutieren hat man noch 15 Jahre, es gibt aber schon konkrete Vorstellungen: Der zentral gelegene Friedhof soll eines Tages zum Park umfunktioniert werden.
■ Bürgermeister Karl Seidl bezeichnete in einem Gespräch mit der „Kötztinger Umschau“ die damalige Entscheidung des Stadtrates, einen neuen Friedhof anzulegen und gleichzeitig auf den alten keine Plätze mehr zu verkaufen, als eine „pietätvolle Lösung“. Mit dem allmählichen Übergang von Jahrzehnt zum anderen Gottesacker wurde Zwistigkeiten wie unlängst beispielsweise in Wettzell vermieden. Vergangenheit und Gegenwart hätten bewiesen, dass die Bevölkerung die Maßnahme versteht und akzeptiert. Es wurden sogar schon einige Gräber umgebettet.
■ Die meisten Beerdigungen erfolgen sowieso schon im neuen Friedhof — seit 1966 mehr als 300. Nach dem 31. Dezember 1981 darf auf dem Friedhof am Torplatz niemand mehr beigesetzt werden. Dann wird noch die übliche Umlaufzeit von zehn Jahren eingehalten. In dieser Zeit muss die Entscheidung über die künftige Gestaltung des Areals fallen. Bürgermeister Karl Seidl („bis dahin bin ich nicht mehr im Amt“) glaubt nicht, dass die 700 Gräber rigoros eingeebnet werden. Ihm schwebt ein Park mit viel Grün und Ruhebänken vor — eine Idee, die ganz im Sinne der heuer zur Beschlussfassung anstehenden Ortssatzung ist.
Einschub:
Auch hier ist, wie in einem Artikel über den Besuch des Bezirksheimatpflegers Dr. Adolf Eichenseer aus Regensburg, erneut von bevorstehenden Beschluss über eine Kötztinger Ortssatzung die Rede, ein Vorhaben, dass dann nur in einem - bunten - Fassadenprogramm endete. Vielleicht erinnern sich noch einige Leser an das dunkellila Anwesen der Metzgerei Haushofer, einem der Preisträger dieses Wettbewerbs.
Einschub Ende
■ Wer die letzte Ruhestätte seiner lieben Anverwandten erhalten und nicht in den neuen Friedhof verlegt wissen will, kann den Grabstein im Alten Friedhof belassen. Die Eigentümer müssen dann allerdings weiterhin für die ordnungsgemäßen Zustand aufkommen. Die freigewordenen Flächen könnten neben Ziersträuchern und Baumgruppen bepflanzt werden, so würde nach und nach eine parkähnliche Landschaft entstehen, mit kleinen Denkmälern und Sitzbänken. Beispiele, wie beliebt diese Ruheoasen sind, gibt es in Mittel- und Großstädten genug.
Zwei Wochen nach dem Bericht über den Alten Friedhof lautete die Schlagzeile:
Diese Situation konnte zwar durch entsprechende bauliche Veränderungen langfristig gelöst werden, veranlasste jedoch meinen Vater und seinen Schwager, Herrn Josef - Bepp - Schödlbauer, zu einer besonderen Blitzreaktion.
Beide Herren waren bei einer Beerdigung im Neuen Friedhof und mussten erleben, dass in der offenen Grube, in die der Sarg des Verstorbenen hinabgelassen werden sollte, hoch das Grundwasser stand.
Nach der Beerdigung stand ihr Beschluss fest. Die wörtliche Aussage meines Vaters lautete damals:
"Wenn I scho hi bin, dann mechat I net a no dasaffa".
Gesagt, getan, kurz nach dieser unangenehmen "Besichtigung" gingen beide Herren aufs Rathaus und sicherten sich zwei Grablegen weiter oben am Berg und damit gesichert im Trockenen. Fast direkt nebeneinander liegend, ruhen nun seit vielen Jahren mein Vater und mein Onkel "Bäpp" in der Erde und zwar im Trockenen, so wie sie es sich gewünscht hatten.
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